Guido Schüffelgen: Mein Leben als Vollzeitvater [017]

Guido Schueffelgen

Als Vollzeitvater habe inzwischen einen Wahnsinns Respekt vor allen arbeitenden Hausfrauen, zum Beispiel auch vor meiner Mutter. Also die hat das früher, das ist ja noch eine ganz andere Zeit gewesen, die hat gearbeitet und zwar praktisch Vollzeit und mich großgezogen. Später auch alleinerziehend. Und wie man das so schaffen kann, das finde ich total beeindruckend.

 

Guido erzählt im Interview:

  • Es war am Anfang extrem hart sich umzustellen und das hätte ich so nicht erwartet. Ich habe mir nicht vorstellen könne wie viel Arbeit es ist.
  • Plötzlich sass ich zu Hause mit dem Kleinen Lebewesen und alle anderen waren weg. Meine Freunde, meine Arbeitskollegen und meine Frau, alle bei der Arbeit.
  • Manchmal war es so anstrengen, dass ich es nicht geschafft habe meiner Frau etwas zum Essen zu kochen.
  • Durch meinen Sohn habe ich eine grosse soziale Kompetenz gelernt, er ist darin ein Weltmeister.
  • Ich habe drei Jahre gebraucht, um mich von den klassischen männlichen Stereotypen zu befreien. Und es war tatsächlich eine Befreiung.

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Shownotes:

In der Tagespflege spielen die Jungen und die Mädchen gleichwertig miteinander und tauschen auch ganz selbstverständlich die Rollen. Da sind die Mädchen auch mal der Vater und die Jungen sind die Mutter. Als Erwachsene scheinen wir diese Fähigkeit komplett verlernt zu haben. Ich selber habe mich zu Beginn sehr schwer mit dem Rollentausch getan und musste viele Dinge mühsam lernen.

Wie das passierte schreibe ich seit fünf Jahren in meinem Blog.

Vollzeitvater.de


Guidos Büchertipps:


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Hier ist wieder der Eltern Podcast mit einem neuen Interviewgast. Heute ist es der Guido aus Mönchen-Gladbach. Hallo Guido. #00:00:07-2#

GUIDO: Hallo. #00:00:09-1#

PETER: Guido erzähle uns doch erst einmal wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast. #00:00:13-5#

GUIDO: Ja, also ich bin jetzt schon seit fünf Jahren Hausmann. Ich habe vorher als Produktmanager gearbeitet. Unser Sohn ist jetzt fünf Jahre. Wie hätten gerne noch mehr gehabt, das hat der aber selber sehr effektiv verhindert. Und deswegen ist es bei einem geblieben und wird wohl auch so bleiben. #00:00:46-9#

PETER: Das heißt Hausmann, du bist zu hundert Prozent zu Hause? #00:00:51-9#

GUIDO: Kann man so sagen, ja. Ich arbeite zwar noch ein bisschen nebenher, ich schreibe ja auch noch einen Blog. Aber ich bekomme dafür kein Geld, also im Prinzip kein Geld, und deswegen kann man sagen ich bin eigentlich hundert Prozent Hausmann. #00:01:03-6#

PETER: Und wie kam es zu der Entscheidung? #00:01:07-9#

GUIDO: Ja wir hatten in unserer Beziehung relativ früh schon klar gemacht, wenn wir einmal irgendwann Kinder haben, dann möchten wir eigentlich, dass wir nicht irgendwie eine Teilzeitlösung finden, sondern einen, der wirklich zu Hause bleibt. Und wir haben damals abgesprochen, der der mehr Geld verdient, der geht halt weiter arbeiten und der weniger Geld verdient, der bleibt halt dann zu Hause.

Meine Frau hatte wahrscheinlich nur nicht damit gerechnet, dass ich das sein würde. Ich übrigens auch nicht. Und, ja, so ist es halt gekommen. Als dann die Entscheidung anstand, obwohl meine Frau und ich die gleiche Ausbildung haben und auch dazwischen halt viele Ähnlichkeiten existieren, war es halt so, dass sie einfach zu diesem Zeitpunkt wahnsinnig viel mehr verdient hat und deswegen ist sie halt weiter arbeiten gegangen. #00:01:54-7#

PETER: Und wie geht es dir damit seit fünf Jahren zu Hause zu sein mit dem Kind? #00:02:03-2#

GUIDO: Inzwischen gut. Am Anfang war es sehr hart. Es war halt eine extreme Umstellung, die ich auch so nicht erwartet hatte. Und da hatten wir auch einige Höhen und Tiefen in den ersten drei Jahren, kann man sagen. Und bin inzwischen froh, dass wir jetzt so aus dem Gröbsten heraus sind. Was natürlich auch an dem Alter des Kindes liegt. Jetzt ist es ja schon fünf. Der hat zwei Jahre lang halt gar nicht geschlafen. Also wirklich gar nicht.

Also wirklich je (unv. #00:02:13-4#) im ersten halben Jahr. Und dann alle zwei Stunden bis er zwei Jahre alt war. Und da kommt man, ob man will oder nicht und egal wie stressresistent man ist, man geht da echt an die Belastungsgrenze heran, da kann mir also keiner etwas anderes erzählen. Und das hat natürlich auch immer Auswirkungen auf alles. Auf die Beziehung, auf den täglichen Alltag und wie man sich da so durchkämpft. Und dazu kam dann ja der Rollentausch noch obendrauf. Also es ist ja eine Doppelbelastung gewesen, wenn man so will.

