Sozialkompetenz bei Kindern – Die Bedeutung der frühen Kindheit – hilfreiche Tipps, die helfen die Bedürfnisse des Kindes wahrzunehmen

Sozialkompetenz bei KindernEinmal fragte mich eine Mutter, was sie denn tun solle, sie habe Angst, dass sich ihr 4 monatiges Kind verletzen würde, sie habe schon alles mögliche versucht, aber es nütze nichts.

Als ich genauer nach der Situation fragte, berichtete mir die Mutter, dass sie beobachtet habe, dass ihr Kind bereits als Baby immer am Rand des Kinderbettchens lag und sie befürchten musste, dass es sich am Bettrahmen anschlagen und verletzen könnte.

Sie habe daraufhin das Bettchen gegen eine grosse Matratze ausgewechselt und das Kind auf diese Matratze Schlafen gelegt. Doch auch hier habe sich das Kind dann immer gegen die Wand bewegt.

Es bringe ja nichts, ihm noch eine grössere Matratze anzubieten. Aufgrund von Verletzungsgefahr gebe es auch keine Kissen oder Kuscheltiere im Bettchen…

Diese Mutter zeigte auf den ersten Blick eine grosse Für-Sorge für ihr Kleinkind, aber gleichzeitig auch eine Unfähigkeit die Signale ihres Kindes richtig zu deuten und die Bedürfnisse von Kleinkindern zu kennen.

Die Gefahr bestand für diese Kleinkind also nicht darin, dass es sich verletzen konnte, sondern dass es für seine Entwicklung sehr wichtige Angebote durch seine Bezugspersonen nicht bekommt: Halt, Berührung, Kontakt, Wärme, Geborgenheit,…

Obwohl wir an die Erlebnisse unserer frühen Kindheit keine bewusste Erinnerung haben, beeinflussen sie die menschliche Entwicklung stärker als jede andere Entwicklungsphase.

Dies konnten Forschungsuntersuchungen aus verschiedenen Bereichen in den letzten Jahren eindrücklich belegen.

Sara Michalik
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Sozialkompetenz bei Kindern

Die Erfahrungen der frühen Kindheit beeinflussen auch Jahre später noch wie wir fühlen, in Beziehungen verhalten und wie das psychische Befinden ist. Sie prägen unsere Sozialkompetenz ganz erheblich.

In diesem Artikel sind einige der wichtigsten Forschungsergebnisse zusammengefasst und mit Beispielen aus dem Alltag verständlich erklärt.

Am Ende des Artikels finden sich zudem hilfreiche Tipps, die Eltern helfen können die Bedürfnisse des Kindes wahrzunehmen und diesen gerecht zu werden.

Sozialkompetenz bei Kindern –
Die Bedeutung des Körpers oder was Kinder erfahren

Obwohl sich die meisten Menschen nicht an die Zeit vor dem vierten Lebensjahr zurückerinnern können, ist das Vergangene nicht einfach vergangen. Im Gegenteil sitzen diese Erfahrungen ganz tief in unserem Körper.

Ähnlich wie beispielsweise traumatische Erlebnisse noch „in den Knochen stecken“ und einfach wieder hochkommen und uns überwältigen, ohne dass wir das steuern können und teilweise nicht mal in Worte fassen können, so ist es auch mit den Kindheitserfahrungen:

Wir finden keine Worte, können nicht benennen woher etwas kommt und es schwer steuern, aber es prägt unser Verhalten oder unsere emotionale Reaktion.

Studien können zeigen, dass wir oft sehr viel mehr wissen und uns an viel mehr erinnern als uns bewusst wird, denn der Körper reagiert. Beispielsweise reagiert er mit Stress, wenn wir auf etwas treffen, dass uns geschadet hat.

So empfinden wir Angst, ohne dass wir uns explizit daran erinnern können, was geschehen ist.

Der Körper ist das Medium der Erinnerung. Die Wissenschaft schenkt daher immer stärkere Aufmerksamkeit der Bedeutung des körperlichen Erlebens für unser Fühlen und Denken.

Wie die Welt funktioniert, erfahren Kleinkinder durch Erfahrung, durch Empfinden, Be-Greifen und schliesslich Einsehen.

Diese Erfahrungen wie etwa die engsten Bezugspersonen mit uns umgegangen sind, prägen unser Verständnis dafür, wie Menschen miteinander umgehen.

