Daniel Mohr: Zeitmanagement mit 3 Kindern [029]

Daniel Mohr

Ich dachte „Oh, jetzt hast du ganz viel Freizeit und jetzt kannst du Zuhause alles Mögliche machen.“ Die Illusion wurde mir dann schnell genommen. Danach habe ich gesagt „Okay, jetzt ist es so, wie es ist. Es ist auch nicht schlecht. Und du freust dich auf die Zeit, wo es irgendwann einmal so wirklich halbe-halbe ist und du beides genießen kannst.“

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Alles zum Thema Ordnung, Klarheit und Struktur.
Hier erwarten Dich Beiträge, Tipps und Tricks rund um das Thema Ordnung im privaten und beruflichen Umfeld.
Angefangen beim Aufräumen eines Kinderzimmers, über die effektive Einrichtung eines Büros oder Arbeitsplatzes, bis zur Optimierung von Arbeitsprozessen in Betrieben.

Homepage: https://www.daniel-mohr.com

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Transkript:

PETER: Mein heutiger Interviewpartner bei Eltern Podcast ist Daniel aus Essen. Hallo Daniel.

DANIEL: Hallo Peter.

PETER: Grüß dich. Lieber Daniel, erzähl uns doch erst einmal, wer du bist, was du beruflich machst, und wie viele Kinder du hast.

DANIEL: Ja, ich bin Daniel Mohr und 39 Jahre alt. Ich habe drei Kinder: Eine Tochter, sechs Jahre alt, die Helena, und zwei Jungs, Samuel und Elias, Zwillinge, und die sind zweieinhalb Jahre alt. Und ja, beruflich bin ich Trainer und Coach für, ja, eigentlich kann man sagen fürs Ordnungsmanagement – also die Überbegriffe sind so Ordnung, Klarheit, Struktur – in allen Bereichen des Lebens. Und dazu halte ich entsprechend Seminare, biete Coachings an, und habe auch einen Blog, in dem ich einige Themen aus dem Bereich Ordnungsmanagement, sei es irgendwie das Aufräumen eines Schreibtisches oder das Aufräumen eines Kinderzimmers, bis hin zur Optimierung von einzelnen Arbeitsprozessen im Unternehmen noch einmal ein bisschen aufschlüssle und das den Leuten präsentiere. Ja.

PETER: Das heißt, das machst du in beiden Bereichen, also im geschäftlichen Bereich, wie du erzählt hast, im Office-Bereich, aber auch für Zuhause. Ist das richtig?

DANIEL: Ganz genau. Genau. Genau. Also sowohl privat, da halt wirklich von der kleinen Wohnung bis zum großen Haus „Wie bringe ich da Ordnung hin?“, begleite auch Menschen auf Wunsch bei denen Zuhause und helfe denen, das alles umzusetzen. Und aber auch beruflich auch bei Unternehmen. Da ist eher Optimierung der Effizienz oder Effektivität vielleicht im Büro, auf dem Arbeitsplatz, aber auch zwischen den einzelnen Abteilungen, wie man da die Zusammenarbeit so ein bisschen optimiert.

PETER: Das heißt, du kannst in dem Bereich, wo das Zuhause angeht, mit drei Kindern recht viel Erfahrung sammeln, was das anbelangt, kann ich mir vorstellen.

DANIEL: Ja, und ich kann es auch direkt wieder ausprobieren und nachjustieren und noch einmal ausprobieren und noch einmal nachjustieren und so weiter, ja.

PETER: Genau. Und dann wären wir gleich schon beim Thema: Was hat sich durch deine Kinder in deinem Leben verändert?

DANIEL: Also bei uns hat sich eigentlich sehr, sehr viel verändert. Dadurch, dass wir beide selbstständig waren und gerade frisch verheiratet waren und damals auch frisch eine Wohnung gekauft haben und das erste Kind eigentlich erst zwei Jahre später geplant war, und es plötzlich da war, hat sich sehr, sehr viel verändert, sowohl beruflich als auch privat. Ich war damals noch Inhaber und Geschäftsführer eines Unternehmens hier in Essne in der Gebäudereinigungsbranche, hatte einige Mitarbeiter. Und dann ging es plötzlich nicht, weil für mich war klar, dass ich auch die volle Elternzeit nehmen möchte. Und meine Frau hatte das Problem, dass sie nicht einfach so aus dem Beruf raus kommt. Sie ist Psychologin, hat auch eine eigene Praxis. Und wenn man da mit Leuten über Monate, Jahre zusammenarbeitet, kann man nicht einfach für ein halbes Jahr verschwinden. Das ist schwierig. Und dann haben wir uns das aufgeteilt. Und dadurch hat sich sehr, sehr, sehr viel verändert bei uns.

PETER: Das heißt, du hast dich entschieden, deine Firma aufzugeben – verstehe ich das richtig?

DANIEL: Im Nachhinein ja. Also mittlerweile bis zu 90 Prozent habe ich es einfach abgegeben, weil wir uns die Zeit aufgeteilt haben. Also jeder arbeitet von uns sagen wir einmal zweieinhalb bis drei Tage in der Woche. Und wir machen das im Wechsel, dass einer dann bei den Kindern ist. Und da kann man keine vier, fünf Mitarbeiter unterhalten, das geht einfach nicht. Und deswegen habe ich mich da verkleinert, und konnte auch in der Elternzeit, in der ich viel Zeit hatte zum Nachdenken, während ich den Kinderwagen durch den Park geschoben habe, habe ich dann so ein bisschen auch zu mir selbst gefunden, und dann für mich beschlossen, auch da übers Ordnungsmanagement da die Seminare und so weiter anzubieten. Genau.

PETER: Okay. Das heißt habt ihr von Anfang an praktisch dieses 50-50 Modell gehabt, so wie du das jetzt beschreibst? So „Ich zweieinhalb Tage, meine Frau zweieinhalb Tage.“? Oder war das am Anfang noch du Vollzeit-Papa?

DANIEL: Ja, also genau, das war, sage ich einmal, so ein schleichender Prozess, weil es am Anfang allein ja durch das Stillen einfach nicht ging. Da musste ja meine Frau einfach präsent sein. Und ich konnte die Firma auch nicht von heute auf morgen einfach aufgeben, weil wir da auch laufende Verträge hatten und so weiter. Also wir haben das langsam, Schritt für Schritt beim einen reduziert, bei dem anderen ein bisschen aufgestockt. Und als meine Frau dann nach den ersten Monaten/ Ich glaube, die hat zweieinhalb Monate wirklich ausgesetzt und dann Schritt für Schritt wieder angefangen. Und in der Zeit habe ich dann ein bisschen weniger gemacht. Genau, und dann hat sich das so irgendwann einmal eingespielt, bis es so klappte vom Arbeitsvolumen bei beiden, dass wir das wirklich halbe-halbe machen konnten.

PETER: Okay. Und wie ging es dir damit, mit dem Aufgeben?

DANIEL: Mir ging es eigentlich damit sehr gut, mir persönlich, weil es war etwas anderes, es war eine Abwechslung, und der Job war zwar okay, aber das hat mich auch nicht so richtig erfüllt. So im Nachhinein weiß ich das, damals wusste ich das nicht. Ich dachte „Oh, jetzt hast du ganz viel Freizeit und jetzt kannst du Zuhause alles Mögliche machen.“ Die Illusion wurde mir dann schnell genommen. Aber am Anfang habe ich mich sehr drauf gefreut. Und danach habe ich gesagt „Okay, jetzt ist es so, wie es ist. Es ist auch nicht schlecht. Und du freust dich auf die Zeit, wo es irgendwann einmal so wirklich halbe-halbe ist und du beides genießen kannst.“

PETER: Das kann ich gut nachvollziehen. Ich lebe das heute noch, und ich möchte das nicht mehr missen, weil ich vorher eben auch sehr hochprozentig gearbeitet habe, und mich heute frage „Warum habe ich das eigentlich gemacht?“ Aber (unv. #00:06:22-0#) Klammer auf, Klammer zu.

DANIEL: Okay.

PETER: Was hat sich bei euch in der Partnerschaft verändert durch die Kinder?

DANIEL: In der Partnerschaft? Ja, da hat sich auch natürlich einiges verändert. Am Anfang auch nicht zum/ Ja, auf der einen Seite schon zum Positiven natürlich, weil man irgendwie auch zusammen wächst. Und dann war es sozusagen auch für uns gefühlt eine Familie. Auch wenn wir vorher verheiratet waren, waren wir nur ein Pärchen – und jetzt durften wir uns eine Familie nennen. Das war eigentlich ganz schön und wir haben uns auf das Kind auch gefreut. Und nein, das haben wir wirklich genossen. Aber man hat schon gemerkt: Die Ehe ist nicht mehr im Mittelpunkt, sondern das Kind. Und es fehlte einfach die gemeinsame Zeit, die Zeit alleine, die wir vorher hatten. Also wir sind vorher viel gereist, haben so Kurztrips gemacht, irgendwelche Städte besucht oder so. Das ist alles weggefallen, das ging nicht mehr. Und wenn man dann abends Freizeit hatte, war man meistens zu müde oder wusste „Ach, der eine hat heute Nacht Dienst – ja, dann gehe ich jetzt schon einmal schön schlafen und mach du dir noch einen schönen Abend und lies noch ein Buch oder so.“ Das hat sich schon ein bisschen verändert. Und das war anders. Und da mussten wir so ein bisschen zueinander finden.

PETER: Okay. Und du hast aber gesagt, dass das am Anfang so war – das hört sich für mich an, als ob ihr das gelöst habt. Wie habt ihr das gelöst mit drei Kindern? Also wie macht man das, dass man wieder so als Paar diese Zeit hat oder zueinander findet?

DANIEL: Ja, also wir haben das Glück, diese Kombination zu haben zwischen Ordnungsmanagement und Zeitmanagement von mir und meiner Frau als Psychologin, die auch gerne redet und Sachen im Gespräch klärt. Das war eine gute Kombi. Ja, also wir haben gemerkt: Also uns fehlt erst einmal gemeinsame Zeit, also wirklich feste Blocks. Das natürlich auch. Aber vor allem haben wir irgendwann einmal gemerkt im Laufe der Monate, dass uns einfach auch die Zeit für uns selbst fehlt. Also wirklich Zeit, wo man alleine etwas machen kann, wo man ohne schlechtes Gewissen mit den Kollegen einmal ins Kino gehen kann, oder wo die Frau ohne schlechtes Gewissen einfach einmal mit ihrer Freundin etwas Essen gehen kann, ohne dass man sagt „Oh, jetzt bleibt der andere wieder mit allen Kindern zusammen. Und wir haben es eh schon so schwierig und es ist anstrengend und so.“ Und das, da haben wir uns wirklich zusammengesetzt, haben gesagt „So, pass auf. Wie machen wir das?“, und wir haben für uns eine recht gute Lösung gefunden: Pro Woche hat jeder einen Abend wirklich nur für sich, wo er wirklich tun und lassen kann, was er will. Da übernimmt der andere ab 18 Uhr nach dem Abendessen – 18:00, 18:30 – alle drei Kinder, bringt die zu Bett, kümmert sich um alles, egal was passiert. Der andere hat frei ohne schlechtes Gewissen. Und jeder hat so einen Abend. Und wir haben einen Abend gemeinsam. Das heißt nicht, dass wir die anderen Abende nicht gemeinsam verbringen. Das tun wir schon. Aber einen Abend, da wissen wir: Egal, was kommt, egal welche Termine, Einladungen von außen, Geburtstage, was auch immer – das ist so, als wären wir da im Urlaub oder weg. Das ist der Freitag, der gehört uns. Und da sitzen wir abends zusammen und machen irgendetwas Schönes, oder rufen die Schwiegereltern an und bitten die, einmal eben Freitagabend die Kinder zu übernehmen und auf die aufzupassen, und dann gehen wir ins Kino der gehen Essen, und das ist dann unsere Zeit, unsere Auszeit. Und das hat sich ganz/ Ja?

PETER: Das heißt, da hast du als Zeitmanagementfachmann Klartext gesprochen und Termine abgemacht. Oder wie muss man sich das/

DANIEL: Genau. Genau. Wir haben einen gemeinsamen Kalender, wo die Sachen fest eingetragen sind und fest geblockt sind. Und dann kann jeder auch für Wochen und Monate im Voraus planen, sich da auch verabreden, oder den anderen auch einmal an dem freien Tag mit irgendetwas überraschen, weil du weißt ja, da kann nichts zwischen kommen, weil der Freitag gehört uns. Und diese Sicherheit ist eigentlich ganz gut. Und man hat auch, auch wenn es eine anstrengende Woche ist, hat man dann diese zwei Tage auf jeden Fall, diesen gemeinsamen Tag und diesen Tag für sich alleine, auf die machen sich einfach freuen kann. Und das sind so Inseln in der Woche, auch wenn es einmal stressig ist, die ganz gut tun.

PETER: Ja, das kann ich mir gut vorstellen, ja. Aus eigener Erfahrung. Ja, vor allem was ich ganz wichtig finde: Das, was du erwähnt hast, also nicht nur die Zeit als Paar, sondern wirklich auch Zeit für sich. Denn das ist, glaube ich, auch ein ganz großer Faktor: Dass man irgendwann einmal das Gefühl hat „Ich habe gar keine Zeit für mich.“ oder „Wo bin ich?“

DANIEL: Genau. Genau, ja.

PETER: Das ist, finde ich, wirklich ein ganz, ganz guter Hinweis. Was mich noch interessieren würde: Warst du eigentlich bei den Geburten dabei?

DANIEL: Ich war dabei, ja. Ich war bei beiden dabei. Bei der zweiten durfte ich die erste Nabelschnur durchtrennen. Und ich wollte auch die zweite durchtrennen, aber während ich meinen ersten Sohn im Arm hatte, schwuppdiwupps kam auch schon der zweite innerhalb von elf Minuten nacheinander. Also das ging ganz schnell und relativ unkompliziert. Ja, aber ich war bei beiden dabei, ja.

PETER: Und das war so für dich ein gutes Erlebnis?

DANIEL: Das war auf jeden Fall ein gutes Erlebnis, ja. Man muss sagen: Beim ersten Mal war es zum Teil ein bisschen ein langweiliges Erlebnis, muss man einfach sagen.

PETER: Also es ging zu lange oder was?

DANIEL: Es ging einfach super lange. Also es hießt, es passiert, um sieben Uhr ist alles vorbei. Und das zog sich bis tief in die Nacht. Und zwischendurch hat meine Frau geschlafen und dann wieder nicht und das hat sich alles gezogen, und alle waren entspannt, nur ich nicht. Ja. Aber war auf jeden Fall spannend.

PETER: Okay. Was würdest du sagen ist für dich oder für euch so die größte Herausforderung, die die Kinder so mit sich bringen?

DANIEL: Also die größte Herausforderung für mich war es: Also dadurch, dass ich jetzt auch in dieser ganzen Ordnung-Geschichte drin bin und (unv. #00:13:07-0#) in einer Führungsposition, war ich jemand, der immer agiert hat. Ich brauche für mich immer so Ordnung und Struktur und einen Plan, dass ich weiß/ Ja, ich kontrolliere gerne das Geschehen, auch wenn ich weiß, ich kann es nicht. Aber ich mache mir einen Plan und versuche, das irgendwie zu strukturieren. Und als die Kinder kamen, das war, glaube ich, ganz extrem oder ist es manchmal immer noch: Dass es Phasen gibt, wo man überhaupt gar nicht agiert, sondern man reagiert einfach nur, weil die Kinder einfach viele Sachen vorgeben. Wenn das Kind krank ist, dann ist es krank, und dann kannst du alles, was du dir vorgenommen hast, ist dahin. Und dann musst du halt reagieren. Und wenn du dir für den morgigen Tag hast du ein wichtiges Seminar und du musst präsent sein, und in der Tat schläft das Kind einfach nicht und schreit die ganze Nacht oder hat Albträume, dann ist das nichts, wo du sagen kannst „Ja, nein, geht nicht, ich muss jetzt schlafen.“, sondern dann bist du da. Und man reagiert halt. Und da habe ich lange Zeit so ein bisschen zu knabbern gehabt. Auch im Urlaub, wo ich gemerkt habe: Man hat den schönen Urlaub irgendwo in Norwegen am Wasser geplant, und ich habe mir vorgestellt, ich fahre morgens raus und gehe angeln und entspanne mich – ja, als ich dann aus dem Urlaub kam, war der Urlaub sehr interessant, aber nicht entspannend. Er war schön, aber völlig anders, als ich mir das vorgestellt habe.

PETER: Und wie hast du das für dich gelöst? Also einerseits hat man wie so eine Erwartung, wie das sein wird, und dann entspricht die Realität nicht der Erwartung. Und dann gibt es dafür mehrere Möglichkeiten. Man kann sich ja da drin so ein bisschen auch verfangen, oder?

DANIEL: Ja, klar. Also die Phasen gibt es immer, auch zwischendurch, wenn irgendwie etwas wirklich Längeres/ Oder man kommt von einem Seminar und ist total motiviert und würde viele Sachen gerne umsetzen – und dann kommt aber vielleicht etwas dazwischen und dann sind die Kinder da. Und da muss ich auch mit mir kämpfen.

PETER: Wie machst du das? Wie kämpfst du mit dir?

DANIEL: Also erst einmal orientiere ich mich dann wieder an die nächste Insel in der Woche, die ich habe, weil die ist dann meistens safe. Also wenigstens so der Abend für mich, weil meine Frau dann sagt „Nein.“/ Oder umgekehrt halt, wenn sie halt frei hat, dann sage ich „Nein, nein, ist alles in Ordnung.“, auch wenn das Kind dann krank ist. Ich bin ja da. Ob jetzt zwei daneben sitzen oder einer, spielt keine Rolle. Du musst jetzt nicht weggehen und Party machen, aber dann gehst du ins Zimmer und machst dir einen Tee und liest. Und das ist so eine Sache, wo man so ein bisschen runter kommt. Und seit einigen Jahren meditiere ich jetzt abends immer, bevor ich schlafen gehe. Und das hilft mir auch enorm weiter, einfach einmal komplett runter zu kommen und ein bisschen Abstand zu halten, und ohne irgendeinen Gedanken – egal ob positiv oder negativ – sondern einfach nur gedankenlos einzuschlafen. Das hilft mir persönlich sehr viel.

PETER: Okay. Das finde ich eine gute Strategie. Braucht auch ein bisschen Disziplin, oder?

DANIEL: Am Anfang schon. Also wenn man das regelmäßig machen will, schon. Ich mache das aber/ Ja, man muss sagen: Das Ziel der Mediation erfülle ich nicht wirklich, weil ich eigentlich nie weiß, wann ich aufhöre, sondern ich schlafe dabei meistens ein. Ist eigentlich nicht das Ziel der Meditation, aber ich mache es wirklich nur, um ohne Gedanken an den Tag oder was passiert ist, einzuschlafen. Und da ist die Disziplin gar nicht so, das kommt von alleine. Ich liege im Bett und (unv. #00:17:01-0#) einschlafen. Und am Anfang, um das zu lernen, habe ich so eine geführte Mediation gemacht mit einem wirklichen Hörspiel im Kopf. Und mittlerweile mache ich das alleine. Und dann irgendwann einmal schlafe ich von alleine ein. Das geht ganz gut.

PETER: Super. Du hast vorhin erzählt, dass ihr euch die Kinder und Job so ein bisschen teilt. Und wie reagiert da das Umfeld eigentlich auf diese nicht so typische Rollenaufteilung?

DANIEL: Also meistens eigentlich fast immer positiv. Sagen wir entweder positiv oder überrascht. Von den meisten Frauen wird das positiv aufgenommen. Von einigen Männern, mit denen ich zu tun habe, dadurch, dass die auch selbstständig sind, und oft Alleinverdiener, überraschend, weil die sagen „Ja, würde ich vielleicht auch gerne machen, aber bei mir geht es nicht.“ Und ich denke „Es geht.“, aber nicht immer habe ich Lust, mich auf diese Diskussion einzulassen. Es geht eigentlich immer, wenn man will. Egal, welchen Job man hat, es geht. Aber es ist schwer, das den Leuten zu erklären. Und dann ist man immer in dieser Position, wo der andere denkt, man meint, es besser zu wissen. Und gut, dann kommentiere ich das nicht weiter. Aber ansonsten reagieren eigentlich alle ziemlich positiv. Ja, doch, muss man schon sagen.

PETER: Okay. Wie ist das, wenn ihr/ Bei drei Kindern, ich kann mir vorstellen, dass es da die eine oder andere Situation gibt, wo du vielleicht etwas machst, was deine Frau nicht so gut findet, oder anders rum, wo ihr praktisch andere Ansichten habt, und trotzdem merkt „Oh, mein Mann macht das anders.“, „Meine Frau macht das anders.“ Wie geht ihr damit um?

DANIEL: Ja, also wir versuchen, es nicht vor den Kindern auszutragen. Es klappt nicht immer. Aber ja, also wir haben/ Ich sage einmal: Der, der zuerst etwas sagt, der sagt das erst einmal. Und dann ziehen wir das durch. Auch, wenn der andere vielleicht nicht immer der Meinung ist, zieht der jetzt mit, damit die Kinder nicht in die Versuchung kommen, uns gegeneinander auszuspielen. Abends ist das oft so, dass man sagt „Du, das fand ich aber jetzt nicht gut. Also das müssen wir anders klären.“ Und dann sprechen wir das ab und nehmen uns dann vor, das beim nächsten Mal anders zu machen. Klappt nicht immer, weil man immer manchmal impulsiv aus der Situation heraus irgendwie etwas sagt oder reagiert. Aber grundsätzlich, denke ich, haben wir so ungefähr die Regel „Wer zuerst etwas sagt, der hat erst einmal Recht.“ Und der andere versucht, ihn ein bisschen zu unterstützen.

PETER: Okay. Du sagst, es klappt nicht immer. Wie soll ich sagen: Hast du da irgendwie auch eine Strategie für dich entwickelt, wie du vielleicht mit den Emotionen, die dann in so einer Situation aufkommen, umgehst?

DANIEL: Also ich versuche dann immer, an die Kinder zu denken. Also ganz knapp so. Und also jetzt nicht so – wie sage ich jetzt einmal? – um das Beste für die Kinder. Natürlich will man das, ja. Aber nein, in dem Moment nicht, sondern ich denke an die Kinder, weil ich weiß: Wenn ich das jetzt mache, dann wird es beim nächsten Mal einfach noch schwieriger. Weil das haben wir schon ein paar Mal erlebt. Wenn wir irgendwie uns nicht einig sind und die Kinder das merken, dann nutzen die das aus. Und beim nächsten Mal, wenn die Mama irgendetwas sagt, dann warten die, bis der Papa nach Hause kommt. Und das hatten wir schon einmal: Und wir klatschen uns an der Tür ab und ich komme rein und dann heißt es „Ah, Papa, darf ich das und das?“ und ohne mir zu sagen, dass die Mama es eigentlich verboten hat. Und wenn man das ein paar Mal mitgekriegt hat, dann wird man vorsichtiger. Und das ist dann so eine Bremse, so eine Alarmglocke, die im Kopf eingeht, die mich dann eigentlich ganz gut erdet und mich dazu bringt, da nichts zu sagen.

PETER: Ja, das ist eine gute Strategie, finde ich, ja. Was mich jetzt noch interessieren würde, wäre: Du hast gesagt, ihr habt Zwillinge, zwei Jungs, und eine Tochter. Die Tochter ist älter als die Zwillinge. Und sie wurde praktisch wie zweimal entthront.

DANIEL: Ja, richtig.

PETER: Wie hat sie darauf reagiert?

DANIEL: Also sie hat am Anfang das ziemlich gut verkraftet, muss man sagen. Es war ein bisschen schwierig, weil wir, als wir erfahren haben, dass wir die Zwillinge haben, mussten wir halt spontan umziehen, weil die Wohnung zu klein war. Und sie musste dann den Kindergarten wechseln, also neues Haus, und dann kamen noch die Zwillinge. Es war viel für sie. Und wir haben aber dann wirklich versucht, ganz punktuell mit ihr – nur mit ihr – Zeit zu verbringen und ihr auch zu sagen „Pass auf, ich gehe heute mit dir ins Kino, weil die Jungs noch Babys sind, weil die würden das noch nicht verstehen, weil sie noch nicht groß genug sind.“ Und das hat ihr so ein bisschen den Auftrieb gegeben. Obwohl sie jetzt nicht mehr im Mittelpunkt war, ist sie jetzt immer die große Schwester, die Schwester, die jetzt zur Schule kommt, die/ Also ich weiß nicht, wenn wir den Tisch decken oder zu Abend essen, und ich muss noch etwas machen, sage ich „Helena, kannst du bitte rüber gehen und auf die aufpassen?“ Das gibt ihr so ein bisschen so eine leicht höhere Position den Zwillingen gegenüber. Und da können wir auf dieser Ebene mit ihr ganz gut kommunizieren. Und gleichzeitig merkt sie, dass sie halt nicht mehr im Mittelpunkt steht und dass sich die Welt nicht nur um sie dreht. Und nicht nur bei den Eltern, sondern vor allem bei den Großeltern. Und das ist wie so eine Wippe und wir versuchen, das so ein bisschen im Gleichgewicht zu halten. Ja.

PETER: Interessant.

DANIEL: Klappt aber auch nicht immer, leider.

PETER: Ja, aber es ist ein einschneidendes Erlebnis für die Kinder, wenn Geschwister kommen. Ich glaube, das kann man nicht wegdiskutieren.

DANIEL: Nein. Nein, nein, genau. Vor allem beim ersten Kind. So war das bei uns, weil es ja auch für die Großeltern das erste Enkelkind war. Und da wird man natürlich immer auf so einen Thorn gesetzt und glorifiziert, kann man schon fast sagen. Aber wir waren auch froh. Also sie hat ein bisschen Probleme/ Manchmal versucht sie das natürlich auszunutzen und sagt „Ihr seid nur für die Brüder da.“ oder „Ihr macht nur mit den Brüdern schöne Sachen.“ und versucht, uns da irgendwie zu kriegen. Aber dadurch, dass sie schon sehr selbstbewusst ist, und wir einfach merken, dass wir mit diesem Betüdeln nicht alles richtig gemacht haben, können wir das so ein bisschen verkraften, weil wir denken, dass es gut tut, sie ein bisschen zu erden.

PETER: Ja, ja, ja, okay. Gab es etwas, wo du so nicht erwartet hast vor den Kindern, was dann aber passiert ist?

DANIEL: Ja, also ich finde, gefühlstechnische hat sich da sehr viel getan.

PETER: Okay. Also was meinst du genau damit?

DANIEL: Also ich bin eigentlich so der Kopfmensch und meine Frau genau das Gegenteil. Gut, als Psychologin liegt das vielleicht nahe. Aber für mich ist so wirklich so: Ich habe immer alles mit Logik und Argumenten gelöst. Und als die Kinder da waren, habe ich gemerkt, dass sich da schon sehr viel tut. Also ich bin zum Beispiel viel ängstlicher geworden. Irgendwie wenn wir über die Straße gehen, achte ich, wie der andere fährt. Oder ich schaue, irgendwie an der Ampel gehe ich einen Schritt zurück oder so, also was ich früher nie gemacht hätte und irgendwie, keine Ahnung, total abgelenkt wäre, bin ich jetzt also viel achtsamer. Das ist mir auf jeden Fall aufgefallen. Das würde meine Frau jetzt gerne hören: Ich kuschle viel lieber, was ich früher auch nicht so gemacht habe. Also ich habe einfach gerne meine Kinder auf dem Schoß und kuschle gerne mit denen. Und als wir dann erfahren haben, wir kriegen unser zweites – und noch nicht klar war, dass es Zwillinge sind – habe ich gesagt „Ach, ich hätte auch keine Probleme mit einem zweiten Mädchen, weil die kuscheln so gerne. Und wenn ein Junge kommt, die kuscheln vielleicht nicht so.“ Aber das wurde zum Glück nicht bestätigt. Also die beiden Jungs kuscheln auch genauso gerne. Das fand ich richtig schön. Also das hat sich auf jeden Fall total verändert. Und was sich auch verändert hat, was ich gemerkt habe: Mittlerweile kann ich mir keine Nachrichten anschauen oder irgendwie einen Film anschauen, wo Kinder leiden. Kann ich nicht irgendwie. Entweder läuft da irgendein Film in mir ab mit meinen Kindern oder ich versetze mich in diese Position. Auf jeden Fall da merke ich: Das kann ich nicht. Also wenn ich schon so eine Überschrift sehe irgendwie auf Spiegel-Online „Und das und das ist passiert.“, dann scrolle ich das weg. Will ich irgendwie nicht an mich rankommen lassen. Ja, also/

PETER: Das heißt, du hast für dich so die Gefühlswelt entdeckt durch die Kinder.

DANIEL: Ja, auf jeden Fall. Auf jeden Fall. Also da haben sich auf jeden Fall einige Türen aufgetan, von denen ich nicht gedacht hätte, dass sie sich jemals in meinem Leben auftun würden. Ja.

PETER: Okay. Spannend. Ja du kannst ja einmal gerne den Podcast deiner Frau einmal vorstellen beziehungsweise die Sequenz, wo du das sagst.

DANIEL: Ja, die wird sich den auf jeden Fall anhören. Ja, ja.

PETER: Da hat sie bestimmt viel Freude.

DANIEL: Ja, genau.

PETER: Du sagst „Ich war vorher, vor der Geburt, so eher ein Kopfmensch.“ Und als Kopfmensch bereitet man sich so auf die Kinder vor und auch wenn die Kinder da sind, wenn irgendwelche Situationen auftauchen, mit denen man nicht so gut klarkommt. Wo hast du dich informiert? Oder gab es ein Buch, wo dir geholfen hat? Oder irgendein Blog? Oder wo hast du deine Infos hergeholt?

DANIEL: Ja, ich habe mir – ich muss schon fast sagen leider – ganz viele Bücher durchgelesen. Also ich lese gerne Sachbücher. Und irgendwann einmal habe ich gemerkt: Es ist gar nicht so gut, so viel zu wissen, weil man weiß dann auch über die ganzen Gefahren und weiß, was alles in so einer Schwangerschaft schieflaufen könnte, was zu 98 Prozent nicht passiert, aber wenn man es weiß, beschäftigt man sich damit. Und dann guckt man immer drauf und achtet. Und da habe ich gemerkt so: Manchmal ist es/ Es ist schon gut, sich natürlich zu informieren. Aber man sollte entscheiden, wie man das macht. Und da hätte ich mir zum Beispiel so einen Austausch mit Eltern viel mehr gewünscht. Einfach zu erfahren, dass die Eltern sagen „Hör einmal zu, bleib ganz locker. Egal, was die Leute dir erzählen – bei dir wird das anders sein. Und auch du wirst es schaffen. Und wir haben die und die Probleme und wir haben die so und so gelöst.“ Und das wirklich aus verschiedenen Quellen, dass man sagt „Okay, es ist ein breites Feld. Alles ist möglich. Es gibt nicht die Schablone, die man irgendwie drüber setzen kann und sagt „Und so muss das Kind werden, so muss die Schwangerschaft verlaufen, und alles andere ist unnormal.“ Das hätte ich mir wohl gewünscht, das fände ich besser.

PETER: Okay, also keinen Ratgeber, sondern eher eine Austauschrunde.

DANIEL: Ja, genau. Und wenn ein Ratgeber/ Also einen Ratgeber würde ich schon nehmen. Also ich würde schon jedem empfehlen, einmal so ein Buch über eine Schwangerschaft einfach einmal zu lesen, damit man weiß: Was passieren da für Prozesse? Was kommt da vor? Auf manche Sachen sollte man ja schon achten. Aber man soll sich nicht verrückt machen und jetzt nicht irgendwie einen Stapel Bücher holen und alles durchlesen. Dann wird man wirklich verrückt.

PETER: Das heißt, da ist weniger mehr, so wie ich das/

DANIEL: Ja, auf jeden Fall. Weniger mehr, genau. Und mehr vielleicht einfach nur Erfahrung sammeln von den anderen Eltern, sich mit denen austauschen, und es einfach einmal im Hinterkopf behalten, aber es nicht unbedingt vergleichen.

PETER: Okay. Hättest du trotzdem, auch wenn du viele gelesen hast: Gibt es irgendeinen Ratgeber, der so ein bisschen raus gestochen hat so als Tipp?

DANIEL: Also jetzt zur Schwanger/ Also ich habe ein Buch, was ich gelesen habe, was ich einem Paar, einem Ehepaar empfehlen würde. Also zum Beispiel das Buch von Ursula Nuber, das heißt „Was Paare wissen müssen. Die zehn Grundlagen für das Leben zu zweit.“ Das ist so ein Buch, was auf jeden Fall, nachdem das Kind da ist – oder vielleicht das zweite oder dritte – so die Paare jeder für sich vielleicht einmal wirklich lesen sollte und sich wirklich/ aber nicht einfach nur durchlesen, sondern auch ein bisschen für sich das ein bisschen einmal durcharbeiten. Es hilft auf jeden Fall, aus sehr vielen Spannungen, aus sehr vielen Problemen die Spitze heraus zu nehmen und ein bisschen Verständnis für den andere zu entwickeln. Und das macht viel aus.

PETER: Okay. Also das werden wir auf jeden Fall verlinken unter dem Podcast. Was wir auch verlinken werden, ist ein Link zu deiner Seite, wo man deine Dienste, wenn man sie haben möchte, um Tipps zu bekommen, mehr Ordnung zu bekommen, vielleicht Zeitmanagement besser zu organisieren. Weil das sind alles Punkte/ Beziehungsweise aus meiner Erfahrung ist die Zeit die größte Herausforderung für Paare, für Eltern. Und vielleicht kann man da den einen oder anderen guten Hinweis von dir bekommen. Das heißt, das werden wir//

DANIEL: Ja. Ja klar, gerne.

PETER:// auch verlinken. Und ja, ich muss so ein bisschen die Zeit im Auge behalten, und wir sind schon über 30 Minuten. Von daher würde ich sagen: Daniel, vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast, mit uns deine Erfahrungen zu teilen. Es war wieder sehr, sehr spannend für mich. Und das ist das interessante eigentlich: Dass immer wieder etwas Neues dabei raus kommt bei solchen Interviews, wo ich immer wieder etwas mitnehmen kann. Und daher ganz, ganz herzlichen Dank.

DANIEL: Ja, ich danke dir, dass ich dabei sein durfte. Und ja, es hat sehr viel Spaß gemacht. Vielen Dank.

PETER: Alles klar. Tschau.

DANIEL: Ja, Tschüs.

Melanie Ladu: HypnoBirthing [028]

Melanie Ladu

Meine Kinder sind ist das größte Geschenk, das ich je gekriegt habe. Durch sie habe ich noch einmal einen ganz anderen Zugang, zu mir, zu der Sprache meines Herzens bekommen. Und habe sehr viel Mut und auch Kraft geschöpft.

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Melanie Ladu: HypnoBirthing jetzt hören

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HAPPY MAMA HAPPY BABY – Der Geburtsvorbereitungskurs für Körper, Geist und Seele: Hier kannst du bei Entspannungs- und Körperübungen deinen Kräfte für den Alltag wieder auftanken, dir Zeit für dich und dein Baby nehmen, dich mit anderen schwangeren Frauen über Sorgen, aber auch Freudiges austauschen und dich durch wertvolles Wissen zuversichtlich auf die Geburt deines Kindes vorbereiten. Kursort: Weil der Stadt (Baden-Württemberg)

Online-Kurs in der Testphase, Anmeldung kostenlos für Interessierte: Ladu@happymamahappybaby.de

Kurs für werdende Eltern: www.geburtmithypnobirthing.de

Beschreibung: Geburtsvorbereitung für werdende Eltern mit Tiefenentspannungs-Übungen

Kurs für schwangere Frauen: www.happymamahappybaby.de


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Mein heutiger Interviewgast bei Eltern Podcast ist Melanie aus der Nähe von Stuttgart. Hallo Melanie.

MELANIE: Hallo Peter.

PETER: Liebe Melanie, erzähl uns doch erst einmal, wer du bist, was du machst, und wie viele Kinder du hast.

MELANIE: Ja, mein Name ist Melanie Ladu, ich bin 35 Jahre alt. Ich habe zwei Kinder, bin verheiratet. Ich habe Lehramt studiert, bin jetzt aber selbstständig, mache etwas ganz Exotisches: Ich bin freiberufliche Geburtsvorbereiterin und Hypnosecoach. Das heißt, ich kümmere mich um schwangere Frauen, aber nur vor der Geburt. Danach nicht mehr. Also ich bin auch keine Hebamme. Und ich habe mich da eigentlich auf Mentaltraining für Geburt spezialisiert. Hypnobirthing, da schlägt mein Herz für, da begleite ich die Frauen gerne und möchte ihnen helfen, dadurch eine entspannte Schwangerschaft und eine leichtere Geburt zu haben. So grob.

PETER: Das finde ich einmal sehr spannend. Was mich als allererstes überhaupt interessieren würde, bevor wir zu den Kindern kommen: Wie kommt man vom Lehramt zu Geburtsvorbereitungen?

MELANIE: Ja, wie ist das passiert? Ich habe mein erstes Kind während der Ausbildung, also im Referendariat bekommen nach dem Studium. Und ich war total glücklich mit meinem ersten Kind, es war ein totales Wunschkind, und habe dann gedacht „Ja, und das schaffe ich alles mit links und ich steige gleich wieder ein, sobald die Kleine neun Monate alt ist.“ Das war dann Schulstart und mein Mann war in Elternzeit, alles prima. Habe ich gedacht. Und dann habe ich festgestellt: Nein, gar nicht. Also das war dann eigentlich eine Zeit, wo ich gemerkt habe: Das geht bei mir im Leben überhaupt nicht miteinander konform, die Arbeit und Mutter sein. Und habe dann eigentlich auch relativ schnell gemerkt, dass ich da relativ lange irgendwie eine Illusion gelebt habe, die gar nicht zu mir passt. Also ich bin sehr gern Lehrerin, mit Leidenschaft, aber nicht in diesem System. Das habe ich irgendwie erst kapiert, als ich ein Kind hatte, und habe dann gesagt „So kann ich nicht weiterleben. Möchte ich auch nicht.“, und habe dann die Elternzeit gewählt/ Dadurch, dass mein Kind so klein war, konnte ich einfach sagen „Ich reiche jetzt Elternzeit ein und komme nicht mehr wieder.“ Also es war eigentlich so nicht nur geistig hatte ich diese Erscheinungen, sondern auch körperlich. Ich war also kurz vorm Burnout. Jetzt steigen wir hier gleich/

PETER: Ja, ja, da sind wir schon eigentlich ganz richtig.

MELANIE: Genau, ja. Also da ging es mir richtig, richtig schlecht, und bin dann sehr stark in eine Krise gerutscht.

PETER: Das heißt, du konntest dir nicht vorstellen, während das Kind noch so klein ist, wieder arbeiten zu gehen?

MELANIE: Nein.

PETER: Oder du warst so beschäftigt mit den Aufgaben, die das Mama-Sein mit sich bringen, dass du, wie du gesagt hast vorhin, kurz vorm Burnout standest? Habe ich das richtig verstanden?

MELANIE: Ja, aber das lag nicht an meinem Kind. Also bevor ich gearbeitet habe, war alles super, ich war die glücklichste Frau der Welt. Und aber als ich dann gearbeitet habe mit so einem kleinen Kind – und diese Arbeit – das hat mich fertig gemacht. Also ich kann mir vorstellen/ Naja gut, es waren viele Faktoren. Ich habe eine sehr verrückte Fächerkombination studiert. Ich habe Biologie, Spanisch und Philosophie studiert. Das sind alle Richtungen, die es gibt, also geisteswissenschaftlich, naturwissenschaftlich und dann noch eine Sprache. Und dann war ich relativ überfordert, in der kurzen Zeit, die ich in der Vorbereitungszeit hatte ja dadurch, dass ich Mutter war, da konnte ich ja nicht, wie alle anderen, 24 Stunden theoretisch mich darauf konzentrieren, auf das Berufsleben und die Prüfungssituationen da musste ich ständig umswitchen im Kopf. Und ich hatte dadurch, dass ich drei Fächer hatte, auch einfach mehr Termine. Und das habe ich komplett unterschätzt. Ich habe neun Stunden unterrichtet an der Schule. Und bevor ich eingestiegen bin dann mit Kind wieder ins Ref, habe ich gedacht „Das ist ja kein Problem, sind ja nur neun Stunden.“ Aber das stimmt so nicht. Also als Lehrerin ist das echt heftig. Man muss eigentlich doppelt so lang rechnen als Vorbereitungszeit, dann hat man noch Seminare, dann noch die ganzen Veranstaltungen an der Schule. Und ja, die Schüler werden auch nicht leichter.

PETER: Genau. Und wo war für dich in diesem ganzen Szenario, was du beschreibst, dieser Burnout-Faktor?

MELANIE: Das schlimmste war, glaube ich, dass ich mein Herz verraten habe. Ganz viele Jahre. Was meine ich damit?

PETER: Ja, genau, wie meinst du das?

MELANIE: Ich habe eigentlich schon relativ früh im Studium gemerkt, dass ich gar nicht an der Uni studieren will diese drei verrückten Fächer. Also ich mochte das zwar, aber es hat mich nicht erfüllt. Und ich habe das relativ schnell gemerkt, aber ich habe mich nie getraut, zu sagen „Ich mache das jetzt nicht mehr.“ Das waren dann eher so Gedanken wie „Jetzt hast du es angefangen, jetzt mach es zu Ende!“ Und ich wurde da auch gepusht von meiner Familie. Also da gab es bei uns im Umkreis viele Verwandte, gerade so Cousins oder Cousinen von mir, die waren mutiger, die haben ihren Eltern gesagt „Ich habe das jetzt angefangen, zu studieren, aber das ist nicht meins. Ich möchte etwas anderes machen.“ Und das habe ich mich einfach nicht getraut, weil mir dann auch kommuniziert wurde von der Familie, dass das ja so schrecklich wäre für die Eltern, und um Gottes Willen, und man müsste es doch dann zu Ende machen. Solche Geschichten halt. Und ich habe das dann echt sieben Jahre durchgezogen. Und das war schon hart.

PETER: Ja, das glaube ich. Also du warst dann praktisch voll im System eingebunden. Und so wie ich das höre, hat das Kind dir ermöglicht, auf dein Herz zu hören. Habe ich das richtig verstanden?

MELANIE: Das hast du richtig verstanden.

PETER: Interessant.

MELANIE: Meine Tochter ist das größte Geschenk, glaube ich, das ich je gekriegt habe. Also mein Sohn auch, ich habe ja zwei Kinder, aber durch sie habe ich noch einmal einen ganz anderen Zugang, ja, zu mir, zu der Sprache meines Herzens. Und da habe ich auch sehr viel Mut geschöpft und auch Kraft.

PETER: Ja. Das heißt, als die Tochter geboren wurde, warst du daheim und dein Mann hat gearbeitet.

MELANIE: Ja, genau.

PETER: Und dann hast du gesagt, ihr wolltet das ändern, dass dein Mann quasi Elternzeit nimmt und du arbeitest, aber das hat nicht so gut funktioniert.

MELANIE: Also er hatte nur drei Monate Elternzeit, bis sie quasi in der Kita dann war. Und dann war sie halt bis um eins in der Kita. Ich wollte das halt nie. Ich wollte nie, wenn ich ein Kind habe, das Kind dann den ganzen Tag irgendwo unterbringen. Das kam für mich nicht in Frage. Und so naiv, wie ich war, habe ich gesagt „Ja, mit neun Stunden Unterricht, dann brauche ich das ja auch nicht.“ Aber das waren dann teilweise Wochen, wo ich viermal die Woche einen Babysitter für nachmittags gebraucht habe, weil ich ständig irgendwelche Termine hatte an der Schule, am Seminar oder ja, oder teilweise dann auch Elternabende in der Kita. Da musste ich mich einfach komplett zerreißen. Und irgendwann einmal hat mein Körper gestreikt und meine Psyche auch. Ich hatte das dann echt schwarz auf weiß. Ich hatte zum Glück einen tollen Arzt, der hat mir da geholfen. Der hat mir dann ein Attest geschrieben. Ich war ja auch mitten in der Prüfungssituation, als ich die Elternzeit eingereicht habe. Und da hat der mir dann ein Attest geschrieben und die Diagnose war „Psychovegetative Erschöpfung“.

PETER: Interessant, ja.

MELANIE: Ja, also da habe ich jetzt das gelesen, habe gedacht so „Boah, krass. Was ist denn das?“ Aber so hat es sich auch wirklich angefühlt. Ich war einfach nur total erschöpft, komplett.

PETER: Genau. Wie hat eigentlich dein oder euer Umfeld darauf reagiert, auf diese klassische Rollenaufteilung, dass du praktisch zuerst Zuhause, dein Mann arbeitet. Gab es da irgendwelche Reaktionen?

MELANIE: Nein, also bei uns in der Familie/ Also es war ein bisschen so, dass mein Mann in Elternzeit gegangen ist „Wie, dann gehst du gar nicht arbeiten?“ Aber die haben dann auch gemerkt: Das ist eigentlich total toll für meine Tochter, dass er sich da komplett nur um sie kümmern kann, und haben das dann sehr, sehr geschätzt, dass er das macht. Und er hat halt einen Job, er geht da morgens aus dem Haus und kommt sehr spät abends wieder. Und das war wirklich ein Geschenk für die beiden. Die haben dann noch einmal eine ganz andere Bindung aufbauen können, und davon schöpfen sie noch bis heute. Das ist wirklich toll.

PETER: Ja, das kann ich gut nachvollziehen. Jetzt rückblickend betrachtet: Was war für dich die größte Herausforderung mit den Kindern?

