Cayra Arcangioli: Die Schwangerschaft hat wirklich mein ganzes Leben umgekrempelt [027]

cayra arcangioli

Das Buch zum Podcast

Was ist das Unerwartete das ein Kind mit sich bringt?

  • Wollen Sie wissen, was andere Eltern im Alltag mit Kindern erleben?
  • Wollen Sie wissen, was die grössten Herausforderungen für Eltern sind?
  • Wollen Sie konkrete Hinweise direkt von den Eltern?

Ich musste flexibler werden. Noch viel flexibler. Man macht seine Pläne und dann kommt es total anders.

Cayra erzählt im Interview:

  • Meine Tochter ist in vielen Sachen das Gegenteil von mir. Sie ist extreme Denkerin.
  • Dass ihreTochter nie durchgeschlafen hat, bis sie dreijährig war.
  • Ich musste flexibler werden. Noch viel flexibler. Man macht seine Pläne und dann kommt es total anders.
  • Das musste ich auch lernen, dass ich wirklich auch das tue was ich fühle.
  • Ich respektiere meine Tochter, ich nehme sie als Ganzes wahr, ich gehe auch auf ihre Augenhöhe.

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Cayra Arcangioli: Die Schwangerschaft hat wirklich mein ganzes Leben umgekrempelt [027] jetzt hören

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Shownotes:

Med. vet. Cayra Arcangioli-Studler arbeitet in ihrer Praxis „Vet-Homöopathie“ in Aesch am Hallwilersee als homöopathische Tierärztin. Ihre Kunden sind Kleintiere und Pferde. Die diplomierte Tierhomöopathin SHI ist Mitglied des HVS-Homöopathie Verbandes Schweiz.

Meine Links: www.homöopathie-wissen.com und www.vet-homoeopathie.ch


Buchtipps von Cayra:


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Mein heutiger Interviewgast bei Elternpodcast ist Cayra vom Hallwilersee aus der wunderschönen Schweiz. Liebe Cayra, erzähle uns doch erstmal wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast.

CAYRA: Hallo Peter. Ich bin Tierärztin und Tierhomöopathin. Ich habe eine eigene Praxis wo ich als homöopathische Tierärztin arbeite. Ich habe eine Tochter, die ist fünfjährig.

PETER: Das ist schon eigentlich genug. Und ich würde dann eigentlich gleich zu meiner ersten Frage kommen. Was hat sich bei dir oder bei euch im Leben verändert, dadurch, dass ihr eure Tochter bekommen habt? Wie hat sich das ausgewirkt?

CAYRA: Also für mich hat sich mein ganzes Leben total verändert. Also ich habe das Gefühl, es gab ein Vorher und ein Nachher. Ich war schon immer ein Mensch, der sehr gerne für sich war oder viel Zeit für sich benötigt hat. Und durch meine Tochter hat sich das natürlich völlig umgedreht. Da war plötzlich ein Mensch für den ich da 24 Stunden da sein durfte, sollte, musste. Und das war (eine große? #00:01:29#) Herausforderung.

PETER: Und wie hast du es dann geschafft dir die Zeit für dich zu nehmen?

CAYRA: Anfangs habe ich das nicht geschafft. Das war wirklich eine Arbeit über die letzten fünf Jahre. Noch jetzt ist es ein Challenge und immer wieder ein wirklich, sich diszipliniert Zeit für sich zu nehmen. Und auch mit meinem Mann. Also da wir beide arbeiten und jeder braucht irgendwie doch noch Zeit für sich, da machen wir wirklich Wochenpläne fast.

PETER: Das heißt, du gibst dir da bewusst eine Struktur, wo du dich dann auch dran hältst: Jetzt habe ich Zeit für mich.

CAYRA: Ja. Also dass wir wirklich sagen: Der Abend ist für dich. Der Abend ist für mich. Oder irgendwie ein Wochenendhalbtag oder so, versuchen wir zumindest, ja.

PETER: Und bringt dir das was? Oder merkst du den Unterschied zu vorher, wo ihr es nicht gemacht habt?

CAYRA: Ja, es bringt mir sicher was. Ja, auf jeden Fall. Also es ist immer schwierig das überhaupt einzuhalten. Aber ich meine, man wächst daran. Man lernt dazu. Nein, es bringt mir schon was, ja. Aber man muss wirklich diszipliniert sein. Also das merke ich schon.