Als Mann, ich habe also diese Vorbereitungskurse habe ich alle nicht mitgemacht und dann wurde mein Sohn geboren und am nächsten Tag war ich zu Hause. Am Tag vorher habe ich noch einen zehn Stunden Tag gekloppt, um irgendwie meinen Arbeitsplatz zu verlassen. Und dann sitzt man auf einmal zu Hause, hat dieses kleine Lebewesen in der Hand und im Prinzip sind ja alle weg. Ich hatte vorher Arbeitskollegen, die waren nicht mehr da. Die Freunde, die waren jetzt ja alle arbeiten. Meine Frau ist ja nach ein paar Wochen, also nach dieser Mutterschutzfrist, wieder arbeiten gegangen.

Da saß ich zu Hause und habe eine regelrechte Wochenbettdepression bekommen. So heißt das glaube ich. Können tatsächlich auch Männer kriegen, habe ich dann gelernt. Also mir ist da wirklich die Decke auf den Kopf gefallen, ich war völlig depressiv. Hat nicht lange angehalten, Gott sei Dank. Also ich habe mich dann halt da wirklich nach draußen gerettet, habe den also Stunden lang durch die Gegend getragen. Auch um nicht einzuschlafen tagsüber. Und so haben wir das dann halbwegs hingekriegt. Also das war eine sehr sehr schwierige Zeit am Anfang. #00:03:55-3#

PETER: Das finde ich eine ganz spannende Situation, weil habe ich noch nie so gehabt, einen Vollzeit Vater sozusagen, der praktisch eigentlich das erzählt, was alle Mütter erzählen, wie es ihm ging. #00:03:45-3#

GUIDO: Ja, das war auch der Kulturschock. Ich meine, da habe ich mir vorher überhaupt keine Gedanken darüber gemacht. Ich war auch wirklich naiv. Ich habe gedacht, na ja bleibst du mal zu Hause, hast ein bisschen mehr Zeit für dich. Also inzwischen ist es so, muss ich einmal fairerweise sagen, seit mein Sohn in den Kindergarten geht, habe ich auch mehr Zeit für mich. Aber die ersten drei Jahre, das war die Hölle, also das hätte ich mir im Leben nicht vorstellen können, wie viel Arbeit das ist und wie schwierig der Alltag auch sein würde.

Also auch aus dieser Situation heraus, dass ich als Mann halt irgendwo hin gehe, was das für Probleme mit sich bringt. Das hätte ich mir vorher überhaupt nicht vorstellen können. Ich bin dann ja auch zum Beispiel als Mann zur Stillberatung gegangen. Das klingt jetzt erst einmal wie ein Widerspruch, es ist aber heute viel liberaler als man sich das so vorstellt. Zumindest das wo ich hingegangen bin. Das nannte sich dann auch geschlechtsneutral Milchbar. Das war eine ganz tolle Sache vom Krankenhaus, wo halt die Hebammen quasi eine Stunde oder zwei Tipps gegeben haben zu allem Möglichen, was das Kind betrifft.

Und das war für mich unheimlich wichtig, einfach um einmal neue Sozialkontakte zu finden. Also ich war ja in keinem Vorbereitungskurs oder so etwas und habe so einen Quatsch ja alles nicht mitgemacht. Und das war für mich unheimlich wichtig halt erst einmal wieder irgendwo Anschluss zu bekommen und einmal mit Leuten zu reden, die in einer ähnlichen Situation sind. Das hat halt schon sehr gut getan. #00:05:03-5#

PETER: Und wie haben die Menschen dort reagiert, wenn du als Mann zur Stillberatung kommst? #00:05:10-5#

GUIDO: Ja der ein oder andere hat da schon einmal komisch geguckt zwar, aber so im Großen und Ganzen war das viel liberaler, als ich mir das so vorgestellt habe. Die hatten auch einen Stillraum nebenan, also wenn es einen gestört hat, dass ich da war, dann ist er halt nach nebenan gegangen. Ansonsten fühlte ich mich da sehr gut aufgehoben. Danach eine Krabbelgruppe zu finden war viel viel schwieriger. Das hätte ich mir jetzt so auch nicht vorgestellt. Bei der ersten Krabbelgruppe, die ich besucht habe, die war ausgerichtet von der Caritas oder so, da kam ich in einen Raum hinein, da waren fünfzehn Frauen drin und als ich mich hinsetzte für das quasi Probedasein, da ist die Hälfte der Gruppe aufgestanden und gegangen. #00:05:48-7#

PETER: Wirklich? #00:05:49-7#

GUIDO: Ja das ist kein Witz. Das war ein regelrechter Schock. Also ich dachte, so etwas kann doch nicht wahr sein. Fairerweise waren viele mit Migrationshintergrund, wahrscheinlich. Die hätten Probleme gehabt, zu Hause zu erklären, was sie da zusammen mit einem Mann machen, denke ich einmal. Also ich habe es dann irgendwie auch verstanden. Ich konnte mich auch für diese Gruppe nicht entscheiden, weil ich wollte die ganze Gruppe nicht sprengen. Wenn ich da hingekommen wäre, die hätte sich aufgelöst. Habe mir dann halt eine andere Gruppe gesucht, wo das dann besser klappte.

Das war dann der dritte Anlauf insgesamt. Das hat dann gut funktioniert. Das war halt dann ein bisschen, sage ich einmal liberaler, ich war natürlich trotzdem wieder der einzige Mann. Und was ich immer so irritierend fand, man hat immer versucht, wenn man mit mir ein Gespräch angefangen hat, dann hat man immer versucht, mit mir über Fußball zu reden oder über Autos. Hat mich noch nie interessiert. Also ist halt Zufall so, ich habe noch nie irgend etwas für Fußball übrig gehabt und Autos interessieren mich auch nur insofern, als dass man damit fahren kann.

