Andreas Lorenz: Wie findet man als Vater eine gute Work Life Balance? [006]

Andreas Lorenz

Das Buch zum Podcast

Was ist das Unerwartete das ein Kind mit sich bringt?

  • Wollen Sie wissen, was andere Eltern im Alltag mit Kindern erleben?
  • Wollen Sie wissen, was die grössten Herausforderungen für Eltern sind?
  • Wollen Sie konkrete Hinweise direkt von den Eltern?

Work Life Balance ist kein Zustand, sondern wie es der Name auch schon sagt, es ist immer eine Balance. Es gibt nicht den einen Tag, wo alles perfekt in Balance ist.

 

Andreas erzählt im Interview:

  • Wieso die Beziehung zu seiner Frau durch die Kinder viel bewusster wurde.
  • Wie sie es beide schaffen den Kontakt zueinander nicht zu verlieren.
  • Was für ihn der größte Stressfaktor ist, wenn es darum geht ein guter Vater zu sein.
  • Wie es seine Kinder geschafft haben, dass er ihnen besser zuhört.
  • Was er und seine Frau machen, wenn sie in Erziehungsfragen nicht der gleichen Meinung sind.

Aber jetzt endlich zum Podcast!


Andreas Lorenz: Wie findet man als Vater eine gute Work Life Balance? [006] jetzt hören

Diesen Podcast abonnieren:

Mehr Interviews


Shownotes:

Als Väter haben wir die unglaubliche Chance die Welt zu verändern. Wir schaffen und prägen die Menschen von morgen. Dafür wollen wir ihnen gute Vorbilder und Väter sein, doch wie geht das eigentlich?

Auf papa-online.com teile ich mein Wissen über das Vatersein und hoffe damit einen Beitrag leisten zu können, dass Du die beste Version einen Vaters für Dein Kind sein kannst.

 

website: www.papa-online.com

podcast: www.papa-online.com/podcast


Buchempfehlung von Andreas:


Die 4 Stunden Woche


Ich lese lieber:

Transkript:

P: Herzliche Willkommen zu einer neuen Ausgabe vom Elternpodcast. Mein Name ist Peter Michalik und ich freue mich, dass du dabei bist. Mein heutiger Gast, der Andreas, kommt aus Senden im Münsterland im wunderschönen Nordrhein-Westfahlen. Lieber Andreas, erzähle uns doch erstmal wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast.

A: Ja, hi Peter, also, ja, mein Name ist Andreas Lorenz. Ich bin 37 Jahre alt, Vater von zwei tollen Kindern. Mein Sohn Leopold ist acht Jahre alt, meine Tochter Florentine ist sechs, wird jetzt bald sieben, beide schon in der Schule.

Und ich bin beruflich bin ich kaufmännischer Angestellter, ich bin Vertriebsleiter bei einer großen Sicherheitsfirma und neben meinem Job betreibe ich noch ein kleines, leidenschaftliches Seitenprojekt, das ist ein Papablog, die Seite Papaonline.com. Ich weiß nicht, vielleicht hat der ein oder andere, der dann zuhört davon schon mal was gehört, wo ich halt die Vaterschaftsthemen, die Probleme von Männern heute Vater zu sein und das Ganze unter einen Hut zu bekommen so ein bisschen versuche aufzuarbeiten.

Meine Erfahrungen, die ich als Vater gemacht habe oder die ich seit der Geburt eigentlich meines Sohnes als Vater mache, die ich aufarbeite und versuche davon ein bisschen meiner Erfahrung an andere Väter abzugeben und halt so Probleme, die sich da stellen zu beackern. Ich übrigens hab auch, bin auch Berufskollege jetzt in dem Falle hier auf dem Medium, ich hab da auch einen kleinen Podcast gestartet, wo ich ein bisschen tiefer in das Thema Beruf, Familie und Karriere eingehe und da ein bisschen tiefer eintauche in diese Themen.

P: Das ist sicher spannend, weil das ist ein ganz, ganz wichtiges Thema, glaube ich, im Vatersein oder Elternsein, das miteinander zu vereinbaren.

A: Habe ich auch festgestellt, ist auch eine der, gerade bei meinen Lesern eine der Hauptprobleme, weil man natürlich sich so immer so ein bisschen zerreißen muss. Man will natürlich auf der Arbeit gute Arbeit leisten, Kariere machen, auf der anderen Seite ist man natürlich auch mit Leib und Seele Vater, möchte da alles gut machen.

Und der Tag hat leider nur 24 Stunden, was dann so ein bisschen Zerrissenheit mit sich bringt und dann es gerade immer wichtig ist zu schauen, okay, wo setze ich jetzt meine Prioritäten und wie kriegen ich das überhaupt alles geregelt.

P: Wie lange machst du deinen Blog schon?