PETER: Das kann ich auch bestätigen aus meinen Erfahrungen, dass man sich wirklich die Zeit nehmen muss. Was mich noch interessieren würde wäre: Einerseits hat sich ja dein eigenes Leben verändert. Andererseits hat es auch Auswirkungen auf die Beziehung. Also wenn ein Kind kommt, plötzlich ist man zu dritt. Wie hat sich das ausgewirkt für euch?

CAYRA: Es war so, dass wir noch nicht sehr lange zusammen waren. Wir waren etwa ein Jahr zusammen und jeder hat so sein Ding gemacht und auch Freizeit zusammen verbracht und dann kam dann plötzlich die Schwangerschaft. Und das war wirklich noch ein neues Kennenlernen von dem her. Also es gab wenig diese Beziehungsstruktur schon, oder diese Sicherheit hatten wir vorher gar nie. Das heißt, als die Tochter kam, das war wie immer noch am Anfang. Und deswegen war es sehr schwer. Also wir hatten auch gerade zu dem Zeitpunkt noch zusammen angefangen ein Haus zu bauen. Mein Mann ist Architekt. Und er hat da auch noch die Bauleitung übernommen. Und er war einfach wirklich völlig absorbiert. Das heißt, ich war wie alleine schwanger, hatte wie alleine das Kind. Und das war wirklich sehr schwer für die Beziehung. Die ersten Jahre waren sehr sehr, sehr/ Wir mussten viel an uns arbeiten.

PETER: Du hast erzählt, du bist Tierärztin? Ist das richtig?

CAYRA: Ja.

PETER: Und du hast vorher gearbeitet. Vollzeit oder schon Teilzeit, oder?

CAYRA: Das war auch speziell. Also meine Tochter war nicht in dem Sinn geplant, weil es hieß, ich kann keine Kinder kriegen. Und ich wollte eigentlich selbstständig werden als Tierärztin. Und dann kam die Schwangerschaft. Es hat wirklich mein ganzes Leben umgestülpt. Und dann habe ich, als sie zur Welt kam, habe ich drei Wochen später mit dem neuen Studium begonnen mit der Tierhomöopathie. Also ich habe dann zuerst noch studiert zwei Jahre und habe dann erst meine Praxis aufgemacht als selbstständige homöopathische Tierärztin.

PETER: Das stelle ich mir jetzt aber so recht stressig vor, wenn du erzählst, dein Mann war voll absorbiert von seinem Job, mit Hausbau und du hast praktisch ganz ein paar Wochen nach der Geburt noch ein Studium angefangen. Das hört sich sehr, wie soll ich sagen, nach einer Höchstleistung an.

CAYRA: Ja, das war es. Ja, ich glaube das war es. Also es war auch so, dass meine Tochter nie geschlafen hat. Also sie hat wirklich keine Nacht geschlafen bis sie dreijährig war. Das heißt, wirklich so alle zwei Stunden musste ich aufstehen. Sie konnte auch den Schlaf nicht mehr finden. Also es war wirklich extrem stressig. Ich habe das Studium auch irgendwie nebenbei noch gemacht. Also am Abend gelernt in diesen zwei Stunden wo sie schlief. Ich weiß nicht mehr wie ich das gemacht habe. Aber trotzdem hat mich das Studium irgendwie gerettet. Das war die Zeit für mich. Das war (unv. #00:06:34#), mein Ding. Also ich konnte mich das einfach irgendwie / Das war meine Welt. (Lacht.)

PETER: Da hattest du Zeit für dich. Also das kann ich gut nachvollziehen, ja. Auch wenn man da was leisten muss und lernen muss, trotzdem ist man wie so ein bisschen, ja, für sich selber. Und man macht was für sich selber und man ist nicht so fremdbestimmt, so wie ich das raus höre.

CAYRA: Genau. Meine Eltern haben zum Glück diesen Tag dann immer gehütet. Und das war wirklich mein Tag. Also ich ließ mir den auch nicht nehmen. Und schon nur alleine zu Mittag essen oder so, das war für mich dann wirklich so die Rettung. So meine Energie konnte ich da wieder tanken, genau.

PETER: Und wie waren die Reaktionen von deinem Umfeld? Von deinen Freunden oder Nachbarn, praktisch auf die Situation, dass du praktisch, dein Mann arbeitet voll, ihr habt jetzt ein Baby bekommen, du gehst noch studieren, was kamen da für Reaktionen?