Diese tiefgreifenden Erfahrungen sind in erster Linie Körpererfahrungen: Berührungen, Gestik, Gesichtsausdrücke, Stimmmelodien. Dies sind die ersten Interaktionen zwischen Kind und Bezugspersonen.

Wird ein Kind aufgenommen, wenn es zu weinen beginnt? Spricht die Mutter leise und beruhigend auf das Kind ein, wenn es unruhig und ängstlich wirkt?

Es geht darum wie die Verbundenheit zwischen dem Kind und den engsten Bezugspersonen, zumeist die Mutter und der Vater, hergestellt wird. Auf diese verinnerlichen Interaktionen, dieses „Beziehungswissen“ baut die Gehirnentwicklung und die seelische Entwicklung eines Kindes auf.

Heute verstehen Neurologen das Gehirn als „Beziehungsorgan“.

Von ganz grosser Bedeutung sind Berührungen.

Durch den Tastsinn erspüren die Säuglinge (bereits im Mutterleib) die Welt. Dadurch baut es auch sein eigenes Körperbild auf und erspürt seine Grenzen.

Berührungen geben dem Säugling Halt und Geborgenheit. Studien belegen, dass Berührungen Wachstums- und Bindungshormone freisetzen, Stresshormone reduzieren, den Herzschlag und die Atmung stabilisieren.

Eltern erleben, dass ihre Säugling am zufriedensten sind, wenn man sie viel herumträgt, dass sie sich am besten beruhigen, wenn sie auf den Arm genommen werden.

Es ist ein grundlegendes Bedürfnis von Säuglingen getragen und gehalten zu werden. Diese körperliche Nähe ist zudem sehr wichtig für die Bindung zwischen Kind und Bezugspersonen (vgl. auch unten).

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Der Körper- und Gesichtsausdruck des Säuglings dient dazu die Bezugspersonen zu bewegen bzw. zum Reagieren zu motivieren.

Experimente zeigen: Wir gleichen unsere Reaktionen oft dem Gegenüber an. Und werden unsere Mimik und Gestik vom anderen gespiegelt, dann fühlen wir uns wohl. Darin liegt auch die Fähigkeit mit dem anderen „mitzugehen“, mitzufühlen und nicht nur kognitiv zu verstehen, was andere uns gerade sagen wollen.


10 Monate altes Baby wird emotional berührt während ihre Mutter singt und auch als Zuschauer bleibt man nicht unberührt. Das ist Empathie.


Auch ohne eine Sprache zu besitzen, drücken Kleinkinder ihre Gefühle und Bedürfnisse aus: über ihren Körper.



Dabei ist der ganze Körper im Einsatz, samt Beine und Arme. Indem Eltern dieses Gefühl in Worte beschreiben, etwa „Hast du Hunger?“ oder „Jetzt bist du aber erschrocken, gell!“, helfen sie dem Kind die eigenen Gefühle zu verstehen. So gewinnt das Kind einen Schlüssel zu seiner Innenwelt. (vgl. Artikel möglichst viel mit den Kindern sprechen)

Durch ständige Bewegung kommen Kinder in Kontakt mit sich und der Welt und bauen so ihr Selbstbild auf.

Begreifen bedeutet für Kleinkinder, Dinge greifen zu lernen: Be-greifen.

So spiegelt sich die grosse Bedeutung von Bewegung nicht nur im Körpergefühl, sondern auch im Denken, in der Sprache, in den Gefühlen und in den Interaktionen wieder

Zuerst wird alles über den Körper erlebt, erfahren und ausgedrückt.

Sozialkompetenz bei Kindern –
Die Bedeutung der Bindung oder was Kinder brauchen

John Bowlby (1907-1990), ein britischer Kinderpsychiater und Psychoanalytiker, ging davon aus, dass zwischen einem Kind und einem ihm vertrauten Menschen (er sprach v.a. von der Mutter) ein unsichtbares, enges und gefühlvolles Band besteht.

Dieses Band hat eine grundlegende Bedeutung für die Entwicklung des Kindes. Bowlby legte den Grundstein für die sogenannte Bindungsforschung.

 

Heute konnte vielfach bestätigt werden:

Kinder brauchen von Anfang an persönliche Bindungen um sich gesund entwickeln zu können. Wobei die Qualität der frühen Bindungsangebote die Entwicklung der inneren Strukturen prägt und entscheidend dafür ist, was wir von anderen Menschen erwarten. Bindungserfahrungen prägen unsere Sozialkompetenz.

Sichere Bindung führt zu einem sogenannten Ur-Vertrauen, unsichere Bindungen zu einem Ur-Misstrauen.

