Kinder richtig erziehen – Die Schattenseiten von Lob und Belohnung

Kinder richtig erziehenKinder richtig erziehen: Eines möchte ich gleich vorwegnehmen: Lob und Belohnung sind in den meisten Fällen gute bis sehr gute Erziehungsmethoden und oft neigen Erziehende (Eltern, Lehrpersonen, …) noch eher dazu, zu sparsam damit umzugehen (vgl. auch Artikel Erfolgreiche Kinder). Dennoch sollte uns bewusst sein, dass Lob und Belohnung auch unangemessen sein können und Schattenseiten haben. Wie das gemeint ist, wird in diesem Artikel dargelegt. 

Warum Lob und Belohnung wichtig sind?

  • Die Wirkung von Lob beruht auf dem natürlichen Bedürfnis nach Erfolg und sozialer Anerkennung. Während Lob den Erfolg bestätigt, führt Strafe und Tadel zu einem Gefühl von Misserfolg und Frustration.
  • Das belohnte Kind erfährt, dass es etwas gut gemacht hat und und das Verhalten so erwünscht war. Es fühlt sich deshalb gut; bekommt ein angenehmes Gefühl, das mit Stolz verbunden ist. Durch dieses Feedback gewinnt das Kind an Selbstsicherheit und Selbstvertrauen.
  • Diese Methode sorgt aber nicht nur für ein positives Gefühl, sondern es ist v.a. auch eine wirksame Erziehungsmethode, da das Kind motiviert wird, das Verhalten wieder zu zeigen. Die Lernbereitschaft steigt.
  • Wissenschaftliche Studien belegen, dass Lob und Belohnung dem Kind helfen gewünschte Verhaltensweisen aufzubauen. Man weiss heute sogar ganz genau, dass Lob und Belohnung besser und v.a. länger wirken als Strafen oder Tadeln.
  • Loben und Belohnung sind zudem auch förderlich für die Beziehung zwischen Kind und Erzieher, was wiederum seine Lernbereitschaft erhöht.


 

Kinder richtig erziehen – Wie sieht die Realität aus?

Neben diesen aufgezählten und gut belegten positiven Effekten von Lob und Belohnung zeigen Studien, dass Eltern tendenziell eher zu wenig Lob aussprechen. Erzieher sehen häufig eher die negativen Verhaltensweisen, nicht aber die positiven.

Vor allem auffällige und „schwierige“ Kinder kriegen selten oder kaum je positive Bestätigungen, während angepasste, brave Kinder eher bekräftigt werden.

Das ist erfreulich für die folgsamen Kinder, aber umso erschütternder für die weniger folgsamen. Besonders, da sie ja gerade dann kaum ein positives Feedback erhalten, wenn sie mal etwas „gut machen“.

Das bedeutet also:

Vor allem bei „schwierigen“ Kindern bzw. Kindern in schwierigen Lebensphasen sollten wir uns ganz bewusst bemühen positive Verhaltensweisen zu beachten und verstärken!

Die Schattenseiten:
Wann sind Lob oder Belohnung negativ oder kritisch?

  • Kinder sind unglaublich ehrgeizig, zielbewusst und fleissig. Oft tun sie Dinge einfach weil sie es wollen und selber Freude daran haben oder stolz auf sich sind.
    Eltern können beobachten wie Kinder von sich aus immer wieder etwas einüben wollen (z.B. Treppenlaufen oder Buchstaben schreiben) oder gerne und freiwillig beim Haushalt mithelfen (vgl. Sie dazu auch den Artikel Warum Kinder im Haushalt helfen sollen).
    Natürlich dürfen wir deswegen stolz sein und unsere Freude darüber ausdrücken, wenn wir das Kind nach solchen selbstmotivierten Verhaltensweisen aber auch noch belohnen verliert es unter Umständen seine Motivation! 
    Wissenschaftliche Studien konnten wiederholt zeigen, dass Menschen ihre sogenannte intrinsische Motivation verlieren, wenn sie für etwas belohnt werden, das sie für sich selber und von sich aus gerne gemacht haben.
    Das Verhalten (z.B. ein Instrument spielen) wird nun nicht mehr wegen der Sache bzw. für sich selber gemacht sondern für die Belohnung (es kommt zu einer sogenannten extrinsischen Motivation).
  • Daraus folgt, dass Lob und Belohnung die Selbständigkeitsentwicklung des Kindes untergraben kann