CAYRA: Eigentlich kamen nicht viele Reaktionen. Ich habe meine besten Freundinnen sind auch/ Also eine hat zwei Kinder, arbeitet voll. Die andere hat keine Kinder. Also mein Umfeld war da ähnlich. Und deswegen wurde ich da eher unterstützt wirklich.

PETER: Spannend.

CAYRA: Ja. Aber ich muss auch sagen, es gab gar kein großes Umfeld mehr. Also ich hatte nicht viel Kontakt zur Außenwelt. Das war wirklich so: Ich war in dieser Kapsel und machte mein Ding. Aber ich hatte gar keine Zeit mehr für viel mehr.

PETER: Ja, das glaube ich. Wie ist es, wenn du jetzt so rückblickend auf die letzten fünf Jahre beziehungsweise vielleicht mit der Schwangerschaft fast sechs Jahre, zurückblickst, was würdest du sagen, war für dich die größte Herausforderung?

CAYRA: Ich musste flexibler werden. Noch viel flexibler. Ich meine, es ist halt so mit Kindern. Man macht seine Pläne und dann kommt es genau total anders. Das ist jetzt noch täglich der Fall. Da wirklich nicht jedes Mal die Nerven zu verlieren. Da bin ich jetzt noch am Lernen. Und sich ganz genau kennenzulernen und zu fühlen, wo sind denn meine Grenzen? Und wie kommuniziere ich das beim Partner? Wie können wir Auswege finden? Wie kann ich meine Energie wiederholen? Also einfach dieses selber sich richtig kennenlernen eigentlich und dann auch zu wissen, wie gehe ich jetzt mit diesem Problem um, das ich habe? Also wie kann ich es lösen? Man wird irgendwie flexibel, aber auch / Man wird Stratege, man versucht neue Dinge aus. Also ich habe wirklich extrem viel gelernt über mich selber. Es war eine Reise zu mir.

PETER: Und du hast gesagt, du hast viel über praktisch sich selber wahrnehmen und über fühlen und spüren was ist. Wo sind eben meine Grenzen? Hast du da irgendwie ein, ich sage jetzt mal, eine Methode wie du mehr zu dir kommst oder wie du dich mehr spürst? Oder hast du das einfach, ja, geschehen lassen und dann / Wie hast du das konkret gemacht?

CAYRA: Also ich habe ja noch Homöopathie studiert und die Homöopathie befasst sich ja mit der Ganzheit, also mit dem Menschen oder mit dem Tier als Ganzes. Und durch das Studium und die Mittelkunde und das selber zum Homöopath gehen ist das eine Art fast Psychotherapie. Also ich glaube, da lernt man sich wirklich kennen. Weil in der Homöopathie muss du auf so viele kleine Dinge achten, dass man sich selber viel besser beobachtet und das war eigentlich auch eine Hilfe. Also dieses sich selber kennenlernen.

PETER: Das finde ich spannend, dass du das sagst. Weil du hast vorhin gesagt, das war so einerseits die Zeit die ich hatte, oder?

CAYRA: Ja.

PETER: Und andererseits jetzt auch, wie du sagst, durch Studium, dass du immer mehr zu dir gefunden hast. Also war das praktisch auch so eine, nicht nur eine Zeitinsel, sondern auch eine Kennenlernreise?

CAYRA: Absolut ja. Absolut.

PETER: Spannend. Gibt es / Beziehungsweise Kinder bringen uns immer so an unsere Grenzen oder wir dürfen dann Erfahrungen machen, die wir vielleicht ohne die Kinder nicht gemacht hätten. Und dadurch sind Kinder auch große Lehrmeister. Und was würdest du sagen, was hast du durch deine Tochter in deinem Leben an Fähigkeiten neu entdeckt oder wiederentdeckt oder entwickelt? Was ist das?