A: Ja, wie gesagt, mein Sohn ist acht Jahre und ich bin kurz nach der Geburt gestartet. Der ist im April geboren und im August bin ich mit dem Blog live gegangen und das Ganze hat sich so entwickelt, dass ich, ja, schon seit geraumer Zeit, also schon seit, ich weiß nicht, seit 2005 oder wann, bin ich irgendwann mal über Blogs gestolpert, über das Medium Blog an sich und hab dann zu so verschiedenen Themen, die mich immer in meinem Leben so interessiert haben, hab ich mir die Informationen immer gerne aus Blogs geholt, weil man da halt nicht nur so professionell journalistisch korrekt ausgearbeitete Texte findet, sondern halt auch mal eine eigene Meinung dabei hat und so weiter.

Deswegen fand ich das Medium ganz spannend an sich und hab dann natürlich als meine Frau oder als wir schwanger wurden oder meine Frau schwanger wurde, wir ein Kind erwarteten, wir sind ja immer schwanger und hab ich dann halt auch gesagt, okay, guckst mal, was da so an Blogs für das Thema gibt und da bin ich halt relativ schnell / relativ erstaunt saß ich vor meinem Computer, weil man echt gar nichts fand, ja. Also, Webseiten zum Thema Elternwerden, die bezogen sich ausschließlich auf die Mütterperspektive und Väter passierten im Internet überhaupt gar nicht 2008, 2007.

Und das hat sich jetzt ein bisschen geändert, aber ich denke mal, da haben wir noch echt einen weiten Weg vor uns als Männer und da hab ich mir gesagt, okay, irgendwann ist mir so die Idee beim Rasenmähen gekommen, also, wo man so eine Stunde lang hin und herläuft, da kriegt man ja die wildesten Ideen und da hab ich gesagt, okay, da machst du das halt. Hab ich halt so ein bisschen über die ganzen Phasen geschrieben, weil wir hatten halt auch am Anfang ein bisschen Schwierigkeiten überhaupt Kinder zu bekommen und das hat alles deutlich länger gedauert, als wir gedacht haben oder geplant hatten.

Und dann hab ich mich mit diesen Themen erstmal so auseinandergesetzt und hab dann gesagt, okay, du schreibst dann halt einfach in dem Blog die Themen, die dich jetzt halt in deiner Vaterphase jetzt aktuell gerade beschäftigen und irgendwann guckst du dann nach ein paar Jahren auf den Blog zurück und hast dann so eine schöne Historie und so eine schöne Entwicklung, dass der Blog sich halt mit meinen Kindern entwickelt oder mit den Lebensstufen meiner Kinder entwickelt.

Und das mache ich jetzt seit acht Jahren, wie gesagt und hab auch noch nicht die Lust daran verloren, also, wie gesagt, da entstehen immer weiter neue Ideen und was mich natürlich auch dabei hält, ist, dass man superviel positives Feedback von anderen Vätern bekommt, die halt genau das gleiche erleben, wie ich das erlebt habe, nämlich das man halt nicht viel Vernünftiges an Informationen findet.

P: Das erlebe ich auch so. Und so wie ich raushöre, verändert sich doch einiges im Leben und das ist ja eigentlich auch so gleich die Überleitung zu meiner ersten Hauptfrage: Was hat sich in deinem Leben durch deine Kinder verändert?

A: Puh! Wieviel Zeit haben wir?

A: Weil, es ist natürlich die Frage, ob sich was verändert oder dass sich was verändert, das ist natürlich Wahnsinn, was sich da alles verändert. Ich will es mal versuchen vielleicht so ein bisschen runterzubrechen, dass man sagt, okay, wie hat sich denn oder was ich so finde, was sich in meinem Leben verändert hat, ohne jetzt auf die Details jetzt so im ersten Step einzugehen, aber ich finde, die wichtigste oder die größte Veränderung, die ich an mir selber festgestellt habe, ist dass sich so die komplette Einstellung zum Leben komplett gedreht hat, also so ein richtiger / man kriegt auf einmal, wenn man Vater ist, eine gewisse Verantwortung hat für einen Menschen, dann verändert sich das komplette Weltbild, also ich blicke heute ganz anders auf meine Leben als ich das vielleicht noch vor neuen Jahren tat. Ich finde, mein Leben ist heute deutlich sinnerfüllter und man hat einfach auch komplett andere Prioritäten, als man sie halt als Kinderloser hat.

P: Was wären diese Prioritäten heute für dich?

A: Ja, also, zunächst einmal geht es mir heute oder es dreht sich alles um die Kinder. Man hat eine riesen Verantwortung, man hat auch eine riesen Chance, ich sehe es immer so, dass wir als Väter nicht nur, aber auch als Eltern insgesamt eine wahnsinnige Chance haben, weil wir schaffen oder wir gestalten die Bevölkerung von morgen.