MELANIE: Mit den Kindern? Also natürlich/ Gut, ich habe danach noch einmal gearbeitet. Also sonst hätte ich jetzt als erstes gesagt „arbeiten mit Kind“. Das ist schon hart. Aber ich habe dann, als ich mit dem zweiten Kind schwanger war, habe ich noch einmal als Lehrerin gearbeitet, auch wieder neun Stunden, in einer Privatschule – und das war ein Unterschied wie Tag und Nacht. Also lag es nicht nur am Arbeiten.

PETER: Sondern an der Umgebung praktisch.

MELANIE: Ja. Weil ich habe die Entscheidung bewusst getroffen: Ich will das jetzt ausprobieren. Ich wusste dann einfach in der Krise nicht mehr: Was ist eigentlich das Problem, warum es mir so schlecht gegangen ist? War es, dass ich nicht Lehrerin sein will? War es, dass ich nicht das alles unter einen Hut kriegen konnte mit meinen Ressourcen, die ich zur Verfügung hatte? Und dann habe ich einfach das getestet. Das geht während der Elternzeit. Als Beamte kann man neun Stunden arbeiten, ohne dass man irgendwelche Nachteile hätte. Und das habe ich dann so getestet und habe gemerkt: Ja, Lehrerin sein ist gar nicht so schlecht – vor allem, wenn man das richtige Thema hat.

PETER: Okay. Also die richtigen Fächer.

MELANIE: Ja, ja. Und vor allem das richtige Thema. Jetzt muss ich kurz ein bisschen ausholen, dann erklärt sich das auch, deine allererste Frage „Wie kommt man von Lehramt auf Geburtsvorbereitung?“ Ich habe dann nicht nur Gymnasialkinder unterrichtet, so wie ich es quasi studiert habe, sondern alle. Da waren dann auch Schüler, die wollten ihren Realschulabschluss erlangen. Und das war jetzt keine Privatschule in dem Sinne von „Mama und Papa, die haben so viel Geld, da weiß man nicht wohin, dann suchen wir die allerbeste Schule für unsere Kinder.“, das war eher so eine Art Privatschule „Was machen wir mit unserem Kind? Das ist jetzt schon von A nach B nach C nach überall geschickt worden und das ist so die letzte Station.“ Teilweise. Nicht für alle, aber für einige war es so. Und das heißt, da waren also Kinder mit drin, die waren echt schwer zu motivieren. Also es ging, irgendwie haben wir einen Weg gefunden, gut miteinander klar zu kommen. Und dann habe ich das Thema Glück unterrichtet. Und das hat alles geändert. Alles. Da waren/

PETER: Also für dich oder für die Schüler?

MELANIE: Für die Schüler. Oder für uns alle. Also ich kam aus der Klasse raus jedes Mal, ich war so euphorisiert, ich konnte es gar nicht in Worte fassen. Da haben alle mitgemacht. Jeder hat sich gemeldet. Die haben sich teilweise in der letzten Reihe geprügelt darum, wer jetzt als nächstes etwas sagen darf. Das war eigentlich der Hammer. Also da habe ich gemerkt: Wir unterrichten einfach die falschen Sachen an den Schulen. Definitiv. Da waren sie total Feuer und Flamme und jeder wollte etwas beitragen, wollte das, was er im Herzen trägt, innen fühlt, auch sagen. Und dann habe ich gemerkt: Okay, alle Menschen wollen glücklich sein. Auch die, die irgendwie ihr Leben sehr passiv führen. Dafür hat es dann aber auch Gründe. Und wenn sie gehört werden und einmal gefragt „Du, wie sieht denn für dich Glück aus? Und wie könntest du deine Zukunft gestalten, dass sie glücklicher ist?“ Da habe ich einfach gemerkt „Alles klar, das ist mein Thema. Damit möchte ich mich beschäftigen.“

PETER: Und wie kamst du dann von den Schülern zu den werdenden Müttern?

MELANIE: Ja, dass ich mir einfach überlegt habe „Wo fange ich denn an? Wo fängt man denn an, mit den Menschen über dieses Thema Glück und glückliches Leben zu sprechen, so dass sie glückliche Menschen werden?“ Und dann habe ich irgendwie gedacht dadurch, dass ich in derselben Situation auch war und kleine Kinder auch hatte „Am besten vor der Geburt.“

PETER: Ja, das ist logisch.

MELANIE: Ja. Am besten schon davor, also um die Eltern auch auf bestimmte Dinge aufmerksam zu machen, wie sie ihre Kinder glücklich sein lassen. Weil Kinder kommen glücklich auf die Welt. Jedes Kind ist glücklich. Dass irgendwann einmal Jugendliche oder junge Erwachsene nicht glücklich sind, liegt oft an der Kindheit. Und da habe ich einfach gedacht, das wäre ganz gut, wenn ich die Eltern schon erwischen könnte und mit ins Boot nehmen kann und ihnen/ Also ich mache jetzt kein Glückstraining mit meinen Eltern, aber ich versuche, ihnen zu zeigen, wie man entspannt und ruhig, achtsam mit sich selbst umgeht. Und dann kann man auch in stressigen Situationen mit Kindern ganz anders umgehen mit den Kindern und mit sich selbst. Also das merke ich immer wieder. Das Programm, das ich dafür gemacht habe – also ich habe selber in der zweiten Schwangerschaft ein besonderes Geburtsvorbereitungsprogramm gemacht – das nennt sich HypnoBirthing. So auch die Erklärung „Wie bin ich zu Hypnosecoach gekommen?“ Da habe ich eine Ausbildung gemacht. Und das hat irgendwie etwas in mir bewirkt, dass ich gemerkt habe: Da ist noch so viel Potential in uns Menschen, wo wir nutzen können.

PETER: Es ist spannend, wenn du es erzählst, dass es darum geht, praktisch zu sich selber zu kommen, sich wahrzunehmen, weil mir erzählen ganz viele Eltern, dass die Kinder sie dazu gebracht haben, mehr sich wahrzunehmen, sich anders wahrzunehmen. Und dass sie es vorher nicht gemacht haben.

MELANIE: Richtig.

PETER: Dass praktisch erst dann wirklich durch bestimmte Stresssituationen oder Situationen, wo sie nicht mehr weiter konnten, sie sich wieder zurück auf sich selber besinnen und sich wahrnehmen und dann eigentlich ihre Intuition auch besser spüren und dann auch anders handeln. Und du setzt praktisch schon vor der Geburt ein. Das finde ich noch interessant.

MELANIE: Ja, das ist mein Ziel.

PETER: Spannend.

MELANIE: Also und ich merke, ich stelle fest, also es sind jetzt schon einige Paare, mit denen ich gemeinsam ihre Geburt vorbereitet habe: Die Kinder kommen auch entspannter auf die Welt. Und es ist natürlich ein anderer Start, wenn man ein entspanntes Kind hat. Und vor allem beim ersten ist das viel leichter, in den Alltag mit dem Kind einzutauchen, wenn es von sich aus eine gewisse Ruhe mit sich bringt. Weil wir wissen ja: Es gibt auch ganz andere Kinder, die schreien die ersten drei Monate komplett durch oder danach noch weiter. Und das/ Ja?

PETER: Apropos zu dem Stichwort Paare und zusammen leben: Wie hat sich die Tatsache, dass ihr Eltern geworden seid, auf eure Beziehung ausgewirkt?

MELANIE: Ja, sie hat sich schon sehr verändert. Also man ist dann tatsächlich erst einmal in so einem Eltern-Modus. Ich weiß nicht/

PETER: Also wie muss man sich das vorstellen?

MELANIE: Den Eltern-Modus? Also das Zeit fürs Paar sein ist etwas stark reduziert, sage ich jetzt einfach einmal so. Dadurch, dass die Kinder am Anfang ganz viel schlafen, gibt es dann schon auch Momente der Zweisamkeit, und das sollte man auch unbedingt nutzen. Das fand ich ganz wichtig, dann auch wieder nicht nur sich um dieses kleine Menschlein zu kümmern, sondern auch umeinander. Und ja, auch auf intimer Ebene. Das ist, finde ich, auch für Männer und Frauen, da auch aus ganz anderer Sicht, da wieder zusammen zu finden. Das ist auch wieder ein neues sich Annähern. So habe ich das wahrgenommen. Und natürlich/

PETER: Das heißt, ihr habt euch da wie ein bisschen neu kennengelernt. Ist das so?

MELANIE: Ja, beziehungsweise es hat mich sehr an unsere erste Zeit erinnert. Also wir sind schon sehr lange zusammen, wir haben uns kennengelernt, da war ich 15 und er 17. Also wir sind quasi als Teenager schon zusammengekommen. Und das war dann halt auch eine/ Also wir sind auch gegenseitig unsere erste große Liebe sozusagen. Wie in einem Märchen. Und das hat mich dann, diese Zeit nach der Geburt meiner Tochter. sehr daran erinnert, wie wir uns kennengelernt haben und so in dieses Thema Intimität überhaupt eingestiegen sind.

PETER: Spannend, ja.

MELANIE: War wie so ein Revival.

PETER: Okay. Woran hast du am meisten gemerkt, dass die Zeit als Paar sich verändert oder etwas fehlt oder etwas – wie soll ich sagen – drunter leidet? Wo ist dir das am meisten aufgefallen?

MELANIE: Das ist jetzt eine schwierige Frage. Wo habe ich das gemerkt? Also ich habe halt, glaube ich, schon gemerkt, dass ich viel gebe als Mutter, viel Liebe, viel Aufmerksamkeit. Und das kriegt man ja auch vom Baby auch wieder, aber auf eine andere Art. Das kann dich ja jetzt nicht in den Arm nehmen, so ein Winzling. Oder dich streicheln oder küssen, das kann halt nur der Partner. Und dass das halt weniger war als davor, weniger als ich es mir vielleicht gewünscht hätte, so habe ich das schon gemerkt.

PETER: Okay. Was macht ihr, wenn ihr zum Beispiel verschiedene Ansichten habt in Erziehungsfragen. Wie geht ihr damit um?

MELANIE: Also wir versuchen, das auf jeden Fall zu verheimlichen vor den Kindern in dem Moment. Heißt also, dass dann einer schon intuitiv versucht, in der Situation dann einfach – ich weiß nicht, wie ich es besser ausdrücken kann – sich auf die Zunge zu beißen und sich einfach einmal, auch wenn er es im Kopf anders denkt, sich von der Handlung her hinter den anderen zu stellen. Weil was immer ganz schlecht ist, was wir festgestellt haben bei Kindern, ist, wenn man vor den Kindern solche Sachen ausdiskutiert und darüber streitet. Weil die merken sich das und nutzen das, um dann eventuell zu ihrem Vorteil Mama und Papa auch einmal gegeneinander auszuspielen.

PETER: Genau.

MELANIE: Richtig. Und um das zu vermeiden, dass man quasi/ Als Eltern sollte man, wenn es möglich ist, immer eine geschlossene Front sein. Und wenn man dann merkt „Okay, da ging jetzt/“ Der eine war da anderer Meinung als der andere, dann dass man das dann hinterher, also wenn die Kinder gerade nicht dabei sind, darüber redet und versucht, da Konsens zu finden „Wie gehen wir in Zukunft damit um, dass alle zufrieden sind?“

PETER: Jetzt kann ich mir vorstellen, dass, wenn so eine Situation gerade akut stattfindet und wie du sagst, ihr habt so abgemacht, dass ihr versucht, euch auf die Zunge zu beißen: Wie gelingt dir das? Hast du da irgendwie einen Hinweis oder einen Tipp? Wie macht man das, sich in dieser Situation zurück zu nehmen?

MELANIE: Naja, ich versuche mir schon bewusst zu machen: Es geht nicht um mich und um mein Ego in dem Moment. Also wenn mein Mann etwas tut, wo ich sage, das hätte ich jetzt so nicht gewollt oder nicht so gemacht, dann denke ich mir, dass das Beste aus Situation jetzt rauszuholen ist, einfach als geschlossene Front aufzutreten. Und dann sage ich das auch ganz konkret. Ich sage dann „Ich bin derselben Meinung wie dein Papa.“ oder „Ich sehe das auch so.“ oder „Du brauchst nicht mich fragen. Ich habe die gleiche Meinung. Ich sehe das nicht anders.“ Also dass ich das wirklich auch durch ein Statement kommuniziere.

PETER: Also du stärkst deinen Partner in dem Augenblick auch noch, so wie ich das höre?

MELANIE: Ja, weil alles andere macht eigentlich nicht viel Sinn.

PETER: Und wie machst du das? Also das würde mich jetzt noch interessieren. Weil das, was du gerade erzählt hast, ist so recht rational. Und trotzdem hat man auch eine Emotion da, die mit dem Ereignis verbunden ist. Was machst du mit der Emotion?

MELANIE: Gute Frage.

PETER: Weil die ist meistens schneller als der Gedanke, als der vernünftige Gedanke. Die Emotion, wo man sich vielleicht auch über den Partner vielleicht ein bisschen aufregt oder wo man, ja, was auch immer das ist. Und was machst du mit dem? Kannst du das gut so für dich sortieren?

MELANIE: Ich glaube, ich habe gelernt, damit umzugehen. In dem Moment, wo ich nämlich diese Krise hatte, habe ich dann ein Coaching begonnen, und dort habe ich das gelernt, zu unterscheiden Gefühl und Kopf. Und ich kann das dann auch teilweise echt gut steuern. Also ich will jetzt nicht sagen, ich kann mich gegen meine eigenen Gefühle abgrenzen. Aber ich kann gebe meinem Gefühl einen Verschiebeimpuls „Du darfst da sein, Gefühl, aber ich werde mich mit dir dann später beschäftigen, wenn ich mit meinem Partner alleine bin.“ Dann darf es kommen und ihm sagen/ Dann kann ich das ja dann auch verbalisieren „Ja, ich habe mich da so und so gefühlt, weil/“ und „Es fühlt sich für mich nicht gut an, wenn du mit dem Kind so oder so redest.“ In der Art. Ich glaube, da habe ich einfach gelernt in diesem Training: Gefühle dürfen sein, aber es ist nicht immer sinnvoll, sie so rauszuhauen, wie Kinder das machen. Das ist/

PETER: Das heißt, du hast dir da professionelle Hilfe geholt.

MELANIE: Ja. Definitiv.

PETER: Ja, das finde ich sehr gut. Was hat dich dazu gebracht? Also es gibt so Situationen, wo man denkt „Oh ja, das schaffe ich noch. Und das schaffe ich noch.“ Und irgendwann kommt eine Situation, wo man denkt „Oh, das schaffe ich nicht mehr.“ Aber der Schritt, noch einmal zu sagen „Oh, aber jetzt hole ich mir Hilfe.“, ist noch einmal ein anderer.

MELANIE: Also das war: Ich glaube, ich habe das auch nicht bewusst getroffen, die Entscheidung, mir Hilfe zu holen. Das war mein Körper, der einfach mir Signale gegeben hat, mit denen niemand anders etwas anfangen konnte. Ich hatte eine Zungenentzündung. Das ist eine psychosomatische Erscheinung. Das wird jetzt sogar von Allgemeinmedizinern als solche anerkannt. Und da waren teilweise Ärzte, die haben mich wirklich abgelehnt und haben gesagt „Ja, nein, wir sind in der Urlaubsvertretung und da muss man ein großes Blutbild machen und danach noch drei Termine, und dafür haben wir keine Zeit.“ Also sie haben mich wirklich abgewiesen. Und dann hatte ich das große, große Glück, dass ich eine gute Freundin habe, deren Mutter ist Heilpraktikerin. Und das hatte ich immer wieder im Kopf „Da ist jemand. Okay, da wende ich jetzt mich mal dran.“ Und das war super, weil die hat mich dann, ja, hat mir Globulis gegeben und irgendetwas, sanfte, pflanzliche – ja, wie soll ich sagen? – Medikation, um diese körperlichen Symptome erträglich zu machen. Ich konnte nämlich kaum mehr etwas essen, ohne dass mir die Zunge gebrannt hat wie nur etwas. Und das war natürlich sehr unangenehm. Und ja, dann macht sie das immer so, dass sie zwei Wochen, nachdem die Behandlung ist, noch einmal einen Termin macht, um sich zu treffen, zu besprechen „Hilft das alles, was wir da ausklamüstert haben, oder nicht? Was kann man noch anderes machen?“ Und ich kam dann und sie hat eigentlich nur gefragt/ Das war, bevor ich die Elternzeit eingereicht habe. Und dann fragte sie nur „Und, wie geht es dir?“, und ich habe zwei Stunden lang also ich glaube am besten treffend würde das Wort es beschreiben „abgekotzt“. Also ich habe mein ganzes Leben „Das und das und hier und da und alles läuft schief.“ Und nach zwei Stunden hat sie mich nur angeguckt und hat gesagt „Ich weiß jetzt nicht genau, wie ich das abrechnen soll. Ich biete aber auch Coachings an.“ Und dann habe ich gedacht „Okay, das ist vielleicht gar nicht so eine schlechte Idee.“

PETER: Und dann hast du das gemacht.

MELANIE: Genau.

PETER: Sehr schön.

MELANIE: Und das nennt sich tatsächlich auch „Glückstraining“. Ja, ja.

PETER: Okay. Also war schon der erste Schritt in deine Richtung.

MELANIE: Ja, ja, genau. Also das war genau das, wo ich so Feuer und Flamme war für dieses Thema, während ich mit dieser Klasse gearbeitet habe. Und sie bietet das tatsächlich an. Also es gibt so ein Programm, das nennt sich „Glücktraining nach Ella Kensington“ – kann ich nur sehr empfehlen.

PETER: Ja, du kannst mir nachher den Link schicken, dann kann man das in den Show Notes schön verlinken.

MELANIE: Okay, mache ich.

PETER: Melanie, ich könnte dir noch stundenlang zuhören, aber die Zeit rennt uns ein bisschen davon. Ich würde dich noch gerne fragen: Gab es ein Buch oder ein Hörbuch, wo wir in schwierigen Situationen geholfen hat?

MELANIE: Mit den Kindern jetzt oder mir persönlich?

PETER: Beides vielleicht? Oder nur eins? Was dir gerade in den Sinn kommt.

MELANIE: Ich hatte mir vorher darüber Gedanken gemacht, aber/ Ein Buch. Naja, meine Frau Hutfles hat mir geholfen, das ist ein Buch auf zwei Beinen. Nein, ist jetzt schwierig. Also ich habe mir etwas aufgeschrieben: Es gibt ein Buch, das habe ich schon einmal als Teenager gelesen, das nennt sich „Das Geheimnis glücklicher Kinder“ von Steven Biddulph. Sagt das dir etwas?

PETER: Ja, das habe ich, das kenne ich, ja.

MELANIE: Und das hat also viel/ Das habe ich dann also, wie gesagt, als Teenager gelesen, und habe es dann, während ich Kinder hatte, auch noch einmal rausgesucht, und habe da Dinge nachgelesen. Ein Buch. Hm.

PETER: Aber jetzt möchte ich einmal doch noch nachhaken. Du hast vorhin gesagt „Meine Frau Ruth.“

MELANIE: Die heißt Frau Hutfles.

PETER: Oder Hut. Aha. Okay.

MELANIE: Hutfles.

PETER: Das heißt, du hattest jemanden, mit dem du dich austauschen konntest?

MELANIE: Ja, das war meine Glückstrainerin, genau.

PETER: Ah, okay. und da konntest du praktisch mit ihr die Dinge besprechen oder auch nachfragen.

MELANIE: Ja. Das war wirklich Gold wert. Ich glaube, ich/

PETER: Also auch eine Empfehlung, die ich machen kann: Eben wenn man niemanden hat in der Umgebung oder im Freundeskreis oder Familie – sich wirklich professionelle Hilfe zu holen, ist immer sehr, sehr oder kann sehr gut sein.

MELANIE: Ja, ich glaube, das ist so ein weit verbreiteter Irrglaube, dass man alles alleine schaffen muss. Es ist völliger Quatsch. Wir leben in einer Welt mit wie viel Milliarden Menschen?

PETER: Acht. Acht Milliarden.

MELANIE: Über sieben. Ja, ist fast acht, glaube ich.

PETER: Oder acht, (unv. #00:33:12-0#).

MELANIE: Und genau dafür sind die anderen da.

PETER: Sehr schön.

MELANIE: Dass man sich gegenseitig stützt und trägt und sich austauscht und den anderen auch unterstützt. Und da braucht man manchmal dann vielleicht gar nicht so viele Bücher. Also ich finde es eher erschreckend inzwischen, wie viel Input es gibt an Erziehungsratgebern, an Persönlichkeitsentwicklungsbüchern. Da kann man den ganzen Tag nichts anderes machen. Oder YouTube-Videos. Das ist okay, diese/ Ich bin auch immer noch auf der Suche im Außen auf die Fragen, die ich im Inneren habe. Aber ich glaube, was uns abhanden gekommen ist, und was viel wichtiger ist, ist die Connection zu uns selbst und diese innere Intuition, das Bauchgefühl, die Sprache unseres Herzens. Das wieder präsenter werden zu lassen, dem mehr Raum zu geben, ist unendlich viel wichtiger, als tausend Bücher gelesen zu haben.

PETER: Wow. Das würde ich jetzt gerne so als Schlusssatz stehenlassen, denn dazu kann man eigentlich nicht mehr viel hinzufügen. Ich möchte mich auf jeden Fall bei dir bedanken, dass du dir Zeit genommen hast und deine Erfahrungen mit deinem Familienleben, mit den Kindern so mit uns geteilt hast und auch Einblicke uns gegeben hast in deinen beruflichen Werdegang oder berufliche Werdung durch die Kinder. War sehr, sehr spannend.

MELANIE: Danke.

PETER: Ich werde alles, was man über dich wissen muss, in den Show Notes verlinken, und auch die Internetseite, wo man dich erreichen kann. Über dieses HypnoBirthing, über den Kurs, den du dann anbietest, kann man sich da sehr gerne informieren. Und ja, mir bleibt nur zu sagen: Vielen Dank. Es hat mich sehr gefreut und hat viel Spaß gemacht.

MELANIE: Ja, mich hat es auch sehr gefreut. Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte bei deinem Podcast.

PETER: Gerne. Tschau.

MELANIE: Tschüs.

Cayra Arcangioli: Die Schwangerschaft hat wirklich mein ganzes Leben umgekrempelt [027]

cayra arcangioli

Ich musste flexibler werden. Noch viel flexibler. Man macht seine Pläne und dann kommt es total anders.

Cayra erzählt im Interview:

  • Meine Tochter ist in vielen Sachen das Gegenteil von mir. Sie ist extreme Denkerin.
  • Dass ihreTochter nie durchgeschlafen hat, bis sie dreijährig war.
  • Ich musste flexibler werden. Noch viel flexibler. Man macht seine Pläne und dann kommt es total anders.
  • Das musste ich auch lernen, dass ich wirklich auch das tue was ich fühle.
  • Ich respektiere meine Tochter, ich nehme sie als Ganzes wahr, ich gehe auch auf ihre Augenhöhe.

Aber jetzt endlich zum Podcast!


Cayra Arcangioli: Die Schwangerschaft hat wirklich mein ganzes Leben umgekrempelt [027] jetzt hören

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Shownotes:

Med. vet. Cayra Arcangioli-Studler arbeitet in ihrer Praxis „Vet-Homöopathie“ in Aesch am Hallwilersee als homöopathische Tierärztin. Ihre Kunden sind Kleintiere und Pferde. Die diplomierte Tierhomöopathin SHI ist Mitglied des HVS-Homöopathie Verbandes Schweiz.

Meine Links: www.homöopathie-wissen.com und www.vet-homoeopathie.ch


Buchtipps von Cayra:


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Mein heutiger Interviewgast bei Elternpodcast ist Cayra vom Hallwilersee aus der wunderschönen Schweiz. Liebe Cayra, erzähle uns doch erstmal wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast.

CAYRA: Hallo Peter. Ich bin Tierärztin und Tierhomöopathin. Ich habe eine eigene Praxis wo ich als homöopathische Tierärztin arbeite. Ich habe eine Tochter, die ist fünfjährig.

PETER: Das ist schon eigentlich genug. Und ich würde dann eigentlich gleich zu meiner ersten Frage kommen. Was hat sich bei dir oder bei euch im Leben verändert, dadurch, dass ihr eure Tochter bekommen habt? Wie hat sich das ausgewirkt?

CAYRA: Also für mich hat sich mein ganzes Leben total verändert. Also ich habe das Gefühl, es gab ein Vorher und ein Nachher. Ich war schon immer ein Mensch, der sehr gerne für sich war oder viel Zeit für sich benötigt hat. Und durch meine Tochter hat sich das natürlich völlig umgedreht. Da war plötzlich ein Mensch für den ich da 24 Stunden da sein durfte, sollte, musste. Und das war (eine große? #00:01:29#) Herausforderung.

PETER: Und wie hast du es dann geschafft dir die Zeit für dich zu nehmen?

CAYRA: Anfangs habe ich das nicht geschafft. Das war wirklich eine Arbeit über die letzten fünf Jahre. Noch jetzt ist es ein Challenge und immer wieder ein wirklich, sich diszipliniert Zeit für sich zu nehmen. Und auch mit meinem Mann. Also da wir beide arbeiten und jeder braucht irgendwie doch noch Zeit für sich, da machen wir wirklich Wochenpläne fast.

PETER: Das heißt, du gibst dir da bewusst eine Struktur, wo du dich dann auch dran hältst: Jetzt habe ich Zeit für mich.

CAYRA: Ja. Also dass wir wirklich sagen: Der Abend ist für dich. Der Abend ist für mich. Oder irgendwie ein Wochenendhalbtag oder so, versuchen wir zumindest, ja.

PETER: Und bringt dir das was? Oder merkst du den Unterschied zu vorher, wo ihr es nicht gemacht habt?

CAYRA: Ja, es bringt mir sicher was. Ja, auf jeden Fall. Also es ist immer schwierig das überhaupt einzuhalten. Aber ich meine, man wächst daran. Man lernt dazu. Nein, es bringt mir schon was, ja. Aber man muss wirklich diszipliniert sein. Also das merke ich schon.

PETER: Das kann ich auch bestätigen aus meinen Erfahrungen, dass man sich wirklich die Zeit nehmen muss. Was mich noch interessieren würde wäre: Einerseits hat sich ja dein eigenes Leben verändert. Andererseits hat es auch Auswirkungen auf die Beziehung. Also wenn ein Kind kommt, plötzlich ist man zu dritt. Wie hat sich das ausgewirkt für euch?

CAYRA: Es war so, dass wir noch nicht sehr lange zusammen waren. Wir waren etwa ein Jahr zusammen und jeder hat so sein Ding gemacht und auch Freizeit zusammen verbracht und dann kam dann plötzlich die Schwangerschaft. Und das war wirklich noch ein neues Kennenlernen von dem her. Also es gab wenig diese Beziehungsstruktur schon, oder diese Sicherheit hatten wir vorher gar nie. Das heißt, als die Tochter kam, das war wie immer noch am Anfang. Und deswegen war es sehr schwer. Also wir hatten auch gerade zu dem Zeitpunkt noch zusammen angefangen ein Haus zu bauen. Mein Mann ist Architekt. Und er hat da auch noch die Bauleitung übernommen. Und er war einfach wirklich völlig absorbiert. Das heißt, ich war wie alleine schwanger, hatte wie alleine das Kind. Und das war wirklich sehr schwer für die Beziehung. Die ersten Jahre waren sehr sehr, sehr/ Wir mussten viel an uns arbeiten.

PETER: Du hast erzählt, du bist Tierärztin? Ist das richtig?

CAYRA: Ja.

PETER: Und du hast vorher gearbeitet. Vollzeit oder schon Teilzeit, oder?

CAYRA: Das war auch speziell. Also meine Tochter war nicht in dem Sinn geplant, weil es hieß, ich kann keine Kinder kriegen. Und ich wollte eigentlich selbstständig werden als Tierärztin. Und dann kam die Schwangerschaft. Es hat wirklich mein ganzes Leben umgestülpt. Und dann habe ich, als sie zur Welt kam, habe ich drei Wochen später mit dem neuen Studium begonnen mit der Tierhomöopathie. Also ich habe dann zuerst noch studiert zwei Jahre und habe dann erst meine Praxis aufgemacht als selbstständige homöopathische Tierärztin.

PETER: Das stelle ich mir jetzt aber so recht stressig vor, wenn du erzählst, dein Mann war voll absorbiert von seinem Job, mit Hausbau und du hast praktisch ganz ein paar Wochen nach der Geburt noch ein Studium angefangen. Das hört sich sehr, wie soll ich sagen, nach einer Höchstleistung an.

CAYRA: Ja, das war es. Ja, ich glaube das war es. Also es war auch so, dass meine Tochter nie geschlafen hat. Also sie hat wirklich keine Nacht geschlafen bis sie dreijährig war. Das heißt, wirklich so alle zwei Stunden musste ich aufstehen. Sie konnte auch den Schlaf nicht mehr finden. Also es war wirklich extrem stressig. Ich habe das Studium auch irgendwie nebenbei noch gemacht. Also am Abend gelernt in diesen zwei Stunden wo sie schlief. Ich weiß nicht mehr wie ich das gemacht habe. Aber trotzdem hat mich das Studium irgendwie gerettet. Das war die Zeit für mich. Das war (unv. #00:06:34#), mein Ding. Also ich konnte mich das einfach irgendwie / Das war meine Welt. (Lacht.)

PETER: Da hattest du Zeit für dich. Also das kann ich gut nachvollziehen, ja. Auch wenn man da was leisten muss und lernen muss, trotzdem ist man wie so ein bisschen, ja, für sich selber. Und man macht was für sich selber und man ist nicht so fremdbestimmt, so wie ich das raus höre.

CAYRA: Genau. Meine Eltern haben zum Glück diesen Tag dann immer gehütet. Und das war wirklich mein Tag. Also ich ließ mir den auch nicht nehmen. Und schon nur alleine zu Mittag essen oder so, das war für mich dann wirklich so die Rettung. So meine Energie konnte ich da wieder tanken, genau.

PETER: Und wie waren die Reaktionen von deinem Umfeld? Von deinen Freunden oder Nachbarn, praktisch auf die Situation, dass du praktisch, dein Mann arbeitet voll, ihr habt jetzt ein Baby bekommen, du gehst noch studieren, was kamen da für Reaktionen?

CAYRA: Eigentlich kamen nicht viele Reaktionen. Ich habe meine besten Freundinnen sind auch/ Also eine hat zwei Kinder, arbeitet voll. Die andere hat keine Kinder. Also mein Umfeld war da ähnlich. Und deswegen wurde ich da eher unterstützt wirklich.

PETER: Spannend.

CAYRA: Ja. Aber ich muss auch sagen, es gab gar kein großes Umfeld mehr. Also ich hatte nicht viel Kontakt zur Außenwelt. Das war wirklich so: Ich war in dieser Kapsel und machte mein Ding. Aber ich hatte gar keine Zeit mehr für viel mehr.

PETER: Ja, das glaube ich. Wie ist es, wenn du jetzt so rückblickend auf die letzten fünf Jahre beziehungsweise vielleicht mit der Schwangerschaft fast sechs Jahre, zurückblickst, was würdest du sagen, war für dich die größte Herausforderung?

CAYRA: Ich musste flexibler werden. Noch viel flexibler. Ich meine, es ist halt so mit Kindern. Man macht seine Pläne und dann kommt es genau total anders. Das ist jetzt noch täglich der Fall. Da wirklich nicht jedes Mal die Nerven zu verlieren. Da bin ich jetzt noch am Lernen. Und sich ganz genau kennenzulernen und zu fühlen, wo sind denn meine Grenzen? Und wie kommuniziere ich das beim Partner? Wie können wir Auswege finden? Wie kann ich meine Energie wiederholen? Also einfach dieses selber sich richtig kennenlernen eigentlich und dann auch zu wissen, wie gehe ich jetzt mit diesem Problem um, das ich habe? Also wie kann ich es lösen? Man wird irgendwie flexibel, aber auch / Man wird Stratege, man versucht neue Dinge aus. Also ich habe wirklich extrem viel gelernt über mich selber. Es war eine Reise zu mir.

PETER: Und du hast gesagt, du hast viel über praktisch sich selber wahrnehmen und über fühlen und spüren was ist. Wo sind eben meine Grenzen? Hast du da irgendwie ein, ich sage jetzt mal, eine Methode wie du mehr zu dir kommst oder wie du dich mehr spürst? Oder hast du das einfach, ja, geschehen lassen und dann / Wie hast du das konkret gemacht?

CAYRA: Also ich habe ja noch Homöopathie studiert und die Homöopathie befasst sich ja mit der Ganzheit, also mit dem Menschen oder mit dem Tier als Ganzes. Und durch das Studium und die Mittelkunde und das selber zum Homöopath gehen ist das eine Art fast Psychotherapie. Also ich glaube, da lernt man sich wirklich kennen. Weil in der Homöopathie muss du auf so viele kleine Dinge achten, dass man sich selber viel besser beobachtet und das war eigentlich auch eine Hilfe. Also dieses sich selber kennenlernen.

PETER: Das finde ich spannend, dass du das sagst. Weil du hast vorhin gesagt, das war so einerseits die Zeit die ich hatte, oder?

CAYRA: Ja.

PETER: Und andererseits jetzt auch, wie du sagst, durch Studium, dass du immer mehr zu dir gefunden hast. Also war das praktisch auch so eine, nicht nur eine Zeitinsel, sondern auch eine Kennenlernreise?

CAYRA: Absolut ja. Absolut.

PETER: Spannend. Gibt es / Beziehungsweise Kinder bringen uns immer so an unsere Grenzen oder wir dürfen dann Erfahrungen machen, die wir vielleicht ohne die Kinder nicht gemacht hätten. Und dadurch sind Kinder auch große Lehrmeister. Und was würdest du sagen, was hast du durch deine Tochter in deinem Leben an Fähigkeiten neu entdeckt oder wiederentdeckt oder entwickelt? Was ist das?

CAYRA: Meine Tochter ist in vielen Sachen das Gegenteil von mir. Also sie ist extreme Denkerin, bei ihr muss alles sehr strukturiert sein, sie will alles unter Kontrolle haben. Ich bin mehr der Mensch / Also ich mag auch Kontrolle, aber ich musste durch sie also wirklich lernen mich zurückzunehmen. Weil sie, wenn sie zum Beispiel sauer ist oder eh etwas nicht will, dann will sie alleine sein, dann darf man sie nicht berühren, dann will sie einfach ihre Ruhe. Und ich bin dann mehr der Mensch, der dann umarmt und komm jetzt und wir sprechen darüber. Und ich muss mich da extrem zurücknehmen und wirklich sie so respektieren wie sie ist und sie annehmen wie sie ist. Und oftmals kann ich, muss ich da wirklich überlegen, was denkt sie denn jetzt, warum ist sie jetzt so? Und das ist so schwierig manchmal für mich auch, weil das wirklich gar nicht meiner Art entspricht. Aber das habe ich sehr stark gelernt, auch, dass man wirklich bei Kindern oder jetzt hier bei meiner Tochter sehr diese Achtsamkeit, dass man das nicht spielen kann. Also ich kann nicht mit einem Auge und einem Ohr zuhören und dann das Gefühl haben, so, jetzt war ich gute Mutter oder jetzt war ich wirklich da, weil sie spiegelt mich dann. Und das geht nicht lange und das kommt wirklich zurück. Und dann habe ich eine Tochter die unglücklich ist. Oder die das auch sehr stark zeigt. Also sie fordert wirklich ein, wenn es ihr nicht passt. Und das habe ich gelernt, dass man diese Achtsamkeit, wirklich voll da zu sein.

PETER: Also gelingt dir das immer oder gibt es da auch da irgendwelche, wo du sagst: Oh, manchmal in einer bestimmten Situation hilft mir das und das. Oder wie machst du das?

CAYRA: Nein, mir gelingt es überhaupt nicht immer und weil ich auch die Praxis habe im Haus und oftmals irgendwie gleichzeitig arbeite und noch Kind, ist das sehr oft sehr unbefriedigend. Und da bin ich immer noch dabei das besser zu machen. Und ich habe gemerkt, dass ich wirklich dann Zeiten mir, wie abstreichen, mit terminieren muss: So und heute gehen wir zusammen etwas machen. Und dann muss ich auch aus dem Haus, weil das schwierig ist sonst für mich. Und dann machen wir was zusammen und ich / Das ist wirklich mein Termin dann mit ihr also.

PETER: Du machst praktisch konkret wie ein Date mit deiner Tochter und dann //

CAYRA: // Genau. //

PETER: konzentrierst du dich voll auf sie. Ich meine, das ist schon eine sehr gute Methode. Denn ich glaube, wenn man sich das wie bewusst macht, dass es diese Zeit einerseits braucht und dass man sie sich dann auch tatsächlich nimmt, oder? Und das finde ich schon, wenn man das konkret abmacht, ein guter Weg.

CAYRA: Ja.

PETER: Spannend. Wie macht ihr das zum Beispiel du und dein Mann, wenn es in Erziehungsfragen verschiedene Ansichten gibt? Wie löst ihr das? Oder gibt es eine Situation wo dir vielleicht gerade einfällt wo du einer anderen Meinung warst als das, was dein Mann gerade gemacht hat oder nicht gemacht hat?

CAYRA: Grundsätzlich sind wir oft gleicher Meinung muss ich sagen. Und wenn es dann wirklich mal Probleme gibt, dann sprechen wir wirklich darüber bis wir zu einem Ende finden, also bis wir das ausdiskutiert haben. Es geht aber auch darum, dass man sich zwischendurch einfach zusammennimmt und zurücknimmt. Also zum Beispiel gibt es Situationen wo ich vielleicht meinen Mann als ein wenig zu / Also, er ist anders zu meiner Tochter als ich es bin in gewissen Situationen. Manchmal habe ich das Gefühl: Ah, jetzt hat er zu schnell die Nerven verloren oder du könntest doch jetzt ein wenig geduldiger sein. Und da wirklich auch mal den Mund zu halten und zu sagen: Okay, das ist jetzt einfach Vatersache und das ist seine Art mit seiner Tochter zu reden und da darf ich jetzt einfach mal nicht reinreden. Wirklich auch mal als Mutter zu sagen: Hey, was du machst ist okay. Also das wie zu respektieren, dass er halt seine Art hat. Und man kann es ja dann doch mal zur Sprache bringen, wenn ich finde, so okay, das fand ich jetzt nicht so toll oder so. Aber zwischendurch muss ich mich da auch an der eigenen Nase nehmen und sagen: Okay, es ist seine Sache. Und das ist seine Entscheidung. Genau.

PETER: Jetzt ist ja so, wenn man Babys bekommt, dann informiert man sich schon vor der Geburt oder dann auch wenn das Kind da ist, wenn es so bestimmte Situationen sind, wo man vielleicht ansteht oder wo man nicht weiterkommt, gab es irgendein Buch oder ein Hörbuch wo dir weitergeholfen hat oder wo du gelesen hast und gesagt hast: Ja, da konnte ich wirklich was rausnehmen?

CAYRA: Das ist für mich noch schwierig, weil ich habe schon Bücher gelesen. Aber irgendwie gab es da nichts was mich so richtig / Also was ich empfehlen würde, wegen der ganzen Impffrage. Also das ist jetzt heute ein Thema das mich sehr interessiert hat. Und da habe ich schon ein Buch, das ich empfehlen könnte, das ist nämlich von Friedrich P. Graf: Die Impfentscheidung. Das ist etwas, was mir sehr weitergeholfen hat. Was jetzt die Kindererziehung betrifft, da / Ich habe mich da eigentlich nicht so auf Bücher oder Hörbücher oder so konzentriert. Ich habe das mehr nach Gefühl oder mit Diskussionen mit anderen, ja, habe ich das gemacht.

PETER: Also hast du praktisch im Freundeskreis oder Freundinnen oder Nachbarn mit denen du dich da austauschen kannst?

CAYRA: Genau. Das mache ich eher so, ja. Genau. Oder meine Eltern.

PETER: Ich frage deswegen, weil es Paare einfach oft nicht haben. Oder wenn man sich austauscht, dann nur eben über die schönen Dinge und selten über die Dinge die nicht gut laufen, oder?

CAYRA: Das stimmt.

PETER: Darum frage ich da so nach. Weil das ist ganz, ganz wertvoll, dass man sowas hat.

CAYRA: Ja. Ich habe vielleicht am Anfang zu viel zugehört und habe dann irgendwann mich entschlossen, dass ich vieles nach Gefühl mache. Also dass ich da wirklich mehr auf mich hören sollte. Das musste ich auch lernen, dass ich da nicht nach / Dass ich wirklich auch das tue was ich fühle. Wenn ich spüre meine Tochter geht es nicht gut oder dass ich da auch mal nachgebe zum Beispiel und nicht nach Buch, nach Lehrbuch, da musst du da durch. Ach doch, jetzt kommt mir aber noch ein Buch in den Sinn.

PETER: Okay, spannend.

CAYRA: Aber von wem ist das? Vertrauenspädagogik.

PETER: Ja, das kann man, glaube ich, nachschauen.

CAYRA: Ich kann es sonst dir noch sagen. Das hat mich wirklich weitergebracht einmal.

PETER: Weißt du noch auch weswegen?

CAYRA: Weil meine Tochter zu hundert Prozent gegen mich war über Wochen. Also ich konnte wirklich keinen Zugang mehr zu ihr finden. Und das war im Schweizer Fernsehen mal so ein kurzes Interview mit dem Autor und das geht darum, wie macht man das, dass das Kind einem wieder folgt, ohne dass man / Also folgt meine ich mit folgen, nachfolgen. Ohne diesen Druck aufzubauen. Wie wird man wieder ein Team? Also ohne dieses: Ich bin Chef und du nichts. Sondern wirklich, wie wird zusammen wieder ein Team? Und das hat mir gefallen. Und das habe ich dann angewendet. Ich weiß das noch genau. Etwa drei Tage und dann hat das wirklich wieder (funktioniert? #00:19:59#). Also dann haben wir wieder eine Basis zusammen gehabt.

PETER: Spannend. Könntest du vielleicht so in zwei, drei Sätzen sagen wie du das gemacht hast? Also ohne vielleicht jetzt eine Situation zu nennen, sondern einfach was sind so die Schritte? Weil das finde ich sehr interessant.

CAYRA: Das eine ist, dass man wirklich einerseits sagt: Wenn du mir hilfst, zum Beispiel beim Tisch decken oder so, dann geht das schneller. Anstelle von: Du deckst jetzt den Tisch, das ist deine Aufgabe, mache es jetzt! Jetzt! Also diesen Druck wegnimmt. Mehr so als Team: Hey, wir decken zusammen den Tisch und dann geht es schneller, dann können wir schneller zusammen essen. Und so mehr dieses Teambuilding. Also dass ich wie: Ich ich respektiere sie, ich nehme sie als Ganzes wahr, ich gehe auch auf ihre Höhe, dass ich dann zum Beispiel wenn das Schuhe binden nicht gut funktioniert hat oder so, dann gehe ich runter und sage ihr: „Möchtest du meine Hilfe haben?“ Anstelle von: Ich mache es einfach schnell, dass es schneller geht. Also irgendwie dieser respektvollere Umgang. Und auch wirklich zu sagen: „Wenn du nicht willst, dann kommst du nicht mit. Aber dann gehe ich jetzt halt alleine.“ Und das dann aber auch durchziehen. Also dass ich dann nicht immer wieder nachgebe und sage: „Komme jetzt trotzdem und so.“ Sondern dass ich mir diese Zeit nehme. Und dann halt auch wirklich auch mal das mache, was ich auch sage.

PETER: Das heißt, du bist deiner Tochter auf Augenhöhe begegnet? So wie du das schön erzählt hast: Ich bin dann auch auf ihrer Höhe, oder?

CAYRA: Ja.

PETER: Und du hast sie eigentlich, also nicht nur eigentlich, sondern du hast sie in ihren Bedürfnissen, als Mensch wahrgenommen zu werden, respektiert und ernst genommen. Und sie hat dann darauf reagiert?

CAYRA: Ja. Ich habe aber auch verlangt, dass sie das zu mir auch macht. Also dass sie mich auch ernst nimmt. Also dass sie auch auf meine Höhe geht.

PETER: Spannend. Und du hast gesagt, das hat dann innerhalb von kürzester Zeit gut funktioniert?

CAYRA: Ja, das funktioniert. Und es (krebt? #00:22:16#) immer mal wieder. Also ich merke dann plötzlich, jetzt fängt dieses Trotzen wieder an. Also das ging so weit: Wir haben zum Beispiel am Morgen immer Mühe beim Aufstehen. Also sie mag da nicht aufstehen und das ist immer ein Kampf, weil sie ja in den Kindergarten muss und so. Und also das ging so weit, dass wir beide heulend vor dem Kindergarten saßen und da musste ich auch Strategien entwickeln, wie wir das da besser machen können.

PETER: Welche Strategien hast du entwickelt?

CAYRA: Meine Tochter liebt Aufgaben. Sie liebt das einfach und wir haben dann wirklich / Sie hat dann Stempel, die sie kriegt, wenn sie halt gut aufsteht am Morgen. Und das war überhaupt nicht so meine Idee. Sie fand das einfach toll und dann haben wir das eine Woche so gemacht. Und für sie war dieses Erfolgserlebnis, dass sie danach wirklich, dass wir eine gute Zeit zusammen hatten, dass es gut funktioniert hat, das war eigentlich der Erfolg und das hat uns geholfen und jetzt geht es einfach viel besser. Ich glaube, bei ihr hat wie Klick gemacht: So, es ist ja viel einfacher. Also wenn wir zusammen/ weil meine Mami liest mir dann noch was vor am Morgen, weil wir genug Zeit haben und so. Das hat dann wie Klick gemacht.