Und das war immer sehr komisch. Wenn ich dann versucht habe wirklich einmal über kochen zu sprechen, da waren die immer sehr irritiert. Das hat dann immer eine Weile gedauert, bis das dann so lockerer wurde. #00:06:57-6#

PETER: Ja das finde ich eine sehr sehr spannende Reaktionen, kann ich mir bildhaft vorstellen. #00:07:02-8#

GUIDO: Ja, ich bin auch auf aggressive Frauen getroffen. Also Mütter, die wirklich quasi ihr Revier verteidigen wollten. Die fanden das überhaupt nicht lustig, dass ein Mann jetzt quasi in ihren persönlichen Wirkungsbereich eintritt. Das kann man gar nicht glauben, wenn man das nicht live erlebt hat. Aber es ist wirklich so gewesen. Die waren viel weniger tolerant, als man sich das vorstellt. Also zumindest als ich mir das vorgestellt habe. Die fanden das überhaupt nicht toll, dass ein Mann das macht. Auf der anderen Seite habe ich auch ganz oft Väter getroffen, die gesagt haben „ach Mann ja, also zu Hause geblieben wäre ich ja auch gerne“.

Dann sage ich „ja echt, erzähl mal, wie hast du dir das denn vorgestellt?“. „Ja so und so, dann hätte ich ein bisschen Zeit für mich gehabt“, dann sage ich „ja, dir ist schon klar, dass du auch putzen musst und auch ein bisschen Wäsche machen musst?“. „Nein, also putzen und Wäsche hätte ich nicht gemacht. Das muss meine Frau machen.“ Und so viel zum zu Hause bleiben. Und ich habe ja auch einen regelrechten Hass entwickelt. Darf man so gar nicht sagen wahrscheinlich. Auf Väter, die zwei Monate zu Hause geblieben sind in Deutschland. Also diese zwei Monats-Elternzeit. Ich habe auch einmal einen getroffen, der es ernst genommen hat. Aber ich sage jetzt einmal neun von zehn, und ich habe viele, viele getroffen, die sind dann einmal in der Woche mit dem Kind auf den Kinderspielplatz gegangen und den Rest der Zeit haben sie die Garage aufgeräumt, Parkett verlegt, das Auto geputzt oder sonst irgendwelchen Kram gemacht.

Von den Kehrarbeiten, wie man das so schön Neudeutsch sagt, zu Hause, haben die überhaupt nichts übernommen. Das heißt die Mutter hat nach wie vor den ganzen Haushalt geworfen und die waren halt zusätzlich zwei Monate zu Hause. Und das fand ich halt überhaupt nicht gut. Für mich widersprach das dem Sinn des Elterngeldes. Und ich habe es denen zwar dann irgendwo gegönnt. Aber die haben sich dann halt da als die neuen Väter hingestellt und ich habe mir gedacht, ja okay, hatte ich mir jetzt irgendwie anders vorgestellt. Ja, fand ich etwas traurig. #00:08:46-2#

PETER: Du hast vorhin erzählt, dass die ersten zwei, drei Jahre recht anstrengend waren. Was war für dich so die größte Veränderung auch in der Beziehung zu deiner Frau in dieser Zeit? #00:08:57-9#

GUIDO: Ja, wir haben uns am Anfang schon ein bisschen in die Wolle bekommen. Weil halt irgendwie diese Aufteilung der Arbeit nicht so ganz klar war. Ich habe mich persönlich beleidigt gefühlt, wenn sie einen Wischmopp in die Hand genommen hat, weil ich gedacht habe, Mensch jetzt habe ich es schon wieder nicht gut genug gemacht oder so. Das war schwierig am Anfang. Das hat auch wirklich lange gedauert, bis sich das gefunden hat. Und ich habe oft das Gefühl gehabt, wenn ich auch halt dann zu Hause einmal zwei Stunden lang/ Also ich war völlig fertig, ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, dann kann man halt tagsüber nicht acht Stunden lang Vollleistung mit irgend etwas liefern.

Dann hat auch der Haushalt am Anfang echt gelitten, weil ich es einfach nicht konnte. Ich war so müde. Der Wille war da, aber es war einfach nicht zu machen. Und dann hat man schon ein schlechtes Gewissen, meine Frau kommt nach Hause und es ist eben nicht das Essen fertig auf dem Tisch. Diesen persönlichen Anspruch hatte ich mir selber gestellt, dass wenn meine Frau nach Hause kommt, das Essen ist fertig, die Bude ist geputzt und die Wäsche ist gemacht und sie muss sich um nichts kümmern, außer sich auf das Sofa setzen später und ein Buch lesen oder so.

Und dann sich um unser Kind kümmern. So hatte ich mir das gedacht. Inzwischen klappt das auch so halbwegs, aber die ersten zwei Jahre war das völlige Utopie, das ging überhaupt nicht. Nicht weil ich es fachlich nicht hinbekommen hätte, also ich weiß durchaus mittlerweile wie man eine Waschmaschine füllt, aber die Leistung, die konnte ich einfach nicht bringen. Dafür war ich viel zu geschafft. #00:10:23-1#

PETER: Und wie habt ihr das dann zusammen gelöst? #00:10:26-2#

GUIDO: Ja mit viel reden. Wir reden tatsächlich auch immer noch sehr sehr lange jeden Tag und so können wir halt viele Probleme lösen und auch von vornherein vermeiden. Das geht auch bei der Erziehung des Kindes ganz genauso. Wir sind uns in 99 Prozent der Fälle einig, bevor die Situation wirklich eintritt. Und wenn eine Situation eintritt, die wir noch nicht hatten, dann sprechen wir abends darüber, wenn keiner dabei ist und dann klären wir das.