Alles das, was auf unserem Planeten heute nicht richtig funktioniert, haben wir natürlich durch die Erziehung, durch die Bildung von Charakteren unserer Kinder die Chance für die nächsten Generationen zu verbessern und das klingt jetzt sehr pathetisch, aber ich finde, das ist eine riesen Chance der man sich als Eltern bewußt sein darf und ich blicke halt ganz anders darauf, dass ich einfach sage, früher war mir einfach Karriere, möglichst viel, möglichst schnell viel Geld verdienen, das du dir ein schönes Leben machen kannst, schön in Urlaub gehen kannst, am Wochenende fein Essen gehen und solche Sachen, sehr, sehr materialistisch gedacht. Und das hab ich heute als Vater viel weniger.

Mir ist es total wichtig, dass ich Zeit mit meinen Kindern verbringe, dass wir was Schönes unternehmen, also, das viel wichtiger ist, schöne Dinge zu tun, als schöne Dinge zu besitzen.

Solche Sachen, also, das ist schon / vielleicht war ich damals auch sehr oberflächlich eingestellt, das kann natürlich auch sein, dass man sich so ein bisschen, ja, kritischer selbst hinterfragt, wie die Werte sich so verändert haben. Ich hab da auch mal einen Blogpost drüber geschrieben, der wird immer sehr, sehr kontrovers diskutiert, aber das ist halt so meine persönliche Meinung. Das hat sich bei mir verändert. Bei mir hat sich die Einstellung zu meinem Leben verändert und sehr, sehr stark meine Werte insgesamt.

P: Was mich besonders interessieren würde: Wie hat sich durch die Kinder die Beziehung zu deiner Frau oder eure Beziehung verändert?

A: Ich glaube, man kann das so umschreiben, dass die Beziehung sehr viel bewußter geworden ist, weil mit Kindern oder andersrum: Ohne Kinder läuft ja so eine Beziehung häufig sehr selbstverständlich, man man verbringt die Zeit miteinander, man kümmert sich umeinander, man macht Sachen zusammen und wenn dann auf einmal ein Kind dabei ist, dann dreht sich die Aufmerksamkeit voneinander weg hin zum Kind.

Beide schauen aufs Kind, so dass die Partnerschaft an sich, man muss sich dessen bewußt sein, dass die Partnerschaft existiert und dass man halt investieren muss in die Partnerschaft, also, die Partnerschaft an sich wird mehr Arbeit, man muss sehr, sehr viel absichtlicher tun und bewußter tun, dass man sagt, so, wir nehmen uns jetzt einen Tag in der Woche wirklich für uns, besorgen uns einen Babysitter und kümmern uns um uns, wir reden auch nicht darüber, über die typischen Kinderthemen Pampers kaufen, Pampers wechseln oder hier was halt in den jeweiligen Alterssituationen anliegt, sondern wir reden wirklich über unsere Pläne, wie geht es uns, was fühlen wir, dass man halt den Kontakt zueinander nicht verliert, was ja in so einem Alltag mit Kindern, der vollgepackt ist, der stressig ist, wo es halt zigtausend Dinge zu diskutieren und zu besprechen gibt, die sich um die Kinder drehen, dass man da sich den Kontakt zueinander nicht verliert und das erfordert aus meiner Sicht der Dinge sehr, sehr viel Bewusstsein und deutlich mehr, ja, Arbeit in Anführungszeichen, ja, aber sehr, sehr viel Anstrengung von beiden Seiten.

P: Wann wurde euch das bewußt, dass es so ist?

A: Wann wurde uns das bewußt? Das war uns eigentlich im Vorfeld schon klar, dass man halt schauen muss, dass man sich selber nicht verliert, weil wir haben im Bekanntenkreis oder wir haben einen etwas älteren Bekanntenkreis, die halt schon häufig Kinder hatten und wir uns da so ein bisschen abschauen konnten, wie die das machen und ein paar Sachen fanden wir gut bei ein paar Paaren und bei ein paar Paaren haben wir gesehen, okay, so wie die das machen, wollen wir das nicht machen.

Deswegen waren wir uns da im Vorfeld schon so einigermaßen drüber im Klaren. Natürlich trotzdem ist man, wenn man erstmal das erste Kind hat, taucht man da voll ein und geht da voll drin auf und es fehlt einem auch nichts, aber man merkt halt irgendwann, oh, wir haben schon ganz, ganz lange nicht mehr über uns gesprochen und über unsere Gefühle, da müssen wir uns da mal ein bisschen Zeit wieder rein nehmen.

Und meine Frau und ich wir reden sowieso sehr, sehr viel miteinander und auch sehr offen über alles mögliche und über Gefühle und dergleichen, so dass wir da relativ schnell gemerkt haben, okay, da müssen wir ansetzen, da müssen wir was finden, was für uns funktioniert.