  • Wird ein Kind zu oft gelobt oder belohnt wird eine Belohnung immer weniger Wert. Gefahr: Es braucht immer mehr, damit es noch von Bedeutung ist.
  • Das Kind entwickelt unter Umständen eine Erwartungshaltung. Es meint, es müsse jedes Mal für etwas belohnt werden, und es zeigt das erwünschte Verhalten nur noch, wenn es dafür belohnt wird. 
    Eltern erleben dann unter Umständen auch, dass es zu einer Art Erpresserspirale kommt: Das Kind zeigt erwünschtes oder gar selbstverständliches Verhalten (wie z.B. Zähneputzen, Teller abräumen,…) nur noch, wenn es dafür belohnt wird.
    Sehr direkt fragen Kinder dann: Was krieg ich dafür? Dieses Beispiel macht sehr gut deutlich, dass Belohnung sein Ziel auch vollständig verfehlen kann.
  • Als Mutter und Lehrerin fühlte ich mich öfters dabei ertappt, dass ich das Kind / den Jugendlichen für etwas gelobt habe, das dieses / dieser gar nicht eines Lobes wert empfanden. So habe ich z.B. meine Tochter für eine Zeichnung gelobt, die sie selber überhaupt nicht schön empfand. Mein Lob war daher völlig fehl am Platz!

  • Ein häufiger Erziehungsfehler liegt darin, Kinder je nach unserem Befinden oder unserer Stimmung und unabhängig von ihrem Verhalten zu belohnen oder auch zu bestrafen. Einmal sind wir aufmerksamer und geduldiger, ein anderes Mal nicht.
    Kinder spüren sehr gut unser Befinden und führen somit die Belohnung oder das Lob mehr auf unsere Stimmung oder Tagesverfassung zurück als auf ihr eigenes Verhalten. Ganz nach dem Motto: Mama hat einen guten Tag, so krieg ich heute sicher etwas mehr von dem was ich will, wenn ich nur brav genug bin.
  • Lob und Belohnung sind, das dürfen wir nicht verschweigen, Kontrollmechanismen von Erwachsenen. Wir steuern damit das Verhalten des Kindes und diktieren es in die von uns gewünschte Richtung.
    Wenn wir als Erwachsene nicht bereits sind unseren eigenen Motive und Absichten bewusst zu hinterfragen und nicht kritisch mit gesellschaftlichen Erwartungshaltungen umgehen, dann werden Lob und Belohnung zu Dressurtechniken mit fraglichen Absichten. Wenn Sie einmal die Herausforderung annehmen möchten, Ihre Erziehung bewusst zu reflektieren, finden Sie hier  ein hilfreiches Dokument dazu:

Kinder richtig erziehen: Hier finden Sie 20 Reflexions-Fragen, die Ihnen helfen können über sich und Ihren Erziehungsstil nachzudenken.

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20 Reflexionsfragen

 

 


 

Jetzt kennen Sie die Schattenseiten von Lob und Belohnung. Was es braucht damit Belohnung und Lob funktionieren, können Sie im folgenden Artikel nachlesen:

Wie sollten Belohnung oder Lob sein, damit diese wirksam sind?

 

Ihre

Sara Michalik

PS: Haben Sie auch Erfahrungen mit nicht funktionierendem Lob oder Belohnung gemacht?


ZUM WEITERLESEN

 

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