Das führt dann oft im Bekanntenkreis zu Irritationen, wenn wir halt gemeinsam in den Urlaub fahren mit anderen Eltern, was wir gerne tun. Oder auch uns treffen mit vielen anderen Eltern. Wir galten lange Zeit als die strengsten Eltern der Welt, was ich nie nachvollziehen konnte. Und auf der anderen Seite hieß es irgendwie, dass wir uns nie streiten. Das fanden wir immer sehr amüsant, weil wir streiten uns durchaus. Es ist halt nur, wir tragen das nicht nach außen, sondern wir klären das meistens halt abends zu Hause. Und wenn ich dann einmal richtig sauer bin oder meine Frau richtig sauer ist und wir unterwegs sind, dann sind immer alle total geschockt.

Wie kann denn das passieren? Ist aber tatsächlich so, dass wir diese Sachen halt meistens vorher klären. Wenn dann halt irgendwie eine Situation eintritt, dann sind wir uns halt in dem Moment tatsächlich einig. #00:11:41-5#

PETER: Was war so im Nachhinein die größte Herausforderung? #00:11:45-9#

GUIDO: Der Rollentausch an sich. Also, muss man glaube ich gemacht haben, sonst kann man das nicht verstehen. Ich habe inzwischen einen Wahnsinns Respekt vor allen arbeitenden Hausfrauen, zum Beispiel auch vor meiner Mutter. Also die hat das früher, das ist ja noch eine ganz andere Zeit gewesen, die hat gearbeitet und zwar praktisch Vollzeit und mich großgezogen. Später auch alleinerziehend. Und wie man das so schaffen kann, das finde ich total beeindruckend. Also Alleinerziehende, die arbeiten gehen und Kinder haben sowieso, das ist für mich so die Horrorvorstellung, dass ich so etwas machen müsste.

Also ich bin ganz froh, dass wir jetzt so eine sehr komfortable Situation haben, wo wir das nicht müssen. Und dass so halbwegs alles gesichert ist und wir uns nicht so wahnsinnig viele Sorgen machen müssen. Und ich bin auch froh, wenn jetzt so Sachen passieren, wie jetzt im Kindergarten zum Beispiel/ Der ist jetzt ja im letzten Kindergartenjahr, wir wissen jetzt schon, für nächstes Jahr wird er eingeschult. Und vom letzten Kindergartentag an bis zur Einschulung sind sieben Wochen. Also wir müssen sieben Wochen überbrücken. Also wenn wir jetzt beide arbeiten würden und beide einen Teilzeitjob hätten, oder von mir aus beide Vollzeit arbeiten würden, ich frage mich, wie man das machen soll.

Das ist doch totale Theorie. Also dann müssen die Großeltern einspringen. Das ist auch bei vielen so, die wir im Bekanntenkreis haben, wo halt so eine Teilzeitregelung beide machen. Also einer arbeitet Vollzeit, einer Teilzeit, oder beide Teilzeit. Ohne Großmütter bekommen die das gar nicht hin. Und das war etwas, was wir nicht wollten. Also wir hätten es machen können, wenn wir unbedingt gewollt hätten, wir wollten unsere Großeltern da aber nicht drin haben. Und deswegen war so eine Teilzeitlösung auch wahnsinnig kompliziert.

Das bekommt man vielleicht in der Theorie hin, aber ich glaube in der Realität, ohne jemanden, auf den man dann zurückgreifen kann, ist das praktisch nicht zu machen. Also wenn es einer schafft, habe ich Respekt davor. Ich kann mir das für uns nicht vorstellen. #00:13:39-7#

PETER: Ja, das was du beschreibst, dieses Los der alleinerziehenden Mütter und Väter, das ist wirklich nicht zu beneiden und eine Höchstleistung, finde ich, die die Menschen da vollbringen. #00:13:52-9#

GUIDO: Absolut, also ich sehe mich in einer sehr komfortablen Situation als Hausmann. Wir haben es aber halt auch bewusst so gewollt. Wir hätten es auch anders herum gewollt. Also wenn jetzt der Fall eingetreten wäre, dass ich mehr verdiene als meine Frau und sie wäre zu Hause geblieben, dann hätten wir das auch so gemacht. Und hätten es auch beide gut gefunden. Das war also von vorne herein klar, dass wir dieses klassische Rollenbild haben wollen. Es ist halt anders herum gekommen, aber von der Idee her ist es ja trotzdem das klassische Rollenbild. Also es hat sich ja nichts geändert an der Aufteilung der Arbeiten.

Die Arbeiten sind halt nur verkehrt herum, sozusagen, im Sinne der Gesellschaft. Aber wir haben praktisch die gleiche Rollenaufteilung, wie in den fünfziger, sechziger Jahren, nur eben die Geschlechter getauscht. Und das bringt dann auch in vielen Dingen einen anderen Blick auf die Dinge. Also Sachen, die mir vorher im Leben nicht aufgefallen wären, dass zum Beispiel die Clichés mit der Rolle tauschen. Also das ist so etwas, das im Alltag halt immer wieder vorkommt. #00:14:47-3#

PETER: Genau. Welche Fähigkeiten beziehungsweise Stärken hast du durch deine Vollzeitvaterrolle entdeckt oder weiterentwickelt oder verstärkt? #00:14:57-9#

GUIDO: Also ich war früher jetzt nicht gerade berühmt dafür, eine besonders tolle soziale Kompetenz zu haben. Und die habe ich auf jeden Fall verbessert, auch wenn ich immer noch Längen hinter meinem Sohn stehe. Also der hat eine, der überrascht mich jede Woche wieder, was der da an den Tag legt an Mitgefühl, Verständnis und Aufmerksamkeit. Das ist absolut der Hammer, da komme ich im Leben nicht dran.