PETER: Das heißt, ihr habt da so ein Belohnungssystem erfunden mit Hilfe deiner Tochter? Das finde ich noch interessant, dass du sie da mit einbezogen hast. Das ist, glaube ich, auch ein ganz wichtiger Aspekt, dass es funktioniert. Und durch diese Belohnungen war sie motiviert mitzumachen.

CAYRA: Genau, weil sie das so wollte. Ich bin eigentlich nicht so der Belohnungssystemfan. Aber sie fand das einfach toll, ja.

PETER: Schön. Eine andere Frage ist: Gab es eine Situation wo du oder ihr beide, du und dein Mann euch gefragt habt, ist das bei anderen auch so?

CAYRA: Oh ja. Oh ja. Also ich war wirklich oftmals sehr verunsichert ob ich eine gute Mutter / Also diese Frage: Bin ich eine gute Mutter, obwohl ich das alles / Ich mache alles mit dem Herz. Aber das war oft die Frage, ja. Und auch dieses nicht schlafen, das war ein riesen Thema. Und da habe ich natürlich oft gefragt: Wie ist es bei anderen? Ja.

PETER: Das sind so aus meiner Erfahrung ist es so, dass es bei anderen in der Regel genauso ist. Vielleicht ein bisschen anders ausgeprägt. Eben es gibt Kinder die schlafen, wachen alle zwei Stunden auf. Dann gibt es Kinder, die wachen alle vier Stunden auf. Dann gibt es Kinder die tatsächlich durchschlafen. Aber es gibt immer wieder Dinge wo man sich fragt als Eltern, ja, weil man auch verunsichert ist, oder? Weil man das hinterfragt. Vielleicht auch, mein Gott, ich komme an meine Grenzen. Ich kann fast nicht mehr. Ich kann es fast nicht mehr leisten. Und ist es nur bei uns so? Oder? Das ist so immer die Frage.

CAYRA: Genau, ja. Und das Problem war auch oft, dass die Antworten waren immer so: „Nein. Bei uns ist alles gut.“ Und das war schon, also wirklich oft war es ein bisschen frustrierend.

PETER: Du hast vorhin erzählt, dass du so zu dir kommst in Form von fühlen und dich wahrnehmen und also so mehr bei dir sein. Bei was kommst du eigentlich so wirklich zur Ruhe? Bei welcher Tätigkeit? Was ist das, was dich richtig zur Ruhe kommen lässt?

CAYRA: Autofahren. Wirklich, also Autofahren ist für mich etwas, wo ich wirklich mal nachdenken kann und unterwegs bin und so für mich. Aber auch, ich habe ein Pferd. Ich reite. Das ist natürlich immer wirklich so dieses, was mein Gehirn dann ausschaltet, wo ich wirklich abschalten kann. Und ich habe einen Hund, mit dem gehe ich spazieren. Das ist auch immer die Bewegung. Also wirklich unterwegs zu sein, weg von zu Hause, draußen in der Natur, das hilft mir schon.

PETER: Und jetzt, du hast gesagt, du arbeitest jetzt wieder. Zu welchem Pensum?

CAYRA: Schwierig zu sagen. Ich bin selbstständig. Ich arbeite zwischen 60 und 80 Prozent. Also ja, oft auch am Abend, am Wochenende.

PETER: Das ist, glaube ich, auch eine logistische Herausforderung wahrscheinlich nur, mit der Kinderbetreuung, Job, Haus, Mann, Garten.

CAYRA: Pferd, Hund.

PETER: Pferd, Hund, ja, genau. Ja, genau, da gehört noch ein bisschen was dazu. Hast du da einen Tipp oder einen Trick wie du das machst?

CAYRA: Ja, was mache ich? Also jetzt bin ich daran halt wirklich zu schauen, was muss ich unbedingt selber tun, was kann ich abgeben? Also da wirklich auch großzügig zu sein, was kann ich abgeben? Also ich meine jetzt in meiner Arbeit. Zum Beispiel Buchhaltung oder solche Sachen. Da bin ich jetzt am Optimieren und auch wieder Disziplin. Da bin ich nicht so gut, das muss ich immer noch lernen. Aber wirklich so meine Sprechstundenzeiten zu haben und halt nicht in der freien Zeit trotzdem noch an das Telefon zu gehen. Da ja die Praxis zu Haus ist, ist die Gefahr einfach sehr groß. Dass ich da einfach wirklich auch meine Zeiten einhalte. Sonst kommt einfach alles andere zu kurz.

PETER: Das heißt, da auch eine gute Struktur zu haben.

CAYRA: Genau. Eigentlich schon.

PETER: Liebe Cayra, jetzt habe ich eine letzte Frage zum Schluss, die vielleicht nicht mit dem Elterndasein zu tun hat: Aber woher kommt der Name Cayra?

CAYRA: Oh, der kommt von meinen Eltern. Ich bin in Hongkong geboren und meine Eltern haben den selber gemacht.

PETER: Hat der eine Bedeutung?

CAYRA: Da der fast selber gemacht ist, glaube ich nicht unbedingt, aber mein Vater hat bei der Taufe gesagt auf die Frage: Was bedeutet der Name? Hat er gesagt: „Die Mutige.“

PETER: Interessant. Dann würde ich das auch gerne so als Schlusssatz stehen lassen. Und ich möchte mich bei dir bedanken, dass du dir Zeit genommen hast mit uns, mit den Hörern, deine Erfahrungen aus deinem Familienleben und mit den Kindern zu teilen. Ich werde die zwei Bücher in den Shownotes verlinken und auch sonst irgendwelche Sachen von dir, was du machst, was du tust, wie man dich erreichen kann oder wo man sehen kann, was du arbeitest oder was ihr für Onlineprojekte macht. Vielen Dank.

CAYRA: Danke auch.

PETER: Es hat mich gefreut.

CAYRA: Gebe ich zurück.

PETER: Tschau.

CAYRA: Tschüss.

Kristiane Marx: Vom Ideenchaos zur Lebensfreude [026]

Kristiane Marx

Wir haben das einfach geändert. Die Lebenspläne komplett umgeworfen und ich habe dann erstmal gesagt: “Okay, dann ist jetzt erstmal Kinder angesagt”. Und war dann sechs Jahre Vollzeit-Mama.

 

Kristiane erzählt im Interview:

  • Ich war 6 Jahre Vollzeitmama
  • Ihr persönlicher Weg von einer Ideenschlueder zur mehr Lebensfreude
  • „Ich habe dieses strukturierte in mir, ich habe mir einfach ein neues Leben kreiert“
  • Warum Sie sich auch manchmal als Alleinerziehende Mutter gefühlt hat
  • Es gibt bei uns Mama-Regeln und es gibt Papa-Regeln

Aber jetzt endlich zum Podcast!


Kristiane Marx: Vom Ideenchaos zur Lebensfreude [026] jetzt hören

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Shownotes:

Kristiane unterstützt die Ideenchaoten dieser Welt, die sich oft mit ihren vielen tollen Ideen, erschlagen und überfordert fühlen. In gemeinsamen Brainstorms werden Ideen gesammelt, sortiert und priorisiert.
Sie zeigt  die unterschiedlichsten Werkzeuge und Strategien zur Umsetzung, Tipps zur Alltagsorganisation  und Tools für ein stabiles Mindset als Voraussetzung.

http://blog.think-orange.me/

https://www.facebook.com/think.orange.me/

 


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Mein heutiger Interviewgast bei Eltern-Podcast ist Kristiane aus dem wunderschönen Baden-Württemberg und sie wohnt, soviel ich weiß, in der Nähe von Heidelberg, in Nußloch. Hallo Kristiane!

KRISTIANE: Hallo!

PETER: Es freut mich, dass du heute beim Eltern-Podcast dabei bist. Und ich komme gleich zu der ersten Frage. Erzähl uns doch erstmal wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast.

KRISTIANE: Ja, erstmal vielen Dank für die Einladung zum Interview, lieber Peter. Und ich bin eine Ideenschleuder, die die Erfahrung gemacht, dass es davon ganz viel gibt, aber manche Menschen schleudern nicht nur Ideen, sondern da ist das mit Chaos verbunden, die sogenannten Ideenchaoten oder Menschen mit tausend Ideen im Kopf. Und die unterstütze ich dabei, dass ihre Ideen auch den Weg auf die Straße finden, ins reale Leben, und mache es einfach wirklich, dass die Ideen nicht nur in den Köpfen bleiben, weil sie manchmal bei solchen Menschen mit vielen Ideen einfach im Kopf bleiben, weil sie so viel sind, dass sie lähmen, hemmen, sich nicht mehr gut anfühlen, und dann bin ich da und sage, “Hey, so machen wir das. Wir können sortieren, erfassen, unterstützen, und brainstormen zusammen.”, und dann werden die Ideen auch Erfolge.

PETER: Das kommt mir sehr bekannt vor. Ich bin auch so eine Ideenschleuder. Man sagt dazu auch “Unternehmer ADHS”.

KRISTIANE: Genau.

PETER: Was mich noch interessieren würde: Wie viele Kinder hast du?

KRISTIANE: Ich habe drei Kinder. Die sind in zwischen 13, 14 und 16.

PETER: Das heißt die sind so//

KRISTIANE: Drei Pubertiere. (lacht)

PETER: //im Ablösungsprozess.

KRISTIANE: Ja, ja, also an manchen Tagen habe ich das Gefühl, sie sind schon erwachsen. Und an anderen Tagen meine ich, ich müsste noch Windeln wechseln. Also wie das bei Pubertierenden so manchmal ist. (lacht)

PETER: Ja, das ist spannend. Und da komme ich gleich zu der nächsten Frage: Was hat sich in deinem Leben durch die Kinder verändert?

KRISTIANE: Oh, ganz viel. Also, ich sage mal so. Ich habe mich immer als spätgebärend empfunden mit 29 und habe dann in drei Jahren drei Kinder bekommen, war noch nicht so lang im Berufsleben, weil ich ein Wendekind war und mehrere Umwege in der Ausbildung hatte. Hatte das Studium abgeschlossen und habe dann als Projektleiter für Schadstoffsanierung in der Baubranche gearbeitet. Und hatte den Kinderwunsch, also das war bei uns alles geplant und wohl überlegt, wie das bei Ingenieuren so ist. Aber wie es bei Ingenieuren auch so ist, man kann nicht alles planen. Und es hat sich dann einfach dahingehend geändert, dass ich Wendekind aus der DDR kommend, gedacht habe, ich kann Kinder haben und arbeiten. Und musste dann aber feststellen, dass das so einfach (unverständlich) nicht werden sollte wie ich mir das vorgestellt hatte. Weil es einfach auch damals noch so war, dass vor 16 Jahren die Kinderbetreuung noch nicht so ausgebaut war wie das heute der Fall ist und, obwohl ich Vollakademiker war, hätte glaube ich fünfzig, nein mehr als fünfzig Prozent meines Einkommens, die Kinderbetreuung aufgefressen. Und beim ersten Gespräch in dieser Kindertagesstätte habe ich gedacht, ich muss das Ding kaufen. Aber ich wollte eigentlich nur mein Kind betreuen lassen und dann haben wir ganz schnell überlegt, wie wir das jetzt machen und ich bin dann doch drei Jahre in Elternzeit gegangen. Und wir haben das dann einfach geändert. Die Lebenspläne komplett umgeworfen und ich habe dann erstmal gesagt: “Okay, dann ist jetzt erstmal Kinder angesagt”. Und ich war sechs Jahre Vollzeit-Mama.

PETER: Sechs Jahre? Also sechs Jahre warst du zu Hause?

KRISTIANE: Ja. Ja. Ich habe dann, als der Jüngste zwei war, habe ich dann schon angefangen zu jobben, Wochenmarkt zu machen, und hier und da mal einen kleinen Job anzunehmen. Aber ich bin halt wirklich erst, als der Jüngste dann drei war, bin ich dann wirklich Teilzeit zurück, aber richtig war es nicht. Also 2001 bin ich ausgestiegen. Und 2003 bin ich zwar wieder zurück, aber nur im geringen Maß. Also ich war drei Jahre richtig, richtig hört sich irgendwie komisch an, also war ich zu Hause und habe dann in Teilzeit wieder angefangen zu arbeiten.

PETER: Und wie war das für dich der Wechsel vom Vollzeit-Berufsleben in Vollzeit-Mama?

KRISTIANE: Schön. Also es war anders. Also es war halt wirklich, wenn man drei kleine Kinder hat langweilig, ich hatte meinen geplanten, strukturierten Tag. Also es war anders. Ich habe quasi in Nußloch neu gestartet. Ich kannte niemanden. Also ich bin morgens aus dem Haus gegangen ins Büro und am Abend wiedergekommen. Ich hatte ganz, ganz wenige Kontakte. Also Freundeskreis ging noch gegen Null, als das erste Kind kann, und das habe ich mir dann halt aufgebaut. Also das hat sich bei mir so ein bisschen überschnitten, Kinderkriegen und soziales Umfeld aufbauen. Und es war einfach eine komplett andere Zeit. Also ich hatte in dem/ ging auch gar nicht, also es war ein Haken dran und ich wusste dann ich muss mich einfach umstellen und sagen: “Okay, jetzt ist halt zu Hause, Kinder und Haus bauen”, und das Ganze was man dann halt so tut in der Anfangsphase und das war auch Okay. Also es war jetzt nicht irgendwie, dass ich dann gehadert hätte. Also ich konnte den Schalter gut umlegen, weil das jetzt wirklich auch, den Job den ich hatte, das war eher ein Vernunftsjob, also da habe ich nicht gebrannt für.

PETER: Aber das finde ich jetzt ein spannendes Stichwort mit dem “Schalter umlegen”. Also praktisch von berufstätig auf Mutter. Wie hast du das gemacht? Wie macht man sowas?

KRISTIANE: Ich habe dieses strukturierte in mir, ich habe mir einfach ein neues Leben kreiert. Und ich musste es auch ein bisschen, weil am Anfang, klar das alleine zu Hause mit Kind, also die ersten Wochen waren nicht einfach. Also das war jetzt nicht, dass das alles lustig war. Unsere Erstgeborene war, was man heute, glaube ich, Schreibaby sagt, also die war nicht einfach. Und ich war wirklich allein. Ich hatte Niemanden. Also meine Eltern sind weit weg. Schwiegereltern weit weg. Also wir sind auch komplett alleine gestartet. Haben das Umfeld aufbauen müssen. Und die ersten Wochen/ ich habe mir einen ganz strikten Tagesablauf dann auferlegt, dass ich rausgehen muss, spazieren. Also ich habe mein Ingenieurswissen sozusagen in mein privates Leben geholt, und habe wirklich mir einen Tagesplan gemacht. Und habe dann wirklich jeden Tag das gleiche fast getan. Routinen mir erarbeitet. Und das hat mir gut getan. Und das hat den Kindern gut getan. Weil das war einfach eine Verlässlichkeit. Wir hatten unsere Abläufe. Ich konnte meinen Haushalt gut erledigen, ich konnte mich um soziale Kontakte kümmern, ich konnte mich ums Haus kümmern. Und dadurch ist das einfach entstanden, weil ich gesagt habe “ich plane mir das”. Weil ich vom Wesen her/ ich habe zwar viele Ideen, und ich hab auch viel gelesen, und viele Impulse mir geholt, aber ich habe trotzdem immer diesen Planer in mir, dieses strukturierte. Und das mir in der Zeit viel geholfen, ich gehe jeden Mittag spazieren, auch wenn mir nicht danach war, wenn ich hätte heulen können. Wenn mal alles blöd war, bin ich trotzdem rausgegangen.

PETER: Also hat dir diese Struktur, die du dir selber gestaltet hast, dich praktisch auch über schwierigere Zeiten hinweggetragen?

KRISTIANE: Ja, definitiv, weil ich habe die Entscheidung vorher getroffen und musste dann nicht mehr drüber nachdenken. Also das mache ich auch heute noch, wenn man einmal eine Entscheidung getroffen hat, zum Beispiel zu sagen, “Ich gehe jeden Mittag mit dem Kind spazieren”. Dann geht man einfach, dann muss man um zwei nicht mehr überlegen, “Gehe ich, oder gehe ich nicht?”.

PETER: Ja, das stimmt. Das erleichtert das auch ein bisschen.

KRISTIANE: Ja genau. Die Hemmschwelle ist dann einfach eine andere und das war dann auch einfach für mich erleichternd, weil ich dadurch mir ein Rahmen gegeben habe und dadurch sind auch viele Kontakte entstanden, weil ich auch einfach diese Regelmäßigkeit hatte und regelmäßig dann auch Leuten begegnet bin, die einen ähnlichen Rhythmus hatten und dann sind da einfach auch dann Sachen entstanden. Das hat wirklich mir geholfen. Sowohl im Privaten, als auch jetzt später im Beruflichen.

PETER: Spannend. Welche Auswirkungen hatte die Tatsache, dass ihr Kinder bekommen habt beziehungsweise drei Kinder bekommen habt, auf die Partnerschaft gehabt? Wie hat sich die Partnerschaft verändert?

KRISTIANE: Die Zeit wurde natürlich knapper. Ich muss auch gestehen wir haben ein bisschen, heut würde ich vielleicht sagen zu lange, gebraucht, um uns einen Babysitter zu holen, um wirklich zu sagen, wir machen wieder Paarzeit. Weil am Anfang, die drei Kinder, frisch im Job gestartet (Versprecher), Berufseinstieg, (lacht) und das Geld war knapp, Immobilie finanziert, und dann sind solche Sachen natürlich immer hinten ran gestellt worden. Und wir haben wirklich lange gebraucht um dann wirklich zu sagen: “Halt, stopp, bevor es hier ganz blöd wird und wir den Kontakt verlieren, wir brauchen wieder Paarzeit.“

PETER: Woran hast du das gemerkt, dass da etwas fehlt?

KRISTIANE: Es war viel Routine, wenig Spontanität, und es waren einfach/ ja, der Alltag. Es war immer, ich sage jetzt mal, oft nur Alltag und irgendwann wird es zu wenig und wir haben es einfach gemerkt. Die Kommunikation ist eingeschlafen. Oft wars halt auch so, mein Mann hatte eine Baustelle. Der ist am Dienstag gefahren und Donnerstagabend oder Freitag erst heimgekommen. Also ich war, habe manchmal dann auch gesagt, ich bin alleinerziehend mit drei Kindern. Fand er natürlich nicht so toll. Ich habe es manchmal aber so empfunden, weil er so viel gearbeitet hat. Und dann wurde manchmal auch nur über das Nötigste gesprochen und dann haben wir wirklich irgendwann gemerkt “Stopp, wir reden nicht mehr miteinander”. Oder wir reden nur noch über dieses Organisations-Familien-Management. Wir wissen nicht mehr was in unserem Leben passiert, sozusagen. Und haben dann wirklich gesagt, “Okay, wir müssen jetzt Geld investieren und uns einen Babysitter suchen und wirklich wieder zurückfinden, um gemeinsame Zeit zu verbringen.“ Wir hatten keine Oma in der Nähe, wo hätte mal einspringen können, oder auch mal unter der Woche. Ich hatte komplett immer das volle Programm. Und dann wars oft auch so, wenn man einen Babysitter brauchte, dann hat man den für so Sachen genutzt wie so Elternabende zum Beispiel, oder so andere Pflichttermine, wenn der Versicherungsfuzi kam, oder wenn irgendwelche andere Sachen kamen, dann hat man das da genommen, aber dieses Gönnen war am Anfang definitiv zu kurz. Also da haben wir lange gebraucht zu sagen, “Nein, wir müssen das machen, unsere Beziehungspflege, Self-care, sonst verlieren wir uns einfach im Alltag.“

PETER: Und als ihr das gemacht habt, habt ihr da auch gemerkt, dass das etwas bringt?

KRISTIANE: Ja, das war auch dann auch ganz schnell, dass wir gemerkt haben/ ich glaube, manchmal genügt es schon, den Fokus drauf zu haben. Und einfach mal drauf zu achten, wenn irgendwie das Glück, das Alltagsglück verschwindet, oder wenn die Unzufriedenheit kommt und man eigentlich denkt, “Hey, ich habe doch jetzt genau das, was wir wollten. Also Familienplanung lief genauso, wie wir das wollten. Und eigentlich ist doch alles so und trotzdem fühlt es sich jetzt nicht zu hundert Prozent gut an, woran liegt das?“ Und dann ist es oft auch so, dass wenn der Fokus einfach drauf ist, dann findet man auch die Lösung. Ich glaube viele Sachen entstehen einfach im Alltag, wenn man einfach in diesem Funktionsmodus ist. Gerade mit den Kindern, weil die fordern ja auch immer. Die sind ja immer präsent.

PETER: Genau, das ist auch der Job der Kinder (lacht).

KRISTIANE: Genau.

PETER: Ja. Was mich noch interessieren würde, was war so im Nachhinein für dich die größte Herausforderung oder das, wo du am wenigsten erwartet hättest, dass wenn man Kinder hat, dass es dann so läuft oder dass man es so erlebt?

KRISTIANE: Diese Fremdbestimmung. Also es gab schon immer mal Situationen, gibt es immer noch, also ich habe auch manchmal das Gefühl, dass das mit zunehmenden Alter der Kinder schwieriger und schlimmer wird. Dass man wirklich diese komplette Fremdbestimmung/ dass es immer wieder im Alltag Situationen gibt, die man nicht ändern kann. Also die muss man einfach annehmen, hinnehmen und drauf reagieren. Sei es ob ein Kind krank ist, ob Unterricht ausfällt, ob mit einem Verein irgendwas sich ändert, oder es sind so viele Kleinigkeiten, oder eine Geburtstagseinladung taucht zu spät auf, oder dieser Alltagskleinkram, der vieles dann doch durcheinander bringt. Und klar, mal drei. Da taucht schon immer mal was auf, wo man dann schon manchmal sagt, “Oh, man hat sich das so und so vorgestellt, und so soll der Tag laufen”. Und dann läuft es nicht so. Das ist schon eine Herausforderung. Mal mehr, mal weniger.

PETER: Um mit dieser Fremdbestimmung umzugehen, hast du da für dich eine Strategie entwickelt, die dir dabei hilft?

KRISTIANE: Zum einen habe ich wirklich auch gelernt, dass zu benennen. Also am Anfang war mir das auch im Umfeld total unangenehm, wenn ich jetzt zum Beispiel mal einen Termin absagen musste, weil ein Kind krank geworden ist. Das ist bei mir total selten vorgekommen, aber wenn es dann mal vorgekommen ist, war mir das so unangenehm. Weil ich konnte nicht reagieren. Ich muss das selber lösen. Also mein Mann/

PETER: Schlechtes Gewissen?

KRISTIANE: Schlechtes Gewissen, ja! Und dieses Gefühl dann auch, keinem Gerecht zu werden. Wenn ich es irgendwie anders organisiere, werde ich meinem Kind nicht gerecht, was ich nicht will, oder ich werde halt meinen Kunden oder meinem Chef nicht gerecht. Das war am Anfang schon schwierig. Und irgendwann habe ich dann gesagt: “So Stopp! Da kann keiner was dazu. Es ist jetzt einfach so. Das passiert jedem Mal. Ich könnte auch selber krank werden. Ja, also da muss nicht einmal ein Kind krank werden!” Und habe mir das zugestanden, auch einfach Mal sagen zu können: “So! Und jetzt ist es so. Ich muss einen Termin absagen, ich muss meine Pläne anpassen. Nicht nur ich muss flexibel sein, sondern manchmal ist es auch so, dass mein Umfeld flexibel sein muss.” Und das habe ich lernen müssen. Und irgendwann, mit zunehmender Übung, ich habe begonnen das bei Freunden einzusetzen, bei Familie und irgendwann konnte ich das dann halt auch bei Chefs und Kunden.

PETER: Und wie lange hast du dafür gebraucht?

KRISTIANE: Ich gestehe, Jahre! Und ich habe mir dafür auch professionelle Hilfe geholt. Ich habe das nicht alleine gemacht. Ich habe immer mir Unterstützer geholt, also sei es jetzt aus meinem privaten Umfeld, dass ich mich mit anderen Frauen, Müttern, Menschen in ähnlichen Lebenssituationen ausgetauscht habe und professionelle Hilfe.

PETER: Find ich sehr gut. Weil oft ist es ja so, dass es Situationen gibt, wo man nicht weiterkommt und da ist es wirklich sehr ratsam, sich wirklich professionelle Hilfe zu holen, weil das den Weg erleichtert.

KRISTIANE: Es ist auch eine Abkürzung.

PETER: Genau, genau. Was mich noch interessieren würde: Du hast erzählt, du warst praktisch Vollzeit-Mama, dein Mann hat Vollzeit gearbeitet und du hast dich auch, wie du erzählt hast, schon so ein bisschen auch alleinerziehend gefühlt. Mich würde viel mehr interessieren, wie hat das Umfeld reagiert auf diese klassische Rollenaufteilung?

KRISTIANE: Das war ganz spannend. Also am Anfang war ich, also ich war schon immer ehrenamtlich ziemlich engagiert im Kindergarten, Elternbeirat, und in allen möglichen Fußballvereinen, Vereinen immer ziemlich aktiv gewesen und ich habe oft gehört: “Ja du bist ja nur Mutter!” Und das war am Anfang für mich schon ein bisschen komisch, weil eigentlich hatte ich ja nicht vor, nur Mutter zu sein. Aber es war halt einfach so und ich hatte halt nun mal keine Oma in der Umgebung wie das andere, wenige Frauen/ also es war damals noch nicht so, dass fast alle oder viele gearbeitet, sondern die arbeitenden Mütter waren Ausnahmen, aber es war schon oft so, auch im Kindergarten, hieß dann oft: “Du bist ja nur Mutter, du kannst das ja alles machen!” Und dann habe ich wieder angefangen zu arbeiten, als der Jüngste drei war. Und dann war es auf einmal so: “Ja, sie haben sich ja entschieden. Sie sind ja jetzt berufstätig.” Dann waren die Kinder ja nichts mehr wert. Und dann habe ich die Kinder/ Also irgendwann hatte ich den Punkt, wo ich gesagt habe: “Wisst ihr was? Im Umfeld außen herum, je nachdem mit wem ich spreche, mache ich es immer falsch.” Also für die anderen mache ich es nie recht, ich muss es nur mir recht machen. Und das Umfeld war schon mal so, dass es gesagt hat: “Du bist ja nur Mutter und du langweilst dich ja den ganzen Tag!” So nach dem Motto: “Klar kannst du da im Kindergarten Ringelpiez mit Anfassen machen.” Oder dann umgekehrt zu sagen: “Du kümmerst dich ja nicht mehr um die Kinder, du arbeitest ja jetzt. Du hast dich ja dafür entschieden, berufstätig zu sein.” Und dann ist ja Familie nichts mehr. Dieses bewerten von außen hatte ich in beiden Richtungen. Und das war in beiden Richtungen nicht gerechtfertigt und hat mich auch nie weitergebracht. Das hat zwar immer was mit mir gemacht, dass man sowas gesagt kriegt, oder auch in manchen Situationen war es einfach blöd. Es löst dann natürlich schon ein schlechtes Gewissen, sowohl in der einen als auch in der anderen Richtung aus. Aber es hat für mich nie was geändert, was das Umfeld halt sagt und reagiert, weil ich wirklich die Erfahrung gemacht habe, „Egal was ich tue, ich mache es nie allen recht. Ich muss es nur mir und meiner Familie recht machen.“

PETER: Und wie ist dir das gelingen den Fokus von außen nach innen zu richten? Also auf dich? Was ist dir wichtig?

KRISTIANE: Das konnte ich schon immer ziemlich gut irgendwie zu sagen, was die anderen sagen, ist egal. Manche Sachen, die hatte ich einfach. Wir haben zum Beispiel, wir hatten so eine Sache: Wir sind ohne Kinder Motorrad gefahren, und dann haben uns alle gesagt: “Naja, wenn dann die Kinder da sind, dann ist das ja vorbei.“ Und da haben wir uns mit meinem Mann immer angeguckt und gesagt: “Wieso eigentlich?” So richtig verstanden/ jetzt warten wir mal ab! Wir werden auf keinen Fall die Motorräder verkaufen oder irgendwas jetzt warten wir mal ab und schauen, wie es sich entwickelt. Manche Sachen lösen sich ja von alleine auch auf. Und dann haben wir es die ersten Jahre einfach so gemacht, wir sind nur noch auf einer Rennstrecke gefahren, haben die Kinder mitgenommen und sind abwechselnd gefahren. Wenn der eine gefahren ist, hat der andere in der Box die Kinder betreut und umgedreht. Das haben wir zwei, drei Mal im Jahr gemacht und sind Straße gar nicht mehr gefahren. Und das war okay. Ganz lange. Irgendwann hatten wir da keine Lust mehr drauf. Irgendwann hat sich das so verändert, dass wir das selber gar nicht mehr wollten. Mein Mann hat dann angefangen, ab und zu mal wieder auf der Straße zu fahren; ich hatte gar keine Lust mehr, ich bin dann nochmal auf der Rennstrecke gefahren, ich habe mich dann auch wieder hinten drauf gesetzt. Es hat sich einfach verändert, aber wir haben das nie abhängig von den Kindern gemacht. Gar nie. Aber was natürlich war, wenn die Kinder in den Kindergarten kamen und von ihren Pfingstferien erzählt haben, dann war natürlich AufschrePETER: “Wie könnt ihr nur?” Das Umfeld hat uns immer bewertet und wir haben gesagt: “Okay. Wo ist der Unterschied? Also ob wir jetzt eine andere Form der Reise machen?” Für die Kinder war das unser Lebensmodel. Weil ich habe das immer gehört: “Wir konnten nicht wegen dir!” Meine Mutter und mein Vater waren sehr jung und das wollten wir für unsere Kinder nie. Wir wollten nie, dass sie mir irgendwann mal sagen: “Wir konnten das nicht wegen euch!” Wir haben umgestellt, aber wir haben uns nie ganz aufgegeben. Und da war uns das Drumherum auch egal, weil wir gewusst haben, wir können es nie allen recht machen. Gar nie!

PETER: Das ist das Spannende, was ich oft erlebe, dass man zwar Dinge nicht gleich machen kann wie vorher, aber das man sie anders machen kann und sie genauso viel Spaß machen.

KRISTIANE: Eben! Wir haben viele Sachen einfach angepasst. Wir sind schon immer gerne gelaufen. Und klar sind wir nicht mit 20 Kilometer Touren gestartet, sondern wir sind am Anfang halt drei Kilometer gelaufen. Und das haben wir gesteigert. Und inzwischen laufen wir eine ganze Woche am Stück und laufen im Schnitt zwischen 20 und 25 Kilometer am Tag mit den Kindern. Aber die sind da reingewachsen. Wir haben das halt am Anfang/ wir haben gesagt “Wir wollen das!” und auch wenn die Kinder jetzt manchmal gesagt haben: “Uhh, schon wieder Wandern?!” “Ja, that’s it!” Ich sage immer: “Wenn ihr erwachsen seid, 18, braucht ihr nie wieder Wandern!” Das ist okay so. Und wenn der eine es vielleicht übernimmt, dann ist es okay. Wenn ein anderer nicht/ Das ist halt, wo man sagt, man wächst in eine Familie rein und wenn die Eltern halt Maler sind, dann werden die Kinder halt mit Malen konfrontiert. Mit Sängern, mit Singen. Ich denke, für die Kinder ist das auch total egal.

PETER: Genau. Was macht ihr eigentlich, wenn ihr verschiedene Ansichten habt in Erziehungsfragen, du und dein Mann?

KRISTIANE: Das kommt halt immer drauf an, um was es sich handelt. Es gibt schon ein paar Sachen, wo man manchmal sagt: “Uh, da reagiert der eine so, der andere so!” Wir versuchen, den gemeinsamen Nenner zu finden und mal muss der eine zurück und mal der andere. Und bei manchen Sachen ist es auch einfach so, dass die Kinder ganz genau wissen, es gibt Mama-Regeln und es gibt Papa-Regeln.

PETER: Also jeder macht es unterschiedlich?

KRISTIANE: Ja. Und das können die auch ganz gut. Da wissen die auch ganz genau/ Das kommunizieren wir auch. Die haben da keine Chance, dass die uns jetzt gegeneinander ausspielen können oder so. Die wissen ganz genau, beim Papa dürfen wir das so und bei der Mama dürfen wir das so.

PETER: Ich möchte jetzt trotzdem nachhaken bei diesem Zurückstecken, was du erzählt hast vorhin, so einmal musst du zurückstecken, einmal muss dein Mann sich so ein bisschen zurücknehmen. Wie macht ihr das in einer Situation, wo du merkst, dein Mann macht etwas, wo du nicht so gut findest mit den Kindern und wie machst du das mit diesem Zurückhalten?

KRISTIANE: Also, wenn es jetzt nicht unmittelbar lebensbedrohend ist/

PETER: Davon gehe ich jetzt mal aus!

KRISTIANE: Wir hatten schon so Situationen, wir haben ein Kind, das ist unser Jüngster, der ist leicht unfallgefährdet. Der ist mit 16 Monaten vom Klettergerüst gefallen. Mit Klinik und richtig/ War nicht einfach und es ist hinterher alles wieder gut gewesen, aber das hat uns geprägt. Und da haben wir beide den Deal gemacht, zu sagen, wenn es um Vorsicht geht und um gefährlich, bin ich diejenige, die stoppt. Da muss mein Mann sich zurücknehmen. Wenn ich jetzt sage: “Nein, ist zu gefährlich/“ weil man ja manchmal so dieses Männer-Frauen-Ding hat. Da hat mein Mann irgendwann ganz klar gesagt, “Nein, ich schätze das gerne falsch ein”. Und sind immer mal Sachen passiert, Kleinigkeiten, wo er hinterher gesagt hat, “Ah, hätte ich nur auf dich gehört!”. Und da hat er für sich irgendwann gesagt: “Wenn du meinst, es wird gefährlich, es wird blöd, dann stoppst du, und dann nimmt er sich zurück”. Und das mache ich dann auch in der Situation, selbst wenn er sagt, „Du darfst das.“ Wandern, er holt das Taschenmesser raus und muss jetzt im Laufen schnitzen, ja. Und dann erlaubt das mein Mann, er fragt zum Beispiel: “Darf ich das Taschenmesser?”. Und dann sagt mein Mann “Ja”. Und ich sehe das und dann sage ich: “Stopp”. Also da fahre ich ihm auch in die Parade, aber das haben wir auch miteinander besprochen, das ist auch in Ordnung. Wenn das jetzt aber andere Sachen sind, die jetzt nicht gefährlich werden können, dann halte ich meinen Mund und wir klären das hinterher und sagen für die Zukunft regeln wir das so und so. Ja. Und bei anderen Sachen, da sagt mein Mann zum Beispiel, wo er sagt: „Du, wir machen das so und so.“ Er beschreibt mir dann die Sicherheitsmaßnahmen, zum Beispiel, „Er kriegt das Taschenmesser, aber nur im Stehen. Ich zeige ihm, dass er vom Körper weg schnitzen muss, und er kriegt eine Einweisung, und ich bin dabei, und, und, und. Und das erklärt er mir dann, und sage ich: “Okay, damit kann ich leben. Ich find es immer noch nicht toll, aber ich weiß du siehst mich, du hörst mich, du hast ein Auge drauf, dann ist das in Ordnung.”

PETER: Also ihr habt praktisch klare Abmachungen getroffen, an die sich beide halten in bestimmten Situationen.

KRISTIANE: Ja. Klar gibt es immer mal Situationen/ wir hatten zum Beispiel/ unsere Tochter ist 16. Bei einem Fest fragt die, ob sie ein Glas Sekt trinken darf. Und ich spontan erstmal: “Nein”, und mein Mann dann: “Warum nicht?”. Es entstehen schon manchmal so Situationen, wo wir uns dann angucken und genau wissen “Arrr!” (lacht). Das passiert schon. Aber in so grundsätzlichen Sachen, gerade so bei so wichtigen Sachen, die versuchen wir einfach vorher zu klären.

 

PETER: Jetzt ist das so, dass man als Eltern so verschiedene Phasen durchlebt mit den Kindern und in der Regel informiert man sich dann auch über die verschiedenen Phasen, wenn man irgendwie merkt: “Oh, da komm ich nicht weiter”. Wo hast du dich informiert? Beziehungsweise gibt es Bücher oder Hörbücher oder Blogs, die dir geholfen haben, mit bestimmten Dingen oder bestimmte Dinge zu klären?

KRISTIANE: Das war für mich immer sehr schwierig, weil ich habe zwar viel gelesen. Ich glaube, bei meinem Bücherregal steht jeder Erziehungsratgeber, aber auch aus dem Grund, dass ich mit keinem so richtig glücklich war. Also ich habe wahnsinnig viel gelesen, ich habe aber gemerkt, für uns als Familie hat nicht so richtig was gepasst. Also das waren immer so. Ich habe viele Sachen ausprobiert von Familienrat über/ ich habe immer gemerkt, “So richtig rund ist das alles nicht”. Und irgendwann habe ich angefangen, mir aus allem Rosinen zu picken und unser eigenes zu machen. Und das hat dann sehr, sehr viel gebracht und wir haben uns immer Hilfe geholt, wenn jetzt irgendwas war. Sei es, dass wir mal einen Kinderarzt gefragt haben, wo wir einfach Glück gehabt hatten, dass das gut gepasst hat von der Chemie her. Oder im Kindergarten, also wir hatten auch immer/ oder auch Lehrer. Wir haben da wirklich immer ganz, ganz großes Glück, dass wir ein Umfeld dort haben, wo wir immer Rat suchen konnten und auch zusammenarbeiten konnten. Weil oft ist es halt auch wirklich so, dass ein fremder Blick von zum Beispiel Erzieherinnen und Lehrern nochmal ganz anders ist, auch wenn man nicht hundert Prozent einer Meinung ist, sehen die trotzdem immer was anderes, wo man dann schon manchmal sagt, “Mh, guck da doch nochmal genauer hin.”

PETER: Super, danke. Was mich noch interessieren würde so ganz zum Schluss, und zwar sind bekanntlich Kinder so recht große Lernmeister. Sie bringen uns oft an die Grenzen, und dadurch haben wir auch natürlich auch die Chance etwas zu verändern oder etwas zu lernen. Was hast du von deinen Kindern gelernt? Eine Frage. Und die andere Frage vielleicht: Welche neuen Fähigkeiten hast du durch deine Kinder entdeckt oder aktiviert?

KRISTIANE: Geduld (lacht). Das ist immer noch mein Lehrmeister. Flexibilität. Also ich glaube, ich war schon immer recht flexibel, aber mit den Kindern, in der Konstellation, also auch in den Abständen war das nochmal eine andere Dimension, und dieses Sich-selbst-zurücknehmen-können. Pläne, die eigenen Pläne über Bord werfen, und einfach auch mal sagen: “Okay, Kind möchte jetzt lieber das und das, dann probiere ich das jetzt einfach mal aus.”

PETER: Was ja nicht immer so einfach ist.

KRISTIANE: Nein, ist wirklich nicht immer einfach. Vor allem für einen Planungsingenieur//

PETER: (lacht)

KRISTIANE: (lacht) //ist das wirklich oft eine Herausforderung und ich habe gelernt, das haben wir eigentlich als Familie gelernt, bei uns gibt es keine Kompromisse.

PETER: Was heißt das?

KRISTIANE: Wenn wir etwas nicht mögen, tun wir es für den anderen. Und das war früher, habe ich immer gedacht, man muss so diese Kröten schlucken und das dann gut finden. Also ein Kompromiss ist für mich immer so, hinterher muss man das gut finden. Man findet eine Lösung, und die muss man dann hinterher auch noch gut finden. Und das hat für uns hinterher nie so richtig gepasst. Und die Kinder haben aber immer Sachen eingefordert und irgendwann haben wir dann für uns dann gesagt: “Okay, ich finde Schwimmbad richtig blöd, ich mag eigentlich nicht ins Schwimmbad. Ich würde allein nie in Schwimmbad gehen, aber ich tue das für euch. Für uns als Familie. Für euch als Kinder.“ Und das kommunizieren wir auch so. Das hat den Vorteil, dass die Kinder zum einen wahrnehmen, dass wir ab und zu Dinge machen, die uns nicht Spaß machen, ihnen zuliebe. Sie tun das dadurch anders wertschätzen. Und sie wissen ganz genau, dass ist jetzt nicht so unbeschwert und anders, wie wenn wir jetzt zum Beispiel was machen, was mir total liegt. Wenn wir zusammen eine Runde spielen oder puzzeln oder wandern gehen. Dann wissen die, das ist was anderes. Sodass sie sich auch nicht wundern, wenn wir jetzt zum Schwimmbad gehen, das es einfach anders ist.

PETER: Dann können sie es auch anders einschätzen.

KRISTIANE: Genau. Und die wissen dann einfach: “Okay, Mama geht mit, damit wir dort hin gehen können, aber sie ist nicht die Spaßkanone wie sonst”. Und das ist schon was, was wir gelernt haben. Das konnten wir vorher nicht. Auch das wirklich zu sagen, “Ich mache jetzt was, was mir nicht gefällt, und ich darf das auch sagen. Und tu es trotzdem.“ Und, dass der andere das auch sieht. Und das haben wir alle. Manchmal weiß ich auch, meine Tochter muss da mit und ihr stinkt das total, aber sie tut es dann für uns und dann können wir das auch wertschätzen.

PETER: Schön. Das würde ich gerne so als Schlusssatz stehen lassen, ohne es zu kommentieren, weil ich das wirklich sehr schön finde, was ihr so miteinander ausgehandelt habt. Ich möchte mich auf jeden Fall bei dir bedanken, dass du dir Zeit genommen hast, uns deine Erfahrungen mit deinen Kindern und Familie mit uns zu teilen. Ich werde alle Informationen über dich, über deinen Blog, über deinen Job, den du machst, wie du Menschen hilfst, diese Ideen zu sortieren und so weiter, in die Shownotes packen, und dann kann man sich gerne mit dir in Verbindung setzen. Auf jeden Fall vielen Dank, Kristiane, und liebe Grüße.

KRISTIANE: Ich danke und ja, vielen, vielen Dank.

 

Gabriele Patzschke: Akademie für Matrisophie [025]

Gabriele Patzschke

Gut, ich bin mit den Kindern sehr innig verbunden, aber ich kann mit denen ja zusammen alles machen, was wir wollen. Also ich bin weg von diesem, ich und die Welt, zu, wir gestalten unser Leben so, wie es uns am besten zukommt.

 


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Wir Mütter brauchen Wissen, viel Wissen… wir bauen uns im Laufe der Jahre einen großen individuellen Wissensschatz auf, der für uns selbst einen unschätzbaren Wert hat. Wir von MOTHERBOOK® entwickeln eine Plattform zu Wissen von, für und über Mütter – das anstehende neue Wissensgebiet ist MATRISOPHIE® (Neologismus).

Hier werdet ihr dann euer eigenes Wissensprofil anlegen, stetig erweitern, eigene Gedanken festhalten und darüber kommunizieren können. Hier trifft technische auf inhaltliche Innovation – wir lieben diese Kombination und sind sicher damit ein Angebot zu schaffen für das Empowerment von Müttern zu einer neuen, zentralen Stellung in der Gesellschaft.

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Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Mein heutiger Interviewgast bei „Elternpodcast“ ist Gabriele aus Berlin. Hallo Gabriele. #00:00:07-6#

GABRIELE: Ja Hallo. Und schön, dass ihr diese Interviewreihe macht, das finde ich sehr, sehr gut, dass man mal rein guckt, bei Eltern, was die so machen, bei anderen. Um sich selber mit seinen eigenen Wirrungen in der Biografie doch mal irgendwie auch besser zurechtzufinden oder sich auch klar zu machen, dass das ganz normal ist, dass man sich sehr umstellen muss, wenn man eine Familie wird oder ist. #00:00:31-9#

PETER: Ja das stimmt nämlich. Danke dir, dass du dir Zeit genommen hast. Was mich interessieren würde so als Erstes. Erzähle doch erst mal, wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast. #00:00:41-9#

GABRIELE: Also ich bin Gabriele Patschke, ich bin 60 Jahre inzwischen schon geworden, gerade, und habe vier Kinder, die alle erwachsen sind. Das älteste Kind ist inzwischen schon Unternehmer und ist verheiratet und hat selbst ein Kind, mein kleines Enkelkind, zu dem ich eine ganz, ganz wunderbare Beziehung auch habe.