CAYRA: Meine Tochter ist in vielen Sachen das Gegenteil von mir. Also sie ist extreme Denkerin, bei ihr muss alles sehr strukturiert sein, sie will alles unter Kontrolle haben. Ich bin mehr der Mensch / Also ich mag auch Kontrolle, aber ich musste durch sie also wirklich lernen mich zurückzunehmen. Weil sie, wenn sie zum Beispiel sauer ist oder eh etwas nicht will, dann will sie alleine sein, dann darf man sie nicht berühren, dann will sie einfach ihre Ruhe. Und ich bin dann mehr der Mensch, der dann umarmt und komm jetzt und wir sprechen darüber. Und ich muss mich da extrem zurücknehmen und wirklich sie so respektieren wie sie ist und sie annehmen wie sie ist. Und oftmals kann ich, muss ich da wirklich überlegen, was denkt sie denn jetzt, warum ist sie jetzt so? Und das ist so schwierig manchmal für mich auch, weil das wirklich gar nicht meiner Art entspricht. Aber das habe ich sehr stark gelernt, auch, dass man wirklich bei Kindern oder jetzt hier bei meiner Tochter sehr diese Achtsamkeit, dass man das nicht spielen kann. Also ich kann nicht mit einem Auge und einem Ohr zuhören und dann das Gefühl haben, so, jetzt war ich gute Mutter oder jetzt war ich wirklich da, weil sie spiegelt mich dann. Und das geht nicht lange und das kommt wirklich zurück. Und dann habe ich eine Tochter die unglücklich ist. Oder die das auch sehr stark zeigt. Also sie fordert wirklich ein, wenn es ihr nicht passt. Und das habe ich gelernt, dass man diese Achtsamkeit, wirklich voll da zu sein.

PETER: Also gelingt dir das immer oder gibt es da auch da irgendwelche, wo du sagst: Oh, manchmal in einer bestimmten Situation hilft mir das und das. Oder wie machst du das?

CAYRA: Nein, mir gelingt es überhaupt nicht immer und weil ich auch die Praxis habe im Haus und oftmals irgendwie gleichzeitig arbeite und noch Kind, ist das sehr oft sehr unbefriedigend. Und da bin ich immer noch dabei das besser zu machen. Und ich habe gemerkt, dass ich wirklich dann Zeiten mir, wie abstreichen, mit terminieren muss: So und heute gehen wir zusammen etwas machen. Und dann muss ich auch aus dem Haus, weil das schwierig ist sonst für mich. Und dann machen wir was zusammen und ich / Das ist wirklich mein Termin dann mit ihr also.

PETER: Du machst praktisch konkret wie ein Date mit deiner Tochter und dann //

CAYRA: // Genau. //

PETER: konzentrierst du dich voll auf sie. Ich meine, das ist schon eine sehr gute Methode. Denn ich glaube, wenn man sich das wie bewusst macht, dass es diese Zeit einerseits braucht und dass man sie sich dann auch tatsächlich nimmt, oder? Und das finde ich schon, wenn man das konkret abmacht, ein guter Weg.

CAYRA: Ja.

PETER: Spannend. Wie macht ihr das zum Beispiel du und dein Mann, wenn es in Erziehungsfragen verschiedene Ansichten gibt? Wie löst ihr das? Oder gibt es eine Situation wo dir vielleicht gerade einfällt wo du einer anderen Meinung warst als das, was dein Mann gerade gemacht hat oder nicht gemacht hat?

CAYRA: Grundsätzlich sind wir oft gleicher Meinung muss ich sagen. Und wenn es dann wirklich mal Probleme gibt, dann sprechen wir wirklich darüber bis wir zu einem Ende finden, also bis wir das ausdiskutiert haben. Es geht aber auch darum, dass man sich zwischendurch einfach zusammennimmt und zurücknimmt. Also zum Beispiel gibt es Situationen wo ich vielleicht meinen Mann als ein wenig zu / Also, er ist anders zu meiner Tochter als ich es bin in gewissen Situationen. Manchmal habe ich das Gefühl: Ah, jetzt hat er zu schnell die Nerven verloren oder du könntest doch jetzt ein wenig geduldiger sein. Und da wirklich auch mal den Mund zu halten und zu sagen: Okay, das ist jetzt einfach Vatersache und das ist seine Art mit seiner Tochter zu reden und da darf ich jetzt einfach mal nicht reinreden. Wirklich auch mal als Mutter zu sagen: Hey, was du machst ist okay. Also das wie zu respektieren, dass er halt seine Art hat. Und man kann es ja dann doch mal zur Sprache bringen, wenn ich finde, so okay, das fand ich jetzt nicht so toll oder so. Aber zwischendurch muss ich mich da auch an der eigenen Nase nehmen und sagen: Okay, es ist seine Sache. Und das ist seine Entscheidung. Genau.