Also das hat er wirklich gut mitgekriegt irgendwie, wahrscheinlich nicht von mir, sondern von meiner Frau. Aber ich finde es immer wieder toll. Ich selber habe halt auch die Sicht auf die Dinge verändert. Ich habe am Anfang noch massiv versucht irgendwie meine Männlichkeit anhand von Stereotypen und Clichés aufrecht zu erhalten, musste aber einsehen, dass das nicht nur wahnsinnig viel Arbeit ist, sondern dass mich das auch wahnsinnig unglücklich macht. #00:15:46-3#

PETER: Entschuldigung. Das macht mich jetzt ein bisschen neugierig. Wie hast du das genau gemacht? #00:15:50-8#

GUIDO: Na ja, also es gibt ja so die, sagen wir einmal, die ganz klassischen Männer Stereotypen. Und man glaubt ja irgendwie, dass das wichtig wäre. Also ich habe das zumindest einmal geglaubt. Und inzwischen weiß ich natürlich, dass das totaler Schwachsinn ist. Aber ich habe damals geglaubt, es ist wichtig, dass ich halt am Grill stehe oder so, jetzt so übertrieben gesagt. Oder dass ich derjenige bin, der bestimmte Dinge tut und dass ich derjenige bin, der das Ikea Regal aufbaut.

Und irgendwann habe ich halt eingesehen, dass ich mir das Leben nur unnötig kompliziert mache. Und seit ich eingesehen habe, dass ich auch nur eine Mutti bin, so wie alle anderen auch, geht das eigentlich wunderbar. Und am Anfang, wenn es dann hieß „jetzt bauen die Mütter die Geräte auf“ und ich saß da wieder als einziger Mann dazwischen, habe ich noch gedacht „muss das sein?“.

Und an dem Tag, wo ich gesagt habe „ja, mein Gott, ich gehöre halt auch dazu“, dann wurde das Leben auf einmal viel viel entspannter. Kann man gar nicht beschreiben. Das war also wirklich wie eine Befreiung, zu sagen, so jetzt ist mir doch das Geschlecht völlig egal. Und das wurde also deutlich besser so nach drei Jahren. Also es hat echt eine lange Zeit gedauert. #00:16:57-8#

PETER: Also ein langer Lernprozess. #00:17:00-1#

GUIDO: Sehr langer Lernprozess, ja. Inzwischen bin ich darüber wirklich völlig hinaus. Ist mir völlig egal, was andere von mir denken. Und da gab es jetzt noch einmal so eine Welle, als mein Sohn jetzt in den Kindergarten gekommen ist und er hat nun mal ein Faible als Junge für rosa Glitzereinhörner und Prinzessinnen. Da kam der irgendwann einmal völlig verzweifelt nach Hause und hat also auch geweint und hat gesagt „ach das war so doof im Kindergarten, ich will da nicht mehr hin“. Ich sage „was ist denn passiert?“ und dann hat er halt erzählt, ja, also die Mädchen, mit denen er gerne spielt, hätten gesagt, also er dürfte kein Rosa tragen, das wäre eine Mädchenfarbe.

Ja, dann war ich halt so irritiert, weil ich hatte zum Einen, das ist wahrscheinlich auch stereotypes Denken, dabei erwische ich mich natürlich immer noch, hatte ich gedacht, dass eher die Jungs Probleme machen, wenn er Rosa trägt. Es waren aber tatsächlich die Mädchen, die der Meinung waren, also er dürfte jetzt also kein rosa T-Shirt tragen. Also das erste, was ich gemacht habe an dem Abend, ich habe mir erst einmal rosa T-Shirts bestellt. Ich hasse Rosa. Aber ich habe mir dann rosa T-Shirts bestellt, um die dann am nächsten Tag oder möglichst schnell in den Kindergarten anzuziehen, was nebenbei bemerkt gar nicht so einfach war, ein rosa T-Shirt in meiner Größe für einen Schnitt als Mann zu bekommen. Ich habe dann aber welche gekriegt und bin damit im Kindergarten aufgelaufen.

Ich glaube an diesem Morgen habe ich mindestens sieben Weltbilder zerstört. Also die Gesichter von diesen kleinen Kindern, Jungs wie Mädchen, die mich/ Ich meine, man kann ja jetzt nicht gerade leugnen, dass ich ein Mann bin, in einem rosa T-Shirt in diesem Kindergarten aufgelaufen bin. Das war einfach göttlich. Und der Witz ist, ich ziehe die halt jetzt immer noch so zwischendurch einmal an. Und letztens war jetzt ja ein Wechsel im Kindergarten, die eine Gruppe ist ja zur Schule gegangen, jetzt kamen ja Neue in den Kindergarten, die Eltern kannten mich logischerweise alle nicht. Und die haben mich angeguckt wie vom siebten Stern. Mann mit einem rosa T-Shirt? Der hat ein Kind, wie hat er das denn gemacht? Das fanden die also total irritierend. Das konnte man den Gesichtern also wirklich ansehen, das hat sich also kein Stück geändert in der Zeit. #00:18:58-7#

PETER: Interessant. Du hast vorhin erzählt oder angedeutet, wie ihr so Probleme als Paar löst. Wie macht ihr das eigentlich, wenn ihr verschiedene Ansichten habt in Erziehungsfragen? #00:19:12-4#

GUIDO: Es ist tatsächlich so, dass meine Frau und ich uns wirklich oft einig sind. Es gibt momentan eigentlich nur ein Thema, wo wir uns nicht einig sind, und das ist eben der Umgang meines Sohnes mit Rosa im weitesten Sinne. Also grundsätzlich haben wir beide nichts dagegen und wir tolerieren das auch, also wir schreiten da nicht ein, er soll sich frei entfalten können.