Ich bin selber eigentlich Juristin mit einem Master in Mediation und Coach. Aber ich habe eigentlich mich sehr auf meine Familie eingestellt im Laufe der letzten Jahrzehnte, was ich eigentlich gar nicht vorhatte. Und bin sozusagen, was völlig untypisch ist, jetzt eigentlich dabei mich beruflich erst richtig intensiv aufzustellen und einzusteigen. Ich versuche damit sozusagen, mal so ein neues Lebensphasenmodell zu zeigen. Hoffentlich klappt es. #00:01:33-1#

PETER: Das ist aber spannend, so praktisch in der Phase, wo andere sich praktisch aus dem Berufsleben fast verabschieden, fängst du neu an. Finde ich jetzt mal wirklich speziell. #00:01:43-5#

GABRIELE: Ja, warum sollen wir, wenn wir eine so hohe Lebenserwartung haben, von weiß ich nicht, 90 Jahren annähernd sicherlich doch, mit 60 oder 65 aufhören mit der Erwerbstätigkeit. Dann sind noch Jahrzehnte übrig. Erstens mal, wer soll das finanzieren in so einem Staat, wo so wenig Kinder geboren werden. Und zweitens mal, die Leute sind doch voller Energie in diesem Alter eigentlich. #00:02:05-9#

PETER: Das stimmt. #00:02:06-2#

GABRIELE: Wenn sie gesund sind. Haben eine unglaubliche Lebenserfahrung, von der man ja profitieren könnte oder kann. Und man hat noch ein paar Jahrzehnte, wo man wirklich durchaus ganz tolle sinnvolle Dinge tun kann. Mit einem Überblick, den man einfach 30 Jahre vorher gar nicht hatte. #00:02:22-1#

PETER: Das stimmt. Gabriele, was hat sich bei dir durch die Kinder in deinem Leben verändert? #00:02:29-4#

GABRIELE: Ja, eigentlich alles. Ich habe die Kinder relativ früh bekommen, das Erste mit 26. Da war ich am Ende meines Studiums, aber noch im Studium. Und ich hatte damals eigentlich erwartet, dass ich das so ganz locker nebenbei mache. Ich musste ja „nur noch“ das Examen machen, das Juraexamen, hatte alle Scheine und alle Pflichtveranstaltungen hinter mir und dachte, das mache ich jetzt mal so locker nebenbei, mit dem Kinder kriegen. Da habe ich mich dann aber gewaltig geirrt und habe dann festgestellt, dass ich ja doch durch die Ankunft eines solchen kleinen Zauberwesens alles ändert. Alles. #00:03:10-6#

PETER: Und was war die größte Veränderung, an die du dich so erinnern kannst? #00:03:14-7#

GABRIELE: Ja, ich hatte vorher eigentlich gedacht, ich mache mein Examen, hatte vor zu promovieren, hatte auch schon das alles eingefädelt. Hatte dann irgendwie vor, richtig Karriere zu machen. Und so abstrakt gedacht, also für die Familie und für ein Kind würde ich sicherlich kaum mal einen Tag in meinem Berufsleben fehlen, so, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Und dann habe ich gemerkt, ich möchte gar nicht mich von meinem Kind trennen. Ich habe also sozusagen dieses Kind in mein Leben gelassen und es war plötzlich da, oder in unser Leben. Und ich war völlig verzaubert und hätte natürlich dieses Kind auch irgendwie in den Kindergarten oder in die Krippe oder zu einer Tagesmutter geben können. Ich wollte das aber gar nicht. #00:04:00-2#

PETER: Und wie hast du das dann gemacht mit dem Studium? Also du wolltest ja einerseits fertigmachen, andererseits kam diese Empfindung, ich möchte mein Kind nicht allein lassen. Wie hast du es gemanagt? #00:04:11-6#

GABRIELE: Da hatte ich natürlich das Glück, dass ich eigentlich mein Studium abgeschlossen hatte. Das heißt, die ganzen Pflichtveranstaltungen und da, wo Anwesenheitspflicht ist, das war vorbei. Ich musste „nur noch“ lernen. Das ist natürlich eine ganze Menge bei Jura oder Rechtswissenschaften. Aber ich hatte dann wirklich gesagt, in diesem einen Jahr, wenn das Baby geboren ist, also in der Schwangerschaft hatte ich dann schon die Examensarbeit geschrieben.

Und in dem Jahr, wo das Baby dann klein ist, habe ich mich entschieden, sozusagen aus meinem ganzen Sociallife auszusteigen. Also meine ganzen Freunde mal auf die Warteschleife zu schieben und sagen, wenn es gute Freunde sind, dann nehmen die mir das nicht übel. Und wir nehmen hinterher den Kontakt wieder auf. Ich habe dann wirklich gesagt, dieses eine Jahr mache ich Fokus Baby und lernen und Prüfung, nichts anderes. Das hat dann auch geklappt. #00:05:01-8#

PETER: Okay. Gab es eigentlich einen Unterschied zwischen dem ersten Kind und dem Zweiten, dem Dritten, dem Vierten? #00:05:09-7#

GABRIELE: Ja. Es gab einen gewaltigen Unterschied. #00:05:11-6#

PETER: Und welchen? #00:05:12-3#

GABRIELE: Das zweite Kind habe ich dann in der Referendarzeit bekommen. Bei mir war das in der Referendarzeit und ich hatte davor eine Fehlgeburt, die mich sehr traurig gemacht hat. Und da habe ich gedacht, nein, das ist mir das alles gar nicht wert. Außerdem als Rechtsreferendar muss man natürlich auch immer irgendwo hin, man hat ja Termine.

Ich habe dann gedacht, okay, wenn das Kind geboren wird, damals hatten wir auch noch nicht diese ganzen Elternzeit- und Mutterschutzgesetze, wie das jetzt ist. Da hatte man nur die Möglichkeit, sechs Monate in Elternzeit zu gehen. Das war mir von vornherein eindeutig zu wenig. Und dann habe ich gedacht, okay, wenn das zweite Kind da ist, unterbreche ich erst mal das, was ich beruflich mache. Und das habe ich dann auch gemacht.

Dann hatte ich noch die Illusion, dachte ich, da kann man ganz locker nebenbei promovieren. Habe dann aber festgestellt, so mit zwei Kindern und einem Mann, der sehr, sehr beruflich eingespannt, bleibt gar nicht viel Zeit übrig für irgendwas anderes. Und habe das dann auch nicht gemacht erst mal. #00:06:13-4#

PETER: Das heißt, euer Modell war, du warst zu Hause und dein Mann hat Vollzeit gearbeitet. #00:06:19-6#

GABRIELE: Das hat sich dann so ergeben, das hatte ich nie vor so. Aber man muss sich ja auf die Situation einlassen. Und da war sozusagen, das war für mich auch wirklich eine ganz große Herausforderung, dass ich eine bestimmte Vorstellung, wie ich eigentlich so ins Leben geben wollte. Und dann hatte ich aber die Situation, dass ich, also der Vater meiner Kinder war Unternehmer und der war schon gut im Geschäft und das lief alles schon ganz gut. Aber war auch so eine Phase, wo man in der (Opperphase?) #00:06:50-6# richtig gefordert ist.

Und da kann man ja nicht sagen; gut, ich gehe jetzt mal eben für drei Monate in Elternzeit; dann fährt das Unternehmen gegen die Wand. Das heißt, wir hatten diese Entscheidung eigentlich nicht. Und das war für mich auch so ein bisschen am Anfang so, da musste ich mich erst mal drauf einstellen. Plötzlich saß ich da mit den Kindern und mein Mann war wenig da. Wenn er da war, war er ein entzückender Vater und ganz, ganz bei den Kindern und liebt die auch über alles. Aber er war international unterwegs, um dieses Unternehmen aufzubauen und groß zu machen. Und das hat er dann auch geschafft, aber im Grunde bin ich, ohne das zu wollen, in so eine Rollenverteilung gekommen, wo ich dachte, dass sie völlig überholt wäre. #00:07:42-9#

PETER: Wie hast du dir das eigentlich geplant gehabt? Du hast gesagt; meine Vorstellung war eine ganz andere. Wie hast du dir das so in deinen Gedanken ausgemalt? #00:07:50-9#

GABRIELE: Ich hatte immer ganz klare Vorstellungen, wie ich beruflich gerne mich aufstellen würde. Und hatte mir das nicht wirklich konkret natürlich vorstellen können, wie das dann ist, wenn da so ein kleines Zauberwesen plötzlich da ist oder mehrere möglicherweise. Und dann habe ich aber sozusagen festgestellt, man kann in eine Rolle hineinfinden, die trotzdem, das klingt so nach klassischer Rollenaufteilung, das stimmt aber gar nicht. Im Grunde kann man auch völlig auf Augenhöhe sage, der eine macht diese Erwerbstätigkeit und diese berufliche erwerbstätige Rolle in der Familie.

Und der andere kümmert sich auch um alles andere. Das habe ich dann auch gemacht, und zwar mit zunehmend mehr Spaß an der Sache. Das war also, im Laufe der Jahre habe ich dann unglaubliche Kreativität entwickelt und diese Freiheit. Im Grunde war ich ja wie eine Unternehmerin.

Ich habe mir vorgestellt, was ich mache, habe mir Projekte auch mit meinen Kindern vorgenommen und habe das dann gemacht und war sehr frei. Viel freier, als wenn man in irgendeinem Arbeitsverhältnis ist und ich habe natürlich nicht wenig gearbeitet, im Gegenteil. Also ich dachte, also ich habe locker 16-Stunden-Tage gehabt. Und ohne Großeltern und ohne sonstige Unterstützung aus dem Umfeld eigentlich, außer von Freunden, waren das auch wirklich 365 Tage im Jahr. Also praktisch so ein Endloseinsatz, an den man sich aber gut gewöhnen kann. #00:09:29-6#

PETER: Genau, also das ist auch meine Erfahrung. Es gibt nicht das klassische Modell, also das ist, glaube ich, so eine Vorstellung, die so irgendwo immer mitschwebt. Ich denke, jede Familie löst das individuell. Und trotzdem hat das einen Einfluss, diese Vorstellung, wie das sein sollte, vor allem auf einen selber und auch auf das Umfeld. Und mich würde interessieren, wie hat das Umfeld reagiert, darauf, dass du dann jetzt praktisch Vollzeitmama geworden bist? #00:09:55-2#

GABRIELE: Ja, ich bin da ja so reingerutscht, ich war es ja am Anfang eigentlich nicht. Und dann hat sich das so ergeben. Und ich habe in einem Umfeld gelebt, wo es erstaunlicherweise alle Modelle gab, das auch. Das waren also alles eigentlich Leute, mit einer sehr, sehr guten Ausbildung und die hatten auch vor den Kindern oft ganz tolle Jobs. Und die haben sich doch zu einem größeren Teil auch sehr viel Zeit für die Kinder genommen, was ich ganz, ganz toll fand. Oder beziehungsweise, die haben natürlich auch in unserem Umfeld, so man formt sich ja auch gegenseitig.

Man diskutiert, man redet darüber, man entwickelt sich. Und viele haben sich dann auch entgegen ihren eigenen ursprünglichen Vorsätze so doch eine Weile rausgenommen aus dieser Berufstätigkeit. Und das fand ich irgendwie eigentlich ganz toll. Also meine Kinder waren zum Beispiel auch gar nicht im Kindergarten und das waren dann einige aus unserem Umfeld, haben das ähnlich gemacht. #00:10:52-2#

PETER: Okay. Was hat sich bei euch in der Partnerschaft oder in der Beziehung verändert durch die Kinder? #00:11:00-2#

GABRIELE: Ja, das hat sich natürlich auch um 180 Grad gedreht. Als wir angefangen hatten mit unserer Beziehung, da war ich eine freie Studentin, die sehr viel Wert auf ihren großen Freiheitsbedarf gelegt hat. Und ich war unabhängig, ich wollte machen, was ich will, auch, wenn ich natürlich gerne diese Beziehung hatte.

Und mein Mann war ja immer schon dann auch sehr viel unterwegs und der war unglaublich im Einsatz. Und durch die Kinder, plötzlich hat sich das alles total geändert. Erst mal hatte ich sozusagen dieses Gefühl, ich bin ja doch sehr fremdbestimmt. Dann habe ich aber dieses Freiheitliche, mit diesem Bindungsding umgehen können, das habe ich dann irgendwie entwickelt. Dass ich gesagt habe, gut, ich bin mit den Kindern sehr innig verbunden, aber ich kann mit denen ja zusammen alles machen, was wir wollen. Also ich bin weg von diesem, ich und die Welt, zu, wir gestalten unser Leben so, dass wir unser Lebensumfeld so gestalten, wie es uns am besten zukommt. #00:12:15-0#

PETER: Wie du das erzählst, das hört sich so sehr frei an. Und mich würde interessieren, weil, du erzählst ja einerseits, vorher war ich frei und dann war ich sehr fremdbestimmt und gebunden. Und ihr habt das dann gedreht in ein anderes Empfinden. Und wie hast du das gemacht? Also wie ist dir das gelungen, von der Vorstellung, dass du praktisch vorher frei warst, jetzt ist ein Kind da und du bist fremdbestimmt und trotzdem fühlt sich das gut an? #00:12:41-3#

GABRIELE: Ja, also ich war erstens mal völlig verzaubert, wie die meisten Eltern natürlich von diesem kleinen Wesen, was da war oder von dem kleinen Wesen. Und das ist wirklich dieses weg vom „ich“, hin zum „wir“. Ich habe dann sozusagen dieses „wir“, ich bin dann nicht mehr als „ich“ durch die Welt gelaufen und habe meine Freiheit und meine Entwicklung und meine Situation versucht zu optimieren.

Sondern habe das sozusagen in ein „wir“ umgewandelt. Und ich habe dann mit diesem „wir“, mit dieser kleinen Gemeinschaft, die wir dann waren mit diesen zum Schluss ja vier Kindern und Vater, habe ich versucht für uns eine Lösung zu finden, dass wir frei sind. Alle. Und das ist ja auch eigentlich eine Sache, die man gut auch entwickeln kann, wenn die Kinder zum Beispiel nicht in den Kindergarten gehen. Man lebt miteinander und jeder versucht, doch irgendwie seine Bedürfnisse zu äußern und auch möglichst weit danach zu leben, ohne, dass es die anderen zu sehr einschränkt. Also das ist ja so ein ewiger Balanceakt, den man da hinkriegen kann. #00:13:49-3#

PETER: Das ist aber eine schöne Vorstellung. Ich würde gerne noch mal zurück zu der Beziehung. Also du hast gesagt, ich war dann zu Hause, mein Mann war hochprozentig beruflich unterwegs und sehr engagiert. Wie habt ihr das gemacht als Paar? #00:14:07-5#

GABRIELE: Das war auch ein ständiger Lernprozess natürlich. Ja, mein Mann musste sich natürlich trotzdem auf diese Kinderwelten einstellen und hatte natürlich trotz dieser nicht so üppig bemessenen Zeit, liebt diese Kinder natürlich nach wie vor über alles. Und hat das dann aber auch wirklich hingekriegt. Wenn er dann da war, war er ganz da. Und das war zwar nicht so besonders oft und das Verrückte war, am Anfang habe ich gedacht, na ja, wenn er dann da ist, kann er die Kinder ja mal übernehmen, dann habe ich frei. Dann habe ich festgestellt, das geht eigentlich auch nicht, weil, wenn jemand dann eigentlich doch so in dieses System hineinkommt dann plötzlich und der brauchte unheimlich viel Informationen.

Wo steht das Kind gerade? Was braucht das Kind gerade? Was ist gerade aktuell? Was war in den letzten Tagen? Und so. Dann haben wir eigentlich doch fast immer diese Zeit wirklich gemeinsam verbracht. Das heißt, wenn ich mir Freiräume schaffen wollte oder geschafft habe, dann war das eigentlich immer außerhalb dieser gemeinsamen Familienzeit. Das war dann immer praktisch während dieser Kinderzeit, eigentlich auch, während die Kinder dabei waren oft. #00:15:21-1#

PETER: Habt ihr irgendwie zusammen als Paar so, also jetzt mal, wenn man sich nicht als Familie sieht, sondern nur als Paar, habt ihr euch da irgendwie die Zeiten genommen oder hat sich das einfach so ergeben oder wie war das? #00:15:34-5#

GABRIELE: Ja, also ich habe dann irgendwann festgestellt, man ist ja nur noch Familie, man ist dann auch nachts oft noch im Einsatz ganz viel. Und irgendwann haben wir angefangen, ganz systematisch uns Zeitfenster zu schaffen. Ich liebe Musik, mein Mann auch. Wir sind dann oft ins Konzert gegangen, haben dann irgendwie mal auch uns mit einem Babysitter abends in ein ganz tolles Restaurant gesetzt.

Wir haben sehr intensives auch, weiß ich nicht, soziales Leben hier, auch durch die Berufstätigkeit meines Mannes und auch mit vielen Freunden. Wir sind dann oft auch abends weggegangen und haben ganz bewusst das als Zeit für uns genommen und auch genossen. Also ich glaube, es ist ganz, ganz wichtig, dass man sich diese paar Zeitinseln nimmt und systematisch einplant, von Anfang eigentlich, wenn es geht. #00:16:24-2#

PETER: Ja okay. Und ich frage jetzt noch mal nach, weil, du hast gesagt, wir haben uns die Zeit einfach genommen und wir haben es geplant und haben es dann gemacht. Wie hat sich das für dich angefühlt? War das okay oder war das irgendwie künstlich oder war das sogar noch besser, als wenn man es irgendwie passieren lässt einfach? #00:16:42-7#

GABRIELE: Also ich fand es, am Anfang musste ich mich wirklich eigentlich auch von zu Hause losreißen, es klingt jetzt verrückt, es ist aber so. Wenn wir dann abends, ich habe gesagt, wir müssen jetzt einfach mal einen Abend zu zweit verbringen. Also, als das erste Kind noch relativ klein war, hatte ich das Gefühl, es ist jetzt einfach wichtig. Dann habe ich einen Babysitter organisiert, der dann auch das Kind so ein bisschen kannte. Und bin dann losgegangen und habe oft festgestellt, dass mir dieses Losgehen richtig schwergefallen ist, ganz schwergefallen ist am Anfang.

Und die ersten Male konnte ich mich auch so innerlich gar nicht richtig rausreißen, obwohl mir irgendwie vom Kopf her völlig klar war, dass es wichtig ist für uns. Vielleicht ist es auch nicht in jeder Beziehung wichtig, aber ich glaube, in vielen Beziehungen ist es auch wichtig. Das habe ich auch beobachtet im weiten Umfeld, dass man sich diese Zeiten doch nimmt und dass man sich auch drauf einlässt.

Am Anfang kostet das richtig ein bisschen Disziplin und dann macht das auch ganz großen Spaß. Und dann merkt man, wie wichtig das auch ist und dann kommen auch Themen, die, wenn man in einer Familie zusammen ist, eigentlich gar nicht aktuell sind. Dann kann man mal Dinge besprechen, worüber man nachdenkt, was man fühlt und so. Das kommt ja dann doch in diesem ganzen Klangedusel manchmal ein bisschen zu kurz. Gerade, wenn man viele Kinder. #00:18:07-8#

PETER: Ich finde es wirklich sehr interessant, dass du das jetzt so erzählst, dass es am Anfang so ein bisschen komisch war. Und dann hast du dich dran gewöhnt und dann war es ganz gut. Irgendwie haben wir die Vorstellung, dass sich diese Zeit als Paar, wie spontan ergeben muss, ansonsten ist die Qualität nicht so gut. Ich habe so den Eindruck. Und spannenderweise, wenn man so guckt in die Zeit, wo man sich kennengelernt hat. Dann verabredet man sich ja ständig für alles. Und dort ist es irgendwie kein Problem, wenn man dann zusammenwohnt, ist es plötzlich ein Ding, ja nein, das muss spontan passieren. #00:18:42-4#

GABRIELE: Nein, ist es nicht. Ja, man hat ja dieses Illusion, man ist dann ein Paar, man lebt dann zusammen und dann hat man ja das Leben gemeinsam. Und das ist ja nicht so, wenn man unterschiedliche Aufgaben hat. Man hat genau, wie zu der Zeit, wo man noch nicht zusammengewohnt hat oder so, ja trotzdem seine Aufgaben, die man auch nicht teilt. Und die man aber vielleicht sogar reden will. Also ich fand es zum Beispiel auch immer unglaublich wichtig, zu wissen, was der andere macht und ich habe mich dafür interessiert.

Das kann man natürlich auch machen, wenn die Familie dabei ist, dass man sich austauscht, wer was macht und wer war plant und wer was erlebt hat und wie er sich dabei gefühlt hat. Und was geklappt hat, war nicht geklappt hat. Ich finde das unglaublich wichtig, dass man da jedoch ständig in einer Kommunikation bleibt. Aber das ist ja sozusagen die Sache, wie kann man im Alltag machen, in dem gemeinsamen Alltag, den man hat. Aber ich glaube, diese Verabredungen, das hat dann auch so eine Qualität, wie zu Anfang der Beziehung. Wenn man außerhalb des eigenen Alltags, der einen ja im Grunde immer fordert, dann ganz gezielt sagt, wir brauchen eine Insel für uns. Ich glaube, das ist wichtig. #00:19:52-5#

PETER: Ja, das glaube ich auch. Was mich noch interessieren würde, du hast ja vier Kinder, hast du erzählt, und da sind ja vier große Lärmmeister, die man da hat. Welche Fähigkeiten und welchen Stärken hast du neu entdeckt oder weiterentwickelt durch deine Kinder? #00:20:14-4#

GABRIELE: Ja, also wenn ich mal das Herausragendste so für mich mal reflektiere, ist es eigentlich, ich bin jemand gewesen vorher, der eigentlich immer so ein Machertyp, also ich wollte Freiheit haben und wollte Dinge anpacken, machen, durchziehen, so. Das geht mit den Kindern nicht so einfach und ich habe gelernt, mich einfach einzulassen auf das, was kommt. Und die Qualität zu finden, in dem, was da kommt, und zu sehen und auch wirklich so ein Kind, egal, in welcher Entwicklungsphase das gerade ist, wahrzunehmen in seinem eigenen kleinen Kosmos.

Und zu sehen, was da ist an Potenzial und zu sehen, wie faszinierend das ist und was dieser kleine Mensch jetzt gerade braucht. Und jetzt nicht, dass ich jetzt gesagt habe, okay, man darf sich darüber selber vergessen, um Gottes Willen nein. Aber das ist ja wirklich ein Wunder, wenn man sieht, wie so eine kleine Persönlichkeit sich im Leben langsam aufstellt oder sich ins Leben hineinstellt. Und da braucht man so eine Art zurückgenommene Anwesenheit, die mir anfangs wirklich / Das ist was, was ich gelernt habe, zu bestaunen, zu sehen und Potenziale aufzugreifen und denen dann Raum zu geben. Das ist ja sozusagen aus meiner Sicht auch die Aufgabe von Eltern, dass man erkennt, was da für Potenziale sind.

Und versucht, die nicht zuzudecken, sondern die irgendwie, die kleinen Wesen dabei oder die großen Wesen dann später auch, dabei zu unterstützen, dass ganz frei zu entfalten. Das ist natürlich das große Ziel, das gelingt auch nicht immer. Aber das ist natürlich dieses ständige arbeiten an sich und an diesem System. Das ist ja dieses kleine Familiensystem, ist ja ein System, was sich ständig verändert und wächst. Und das im Blick zu haben, finde ich, ist auch eine ganz, ganz große Aufgabe. #00:22:15-7#

PETER: Ich kann mir vorstellen, dass du, du hast dich selber beschrieben als eine Macherin und jetzt hast du gesagt, ich habe dann eine neue Rolle entdeckt, also dieses eher beobachten. Und das passiert, glaube ich, nicht von heute auf morgen, wenn man zwischen diesen zwei Rollen wechselt. Gab es da oder hast du da irgendwie einen Tipp oder einen Trick, den du für dich angewendet hast? Wie es dir gelungen ist, praktisch von diesem Machen, von diesem aktiv sein, in dieses aktiv beobachten. #00:22:45-6#

GABRIELE: Ja, ich glaube, mir hat da beim ersten Kind geholfen, die Situation, dass ich Examen machte in diesem ersten Jahr. Das war so eine ganz komische Lebenssituation eigentlich. Ich war da in unserem gerade frisch bezogenen neuen Haus und saß an einem Schreibtisch. An einer Terrasse und hatte sozusagen auf dem Schreibtisch meine Bücher und neben mir oder vor dem Fenster das Baby. Und mein Herz hat mich natürlich immer zu diesem Baby gezogen. Und das hat aber natürlich auch viel geschlafen oder mich intensiv, war ich auch eingespannt durch Stillen, Wickeln, man kennt das ja.

Und ich hatte eine unglaublich enge Verbindung zu diesem Kind und habe diese Pflichten mit diesem Lernen abgearbeitet in jeder freien Minute, wo das Kind mich gelassen hat. Habe aber immer sozusagen ein Auge aufs Kind gehabt. Das war sozusagen diese Doppelgleisigkeit. Und da habe ich das eigentlich gelernt, zu sehen, okay, das Kind ist jetzt da, das braucht mich gerade nicht, nutze ich für andere Sachen. Und dann auch zu erfassen, wenn es mich wirklich braucht, dann auch da zu sein. #00:24:05-0#

PETER: Also du hast so eine Sensibilität entwickelt für die Bedürfnisse des Kindes durchs Beobachten, oder? #00:24:11-0#

GABRIELE: Ja, genau. Und dieses Beobachten konnte ich besonders intensiv deshalb machen, weil ich so an diese Lernsituation gebunden war, am Anfang. So und dann hatte das, war sozusagen wie so ein Dammbruch, dann habe ich das sozusagen weiter gemacht mit allen Kindern. Und dann ergibt sich das ja auch aus dem Leben und vieles ändert sich auch mit vielen Kindern dann. #00:24:29-1#

PETER: Genau. Gab es in der Zeit irgendwie ein Buch oder etwas, was dir geholfen hat, wo dir Tipps geholt hast oder wo du dir, wenn du mal nicht weiter gewusst hast, Rat geholt hast? Gab es so was damals? #00:24:44-0#

GABRIELE: Also ich habe damals viel auch gelesen und da gab es auch verschiedene Bücher. Aber ich habe für diese konkreten Fragestellungen, die ich damals hatte, oft da keine Antwort gefunden. Ich hatte eine großartige Mutter selber und mit der habe ich sehr, sehr viel zu der Zeit gesprochen. Ich weiß nicht, ob ich sie zeitweise sogar damit genervt habe, kann ich mir gut vorstellen.

Aber sozusagen diese Antworten in diesen Büchern, die ich damals gesucht habe, habe ich oft nicht finden können. Das ist sozusagen aus meiner Sicht auch heute diese ganz, ganz große Chance vom Internet, wo man theoretisch viel mehr Fragen stellen kann und viel gezielter suchen kann. Da sind noch ganz, ganz große Potenziale, glaube ich, dass man da noch viel hochqualifizierter und besser irgendwelche Sachen suchen und finden kann. #00:25:33-4#

PETER: Genau, und da hast du ein ganz spannendes Projekt, was praktisch am Start ist oder kurz vor dem Start. Erzähle uns doch mal in zwei, drei Sätzen, um was geht es da? #00:25:45-3#

GABRIELE: Genau, also ich bin völlig begeistert von diesen Möglichkeiten, von den abstrakten und auch konkreten Möglichkeiten, die uns das Internet bietet. Und da habe ich mir dann irgendwann gedacht, Wissen ist ja unglaublich wichtig. Man kommt in diese Rolle des Eltern seins, ist darauf ja in dieser Gesellschaft eigentlich gar nicht vorbereitet, wenig vorbereitet, die meisten von uns. Gerade, wenn es so wenig Kinder im Umfeld gibt, was ja doch auch oft ist oder auch, wenn es andere Kinder im Umfeld sind. Wenn man selber betroffen ist und selbst plötzlich ein Kind bekommt, ist man plötzlich mit tausend Fragen konfrontiert.

Und da ist es natürlich ein ganz, ganz großer Schatz, wenn man sich Wissen aneignen kann oder beziehungsweise seinen eigenen Wissensschatz legt man sich ja im Laufe der Zeit zu. Und das ist ein unheimlich großes Potenzial und eine Chance. Und da arbeiten wir gerade an einem Businessmanagementtool, wo wir versuchen, alle Dinge, die Eltern betreffen, Kinder betreffen und besonders Mütter betreffen, mit einer intelligenten Software ganz einfach auffindbar zu machen.

Weil ich finde immer, der Nachteil vom Internet wiederum ist dann, dass man 80 Prozent der Zeit auf der Suche nach Dingen verbringt, die man mal gesehen hatte, aber nicht wiederfindet. Und es ist auch schwierig, Sachen von hoher Qualität zu finden. Und, wenn man da sozusagen ein Wissensgebiet erschafft, wir haben das jetzt mal genannt, Matrisophie, Wissen von, für und über Mütter.

Das ist ein neu gefundenes Wort, das habe ich mir als Marke sichern lassen, aber ist jetzt nur als Nebensache. Wenn man sozusagen dieses Wissen mal zusammenfasst und auch mit einer künstlichen Intelligenz durchsuchen kann, dass man wirklich zu jeder Frage möglichst mehrere Antworten finden kann und die passende für sich dann finden kann. Das wäre schön. #00:27:41-4#

PETER: Und das heißt, ihr bündelt das Wissen für Eltern, also nur im Thema Kinder, Eltern, Mutter, Vater und so weiter. Dass man praktisch nicht durch andere Einflüsse abgelenkt ist, sondern man kann gezielt das abrufen, was man sucht in dem Bereich. #00:27:59-7#

GABRIELE: Ja, wir haben dieses Wissensgebiet jetzt, sagen wir mal, Matrisophie, Wissen von, für und über Mütter. Weil ich auch noch der Meinung bin, das ist jetzt, also Eltern auch, weil über Mütter ist ja auch Eltern oder Söhne oder Töchter oder was auch immer, in Beziehung zu ihrer Mutter.

Aber so ein bisschen als Nebengedanke ist natürlich auch diese Tatsache, dass ja doch die Mütter, diejenigen sind, die in ihrer Biografie noch ein bisschen mehr betroffen sind, von dem Moment an, wo ein Kind unterwegs ist. Im Grunde, theoretisch ist es ja so, wenn man den Vater im System hält, also wenn der Vater im System bleibt, ist es wunderbar, aber theoretisch kann der ja gehen.

Und theoretisch kann die Mutter auch sagen; mit dir mache ich das nicht; aber das Kind hat sie in ihrem Bauch und da ist sie auswegslos, außer, wenn sie die Schwangerschaft abbricht, eigentlich mit diesem Kind verbunden. Und ich finde es eine ganz große Kunst, gerade in den Zeiten, wo die Beziehungen doch sehr häufig auseinanderbrechen, dieses Familiensystem zusammenzufügen und zusammenzuhalten.

Das ist ja wie ein Kunstwerk, so ein Beziehungssystem, an dem man auch ständig arbeiten muss. Und da ist, glaube ich, doch auch die Mutter ganz zentral gefragt, besonders am Anfang, sozusagen eine Struktur zu schaffen, dass das irgendwie alles zusammenwächst und zusammenbleibt, wenn es geht. #00:29:27-7#

PETER: Ja, das hört sich auf jeden Fall spannend an. Wann geht das an den Start? #00:29:32-3#

GABRIELE: Der Start ist hoffentlich noch vor den Sommerferien. In einer noch nicht perfekten Version, weil natürlich so eine Wissensmanagementsoftware wachsen muss. Und am Anfang, da kann man sich noch so anstrengen, das ist auch unser Problem momentan, wir versuchen, einen Zeitpunkt zu erwischen, wo wir an den Start gehen.

Da sind wir natürlich noch nicht so aufgestellt, dass alles findbar und alles gespeichert und alles durchsuchbar ist. Diese Software, die muss erst lernen. Künstliche Intelligenz ist ja ein Prozess, der sozusagen im Laufe der Zeit erst entsteht. #00:30:07-9#

PETER: Ja, ich finde es auf jeden Fall ein sehr, sehr spannendes Projekt. Und ich würde den Link natürlich in die Shownotes reintun, damit alle Eltern / #00:30:16-3#

GABRIELE: Es gibt ja, Entschuldigung, aber es gibt dazu ja noch eigentlich nur einen Blog momentan, der auch eigentlich nicht aktiv ist. Und dieses Projekt „motherbook.de“, das sieht man im Internet ja noch gar nicht. #00:30:30-6#

PETER: Okay. #00:30:32-2#

GABRIELE: Wir haben eine Facebook-Seite, wo wir Wissen verlinken, das ist alles. #00:30:34-6#

PETER: Okay, aber das ist ja schon mal etwas, dass wir die Facebook-Seite verlinken. Ich denke mal, da kommen dann die Informationen, wenn es startet, oder? #00:30:41-5#

GABRIELE: Ja, genau. #00:30:43-1#

PETER: Okay. Ja Gabriele, in Anbetracht der Zeit, ich muss auch immer so ein bisschen auf die Zeit achten, und wir sind schon bei 30 Minuten oder 31 beziehungsweise. Ja, ich möchte mich bedanken für die ausführlichen Schilderungen deines Familienlebens, deines Erlebnisses mit den vier Kindern. Es kommt so energiegeladen rüber, also es war wirklich ein Genuss dir zuzuhören. #00:31:07-8#

GABRIELE: Danke. #00:31:09-5#

PETER: Und mit ganz viel Informationen und wertvollen Tipps. Und dafür möchte ich dir danken, dass du dir die Zeit genommen hast, uns da dran teilhaben zu lassen. #00:31:18-7#

GABRIELE: Ja ich danke dir auch. Weil, ich möchte jeden unterstützen, der auf irgendeine Weise dazu beiträgt, dass Familien einfach harmonischer und konstruktiver und besser sich aufstellen können. Und ihren Kindern damit einen ganz wunderbaren Einstieg in eine Zukunft ermöglichen. #00:31:39-5#

PETER: Genau. Das ist auch unser Ziel. #00:31:43-1#

GABRIELE: Ja, das weiß ich. Das finde ich auch ganz toll. #00:31:45-6#

PETER: Okay. Also gut, vielen Dank und schöne Grüße nach Berlin. #00:31:49-2#

GABRIELE: Ja, danke, schöne Grüße in die Schweiz. #00:31:50-8#

PETER: Tschau. #00:31:51-8#

GABRIELE: Tschau. #00:31:52-5#

Nina Strasser: Juramama – das interview [024]

Nina Strassner

„Klärt das früh ab, wie ihr euch das Familienleben aufteilen möchtet, wie ihr das mit den Kindern machen möchtet. Und wenn ihr das ganz klassisch konservativ machen wollt, und das eure Überzeugung ist, dann lasst euch da nicht davon abbringen, dann ist das toll und schön und hört nicht auf die anderen. Wenn ihr es anders machen wollt, dann findet euren Weg, und wenn du zwei Wochen nach der Geburt wieder arbeiten gehen möchtest oder berufstätig sein möchtest, dann mache das und höre nicht auf die anderen.“

 

Nina erzählt im Interview:

  • Bei Kindern funktionierte das Sachliche irgendwie nicht mehr, man kann mit Kindern ja auch nicht mehr sachlich diskutieren, da muss man irgendwie so sehr an sein Bauchgefühl heran.
  • Früher konnten wir Konflikte austragen und auch mal 3-4 Tage lang schmollen. Kinder bringen einen dazu Konflikte zu lösen. Wir können jetzt nicht einfach vier Tage lang sauer und beleidigt sein.
  • Heute schlafen wir dann nochmal eine Nacht darüber und ich gucke mal, ob ich morgen immer noch so sauer bin und mit Dingen werfen will, oder ob das morgen besser wird.
  • Ich hatte da völlig andere Vorstellungen bevor ich schwanger war. Da dachte ich so, ja, ja, das ist alles ja überhaupt gar kein Problem, und wir machen einfach ganz normal weiter mit dem Beruf, wir sind ja auch beide dann in einem Büro. Und dann war ich schwanger und dachte: Oh nein, ich will ja eigentlich immer für das Baby da sein und ach nein, dann doch wieder nicht, und nach der Geburt wollte ich nie wieder weg von dem Kind.
  • Die Reaktionen, als ich beim ersten Kind den ganzen Tag das Kind herumgeschoben habe und mich mit dem Kind beschäftigt habe, waren ausnahmslos positiv, und es hat auch niemanden großartig überrascht oder hat es kritisiert oder so. Erst als sich das drehte, und ich dann beruflich mehr gemacht habe, habe ich immer irgendwie die Frage bekommen: „Ja, und was ist dann mit den Kindern?“

Aber jetzt endlich zum Podcast!


Nina Strasser: Juramama – das Interview jetzt hören

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Shownotes:

Mein Blog „Juramama“ richtet sich an Familien und solche, die es werden wollen. Ich greife in wechselnder Thematik, mal humorvoll, mal satirisch, mal ganz juristisch Themen auf, die auf Familien im Alltag zukommen. Dabei ist mit eine gesamtgesellschaftliche Perspektive sehr wichtig und ein Anliegen, Eltern zu unterstützen. Komplizenschaft unter Eltern ist wertvoll und die einzig wahre Möglichkeit die Interessen rechtlich und politisch laut und lauter zu machen.

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Ninas Büchertipps:


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Mein heutiger Interviewgast bei Elternpodcast ist Nina aus Kiel. Hallo Nina! #00:00:06-0#

NINA: Hallo! #00:00:08-9#

PETER: Erzähle uns doch erst mal wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast #00:00:12-6#

NINA: Ja ich bin Nina Strassner, ich bin 35 Jahre alt mittlerweile, und ich habe zwei Kinder, ein Grundschulkind, gerade eingeschult, und ein Kindergartenkind, ein Junge und ein Mädchen, und ich bin Anwältin von Beruf. #00:00:31-0#

PETER: Und da komme ich gleich zu meiner ersten Frage, was hat sich in deinem Leben durch die Kinder verändert? #00:00:37-2#

NINA: Ja, das ist eine ganz schöne Frage, und über die habe ich auch schon irgendwie länger mal nachgedacht, weil sich das ja auch alle halbe Jahre ändert, was man irgendwie dachte, was sich verändert hätte, und dann ist es doch alles wieder anders. Deswegen bin ich irgendwie zu dem Schluss gekommen, dass ich mir eigentlich nicht mehr so sicher bin, also alles ist irgendwie gleichzeitig entweder sicherer geworden oder unsicherer geworden.

Also die Verlässlichkeit ist anders, Dinge, auf die ich mich vorher verlassen habe, kann ich mich jetzt nicht mehr verlassen, andersrum Dinge, die ich vorher für nicht so verlässlich gehalten habe, sind jetzt irgendwie verlässlicher. Also es hat alles tatsächlich einmal, nicht alles, aber Dinge, die ich nicht erwartet habe, von oben nach unten gedreht und andersrum. #00:01:16-3#

PETER: Und wie war das am Anfang, also beim ersten Kind, da ist, glaube ich, der Wechsel noch am krassesten? #00:01:23-7#

NINA: Ja, also da bin ich, glaube ich, dem Irrtum erlegen, dem irgendwie viele Eltern irgendwie erliegen, wenn sie auch viel hören, man informiert sich ja vorher, oder man redet so viel mit Freundinnen und plötzlich, wenn man schwanger ist, hat ja jeder mal gleich so einen riesen Haufen Tipps parat auch ungefragt.

So jeder sagt dir irgendwie, wie du es machen sollst, oder wie das alles ist. „Und mach bloß nicht das und trage das Kind nicht herum oder trage es herum und gleich weg woanders schlafen oder so.“ Also man macht sich so viele Gedanken über so die praktischen Sachen so, da habe ich mir wahnsinnig viele Gedanken gemacht über: Ach Gott, was hat das Kind an, und wann ist ihm warm oder kalt, und wo schläft es, und wie lange schläft es, und wie stille ich und so.

Und hatte, ja, also wirklich, so die größere Perspektive auf mein Leben hatte ich gar nicht so richtig auf dem Schirm, also was sich da überhaupt irgendwie was ändern könnte, das, dachte irgendwie, das ist es nicht, was sich ändert. Sondern ich dachte halt so, ja, gut, habe ich halt weniger Schlaf, so, und liegt halt überall Spielzeug herum, so, das dachte ich. Dass ich mich auf Chaos einstellen muss im Leben. Aber nicht, ja, gar nicht so sehr was das irgendwie mit mir selber so macht oder mit uns als Paar.   #00:02:33-9#

PETER: Okay, dann frage ich da mal so ein bisschen nach, was hat es mit dir gemacht? #00:02:38-7#

NINA: Ja, es hat eben, so ein bisschen, ja, das Vertrauen in mich schon auf der einen Seite gestärkt, auf der anderen Seite aber auch erschüttert. Also Dinge von denen ich dachte, ich bin da total gut drin, so dass, ich zum Beispiel hätte immer von mir behauptet, dass ich in Krisensituationen total souverän bin, das ist ja auch irgendwie so mein Beruf, ne? Also Konflikte zu führen, auch für andere zu führen, und die manchmal emotional auch zu führen, aber auch da immer so eine professionale Distanz wahren zu können und so, das hat plötzlich in Konflikten mit Kindern oder sobald auch meine Kinder dann, ja, auch in der Partnerschaft plötzlich, sobald die Kinder eine Rolle gespielt haben, irgendwie nicht mehr funktioniert.

Da funktionierte das Sachliche irgendwie nicht mehr, man kann mit Kindern ja auch nicht mehr sachlich diskutieren, da muss man irgendwie so sehr an sein Bauchgefühl heran. Und das hat mich manchmal schon ganz schön getäuscht, so dass ich dachte, ja da bin ich total gut darin, und ich werde mich auf viele Dinge total freuen, und ich bin die super Schwimmbadmutter, und ich werde eine riesen Spielplatzmutter, und ich werde Kindergeburtstage total super finden. Also lauter so Pläne irgendwie und hinterher stellte sich heraus, die Art Mutter bin ich überhaupt nicht, also das was ich mir vorgenommen habe, komisch, ich bin das gar nicht, und das kann einen schon in eine ganz schöne Krise manchmal mal stürzen oder man denkt, man ist wie die eigene Mutter.

Weil, das hat ja irgendwie entweder gut oder schlecht geklappt, je nachdem was man so für Vorbilder hat und an denen orientiert man sich und stellt dann irgendwie fest: Moment mal, wo ist denn mein eigener Tritt, also wo ist mein eigenes Modell? Und dieses Finden, ich glaube da bin ich, obwohl die Kinder ja jetzt schon ein bisschen älter sind, immer noch dabei, das rauszufinden. #00:04:16-4#

PETER: Ja, das glaube ich. Du hast es vorhin schon so bisschen angesprochen, in der Partnerschaft, was hat sich da verändert? #00:04:28-1#

NINA: Ja, ich finde auch, dass sich da bei uns so die Konfliktlösungsstrategien so ein bisschen verändert hatten, also wir hatten ja sonst immer klare Pläne irgendwie, und wenn wir keine Pläne hatten, war das auch Absicht, so. Dann konnten wir so in das Wochenende hineinleben und wenn wir Pläne machen wollten, konnten wir welche machen, und wenn wir einen Konflikt hatten, dann konnten wir uns irgendwie so auf uns verlassen und sagen, ja, wir werden diesen Konflikt schon irgendwie lösen, so. Und durch Kommunikation und wenn wir ihn nicht lösen können, hat man irgendwie diesen ultimativen Ausweg, den man aus früheren, so, ach Gott, dann trennt man sich. Wenn halt ein Konflikt irgendwie unlösbar ist.

Und dann kommen die Kinder und plötzlich kommt dann so eine Komponente dazu, dass man diese Tür ist zu oder deutlich geschlossener, und das ist ja auch schön, dass Kinder einen dazu zwingen, dann doch manche Konflikte dann noch mehr miteinander auszuarbeiten, als man es ohne Kinder getan hätte.

Da hätte man vielleicht die Tür zugemacht, drei Tage lang geschmollt und gesagt, ich lasse dich nicht mehr herein oder bleibe weg, ich will dich nicht mehr. Und Kinder, ja, zwingen einen dann, ja, die holen da natürlich auf der einen Seite Aggressionen heraus, die man vorher an sich nicht kannte, auf der anderen Seite zwingen sie einem auch einen Frieden auf mit dem anderen, dass man sagt, wir müssen uns jetzt aber hinsetzen, wir können jetzt nicht einfach vier Tage lang sauer und beleidigt sein, weil die Kinder uns auch zusammen haben wollen. Also das hat schon auf der einen Seite geholfen, auf der anderen Seite haben die Kinder natürlich erst zu Konflikten geführt, die wir vorher gar nicht hatten. #00:05:56-6#

PETER: Und wie gelingt euch das? Dann quasi wirklich den Frieden zu schließen oder sich wirklich hinzusetzen und die Konflikte zu lösen? #00:06:06-2#

NINA: Ja, das gelingt uns mal besser, mal schlechter, und je mehr wir irgendwie / Wir haben auch erst gestern mal mit Freundinnen darüber geredet, wie anders wir eigentlich heute irgendwie tatsächlich streiten. So, also dass man irgendwie ruhiger bleibt insgesamt oder tatsächlich dieses Konzept, dieses wir schlafen dann nochmal eine Nacht darüber und ich gucke mal, ob ich morgen immer noch so sauer bin und mit Dingen werfen will, oder ob das morgen besser wird und das, ja, so eine gewisse Ruhe.