Die Qualität der Bindung ist auch entscheidend wie Kinder ihre Umwelt explorieren / erkunden. Gute Bindungspersonen bilden sozusagen den sicheren Hafen von dem aus es gelingen kann, die Umwelt zu erforschen und entdecken.

Je mehr ein Kind sich auf seine Fürsorgeperson verlassen kann, desto mehr kann es sich seiner Neugierde, dem Erkundungsdrang und dem Spiel hingeben.

Das Verhalten der primären Bezugspersonen ist zudem auch entscheidend, welche Art von Bindung das Kind entwickelt.

Sicher gebundene Kinder sind besser fähig, Probleme zu lösen, sind besser fähig mit Stressmomenten umzugehen, sind aufmerksamer gegenüber neuen Aufgaben, sie besitzen ein stärkeres Selbstwertgefühl u.v.m. als unsicher gebundene Kinder.

Eine sichere Bindung und ein starker emotionaler Halt scheinen wie ein Schutzschild zu wirken; oft ein Leben lang.

Sozialkompetenz bei Kindern

Wenn ein Kind jedoch in eine Welt hineinwächst, die nicht sicher oder bei der man nie sicher sein kann, woran man ist, erlebt es ständig Stress.

Und dieser Stress vergisst der Körper nicht (vgl. oben). Studien können zeigen, dass solche Kinder auch noch viel später mit einer „inneren Mobilmachung“ reagieren.

Fortan sogar noch schneller und intensiver gestresst reagieren, nie wirklich ruhig und entspannt sein können. Dieser subtile Daueralarm hat einen hohen Preis: Die Stresshormone hemmen die Ausbildung des Gehirns (reduzierte Synapsenbildung und Reifung von Nervenfasern, gewisse Hirnareale, die wichtig sind für Impulskontrolle usw. sind weniger gut ausgebildet).

Aber auch die Entfaltung schöner Gefühle sowie das freie Erkunden der Welt und das kindliche Spiel sind gehemmt. Es kommt also zu einer mehrfachen Entwicklungshemmung, denn neben der Gehirnentwicklung sind gerade auch das entspannte Explorieren der Welt und das kindliche Spiel zentral für die kindliche Entwicklung.

Indem ein Säugling von Anfang an viel feinfühlige Zuwendung erfährt, wird er für seine Gefühle sensiblisiert.

Wenn beispielsweise ein Baby weint, weil es das Bedürfnis nach Nähe hat und seine Eltern ihm dieses Bedürfnis stillen, indem sie es nicht schreien lassen, sondern es bald beruhigen, indem sie es auf dem Arm wiegen, dann lernt das Baby, dass es sich auf seine Selbstwahrnehmung verlassen kann.

So lernt es, dass seine Signale verstanden und ernstgenommen werden. Es lernt, dass seine Eltern prompt auf seine Bedürfnisse reagieren und sich um es kümmern, wenn es etwas braucht.

Wenn Bezugspersonen die Stimmung und Bedürfnisse des Babys richtig deuten, können diese ihren Gefühlen und Gedanken besser zum Ausdruck bringen und sich besser entwickeln.

Diese Fähigkeiten von Bezugspersonen (man spricht von Feinfühligkeit oder heute auch von emotionaler Intelligenz) sind in den ersten zwei Lebensjahren die wichtigsten Grundvoraussetzungen für ein optimales Entwickeln des Kindes.


Der Film „Babys können nicht verwöhnt werden“ macht die Ausführungen auch nochmals deutlich.


Sozialkompetenz bei Kindern –
Der kompetente Säugling oder was das Kind mitbringt

Wissenschaftliche Studien belegen:

Kinder sind von Geburt an auf Beziehung und Bindung ausgelegt.

Die Wissenschaft spricht heute vom kompetenten Säugling, der von sich aus bereits aktiv seine Umwelt mitgestaltet.

Beispiele wie sehr das Baby auf Beziehung ausgelegt ist, finden wir in den Fähigkeiten des Säuglings: Bereits nach wenigen Stunden erkennt das Baby die Stimme und den Geruch der Mutter.

Das Neugeborene zeigt Interesse an Gesichtern und imitiert Augenblinzeln und Zungenherausstrecken. Es schreit, wenn es ein Bedürfnis hat und beruhigt sich, wenn es auf den Arm genommen wird.