Da versuchen wir also wirklich einen guten Ansatz. Ich persönlich würde auch noch einen Schritt weiter gehen, von mir aus könnte er auch Kleider anziehen, sich die Fingernägel lackieren und mit einem rosa Fahrrad zum Kindergarten fahren. Da zieht dann meine Frau allerdings oft die Bremse und sagt „nein, ich will nicht, dass er ein rosa Fahrrad hat, ich möchte nicht, dass er ein Kleid anzieht und Fingernägel lackieren geht auch nicht“. Nicht weil sie da zu konservativ wäre, sondern weil sie Angst hat, dass unser Sohn darunter leidet, wenn er dann in den Kindergarten geht. Das möchte sie also dann halt einschränken. Und ich musste ihr dann irgendwann auch an einem bestimmten Punkt einmal Recht geben, weil ich gesehen habe, dass es tatsächlich, was ich vorher wirklich nicht so erwartet hatte, zu massiven Problemen führt.

Mein Sohn macht zum Beispiel jetzt auch noch Ballett, hat er sich selber ausgesucht. War nicht meine Idee, ich hatte ihn zuerst zum Judo geschleppt. Judo fand er doof, dann haben wir Fußball versucht, Fußball fand er auch doof. Und dann hat er gesagt, er möchte zum Ballett. Da haben wir ihn dann angemeldet und der ist total glücklich. Und hatte jetzt beim Ballett hatte der eine weiße Leggings mit einem Elsa T-Shirt an. Elsa Anna ist bekannt, nicht? Also ein blaues T-Shirt mit einer Prinzessin darauf, oder so. Königin Elsa. Und der ist da regelrecht verprügelt worden von den Mädchen in der Ballettgruppe, weil er ein Elsa T-Shirt anhatte. Und das sind so Momente, wo ich persönlich halt ausflippe und das war in dem Moment auch, wo ich eingesehen habe, dass meine Frau vielleicht Recht hat. Dass man bei aller Liberalität, die man da an den Tag legen kann, schon vorsichtig sein muss, dass das Kind darunter nicht dann irgendwann doch leidet. Der war natürlich völlig verstört an dem Nachmittag.

Das fand der so gar nicht witzig, was man halt auch gut nachvollziehen kann. Das war ja Mobbing par Excellence. Und da er jetzt nächstes Jahr in die Schule gehen soll, versuchen wir halt schon so immer einen Kompromiss zu finden. Inzwischen klappt das ganz gut. Zum Beispiel jetzt der neue Schulranzen. Wir hatten ihm da eine Auswahl hingestellt, einen Katalog, er durfte sich einen aussuchen. Und er hat natürlich zielgerichtet den mit Einhörnern in Rosa genommen. Hat meine Frau gesagt „nein, also das ist keine gute Idee. Den musst du vier Jahre haben. Nicht dass du nachher keine Lust mehr auf Einhörner und Rosa hast“, der kostet ja auch ein Schweine Geld so ein Rucksack, so ein Turnister. Fällt man ja um heutzutage.

Und dann haben wir einen Kompromiss gefunden. Er kriegt also einen in einer neutralen Farbe, ich glaube er ist jetzt grün. Und er darf sich Feen, Einhörner und Prinzessinnen darauf kleben, also mit so Klettverschluss Teilen. Die kann man später einmal wechseln, wenn er keine Lust mehr darauf hat. Und dann ist es ein Kompromiss, der war für meinen Sohn okay, der ist für mich okay und der war für meine Frau okay. Und so versuchen wir das eigentlich momentan zu lösen. Er hat auch, als wir ein neues Kinderfahrrad gekauft haben, hat er ein blaues Fahrrad gekriegt, dafür aber mit einer rosa Fahne daran. Weil es halt einfacher ist, die rosa Fahne zu tauschen, wenn ihm die irgendwann mal zu blöd sein sollte, als das Fahrrad neu zu lackieren. Und dafür ist es einfach zu teuer. Es geht aber noch darüber hinaus.

Wir haben es am Anfang auch ehrlich gesagt unterschätzt. Wir haben gedacht, na ja gut, der mag jetzt Rosa, lass den einmal drei Jahre im Kindergarten sein, dann wird er das ablegen, dann werden ihn die anderen Jungs schon irgendwie auf ihre Spur gebracht haben und dann wird er Cars toll finden und so etwas. Ist aber nicht passiert. Er ist jetzt drei Jahre im Kindergarten und an seiner Neigung hat sich halt nichts geändert, er findet nach wie vor Rosa toll. Und deswegen sage ich jetzt auch, kann man ruhig einmal Sachen kaufen, die etwas mehr wert sind, wir müssen uns eigentlich keine Sorgen machen, dass er es morgen irgendwie doof findet. Das war halt auch immer noch so ein finanzieller Aspekt, der dahinter schwang. #00:22:56-6#

PETER: Ja, das (unv. #00:22:57-1# ). Was sollen deiner Meinung nach werdende Eltern unbedingt wissen? #00:23:02-9#

GUIDO: Es ist am Anfang ja schon ein bisschen fatal, wenn halt das Geschlecht klar ist, wird das Zimmer eingerichtet. Das ist jetzt so eine Sache, die habe ich als Tagesvater halt noch mitgenommen aus der Ausbildung. Man sollte das Zimmer halt nicht überfrachten mit Farben und nach Möglichkeit halt dieses Schubladendenken erst einmal vermeiden, damit die Kinder wirklich einen freien Willen haben. Wenn ich ein Mädchen in einem rosa Zimmer groß ziehe, wo die Tapeten rosa sind und rosa Einhörner an der Decke schweben und das Bett in Rosa ist und alles andere auch in Rosa, da hat es ja keine Chance. Es kann ja gar keinen freien Willen entwickeln, das ist ja für das Kind unglaublich schwierig. Und ich würde jetzt auch nicht den Fehler machen, alles in Blau zu legen. Sondern man sollte halt vielleicht gucken, dass die Farben entweder wirklich bunt sind oder nicht überfrachtet. Also ich bin auch kein Fan von überbunten Kinderzimmern. Das darf ruhig ein bisschen neutral sein. Die Spielzeuge sind ja meistens schon bunt genug heutzutage.