Manchmal ist es vielleicht auch einfach Erschöpfung, dass man gar keine Kraft mehr hat mit dem Partner jetzt zu streiten, weil man schon den ganzen Tag mit den Kindern in irgendeiner Form im Supermarkt gekämpft hat. Dass man sagt „ach, weißt du was, lass einfach da irgendwie mal morgen reden“, und man nicht mehr so schnell aus einer Mücken einen Elefanten macht, der vorher ein riesen Drama gewesen wäre ohne Kinder, also das hilft dann schon irgendwie manchmal sogar. #00:06:53-0#

PETER: Das finde ich spannend, weil vielen Eltern gelingt das eben nicht, dieses, das mal stehen zu lassen und erst am nächsten Tag oder vielleicht am Nachmittag oder am Abend zu lösen, sondern das Emotionale ist so stark, dass viele Eltern da eben weitermachen, weitermachen. #00:07:00-5#

NINA: Ja. #00:07:00-8#

PETER: Und dann erst recht zu keiner Lösung kommen. Hast du da irgendwie einen Tipp? Also außer der Müdigkeit, außer wenn man so müde ist? Wie gelingt dir das, das Emotionale einfach mal so stehen zu lassen? #00:07:24-3#

NINA: Ja, mir gelingt es deutlich schlechter als meinem Mann. Also das ist natürlich auch immer ein bisschen eine Charakterfrage, also ich bin immer jemand, der mit Emotionen immer meint Verständnis zu bekommen, und je mehr ich erkläre, und je mehr ich rede, desto mehr muss doch auf der Gegenseite dafür Verständnis aufkommen, weil, jetzt habe ich ja schon eine Stunde lang erklärt, wie es mir geht. Ist vielleicht auch ein weibliches Verhalten, weiß ich gar nicht, gibt es aber bei anderen wahrscheinlich auch, und mein Mann ist der dann, so, ja, lasse es mal sacken, oder sagt, ich will mich jetzt gerade einfach/ Der entzieht sich dann auch manchmal dieser Oberemotion und, gut, dann sind wir beide Juristen, dann kommt da auch noch manchmal so eine / Ja, vielleicht weil wir auch den ganzen Tag irgendwie mit Problemen anderer irgendwie zu tun haben, dass man dann manchmal sagt: „Weißt du was, jetzt machen wir irgendwie einfach eine Pause.“

Also ich glaube tatsächlich, mal kurz hinausgehen, um den Block laufen, ist, glaube ich, immer schon eine gute Lösung gewesen oder wirklich / Die Oma meines Mannes sagte das damals an unserer Hochzeit: „Versucht euch doch mal abends die Hand zu geben bevor ihr einschlaft.“ Das haben wir noch nie geschafft, da sind wir ganz ehrlich, das ist immer so ein: ich schaffe das nicht, also ich möchte mich umdrehen, beleidigt und sauer sein und so. Und das hat aber mein Mann irgendwann gelernt, dass das nicht Ablehnung bedeutet, sondern dass ich aus meiner Wuthöhle irgendwie erst mal selber herauskommen muss.

Also, dass man irgendwie mal guckt, wie streitet eigentlich der andere, das muss also nicht unbedingt immer die Ablehnung sein, sondern vielleicht einfach die Art und Weise, wie der andere damit umgeht. Also so ist es jedenfalls bei uns, ich weiß gar nicht, ob das bei allen Paaren passt, aber das hat mir geholfen, mal zu gucken, wie ist der eigentlich, und das meint er vielleicht gar nicht so gegen mich. #00:09:00-9#

PETER: Das ist eine schöne, eine gute, eine schöne Strategie. #00:09:05-4#

NINA: Ja! Ja, wenn sie denn immer mal so klappen würde. Also manchmal brüllen wir auch einfach, und wenn wir nicht mehr brüllen können, fallen wir einfach um. ( beide lachen) #00:09:17-8#

PETER: Alles klar. Wie ist bei euch die Rollenaufteilung? Also wer macht was, bist du ganz zu Hause oder arbeitest du, oder teilt ihr euch das, die Elternaufgaben, wie macht ihr das? #00:09:28-2#

NINA: Ja, das hat sich auch lustiger Weise von Kind zu Kind und von Plan zu Plan geändert, ich hatte da völlig andere Vorstellungen bevor ich schwanger war. Da dachte ich so, ja, ja, das ist alles ja überhaupt gar kein Problem, und wir machen einfach ganz normal weiter mit dem Beruf, wir sind ja auch beide dann in einem Büro. Und dann war ich schwanger und dann dachte: Oh nein, ich will ja dann immer für das Baby da sein und ach nein, dann doch wieder nicht, und nach der Geburt wollte ich nie wieder weg von dem Kind.

Habe gesagt, nein, es wird mich für immer brauchen, und ich muss für immer bei diesem Kind sein. Und nach einem halben Jahr hätte ich Leuten Geld dafür gezahlt, dass sie mich irgendwie mal kurz irgendwo arbeiten lassen und ich, bitte, irgendwie nur mal eine halbe Stunde, niemanden an meiner Wade irgendwie hängen habe.

Deswegen muss man da auch echt / das hat sich tatsächlich immer wieder gedreht und momentan ist es so, dass wir durch dieses, ich brauche / viel gearbeitet im letzten halben Jahr, ich habe auch ein Buch geschrieben, das ging dann alles irgendwie doppelt und dadurch ist das deutlich gleichberechtigter geworden. Also ohne, dass wir jemals dachten, ein Gleichberechtigungsproblem zu haben, aber mittlerweile, mein Mann hat dadurch zwangsweise deutlich mehr auch noch zu Hause gemacht.

Aber wir haben schon ganz schön klassisch angefangen, also ich habe komplett auf null zurückgefahren und mein Mann war der Erwerbstätige. Und das, ja, hat sich dann über die Zeit aufgelöst, sobald das mal irgendwie ging mit den Kindern. #00:10:50-4#

PETER: Und wie hat damals das Umfeld reagiert? Auf die Situation, dass du dann ganz zu Hause geblieben bist, und dein Mann ganz gearbeitet hat? #00:10:58-3#

NINA: Ja, interessanterweise war das, das was jeder erwartet hat. Also da habe ich weniger Gegenwind bekommen, als in dem Moment als es so war, dass mein Mann mal zu Hause geblieben ist. Der hat das nämlich dann auch mal gemacht. Beim zweiten Kind habe ich gesagt, das mache ich nicht noch mal. Ja, es liegt dann gar nicht so sehr, glaube ich, an der / Ja, die eigene Zufriedenheit ist es dann, und dann wurde ich irgendwie fies und unausgeglichen, und dann ist man auch den Kindern gegenüber nicht mehr nett und merkt irgendwie: „Mensch, das sind gar nicht die Kinder, das bin eigentlich in Wirklichkeit ich.“ Und ehrlich gesagt, waren die Reaktionen, als ich beim ersten Kind den ganzen Tag das Kind herumgeschoben habe und mich mit dem Kind beschäftigt habe, ausnahmslos positiv, und es hat auch niemanden großartig überrascht oder hat es kritisiert oder so. Erst als sich das drehte, und ich irgendwie gesagt habe, nein, also oder, ja, dann beruflich mehr gemacht habe, habe ich immer irgendwie die Frage bekommen: „Ja, und was ist dann mit den Kindern?“

So als würden wir die dann irgendwie im Keller einsperren oder so und an den Futterautomaten hängen und keiner würde jetzt mehr aufpassen, nur weil ich jetzt beruflich wieder voll einsteige. Also da waren die Reaktionen, ja, deutlicher und auch meinungsstärker vom Umfeld. Also das war irgendwie, passte irgendwie immer noch nicht so richtig in den Plan, obwohl wir ja nun schon sehr konservative Berufe haben, und ich auch vorher viel gearbeitet habe, also das ist merkwürdig gewesen, das hat mich auch sehr überrascht damals. #00:12:28-5#

PETER: Und wie seid ihr damit umgegangen? #00:12:31-3#

NINA: Ja, uns war es irgendwie immer wichtig, dass unser Plan für uns passt, also dass da wir dahinterstehen können, aber es war schon so, dass wir das nur durch Kommunikation miteinander irgendwie lösen konnten, dass ich irgendwie auch sagen konnte: „Mensch, wieso? Ich habe das Gefühl, ich werde für eine schlechte Mutter gehalten, egal was ich mache.“ Also wenn ich wenig arbeite, dann war es nicht richtig, wenn ich viel gearbeitet habe, war es nicht richtig.

Irgendjemand hatte plötzlich eine Meinung und dann haben wir irgendwie daraus gelernt, dass wir es eigentlich niemandem recht machen können, und das auch nicht der Witz ist, sondern, dass wir es miteinander hinbekommen müssen und miteinander den Weg finden müssen. Das ist nämlich schon schwer genug. Und wenn man es dann noch macht, wie die eigene Mutter, die Schwiegermutter, die Schwester, die Freundin, die Nachbarin das richtig findet, dann klappt es halt gar nicht mehr. Also da helfen Kinder auch so ein bisschen so zu sich selber zu finden. So ein bisschen: „Wer bin ich eigentlich, und welche Art Eltern wollen wir eigentlich sein?“ #00:13:32-4#

PETER: Spannend. #00:13:33-5#

NINA: Mhm (bejahend). #00:13:35-7#

PETER: Was war so im Nachhinein so die größte Herausforderung für dich? #00:13:39-2#

NINA: Ja, es waren eigentlich zwei Sachen, also einmal mir selber, meinem Bauchgefühl wieder ein bisschen mehr zu vertrauen, nachdem das alles irgendwie durchgeschüttelt war, nämlich dass es schon irgendwie, es wird schon gut werden, so, also dass, mir auch als Mutter zu vertrauen.

Ich hatte ja gelernt mir beruflich zu vertrauen, ich hatte meine Qualifikationen, ich hatte meine Berufserfahrung, und das irgendwie auch als Mutter, man kommt ja auch nicht so auf die Welt, dass man sagt: „Ich weiß jetzt, wie das funktioniert.“ Und die Qualifikationen musste ich auch erst mal sammeln und auch da ein paar Mal fallen und stolpern.

Dass ich da wieder das Selbstbewusstsein bekomme, das war schon eine ziemliche Herausforderung und dann aber auch plötzlich auch im Umfeld so als Mutter auch so wahrgenommen zu werden und weniger als das, was ich eigentlich gelernt habe. Also das habe ich so schon auch empfunden, dass ich irgendwie plötzlich nicht mehr Anwältin war und ich war gerne oder Juristin, und ich habe da gerne in dem Beruf gearbeitet und mache das bis heute immer noch sehr, sehr gerne.

Aber ja, die Themen drehten sich eigentlich, wenn man mit mir sprach, viel um die Mutterschaft und die Kinder, und was sie essen, ob sie schlafen oder wie auch immer, und mein Mann stand daneben in derselben Kanzlei und den haben sie gefragt, wie es beruflich läuft. Egal wieviel ich gearbeitet habe nebenher oder nicht, und da Balance wiederzufinden irgendwie. Und das hat mich persönlich schon ziemlich gefuchst und auch herausgefordert. „Wer bin ich jetzt eigentlich, und wer will ich sein?“ #00:15:14-4#

PETER: Und wie hast du das jetzt, sage ich einfach mal, konkret gemacht, diese Balance zu finden? #00:15:20-1#

NINA: Also du meinst? #00:15:24-9#

PETER: Ganz praktisch. #00:15:27-8#

NINA: Ich habe tatsächlich, wenn wir auf den Punkt, mit diesem: Mensch, ich möchte eigentlich nicht nur als Mutter – oder nicht nur –, sondern das ist ja gar nicht weniger so, aber ich möchte diesen anderen Aspekt irgendwie von mir auch leben. Da habe ich bei mir selber angefangen.

Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich in den Gruppen, in denen ich dann auch unterwegs war, ob es jetzt beim Kinderschwimmen oder bei der Krabbelgruppe oder bei diesen Sachen auf dem Spielplatz, wenn man halt irgendwo war auch unter Müttern oder Eltern, ich habe ja selber nicht gefragt. Ich habe die auch immer nicht gefragt, was sie eigentlich vor den Kindern gemacht haben, oder ob sie noch berufstätig sind. Weil ich auch manchmal die Sorge hatte, dass das irgendwie vielleicht so wahrgenommen werden könnte von wegen: „Warum ist denn das nicht ausreichend?“ oder so „Und was machst du sonst noch?“ Als wäre das nicht genug, Mutter zu sein, so will man ja auch nicht rüberkommen.

Aber habe immer irgendwie ein bisschen versucht so die Themen auch mal so ein bisschen selber wegzulenken von: „Na, schläft dein Kind gut?“ und „Na, was esst ihr so?“ sondern zu, ja: „Was sind deine Interessen?“ „Wie habt ihr euch kennengelernt?“ Manchmal auch bei Paaren und so kommt man dann ganz schnell, wenn man so von der Zeit vor den Kindern auch da mal Fragen dazu stellt, kommt man schnell dahin. „Ja, ach, ich habe in einer Werbeagentur gearbeitet.“ „Ach!“ und plötzlich hat man eine Konversation, die sich plötzlich wieder mit einem Leben außerhalb dieses Kosmos herum befindet. Und das musste ich irgendwie selber machen, und das hat gut funktioniert. #00:16:56-9#

PETER: Also geht es praktisch um so einen Perspektivenwechsel? #00:17:00-4#

NINA: Ja, vielleicht. Ja, kann man schön so sagen, ohne dass man da werten will, aber so, Mensch, wenn ich irgendwie möchte, dass andere mich auch so wahrnehmen, dann muss ich ja auch selber die Basis für diese Themen schaffen, und den anderen Gelegenheit geben, mich auch danach zu fragen. Weil die dieselben Zweifel haben und irgendwie auch nicht immer fragen: „Und wann arbeitest du wieder?“ oder so, als wäre das eine Erwartung.

Das will irgendwie auch keiner, sich so präsentieren, als wäre das die Erwartung oder „Was? Du arbeitest noch nicht?“ oder „Was? Du bist nur Mutter?“ oder „Was? Du arbeitest ja viel zu viel!“ Da sind ja Mütter total hin- und hergerissen. Männer kennen das untereinander eigentlich gar nicht so das Problem. #00:17:41-8#

PETER: Genau, interessant! Was mich noch interessieren würde, ist, ihr habt ja zwei Kinder und da gibt es ja immer wieder, sage ich jetzt einmal, Meinungsunterschiede in Erziehungsfragen. Oder verschiedene Ansichten, wie geht ihr damit um? #00:18:00-0#

NINA: Ja, ich habe sogar noch meine eigenen Eltern in meinem Kopf, die irgendwie, so dass ich das Gefühl habe, wenn die sich irgendwie wirklich mal gefetzt haben, dann ging es irgendwie immer nur um die Kinder: „Du bist mir in den Rücken gefallen vor den Kindern!“ sozusagen, genau. (lacht) Streit, an den kann ich mich schon bei meinen Eltern erinnern, und wenn meine Eltern heute mitbekommen, dass wir uns streiten, und ich sage irgendwie dasselbe „Du bist mir vor den Kindern in den Rücken gefallen!“, dann lächeln die sich irgendwie an und sagen: „Oh Mann, es ist in jeder Generation das gleiche.“

Und irgendwie hat das immer schon beruhigt, dass ich das von meinen Eltern schon kannte, und dachte, Mensch, es scheint also eine normale Situation zu sein. Und mir hilft eben auch tatsächlich wieder einmal eine berufliche Perspektive. Ich bin das beruflich gewöhnt, dass Menschen aus demselben Sachverhalt, also nehmen wir mal was ganz Banales wie einen Autounfall, völlig verschiedene Perspektiven haben. Die waren einfach nur in den zwei verschiedenen Autos unterwegs, aber an der exakt selben Stelle, sonst wären sie ja nicht aufeinander draufgefahren, und sie erzählen völlig unterschiedliche Wahrnehmungen und Unfallhergänge. Und sie sind völlig davon überzeugt, dass das richtig ist, so. Und da allein, das schon mal zu akzeptieren, dass das aber nicht die absolute Wahrheit sein kann, das allein hilft schon.

Und, ja, so richtig ganz fiese Sachen hatten wir da irgendwie noch nicht, so ganz, da waren wir uns mega, mega uneinig und meistens hat sich das dann, ja, wenn wir darüber geredet haben, warum der andere das eigentlich so machen würde, dann hat man oft die Punkte gefunden: „Ach so, weil du vielleicht als Kind das und das doof fandest“ oder „Weil du da mal eine gute Erfahrung gemacht hast oder da mal eine schlechte Erfahrung gemacht hast.“

Wenn man verstehen kann, warum der andere etwas bei dem eigenen Kind möchte, durchsetzen möchte oder so machen möchte oder nicht, dann fällt es leichter, plötzlich einen ganz kreativen Kompromiss zu finden oder tatsächlich vielleicht auch die eigene Position aufzugeben und zu sagen: „Ach ja, stimmt so habe ich das eigentlich noch gar nicht gesehen. Ja, ist vielleicht auch gar nicht so wild. Ja, gut, soll er halt Kickboxen machen, auch wenn ich finde, dass das eine gewalttätige Sportart ist.“

Also nehmen wir irgendwie mal so ein banales Beispiel. Weil er dann sagt: „Mensch, ja.“ Wenn man sich tatsächlich wie du vorher schon ganz schön sagtest, eben dieser Perspektivwechsel, der ist immer unheimlich hilfreich, also bei uns jedenfalls. #00:20:23-7#

PETER: Und wie macht ihr das konkret in der Situation selber? Also das, was du jetzt erzählt hast, das ist wie so die Reflexion hinterher, oder? #00:20:30-4#

NINA: Ja, also in der Situation schreien wir uns an, wie alle anderen. #00:20:34-3#

PETER: (lacht) Okay. #00:20:34-5#

NINA: Da schreien wir uns an und pöbeln uns an und gehen irgendwie auch hinaus und sagen, „Ach, das ist immer typisch, immer dasselbe mit dir“, also so diese typischen Sachen die Paare irgendwie halt so machen, beschäftigen uns jeder irgendwie alle dann naturgemäß wieder irgendwas. Oder ein Kind hat in der Situation was gewollt, oder es musste irgendetwas anderes, das Telefon hat geklingelt, oder irgendetwas ist, und oftmals lässt sich das dann nach zwanzig Minuten oder ein, zwei, drei Tage später wieder deutlich besser besprechen, oder die Situation hat sich irgendwie von selbst gelöst und es ist plötzlich gar kein Problem mehr. #00:21:04-9#

PETER: Okay. Gab es bei euch eine Situation oder mehrere Situationen, wo ihr euch gefragt habt: Ist es bei anderen auch so? Oder ist es nur bei uns so? #00:21:17-2#

NINA: Das frage ich mich täglich, also stündlich zum Teil, je nachdem. Also witziger Weise fragt man sich das ja nie in den schönen Situationen und in den friedlichen Situationen, weil da klopft man sich ja selbst auf die Schulter und sagt: „Was sind wir für großartige Eltern, und guck mal wie süß die sind, und wie lieb sie sind!“, und wenn die Kinder sich toll benommen haben, und der Urlaub ist wunderschön, aber gerade immer in dem Augenblick, in dem irgendetwas aus dem Ruder läuft, kommt diese riesen Unsicherheit, und da mit Kindern ständig eigentlich irgendetwas unerwartet ist, frage ich mich das quasi täglich, ob das bei den anderen eigentlich auch so ist. Und es ist wahnsinnig befriedigend und beruhigend, wenn so eine Komplizenschaft unter Eltern, wenn das entsteht, also wenn man in Gruppen, vielleicht auch von Menschen, die man gar nicht kennt, wenn die so ehrlich irgendwie dazu stehen, wie sie irgendwie mit dem schreienden Kind auf dem Parkplatz oder an der Supermarktkasse oder irgendwie sowas, wie sie da eigentlich in dem Augenblick überhaupt gar nicht wussten, was sie jetzt machen sollen, oder da auch falsch reagiert haben.

Also Mut zu diesen Eltern-Fails tut total gut, weil, wenn man das im Internet so liest, dann schreibt jemand im Internet in einem Forum eine Frage: „Wie würdet ihr, die und die Situation gab es, wie würdet ihr die lösen oder ich bräuchte hier mal Hilfe.“, dann wird derjenige oft total auseinandergenommen, dass er überhaupt in diese Situation geraten ist, anstatt dass ihm wirklich Hilfe angeboten wird.

So von wegen: „Ja, selber schuld, wenn man schon so und so mit einem müden Kind so und so schon irgendwo hingeht.“ Also da sind Eltern, finde ich, extrem heftig untereinander, dieses Urteilen übereinander und nichts tut so gut, wie das Gefühl, wenn Eltern irgendwie zugeben, dass sie eben irgendwo auch mal völlig falsch lagen und andere daran irgendwie teilhaben lassen an ihrer Überforderung oder auch an ihrem falschen Urteil.

Das habe ich am Anfang schon gesagt, dass ich mir eigentlich bei nichts mehr sicher bin, was ich mache und dass ich die Sicherheit entwickeln muss, dass das irgendwie auch okay ist, nicht mehr sicher zu sein. #00:23:28-3#

PETER: Also, ich habe das selber sehr entlastend empfunden, in dem Augenblick, also wenn andere auch erzählt haben: „Oh, bei uns ist das nicht so gut oder jenes nicht so gut.“ (Dachte ich), oh ja, bei uns auch. Ist super, wir sind nicht so ganz schräg. (lacht) #00:23:45-2#

NINA: Ja, total, total! Und dass auch andere ja auch schon zwanzig Sachen ausprobiert haben, und nur weil das bei dem einen funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass es bei uns zu Hause funktioniert. Aber allein dieser Austausch hilft halt immens. Also gerade, wenn man dann so Eltern trifft, wo man denkt: „Mensch, ihr habt aber gut erzogene Kinder, und die haben auch immer saubere Hände, und die sind immer so adrett angezogen, und die werfen im Restaurant auch gar nicht mit Essen, und die schreien auch nicht die ganze Zeit. Wie macht ihr das denn?“

Wenn die dann irgendwie so ganz banal / habe ich einmal eine Mutter irgendwie getroffen, die gesagt hat: „Ja, wir haben die im Auto mit Süßigkeiten bestochen und haben gesagt, wenn sie sich hier ganz, ganz mega toll benehmen, dürfen sie heute Abend alles an Süßigkeiten ich sich reinfuttern.“ Und das fand ich so erfrischend! Das war so: „Ah, du hast sie mit Süßigkeiten bestochen!“ Das war so, so nett, und das sagte sie irgendwie so mit so einem Augenzwinkern, und das hat unheimlich gutgetan, dass sie halt nichts Überhebliches gesagt hat, wie: „Ja, also Erziehung ist einfach eigentlich einfach eine Frage der Einstellung.“ Wo man denkt: Hilft mir halt überhaupt nicht weiter, weil ich die eigentlich habe, die gute Einstellung. #00:24:55-0#

PETER: Du hast am Anfang erzählt, dass du dich, bevor das erste Kind auf die Welt kam, informiert hast, und gab es da vorher oder auch während, also als die Kinder schon da waren, ein Buch oder ein Hörbuch, was dir geholfen hat in manchen Situationen? #00:25:10-8#

NINA: Mhm (bejahend). Also, vorher habe ich irgendwie ja ganz viele, glaube ich, so Standardbücher, die so alle Mütter lesen. Also eher so, was muss ich alles anschaffen, so, und ich habe auch ganz viel gegoogelt und so, was ich alles kaufen muss und so. Das hat also nur bedingt geholfen, weil 80 Prozent von den Sachen braucht man ja eigentlich überhaupt nicht, weiß man aber vorher auch nicht.

Mir hat eigentlich erst später, das ist tatsächlich auch eine Kieler Autorin, die hier auch so Seminare macht, dieses Buch habe ich mir mal gekauft und das war schön, das hieß „Von der Kraft liebevoll zu erziehen und dabei gute Laune zu bewahren“, oder irgendwie sowas. Das habe ich da mal liegen sehen und dieser Satz: „und dabei gute Laune zu bewahren“, das hat mich angesprochen, weil Erziehung für mich immer irgendwie so viel mit schlechter Laune irgendwie zusammenhing im Kopf, und ich so: „Ach echt, man kann gute Laune haben und erziehen?“ Schön, ich habe eigentlich voll oft schlechte Laune. #00:26:01-5#

PETER: (unv.) #00:26:03-4#

NINA: Ehrlich? Sodass man, man hat ja viele Mütter, ich ja auch, haben ja auch oft so das Gefühl, da irgendwie so eine motzende Ätzmutter zu sein irgendwie, und die anderen Mütter sind immer so nett und nur man selbst ist irgendwie fies zu den Kindern. Dieser Satz hat mich damals total angesprochen, und das Buch war schön, die hat so ein paar wirkliche Situationen auch aufgeführt, und wie sie damit umgegangen ist und jetzt in jüngster Zeit „Das gewünschteste Wunschkind“ von Katja Seide. Das geht auch ganz, ganz toll in diese Richtung, die auch so ganz so Situationen beschreibt in einer coolen Sprache, die so alle Eltern kennen, wie man auch so aus einer Sackgasse wieder herauskommen kann, in die man sich mit Kindern so hineinmanövriert hat. So plötzlich. Also die beiden Bücher haben tatsächlich, jetzt bezogen auf Kinder, mir wirklich / ja, das hat gut getan die zu lesen. #00:27:00-4#

PETER: Okay. Du hast auch einen Blog. #00:27:03-2#

NINA: Ja. #00:27:05-1#

PETER: Erzählst du uns was in zwei, drei Sätzen. Um was geht es da, wie ist es dazu gekommen? #00:27:10-8#

NINA: Mhm (bejahend). Der Blog heißt „Juramama.de“, ich habe, meine Tochter war da gerade eineinhalb, zwei, und ich hatte so die Kapazität wieder, ich habe auch im Büro wieder viel gearbeitet zu der Zeit, und ich habe immer schon gerne geschrieben, und dachte so, Mensch, eigentlich gibt es noch keinen / Es gibt im Internet ganz, ganz viele Fragen zu so rechtlichen Themen, aber die werden immer irgendwie, ja, so ernst irgendwie beantwortet, oder irgendwie gefiel mir das alles nicht, und da dachte ich, ich mache das einfach selber.

Und habe so Alltagssituationen, die Eltern haben, die rechtliche Relevanz haben, also wie ist das eigentlich, wenn die Kinder den Überraschungseierturm umrennen oder was ist, wenn, ja, wie können wir irgendwie auch Geschenke irgendwie wieder zurückgeben, so fing das an. Und der wurde dann sehr schnell sehr viel gelesen, weil das auch lustig geschrieben war, und irgendwann bekam er dann auch so eine gesellschaftspolitische Tendenz, weil ich mich dann mehr mit größeren Themen auseinandergesetzt habe, wie dem Hebammenmangel und den Situationen in den Kliniken.

Und auch viel, ich bin Fachanwältin Arbeitsrecht, also dann auch tatsächlich meine Leser da hinter die Kulissen blicken lassen, wie das eigentlich wirklich vor Gericht zum Teil läuft, und dass sie manchmal mit ihrem Eindruck gar nicht so falsch liegen, dass die Kinder auch beruflich ganz oft ein Hemmschuh sein können, und dass das gar nicht irgendwie an ihnen liegt, so wirklich. Und das hat vielen Eltern und auch vor allem Müttern, Mut gemacht, sich nicht so alleine zu fühlen, und dadurch wurde der Blog dann tatsächlich immer erfolgreicher und irgendwann wurde da das Buch daraus. (lacht) #00:28:48-0#

PETER: Sehr schön, sehr schön. Ich finde ihn sehr spannend geschrieben. #00:28:52-8#

NINA: Schön, das freut mich #00:28:56-1#

PETER: So bin ich auch an dich herangekommen, weil mir der Blog gefallen hat. #00:28:58-3#

NINA: Schön, das freut mich #00:29:00-3#

PETER: Und ich werde natürlich die Bücher und auch deinen Blog in den Shownotes verlinken. Was noch als letzte Frage, was mich noch interessieren würde, was sollten deiner Meinung nach werdende Eltern unbedingt wissen? #00:29:13-1#

NINA: Ja, das ist es immer, ich fand das damals so schwierig, wenn alle immer mich an ihrem Wissen irgendwie teilhaben lassen. Also tatsächlich, da würde ich gerne eher beruflich sprechen, und weil ich das selber so nämlich auch nicht gemacht habe. Sie sollten wissen, dass klare Kommunikation, was man eigentlich nicht nur im Kleinen, im Familienleben, sondern was man groß, also wenn man im Beruf ist und irgendwie denkt, ich will da wahrscheinlich auch wieder zurück, oder ich möchte da wieder zurück, immer da mit dem Partner im Gespräch zu bleiben, wie die Aufteilung sein soll.

Man ist schwanger, man freut sich so sehr auf dieses Baby und man möchte so unbedingt diese Mutterrolle und vergisst dann aber ganz schnell diesen anderen Teil der Persönlichkeit, der nicht Mutter ist und denkt, weil die Hormone das vielleicht auch machen, dass man sich dann da erstmal so reinstürzt, dass man aber auch noch ein anderer, eine Persönlichkeit ist, die jetzt nicht nur mit Kindern zu tun hat oder mit den Kindern selber zu tun hat, dass man da Pläne frühzeitig macht.

Also das hätte ich mir selbst / da hätte ich gerne mehr Druck gehabt in der Richtung, dass wir uns da klarer positionieren in den Möglichkeiten, die wir damals hatten, oder was wir damals übersehen haben. Da haben wir überhaupt nicht darüber, nein, überhaupt nicht gut darüber gesprochen damals, und das hat dann später, ja, auch zu Konflikten geführt. Also das würde ich Eltern heute mitgeben so: „Klärt das früh ab, wie ihr euch das Familienleben aufteilen möchtet, wie ihr das mit den Kindern machen möchtet. Und wenn ihr das ganz klassisch konservativ machen wollt, und das eure Überzeugung ist, dann lasst euch da nicht davon abbringen, dann ist das toll und schön und hört nicht auf die anderen. Wenn ihr es anders machen wollt, dann findet euren Weg, und wenn du zwei Wochen nach der Geburt wieder arbeiten gehen möchtest oder berufstätig sein möchtest, dann mache das und höre nicht auf die anderen.“ So, das ist das Wichtigste so selber seinen Weg von Anfang an zu finden. #00:31:16-8#

PETER: Okay das ist eine schöne und klare Ansage an alle Eltern, finde ich sehr schön. (lacht) Kann ich nur befürworten. #00:31:25-5#

NINA: Würdest du das auch so sehen als Profi?   #00:31:28-2#

PETER: Würde ich auch so sehen, ja, als Profi, als Profipapa. #00:31:29-3#

(lachen)

NINA: (unv.) #00:31:30-6#

PETER: Was wie? #00:01:33-2# #00:31:34-9#

NINA: Du bist ja woanders Profi, ich hätte jetzt ja hundertmal sagen können, „ja, und ist das richtig oder bin ich hier völlig auf dem falschen Weg?“ Du bist ja Profi! So in Erziehungs- und Eltern- und Paarsachen und sowas, dass ich mir denke: Oh Gott, der Typ denkt sich bestimmt die ganze Zeit: „Oh Gott, das wird nichts mit den Straßners“. (lacht) #00:31:53-2#

PETER: Nein, überhaupt nicht, überhaupt nicht. Ich finde gerade eben diese andere Seite viel spannender, also was Eltern erzählen und nicht, was die Profis so erzählen. Weil die Eltern sprechen aus dem Leben, aus ihren Erfahrungen, und es gibt eben nicht die Familie und es gibt nicht die Eltern, oder das Kind. Es ist immer sehr individuell und das muss man sich immer vor Augen halten, eben bei anderen ist es auch so. #00:32:15-9#

NINA: Ja, auch halt bei anderen ist es auch so anders. #00:32:19-6#

PETER: Genau, oder so, das ist noch besser. #00:32:24-5#

NINA: Ja, es ist so bei den anderen ist es auch so, aber trotzdem aus völlig anderen Gründen vielleicht, also so wenig wie die eigenen Geschwister vergleichbar sind, wenn man mehrere Kinder hat, denkt man, wie können diese Kinder im selben Haus mit denselben Eltern aufwachsen, im selben Bauch groß geworden sein, wie kann das sein, wie können Menschen so unterschiedlich sein?

Und auch auf Erziehungsansätze so unterschiedlich reagieren, auf Eltern so unterschiedlich reagieren, also das wundert mich auch jeden Tag bei unseren Kindern. Dann kommen die anderen noch dazu mit ihren individuellen Kindern, wenn ich mir dann vorstelle, ich bin Lehrerin und müsste alles irgendwie unter einen Hut bringen, ich glaube, da ziehe ich jeden Tag den Hut. (lacht) #00:33:00-6#

PETER: Ja ich auch. Genau. Okay Nina, wir sind schon über 30 Minuten. #00:33:07-3#

NINA: Ja, schön! #00:33:08-8#

PETER: Ich möchte mich gerne bei dir bedanken, dass du dir Zeit genommen hast, und dass du uns erzählt hast von deinem Leben, von deinen Erlebnissen in deiner Familie mit den beiden Kindern. Danke für die Offenheit und die klaren Worte. #00:33:22-4#

NINA: Ja, schön. Es hat mir auch sehr viel Spaß gemacht. Tut auch mal gut. #00:33:26-6#

PETER: Freut mich und liebe Grüße nach Kiel! #00:33:30-0#

NINA: Ja, liebe Grüße zu euch! Dankeschön fürs Gespräch! #00:33:33-8#

PETER: Ciao! #00:33:34-5#

NINA: Tschüss! #00:33:34-8#

Katja Grach: Ich war oder bin ein Workaholic [023]

Katja Grach

Sollen wir Zeit miteinander verbringen oder lieber putzen? Das sind dann Dinge, auf die wir nicht vorbereitet waren.

 

Katja erzählt im Interview:

  • Plötzlich entscheidest du wirklich für einen anderen Menschen und das kann dir niemand abnehmen.
  • Ich habe mir gedacht, als absoluter Workaholic, ich gehe sofort wieder arbeiten.
  • Als unser Sohn in die Krippe gegangen ist, war auf einmal dieser Organisationsaufwand und dieses Es-darf-nichts-dazwischen-kommen, druck da.
  • Ich bin dann ein halbes Jahr gependelt und habe mir dann einen anderen Job gesucht. Und meine Jobs danach an Kinderbetreuungssituationen angepasst.
  • Die Zeit als Paar ist immer mehr verschwunden.
  • Und irgendwann ist man nur mit dem Kind beschäftigt und Fragen tauchen auf:
    Soll man sich einen Babysitter holen?
    Wie viel Geld ist man bereit auszugeben, um gemeinsam ins Kino zu gehen?

 

Aber jetzt endlich zum Podcast!


Katja Grach: Ich war oder bin ein Workaholic [023] jetzt hören

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Shownotes:

krachbumm.com  – Lifestyle, Sex & Elternschaft ist ein Blog über Sexualität in allen Facetten – ob zwischen den Eltern oder wie mensch mit den Kindern am besten drüber redet, Verhütung, Prävention sexualisierter Gewalt oder auch die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität der Kinder. Es geht um Unbesprochenes, Vergessenes, Ignoriertes und überhaupt die blinden Flecken des Erwachsenenlebens mit und ohne Kind. Manchmal unterhaltsamer, manchmal auch nur aufwühlend.
Zu den Links:

www.krachbumm.com
www.umstandslos.com
www.liebenslust.at/blog

http://www.safe-programm.de/
http://kleinerdrei.org/2017/04/kleinercast-folge-16-lets-talk-about-sex-im-gespraech-mit-der-sexualpaedagogin-katja-grach/


Katjas Lesetipps:


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Mein heutiger Interviewgast bei Eltern Podcast ist Katja aus dem wunderschönen Graz in Österreich. Hallo, Katja. #0:00:09-4#

KATJA: Hallo. #0:00:11-7#

PETER: Liebe Katja, erzähl uns doch erst einmal, wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast. #0:00:16-6#

KATJA: Also ich bin eigentlich Sexualpädagogin, komme aus der Erwachsenenbildung. Also die Vermittlung von Bildung ist ein ganz wichtiges berufliches Thema von mir, und ich schreibe auch einen Blog im Internet, der sich nennt: Krach.com – Lifestyle, Sex und Elternschaft – wo ich eben genau diese Themen versuche zu vermitteln. Und ich bin Mutter eines dreieinhalbjährigen Sohnes. #0:00:47-2#

PETER: Ich finde es nur spannend, weil ich habe dich eben über deinen Blog gefunden und den finde ich wirklich sehr, sehr interessant, vor allem auch, weil das Thema Sexualität oft, sage ich jetzt einmal, ein Tabu-Thema ist für unsere Gesellschaft (lacht). Und ich finde, du machst das auf eine sehr, sehr erfrischende Art und Weise. #0:01:04-6#

KATJA: Danke sehr (lacht). #0:01:07-0#

PETER: Und ich kann es wirklich jedem empfehlen, diesen Blog anzuschauen. Was mich interessieren würde, ist, was hat sich durch deine Kinder in deinem Leben verändert? #0:01:17-0#

KATJA: Also der erste große Brocken war so dieses Gefühl von Verantwortung, also man hat ja vor Kindern immer wieder schon einmal das Gefühl, dass man für bestimmte Dinge her Verantwortung übernimmt, ob das jetzt im beruflichen Kontext ist oder für ein Haustier oder was auch immer, aber diese so Lebensentscheidungen zu treffen für so einen kleinen Menschen, also geht es jetzt um ja, impfen, nicht impfen, das ist ja also ein ganz ein großes Elternthema, aber auch sonstige ärztliche Behandlungen. Also du entscheidest ja wirklich für einen anderen Menschen und das kann dir niemand abnehmen. Da habe ich schon ein bisschen eine Ehrfurcht bekommen (lacht), also, was das bedeutet. #0:01:59-8#

PETER: Ja und war das speziell in diesen Entscheidungsfragen eben Impfen oder hast du das auch an anderen Dingen gemerkt? #0:02:05-4#

 

KATJA: Ja, auch. Auch, weil, ich weiß nicht, wie hoch lasse ich das Kind fiebern (lacht), wann gebe ich welche Medikamente? Solche Sachen, aber auch einen Kinderkrippenplatz oder Kindergartenplatz zu suchen, weil natürlich, wenn andere Personen das eigene Kind betreuen, die ja sehr, sehr viele Stunden mit dem verbringen und das Kind eben auch mitprägen. Und das entscheide ich natürlich auch mit. Was wünsche ich mir für ein Umfeld für mein Kind und eben, was wünsche ich mir und was möchte ich auch nicht haben? #0:02:45-5#

PETER: Genau. Da bekommt die Verantwortung eine ganz neue Dimension, das stimmt, ja (lacht). Wie war das im Bereich Arbeitsleben? Also was hat sich da für dich verändert? #0:02:56-4#

KATJA: Ich war ja ganz naiv. Also ich habe mir gedacht, ich gehe ja gar nicht in Elternzeit. Also in Österreich gibt es ja die Möglichkeit, bis zu drei Jahre zu Hause zu bleiben gegen Karenzgeld, und meine eigene Mutter war nur im Mutterschutz diese paar Wochen vor und nach der Geburt und die war nie wirklich in Karenz. Hat natürlich schon gearbeitet, aber nicht so viel, und das ist irgendwie mit Kinderbetreuung gut ausgegangen. Ich habe mir gedacht, als absoluter Workaholic, ich gehe sofort wieder arbeiten und Teilzeit und ich brauche das. Und dann war ich sehr froh, dass ich aufgrund meines Kaiserschnitts ein paar Wochen länger zu Hause bleiben durfte und diese Entscheidung hinausschieben konnte, und habe dann gemerkt so, puh, das wird nicht so funktionieren, anstatt Teilzeit doch lieber nur geringfügig.

Und selbst das war mir eigentlich zu viel, vor allem ich musste pendeln. Also ich hatte einen Arbeitsweg von ein bisschen mehr als einer Stunde zu bewältigen in eine Richtung und mein damaliger Partner und ich haben uns ausgemacht gehabt, wir machen halbe-halbe, das erste halbe Jahr bin ich zu Hause bei unserem Sohn und dann ist er zu Hause. Und dieser Wiedereinstieg war dann schon schwierig, weil das war so irgendwie von Null auf 100 wieder, hat mir zwar gefallen, aber ich habe dann auch gemerkt, als unser Sohn in die Krippe gegangen ist dann, das ist unpackbar, also dieser Organisationsaufwand und dieses Es-darf-nichts-dazwischen-kommen, es darf auch kein Unfall passieren auf dieser Strecke zwischen Kinderkrippe und Arbeitsstelle, weil, wenn ich zu spät komme, dann geht sich alles nicht mehr aus und ich bin im Endeffekt um fünf Uhr Nachmittag so was von erschöpft, obwohl ich nicht viele Stunden gearbeitet habe, und es war unerträglich.

Also ich bin dann ein halbes Jahr gependelt und dann habe ich mir einen anderen Job gesucht. Und eigentlich meine Jobs danach angepasst an Kinderbetreuungssituationen und vor allem, was für mich gut funktioniert, um eine halbwegs ausgeglichene Mutter zu sein (lacht). #0:05:09-4#

PETER: (Lacht) Ja, okay. Genauso die Zeit für sich praktisch, die man auch braucht, um sich zu erholen. #0:05:16-2#

KATJA: Ja. Oder überhaupt einfach nicht so komplett geschlaucht dann zu sein von diesem ganzen Spießrutenlauf. Also ich habe das Gefühl, man hat so viele Wege, und das ist so wenig Zeit und möchte dann auch ansprechbar sein für sein Kind und wirklich Zeit mit ihm verbringen und nicht einfach genervt sein, wenn man eben so müde ist von anderen Dingen. #0:05:35-7#

PETER: Du hast gesagt, ihr habt so ein Modell gehabt, fifty-fifty, das heißt, das erste halbe Jahr warst du daheim und das zweite halbe Jahr war dein Partner. Und jetzt hast du erzählt, als du dann wieder berufstätig warst, das war so recht anspruchsvoll. Wie war das aber, als du daheim warst? #0:05:54-9#

KATJA: Wir hatten ausgemacht, dass die Person, die die Kinderbetreuung übernimmt, nicht automatisch die Hausarbeit übernimmt. Also die haben wir uns trotzdem geteilt, also war es jetzt, unter Anführungszeichen, nur die Kinderbetreuung. Das hat sowieso ganz gut gepasst, aber der Schock für mich war der, dass einfach, weil ich einer der Ersten war aus meinem Freundes- und Familienkreis, die ein Kind bekommen hat, niemand Zeit hatte für mich am Vormittag (lacht), weil alle in der Arbeit waren. Und wenn ich dann ein Kaffeetrinken-Date ausgemacht habe mit jemandem und das kurzfristig abgesagt wurde, dann war ich wild verzweifelt, weil mein Sozialkontakt für diese Woche ist einfach flöten gegangen (lacht).

Es war auch geprägt von einer gewissen Einsamkeit und wo einfach ein Austausch mit anderen erwachsenen Personen gefehlt hat, das habe ich schwierig gefunden. Und dass auch jemand die gleichen Sorgen und Nöte kennt wie man selber in der Situation. Es sind dann danach alle schwanger geworden, aber das hat ein bisschen gedauert (lacht). #0:07:09-0#

PETER: Aha, okay. Was hat sich für dich in der Beziehung zu deinem Partner verändert durch das Kind? #0:07:15-7#

KATJA: Das ist eine schwierige Frage, wir sind ja mittlerweile getrennt (lacht). Ich würde das jetzt nicht auf das Kind zurückführen, auch wenn die Trennungsrate innerhalb vom ersten Lebensjahr relativ hoch ist bei vielen Paaren. Bei uns hat es andere Gründe gehabt, aber das, was das Schwierige war, ist, dass auf einmal aus einer Zweierbeziehung eine Dreierbeziehung geworden ist und darauf waren wir nicht vorbereitet.

Und diese Zeit als Paar, die ist eben auch immer mehr verschwunden, und dass man sich die bewusst einteilen muss, war uns nicht so klar, und mit Schlafensgehenzeiten und Mittagsschlaf, der dann auch einmal wegfällt, und irgendwann ist man dann nur mehr mit dem Kind beschäftigt, und soll man sich jetzt einen Babysitter holen, wie viel Geld ist man bereit auszugeben, um gemeinsam ins Kino zu gehen und dann noch jemanden zu zahlen? Also das ist dann immer so, hm, sollen wir Zeit miteinander verbringen oder sollen wir lieber sparen? Sollen wir Zeit miteinander verbringen oder lieber putzen? (lacht) Das sind dann Dinge, auf die wir nicht vorbereitet waren. Das verändert sich sehr stark, ja. Damit haben wir nicht gerechnet. #0:08:37-1#

PETER: Okay. Und was war für dich jetzt so als Mama die größte Herausforderung? #0:08:43-0#

KATJA: Meinem eigenen Anspruch gerecht zu werden und diese / also ich habe ja vorher Geschlechterforschung studiert und mir waren ja diese ganzen Klischees und Stereotypen durchaus bewusst, aber mit der Mutterrolle ist dann noch einmal ein riesiger Brocken dazugekommen und so viele Zuschreibungen und so viele Erwartungen aus so vielen unterschiedlichen Richtungen und da irgendwie so seine eigene Linie zu finden, zu der man dann auch steht und sich nicht verunsichern zu lassen, das war für mich das Schwierigste. #0:09:23-4#

PETER: Und wie hast du das letztendlich gemacht? Also es ist ja so, es gibt ja so schwierige Situationen, aber dann sucht man nach Lösungen oder man löst sie dann einfach für sich und wie hast du das gemacht? #0:09:33-8#

KATJA: Ich habe mich nur mehr mit Menschen gleicher Meinung umgeben (lacht). Nein und leben und leben lassen. Also ich finde es dann auch schwierig, dass man selber nicht anfängt, beim anderen herumzumeckern, dass man quasi dann meint, man selber macht es am richtigsten und die anderen machen das nicht so richtig.

Nein, aber ich habe es sehr hilfreich gefunden, dass es irrsinnig viele Blogs im Internet gibt zum Thema Elternschaft, unterschiedliche Blogs, und ich habe mir einfach die rausgesucht, wo ich das Gefühl habe, da ticken die Eltern ähnlich, und die / Wie heißt sie denn, jetzt weiß ich nicht ihren Namen, von „Geborgen Wachsen“? Mir fällt ihr Vorname nicht ein. Sie spricht öfter einmal so von einer Elterncommunity, weil eben so dieses Zusammenleben in Großfamilien ein bisschen abhandengekommen ist und wo wirklich sich sowieso alle einmischen auch bei der Erziehung, aber diese Elterncommunity im Internet, die füllt diesen Platz aus und da habe ich mich auch sehr gut aufgehoben gefühlt.