Im Alter von etwa 6 Wochen reagiert das Kleinkind auf menschliche Stimmen und Gesichter mit einem Lächeln. Dieses sogenannte soziale Lächeln (vgl. folgendes Video) und die ersten Imitationen fördern Wissenschaftler zufolge die Bindung der Eltern an das Kind.

Die Eltern erfreuen sich an diesen Reaktionen, wenden sich intensiv ihren Kindern zu, verstärken ihre Gesichtsausdrücke und wiederholen selber die Reaktionen ihrer Babys.


 


Indem Bezugspersonen mit übertriebener Mimik reagieren und die Gefühle des Kindes in Worte fassen, lernt das Kind, was ihr eigenes Verhalten, ihr Gefühlsausbruch bedeutet: „Das ist der Ausdruck für Ärger, das der Ausdruck für Angst“.

So verknüpfen sie Empfindungen mit Erfahrungen. Die körperlichen Reaktionen werden zu einem emotionalen und körperlichen Wissen.

Der Artikel Empatie bei Kindern fördern, zeigt zudem auf, welche Bereitschaft und Fähigkeiten bereits Kleinkinder haben in der Wahrnehmung anderer Menschen.

 

Sozialkompetenz bei Kindern –
Die Bedeutung der Interaktionen oder wie alles zusammenspielt

Ein dreimonatiges Kind erwartet Interaktion mit seinen Bezugspersonen. Es kommuniziert über Mimik, Gestik und Laute.

Starrt eine Mutter ihr Kleinkind praktisch ohne mimische Reaktion an (sogenanntes Stillface, vgl. unten angefügtes Video), reagiert das Kleinkind mit massivem Stress, sucht die Aufmerksamkeit der Mutter durch Aktivität auf sich zu ziehen und beginnt schliesslich verunsichert zu weinen.

Dieses Videobeispiel macht eindrücklich deutlich, wie heftig ein Kind auf eine ungewohnte, unangemessene mütterliche Reaktion reagiert.



Die Reaktionen der Eltern werden für Babys zu Körperempfindungen. Hier bildet sich der Ursprung von Intersubjektivität; also der Fähigkeit andere zu verstehen und sich in sie hineinzuversetzen.

Schon mit ca. vier Monaten entwickeln Kleinkinder Erwartungen: Wenn ich das so mache, passiert das,… Wenn ich so schreie, wird Mama kommen und mich trösten.

So lernen sie, dass ihr Gefühlsausdruck eine Reaktion erreichen wird und damit wirksam ist. So lernen sie sich immer besser kennen und lernen erkannt zu werden.

Im negativsten Fall reagieren Eltern immer wieder nicht adäquat auf die Signale eines Kindes, vielleicht weil sie selber psychisch krank sind, zu sehr mit sich selber beschäftigt sind oder es selber nie gelernt haben.

Stellen wir uns etwa folgende Situation vor: Ein Säugling drückt aus, dass es ihm unwohl ist, er jammert. Die Mutter geht jedoch nicht darauf ein, sondern spielt weiterhin mit der Rassel vor seinem Gesicht. Der Säugling wendet sich ab, und auch das nimmt die Mutter nicht richtig wahr, sie geht mit der Rassel noch näher an ihn heran, plappert weiterhin fröhlich auf ihn ein…

Dieses Beispiel macht deutlich, dass diese Mutter ihr Kind nicht richtig „liest“, seine Signale nicht versteht.

Für das Kleinkind bedeutet die Reaktion der Mutter, einerseits, dass es ausdrücken kann was es will, die Mutter nimmt mich nicht oder zumindest nicht richtig wahr und andererseits wird die Reaktion der Mutter für das Kind nicht vorhersehbar.

Wenn dies nicht nur einmalige, flüchtige Interaktionsmomente sind, sondern der Dauerzustand in unseren engsten Beziehungen, dann können wir erahnen, welche Tragweite diese Interaktionen für einen Säugling hat.

Das Kind kann keine Verknüpfung von seiner Reaktion und der Reaktion der Mutter machen, es hat keine oder falsche Erwartungen. Dies wirkt sich auch längerfristig auf die Sozialkompetenz eines Kindes aus.

Der Säugling kann sich auch nicht wehren. Er kann seine eigenen Gefühlen nicht mehr trauen und schon gar nicht dem Umfeld.