PETER: Jetzt ist ja so, wenn man Babys bekommt, dann informiert man sich schon vor der Geburt oder dann auch wenn das Kind da ist, wenn es so bestimmte Situationen sind, wo man vielleicht ansteht oder wo man nicht weiterkommt, gab es irgendein Buch oder ein Hörbuch wo dir weitergeholfen hat oder wo du gelesen hast und gesagt hast: Ja, da konnte ich wirklich was rausnehmen?

CAYRA: Das ist für mich noch schwierig, weil ich habe schon Bücher gelesen. Aber irgendwie gab es da nichts was mich so richtig / Also was ich empfehlen würde, wegen der ganzen Impffrage. Also das ist jetzt heute ein Thema das mich sehr interessiert hat. Und da habe ich schon ein Buch, das ich empfehlen könnte, das ist nämlich von Friedrich P. Graf: Die Impfentscheidung. Das ist etwas, was mir sehr weitergeholfen hat. Was jetzt die Kindererziehung betrifft, da / Ich habe mich da eigentlich nicht so auf Bücher oder Hörbücher oder so konzentriert. Ich habe das mehr nach Gefühl oder mit Diskussionen mit anderen, ja, habe ich das gemacht.

PETER: Also hast du praktisch im Freundeskreis oder Freundinnen oder Nachbarn mit denen du dich da austauschen kannst?

CAYRA: Genau. Das mache ich eher so, ja. Genau. Oder meine Eltern.

PETER: Ich frage deswegen, weil es Paare einfach oft nicht haben. Oder wenn man sich austauscht, dann nur eben über die schönen Dinge und selten über die Dinge die nicht gut laufen, oder?

CAYRA: Das stimmt.

PETER: Darum frage ich da so nach. Weil das ist ganz, ganz wertvoll, dass man sowas hat.

CAYRA: Ja. Ich habe vielleicht am Anfang zu viel zugehört und habe dann irgendwann mich entschlossen, dass ich vieles nach Gefühl mache. Also dass ich da wirklich mehr auf mich hören sollte. Das musste ich auch lernen, dass ich da nicht nach / Dass ich wirklich auch das tue was ich fühle. Wenn ich spüre meine Tochter geht es nicht gut oder dass ich da auch mal nachgebe zum Beispiel und nicht nach Buch, nach Lehrbuch, da musst du da durch. Ach doch, jetzt kommt mir aber noch ein Buch in den Sinn.

PETER: Okay, spannend.

CAYRA: Aber von wem ist das? Vertrauenspädagogik.

PETER: Ja, das kann man, glaube ich, nachschauen.

CAYRA: Ich kann es sonst dir noch sagen. Das hat mich wirklich weitergebracht einmal.

PETER: Weißt du noch auch weswegen?

CAYRA: Weil meine Tochter zu hundert Prozent gegen mich war über Wochen. Also ich konnte wirklich keinen Zugang mehr zu ihr finden. Und das war im Schweizer Fernsehen mal so ein kurzes Interview mit dem Autor und das geht darum, wie macht man das, dass das Kind einem wieder folgt, ohne dass man / Also folgt meine ich mit folgen, nachfolgen. Ohne diesen Druck aufzubauen. Wie wird man wieder ein Team? Also ohne dieses: Ich bin Chef und du nichts. Sondern wirklich, wie wird zusammen wieder ein Team? Und das hat mir gefallen. Und das habe ich dann angewendet. Ich weiß das noch genau. Etwa drei Tage und dann hat das wirklich wieder (funktioniert? #00:19:59#). Also dann haben wir wieder eine Basis zusammen gehabt.

PETER: Spannend. Könntest du vielleicht so in zwei, drei Sätzen sagen wie du das gemacht hast? Also ohne vielleicht jetzt eine Situation zu nennen, sondern einfach was sind so die Schritte? Weil das finde ich sehr interessant.

CAYRA: Das eine ist, dass man wirklich einerseits sagt: Wenn du mir hilfst, zum Beispiel beim Tisch decken oder so, dann geht das schneller. Anstelle von: Du deckst jetzt den Tisch, das ist deine Aufgabe, mache es jetzt! Jetzt! Also diesen Druck wegnimmt. Mehr so als Team: Hey, wir decken zusammen den Tisch und dann geht es schneller, dann können wir schneller zusammen essen. Und so mehr dieses Teambuilding. Also dass ich wie: Ich ich respektiere sie, ich nehme sie als Ganzes wahr, ich gehe auch auf ihre Höhe, dass ich dann zum Beispiel wenn das Schuhe binden nicht gut funktioniert hat oder so, dann gehe ich runter und sage ihr: „Möchtest du meine Hilfe haben?“ Anstelle von: Ich mache es einfach schnell, dass es schneller geht. Also irgendwie dieser respektvollere Umgang. Und auch wirklich zu sagen: „Wenn du nicht willst, dann kommst du nicht mit. Aber dann gehe ich jetzt halt alleine.“ Und das dann aber auch durchziehen. Also dass ich dann nicht immer wieder nachgebe und sage: „Komme jetzt trotzdem und so.“ Sondern dass ich mir diese Zeit nehme. Und dann halt auch wirklich auch mal das mache, was ich auch sage.