Immer wieder einmal zu sehen, was passiert bei denen, was gibt es für Tipps für diese und jene Situationen und wie hält man auch diese Fragen aus von Personen anderer Generationen, die ständig hinterfragen, ist das jetzt gescheit, im Familienbett zu schlafen, oder wie lange kann man zusehen, dass das Kind noch immer eine Windel trägt oder nicht? Und das ist sehr rückenstärkend für mich einfach auch. #0:11:05-0#

PETER: Ist ein guter Hinweis, finde ich, sich da wirklich zu vernetzen oder sich auch die Infos zu holen. Du hast vorhin aber noch etwas erwähnt, wo ich gerne nachhaken würde, und zwar, die eigenen Ansprüche, die man hat. Wie bist du damit umgegangen? Oder wie bist du die Ansprüche losgeworden so? (lacht) #0:11:26-3#

KATJA: Ich bin sie noch nicht ganz losgeworden, aber der Jesper Juul sagt, glaube ich immer, Eltern sind eben auch Menschen und keine Schaufensterpuppen. Und insofern gibt es natürlich Tage, an denen ich trotzdem sehr genervt bin und eine sehr kurze Zündschnur habe, und ich denke mir, das darf auch sein. Also Eltern müssen nicht immer gut gelaunt sein, sondern die haben eben jedes Spektrum von Gefühlen wie Kinder auch und ich versuche das eben meinem Sohn auch zu erklären und mich auch zu entschuldigen, wenn ich mich elternunadäquat verhalte (lacht). So gehe ich damit um, aber es darf auch sein, weil. wir sind eben Menschen, wir sind nicht perfekt. Geht eben nicht. #0:12:13-7#

PETER: Mhm (bejahend), das stimmt. Du hast vorhin erzählt über eure Rollenaufteilung, das sei so, zuerst warst du ein halbes Jahr daheim, dann dein Partner, wie hat das Umfeld darauf reagiert? #0:12:25-0#

KATJA: Teilweise irritiert, teilweise haben sie von uns sowieso nichts anderes erwartet. Man muss allerdings dazu sagen, dass das eben / okay, zu Hause oder in der Arbeit, das ist eine Rahmenbedingung, das sagt aber noch nichts über die Aufteilung von Haushalt und so weiter tatsächlich aus (lacht), weil, auch wenn wir vorher geglaubt haben, wir sind total gleichberechtigt in der Beziehung, haben sich trotzdem total traditionelle Rollenmuster eingeschlichen, sobald das Kind geboren war (lacht), an denen wir auch geknabbert haben.

Aber was eben überraschend oder, überraschend ist es sowieso nicht, aber was eben teilweise nervig war, dieses, sobald mein Partner zu Hause war: Ja, und wie großartig, dass der das macht und so weiter und sofort. Und im Endeffekt erwarte ich mir eben auch von einem Elternteil, dass es die Verantwortung für das Kind übernimmt. Und es ist eher jetzt so, wo unser Sohn also einmal bei ihm wohnt und einmal bei mir wohnt, wo wir das aufgeteilt haben, dass er halt nie danach gefragt wird, wo das Kind ist oder wie es jetzt betreut ist, aber ich ständig diese Fragen bekomme, egal, ob ich auf einem Berggipfel bin oder bei einem Begräbnis: Ja, und wo ist jetzt das Kind (lacht)? #0:13:48-7#

PETER: Ja, das ist wirklich sehr spannend, weil das ist noch sehr verhaftet in unserer Gesellschaft (lacht), das Kind-und-Mutter-muss-zusammen-sein. #0:13:57-3#

KATJA: Ja, 24 Stunden am besten (lacht). #0:14:00-9#

PETER: Genau. Wie habt ihr das eigentlich gemacht bei unterschiedlichen Erziehungsansichten? Oder wie macht ihr das heute noch? #0:14:09-6#

KATJA: Puh (lacht). Ich weiß nicht, ob ich so viele unterschiedliche Erziehungsansichten zulasse, muss ich ganz ehrlich sagen (lacht). Nein, grundsätzlich ticken wir sowieso ähnlich und ich bin eben schon diejenige, die sich jetzt da mehr auch mit Ratgeberliteratur und so weiter, oder mit Blogs eben eingelesen hat, und ich eben dann Argumente dafür bringe, warum und wieso wir dieses und jenes so machen sollten.

Und wenn es andere Meinungen gibt, dann diskutieren wir darüber, aber es ist für mich auch absolut in Ordnung, dass, wenn mein Sohn beim Papa ist, dass manche Dinge eben einfach anders laufen, und es ist auch gut so. Also es ist ja auch bei Oma und Opa, gibt es eben manchmal andere Regeln, und ich denke mir, die Menschen sind so unterschiedlich und jeder macht verschiedenes, nur Grund dessen, was mir am allerwichtigsten ist, ist, dass unser Kind die Möglichkeit hat, sich einfach so frei wie möglich zu entfalten und dass es nicht in eine Richtung gedrängt wird, von wegen richtiger Junge, weil jedes Kind mit seinen Eigenschaften und Talenten richtig ist, so wie es ist.

Und da braucht man nicht extra einen Stempel draufdrücken, also das ist eher so unser Thema, unser beider Thema. Und wo wir aber auch immer unsere eigenen Klischees und Vorurteile hinterfragen müssen, wo wir dann auch merken, wo es dann plötzlich nurmehr Spielzeug gibt, das in eine Richtung geht und der Papa dann nur noch Lego baut mit dem Sohn und ich anfange zu basteln, also, ob wir das dann auch wieder einmal aufbrechen, da müssen wir uns dann beide bei der Nase nehmen, aber sonst ist es jetzt nicht so unterschiedlich. #0:16:06-4#

PETER: Ich frage jetzt trotzdem ein bisschen nach (lacht), und zwar, das ist ja, so, wie du das beschrieben hast, klar, du hast deine Ansichten, dein Mann hat seine Ansichten und dann habt ihr so darüber diskutiert und habt euch irgendwie geeinigt, aber ich kann mir vorstellen, dass es trotzdem Situationen gab, wo zum Beispiel ihr zusammen wart, und das mit eurem Sohn, und dein Mann hat etwas gemacht, was du vielleicht nicht so toll gefunden hast. Was habt ihr konkret in der Situation / wie habt ihr das da gelöst? #0:16:35-7#

KATJA: Ich muss sagen, durch die Trennung gibt es so ein Leben davor und danach und ich kann mich an das Davor gar nicht mehr so richtig erinnern (lacht). Aber in unserer Familie waren andere Themen immer viel schwerwiegender in Erziehungsfragen als so diese klassischen Kleinigkeiten, die Süßigkeiten und so betreffen, weil, was man auf meinem Blog eben auch findet, ist, dass mein Expartner eine psychische Erkrankung hat und ich mir sowieso sehr viel mit dem Thema sexualisierte Gewalt beschäftige und Prävention.

Und eigentlich unser beider Fokus immer so darauf war, wie können wir Erziehung gestalten, oder das Begleiten unseres Kindes gestalten, dass das weder Opfer noch Täter wird? Und da war immer so stark unser Fokus auf diese Geschlechter-Themen und weniger auf: Wird jetzt heute noch Zähne geputzt oder nicht?

Ich bin da schon die strengere, aber ich kann es auch aushalten, wenn einmal etwas nicht so gemacht wird, und versuche dann mit meinem Expartner, oder damals mein Partner, das eben dann zu klären. Nicht vor dem Kind, weil das finde ich auch nicht gescheit, wenn man sich so gegenseitig dann ein bisschen in die Schranken weist, weil die Kinder ja auch merken, wie man die Eltern gegeneinander ausspielen kann. Aber nein, mir fällt gar nichts mehr ein und eben, es kommt mir schon so lange her vor (lacht). So wie das Leben vor dem Kind, an das kann ich mich auch kaum noch erinnern (lacht). #0:18:15-1#

PETER: (Lacht) Okay. Was mich noch interessieren würde, welche Fähigkeiten oder Stärken hast du entwickelt oder neu entdeckt durch das Mama-Sein? #0:18:25-9#

KATJA: Viel mehr Aufmerksamkeit für kleine Dinge. Also was ja Kinder so haben, da finden sie einmal ein Schneckenhäuschen und da ist eine Ameise und ein Käfer und so weiter, und ich gehe jetzt auch schon mit diesem Blick durch die Welt und sammle ständig Schneckenhäuser (lacht), und habe mir wirklich / also ich bin eben so eine, die sehr aktiv ist und sehr viel in kurzer Zeit weiterbringt, wenn sie möchte, und mein Sohn hat da sehr viel Tempo rausgenommen und ich habe wieder so gelernt mir wirklich Zeit zu nehmen, mich einzulassen auf Momente, und dass es absolut in Ordnung ist, wenn der Weg vom Kindergarten nach Hause eine Stunde dauert, auch wenn er in zehn Minuten zu bewältigen wäre, und dass wir einfach gemeinsam die Welt entdecken.

Das hat für mich einen großen Gewinn, weil es mich auch ein bisschen runterbringt von meinem persönlichen Stress-Level. Und dann habe ich mich beruflich eben auch immer wieder damit beschäftigt gehabt, wie man komplexes Wissen möglichst einfach jemandem erklärt, der nichts mit dem Thema zu tun hat, und das ist auch etwas, wo ich gerade merke mit meinem Sohn, puh, wie erkläre ich ihm die Welt? Gerade ist das Thema Tod irrsinnig spannend, auf unterschiedlichsten Ebenen, und ich finde das total schwierig und herausfordernd, zu erklären, wie es denn mit dem Kämpfen ist und den Rittern, und dann gibt es aber Nachrichten über Krieg und dann möchte ich irgendwie nicht, dass er Panzer spielt und dann stirbt eine nahestehende Person und das hängt alles irgendwie zusammen.

Und wo ist so der Grat zwischen Überforderung und was kann man einfach so stehen lassen? Und da merke ich, dass ich mich einfach ständig weiterentwickle und eben dazulerne, dass man möglichst große Dinge ganz einfach erklärt. #0:20:24-0#

PETER: Und hast du da einen Tipp, wie man das macht, weil das finde ich schon eine Herausforderung (lacht). #0:20:28-5#

KATJA: Also bei uns war es, genau, das wollte ich sowieso sagen, jetzt ist es mir wieder eingefallen, eben auch wegen dem Thema psychische Erkrankungen und so. Es gibt ein paar Bücher, die sehr hilfreich sind. Das eine heißt: Was ist bloß mit Mama los. Und da kommt darin vor, dass in den Köpfen von Menschen, denen es eben nicht gut geht, weil sie Depressionen oder Borderliner oder was auch immer sind, wilde Tiere wohnen, und die sind manchmal so laut, dass man gar nicht richtig denken kann.

Und in diesen Phasen, wo eben quasi ein Elternteil weniger ansprechbar war, haben wir das auch versucht zu erklären und das hat wunderbar funktioniert. Und unser Sohn hat dann auch selber gesagt, ja, er hat auch ein kleines Monster in seinem Kopf, aber das ist immer fröhlich (lacht). #0:21:18-6#

PETER: Wie heißt das Buch noch einmal? #0:21:22-0#

KATJA: Was ist bloß mit Mama los? 0:21:24-0#

PETER: Ah, okay. #0:21:24-7#

KATJA: Und auch ein Buch, das wir total hilfreich gefunden haben, das heißt Mondpapas. Das habe ich auf dem Blog von „Mama arbeitet“ gefunden, da geht es um abwesende Väter und dass die eben so aussehen wie und Sachen tun wie ganz normale Papas, aber die sind eben auch abwesend, weil sie so in ihre Arbeit verstrickt sind oder weil sie eine andere Familie haben oder weil sie eben krank sind und deswegen eben nicht gut denken und fühlen können.

Und deswegen sind sie eben so sporadisch nur anwesend und man weiß nie genau, wann sie wieder kommen. Und da hat es eben Phasen gegeben, wo wir das Buch sehr gut verwenden konnten. Jetzt momentan haben wir sowieso keinen Mondpapa, aber das war auch wahnsinnig gut für ihn zu nehmen, und das ist für ein dreijähriges Kind super aufbereitet. Und ich bin ein großer Fan davon, Kindern wirklich alles zu erklären, gerade so diese Gefühlslagen von Eltern, weil sie neigen im Kleinkindalter extrem dazu, dass sie alles auf sich beziehen und meinen, sie wären schuld daran.

Und deswegen finde ich es wichtig, auch auszulagern und zu sagen, okay, da gibt es ein wildes Tier im Kopf (lacht), das ist dafür zuständig, dass es jetzt Mama oder Papa so geht, aber es ist nicht deine Schuld. Und wir müssen eben irgendwas machen, damit das wilde Tier jetzt schläft, und deswegen muss jetzt Mama oder Papa eben zum Arzt gehen oder eben einmal ein bisschen Sport machen gehen oder sich eben mit Freunden treffen und dann schläft das Wildtier auch. Und es ist total gut verständlich und nachvollziehbar. #0:23:09-5#

PETER: Super. Das finde ich einen sehr guten Hinweis oder guten Tipp diese zwei Bücher. Finde ich wirklich interessant, werde ich verlinken auf jeden Fall, in den Shownotes. Was mich noch interessieren würde, ist, normalerweise wird man recht gut darauf vorbereitet auf die Geburt und auf alles, was da so passiert, aber doch gibt es dann Dinge, die nach der Geburt passieren mit dem Alter, im Alltag mit dem Kind, die man so nicht erwartet hätte. Was war das bei dir? #0:23:44-3#

KATJA: Mit dem Kind weniger, aber bei der Geburt, was mir auch ganz ein großes Anliegen ist, ich habe es auf dem Blog noch nicht so drauf. Und zwar, also ich bin auch Safe-Mentorin, ich weiß nicht, ob dir das etwas sagt. Es gibt so eine sichere Ausbildung für Eltern, von Karl Heinz Brisch ist dieses Programm, und da geht es darum, Eltern darin zu unterstützen, dass sie eine sichere Bindung zu ihren Kindern aufbauen.

Also das ist so ein Programm, das schon mit schwangeren oder werdenden Eltern beginnt und ich habe diese Ausbildung auch gemacht und da ist eben auch so etwas, was mitschwingt, ob es Traumatisierungen gibt von den Eltern, die möglicherweise mit der Geburt des Kindes plötzlich wieder aktuell werden könnten, weil Kinder wunderbare Trigger sind.

Und gerade so frühkindliche Traumatisierungen auch gerne wieder einmal aufpoppen lassen, und Frauen die sexualisierte Gewalt erfahren haben, wissen oft nicht, dass das Geburtserlebnis an sich ganz viele alte Wunden aufreißen kann und werden auch nicht darauf vorbereitet. Und oft sind die Rahmenbedingungen gerade in Krankenhäusern jetzt nicht ideal, weil man sich einfach nicht in so einem sicheren Rahmen fühlt und Geburt ist sowieso Kontrollverlust und Naturgewalt auch oft ein bisschen.

Und so ein Geburtserlebnis kann dann plötzlich weit, weit über postpartale Depressionen hinausgehen und man hat so das Gefühl, man kann jetzt überhaupt nicht für das Kind in der Art und Weise da sein. Oder man fühlt sich einfach / es brechen ganz viele Dinge auf, die eben dann auch am guten Elternsein ein bisschen hindern, weil man so sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Und da gibt es nur relativ wenig dazu, außer ein Buch, von dem ich jetzt gerade überlege, wie das heißt. Es ist von der Tanja Sahib, ich glaube, es heißt: Es ist noch nicht vorbei. Und dreht sich um traumatische Geburtserlebnisse.

Das würde ich auf jeden Fall werdenden Eltern empfehlen und das Safe-Buch von Karl Heinz Brisch, weil man eben nie weiß, was macht das Erlebnis mit einem und auch, ich glaube, obwohl viele, viele Männer sich mutig in den Kreißsaal stürzen, wird trotzdem, glaube ich, wenig als Paar darüber gesprochen, wie jetzt die Geburt erlebt worden ist und wie viel Angst und Überforderung da auch ist auf beiden Seiten. #0:26:16-5#

PETER: Genau, ich erlebe das auch oft so, dass es heute wie Usus ist, dass man bei der Geburt dabei ist und dass man sich fast nicht traut, als Mann zu sagen, nein, das ich eben Angst davor habe oder ich mache mir Sorgen oder für mich ist das nichts. Und dann gibt es da recht spannende Erlebnisse, die Männer so berichten manchmal. #0:26:37-3#

KATJA: Ja, und auch, also ich denke mir, also ich habe mich aller Körperflüssigkeiten entledigt vor meiner Geburt (lacht) und ich glaube nicht, dass es so angenehm war für meinen Partner damals eben, mir diese Schüssel zu halten, während ich mich übergebe und einfach nichts tun kann und er auch nichts tun kann, aber man ist dann so beschäftigt mit: das Kind ist da, juchhu und Hauptsache gesund, dass man ganz vergisst dabei, wie war denn das Erleben jetzt überhaupt für beide? Haben wir das so verdaut und ich glaube aber, dass das irrsinnig zusammenschweißen kann, wenn man da ehrlich darüber spricht. #0:27:12-7#

PETER: Ja, das finde ich ein ganz, ganz wichtiges Thema. Du hast am Anfang erzählt, dass du einen Blog schreibst, wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass du angefangen hast einen Blog zu schreiben? #0:27:21-9#

KATJA: Ich habe 2009, 2010 eine Weltreise gemacht und den per Blog begleitet. Und weil ich immer schon gerne geschrieben habe und dann irgendwie von einem halben Jahr schreiben so begeistert war, habe ich nicht mehr aufhören können, habe dann angefangen Geschlechterforschung noch neben der Arbeit zu studieren, habe das auch mit einem neuen Blog begleitet, der dann so hier ist wie, gut, dann werde ich einmal Feministin (lacht).

Und in dieser Zeit habe ich viele andere Blogs kennengelernt und gemerkt, es gibt gerade, was Geschlechterforschung betrifft, so eine Elfenbeinturm-Diskussion und dann gibt es auch noch die Mama-Blogs, also die habe ich dann eben entdeckt, wie ich schwanger war, aber es gibt irgendwie nichts so dazwischen, oder für mich eben weniger, was irgendwie so ein verbindendes Glied wäre.

Und habe lange darüber gebrütet, wie denn das aussehen könnte. Und zu dieser Zeit sind eben die Autorinnen von Umstandslos, das ist ein feministisches Müttermagazin, ein Online-Magazin, auf mich zugekommen und haben gefragt, ob ich mitmachen möchte, und habe natürlich gesagt, ja, und da schreibe ich auch immer wieder einmal Gastbeiträge und habe dann das noch weiter gesponnen, weil das hat natürlich auch wieder eine bestimmte Zielgruppe, weil ich wollte nicht Feminismus draufkleben, weil das sehr viel Abwehr dann gleich einmal hervorruft, und habe mich dann auch immer mehr weitergebildet in Richtung Sexualpädagogik und Trauma-Prävention und Gewalt-Prävention und dann ist irgendwie daraus Krachbumm entstanden.

Und da mein Nachname, ist ja Krach, aber mit „G“ geschrieben, und den schreibt jeder falsch (lacht), und dann habe ich gedacht, okay, Krachbumm, das passt, das passt ein bisschen zu meiner Persönlichkeit und jetzt, wenn man so Tabus aufbrechen möchte, passt das auch ganz gut, ich stelle das jetzt einfach einmal online. Und habe dann einfach angefangen, die Themen, die mich studientechnisch beschäftigt haben, in den Weiterbildungen, aufzudröseln, also ich habe ja auch etwas über die Erfindung der Mutterschaft und des natürlichen Stillens und so drauf, aber genauso eben diese Gewalt-Präventionsgeschichten, aber auch Sexualität.

Das war mir wichtig, mit Themen zu kommen, die sonst nirgends verhandelt werden, und jetzt war ich das letzte Jahr sowieso ein bisschen faul unter Anführungszeichen, aber da waren einfach privat so viele Veränderungen, dass die Zeit dafür gefehlt hat, mir zu überlegen, womit ich wieder online gehe. Deswegen bin ich froh, dass du mich gefragt hast für dieses Interview. #0:30:02-8#

PETER: (Lacht) Okay. Ja, ich bin auf deinem Blog hängen geblieben, weil er eben anders ist wie andere Blogs (lacht). Und das hat mich sehr beeindruckt, und vor allem, weil du über diese Themen sprichst, die nicht so populär sind oder über die man nicht so spricht, und du machst es auf eine sehr, sehr angenehme Art und Weise. #0:30:23-8#

KATJA: Danke (lacht). #0:30:25-0#

PETER: Bitte. Ja, wir haben 30 Minuten fast vorbei. Ich möchte mich auf jeden Fall bei dir bedanken, dass du uns Einblick gewährt hast in dein Leben als Mama, in deinen Alltag, und wünsche dir alles, alles Gute für deinen Blog und für deinen Job und für dein Leben. #0:30:48-4#

KATJA: Danke sehr. #0:30:51-8#

PETER: Ja, tschau. #0:30:51-9#

KATJA: Tschau, auf Wiedersehen. #0:30:53-8#

 

Caroline Habekost: Finde dein Mama Konzept [022]

Carolin Habekost

Also ich hatte schon eine relativ realistische Vorstellung davon, wie das so werden könnte und hatte nicht damit gerechnet, dass dann so etwas kommt.

Caroline erzählt im Interview:

  • Also unsere Tochter hat die ersten vier Monate lang sehr viel geweint, sechs bis neun Stunden am Tag, und damit waren wir natürlich erst einmal total überfordert und haben uns beide Sorgen gemacht und Gedanken.
  • Okay, dann geht es jetzt einfach nur darum, wie können WIR damit möglichst gut überleben?“
  • Wir haben einfach auch dann, immer wenn die Kleine geschlafen hat, auch immer mit geschlafen, weil wir einfach so kaputt und erschöpft waren.
  • Ich hatte schon eine relativ realistische Vorstellung davon, wie das so werden könnte und hatte nicht damit gerechnet, dass dann so etwas kommt.
  • Nachdem diese ganz anstrengende Phase besser wurde, habe ich gemerkt, wie sehr mir arbeiten fehlt. Und das war für mich ein ganz großes Dilemma.
  • Hatte auch Spaß daran, mich mit Babybrei auseinanderzusetzen und soll man nun Brei geben oder nicht und hier und da und so. Und dann aber auch dieses Gefühl von, ich verpasse etwas auf der Arbeit, mir fehlt die Anerkennung in meiner Arbeit.
  • Freunde von mir, die noch keine Kinder hatten, sagten eher: „Und möchtest du nicht noch mehr arbeiten? Und gibst du jetzt wirklich die Stelle auf?“
  • Und von der Seite der Mütter habe ich eher gehört, so nach dem Motto: „Willst du jetzt schon so VIEL arbeiten?“
  • Es muss nicht immer ein großes Event sein. Es geht darum, dass wir uns einfach die Option geben zusammen zu sein ohne Kinder.

Aber jetzt endlich zum Podcast!


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Shownotes:

Finde dein Mama Konzept bietet Mamas in Elternzeit Online-Coaching an um Klarheit zu finden bei Fragen wie: Will ich wieder arbeiten gehen? Wann ist der passende Zeitpunkt für mich und meine Familie wieder arbeiten zu gehen? Wie kann ich sowohl bedürfnisorientiert mit meinen Kindern umgehen und auch meine eigenen Bedürfnisse leben?

www.modusvisionis-onlinecoaching.de

https://www.facebook.com/FindeDeinMamaKonzept


Carolins Büchertipps:

 


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Mein heutiger Interviewgast bei Eltern-Podcast ist Carolin aus Norddeutschland. Hallo Carolin. #00:00:06-4#

CAROLINE: Hallo. #00:00:07-4#

PETER: Erzähle uns doch erst einmal, wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast. #00:00:12-1#

CAROLINE: Ich bin 31 Jahre alt, bin verheiratet und habe zwei Kinder, die sind vier und zwei. Und ich arbeite inzwischen selbständig als Trainerin und Coach sowohl online als auch offline. Und offline mache ich mehr die Themen Präsentation und Moderation und online arbeite ich unter „Finde dein Mama-Konzept“, wo es darum geht, Mütter in Elternzeit zu unterstützen, ob und wann und wie und wo sie wieder arbeiten gehen möchten. #00:00:41-5#

PETER: Das hört sich spannend an, ich komme da später noch darauf zurück. Was mich aber als Erstes interessieren würde, wäre, was hat sich in deinem Leben verändert durch deine Kinder? #00:00:52-4#

CAROLINE: Ja, dass die Kinder letztendlich den Tagesablauf dominieren beziehungsweise eigentlich das ganze Leben. (Lacht) Weil vorher waren mein Mann und ich einfach beide voll berufstätig und hatten auch Hobbys und andere Themen, aber es gab nicht so dieses dominante Thema Kinder, wie es halt jetzt ist, ne? Die Kinder, wir haben Kinder, die früh aufstehen, leider. (Lacht) Also da fängt es schon einmal an, dass beide in den ersten zwei Lebensjahren immer um fünf wach geworden sind, wir schlafen gerne bis acht sonst. (Lacht)

Und, also da hat sich einfach schon einmal ein ganz anderer Rhythmus gebildet. Und dann eben auch zu gucken, was ist mir wichtig, was ist meinem Partner wichtig und wie gehen wir mit allem um? Und letztendlich hat sich dadurch einfach ALLES verändert, weil einfach ein Familienleben etwas ganz Anderes ist als für sich alleine oder als Paar zu leben. #00:01:56-2#

PETER: Jetzt, was hat sich speziell in Bezug auf die Beziehung verändert zu deinem Mann? #00:02:02-1#

CAROLINE: Also letztendlich so eine Art, ich nenne das eine Definition, obwohl das so hart klingt, ne, aber dieses: Wir sind nicht nur Liebende, sondern wir sind jetzt auch Eltern. Und auch quasi sich selber in der Rolle der Mutter und dann er auch in der Rolle des Vaters zu finden, da gemeinsam zu wachsen und da auch eben einen Weg zu finden und trotzdem auch noch Liebende zu bleiben. Und das finde ich, ist die größte Herausforderung. #00:02:30-1#

PETER: Genau. Da hake ich gerade einmal nach, wie macht ihr das, dass ihr eben auch ab und zu Liebende bleibt? #00:02:36-1#

CAROLINE: Ja, da machen wir/ (Lacht) Ich bin da ganz strukturiert auch immer, ich habe das einmal irgendwo gehört, dass man einmal im Monat nur Pärchenzeit machen soll. Und das habe ich dann, da war unsere Tochter, also das ist die Erstgeborene, vier Monate alt, und da habe ich dann zu meinem Mann gesagt: „So, so geht es nicht, wir müssen auch einmal etwas alleine machen. Und wir machen jetzt einmal im Monat ein Date“, und da hat er gesagt: „Das finde ich gut.“ (Lacht) Und seitdem machen wir das und letztendlich sind das einmal größere, einmal kleinere Sachen.

Als sie so ganz klein war, waren wir erst einmal nur eine halbe Stunde alleine Spazieren und so und jetzt ist es auch so, dass wir einmal einen ganzen Tag nur in die Sauna gehen. Oder wir haben, also meine Schwiegermutter wohnt hier vor Ort, da schlafen die Kinder auch inzwischen einmal über Nacht, dass wir einfach auch einmal alleine in unserem Haus sind ohne Kinder und zusammen kochen und essen, also es muss nicht immer ein großes Event sein. Und dass wir uns einfach die Option geben zusammen zu sein ohne Kinder. Und wir reden schon auch über Kinderthemen, aber wir versuchen, dann eben auch, ja, noch einmal wegzukommen, nicht immer NUR über Kinderthemen zu sprechen. #00:03:47-7#

PETER: Und schafft ihr das immer? Also schafft ihr das immer, sich diese Zeit zu nehmen? #00:03:52-6#

CAROLINE: Ja, es gab jetzt/ Also wir machen das, also die ist jetzt fast fünf, wir machen das, seitdem sie vier Monate ist. Und es gab zwei Monate, wo wir es nicht geschafft haben. Und als das zweite Kind geboren wurde, den haben wir die ersten vier Monate einfach mitgenommen, also sind wir essen gegangen, und, ne, weil ich gestillt habe auch und der noch so viel getrunken hat und dann, genau, hat der im Buggy geschlafen oder in der Trage und dann haben wir das gemacht. #00:04:18-8#

PETER: Die schlafen ja auch noch viel, ne? #00:04:19-8#

CAROLINE: Ja. Also, genau, da haben sie noch, der hat, also der war auch ganz ruhig als Säugling und da war das nicht so das Thema. Und was ich noch sagen wollte zu dieser Frage, was war unerwartet, war auch, wie sehr quasi Stress mit dem Kind eben die Beziehung beeinflusst, auch im negativen Sinne. Also unsere Tochter hat die ersten vier Monate lang sehr viel geweint, sechs bis neun Stunden am Tag, und damit waren wir natürlich erst einmal total überfordert und haben uns beide Sorgen gemacht und Gedanken. Und da als Paar sich auch zu sehen, nicht nur als Eltern, war fast unmöglich. #00:05:00-8#

PETER: Okay. Das hört sich natürlich, wenn ein Kind so viel weint, das kann wirklich eine ganz große Belastung sein. Wie seid ihr damit, wie habt ihr das gelöst für euch, wie habt ihr euch da unterstützt gegenseitig? #00:05:14-1#

CAROLINE: Also wir hatten eine ganz tolle Hebamme, die für uns total der Anker war. Und in den vier Monaten haben wir eigentlich nur funktioniert. Also wir haben erst einmal körperlich alles abgecheckt, ob alles in Ordnung ist, waren bei einer Heilpraktikerin, beim Osteopathen, beim Kinderarzt und es war nichts, also es war nichts Körperliches festzustellen, also sie hatte auch keine Koliken, ne?

Und als das dann durch war, haben wir irgendwie für uns gesagt: „Okay, dann geht es jetzt einfach nur darum, wie können WIR damit möglichst gut überleben?“ Und dann haben wir uns letztendlich immer nur abgewechselt, also er hat oft die Nächte gemacht mit der Kleinen und hat sie mir nur zum Stillen gegeben sozusagen und ich konnte schlafen und ich habe tagsüber mehr gemacht und wir haben eher nebeneinander her gelebt so. Und haben einfach auch dann, immer wenn die Kleine geschlafen hat, haben wir eigentlich auch immer mit geschlafen, weil wir einfach so kaputt und erschöpft waren.

Genau, und letztendlich haben wir da nur funktioniert und als es dann so langsam besser wurde, da kam dann eben auch diese Idee auf mit, wir treffen uns einmal im Monat irgendwie. (Lacht) Und dann wurde es auch besser, also dann hat sich das einfach entwickelt dadurch, dass der Umgang mit ihr leichter wurde und aber auch, weil wir uns viel mehr gefunden haben und dann auch herausgefunden haben: Okay, so und so mag sie gerne getragen werden, so und so schläft sie gut, das beruhigt sie und so weiter. #00:06:41-8#

PETER: Also ging das darum, so sich finden, oder? Also das Baby muss sich finden und ihr als Eltern muss man sich auch zum Baby finden, wie eben was tut ihm gut und so, und, ja, genau. #00:06:53-2#

CAROLINE: Genau. Und das war schon unerwartet, also ich habe mir schon vorgestellt, dass ich mich erst einmal hereinfinden muss in die Rolle der Mutter und dass es bestimmt Situationen gibt, die ich eben so nicht erwarte. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass ich eine unrealistische Vorstellung hatte vom Kinderhaben, ne? Ich komme auch aus einer Großfamilie, ich habe eine Schwester, die schon ein paar Jahre vor mir ein Kind bekommen hat, wo ich vieles miterlebt habe. Also ich hatte, glaube ich, schon eine relativ realistische Vorstellung auch davon, wie das so werden könnte und hatte nicht damit gerechnet, dass dann so etwas kommt. (Lacht)

So, dieses sie weint und weint und weint und es macht uns so traurig, ne? Also für uns war ganz schlimm, dieses wir haben uns dieses Kind gewünscht, wir haben uns sehr gefreut, dass sie dann gefühlt ja endlich da war, so eine Schwangerschaft kann ja gefühlt auch ewig dauern. (Lacht) Und dann weint sie nur und wir hatten so das Gefühl und sie möchte vielleicht gar nicht hier sein, ne? Und das war für uns ganz schwierig auszuhalten und wenn ich da ganz ehrlich bin, ist das auch bis heute noch Thema.

Also weil sich, das hat sich nicht einfach von heute auf morgen geändert, sondern sie ist vom Typ her so geblieben. Und sie nutzt heute weinen und schreien immer noch, um, ja, sich durchzusetzen, um Aufmerksamkeit zu bekommen, will viel Aufmerksamkeit haben. Und wir haben da immer noch immer wieder Themen, wo wir auch immer noch merken, das sind die Nachwehen auch aus den ersten vier Monaten und sie triggert da einfach bei uns Punkte an, wenn sie schreit, sind wir sofort in der Schockstarre (lacht) von vor vier Jahren. #00:08:30-0#

PETER: Okay, das kann ich gut nachvollziehen, ja. Du hast ja vorhin erzählt, dass du, dass ihr beide arbeitstätig wart, voll nehme ich an. #00:08:41-5#

CAROLINE: Ja, genau. #00:08:42-2#

PETER: Und dann bist du plötzlich Mama geworden und bist du dann komplett zu Hause geblieben? #00:08:48-5#

CAROLINE: Ja. #00:08:50-2#

PETER: Ja. Wie war das für dich, der Wechsel? #00:08:52-4#

CAROLINE: Interessant. (Lachen) Also ich war, ich hatte gedacht, ich bleibe auf jeden Fall zwei Jahre zu Hause, weil ich finde das wichtig für ein Kind. Das war so mein Gedanke, die Mama ist in den ersten Jahren besonders wichtig, die stillt, die hat das Kind ausgetragen und das ist so meine Aufgabe, das war so mein Gedanke. Und letztendlich bin ich auch so geprägt, weil meine Mutter auch zu Hause geblieben ist in der Kleinkindzeit. Und deswegen hatte ich zwei Jahre Elternzeit beantragt und eben ein Jahr Elterngeldbezug und mein Mann war die ersten zwei Monate zu Hause, was sich ja dann als sehr gut herausgestellt hat, weil sie eben so viel geweint hat.

Und dann war es eben schon so, dass ich eigentlich nachdem das so, diese ganz anstrengende Phase so ein bisschen besser wurde, ich gemerkt habe, wie sehr mir arbeiten fehlt. Und das war für mich ein ganz großes Dilemma. Also, weil sie ja auch ganz doll mich gebraucht hat, also sie hat halt auch ein Jahr lang, ist sie auf niemanden fremden Arm gegangen, also nur bei meinem Mann und mir, auch bei den Omas und Opas nicht und niemanden. Und das war dann halt so dieses Gefühl von, sie braucht mich und ich möchte auch für sie da sein. Und es war auch ein ganz erfüllendes Gefühl eben dann immer, wenn ich sie dann in der Trage hatte, war sie glücklich und das hat mich auch total beglückt, also ich bin da einerseits SEHR drin aufgegangen. Hatte auch Spaß daran, mich mit Babybrei auseinanderzusetzen und Co (lacht) und soll man nun Brei geben oder nicht und hier und da und so. Und dann aber auch dieses Gefühl von, ich verpasse etwas auf der Arbeit, mir fehlt die Anerkennung in meiner Arbeit.

Ich war vorher als Trainerin für Autohäuser tätig, wo ich Montag bis Freitag im Seminar stand. Ich hatte so das Gefühl, diese Effektivität fehlt mir auch, des Arbeitens. Und ich hatte auch ganz große Ängste, also ich komme nie wieder auf so eine Position, (lacht) waren so Ängste. Und auch wirklich so der Zweifel auch schon nach wenigen Monaten, will ich wirklich zwei Jahre voll zu Hause bleiben, wie könnte eine Teilzeitmöglichkeit aussehen, da habe ich mit meinem Arbeitgeber gesprochen und da gab es keine Option. Darüber dann hin die Enttäuschung, ja, also ganz großes Dilemma für mich. #00:11:23-0#

PETER: Das glaube ich, also das merke ich immer wieder, dass es eben in unserer Gesellschaft doch nicht so weit verbreitet ist, dass das Konzept Teilzeitarbeit sich durchsetzt. #00:11:32-5#

CAROLINE: Ja. #00:11:33-1#

PETER: Ja, man ist entweder voll oder gar nicht beschäftigt, das ist wirklich so. Und finde ich eigentlich schade. #00:11:41-8#

CAROLINE: Ja. Und, also da gäbe es bestimmt auch mehr Optionen, aber, also ich hatte auch das Gefühl, es ist nicht gewollt so. Und dann, also die Situation an sich stellt ja schon ein paar Herausforderungen und wenn dann nicht alle Seiten wollen, dann wird es halt schwierig. #00:12:00-3#

PETER: Und du hast erzählt, du warst da so unzufrieden. Und was hast du dann damit gemacht, mit dieser Unzufriedenheit? #00:12:08-2#

CAROLINE: Ja, ich bin ganz aktiv geworden in Recherche. Also habe ganz viel im Internet geguckt und wollte schon immer auch als Coach arbeiten und letztendlich war dann meine erste Lösung, ich mache eine Coaching Ausbildung. Und das war eh schon immer ein Gedanke, ich hatte dafür auch schon Geld zur Seite gelegt und habe dann etwas gefunden, was vor Ort war, was immer samstags, sonntags war, einmal im Monat über, ich glaube, ein Dreivierteljahr war das. Und das war super, also weil dann bin ich quasi da samstagmorgens, ich glaube, um zehn hin und war um 18:00 Uhr wieder zurück.

Da war meine Tochter, ich glaube, acht Monate ungefähr, als ich da angefangen habe. Und dann hatte mein Mann das Wochenende die Kleine, ich hatte ein bisschen Abstand, er hatte alleine Zeit mit unserer Tochter, das war uns bis dahin auch nicht so bewusst, dass die noch nie zwei Tage alleine waren, (lacht) hatten wir nicht gemerkt, das hat die auch noch einmal ganz eng verbunden und ich hatte einen Ausgleich. Und ich war in dieser Weiterbildung, ich habe das aufgesogen wie ein Schwamm, also (lacht) das tat mir sehr, sehr gut.

Das war ein erster Schritt, danach hatte ich aber auch wieder ein Tief, weil ich dann nämlich das Gefühl hatte, jetzt habe ich neue Kompetenzen und Fähigkeiten erlernt oder verstärkt und jetzt möchte ich auch etwas damit machen. Und da war ich dann halt wieder vor dem Dilemma: Ja, aber jetzt wie denn und wo denn und mit was denn? #00:13:31-1#

PETER: Und vielleicht kommen wir da jetzt gerade auf das, was du am Anfang erzählt hast, dieses „Entwickle dein Mama-Konzept“ ist das das Ergebnis aus dieser Zeit? #00:13:41-2#

CAROLINE: Ja. (Lacht) Also nicht das erste Ergebnis, nein. Sondern das erste Ergebnis war, ich mache mich selbständig. Und, also da war auch eine ganz große finanzielle Angst dahinter, wir haben uns entschieden, einen gewissen Lebensstandard zurückzuschrauben und primär vom Gehalt von meinem Mann zu leben, war auch wieder großes Thema sich so in Abhängigkeit zu begeben. Ich wollte nicht dieses Klassische: Der Mann verdient, die Frau kümmert sich die ganze Zeit. Also da waren dann auch noch einmal viele Glaubenssätze und Ideen und Gedanken, ja, zu bearbeiten, neu zu erfinden. Und ich habe dann erst einmal als Trainerin gearbeitet oder tue ich auch noch mit freien Aufträgen vor Ort, an Wochenenden oder einmal einen Vormittag. Und das war auch gut, aber es ist halt GANZ viel Organisation, ne?

Weil ich dann immer gucken muss, wann kann die Oma aufpassen, das ging ja dann irgendwann, mit einem Jahr und einem viertel ließ sie sich dann betreuen. Dann kam ja mein Sohn noch danach, da war dann auch wieder eine Pause. Also ganz viel Organisation hin und her und jetzt bin ich halt an dem Punkt gewesen 2016, dass ich gesagt habe: „So, das ist mir zu viel Organisation und zu wenig Arbeit von dem, was ich eigentlich machen möchte. Und da ist jetzt das Ergebnis „Finde dein Mama-Konzept“, weil ich gesagt habe: „Ich mache mich mit meinem Herzensthema selbständig, das, was mich selber so bewegt hat und auch immer noch bewegt und was ich so frustrierend finde für, ja, ich sage einmal, mich als Zielgruppe, ja, für die Mamas, die einfach auch Jobs haben, in denen sie gerne arbeiten, in die sie gerne zurückgehen möchten, aber eben auch bedürfnisorientiert mit ihren Kindern umgehen wollen und nicht sagen: „So, mein Kind ist eins. Du gehst jetzt von acht bis 16:00 Uhr in die Krippe und ich hole dich dann ab und bringe dich eigentlich nur noch ins Bett.“

Genau, und um das eben auch gut vereinbaren zu können, mache ich es eben online, weil ich es sowohl für mich als Vorteil sehe als auch für die Mamas, weil die dann, ja, eben auch ihr Kind nicht abgegeben müssen. #00:15:40-5#

PETER: Okay. Ja, es hört sich spannend an. #00:15:43-3#

CAROLINE: Ja, Dankeschön. (Lachen) #00:15:45-1#

PETER: Ihr habt ja, das ist ja so fast eine klassische Rollenaufteilung, der Mann geht arbeiten, du warst zu Hause und zwar fängst du jetzt dann auch, eben wieder etwas zu arbeiten. Wie hat das Umfeld reagiert auf diese klassische Aufteilung? #00:16:01-9#

CAROLINE: Verschieden. Also Freunde von mir, die noch keine Kinder hatten, waren eher so: „Und möchtest du nicht noch mehr arbeiten? Und gibst du jetzt wirklich die Stelle auf?“ Also weil da mir ja irgendwann auch das Gespräch mit dem Arbeitgeber, wo ich Anstellung war, anstand und ich gesagt habe: „Ich komme nicht zurück und ich möchte heraustreten so.“ Alle sagten: „Verlängere doch noch einmal Elternzeit und dann kannst du noch einmal zurückgehen.“

Und da bin ich aber nicht so der Typ für halbe Sachen. Ich war dann so: „Nein, ich möchte das geklärt haben, ich möchte mein Abschlusszeugnis haben.“ Ich hatte noch ein paar Materialien, ich sagte: „Das kriegen die alles zurück, ich möchte da einen Schlussstrich ziehen.“ Und da wurde viel hinterfragt und war viel Irritation da. Und von der Seite der Mütter sozusagen habe ich eher andersrum, so nach dem Motto: „Willst du jetzt schon so VIEL arbeiten?“ (Lachen) #00:16:57-4#

PETER: Das ist spannend, ja. #00:17:00-7#

CAROLINE: Und man muss ja auch sagen, ich lebe ja auf einem Dorf und da habe ich natürlich ganz viele Vollzeitmamas hier. Also ich glaube, mein Umfeld hier vor Ort ist nicht der Bundesdurchschnitt. (Lacht) Also hier sind viele Mütter, die auch Vollzeit zu Hause bleiben, die dann auch mehr als ein Kind haben, drei bis vier. Wo das älteste Kind dann in die Grundschule ist und das Jüngste Säugling, die einfach auch schon seit sechs, sieben, acht Jahren komplett zu Hause sind und die auch noch nicht darüber nachdenken, bald wieder arbeiten zu gehen.

Oder eben auch viele Mütter, die irgendwie zehn Stunde die Woche arbeiten. #00:17:36-9#

PETER: Und was macht ihr bei verschiedenen Ansichten in Erziehungsfragen, wie löst ihr das? #00:17:43-8#

CAROLINE: Ja, (lachen) SCHWIERIGES Thema. (Lachen) Also letztendlich ist klar die Antwort, reden tun wir. Und wir haben auch ziemlich viele gleiche Ansichten oder ähnliche Ansichten, aber die Punkte, wo wir uns uneinig sind, die sind wirklich sehr, sehr zähe. Und da gibt es viele Gespräche, oft über Wochen oder Monate, wenn es grundlegende Dinge sind, da gibt es auch einmal Streit. Und ich bin dann immer diejenige, die dann auch noch einmal recherchiert, (lacht) also dann noch einmal guckt, gibt es noch einmal Argumente für meine Position. (Lacht)

Die manchmal auch helfen und manchmal eben aber auch nicht, weil mein Mann dann einfach sagt: „Nein, fühlt sich für mich falsch an, egal was die Wissenschaft sagt“, was ja durchaus auch ein Argument ist. Und, ja, es gibt wenige Themen, wo wir uns nicht einig werden. #00:18:39-7#

PETER: Also du sagst, das Reden ist das eine, was mich aber interessiert, ist, wenn jetzt so eine Situation tatsächlich stattfindet, also eure Kinder machen etwas und du merkst, dein Mann reagiert so und du würdest eigentlich ganz anders reagieren. Wie macht ihr das in echt, also wie? #00:18:57-6#

CAROLINE: Also ich beiße mir auf die Zunge. (Lacht) Also ich springe nicht rein, das finde ich nicht wertvoll. Und es ist ja auch so, dass, der Papa geht einfach anders mit den Kindern um als die Mama. Und es ist aber schon, dass mich dann gewisse Dinge ärgern, aber ich spreche es dann im Nachgang an. Dennoch sind Kinder ja nicht doof, die merken das ja. Die merken, dass ich da dann im Hintergrund stehe und das gerade nicht so toll finde, wie er damit umgeht, zum Beispiel. Oder auch wenn ich dann einmal positiv überrascht bin und denke: Mensch, das hat er gut geregelt, da wäre ich ja nie auf die Idee gekommen, das so zu regeln, merken die es ja auch.