P: Das finde ich super, vor allem was mir besonders auffällt, ist, dass ihr euch das von anderen Eltern abgeschaut habt, also, man muss eben das Rad nicht unbedingt neu erfinden, sondern man muss ja für sich selber rausfinden, was ist gut für uns oder was funktioniert.

A: Genau. Und deswegen finde ich das auch total wichtig, was du jetzt machst mit dem Podcast. Das ist ja auch so die gleiche Richtung, warum es halt auch meinen Blog, meinen Podcast gibt, dass man halt aus den Erfahrungen, die ich mache, die die Gastautoren bei mir machen oder die du jetzt in deinem Podcast kurierst, wo du halt ja die verschiedenen Interviews mit verschiedenen Eltern machst, dass man einfach dieses Wissen einfach mal zugänglich macht und damit sich andere Eltern halt da das von mitnehmen können, was für sie passen kann. Ich sage immer, meine Blogbeiträge, mein Podcast und auch deine Interviews hier, das ist eine Speisekarte, nimm dir was du brauchst und den Rest lass halt.

P: Das ist, finde ich, ein schöner Vergleich. Was war für dich die größte Herausforderung in Bezug auf Kinder kriegen, Kinder erziehen, Kinderalltag?

A: Alles gut machen zu wollen. Nein, das ist wirklich so. Das ist ja genau das, was glaube ich, heute so den größten Stressfaktor ausmacht, du willst als Mann willst du ein guter Vater sein, du willst trotzdem weiterhin ein guter Ehemann sein, du willst weiter trotzdem ein guter Freund für deine Freunde und Kumpels sein, du willst weiterhin trotzdem ein guter Sohn für deine Eltern sein, du willst trotzdem ein guter Mitarbeiter oder Chef sein, je nachdem was dein Beruf ist.

Du willst ja alles gut machen und du willst viel Zeit mit deinen Kindern verbringen und so weiter und so fort. Und das ist halt das, was stresst, dass du halt sagst, dadurch dass du eigentlich immer hin und her gerissen bist zwischen Arbeit, Beruf, dann willst du auch deine Freunde, die sagen, du hast nie mehr Zeit und so weiter, dass du dich stets zerrissen fühlst zwischen den verschiedenen Zeitnehmern in Anführungszeichen und du das Gefühl hast, ich mache alles, aber nichts richtig.

Und das ist wirklich so ein Stressbereich, den ich hatte, weil man immer / auf der Arbeit hatte ich immer ein schlechtes Gewissen, dass man sagt, okay, ich wäre jetzt ja eigentlich viel lieber bei meinen Kindern, wenn ich bei meinen Kindern war, dachte ich, hab ich jetzt heute im Beruf alles richtig gemacht, warst du immer mit dem Kopf nie da, wo du jetzt gerade bist, du warst immer irgendwie woanders und du hattest immer so ein grundweg schlechtes Gewissen-Gefühl, hatte ich. Und das war so die größte Herausforderung für mich, wie man so diese klassische Work Life Balance, das ist ja so ein Modewort, aber wie man das einigermaßen hinbekommen kann.

P: Und wie hast du das für dich gelöst gehabt, damit dass es sich eben nicht so anfühlt?

A: Ja, das ist ein täglicher Kampf. Also ich möchte nicht sagen, dass ich es gelöst habe, aber ich hab halt das ganze Thema, also ich hab da auch sehr, sehr viel drüber gelesen und ich bin sehr stark auf das Thema Produktivität und so weiter da und Selbstentwicklung, das Thema interessiert mich, da lese ich sehr viel.

Und ich hab irgendwo mal was gelesen, ich weiß gar nicht mehr wo genau, aber dieses ganze Thema Work Life Balance ist ein Zustand, den man verfolgt, aber das ist ein großer Mythos, den man verfolgt, weil Work Life Balance ist kein Zustand, sondern es ist immer so ein, wie es der Name auch schon sagt, es ist immer eine Balance. Es ist immer ein Ausbalancieren und das ist einfach so dieser Blickwinkel, den ich jetzt für mich gefunden hab, dass man sagt, es gibt nicht den einen Tag, wo alles perfekt in Balance ist, sondern es gibt einfach Tage, da brauche ich / muss ich mehr bei der Arbeit sein, weil es gibt da Hochzeiten, da muss ich einfach da mehr investieren und da muss alles andere wie Familie, wie Sport, wie Freunde einfach einen Gang zurück schalten.