Wie viel schlimmer sind die Auswirkungen, wenn das engste Umfeld nicht nur nicht adäquat und verlässlich auf das Verhalten des Säugling reagiert, sondern gar noch zu einer Bedrohung für das Kind wird, da die Bezugspersonen das Kind zum Beispiel misshandeln oder sexuell ausbeuten. –

Die Auswirkungen auf das ganze Leben eines Menschen sind immens; selbst dann, wenn das Kind irgendwann doch noch „in Sicherheit“ ist. Diese Erfahrungen sitzen so tief, dass die Spuren teilweise nie mehr verschwinden.

Die Zeit heilt die Wunden nicht einfach, die Spuren bleiben oft ein Leben lang vorhanden. Das Erlebte ist nicht vergessen, es ist konserviert.

Und es braucht unglaublich viel um das Vertrauen eines solchen Kindes gewinnen zu können.


 

Zum Weieterlesen*


Sozialkompetenz bei Kindern – Fazit

Dieser Artikel weist auf die Bedeutung der frühen Kindheitserfahrungen und die Wichtigkeit der Beziehungs- und Interaktionsangebote der Bezugspersonen hin.

Es geht nicht darum ständig verfügbar und „perfekt“ zu sein, sondern darum „good enough“ (Winnicott, englischer Kinderarzt und Psychoanalytiker) zu sein. Und somit in der Lage zu sein, auf die Bedürfnisse des Kleinkindes einzugehen, so dass sich das Kind nie ganz verlassen oder vernachlässigt fühlt.

Folgende Tipps können Eltern helfen, die Bedürfnisse des Kindes wahrzunehmen und diesen gerecht zu werden.

Tipps:

  • Nehmen Sie Ihre eigenen Empfindungen wachsam wahrnehmen und ernst. Eltern erleben, dass sie mit dem Säugling im Arm selber viel empfindsamer werden und beispielsweise Reizüberflutungen in Einkaufszentren selber nicht mehr mögen oder auf zu laute Musik noch stärker reagieren. Indem wir diese Empfindungen ernstnehmen, schützen wir auch das Baby vor Reizüberflutungen und sind zugleich ein Vorbild, das vormacht, dass Körper- und Sinnesempfindungen wertvolle Marker im Leben sind. Vertrauen Sie auf Ihre eigene Intuition.
  • Auf die (feinen) Signale des Babys achten. Alle Eltern müssen lernen die Signale und Körpersprache ihrer Kinder zu lesen und zu verstehen. Seien Sie geduldig mit sich, gehen Sie aber auch mit Neugierde und Entdeckerlust vor. Es ist eine grosse Freude, wenn man erleben darf, dass man das eigene Kind immer besser versteht und schon sehr früh in einen Dialog mit dem Baby treten kann.
  • Die Signale des Kindes spiegeln, aber auch dosieren. Das bedeutet zum Biespiel: Wenn ein Kind aufgrund eines lauten Knalls erschrickt, darauf eingehen, in Worte fassen, was geschehen ist und signalisieren, dass keine Gefahr vorhanden ist.
  • Säugling viel herumtragen. Tragetücher oder andere Tragesysteme bieten möglichen Komfort, so dass man als Eltern dennoch möglichst mobil bleibt und die Hände frei hat. Unterstützen Sie sich als Eltern gegenseitig und wechseln Sie sich beim Herumtragen des Babys ab. Es ist hilfreich, wenn das Baby sich möglichst früh daran gewöhnt, von verschiedenen Personen (Vater, Mutter, Grosseltern) getragen zu werden. – Nicht nur Mama bietet Halt und Schutz, sondern auch der Papa…. Der riecht auch anders, hat eine tiefere Stimme, trägt mich anders, bewegt sich und mich anders,… Dies sind die ersten (sicheren) Differenzierungserfahrungen, die ein Baby machen kann.
  • Viel Körperkontakt anbieten: Streicheln, tragen, halten. Achten Sie dabei auf die Signale des Kinder: Mag es lieber feine Streicheleinheiten oder lieber ein leichtes Abklopfen. Entspannt es sich, wenn ich ihm die Füsse streichle oder wird es unruhig und zieht die Füsse weg,… Alle Menschen reagieren unterschiedlich auf Berührungen und mögen diese auch auf eine andere Art und Weise und an unterschiedlichen Orten gerne. Es geht nicht darum, was uns als Eltern gefällt oder im Massagebuch steht, sondern das, was das Baby mag. Auch hier kann es sehr spannend sein, herauszufinden, was das Kind mag und was nicht. Hier kommen gar erste Persönlichkeitszüge zum Ausdruck.
  • Zuverlässiges und promptes reagieren auf das Weinen des Babys sind in den ersten Lebensmonaten sehr wichtig. Das Baby hat keine andere Wahl seine Bedürfnisse auszudrücken als über das Weinen. Daher gilt es, diese Signale ernst zu nehmen. Selbst dann, wenn sich das Kleinkind nicht sofort beruhigen kann und manchmal lange Zeit weiterweint, durch das gehalten werden, erlebt es, dass es nicht alleine ist und sich nicht komplett verlassen fühlt (Winnicott). Hilfreich für das Baby und die Eltern kann sein, wenn man auch hier ausspricht: Ich weiss nicht, was du im Moment hast, was dir fehlt und was dir helfen könnte, aber ich bin bei dir und halte dich in meinen sicheren Händen.
  • Bei Kleinkindern sind die gemeinsame Zeit, die Kinder und Eltern spielend auf dem Boden verbringen sehr wichtig. Die meisten Kinder mögen dabei auch handfeste Berührungen und Körperkontakt bzw. Körperspiele.
  • Den Körper zu spüren und in Kontakt mit der Aussenwelt zu kommen, kann durch verschiedene Stimulationen geschehen. Das Baby anpusten, Fingerspiele, auf Töpfen schlagen dürfen, Spielen im Sand, in Pfützen treten, Spielen im Wasser, …
  • Viel mit dem Kind sprechen (vgl. auch Artikel 7 Gründe, warum Sie möglichst viel mit ihrem Kind sprechen sollten): Bereits Kleinkinder verstehen viel mehr, als uns selber oft bewusst wird. Fassen wir aber unsere Beobachtungen in Worte oder beschreiben laut, was wir gerade tun, wir die Welt für das Kleinkind verständlich(er). Das hilft dem Kind seine Empfindungen einzuordnen und Erwartungen zu entwickeln. So können Sie erleben, dass ihr Kleinkind bereits mit wenigen Monaten mithilft beim Wickeln und Ihnen das Füsschen entgegenstreckt, wenn es darum geht es anzuziehen.
  • Bereits das Kleinkind eigene Erfahrungen machen lassen. Nicht sofort auf den Unmut eines Kindes reagieren und ihm alles „abnehmen“. Schiebt man einem 7 Monate alten Jungen beispielsweise der etwas weiter weg liegende Ball sofort zu, nimmt man dem Kind die wichtige Erfahrung, dass es ein selbst gesetztes Ziel erreich kann. Es muss nicht selber ausprobieren und etwas riskieren. Somit würde man dem Kind die motorische Entwicklung eher hemmen, gleichzeitig dem Kind auch vermitteln: wenn ich hilflos bin, wird mir schon jemand helfen. Dies prägt sich so in sein Selbstbild ein. Lesen Sie dazu auch den Aritkel Erfolgreiche Kinder.
  • Es ist eine Frage des Masses: Es geht nicht darum, dass das Kind keine „negativen Gefühle“ erleben darf, im Gegenteil Unwohlsein, Angst, Schmerz, Hunger empfinden, Verzicht erleben,… gehören alle dazu. Die Kunst ist es aber, diese Erregungen in einem mittleren Bereich zu halten.
    Das heisst, das Kind soll nicht von seiner Angst überflutet werden oder nur Verzicht erleben müssen. Es soll aber auch nicht von den Eltern gespiegelt bekommen, dass immer alles schön und lieb ist. Denn so ist es nicht. Man darf dem Kind auch Frustrationen und Bedürfnisaufschub zumuten. Hilfreich ist, wenn man auch hier wieder verbalisiert (selbst bei einem Säugling): Ich weiss, dass du jetzt Hunger hast, du musst dich noch kurz gedulden bis der Brei genügend warm ist. Oder: Ich sehe du hast Angst auf diese Rutsche zu steigen. Sie mal, ich bin bei dir und halte dich.

Abschliessend möchten wir auf folgenden lesenswerten NZZ-Artikel hinweisen. Der renommierte Neurobiologe Michael Meaney, zeigt im Interview auf, wie sich Angst und Stress der Mutter auf die Hirnentwicklung des Kindes auswirken und wie mütterliche Zuwendung die Stressempfindlichkeit mildert.

Ein weiterer lesenswerter Artikel fanden wir bei WirEltern: Die Bindung der Babys.

 

Ihre

Sara und Peter Michalik


Fotos: pixabay.com

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  1. […] für die lebenslange Entwicklung ist, die Bedürfnisse der Kleinkinder zu befriedigen können Sie hier […]

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