Und die Große spiegelt das dann auch schon, ne? Also die dann halt sagt: „Oh, toll, jetzt darf ich“, keine Ahnung, „ein Stück Schokolade mehr“, ja, sind wir jetzt einmal bei einer Kleinigkeit: „Das hätte Mama mir nicht gegeben, oder Mama?“ (Lachen) Also wo ich dann denke: Nein, aber ist okay. Und, also bei so etwas wie Schokolade da tut es mir nicht so weh als Thema. Aber, wenn es dann, zum Beispiel, Umgang mit wütenden Verhalten von der Großen, da sind wir uns uneinig. Also, wenn sie dann, zum Beispiel, herumschreit und heult und dass ich das Gefühl habe, sie nutzt es als Mittel, agiere ich eben ganz anders als er. Und da sind wir uns schon uneinig. #00:20:22-7#

PETER: Ich finde es noch interessant, was du gesagt hast vorhin: „Mein Mann geht anders mit den Dingen um.“ Und das ist ja tatsächlich so, dass Männer Dinge anders machen, also nicht nur die schwierigen Situationen, sondern auch die schönen Situationen oder überhaupt die Alltagssituationen. Und ich stelle immer wieder fest, dass es da auch immer wieder Differenzen gibt das anzunehmen, dass Männer wirklich anders mit Kindern umgehen als Frauen. Wie ist da, merkst du da einen Unterschied und wie ist das für dich? #00:20:54-9#

CAROLINE: Ja, also das merke ich ganz klar. Und letztendlich hat es auch gedauert, das erst einmal zu sehen und anzunehmen und zu sagen: „Das ist so.“ Und seitdem wir das von beiden Seiten so machen, dass wir sagen: „Ja, also der andere ist einfach anders und das ist auch okay.“ Also wir hatten, bevor wir Kinder hatten, so die Idee, man muss an einem Strang ziehen, (lacht) ne? So, das ist wichtig für Kinder und das ist bestimmt unter gewissen Aspekten auch wichtig für Kinder, aber gerade wenn es darum geht, wie verhalte ich mich mit meinen Kindern, wie spiele ich auch mit denen, wie reagiere ich, wenn ich etwas nicht gut finde, was sie machen. Glaube ich, ist das total wertvoll, wenn jeder einfach so reagiert auch, wie er ist, in seinem Sein.

Und da kann ich, also da ziehe ich eher Positives heraus, ne? Also zum Beispiel, mein Mann kann mit unserem Sohn drei Stunden lang Ball hin und her spielen, das kann ich nicht. (Lachen) Ich schaffe das eine halbe Stunde und finde das auch schön und ich finde das auch ganz meditativ, also so tief mit einem Kind einfach nur hin und her diesen Ball zu schießen, aber ich kann das nicht drei Stunden lang, ne? Und das ist einfach etwas, wovon Kinder ganz viel haben, ne? Und wenn es dann eben so ist, dass wenn meine Tochter wütend wird, auch mein Mann wütend wird, ist es ja auch wieder authentisch, ne?

Und wenn er das dann auch lebt, hat das auch wieder einen Wert. Also da ist einfach ganz viel Annahme und Akzeptanz und ich bin einfach der tiefsten Überzeugung davon, dass Männer und Frauen anders sind von ihren Grundanlagen her und dass das wichtig ist für die Kinder auch zu sehen, was ist das männliche und was ist das weibliche Prinzip. Und zugleich glaube ich auch, dass die Frau auch immer ein männliches Prinzip in sich hat und der Mann auch ein weibliches, ja, also wir müssen es nicht nur auf das Geschlecht so festlegen. Aber ich finde das ganz wichtig, dass die beides erleben. #00:22:54-0#

PETER: Also so wie du es erzählst, ist es für mich eine große Horizonterweiterung für das Kind? #00:22:58-6#

CAROLINE: Ja, genau, das trifft es gut, hast du gut zusammengefasst. (Lachen) #00:23:02-8#

PETER: Kinder sind ja bekanntlich große Lehrmeister. #00:23:09-3#

CAROLINE: Ja. #00:23:11-3#

PETER: Und welche Fähigkeiten hast du durch deine Kinder neu entdeckt oder neu entwickelt oder verstärkt? #00:23:18-8#

CAROLINE: Also im Moment zu leben, das, was ich eben sagte, mit diesem Ballspielen und dann nicht zu denken, ich muss noch den Geschirrspüler ausräumen und das und jenes. Sondern einfach/ Also ich habe noch einmal klarer für mich realisiert oder ich habe oder ich fühle es jetzt erst richtig, dass das Leben eigentlich nur aus Momenten besteht, die hintereinander stattfinden. Und bin da also VIEL achtsamer und viel mehr im Moment. Und ich habe auch gelernt, dass es wichtig ist, dass ich selber, ich nenne das, meine innere Mitte bin, also selber grundsätzlich zufrieden bin, weil die Kinder es einfach SOFORT spiegeln. Also, wenn ich Dinge/ (Husten) Entschuldigung einmal husten/ #00:24:04-5#

PETER: Kein Problem. #00:24:05-0#

CAROLINE: Wenn es Dinge gibt, die mich unruhig machen, dass das wichtig ist, das für mich zu klären, weil es auch auf die Kinder übergeht. Und gleichzeitig durfte ich aber auch lernen, mich zurückzunehmen, ja? Also, und die Prioritäten eben anders zu setzen und wenn mein Kind weint, dass ich eben jetzt stille und jetzt nicht mehr, weiß ich nicht, ein Brot schmiere, weil ich Hunger habe, sondern das dann eben erst eine halbe Stunde später tue. #00:24:32-5#

PETER: Genau. Das, was du erzählst, dieses im Jetzt zu sein, was Kinder so sehr gut können, ist für uns Erwachsene meistens nicht so einfach wie für die Kinder. #00:24:42-2#

CAROLINE: Jawohl. #00:24:42-7#

PETER: Ja. Und hast du da einen Tipp oder einen Trick, wie du das nun schaffst, dich in diesem Moment eben in das Jetzt zu holen? #00:24:50-9#

CAROLINE: Ja, also das sind zwei Sachen. Einmal organisiere ich viel und gut, ohne dass es zu viel Druck ausübt, also das ist ja auch eine Kunst. Das heißt, ich gucke schon auch immer, morgens überlege ich mir, was sind so Sachen, die ich für mich heute unbedingt erledigen muss. Und das können auch Sachen sein, die für andere nicht wichtig sind, ja, aber so was drängt mich, was möchte ich erledigt haben. Und die erledige ich als Erstes oder eben in Momenten, wo die Kinder mich gerade nicht so brauchen oder inzwischen sind die eben auch stundenweise in der Betreuung, das erledige ich dann in der Zeit. Und das löst mich schon einmal TOTAL für die Zeit mit den Kindern, dass ich einfach genau weiß, ich habe da ein Zeitfenster, da kann ich das, was ich erledigen will, erledigen. So, und das kann auch einmal sein, dass ich mir vornehme, eine Stunde zu schlafen, ne, also es muss nicht immer sein, To-do-Listen abhaken, schaffen, machen, tun, das kann auch quasi eine Ruhephase sein.

Und das hilft mir total, dass wenn ich dann mit den Kindern eben zusammen bin, dass ich viel besser auf sie reagieren kann und in dem Moment mit denen leben kann. Und das ist der eine Punkt und der andere Punkt ist, dass es einfach, dass ich es mir immer wieder ins Bewusstsein rufe, also, dass ich, zum Beispiel, wenn ich dann mit meinem Sohn Ball spiele, ja, es ist gerade sehr aktuell, (lachen) dass ich dann/ Also manchmal spüre ich auch so dieses: „Och, jetzt schon wieder Ball spielen, ich weiß nicht“, und ich mir dann denke: Nein, nutze es für dich als Achtsamkeit. Jetzt stell dich hier einfach hin, also wir spielen quasi Fußball hin und her und spüre jetzt einfach einmal nur den Boden unter deinen Füßen. Ja, also schon in diesem Sinne wie eine Traumreise oder eine Meditation oder beim Schwangerschafts-Yoga habe ich so etwas auch gemacht. Also, dass ich mich das einfach dann in Erinnerung rufe und dann einfach spüre auch, wie tief ich in dieser Zeit dann abtauche und wie sehr es mich entspannt. #00:26:44-4#

PETER: Also du nutzt praktisch den Widerstand als Trigger, um zu sagen: „Nein, jetzt nehme ich es bewusst wahr, was ich mache“? #00:26:51-2#

CAROLINE: Genau. #00:26:51-7#

PETER: Okay, spannend, interessant, ja. #00:26:53-7#

CAROLINE: Und trotzdem ist es so, dass ich dann auch einmal Gedanken habe von, ach, ich wollte noch dies und ich wollte noch das. Also das ist jetzt nicht so, dass ich dann eine halbe Stunde meditativ Fußball spiele. (Lacht) Aber es geht mehr in die Richtung und das ist etwas, wo ich selber gerne noch weiter für mich hinwill. #00:27:10-9#

PETER: Okay. Du hast vorhin erzählt, dass eure Tochter so sehr geweint hat. Gab es in der Zeit, hast du dich da irgendwie informiert oder hast du da ein Buch gehabt oder eine Internetseite, wo dir geholfen hat, mit dem umzugehen? #00:27:25-5#

CAROLINE: Ja, gab es. Also an Büchern hat mir in der Zeit geholfen „Das glücklichste Baby der Welt“, das ist von, ich glaube, Dr. Harvey Karp oder so ähnlich. Und später als sie/ Also als das Weinen aufgehört hat und sie aber noch so sehr immer noch an uns geklammert hat, hat mir sehr geholfen „Das kompetente Kind“ von Jesper Juul. #00:27:52-5#

PETER: Ja, das ist der Klassiker. #00:27:55-8#

CAROLINE: (Lachen) Das ist der Klassiker und der hat mir geholfen. Ja, und letztendlich aber eben auch Leute vor Ort. Also ich habe mich schon auch informiert, es gibt ja auch so Schreiambulanzen, dann habe ich mit so einer PEKiP-Leiterin gesprochen. Also wir haben uns immer wieder auch Hilfe geholt, dann waren wir bei einer Heilpraktikerin, wo wir öfter waren, die, ja, ich würde das jetzt im Nachgang einmal so eine Art Gesprächstherapie benennen, ohne dass sie jetzt Therapeutin ist. Aber die einfach auch noch einmal ganz viel mit uns gesprochen hat und wir einfach die Perspektive der Dinge geändert haben. Also nicht so dieses: Sie weint, sie muss aufhören. Weil das ist anstrengend und das ist ja auch nicht gut für sie und für uns. (Lacht) Sondern hin zu einer Perspektive: Was will sie uns damit sagen, welches Bedürfnis steht dahinter und was sagt es über sie aus und wie können wir gucken, dass sowohl ihr Bedürfnis befriedigt ist als auch unser Bedürfnis? #00:28:52-9#

PETER: Ja, schön, dass es so etwas noch gibt. #00:28:57-9#

CAROLINE: Ja. Aber da gibt es, also da habe ich leider kein Buch zu. Wenn es da eins gibt, darfst du mir das gerne einmal geben. #00:29:05-5#

PETER: Ja, ich weiß es nicht, nein. Aber ich finde es schön, dass es immer wieder noch so Hebammen gibt, die so etwas machen. Ja, weil das ist auch nicht selbstverständlich. #00:29:15-1#

CAROLINE: Ja. Also ich liebe Hebammen. (Lacht) Also das war auch, bevor ich Kinder gekriegt habe, habe ich das nie so gesehen. Ich dachte immer, die helfen dir bei der Kindespflege und bei der Geburt, aber was die mental leisten auch unter der Geburt, aber eben auch im Nachgang ist immens. Also da gehört eine ganz große Wertschätzung hin. #00:29:39-0#

PETER: Das ist so, ja. Ich würde gerne meine letzte Frage stellen. Und zwar, was sollten werdende Eltern unbedingt wissen? #00:29:47-8#

CAROLINE: (Lacht) Das ist eine schöne Frage. Finde ich ganz schwierig zu beantworten, aber ich glaube, eines der wichtigsten Dinge ist, dass Kinder schon mit einer Persönlichkeit auf die Welt kommen und dass wir Eltern dafür da sind sie zu begleiten. Und dass es nicht darum geht, ein Kind so zu formen, dass es so ist, wie ich es gerne hätte (lacht) oder ich denke, es müsste so sein, sondern die kommen schon mit ganz, ganz viel. Und auch so ein Säugling, der einen Tag alt ist, kann dir als Mama, dir als neuen Papa schon ganz klar zeigen, was ihm guttut und was nicht. #00:30:32-4#

PETER: Das stimmt. Ja, und ich möchte das auch so kommentarlos stehen lassen, weil es so gut ist. #00:30:38-2#

CAROLINE: Ja, schön. (Lachen) #00:30:39-8#

PETER: Ja, Carolin, ich möchte mich auf jeden Fall bedanken für deine Zeit und für die Einblicke, die du uns gewährt hast in dein Mamasein oder euer Familienleben. #00:30:48-8#

CAROLINE: Gerne. #00:30:50-7#

PETER: Ich werde die zwei Bücher verlinken, logischerweise. Und auch deinen „Finde dein Mama-Konzept“ Blog, den ich wirklich sehr, sehr spannend finde. #00:31:00-2#

CAROLINE: Gerne. #00:31:01-9#

PETER: Und, ja, wünsche dir alles Gute mit deinen Kindern und mit deiner Selbständigkeit. #00:31:08-6#

CAROLINE: Dann vielen Dank für das Interview, es hat mir Spaß gemacht. #00:31:11-9#

PETER: Okay. Ciao. #00:31:13-6#

CAROLINE: Tschü. #00:31:14-8#

Susanne Petermann: Meine Erfahrungen als Stiefmutter [021]

Susanne Petermann

Es ist eine ganz schwierige Situation für jede Stiefmutter, wenn man auf einmal abgelehnt wird von einem Kind, und nicht weiß, was habe ich getan, was habe ich falsch gemacht, habe ich überhaupt was falsch gemacht.

Susanne erzählt im Interview:

  • Ich kann immer nur wieder sehen bei den vielen, vielen Geschichten, die ich so höre, dass es ganz wichtig ist, dass man versucht, die andere Seite zu verstehen. Und sie sollte mir darum nicht egal sein. Also selbst, wenn es natürlich eigentlich für uns als Menschen seltsam ist, mit einem Expartner meiner neuen Liebe ständigen Kontakt zu pflegen, das kommt ja in einer normalen Beziehung nicht vor. Welcher Mann sitzt denn irgendwie fast jeden Tag am Telefon mit seiner Exfreundin.
  • Es ist eine ganz schwierige Situation, wenn man auf einmal abgelehnt wird von einem Kind, und zwar auch vehement abgelehnt wird und nicht weiß, was habe ich getan, was habe ich falsch gemacht, habe ich überhaupt was falsch gemacht.
  • Ich glaube, was bei Stiefeltern ein ganz wichtiger Faktor ist, und das ist völlig egal, ob ich Stiefmutter oder Stiefvater bin, ich muss oft gar nichts falsch machen, um abgelehnt zu werden.
  • Was ich falsch mache, ist, dass ich der neue Partner an der Seite von Mama oder Papa bin. Weil, die Kinder wollen alle nicht, dass Mama und Papa getrennt sind. Die wollen ja, dass Mama und Papa zusammen sind. Also jeder neue Partner, der fest in das Leben kommt, festigt die Situation der Trennung. Und damit müssen Kinder erst mal umgehen lernen. Also in dem Moment, wo ich als neue Partnerin meines Mannes komme, ist für die Kinder die Situation zementiert, dass Mama und Papa nicht mehr zusammen sind.
  • Mein Leben wurde von einem Kind komplett bestimmt, was nicht meins war.

Aber jetzt endlich zum Podcast!


Susanne Petermann: Meine Erfahrungen als Stiefmutter [021] jetzt hören

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Shownotes:

Selbst wenn es gut läuft, kompliziert ist es als Stiefmutter immer. Leider ist das Verständnis für Stiefmütter in der Gesellschaft eher gering. Wo bleibt man mit seinen Nöten, wenn die beste Freundin die Situation nicht nachvollziehen kann? Auf ihrem Stiefmutterblog schreibt Susanne Petermann über die Fallen in die Frauen im Patchwork geraten können. Experten geben Tipps zu Themen wie Sorgerecht, Umgang, Erbrecht oder Familiensysteme und  im Forum tauschen sich Stiefmütter und Trennungsväter aus, schildern ihre Erfahrungen und geben sich Tipps und Ratschläge.

Susanne Petermann
Weißbuchenstrasse 4
27777 Ganderkesee

+49-4222-966 03 01
+49-177-882 50 10

http://stiefmutterblog.com


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Mein heutiger Interviewgast bei „Eltern-Podcast“ ist Susanne aus dem schönen Norddeutschland. Hallo Susanne. #00:00:10-1#

SUSANNE: Hallo Peter. #00:00:11-2#

PETER: Erzähl uns doch erst mal, wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast. #00:00:17-5#

SUSANNE: Ich heiße Susanne Petermann, ich bin Journalistin und Buchautorin und außerdem auch noch Bloggerin. Das heißt, ich verdiene mein Geld und auch mein Hobby ist das Schreiben. Und ich habe, ja, wie man es nimmt, entweder gar kein Kind oder drei. #00:00:39-3#

PETER: Was heißt das, wie man es nimmt? #00:00:42-7#

SUSANNE: Ich habe kein leibliches Kind, ich habe also niemals ein Kind geboren, aber mein Mann hat drei Kinder mit in die Ehe gebracht, insofern sind wir offiziell, da wir offiziell verheiratet sind, bin ich offiziell Stiefmutter. #00:01:19-9#

PETER: Das heißt, du bist sozusagen von null auf Familienkarte durchgestartet. #00:01:26-2#

SUSANNE: Wie man es nimmt, ja. Kann man so sagen, wobei es bei mir natürlich so ist, ich bin Stiefmutter geworden von drei Kindern, die schon komplett fertig sind. Das Jüngste der Kinder meines Mannes war 16, als wir uns kennenlernten. Das ist jetzt nicht ein Alter, wo ich noch von einem Kind sprechen möchte. Für meinen Mann bleiben das immer seine Kinder, für mich waren das fertige, halbwegs schon erwachsene Menschen, als ich sie kennenlernte. #00:02:02-1#

PETER: Haben die auch noch bei euch gewohnt? #00:02:05-2#

SUSANNE: Nein, sie waren, nach der Trennung waren die Kinder bei der Mutter geblieben, also bei der Exfrau meines Mannes und haben dort dann auch gewohnt. Aber es war natürlich dieses Übliche, am Wochenende besuchen oder in den Ferien oder zwischendurch mal. Bei uns war das insofern auch etwas komplizierter, mein Mann hat in Brüssel gearbeitet und ist an jedem Wochenende nach Norddeutschland gefahren, um seine Kinder sehen zu können. #00:02:36-5#

PETER: Okay. Und wie war das für dich diese Wochenenden mit den Kindern? #00:02:41-7#

SUSANNE: Als ich dazu kam, war nur noch der Jüngere am Wochenende mal hier. Die älteste Tochter war bereits als Aupair in Amerika. Die mittlere Tochter war gerade im Abitur. Ich habe mich immer gefreut, wenn die Kinder kamen. Also ich fand das super. Wir haben hier zusammen gesessen, haben gequatscht, ich habe mitbekommen, was bei den Kindern so passiert, wie das Leben in dem Alter ist. Das ist ja etwas, was man, wenn man selbst keine Kinder hat, nicht immer so direkt mitbekommt, was sind gerade Probleme in der Schule und was interessiert einen 16jährigen heute. Ich habe aber in einer vorherigen Beziehung das schon mal ganz anders gehabt.

In meiner vorherigen Beziehung war ich Teilzeitstiefmutter. Das heißt, da hatte mein damaliger Partner ein deutlich jüngeres Kind, was seit dem vierten Lebensjahr ein Wechselmodell bei den Eltern war. Das heißt, ich kenne alle Facetten sozusagen. Ich kenne diese Facetten, dass das Kind wirklich auch mit bei einem wohnt. In meiner jetzigen Ehe allerdings ist das so, dass die Kinder nie mit mir zusammen gewohnt haben. #00:03:53-7#

PETER: Wie haben die Kinder so auf dich reagiert? Also man kommt da in so einen, sage ich jetzt mal, System rein von außen. Und da muss man sich erst mal aneinander gewöhnen. Wie war das für dich und wie war das für die Kinder? #00:04:11-3#

SUSANNE: Also bei uns lief das relativ komplikationslos ab die ersten drei Jahre, würde ich sagen. Das war prima, ich hatte Kontakt, auch ohne meinen Mann mit den Kindern. Wir haben uns über die ganzen neuen modernen sozialen Medien, die es so gibt, ob es Facebook, WhatsApp, Skype und die ganzen Kanäle, über die man sich kontakten kann, haben wir uns kontaktet. Die Kinder waren sehr schnell nach dem Abitur im Ausland. Das heißt, sie haben auch gar nicht mehr hier bei uns in der Nähe gewohnt, wie vorher. Es war also relativ schnell gleich dieser Kontakt zu Kindern, die sehr weit weg sind. Und der funktioniert nun mal über Skype und über Telefon und über Internetkanäle. Und das war gut.

Es war wirklich ein guter Kontakt, wir haben uns sehr gut verstanden. Wenn sie hier in der Gegend, in Norddeutschland waren, bei der Mutter, waren sie auch immer bei uns. Oder wir haben uns irgendwo getroffen, wir haben die Kinder besucht, da wo sie dann jeweils studierten. Also das war schön. #00:05:23-7#

PETER: Was ist deiner Meinung nach so die größte Herausforderung für Stiefmütter oder Stiefväter? #00:05:32-8#

SUSANNE: Die größte Herausforderung, ich nenne es Fremdbestimmung, ist, dass ich mit meinem eigenen System, mit meinem Familiensystem, mit meinen Vorstellungen, wie Familie funktionieren könnte oder sollte, zum Teil mit Idealvorstellungen, weil ich noch nie Kinder hatte, zum Teil mit meinen realen Vorstellungen, weil ich vielleicht selber als Stiefmutter schon Kinder habe. Das gibt es ja auch oft aus vorherigen Beziehungen. Stoße ich auf einmal auf ein ganz anderes System. Und der ganz große Unterschied, den wir heute haben im Gegensatz zu früher, ich sage, früher waren zum Beispiel die Eltern universeller einig, was bei der Kindererziehung wichtig ist.

Ich gebe Beispiele, Kinder will man sehen und nicht hören. Solange du deine Füße unter meinem Tisch hast, gilt mein Wort. Es gab Kindertische bei Feiern und Erwachsenentische. Kinder sollten möglichst ruhig sein. Abends, wenn der Vater nach Hause kam, musste sie ihn mit adrett gekämmten Haaren und gewaschenen Händen begrüßen. Also so diese Vorstellung, die wir alle noch kennen, wie bis vor gar nicht langer Zeit Familie gelebt wurde. Heute ist das ganz anders.

Also ich unterscheide jetzt mal ganz krass zwischen den Latte Macchiato Müttern in Berlin Mitte, die mit ihren Kindern ins Restaurant gehen, die überall herumlaufen. Und den Landmüttern, die vielleicht noch wirklich den Kindertisch bei einer Feier haben. Wenn ich jetzt eine Landmutter bin und denke, Kinder müssen ordentlich gekleidet sein und müssen schweigen, wenn die Erwachsenen reden. Und ich komme mit einem Mann zusammen, dessen Exfrau eine Latte Macchiato Mutter ist, dann prallen einfach zwei Welten aufeinander. Und das ist, glaube ich, die große Herausforderung, vor der ganz viele Stiefmütter stehen. Dass sie einfach mit einer anderen Welt konfrontiert werden, in der sie auch wenig Einflussmöglichkeiten haben, wenig Prägungsmöglichkeiten. Und in der sie dann stehen müssen, mit der sie sich arrangieren müssen, bei der sie Brücken bauen müssen zwischen ihrer eigenen Welt und der Welt der anderen Familie. #00:07:59-5#

PETER: Ja, das finde ich wirklich, da prallen wirklich zwei Welt aufeinander. Ich finde diese Begriffe, Latte Macchiato Mütter, habe ich jetzt noch nie gehört, aber finde ich sehr schön. #00:08:10-7#

SUSANNE: Ja, ich glaube, wer schon mal in Berlin Mitte in einem dieser Cafés war, wo man es wirklich erlebt, dass Kinder wild herumtollen, alle möglichen anderen Gespräche mit anderen Erwachsenen an anderen Tischen anfangen. Ob es diesen anderen Erwachsenen passt oder nicht. Und die Mütter, für die ist es dort selbstverständlich, das ist auch keine Kritik, das ist einfach ein ganz anderer Erziehungsstil. Diese Mütter würden wahrscheinlich denken, wie kann man ein Kind so gängeln, wenn sie aufs Land kommen und dort sehen, dass es anders läuft. #00:08:48-4#

PETER: Ja, genau. #00:08:48-9#

SUSANNE: Das heißt nicht, dass ein Erziehungsmodell besser oder schlechter ist als das andere, es sind nur grundlegen verschiedene Einstellungen. #00:08:54-9#

PETER: Du hast ja jetzt von Berufswegen und auch von deinem Blog her mit Stiefmüttern und Stiefvätern zu tun. #00:09:00-4#

SUSANNE: Sehr viele, ja. #00:09:01-3#

PETER: Ja, genau. Hast du mal oder kannst du uns zwei, drei Erfahrungen mitgeben, wie gehen die Mütter und die Väter damit um, mit dieser Situation, wo sie so konfrontiert werden, wo zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinander prallen? Gibt es da irgendwie einen Trick, einen Tipp? #00:09:25-3#

SUSANNE: Also es gibt nicht den einen generellen Tipp. Also ich kann immer nur wieder sehen bei den vielen, vielen Geschichten, die ich so höre, dass es ganz wichtig ist, dass man versucht, die andere Seite zu verstehen. Also die Stiefmutter versucht, die Position der Mutter zu verstehen und umgekehrt auch, dass die Mutter nicht sagt; tja wieso, die neue Frau von meinem Ex ist mir völlig egal, die gehört nicht zur Familie dazu, die ist außen vor, das interessiert mich nicht. Weil, das stimmt ja nicht. In dem Moment, wo ich mich als Paar trenne und sowohl die Mutter als auch der Vater wieder einen neuen Partner haben, ist das eben nicht egal, was die neue Partnerin oder als Mutter mein neuer Partner sagt. Die gehören für die Kinder durchaus mit dazu, das Kind verbringt ja Wochenenden oder Ferien oder vielleicht ganze Wochen mit dieser neuen Frau.

Und sie sollte mir darum nicht egal sein. Also selbst, wenn es natürlich eigentlich für uns als Menschen seltsam ist, mit einem Expartner meiner neuen Liebe ständigen Kontakt zu pflegen, das kommt ja in einer normalen Beziehung nicht vor. Welcher Mann sitzt denn irgendwie fast jeden Tag am Telefon mit seiner Exfreundin. Da würde ich als neue Frau sagen; du pass mal auf, leg auf, ne, die oder ich. Die Ebene ist aber natürlich eine ganz andere, wenn es um Elternschaft geht. #00:10:58-9#

PETER: Ja, das stimmt. #00:11:00-9#

SUSANNE: Und damit muss ich lernen zu leben und beide Seiten. Und das ist oft das Schwierige, weil oft die eine Seite irgendwie; ja wieso, die ist neu oder der ist neu, interessiert mich doch gar nicht. Aber doch, sie sind beide, beide Paare sind jetzt für die Kinder da. Und man kann es ja als Vorteil sehen. #00:11:22-0#

PETER: Ja, ich denke, die eine Seite ist ja die Seite der Eltern beziehungsweise der Erwachsenen und dann gibt es ja noch die Seite der Kinder, oder? #00:11:32-1#

SUSANNE: Ja. #00:11:32-8#

PETER: Jetzt werde ich da praktisch als / Ich komme da neu in eine Familie, und je nachdem, wie alt die Kinder sind, kann es einfacher sein und auch schwieriger sein, dass sich das integriert alles. Wie geht man mit dem um, wenn man spürt, dass die Kinder einen nicht so, ja, nicht so möchten, wollen? #00:11:53-0#

SUSANNE: Nicht mögen. #00:11:53-3#

PETER: Ja oder nicht mögen. #00:11:53-9#

SUSANNE: Einen ablehnen, ja das passiert. #00:11:55-0#

PETER: Oder einen ablehnen, ja. #00:11:56-4#

SUSANNE: Ja, das passiert. Also zunächst einmal, ich habe das ja selbst erlebt. Es ist eine ganz schwierige Situation, wenn man auf einmal abgelehnt wird von einem Kind, und zwar auch vehement abgelehnt wird und nicht weiß, was habe ich getan, was habe ich falsch gemacht, habe ich überhaupt was falsch gemacht. Und ich glaube, was bei Stiefeltern ein ganz wichtiger Faktor ist, und das ist völlig egal, ob ich Stiefmutter oder Stiefvater bin, ich muss oft gar nichts falsch machen, um abgelehnt zu werden.

Was ich falsch mache, ist, dass ich der neue Partner an der Seite von Mama oder Papa bin. Weil, die Kinder wollen alle nicht, dass Mama und Papa getrennt sind. Die wollen ja, dass Mama und Papa zusammen sind. Also jeder neue Partner, der fest in das Leben kommt, festigt die Situation der Trennung. Und damit müssen Kinder erst mal umgehen lernen. Also in dem Moment, wo ich als neue Partnerin meines Mannes komme, ist für die Kinder die Situation zementiert, dass Mama und Papa nicht mehr zusammen sind. Umgekehrt genauso, wenn die Mutter einen neuen Partner hat. Auch dann ist es für die Kinder in dem Moment die Situation zementiert, dass Papa nicht mehr zurückkommt oder Mama nicht mehr zurückkommt.

Und das wird den Neuen erst mal in die Schuhe geschoben, ganz unabhängig davon, ob der an der Trennung schuld ist oder Jahre danach kommt. Das ist völlig egal. Und das ist eine Situation, mit der man als Stiefelternteil erst mal zurechtkommen muss. #00:13:45-8#

PETER: Und wie macht man das am Besten? #00:13:49-1#

SUSANNE: Indem man den Kindern zuhört und indem man den Kindern zeigt, pass auf, ich verstehe, dass du es lieber hättest, wenn dein Papa hier wäre oder, wenn deine Mama hier wäre, je nachdem. Aber jetzt bin ich hier und lass uns doch mal gemeinsam gucken, wie wir es gut hinkriegen. Das ist jetzt viel Theorie, ne? Ich weiß, das ist auch nicht so einfach. #00:14:00-5#

PETER: Ja, aber der Ansatz ist gut. #00:14:02-6#

SUSANNE: Aber es ist für mich eigentlich der einzige Ansatz, der funktioniert, weil, ich kann es dem Kind ja nicht vorschreiben. #00:14:06-1#

PETER: Genau. #00:14:05-6#

SUSANNE: Ich kann ja nicht, was weiß ich, das ist ja nicht so etwas, wie, du ziehst jetzt aber Schuhe an, wenn du raus gehst. Oder, du putzt dir jetzt noch mal deine Zähne, bevor du ins Bett gehst oder so. Das ist ja eine ganz emotionale Sache. Und Mama und Papa werden von den Kindern geliebt, einfach so, ohne, dass sie was tun.

Die habe ich lieb, weil sie meine Mama und mein Papa sind. Und die Neue oder der Neue, muss sich so eine Art von Liebe erst mal, wenn es überhaupt zu einer Liebe kommt, ich sage immer, sei froh, wenn ihr euch gut versteht, ihr müsst euch nicht lieben. Aber dafür muss man was tun, das ist, wie in einer normalen Beziehung oder in der Nachbarschaft. #00:14:59-0#

PETER: Du hast vorhin gesagt, du warst selber betroffen. Wie hast du das für dich selber gelöst? Also wie hast du das gemeistert für dich? #00:15:08-0#

SUSANNE: Ich habe nicht den Konflikt gelöst, der ist nach wie vor da, es ist nach wie vor so, dass ein Kind nicht mehr mit uns Kontakt hat. Was ich aber für mich gelöst habe und auch mein Mann für sich lösen musste, war, dass ich das von mir entfernt sehen kann. Dass ich sehen kann, dass das mit mir als Person eigentlich wenig zu tun hat.

Es hat mehr mit mir in meiner Rolle als neue Frau ihres Vaters zu tun. Und da gibt es für Kinder ganz oft sehr große Loyalitätskonflikte. Und das ist nicht einfach für Kinder und ich werfe ihr das auch nicht vor, dazu braucht es allerdings, gebe ich ganz ehrlich zu, auch etwas Zeit. In dem Moment, wo so ein Kontaktabbruch passiert oder der ist ja meistens nicht mit einem liebevollen Gruß verbunden, sondern meistens mit einem handfesten Krach, ist man natürlich emotional aufgewühlt und denkt; das ist ja eine Frechheit, was ist denn das jetzt, das gibt es doch gar nicht, ich habe doch gar nichts gesagt.

Was man sich so in einem normalen Streit dann irgendwie so denkt oder was einfach vor einem steht. Und mit Abstand merkt man dann, dass es etwas ist, worauf ich auch gar keinen Einfluss habe. Es gäbe ja für mich auch gar keinen Weg mehr, einen Kontakt herzustellen, wie soll ich das machen. Und das muss man akzeptieren lernen und dann kann man damit auch leben lernen. Was die andere Seite ist, die man dann noch dazu hat, also bei mir als Stiefmutter war es jetzt, dass ich also mit dem Vater zusammen bin. Man hat dann einen Partner an seiner Seite, der sieht, dass es ein riesen Problem gibt und auch nicht weiß, wie er es lösen soll. Und dann muss man innerhalb der Beziehung schauen, dass man sich nicht gegenseitig dafür verantwortlich macht. #00:17:12-2#

PETER: Das finde ich noch spannend, ja, weil, ich kann mir vorstellen, dass es auch sehr belastend sein kann für eine Beziehung. #00:17:19-8#

SUSANNE: Natürlich. Natürlich, das ist, also bei uns war es damals so, dass dieser Kontaktabbruch im Prinzip direkt nach unserer Verlobung kam. Und es war dann noch von dem Moment an bis zu unserer Hochzeit ein gutes halbes Jahr. Und in diesem halben Jahr sind bei uns auch zum Teil die Fetzen geflogen. Weil, bis man so eine Situation annehmen kann, bis man damit leben kann, das dauert. Und für den Vater ist das natürlich ein viel größerer Schmerz als für mich.

Für mich war es einfach nur diese, ich sage jetzt mal banal, diese Verletzung durch ungerechtfertigte Vorwürfe. So habe ich es empfunden. Für meinen Mann war es der Verlust eines Kindes. Das ist eine ganz andere Dimension, das ist ein ganz anderer Schmerz, den er empfunden hat. Das ist bis heute ein Messer in seinem Herzen. Und, wenn ich irgendwas sagte dazu, dann habe ich an diesem Messer rumgerührt, ne.

Da habe ich Salz in die Wunde gestreut und egal, was ich sagte, ich habe seinen Schmerz verstärkt. Er hat wiederum nicht verstanden, dass ich so gar nichts (unv.) #00:18:32-2#. Man macht sich gegenseitig Vorwürfe, ganz einfach. Und man macht sich stumm, man macht sie ausgesprochen, das ist ganz unterschiedlich. Aber ich glaube, dass man sich immer gegenseitig Vorwürfe macht. Und bei uns war es damals so, dass ich mir ein paar Mal überlegt habe, soll ich eigentlich wirklich heiraten oder ist das irgendwie ein Signal, dass ich mir das alles noch mal sehr gut überlegen sollte. #00:18:55-0#

PETER: Und du hast dann doch geheiratet. #00:18:57-8#

SUSANNE: Ja. #00:19:00-3#

PETER: Ja, nein, also ich finde es spannend, weil, es geht ja immer darum, dass diese Situationen oder das ist wirklich eine Herausforderung, vor der man da steht. Und wie geht man damit um? Und ich finde, diese Strategie, die du da erwähnt hast, dem Kind gegenüber, aber, glaube ich, auch dem Partner gegenüber, dieses sich so ein bisschen aus der Szenerie rausnehmen. Also so eine Metaebene einzunehmen, wenn man das schafft, kann glaube ich, sehr hilfreich sein. #00:19:28-6#

SUSANNE: Also für mich war es wirklich das Einzige, wovon ich gemerkt habe, es hilft. Ich habe natürlich am Anfang versucht, ich weiß nicht, Briefe zu schreiben, eine E-Mail zu schreiben, mit ihr zu telefonieren, also diese normalen Sachen, die man macht. Das hat gar nichts gebracht, das hätte ich mir sparen können, gut, aber das weiß man ja erst hinterher, was man sich sparen kann. Und ich habe gemerkt, mich selbst davon zu entfernen, ja, du sagst Metaebene, das trifft es wahrscheinlich.

Also zu sehen, dass ich mir keinen Vorwurf machen muss. Wenn, muss sie mir einen Vorwurf machen, einen konkreten, und dann kann ich darauf reagieren. Aber ich kann mir jetzt nicht alle Vorwürfe dieser Welt selber machen und gucken, trifft der zu oder trifft der nicht zu. Weil, ich weiß ja im Prinzip bis heute gar nicht, was sie mir vorwirft. Es gab ja nie eine Erklärung für den Kontaktabbruch. Und dann muss ich das so akzeptieren und so ist das für mich. Aber das ist jetzt natürlich nicht ein allgemeines Stiefmutterproblem, mit dem jede Stiefmutter irgendwann mal zu tun haben wird.

Das ist jetzt bei uns so, es gibt Beziehungen, wo es kaum Probleme gibt, es gibt Beziehungen, wo es viel, viel größere Probleme gibt. Aber ich glaube, was bei allen Stiefmüttern oder auch Stiefväter dann dazu kommt, ist dieses sich immer wieder hinterfragen; hat das eigentlich wirklich mit mir zu tun oder geht es da eigentlich um was ganz anderes. #00:21:03-3#

PETER: Und was ist deine Erfahrung so, die du machst mit anderen Müttern und Vätern? Wo ist da der größere Anteil? Oder gibt es das überhaupt? Oder ist das gleichwertig? #00:21:22-0#

SUSANNE: Also ich glaube, das ist echt tatsächlich überall unterschiedlich. Was ich aber sehe, ist, dass es ganz offensichtlich unglaublich schwer ist, aus seiner eigenen Kinderperspektive herauszukommen. Ich habe jetzt gerade ein aktuelles Beispiel. Eine Frau, die ist selbst Stiefmutter, die hat es selbst nicht leicht, man sollte doch denken, dass sie Verständnis für eine Stiefmutter hat. Nein. Sie wirft ihrer eigenen Stiefmutter im Prinzip alles vor, was ihr eigenes Stiefkind ihr auch vorwirft.

Was sie bei ihrem eigenen Stiefkind aber als völlig unberechtigt abtut, was sie bei ihrer Stiefmutter mit erklären wollte. Aber die hat jetzt das gemacht, die hat jetzt das, die hat jetzt das gemacht. Also es fehlt dieser Blick, bei den eigenen Eltern fehlt einfach dieser Blick, das sind auch nur Menschen. Weil, meine eigenen Eltern sind immer meine Eltern. Und genauso, wie ich für meine Eltern immer das Kind bleibe, bleiben meine Eltern für mich immer auch irgendwie, alle Sachen, die aus der Jugend passiert sind oder aus meiner Kinderzeit, habe ich im Rucksack mit im Gepäck.

Wie es doch immer so war und mein Vater war doch immer so und so und der hat doch immer das und das gemacht. Also ist er so. Und jetzt kommt eine neue Frau und mein Vater macht Dinge anders und dann gestehe ich ihm nicht zu, dass er das vielleicht anders macht, weil er auf einmal sieht; hey, das gefällt mir so viel besser. Sondern ich denke, das hat diese neue Frau ihm jetzt eingeredet. Also es ist schwierig, zwischen diesen unterschiedlichen Ebenen zu wechseln. #00:23:07-9#

PETER: Also was ich da so raus höre, ist einfach, dass da recht viel so Schuldzuweisungen in alle Richtungen passieren? #00:23:14-0#

SUSANNE: Ja, in alle Richtungen. Es hat jeder mal Schuld. Also, wenn es ein Problem gibt in einer Stieffamilie, dann wird dieser Schwarze Peter sozusagen rundum geschoben. Dann ist mal, also als Erstes sind immer die Außenstehenden schuld. Darum trifft es meistens als Erstes die Stiefmutter, weil, bevor ich die Schuld bei mir suche, gucke ich ja erst mal auf den anderen. Und die Stiefmutter ist neu im System und gehört auch nicht zu dem ureigenen Kern, Papa, Mama, Kind, dazu.

Also ist sie die Schuldige. Gut. Umgekehrt genauso. Für die Stiefmutter ist nicht als Erstes das Kind oder ihr eigener Partner der Schuldige, sondern ist als Erstes die Exfrau die Schuldige. Also das sind so die ersten Schwarze Peter Reihumgänge, die so passieren. Man schiebt als Stiefmutter, erst mal ist die böse Ex, die ist ja völlig daneben, wie die sich verhält, so geht das doch gar nicht. Umgekehrt ist natürlich die Mutter, also diese neue Frau, da hat er sich aber eine an Land gezogen, meine Güte. Und für die Kinder ist klar, sie sind dann für ihren Papa oder ihre Mama und die jeweils Neuen haben erst mal gar nichts zu sagen. Und irgendwann wendet sich das Blatt, dann irgendwann gibt man auch mal dem Kind die Schuld, irgendwann gibt man auch dem eigenen Partner die Schuld.

Als aller Erstes gibt man meistens sich selbst die Schuld. Also der Schwarze Peter wird in solchen Familien wirklich immer reihum gereicht und das ist normal. Also das ist etwas, was man einfach lernen muss, dass es eigentlich überall so ist, dass es mal irgendwie Vorwürfe gibt und dass überall mehrere Schuldige zur Verfügung stehen. #00:24:54-9#

PETER: Hast du beim ersten Mal, als du Stiefmutter geworden bist, dich angefangen irgendwo zu informieren? Also wie geht es anderen? Oder gab es Bücher zu dem Thema? #00:25:11-7#

SUSANNE: Das habe ich beim zweiten Mal gemacht. Das habe ich gemacht, als der Kontaktabbruch war. Also als ich das erste Mal Stiefmutter war in dieser Wechselmodellbeziehung, da habe ich zum Teil gelitten, aber ich bin damals nicht auf die Idee gekommen, irgendwie nach Büchern zu suchen, nach Ratgebern zu suchen oder irgendwie so was. Weil, da habe ich eigentlich immer nur gedacht, ich hätte irgendwie ein Problem und ich habe das als Problem auch in der Partnerschaft gesehen. Damals hatte ich das Problem, dass alles, was ich gesagt habe, völlig egal war. Also mein Leben wurde von einem Kind komplett bestimmt, was nicht meins war.

Und Wechselmodell bedeutet ja, dieses Kind ist eine Woche bei der Mama, eine Woche beim Papa. Es gab zwischen Mama und Papa, bei den beiden einen sehr guten Kontakt. Das war, ich kannte die Mutter sogar eher, als ich meinen Partner dann später kennenlernte. Und ich mochte die Mutter auch, sie mochte mich, das war alles gut, es war alles so, wie man es denkt, Traumvorstellung.

Das Problem war, dass Mama und Papa alles miteinander entschieden haben, und zwar komplett ohne, dass ich in irgendwas involviert wurde. Und das ist etwas, was weiß ich, wir hatten verabredet, am Freitag gehen wir auf eine Feier. Dann ruft die Mutter an und fragt den Papa; du, kannst du vielleicht am Freitag sie schon eher nehmen, weil, ich … Ja, ja, kein Problem. Also es wurde nicht mit mir Rücksprache gehalten; sag mal, ist das okay, wenn das Kind schon am Freitag kommt.

Es wurde einfach nur zwischen den Eltern besprochen. Und das war für mich nach einigen Jahren so, dass ich gesagt habe, das geht so nicht mehr. Das ist eine Problematik, die in meiner jetzigen Beziehung überhaupt gar nicht da ist. Da gibt es das nicht. Insofern, es gibt kein Allgemeingültiges und ich bin die gleiche Frau. #00:27:17-6#

PETER: Okay. Also, das heißt, gab es kein Buch, was dir geholfen hat oder war das der Grund, warum du selber ein Buch geschrieben hast? #00:27:25-4#

SUSANNE: Das war der Grund, warum ich selbst ein Buch geschrieben habe. Ich habe dann / In meiner ersten Beziehung habe ich gar nicht erst danach gesucht, weil es mehr um Partnerschaft ging. Und in meiner zweiten Beziehung habe ich dann geguckt; ja, wie geht man mit so was um; und festgestellt, da gibt es nichts. Und dann habe ich recherchiert.

Dann habe ich, das weiß ich noch, ich habe nach diesem Kontaktabbruch eine Anzeige aufgegeben, hier in einer lokalen Tageszeitung. Und habe eine Anzeige aufgegeben, dass ich nach anderen Stiefmüttern suchen würde für einen Kontaktaustausch. Und habe keine Chiffre, ich glaube, ich habe eine E-Mail-Adresse genannt. Und die Anzeige erschien an einem Samstag und ich habe die Anzeige gelesen in der Tageszeitung und gedacht; ach Mensch, die haben die falsche Endung rangemacht. Also meine E-Mail-Adresse endete auf .net und die hatten in der Zeitung .de gedruckt. #00:28:31-6#

PETER: Alles klar. #00:28:32-3#

SUSANNE: So, habe ich natürlich nicht auch nur mit einer einzigen Zuschrift gerechnet. Fehler. Ich habe sechs E-Mails bekommen von Frauen, die gesagt haben; ja, meine erste E-Mail ist zurückgekommen und dann habe ich mal recherchiert und bis ich deine richtige E-Mail hatte. Ich habe mal alle möglichen Endungen geschrieben und so.