Da muss es dann aber auch wieder auf der anderen Seite Tage geben oder Zeiten geben, wo Beruf einen Gang zurück schaltet, wo ich dann mehr für Familie mich frei mache, wo ich dann auch mal sage, ich mache jetzt heute einen Tag Homeoffice oder ich mache jetzt heute eine Stunde eher Feierabend oder ich nehme mir jetzt einfach mal einen Tag frei, dass wir ein langes Wochenende machen, solche Sachen. Also, das es halt immer eine Art des Ausbalancierens ist, um einfach allen gerecht zu werden. Und man darf dabei auch sich selber nicht vergessen, das ist auch ganz wichtig.

P: Ja, das finde ich ein ganz, ganz schönes Bild, dass es eben, wie du gesagt hast, kein Zustand, sondern ein Weg, oder?

A: Ja, genau.

P: Ein Weg, oder? Wo man merkt, ah, heute war es so und morgen versuche ich es anders zu machen, oder?

A: Genau, dass man einfach sich bewußt macht, dass man kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn man mal viel arbeitet oder dass man kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn man einfach mal sagt, ich will heute Abend mal mit den Jungs in die Kneipe gehen und ein Bier trinken und einfach nur Quatsch erzählen.

Da muss man nicht sagen, oh, ich hab jetzt schlechtes Gewissen, ich bin jetzt nicht bei meiner Familie, nein, du brachst das, ansonsten fehlt dir irgendwo was. Und da muss man halt / ich fange jetzt an oder ich hab angefangen mir Tagebuch ist jetzt Quatsch, aber so ein Journaling zu machen, das ich einfach sage, okay, ich reflektiere meinen Tag, was hab ich an diesen Tagen gemacht, um einfach zu sehen, okay, es driftet gerade sehr stark in die eine Richtung, ich muss da bewußt gegensteuern oder ich weiß, okay, das ist jetzt eine Phase, weil in der Arbeit ist irgendein Projekt, liegt irgendein Projekt an oder so, aber ich muss sagen, okay, wenn dieses Projekt ist, nehme ich mir wieder bewußt mehr Zeit für andere Dinge, nehme mir wieder bewußt mehr Zeit für Familie, planen wir einen kleinen Ausflug, machen wieder mehr, dass wir mehr zusammen sind, solche Sachen, dass man das halt einfach ein eigenes Bewusstsein für schafft.

P: Das ist eine gute Strategie.

A: Dankeschön.

P: Nein wirklich, finde ich beachtenswert, vor allem eins ist um diese Strategie zu wissen und das andere ist es auch zu machen.

A: Ganz genau.

P: Also da geht es mir manchmal auch so, dass ich mir Dinge vornehme und es dann doch nur zum Teil mache, aber finde ich wirklich sehr lobenswert. Finde ich sehr gut, ja, also, ich würde mir wünschen, dass ich das auch so regelmäßig schaffe.

A: Na ja, ich sag nicht, dass ich das regelmäßig schaffe, aber es ist halt so, wenn man sich das vornimmt, wenn man es plant, dann irgendwann, die Wahrscheinlichkeit, dass man es irgendwie hinbekommt ist höher, als wenn man einfach nur sich treiben lässt. Weißt du, was ich meine?

P: Meine nächste Frage, das ist so eine fast eine meiner Lieblingsfragen und zwar: In der Regel ist es so, dass man als werdende Eltern bis zur Geburt recht gut vorbereitet wird auf das, was da auf einen zukommt und dann ist das Baby da und dann gibt es Situationen, von denen hat einem niemand etwas erzählt.

A: Genau.

P: Was war das bei dir, wo du sagst, das hättet ich so nicht erwartet, dass es so wird.

A: Ich finde die Frage gut. Ich finde die Frage aber auch extrem schwer zu beantworten, denn klar es kann dich keiner wirklich aufs Vatersein vorbereiten, weil, ja, das macht so viel mit dir, da kann dich, glaube ich, keiner wirklich vorbereiten. Man kann auch so ein paar praktische Dinge kann man sagen, okay, das passiert bei der Geburt und so und so wickelt man eine Windel, aber dann hört es ja fast auch schon wieder auf mit den Dingen, die man wirklich lernen kann.

Ich glaube, wenn ich mir überlege jetzt zurückblickend auf acht Jahre Papa sein, was ich so am wenigsten erwartet hätte, wäre es jetzt nicht so eine, ja, bestimmte Sache oder eine bestimmte Kleinigkeit, sondern das Ganze, das, was ich eingangs sagte, dass sich mein Leben, dass sich meine Perspektive so extrem ändert und dass ich eigentlich, dass es mich als Mensch eigentlich komplett verändert hat und das hätte ich so am Anfang nicht gedacht, dass es also so was mit einem macht.