Also das Zimmer würde ich jetzt nicht so überfrachten, das wäre so der Einstieg. Und später halt, wenn man die ersten drei Jahre Spielzeug kauft, es gibt unglaublich viel Spielzeug, was nicht hält, und dass man da halt schon schaut, dass man vielleicht auch gebrauchte Sachen nimmt, dass man halt nicht so viel Geld zum Fenster hinaus wirft. Also wir haben so viel Quatsch gekauft, da würde ich mir heute auch denken, mein Gott, warum hast du dafür so viel Geld ausgegeben. Oder so die Kinderzimmerausstattung an sich, die haben wir damals aus irgendeinem bekloppten Grund neu gekauft, würde ich nie wieder tun. Weil die ist nach drei Jahren eigentlich obsolet, wenn man Glück hat hält sie fünf. Aber dafür viel Geld auszugeben, es gibt sicherlich Leute, für die ist das egal, aber ich würde da persönlich jetzt auch eher daran sparen und dann lieber etwas Gebrauchtes nehmen. #00:24:46-2#

PETER: Ja. Warst du eigentlich bei der Geburt dabei? #00:24:49-1#

GUIDO: Ja, war ein nicht geplanter Kaiserschnitt. Ich war dabei, ich habe auch genau genommen das Bonding mit dem Kind gemacht, weil meine Frau ja noch eine halbe Stunde im OP war, bis die versorgt war. Und ich fand das gut so. Also ich wollte nicht dabei sein, meine Frau hat darauf bestanden. Witzigerweise hat sie nachher gar nicht kapiert, dass ich hinter ihr gestanden habe. Weil man wird ja komplett verkleidet, ich sah ja aus wie ein Arzt. #00:25:16-1#

PETER: Genau, du warst ja im OP. #00:25:18-3#

GUIDO: Ja und da die ja schon halb benebelt war von den ganzen Drogen, hat die gar nicht realisiert, dass ich überhaupt da gewesen bin. Also insofern hätte ich auch nicht hinein gehen können. Ich habe es aber auch jetzt nicht bereut oder so. Ich fand das ganz toll, dass ich dann meinen Sohn direkt mitnehmen konnte. Ich habe dann quasi ja dann mit hinaus genommen und dann auf sie gewartet. Und wir waren ja auch relativ schnell wieder zu Hause. Also ich hätte es nicht haben müssen, ich fand es jetzt aber auch nicht schlimm. #00:25:43-5#

PETER: Okay. Was ich noch interessant finde bei deiner Geschichte ist, also einerseits, dass du Vollzeitvater bist, andererseits, du bist auch ein zertifizierter Tagesvater. Ich wusste bis dato gar nicht, dass es so eine Ausbildung gibt. Muss ich ehrlich zugeben. Erzähl doch einmal, was ist das für eine Ausbildung? #00:26:01-1#

GUIDO: Ja das ist aus einer Spinnerei eigentlich entstanden. Wir haben damals überlegt halt eine Tagesmutter zu suchen. Und wir wollten es aber auch nicht so wirklich, weil ich war ja nun mal zu Hause, also wir brauchten es ja auch nicht. Und dann habe ich mit einem Freund diskutiert und der sagte „du, das ist eine Marktlücke, werde doch Tagesvater. Die gibt es so gut wie gar nicht“, sagte der zu mir. Und dann ich so, wie Tagesvater, habe ich gar nicht darüber nachgedacht. Und dann habe ich mich ein bisschen informiert, beim Jugendamt angerufen, festgestellt, mittlerweile braucht man dafür eine Ausbildung, sonst darf man das gar nicht machen. Und habe gedacht, na ja, das hört sich eigentlich gar nicht so schlecht an, ich werde mir das einmal angucken.

Das ist halt eine Ausbildung, die glaube ich, damals waren es 160 Unterrichtsstunden, heute sind es 320, wenn ich richtig informiert bin. Also es ist schon relativ umfangreich. Das ging über mehrere Jahre. Also immer an Abenden und Wochenenden. Und wir hatten wirklich richtig gute Dozentinnen, also ich habe von denen wirklich viel gelernt auch über Kinderphysiologie und Kindererziehung und das hat mir auch wahnsinnig viel geholfen, auch wenn nicht immer alles sinnvoll war. Aber so in der Erziehung des Kindes, um damit klar zu kommen und zu verstehen, was das Kind da jetzt gerade durchmacht, fand ich super. Und habe dann halt parallel dazu halt mit der Tagespflege angefangen. Was ich auch durchaus noch länger gemacht hätte, wenn wir nicht umgezogen wären. Also ich hatte die nächste Charge Kinder quasi schon festgemacht, da hatte ich schon drei neue Verträge. Und die musste ich dann aber leider kündigen, als ich umgezogen bin. Und da wir das ungeschickt gemacht haben, auf die falsche Seite von der Stadtgrenze zu ziehen, wurde meine Pflegeerlaubnis dann erst einmal obsolet.

Und die neu zu beantragen war dann plötzlich in der neuen Stadt ein Riesen Aufwand. Da habe ich es dann sein lassen, weil wir waren jetzt auf die Kohle nicht angewiesen. Ich habe es also wirklich gemacht, damit mein Kind nicht alleine zu Hause herum hängt, also dass der möglichst viele Spielpartner hat. Das hat auch voll funktioniert. Ich habe mich dann innerhalb des Ortes mit den anderen Tagesmüttern sozusagen vernetzt. Wir sind dann jeden Tag gemeinsam auf den Spielplatz gegangen, sodass immer so zehn Kinder da herumgerannt sind, wie bei einer Großtagespflege. Obwohl wir halt alle einzeln gearbeitet haben.