PETER: Das heißt, du bist deiner Tochter auf Augenhöhe begegnet? So wie du das schön erzählt hast: Ich bin dann auch auf ihrer Höhe, oder?

CAYRA: Ja.

PETER: Und du hast sie eigentlich, also nicht nur eigentlich, sondern du hast sie in ihren Bedürfnissen, als Mensch wahrgenommen zu werden, respektiert und ernst genommen. Und sie hat dann darauf reagiert?

CAYRA: Ja. Ich habe aber auch verlangt, dass sie das zu mir auch macht. Also dass sie mich auch ernst nimmt. Also dass sie auch auf meine Höhe geht.

PETER: Spannend. Und du hast gesagt, das hat dann innerhalb von kürzester Zeit gut funktioniert?

CAYRA: Ja, das funktioniert. Und es (krebt? #00:22:16#) immer mal wieder. Also ich merke dann plötzlich, jetzt fängt dieses Trotzen wieder an. Also das ging so weit: Wir haben zum Beispiel am Morgen immer Mühe beim Aufstehen. Also sie mag da nicht aufstehen und das ist immer ein Kampf, weil sie ja in den Kindergarten muss und so. Und also das ging so weit, dass wir beide heulend vor dem Kindergarten saßen und da musste ich auch Strategien entwickeln, wie wir das da besser machen können.

PETER: Welche Strategien hast du entwickelt?

CAYRA: Meine Tochter liebt Aufgaben. Sie liebt das einfach und wir haben dann wirklich / Sie hat dann Stempel, die sie kriegt, wenn sie halt gut aufsteht am Morgen. Und das war überhaupt nicht so meine Idee. Sie fand das einfach toll und dann haben wir das eine Woche so gemacht. Und für sie war dieses Erfolgserlebnis, dass sie danach wirklich, dass wir eine gute Zeit zusammen hatten, dass es gut funktioniert hat, das war eigentlich der Erfolg und das hat uns geholfen und jetzt geht es einfach viel besser. Ich glaube, bei ihr hat wie Klick gemacht: So, es ist ja viel einfacher. Also wenn wir zusammen/ weil meine Mami liest mir dann noch was vor am Morgen, weil wir genug Zeit haben und so. Das hat dann wie Klick gemacht.

PETER: Das heißt, ihr habt da so ein Belohnungssystem erfunden mit Hilfe deiner Tochter? Das finde ich noch interessant, dass du sie da mit einbezogen hast. Das ist, glaube ich, auch ein ganz wichtiger Aspekt, dass es funktioniert. Und durch diese Belohnungen war sie motiviert mitzumachen.

CAYRA: Genau, weil sie das so wollte. Ich bin eigentlich nicht so der Belohnungssystemfan. Aber sie fand das einfach toll, ja.

PETER: Schön. Eine andere Frage ist: Gab es eine Situation wo du oder ihr beide, du und dein Mann euch gefragt habt, ist das bei anderen auch so?

CAYRA: Oh ja. Oh ja. Also ich war wirklich oftmals sehr verunsichert ob ich eine gute Mutter / Also diese Frage: Bin ich eine gute Mutter, obwohl ich das alles / Ich mache alles mit dem Herz. Aber das war oft die Frage, ja. Und auch dieses nicht schlafen, das war ein riesen Thema. Und da habe ich natürlich oft gefragt: Wie ist es bei anderen? Ja.

PETER: Das sind so aus meiner Erfahrung ist es so, dass es bei anderen in der Regel genauso ist. Vielleicht ein bisschen anders ausgeprägt. Eben es gibt Kinder die schlafen, wachen alle zwei Stunden auf. Dann gibt es Kinder, die wachen alle vier Stunden auf. Dann gibt es Kinder die tatsächlich durchschlafen. Aber es gibt immer wieder Dinge wo man sich fragt als Eltern, ja, weil man auch verunsichert ist, oder? Weil man das hinterfragt. Vielleicht auch, mein Gott, ich komme an meine Grenzen. Ich kann fast nicht mehr. Ich kann es fast nicht mehr leisten. Und ist es nur bei uns so? Oder? Das ist so immer die Frage.