P: Okay. Sehr schön, ja. Und dann ist es ja so, dass diese Situation, wie du sie gesagt hast, das Leben verändert sich, die Prioritäten, die Werte verändern sich und dadurch entstehen auch neue Fähigkeiten und neue Stärken. Was würdest du sagen, was war das bei dir, wo du durch dein Vatersein neu entwickeln oder entdecken konntest. Welche Fähigkeiten oder Stärken?

A: Ja, ich versuche ja als oder ich denke mal, wir alle versuchen als Vater möglichst viel Zeit mit den Kindern zu verbringen und die halt auch wirklich aktiv zu verbringen und bei den Kindern zu sein und was ich festgestellt habe, ist, dass es mir anfangs schwer fiel wirklich meine Aufmerksamkeit komplett den Kindern zu widmen, also, so wirklich bei den Kindern zu sein, wie man das sein sollte, ja, nicht einfach nur da sein und dann nebenbei noch trotzdem die E-Mails checken und trotzdem SMS machen und dann drei Sachen gleichzeitig machen, weil ich halt durch meine Arbeit halt auch relativ, ja, wenig Zeit vor allen Dingen in der Woche wenig Zeit mit den Kindern habe, bemühe ich mich umso mehr, diese Zeit möglichst effektiv zu verbringen und möglichst wirklich komplett bei den Kindern zu sein und was ich jetzt dahingehend deine Frage zu beantworten, was ich da gelernt hab, welche Stärke ich neu entdeckt habe oder vielleicht wieder entdeckt habe, ist das Zuhören, dass man wirklich / klar das ist jetzt eher, also bei Säuglingen jetzt weniger anlegen, sondern jetzt da natürlich dass meine Kinder jetzt in einer etwas größeren Phase schon sind, wo man halt auch viel miteinander redet, ist halt das wirklich, dass das Zuhören so wichtig ist, um deinen Kindern auch die Bestätigung zu geben, dass du wirklich bei ihnen bist. Denn Kinder sind sehr, sehr, sehr, sehr sensibel auf das Thema, die merken sofort, wenn du mit den Gedanken woanders bist und mein Sohn sagt dann, Papa, du hörst mir gar nicht zu. Und das war immer für mich, oh, stimmt, Mist. Nicht nur so, er hat es gemerkt, sondern es ist /

P: Erwischt.

A: Ja, nicht nur, oh erwischt, Mist, sondern, Mensch, bist du doof, das ist einer der wichtigsten Menschen in deinem Leben und du schaffst es nicht ihm zuzuhören, weil du an irgendeine Banalität denkst und das hat wirklich mir diese Fähigkeit zuzuhören, mich wirklich auf das zu konzentrieren, was mein Sohn, was meine Tochter mir erzählt und nicht zuzuhören, also, was man häufig verwechselt ist ja zuhören mit hinhören.

Wir hören ja und das ist auch ein Punkt den ich halt häufig falsch gemacht hab, wir hören halt hin, um zu antworten, also, du hörst so ungefähr 50 Prozent, 60 Prozent des Satzes zu und die restlichen 40 Prozent denkst du schon, was du antwortest. Und da hab ich mich bewußt oder versuche ich mich bewußt von weg zu entwickeln, dass man sagt, höre wirklich zu, versuche zu verstehen und versuche auch wirklich aufzugreifen, was dein Kind jetzt da gerade dir mitteilen will und was ihn da bewegt und das ist eine Fähigkeit, die natürlich mir auch beruflich sehr zugute kommt, weil ich bin im Vertrieb unterwegs und da ist zuhören natürlich auch eine der wichtigsten Fähigkeiten, die du haben solltest.

P: Das wollte ich gerade sagen. Ja.

A: Und das ist wirklich was, was aber wirklich, wenn du heute mal mit, wenn du mal so ein paar Unterhaltungen, die du selber führst, wirklich beobachtest, dich selber beobachtest, aber auch den Gegenüber beobachtest, dann wirst du feststellen, dass ganz, ganz wenige Leute wirklich gut zuhören können.

Und das ist echt eine Fähigkeit, die uns irgendwo abhanden gekommen ist, natürlich dadurch, dass wir überall mit und durch die neuen Medien und durch Smartphone und alles und die ganze Reizüberflutung, der wir ja ausgesetzt haben, das ist eine Fähigkeit ist, die uns echt abhanden gekommen ist. Und da haben mich meine Kinder wirklich wieder drauf gebracht, wo sie einfach wirklich mit dem Holzhammer gesagt haben, du hörst mir gar nicht zu und das ist was, was ich wirklich gelernt hab.

P: Sehr schön. Wie macht ihr das mit der Rollenaufteilung in eurer Familie, also arbeitet ihr beide oder habt ihr ein anderes Model? Wie funktioniert das bei euch?