Das hat also gut funktioniert. Und so hat er halt auch genug Spielkameraden gefunden. Das wäre sonst so auf dem Dorf ein bisschen schwierig gewesen. Es gab ja genug Kinder vor Ort, aber es wäre halt praktisch unmöglich gewesen, die durch Zufall draußen zu treffen. Also das kriegt man nicht geregelt. Und so hat das dann halt ganz gut funktioniert, deswegen habe ich das auch gemacht. Also ich kann es jedem empfehlen. Allein der Ausbildung wegen. Auch wenn es Geld kostet, man kann das von der Steuer absetzen. Also das, was da an Inhalten vermittelt wird ist generell kein Fehler. #00:28:36-0#

PETER: Gibt es eigentlich ein Buch oder ein Hörbuch, wo dir geholfen hat in deine neue Rolle hinein zu finden oder um bestimmte Dinge, ja, bestimmte Stressfaktoren aufzulösen? #00:28:50-7#

GUIDO: Na ja, also ich habe das ein oder andere habe ich gegoogelt. An Büchern, ich lese zwar unheimlich gerne, ich habe aber ganz bewusst und absichtlich keinerlei pädagogische Erziehungsratgeber gelesen. Ich wollte mich da überhaupt nicht beeinflussen lassen, sondern das nach meinem eigenen Gutdünken erst einmal versuchen und wenn ich ein Problem finde, dann würde ich mich gezielt informieren. Das habe ich auch so gemacht. Und durch die Tageselternausbildung hatte ich ja auch immer wirklich kompetente Pädagogen, die ich fragen konnte, wenn etwas war.

Also sie hatten wirklich super Ausbildungen teilweise. Und so bin ich ganz gut klargekommen. Ich habe tatsächlich nur ein Buch gekauft. Ich muss einmal ganz kurz eben den Hörer ablegen, kleinen Moment. Da ist es. Das hat mir geholfen. Ist eigentlich ein Fachbuch aus der Kindertagespflege, kann ich aber jedem empfehlen, der Kinder hat bis drei Jahre. Das ist Entwicklungsbeobachtung und Dokumentation aus dem Cornelsen Verlag, das haben drei Sozialpädagogen geschrieben und das ist eigentlich zur Beurteilung von Kindern im Alltag der Kindertagespflege. Daran kann man aber die Entwicklungsschritte sehr gut nachvollziehen und findet auch gleichzeitig Aufgaben, die man mit seinem Kind machen kann.

Das ist also keine schlechte Sache, wenn man sich für die Entwicklungsgeschichte ein bisschen interessiert. Also das wäre so eine Empfehlung. Das Buch ist allerdings relativ teuer. Dafür ist es halt ein Fachbuch und das kostet so um die vierzig Euro oder so. Da sind auch viele Sachen drin, die man jetzt als Eltern nicht wirklich braucht, sondern wirklich für die Tagespflege oder für den Kitaeinsatz gedacht ist. Aber ich fand das so, weil es relativ einfach erklärt, wie Kinder wann welche Schritte machen. Das fand ich also an sich nicht verkehrt. #00:30:34-3#

PETER: Du hast auch einen Blog, der Vollzeitvater heißt. Seit, ich glaube fünf Jahren. #00:30:39-8#

GUIDO: Ziemlich genau fünf Jahren, ja. #00:30:41-5#

PETER: Ja. Was schreibst du dort? Welche Themen greifst du da auf? #00:30:47-7#

GUIDO: Ja am Anfang hat es sich wesentlich mehr um das Kind gedreht und um die Tagesvatergeschichte. Eigentlich sollte die Webseite nur die Familie informieren. So in den ersten Monaten. Und dann kam halt die Tagespflegegeschichte dazu, dann sollte es auch die Tageskindereltern informieren, die bei mir sind. Was so passiert und wie ich das ansetze. Und auch Werbung machen für meine Tätigkeit als Tagesvater, um zu erkennen halt, was habe ich überhaupt für eine Einstellung zu Erziehung und was für ein Konzept verfolge ich dahinter.

Und das wurde dann halt mit der Zeit hat sich das dann auch gewandelt. Inzwischen versuche ich meinen Sohn aus dem Blog weitestgehend heraus zu halten. Es gibt auch keine Fotos mehr von ihm da drin, das war am Anfang auch noch anders. Bis er so zwei, drei Jahre alt wurde, habe ich damit langsam aufgehört. Das habe ich also inzwischen auch herausgenommen. Und dementsprechend ändern sich die Themen, aber auch der Inhalt. Also wenn ich jetzt selber Artikel lese von vor vier Jahren, zum Beispiel, dann bin ich teilweise noch erschrocken, wass ich damals für eine Einstellung hatte. Das ist tatsächlich so, es hat sich unglaublich viel getan in der Zwischenzeit. Und ich schreibe nicht mehr so regelmäßig wie früher, also jetzt nur noch alle zwei Wochen vielleicht einen Artikel. Versuche dann aber etwas umfangreicher zu schreiben und nicht mehr so über jeden Pups, wie man das am Anfang so macht. Als neue Eltern schreibt man ja über jeden Scheiß. Und das hat sich halt ein bisschen geändert. #00:32:14-6#

PETER: Okay. Ich werde auf jeden Fall den Link zu deinem Blog und auch das Buch in den Notizen verlinken. Ich möchte aufgrund der vorangeschrittenen Zeit mich bei dir bedanken für, ja, für den Einblick in das Leben eines Vollzeitvaters. #00:32:34-6#

GUIDO: Ja, hat mich sehr gefreut. War ja auf jeden Fall einmal etwas anderes. #00:32:37-4#

PETER: Genau, das finde ich auch. Und, ja, ich wünsche dir noch alles Gute nach Mönchen-Gladbach. #00:32:43-2#

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