CAYRA: Genau, ja. Und das Problem war auch oft, dass die Antworten waren immer so: „Nein. Bei uns ist alles gut.“ Und das war schon, also wirklich oft war es ein bisschen frustrierend.

PETER: Du hast vorhin erzählt, dass du so zu dir kommst in Form von fühlen und dich wahrnehmen und also so mehr bei dir sein. Bei was kommst du eigentlich so wirklich zur Ruhe? Bei welcher Tätigkeit? Was ist das, was dich richtig zur Ruhe kommen lässt?

CAYRA: Autofahren. Wirklich, also Autofahren ist für mich etwas, wo ich wirklich mal nachdenken kann und unterwegs bin und so für mich. Aber auch, ich habe ein Pferd. Ich reite. Das ist natürlich immer wirklich so dieses, was mein Gehirn dann ausschaltet, wo ich wirklich abschalten kann. Und ich habe einen Hund, mit dem gehe ich spazieren. Das ist auch immer die Bewegung. Also wirklich unterwegs zu sein, weg von zu Hause, draußen in der Natur, das hilft mir schon.

PETER: Und jetzt, du hast gesagt, du arbeitest jetzt wieder. Zu welchem Pensum?

CAYRA: Schwierig zu sagen. Ich bin selbstständig. Ich arbeite zwischen 60 und 80 Prozent. Also ja, oft auch am Abend, am Wochenende.

PETER: Das ist, glaube ich, auch eine logistische Herausforderung wahrscheinlich nur, mit der Kinderbetreuung, Job, Haus, Mann, Garten.

CAYRA: Pferd, Hund.

PETER: Pferd, Hund, ja, genau. Ja, genau, da gehört noch ein bisschen was dazu. Hast du da einen Tipp oder einen Trick wie du das machst?

CAYRA: Ja, was mache ich? Also jetzt bin ich daran halt wirklich zu schauen, was muss ich unbedingt selber tun, was kann ich abgeben? Also da wirklich auch großzügig zu sein, was kann ich abgeben? Also ich meine jetzt in meiner Arbeit. Zum Beispiel Buchhaltung oder solche Sachen. Da bin ich jetzt am Optimieren und auch wieder Disziplin. Da bin ich nicht so gut, das muss ich immer noch lernen. Aber wirklich so meine Sprechstundenzeiten zu haben und halt nicht in der freien Zeit trotzdem noch an das Telefon zu gehen. Da ja die Praxis zu Haus ist, ist die Gefahr einfach sehr groß. Dass ich da einfach wirklich auch meine Zeiten einhalte. Sonst kommt einfach alles andere zu kurz.

PETER: Das heißt, da auch eine gute Struktur zu haben.

CAYRA: Genau. Eigentlich schon.

PETER: Liebe Cayra, jetzt habe ich eine letzte Frage zum Schluss, die vielleicht nicht mit dem Elterndasein zu tun hat: Aber woher kommt der Name Cayra?

CAYRA: Oh, der kommt von meinen Eltern. Ich bin in Hongkong geboren und meine Eltern haben den selber gemacht.

PETER: Hat der eine Bedeutung?

CAYRA: Da der fast selber gemacht ist, glaube ich nicht unbedingt, aber mein Vater hat bei der Taufe gesagt auf die Frage: Was bedeutet der Name? Hat er gesagt: „Die Mutige.“

PETER: Interessant. Dann würde ich das auch gerne so als Schlusssatz stehen lassen. Und ich möchte mich bei dir bedanken, dass du dir Zeit genommen hast mit uns, mit den Hörern, deine Erfahrungen aus deinem Familienleben und mit den Kindern zu teilen. Ich werde die zwei Bücher in den Shownotes verlinken und auch sonst irgendwelche Sachen von dir, was du machst, was du tust, wie man dich erreichen kann oder wo man sehen kann, was du arbeitest oder was ihr für Onlineprojekte macht. Vielen Dank.

CAYRA: Danke auch.

PETER: Es hat mich gefreut.

CAYRA: Gebe ich zurück.

PETER: Tschau.

CAYRA: Tschüss.

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