A: Also, wir haben das Glück, dass meine Frau nicht arbeiten muss, weil ich hab halt als Vertriebsleiter kann ich da unsere Familie ganz gut alleine, als Alleinverdiener um die Runden bringen und wir haben uns damals bewußt dafür entschieden, dass meine Frau zu Hause bleibt und sich um die Kinder kümmert und die Kinder, ja, uns war es wichtig, dass gerade jetzt in der Schulzeit, dass, wenn sie nach Hause kommen, dass da jemand da ist, der ihnen bei den Hausaufgaben hilft und so weiter und so fort und deswegen sind wir diesen Weg für uns gegangen, dass wir sagen, die ersten zehn, zwölf Jahre wird meine Frau komplett zu Hause sein, soweit wir es uns irgendwie erlauben können und bisher scheint es ganz gut zu funktionieren und dass wir dann sagen, okay, so wenn sie ab der nächsten Stufe, ab der nächsten Schulstufe, also, wenn sie jetzt aus der Grundschule raus sind hier bei uns in Deutschland, dann wird meine Frau auch wieder sich einer neuen Aufgabe widmen und dann halt Teilzeit arbeiten gehen. Aber das war halt immer so unsere Lebensphilosophie, das war halt auch immer der Wunsch, der Traum meiner Frau, wenn wir es irgendwie hinbekommen, dann möchte ich das gerne machen und ich bin selber so aufgewachsen, bei mir waren sogar beide Eltern immer zu Hause.

P: Schön.

A: Weil meine Frau war auch Mutter, ach quatsch, meine Mutter war Hausfrau, mein Gott. Und mein Vater hat halt von zu Hause, der hatte eine eigene Firma, der hatte zu Hause ein Büro, der war zwar nicht immer da, aber war halt immer irgendwie ansprechbar, wenn man irgendwas hatte, war immer da. Man konnte immer hingehen zu ihm und ich fand das immer ganz toll. Und deswegen hab ich gesagt, wenn wir das irgendwie so unseren Kindern bieten können, dann sollten wir das versuchen.

P: Wie reagiert da eigentlich das oder euer Umfeld darauf? Weil meine Erfahrung ist manchmal, wenn sich Frauen wirklich bewußt dafür entscheiden 100 Prozent zu Hause bei den Kindern zu sein, kommen manchmal so Stimmen, die sagen, ja, aber was ist mit deiner Karriere, wirst du das wirklich machen können, mit dem Wiedereinstieg und so weiter. Wie war das? Gab es da Reaktionen?

A: Es gab Reaktionen jetzt weniger, dass man sagt, dass man das bewertet hat, sondern wir haben halt in unserem Bekanntenkreis sehr viele Familien, die das ähnlich leben und da gab es dann halt häufig Diskussionen, dass man sich oder dass halt gerade die Frauen sich da nicht entsprechend wertgeschätzt fühlen.

Dass die sagen, ja, das Hausfrau oder generell das Thema, dass man als Hausfrau immer so ein bisschen den Stempel aufgedrückt wird, ja, okay, du möchtest vielleicht nichts anderes machen oder kannst vielleicht nichts anderes und das war halt so ein bisschen diesen, dass Hausfrau nicht den Stellenwert hat, wie ein Job. Weißt du, was ich meine?

P: Ja.

A: Und da gab es häufig, da haben wir lange Abende Diskussionen drüber geführt, warum das so ist und dass das doch eigentlich, ja, ich finde es nicht gut, denn ich finde es eine sehr wichtige Aufgabe, wenn man das den Kindern, wenn man das irgendwie hinbekommen kann, dann ist das eine tolle Sache.

Und ich bin immer der Meinung, Familien-Lebensplanung ist eine individuelle Sachen, da lassen wir uns auch grundsätzlich nicht reinreden, aber klar, es gibt natürlich viele Frauen, nein, ich hab meine eigene Karriere, prima, dann sollen die das so für sich machen, wir haben das für uns so entschieden. Und das Thema Wiedereinstieg war für uns nie ein Thema, weil meine Frau hat ganz klar gesagt, in den Job, den ich da gemacht hab, möchte ich nie wieder zurück und deswegen ist das Thema Wiedereinstieg weniger der Punkt, sondern eher dass sie jetzt auf dem zweiten Bildungsweg sich jetzt einer neuen Aufgabe widmet und dann ab dem übernächsten Jahr da starten wird.

P: Sehr schön. Das ist ja auch eine gute Gelegenheit, wenn man eben zu Hause ist da sich weiterzubilden.

A: Richtig. Genau.

P: Sehr schön. Andreas in Anbetracht der Zeit hab ich noch eine Frage und zwar: Was macht ihr beziehungsweise wie macht ihr das, wenn ihr verschiedene Ansichten habt in Erziehungsfragen?