Und dann habe ich mir gedacht; oh, da muss aber ein großes Problembewusstsein sein oder ein großer Drang danach, sich auszutauschen. Weil, wenn ich versuche, die richtig E-Mail-Adresse heraus zu bekommen, wenn ich eine Rücksendung bekomme, weil die E-Mail-Adresse falsch war, dann muss ich einen Druck haben. Und so war das auch. Ich habe mir diesen Frauen gesprochen, ich habe mittlerweile mit über 1000 Frauen, glaube ich, gesprochen. Und die waren alle so, dass sie sagten; Mensch, als ich Ihre Anzeige gelesen habe, das hat getriggert, das hat richtig getriggert bei mir, weil, da stand alles vor mir und es gibt ja sonst niemanden, mit dem ich darüber reden kann. #00:29:37-0#

PETER: Das heißt, da hast du so ein richtiges Tabuthema erwischt. #00:29:41-6#

SUSANNE: Das Gefühl hatte ich damals, ja. #00:29:42-8#

PETER: War das auch der Grund, warum du deinen Blog gestartet hast? #00:29:45-5#

SUSANNE: Ja. Also es war erst mal der Grund, warum ich das Buch geschrieben habe. Und dann, als das Buch schon fertig war, aber bis so ein Buch fertig ist und bis es dann gedruckt wird, das war damals ein großer Verlag, Random House, da dauert alles unglaublich lange.

Da hatte ich noch so viel Material und habe gedacht; ach Mensch, dann fange ich mal mit einem Blog an, kann ja so. Dann habe ich da irgendwie, mache da was rein. Und dieser Blog ist mittlerweile wirklich groß geworden, womit ich auch gar nicht gerechnet hätte. Der hat ein ganz eigenes Leben aufgenommen. Und da kann ich wirklich alle Bereiche dieser Probleme mittlerweile einsehen und sehe auch, dass das / Auf dem Blog habe ich so viele Geschichten gehört, mir schreiben so viele Frauen.

Ich habe da jetzt ein eigenes Forum eingerichtet, wo die Frauen selber was schreiben können, dass das nicht alles über mich gehen muss. Und was man da liest, da merkt man, das ist für viele ein Ventil. Ich kann es raus lassen, ich kann endlich mal sagen, wie ich mich fühle, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Denn das haben wir fast alle, wir Stiefmütter. Wir haben ja ein schlechtes Gewissen, wenn es nicht 100%ig und wie wir uns das dann in unserer Illusion vorgestellt haben. #00:31:02-6#

PETER: Ja, man steckt da auch in so einem Dilemma. Einerseits hat man den Partner, den man liebt oder in den man sich verliebt hat. Und dann hat der Partner ein Kind und eventuell wird man abgelehnt oder es gibt irgendwelche anderen Schwierigkeit. Und man ist wie hin und her gerissen, oder? #00:31:19-9#

SUSANNE: Ja. Es ist, wir stellen uns das nicht so schwierig vor vorher. Das höre ich von fast allen Frauen, die gedacht haben; ja, ich habe gedacht, das ist ein Kind, das wird doch nicht, ich habe selber ein Kind oder ich wollte immer Kinder oder ich mag Kinder; je nachdem. Was für eine Dynamik da sich entwickeln kann, das ahnt man nicht. Und die kann man auch nicht vorhersagen.

Genauso wenig, wenn man sich kennenlernt, denken doch alle, wenn sie heiraten, ja, wir bleiben bis ans Ende zusammen. Kann man vorhersagen, wenn sie sich trennen, wie wird die Trennung. Weiß man vorher, ob das schmutzig, dreckig, blutig wird oder ob sich eigentlich zwei Menschen sagen; Mensch ist traurig, wir haben es nicht geschafft, aber es ist besser, wir trennen uns. Das weiß man nicht. Und genauso wenig weiß man als Stiefmutter, wird das zwar anstrengend, aber eigentlich okay oder wird das richtig deftig. #00:32:21-0#

PETER: Hättest du noch als Abschluss so einen Hinweis oder einen Tipp für Paare, die frisch zusammenkommen, wo es klar ist, da wird einer die Stiefmutter oder der Stiefvater sein? #00:32:35-3#

SUSANNE: Häng dich nicht zu sehr rein. Also das ist wirklich aufgrund meiner eigenen Erfahrung und auch aufgrund all der Sachen, die ich so lese oder höre und geschrieben bekomme. Mache dir seine Sache nicht zu deiner Sache. Also es ist, eigentlich der Kernsatz ist; du bist nicht die Mutter. Und es gibt eine Ausnahme, das ist die Stiefmutter, die relativ kleine Kinder bekommt, ich sage jetzt mal, so zwischen Baby und zwei, drei Jahre, die beim Vater fest leben und wo der Kontakt zu der Mutter wirklich nicht gegeben ist oder kaum gegeben ist oder so.

Das ist wirklich was anderes, da werde ich die Mutter. Das ist für mich so ähnlich wie eine Adoptivmutter, also da werde ich einfach die Mutter. Auch für das Kind. Aber ansonsten, gerade, wenn Kinder schon älter sind und, wenn es einen wirklichen Kontakt zur Mutter gibt oder die Kinder bei der Mutter leben, die Kinder haben eine Mutter und die wollen keine zweite Mutter. Und ich kann mich einbringen, ich sollte mich nicht verbiegen, ich sollte nicht immer Sachen gegen meine inneren Bedürfnisse machen oder gegen meine eigenen Vorstellungen angehen. Aber ich sollte nicht versuchen, seine Probleme zu lösen. #00:33:58-6#

PETER: Ja, danke. Ich möchte das eigentlich so als Schlusssatz stehen lassen. Ich möchte mich auf jeden Fall bei dir bedanken, dass du uns da so einen Einblick gegeben hast in diese Welt der Stiefmütter und Stiefväter. Und ich möchte auch unbedingt deinen Blog empfehlen, weil, der ist wirklich sehr, sehr gut und auch die Kommentare, die man drin liest. Also man merkt, dass es die Leute berührt und dass es da einen großen Bedarf gibt, darüber zu reden. Dass es eben nicht so einfach ist Stiefmutter oder Stiefvater zu sein. #00:34:36-6#

SUSANNE: Was ich immer feststelle, es gibt in der Gesellschaft ja ansonsten kaum einen Anlaufpunkt. Wo soll ich denn hingehen, wenn ich meine / Wenn ich selber Kinder habe, gehe ich, ich sage mal, auf den Spielplatz und sehe dort andere Frauen, dann kann ich davon ausgehen, das sind Mütter. Aber wie erkenne ich eine Stiefmutter? Das ist ihr ja nicht auf die Stirn gebrannt oder so. Und da einen Austausch zu finden, da jemanden zu finden, der in einer ähnlichen Situation ist und der vielleicht Verständnis für meine Probleme hat, vielleicht auch mal meinen Kopf gerade rückt, weil ich mich gerade in irgendwas viel zu sehr rein steigere.

Das ist schon schwieriger und ich merke, dass eigentlich fast alle E-Mails von Erstlesern, die ich bekomme, fangen mit dem Satz an; ich bin so glücklich, dieses Forum hier gefunden zu haben. Das ist eigentlich traurig, dass es in unserer Welt heute nicht viel, viel normaler ist, dass Stiefeltern genauso über ihre Probleme oder ihre Freuden oder ihre familiären Angelegenheiten sprechen können, wie Eltern. #00:35:35-5#

PETER: Darum finde ich das wirklich sehr schön, was du da machst. Und möchte eigentlich alle Hörern empfehlen, sich diesen Blog anzuschauen, Stiefmutter Blog. Auch, wenn man keine Stiefmutter oder Stiefvater ist, ist es wirklich sehr spannend. Und ich wünsche dir, ja, alles Gute. #00:35:52-2#

SUSANNE: Dankeschön. #00:35:53-6#

PETER: Und vielen Dank für deinen Einblick in diesen Bereich. Ich fand es sehr, sehr spannend. #00:36:03-1#

SUSANNE: Danke und ich finde es toll, dass du Podcasts machst, wo man reinhören kann und in eine fremde Welt reinhören kann. Ich finde das persönlich sehr, sehr spannend, weil man bekommt sonst nicht so einen intimen Einblick. #00:36:15-3#

PETER: Genau, das ist so. Das ist immer die Frage, ist es bei anderen auch so. Und oft ist es dann / #00:36:22-0#

SUSANNE: Und oft; nein bei uns ist alles super, alles super. #00:36:25-6#

PETER: Genau. Also gut. #00:36:29-1#

SUSANNE: Gut. Einen schönen Tag noch. #00:36:31-6#

PETER: Danke. Tschau Susanne. #00:36:31-6#

SUSANNE: Tschüss.

Sylvia Schodruch: Scheidungsanwältin die Menschen verbindet [020]

Sylvia Schodruch

Also, jeder hat eigene Vorstellungen und vielleicht auch Erwartungen, aber alles klappt, wenn man spricht, oder nichts kann klappen, wenn man nicht spricht.

Sylvia erzählt im Interview:

  • Ich habe so eine Vorstellung von Kindern gehabt, wie: Ich wollte nicht alleine sein. Und mir war wichtig, dass ich das, was ich im Leben gelernt habe, unbedingt weitergeben kann.
  • Ich habe bis kurz vor der Entbindung gearbeitet. Ich glaube, bis eine Woche vorher. Und zwei Wochen später bin ich schon wie ein Känguru mit einem Säckchen vor dem Bauch wieder im Büro gewesen.
  • Durch die Geburt und die ganz tollen Gefühle, die man danach hatte, konnte ich plötzlich zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden.
  • Die Leute sagten immer zu mir: “Ja, ich kann verstehen, dass du nicht heiratest, schliesslich hast du den ganzen Tag mit Scheidungen zu tun.“
  • Ich bin ja immer als selbständige Rechtsanwältin tätig gewesen, aber definiert habe ich mich irgendwie über Haus und Kind.
  • Jeder hat eigene Vorstellungen und vielleicht auch Erwartungen wie man als Paar sein soll, aber alles klappt, wenn man spricht, oder nichts kann klappen, wenn man nicht spricht.

 

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Sylvia Schodruch: Scheidungsanwältin die Menschen verbindet [020] jetzt hören

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Wer sich getrennt hat und Beratung braucht, die ganzheitlich ist und nachhaltig, mit Humor und authentisch – ich hatte das alles selbst und das war NICHT schön;-), der ist bei mir genau richtig.

Ich hole jeden genau da ab, wo er steht. Trennungskinder werden mit meiner Mitwirkung glückliche Trennungskinder – garantiert!

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Sylvia Schodruch

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53773 Hennef

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Stark und Alleinerziehend


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Mein heutiger Interviewgast bei Elternpodcast ist Sylvia aus Hennef. Hallo Sylvia. #00:00:19-3#

SYLVIA: Hallo, lieber Peter. #00:00:23-0#

PETER: Liebe Sylvia, erzähle uns doch erst mal, wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast. #00:00:39-2#

SYLVIA: Also, zunächst mal ganz, ganz herzlichen Dank für die Einladung. Wer bin ich? Ja, ich bin die Paragraphen-Sylvia aus Hennef. Eine alleinerziehende ganzheitliche Familienanwältin aus Hennef. Ich habe ein Wunschkind vor 22 Jahren bekommen, und das ist vor eineinhalb Jahren ausgezogen. #00:01:06-5#

PETER: Das heißt, es hat sich vor 22 Jahren etwas verändert, und jetzt auch, glaube ich, oder? #00:01:11-0#

SYLVIA: Ja. Total. Ich hatte mich die 21 Jahre, oder 21,5 Jahre über Haus und Kind definiert, und innerhalb von drei Monaten habe ich einen schnellen Wechsel gemacht, weil Kind gefragt hat: „Mama, es macht dir doch nichts, wenn ich ausziehe?“ Und ich so: (Schreckenslaut) „Nein, überhaupt nicht.“ Ja, dann wurde ich dann gefragt: „Warum heulst du dann?“ – „Ach,“ ich sage, „ist alles gut.“ Und, ja, und dann / Er wollte ausziehen, dann habe ich gesagt: „Gut, es macht dir doch nichts aus, wenn ich das Haus verkaufe?“ – „Wie jetzt?“ Und, ja. (lacht)

Aber wir haben uns dann geeinigt, dass das für mich alleine zu groß ist. Und dann ist er gegangen und hat keine Wohnung gefunden. Dann habe ich ihn mit seiner Freundin mit hier in meine neue Traumwohnung genommen. Aber nach drei Monaten ist es dann auch so gewesen, dass ich in der Wohnung wirklich alleine war. Und dann bin ich in ein ganz tiefes Loch gefallen. #00:02:07-1#

PETER: Okay. Ich komme später noch mal darauf zurück. Was mich noch interessieren würde: Was hat sich damals für dich verändert, als, wie ich es verstanden habe, dein Sohn auf die Welt kam, was, ja, was war dann / #00:02:20-2#

SYLVIA: Ja? #00:02:19-4#

PETER: Was war dann plötzlich anders? #00:02:25-5#

SYLVIA: Also, ich habe (lacht) so eine Vorstellung von Kindern gehabt, wie: Ich mache mich da jetzt ein bisschen lächerlich, aber es ist tatsächlich so. Ich wollte nicht alleine sein. Und mir war wichtig, dass ich das, was ich im Leben gelernt habe, wollte ich unbedingt weitergeben, weil ich irgendwo dachte: Das muss ich / Warum habe ich das jetzt alles gelernt? Ich möchte es gerne weitergeben.

Natürlich so im Nachhinein betrachtet habe ich gedacht: Um Gottes Willen, was hatte ich bis dahin denn gelernt eigentlich, was ich weitergeben wollte mit 33? Aber nun, man bekommt ja jeden Tag eine neue Chance, ne? (lacht) Und ja, das hat sich dann, hm, man ist dann drin im Betrieb. Baby war dann da, Sonne ging auf, und, ja, dann ging es weiter. Also, es hat sich nicht wirklich was verändert, außer dass ich nicht mehr alleine war. #00:03:32-2#

PETER: Und hast du dann / warst du vorher berufstätig? Hast du gearbeitet, und wie war das dann hinterher? #00:03:38-3#

SYLVIA: Also, ich bin mit dem dicken Bauch bis kurz / Ich bin schon damals selbständige Rechtsanwältin gewesen, habe meinen Papa so aus der Rente wieder zurück geholt, mit dem hatte ich zwar pro forma die Sozietät, aber gearbeitet hat er nicht mehr wirklich, weil er auch vorher im Parlament schon gewesen war, und dann nur noch so eine Mutterschaftsvertretung für mich gemacht hat. Also, ich habe bis kurz vor der Entbindung gearbeitet. Ich glaube, bis eine Woche vorher. Und zwei Wochen später bin ich schon wie ein Känguru mit einem Säckchen vor dem Bauch wieder im Büro gewesen. #00:04:05-5#

PETER: Das heißt, du hast dann nach der Geburt praktisch gleich weitergearbeitet? #00:04:09-2#

SYLVIA: Richtig. Ich habe ungefähr ein Jahr gestillt und hatte das Kind überall mit hin. Und habe dann das wunderbare, ja, das richtige Wunder genießen dürfen, dass ich ungefähr für die gleiche Arbeit nur noch die Hälfte der Zeit brauchte. #00:04:34-5#

PETER: Ah ja. Wie ist das passiert? (lacht) #00:04:36-8#

SYLVIA: Das ist passiert durch die Geburt und die ganz tollen Gefühle, die man danach hatte, und dass ich plötzlich zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden konnte. #00:04:52-0#

PETER: Ah ja, spannend. #00:04:54-0#

SYLVIA: Meine Schriftsätze waren um die Hälfte kürzer, es war auf einmal alles auf den Punkt gebracht. Also, es war wirklich / Ich habe innerhalb von einem Monat oder so, wenn ich mir die Akten im Nachhinein angeguckt habe, habe ich gedacht: Meine Fresse, was hast du eigentlich vorher gemacht? (lacht) #00:05:06-9#

PETER: Interessant. und / #00:05:08-3#

SYLVIA: Ja. #00:05:08-3#

PETER: Und wie war das damals? Also, ich stelle mir das jetzt mal als Anwältin, wenn du dein Kind, dein kleines Kind dabei hast, hat das immer funktioniert? Oder wie / #00:05:18-3#

SYLVIA: Hat wirklich immer funktioniert, denn ich bin Familienanwältin, und ich habe meinen Beruf gelebt. Fertig. #00:05:24-5#

PETER: Ja, stimmt, ja. #00:05:26-3#

SYLVIA: Also, es waren ja auch viele Leute, die gesagt haben: „Ja, ja, kann ich verstehen, dass du nicht heiratest, weil, ich meine, du hast den ganzen Tag mit Scheidungen zu tun.“ Ja, das war auch so. Mhm (bejahend). #00:05:38-5#

PETER: Okay. Und wie haben deine Kollegen, deine Anwaltskollegen, oder auch die, ich sage jetzt mal, auch die Richter reagiert? #00:05:48-9#

SYLVIA: Also, durchweg positiv. Und wenn nicht positiv, dann kann ich mich da heute nicht mehr daran erinnern. Verdrängt. #00:05:58-2#

PETER: Okay. (lacht) Auch nicht schlecht, ja. Was war für dich im Nachhinein so die größte Herausforderung, die du gehabt hast? #00:06:07-2#

SYLVIA: Wirklich immer alles alleine zu machen. Ich habe zwar ein Zauber-Wunschkind gekriegt, aber war damit dann immer alleine. Ich konnte ihn gelegentlich mal bei meinen Eltern parken, aber eher doch nicht. Und dann war das einer, der von Anfang an nur gefahren hat / Gefahren hat. Ja, super. Geschlafen hat, wenn irgendwas gefahren ist. Also, völlig egal, ob Kinderwagen oder Auto. Dann ging schlafen. Und auch brav von Anfang an nachts durch. Alles wunderbar. Aber tagsüber war er ständig hellwach und aufmerksam. Es sei denn, irgendetwas fuhr. #00:06:56-8#

PETER: Okay. Wie hast du das für dich damals gelöst, also diese, ich sage mal, dieses permanent alleine, die Verantwortung zu tragen? Und auch so mit dem Wissen: Ja, das bleibt so? #00:07:12-2#

SYLVIA: Also, ich hatte damit nicht wirklich ein Problem. Ich habe im zweiten Lebensjahr für eine Weile eine Kindesmammi gehabt, weil ich da auch mich überschätzt hatte, was die Annahme von neuen Sachen anging. Und mein Papa war ja dann / hat sich ja dann sanft wieder zurückgezogen. (lacht) Und da hatte ich das Kind dann mal ein Jahr bei einer Tagesmammi, aber ansonsten habe ich das so / habe ich mich da durchgewurstelt. #00:07:48-2#

PETER: Hat dir da etwas dabei geholfen? Also, weil ich stelle mir das jetzt einfach mal vor, wenn man zu zweit ist, dann kann man die Verantwortung ab und zu immer mal abgeben, und es ist nicht so wie so losmachen und für sich selber schauen. Aber als Alleinerziehende ist man da wirklich permanent dran? #00:08:08-8#

SYLVIA: Ja. #00:08:10-4#

PETER: Hattest du da irgendwelche Strategien entwickelt, wie du damit umgehst, oder dass es dir gut geht? #00:08:15-9#

SYLVIA: Nein. Nicht wirklich. Also, ich habe auch, als mein Sohn vier war, ist mein Vater gestorben. Also, da war ich dann definitiv RICHTIG alleine. Da war ich dann im Büro auch noch so, dass / Also, krank gehen ging dann auch nicht mehr, oder Kind ist krank oder so, also, es war organisationstechnisch wirklich eine große Aufgabe. Und worauf ich immer geachtet habe, ist, dass ich wirklich schönen Urlaub mache mit dem Zwerg.

Also, die Urlaube waren immer richtig, richtig toll, und ich habe auch später immer Wohnmobile ausgeliehen, damit ich im Urlaub / Also, angekommen auf dem Campingplatz, Türe aufgemacht, und eine Stunde später kommt das Kind ja dann schon wieder und sagt / Oder, ach, zehn Minuten später: „Wann gibt es Essen? Ich habe einen Freund mitgebracht.“ Also, das war die Lösung, die Superlösung für die Urlaube immer. Also, nichts mit Hotel oder so, sondern Wohnmobil. Und das auch alles alleine. #00:09:23-2#

PETER: Ja, das ist bewundernswert, ja. #00:09:27-1#

SYLVIA: Ja, so im Nachhinein, ja. So aus der Ferne betrachtet, war es tatsächlich nicht so einfach. Aber ich habe es nicht wirklich so wahrgenommen. #00:09:34-9#

PETER: Okay. Welche Fähigkeiten oder Stärken hast du durch dein Mama-Sein neu entwickelt oder entdeckt? #00:09:43-4#

SYLVIA: Ja. Also, dieses / den Fokus auf das Wichtige. Also, fasse dich kurz, und, ja, ich habe einen großen Unterschied, oder sehe ich heute noch wirklich, einen großen Unterschied zwischen Menschen, die Kinder haben, und die, die keine Kinder haben. Das ist einfach / Der Fokus auf dem Ich schmilzt doch sehr. Aber das finde ich total angenehm. Also, jetzt nicht im Sinne von überversorgen oder so, sondern einfach, dass man sich nicht so wichtig nimmt. Denn wir sind ja nicht viel mehr als irgendwie ein Quadrittel von einem Sandkorn, ne? #00:10:22-8#

PETER: Mhm (bejahend). Genau. So wie ich das verstanden habe, hast du dich bewusst entschieden, alleine Mutter zu sein? #00:10:27-5#

SYLVIA: Ja. Ja. #00:10:29-8#

PETER: Und wie hat das Umfeld reagiert? Also, ich meine, ja, ob,jetzt Familie oder Nachbarn oder / #00:10:36-7#

SYLVIA: Also, das ist ganz interessant. Ich habe zwar ganz tief in mir drin so ein Gen oder erziehungstechnisch so: Du musst doch jetzt gefallen, und so macht man das, und so. Oder hatte ich damals. Aber ganz, ganz tief in mir drin habe ich im Grunde genommen immer gemacht, was ich wollte. Also, dieses Bedürfnis und dieses Bestreben, ein Kind zu kriegen, das war da. Und dann habe ich das umgesetzt. #00:11:06-3#

PETER: Das ist natürlich spannend, ja. #00:11:06-8#

SYLVIA: Auch, ja. Nicht gegen den Willen von irgendjemanden. Also, das jetzt nicht. #00:11:18-5#

PETER: Ja, trotzdem kann ich mir vorstellen, dass es da Reaktionen gab, so von Leuten, die sagen: „Ja, “ / Ich weiß nicht, was für Reaktionen da kommen können. Ich kann es mir nur vorstellen, dass da welche kommen. #00:11:27-8#

SYLVIA: Ja, meine Eltern haben sich / Ja was willst du denn machen? Ich meine / Ne? Ist dann eben einfach so. Die waren, also, vorbildlich im Annehmen der Situation, weil das entsprach überhaupt nicht so dem Klischee. Aber ich meine, die hatten vorher schon 33 Jahre Erfahrung mit mir. Das entsprach nie so wirklich dem Klischee, also insofern war das jetzt auch nicht noch ein Wunder obendrauf, sondern, ja, schon / Mein Sohn ist echt eine Bereicherung für unser aller Leben. Muss ich ganz, ganz ehrlich sagen. Jeden Tag. #00:11:59-3#

PETER: Schön. Schön, dass man das so sehen kann. Ja. #00:12:05-4#

SYLVIA: Ja. Absolut. #00:12:07-9#

PETER: Was hast du so nicht erwartet in Bezug auf das Kind? Also, in der Regel macht man sich vorher, vor und während der Schwangerschaft Gedanken und malt sich Dinge aus. Und dann ist das Baby da, und aus meiner Erfahrung wird dann vieles anders, als man es sich vorgestellt hat. #00:12:28-5#

SYLVIA: Ja. #00:12:29-8#

PETER: Wie war das bei dir? #00:12:31-4#

SYLVIA: Also, ich hatte gedacht, irgendwann habe ich dann jemand, der, wenn es Sonntags regnet, Nachmittag vier Stunden mit mir Monopoly spielt. Das ist leider nie eingetroffen. (lacht) Ansonsten, also, diese Erwartungen, ich hatte / Nein, kann ich nicht sagen, konkrete Erwartungen, sondern nur dieses: Immer nicht alleine sein. Das ist wirklich ganz tief in mir drin gewesen. Und ansonsten habe ich / Ja, Machen. Das ist aber auch heute das, was ich meine Mandanten lehre, wenn sie in ein Loch fallen oder wenn irgendeine neue Veränderung da ist, oder eine neue Situation: Einfach weitermachen. #00:13:22-7#

PETER: Und wo / #00:13:24-6#

SYLVIA: Ich habe ja die Fragen oder ein paar vorher gekriegt und mir Gedanken gemacht. Ich wüsste nicht wirklich, und das ist aber auch ganz, ganz wichtig im Leben, finde ich: Je weniger Erwartungen ich habe, sondern einfach mit offenen Augen und offenem Herzen durch das Leben marschiere, desto weniger geht auch quer. #00:13:47-7#

PETER: Also verstehe ich das richtig: Es geht einfach darum, diese Situation so, wie sie ist, so zu nehmen, wie sie ist? #00:13:52-5#

SYLVIA: Ja, und nicht nur das, sondern sie auch zu genießen und aus jeder Situation noch das Beste immer herauszuholen. #00:13:58-3#

PETER: Hast du da irgendeine Strategie, wie du das machst? #00:14:01-9#

SYLVIA: Also, das hat schon ein paar Jahre gedauert, bis ich dahin gekommen bin, weil (lacht) ich das Gefühl hatte, dass das Leben sehr intensiv sich Mühe gegeben hat, mich daran arbeiten zu lassen: Was gibt es da alles für Techniken? Also, es ist jetzt nicht nur eine, sondern das sind wirklich ganz viele Sachen. Und es hat auch Jahre gedauert, das umzusetzen. Aber es geht definitiv. Ich bin also der lebendige Beweis, das, was ich jetzt so lehre den Menschen, die zu mir kommen, ist wirklich rundum authentisch inzwischen. #00:14:36-3#

PETER: Ja, jetzt frage ich aber trotzdem noch mal nach: Was war so ein Tipp von dir quasi so in die Richtung? #00:14:42-7#

SYLVIA: Ja, das Allerwichtigste ist, jetzt so / Ich habe eine Videoreihe gemacht, die heißt: Die Schlüssel zum Glück. Habe ich mal angefangen, aber könnte ich auch noch weitermachen. Aber manchmal kommen ja so technische Aufgaben auf einen zu, die man nicht mehr gelöst kriegt. Also, da hatte ich schon was dazu gesagt, dass Schritt Eins, um diesen glücklichen Zustand zu erreichen, definitiv die Achtsamkeit ist.

Dass man schaut: Wo bin ich denn jetzt hier eigentlich? Was ist da? Blüht da eine Blume? Sitze ich hier jetzt zu Hause und habe eine Heizung, und draußen regnet es? Achte ich auf den anderen? Was macht das Kind jetzt eigentlich? Genieße ich jetzt hier oder bin ich nicht im Hier, sondern bin ich eigentlich gestern? Oder mache ich mir über morgen Sorgen? Also, dieses im Jetzt und Hier achtsam sein, das ist wirklich die absolute oberwichtigste Stufe. #00:15:45-1#

PETER: Und wie machst du das? Frage ich jetzt noch mal konkret nach, im Jetzt zu sein? Weil ich glaube, das ist schon manchmal eine Herausforderung. #00:15:53-0#

SYLVIA: Ja. Also, auch da habe ich gemerkt, auch dadurch, dass ich Meditation gelernt habe, dass man sich aus der Theorie, die man so im Kopf hat, also, dieses Karussell, das sich da oben dreht, dass man sich da mit Übung relativ schnell rausholen kann, indem man zum Beispiel / Ich habe also auch immer einen Hund gehabt, immer, auch parallel zum Kind, mindestens einen Hund.

Auch noch Hühner und Enten zeitweise. Aber mit dem Hund sind wir also auch zweimal am Tag spazieren gegangen, und da beim Gehen, bei den Schritten zum Beispiel immer bis Acht zu zählen, und dann wieder von vorne anzufangen. Das ist schon mal etwas, da wird das Gehirn dann ganz, ganz leer. Und gleichzeitig, wenn es leer ist, kann man nicht Stress haben oder sich überlastet fühlen. #00:16:48-3#

PETER: Ja, das scheint eine schöne Strategie, finde ich. (lacht) #00:16:51-0#

SYLVIA: (lacht) #00:16:52-3#

PETER: Gab es Situationen, wo du dich gefragt hast: Ist das bei anderen auch so? #00:17:02-2#

SYLVIA: Da war bei anderen nicht so. (lacht) Das habe ich mich nie gefragt. Also, mir ist immer aufgefallen, dass das bei mir anders ist, aber ich habe es einerseits / Nein, ich habe das nicht einerseits, ich habe das genossen. Denn diese ganzen Diskussionen, die im Freundeskreis immer zum Beispiel zum Thema Erziehung waren, die hatte ich nicht. Also / #00:17:34-1#

PETER: Stimmt. Als alleinerziehende Mutter hat man das nicht. Da gibt es keine / #00:17:39-6#

SYLVIA: Ich hätte den Fokus / Entschuldigung, wenn ich dich unterbreche. Ich hätte den Fokus darauf legen können zu sagen: „Boh, ich muss alles alleine machen.“ Oder auch mal durchhängen oder so was. Aber ich hatte es nicht. #00:17:50-6#

PETER: Ja, das finde ich schön, dass du so eine grundpositive Einstellung hast. Das finde ich bemerkenswert. #00:17:56-3#

SYLVIA: Ja, weil ich glaube, das ist auch einfach der Unterschied da, entspannt durch zu kommen, wenn man das liebt, was man tut. Dann schafft man definitiv mehr. #00:18:05-2#

PETER: Gibt es oder gab es ein Buch, wo dir geholfen hat in dieser Zeit als Mama? Ob jetzt als dein Sohn ganz klein war, oder dann später als Jugendlicher? Man ist da manchmal mit Situationen konfrontiert, wo man sich auch eben Hilfe holt. Heute im Internet, früher mal mehr aus Büchern. Gibt es da etwas? #00:18:23-6#

SYLVIA: Also, früher gab es das nicht, aber jetzt hat glücklicherweise die Alexandra Witwer ein wunderbares Buch geschrieben. Sie ist aus Hamburg, und das Buch heißt :“Stark und alleinerziehend“. Da habe ich auch eine Rezension zu gemacht. Das ist wirklich ein einzigartiges Buch, was ich auch meinen Leuten hier durchweg meinen Mandantinnen empfehle. Das ist ein wunderbares Buch. Da gibt es eine wunderbare Community dazu, denn wichtig ist, glaube ich, dass man nicht so alleine ist, wie ich es war. Das ist aber heute nicht mehr so. Also, da gibt es viele Angebote. #00:19:00-4#

PETER: Ja, das Buch kenne ich auch, und ich kenne Alexandra auch sehr gut. #00:19:04-3#

SYLVIA: Ja, schön. Ich auch. (lacht) #00:19:04-9#

PETER: Sie macht wirklich ganz tolle Arbeit für die Alleinerziehenden. Und spannend, dass es daraus entstanden ist, dass sie eben auch alleinerziehend geworden ist und dann gemerkt hat: Oh, da gibt es doch die ein oder andere Herausforderung. #00:19:17-5#

SYLVIA: Ja. #00:19:18-3#

PETER: Ja, genau. Jetzt hast du am Anfang erzählt, dass dein Sohn ausgezogen ist. #00:19:23-3#

SYLVIA: Mhm (bejahend). #00:19:22-8#

PETER: Und wie war das für dich nach 22 Jahren? #00:19:27-9#

SYLVIA: Also, ich bin ja immer als selbständige Rechtsanwältin tätig gewesen, aber definiert habe ich mich irgendwie über Haus und Kind. Auch wenn da kein Mann war, aber irgendwie dieses / Also, Haus und Kind und das war ich. Und die Anwältin, die war damals noch nicht so, wie sie heute ist. Heute ist sie ja ganzheitlich. Also Körper, Geist und Seele in Einklang, und diese ganzen wunderbaren schlauen Sachen, wie man rauskommt aus dieser großen Misere, die sind ja bei mir erst gekommen dadurch, dass der Lebensgefährte, der nicht der Vater des Kindes ist, aber so mal etliche Jahre bei uns gewohnt hat, dass der aus der Beziehung ausgestiegen ist, und da habe ich dann meine berufliche Tätigkeit ein bisschen verändert. Wie war die Frage? #00:20:24-6#

PETER: Die Frage war, du hast gesagt, dein Sohn ist ausgezogen jetzt nach 22 Jahren. Und das war für dich auch / #00:20:31-3#

SYLVIA: Ach so. #00:20:31-3#

PETER: eine Veränderung. #00:20:32-0#

SYLVIA: Ja, genau. Ja. Da war also / Zwei Jahre vorher war schon der Mann gegangen. Dann ging noch das Kind. Und dann / Nein, erst / Und dann habe ich erst das Haus verkauft, und dann ging das Kind noch. Also danach war wirklich / habe ich hier ordentlich durchgehangen. Wirklich. Und dann habe ich mich aber sehr schnell – das ist aber Resultat der vielen Aufgaben, die das Leben mir so bereitet hat – also mit Üben wird das wirklich besser .Heißt: Die Katastrophen: Um Himmels willen, willkommen, genauso wie die Fehler. Man kommt dann definitiv schneller raus. Und ich habe dann mich besonnen: Wie war das eigentlich im Leben VOR dem Kind? Was hat dir da eigentlich Spaß gemacht?

Dann ging das relativ schnell, dass mir einfiel, dass ich ja furchtbar gerne gereist bin und in der ganzen Welt unterwegs war. Und dann dauerte es auch nicht mehr lange, bis ich dann ein Ticket nach Singapur und auf die Philippinen hatte, und da war ich letztes Jahr von Mitte Januar bis Mitte Februar. Und habe dann mal mich belohnt für das, was ich in den 20 Jahren vorher geschafft habe. #00:21:53-0#

PETER: Sehr schön, sehr schön. Eine gute Strategie, sich zu erinnern, was einem guttut, ja. #00:21:59-4#

SYLVIA: Ja. Ja, genau. #00:22:03-8#

PETER: Jetzt ist ja / Du hast ja einen ganz spannenden Beruf und hast viel mit eben Eltern zu tun, wo es vielleicht nicht mehr so gut läuft. #00:22:11-2#

SYLVIA: Ja. #00:22:11-8#

PETER: Was würdest du werdenden Eltern empfehlen, oder was möchtest du ihnen mit auf den Weg geben in Punkto Eltern sein? #00:22:21-1#

SYLVIA: In Punkto Eltern sein, das Aller-Allerwichtigste ist sprechen. Also, jeder hat eigene Vorstellungen und vielleicht auch Erwartungen, aber alles klappt, wenn man spricht, oder nichts kann klappen, wenn man nicht spricht. Und das Gespräch muss zu hundert Prozent wertschätzend sein. Also, in dem Moment, wo ich be- und verurteile, und bewerte, ist ein wertschätzendes Gespräch nach meiner Auffassung nicht mehr möglich. Das ist das, was ich die Leute lehre, wenn sie sich auch trennen. Wenn sie diesen Zustand wiederherstellen können, der Wertschätzung und der Nicht-Bewertung, sondern jeder ist so, wie er ist, in Ordnung. Dann klappt das auch mit der Kommunikation. Und dann kann man auch wertschätzend auseinandergehen. #00:23:14-9#

PETER: Jetzt kann ich mir vorstellen, dass du oft mit Eltern zu tun hast, wo das nicht möglich ist. #00:23:22-3#

SYLVIA: Ja. Das denkt man so, aber das ist nicht mehr so. (lacht) Das hat sich in den letzten zwei Jahren glücklicherweise so gewandelt. Dadurch dass ich mich selber ja auf den Weg begeben habe und an meiner Persönlichkeit gearbeitet habe, unter anderem mit Thaddaeus Koroma und mit Tobias Beck, dadurch hat mich das so in diese Situation versetzt zu sagen: Was will ich eigentlich wirklich? Und was kann ich eigentlich wirklich? Und da ich ja nun mittlerweile elegante 56 bin, möchte ich verschiedene Sachen in meinem Leben nicht mehr haben. Und dazu gehören streitende Menschen, die Recht haben wollen.

Also, bei mir kommen zu inzwischen 95 Prozent nur noch Menschen an, die nicht mehr die Schuld ausschließlich auf den anderen schieben, sondern auch bei sich gucken, und die bereit sind, daran zu arbeiten, dass sie nur sich selbst ändern können, und nicht den anderen. Und mit den anderen, für die anderen, habe ich insofern gesorgt, als ich durchaus auch / Ich bin ja keine Fachanwältin für Familienrecht, sondern habe auch da mein eigenes Ding gebastelt, indem ich eben so ein Scheidungscoach geworden bin.

Ich habe aber streitbare Fachanwälte für Familienrecht, die eben eher der Typ sind für das Streiten. Ich war eigentlich in dem Laden falsch, aber seit drei Jahren bimn ich da jetzt richtig in dem Beruf, so wie ich ihn ausübe, und mache ganz schmal nur noch meine Lieblingssachen. Ansonsten mache ich die Leute glücklich, indem ich sie wegschicke, beziehungsweise weiterschicke. #00:25:12-2#

PETER: Das heißt, du bist Scheidungscoach, habe ich das richtig verstanden? #00:25:15-8#

SYLVIA: Ja. Habe ich so / Hat irgendeiner mal gesagt, und fand ich, passt. #00:25:19-4#

PETER: Okay. #00:25:20-4#

SYLVIA: Ist aber nicht in irgendeiner Form geschützt, definiert oder sonst was. #00:25:23-6#

PETER: Ja. Ich finde es nämlich spannend, was du alles machst. Du bist so recht fleißig. #00:25:28-9#

SYLVIA: Ja. #00:25:29-5#

PETER: In dem Bereich. Erzähle uns doch erst mal so vielleicht zum Abschluss jetzt: Was genau machst du? Du hast vorhin erzählt, ihr habt da eine Videoreihe gemacht, und eben mit / verschiedene andere Sachen. Gib uns doch mal so einen kleinen Überblick darüber, was du tust. #00:25:44-9#

SYLVIA: Ja. Oh, jetzt muss ich mich sortieren. Ich habe im Laufe der Jahre und mit Hilfe des Ex gemerkt, dass mein Medium tatsächlich das Video ist, weil ich kann zwar schöne Texte schreiben, aber nicht unbedingt das kommunizieren, wie ich so tatsächlich bin. Der Ex hat damals gesagt: „Wenn du Videos machst, dann hat das einen doppelten Effekt. Das schreckt die Leute ab, und es lockt sie an.“ Und da ich Klartext spreche, fand ich das mit dem Abschrecken ganz wichtig, weil ich ja eben verschiedene Menschen, die immer sagen: „Boh, der andere ist der Böse.“, die will ich eben nicht mehr.

Und ich mag auch gerne provozieren, ich möchte gerne die Leute zum Nachdenken bringen. Ich habe innerhalb kürzester Zeit eben dieses Portfolio für mich entwickelt, bin jetzt dabei, das auch in eine Homepage zu kleiden. Das treibt jetzt so krasse Blüten, wie, dass ich zum Beispiel diese Homepage komplett in Du aufziehe. Ich glaube, das gibt es in Deutschland sonst als Anwältin nicht unbedingt. Ich möchte aber mit den Leuten / Ich möchte die mit dem Herzen erreichen, und das geht mit dem Sie nicht. Wenn denen von vorneherein klar wird: Hier arbeite ich mit Ihnen, und das vermeintliche Desaster ist eine Chance. Dann macht es beiden mehr Spaß.

Es ist viel Humor hier beteiligt, deswegen laufe ich immer mit dieser Glühbirne bei den Videos rum, damit dir ein Licht aufgeht. Viele kommen ja hier, (lachend) beziehungsweise viele gehen nach einem Termin raus und sagen: „Hey, das war ja richtig lustig, das kann ich ja keinem erzählen.“ Dann sage ich immer: „Bitte erzählt es doch.“ Also, ja, ich versuche, das noch viel, viel mehr breit zu treten. Ich gebe zum Beispiel auch zurück, was ich gelernt habe, bei Tobias Beck, indem ich im Team mithelfen darf, so dass eben noch mehr Leute aus dem Persönlichkeitsbildungsbereich dann auch bei mir ankommen, damit ich noch mehr in Lieblings-Art und Weise meinen Beruf machen kann und den Leuten das Gewicht von den Schultern oder aus dem Rucksack nehmen kann, denn die guten Lösungen sind immer einfach. Das ist einfach so. #00:28:20-4#

PETER: Das kann ich bestätigen. (lacht) #00:28:23-7#

SYLVIA: Ja. (lacht) #00:28:25-1#

PETER: Das kann ich / Ja, das hört sich ja auf jeden Fall sehr, sehr spannend an. Ich werde das alles in den Show Notes über dich verlinken oder auch beschreiben, und auch eben zu deinem Youtube-Kanal, und zu deiner Facebook-Seite und so weiter. #00:28:37-7#

SYLVIA: Ja, genau. #00:28:37-2#

PETER: Weil ich das sehr, sehr spannend finde, was du machst und wie du es machst. #00:28:42-3#

SYLVIA: Ja, vielen herzlichen Dank. Und ich bin da auch froh um solche Menschen wie dich, die dann so auf mich zukommen, oder vorgestern habe ich mich mit einer Produktionsgesellschaft von RTL telefoniert, das war dann auch über Facebook irgendwie durch ein Netzwerk, wo ich da aktiv bin, da tut sich jetzt noch nichts, aber immerhin habe ich dann schon mal mit Menschen gesprochen. Also, das finde ich ganz interessant, wenn man sich so heraushängt aus dem Fenster, dass dann auch was zurückkommt.

Vor allen Dingen auch, wenn man seine Kontakte pflegt. Also, ich habe innerhalb der / Das muss ich noch ganz kurz loswerden. Warum ich das alles so mache, ist, als ich in das ganz, ganz tiefe Loch gefallen bin, als der Mann gegangen ist, da habe ich beim Holger Eckstein mich mithilfe von Holger Eckstein um meine Berufung gekümmert, weil ich gesagt habe: „Das kann ja jetzt gar nicht sein. Ich sitze hier, denke: Mein Gott, wieso ist der Mann weggegangen?“ Und jeden Tag sitzen mir irgendwelche Leute gegenüber, die sagen: „Boh, mein Mann ist so Scheiße.“ Also, da habe ich gesagt: „Nein, also, ich würde ja am liebsten jetzt auch noch meinen Beruf aufgeben.“ Da ich aber nie im Leben was anderes gemacht habe, war das ein bisschen problembelastet. Und bevor ich da so einfach alles hinschmeiße, habe ich dann halt mich mal um meine Berufung gekümmert. Also, der Holger Eckstein hat auch vor zwei Jahren ein ganz, ganz tolles Buch geschrieben, da kann ich dir vielleicht auch noch den Link schicken. #00:30:07-1#

PETER: Ja, gerne. #00:30:08-2#

SYLVIA: Das ist eine ganz, ganz tolle Sache, weil um seine Berufung sollte man sich immer kümmern, egal ob mit oder ohne Kinder. Auf jeden Fall sind das geile Ergebnisse, die da / Von diesem Coaching war: Meine Berufung als Scheidungsanwältin behalten wir mal im Hinterkopf.

Meine Berufung ist: Menschen miteinander zu verbinden. Tada. Da kannst du ja nur krank werden. Und. na ja, ich hatte mein Netzwerk immer gepflegt, habe da aber immer dann richtig Gas gegeben und deswegen verbinde ich also jetzt quasi im zweiten Standbein Menschen miteinander, weil ich oft Verbindungen sehe von zusammenarbeiten von möglichen / Ja, und ich verbinde die Menschen dann einfach, egal ob ich sie via Facebook oder Xing oder Life, und ich pflege meine Kontakte wirklich.

Das war das, was mir geholfen hat, als ich damals dann auf einmal nur noch das Kind hatte .Und, ja, das hat sich alles wunderbar gefügt, dass man es miteinander verbinden konnte. Und so bin ich weiterhin Scheidungsanwältin, aber als Coach verbinde ich die Menschen, oder erhalte das, was gut war an den Beziehungen, und produziere glückliche Trennungskinder. #00:31:33-9#

PETER: Das finde ich jetzt einen sehr, sehr schönen Schlusssatz. (lacht) Dass eine Scheidungsanwältin eben doch Menschen verbindet. #00:31:42-5#

SYLVIA: Absolut. #00:31:43-3#

PETER: Ja, finde ich schön. Liebe Sylvia, ich möchte mich bei dir bedanken, dass du dir Zeit genommen hast und uns so ein bisschen hast teilhaben lassen an deinem Leben, an deinen Herausforderungen, und auch an deinem Tun. Und, ja, ich wünsche dir alles, alles Gute bei deiner Arbeit. #00:31:58-3#

SYLVIA: Ja. Vielen Dank. Es hat auch sehr viel Spaß gemacht, und rote Bäckchen bereitet, noch mal zurück zu schauen. #00:32:05-4#

PETER: Ja, freut mich. Schönen Tag noch, gell? #00:32:10-9#

SYLVIA: Ja, ich habe zu danken. Und viel Freude noch bei deiner Arbeit. #00:32:14-3#

PETER: Danke. #00:32:14-3#