A: Kommt zum Glück wenig vor. Kommt wirklich selten vor, denn wir haben uns dadurch, dass wir halt lange auf unsere Kinder haben warten müssen, haben wir uns sehr, sehr viel immer mit den verschiedenen Sachen beschäftigt und haben uns halt, wie ich schon sagte, viel angeguckt, was uns gefällt und viel angeguckt was uns nicht gefällt, deswegen haben wir fast, also, auf dem sehr hohen Level haben wir oder generell haben wir eine Meinung, wie wir unsere Kinder gerne erziehen möchten, natürlich hast du immer mal wieder im täglichen Leben, entscheidest du mal eben was, weil du vielleicht nicht so über jeden Satz, über jede Entscheidung eine Viertelstunde drüber nachdenkst, sagst du einfach, ja, mach das so und kommt sie dann nachher und sagt, das hätte ich jetzt anders gemacht und grundsätzlich, okay, was gesagt ist, ist gesagt, wir werden uns niemals vor den Kindern hinstellen und sagen, nein, das machen wir so, weil ich will das so, sondern, wenn ich was sage und meine Frau findet das vielleicht nicht so gut, wenn ich meinen Kindern irgendwas erlaube oder unseren Kindern irgendwas erlaube, was sie danach eigentlich anders gemacht hätte, dann sagt sie trotzdem, dann lassen wir das so laufen, dann reden wir drüber, sagt sie, ich hätte das jetzt anders gemacht, weil das und das und das und denke mal drüber nach, sollen wir das lieber so machen, dass wir uns dann im Nachgang nochmal drüber unterhalten und sagen, okay, ich finde das, wie du es gemacht hast jetzt nicht gut, lass uns das vielleicht, sollen wir das vielleicht anders machen aus den und den Gründen und dann reden wir halt immer und das geht halt immer im beidseitigen Einvernehmen, so dass das, also, wir haben da so den Ehrenkodex, dass wir vor Kindern niemals unterschiedlicher Meinung sind, sondern dass halt dann wenn die Kinder schlafen auseinander nehmen.

P: Okay. Das, ja, kann ich nur so bejahen, finde ich sehr, sehr einen schönen Ansatz. Was mich noch interessiert, du hast ja auf deinem Blog so eine Bücherecke, wo du recht viele Bücher vorstellst. Gibt es ein Buch oder ein Hörbuch, wo du sagen würdest, das hat mir, also da hab ich das meiste für mich rausgezogen oder das hat mir wirklich in einer schwierigen oder komplizierten Situation geholfen.

A: Ja, also dadurch, dass, weil es halt so viele gute Bücher oder es gibt generell wahnsinnig viele Bücher für Eltern und dann halt auch für Väter. Ich habe auf dem Blog in dem Buchklub, so hab ich den genannt, mal so ein paar Exemplare rausgepickt, die ich wirklich für lesenswert halte, einfach weil sie inhaltlich gut sind und weil sie mir halt geholfen haben. Wenn ich aus der Liste ein Buch rausnehmen würde, dann ist es das, was am allerwenigsten mit dem Vatersein auf dem Titel zu tun hat, nämlich das ist die Vier-Stunden-Woche von Tim Ferris.

Das ist eher so ein Produktivitätsbuch, in dem es halt viel um Zeitmanagement geht und ich hab das Buch schon vor, ich glaube, ich weiss nicht, wann kam das raus, weit bevor ich Vater wurde kam das raus und ich hab das mittlerweile vier, fünf Mal gelesen und als ich es das letzt Mal gelesen habe, ist es mir wirklich aufgefallen, wie viel da drin ist, was du dir als Vater da rausnehmen kannst, gerade um das Thema wie kannst du dir Zeit schaffen, um alles das zu machen, was du als Vater tun willst. Und das ist ja immer noch heute die größte Herausforderung, nämlich das Thema Zeit, dir Zeit zu nehmen für dein Kind, für deine Familie und das ist so ein kleiner Geheimtip, glaube ich, für Vater, das mal lesen, man kann da sehr, sehr viel für sich insgesamt rausnehmen, aber auch gerade unter dem Aspekt Vatersein ist das mal was, was auch jetzt am nicht naheliegendsten ist und deswegen finde ich es einfach einen ganz, ganz coolen Buchtip.

P: Danke. Das finde ich ein passendes Schlusswort für alle Vater und Mütter. Andreas, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast

A: Sehr gerne, Peter.

P: um deine Erfahrungen oder Erlebnisse aus deinem Familienleben mit uns zu teilen. Ich werde alle Sachen, die du erwähnt hast, das Buch, den Blog und so verschiedene andere Sachen unter dem Podcast verlinken, so dass man sich es anschauen kann, ja und dann möchte ich mich bei dir bedanken und es hat Spaß gemacht.

A: Ja, danke Peter, hat mir auch sehr viel Spaß gemacht, danke, dass ich hier sein konnte.

P: Ja, gerne.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.