Beiträge

Gabriele Patzschke: Akademie für Matrisophie [025]

Gabriele Patzschke

Gut, ich bin mit den Kindern sehr innig verbunden, aber ich kann mit denen ja zusammen alles machen, was wir wollen. Also ich bin weg von diesem, ich und die Welt, zu, wir gestalten unser Leben so, wie es uns am besten zukommt.

 


Gabriele Patzschke: Akademie für Matrisophie [025] jetzt hören

Diesen Podcast abonnieren:


Shownotes:

Wir Mütter brauchen Wissen, viel Wissen… wir bauen uns im Laufe der Jahre einen großen individuellen Wissensschatz auf, der für uns selbst einen unschätzbaren Wert hat. Wir von MOTHERBOOK® entwickeln eine Plattform zu Wissen von, für und über Mütter – das anstehende neue Wissensgebiet ist MATRISOPHIE® (Neologismus).

Hier werdet ihr dann euer eigenes Wissensprofil anlegen, stetig erweitern, eigene Gedanken festhalten und darüber kommunizieren können. Hier trifft technische auf inhaltliche Innovation – wir lieben diese Kombination und sind sicher damit ein Angebot zu schaffen für das Empowerment von Müttern zu einer neuen, zentralen Stellung in der Gesellschaft.

AKADEMIE FÜR MATRISOPHIE® GmbH,

MOTHERBOOK® GmbH

facebook I Twitter I Google+ I Pinterest

Instagramm I Youtube I Xing I Linkedinn


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Mein heutiger Interviewgast bei „Elternpodcast“ ist Gabriele aus Berlin. Hallo Gabriele. #00:00:07-6#

GABRIELE: Ja Hallo. Und schön, dass ihr diese Interviewreihe macht, das finde ich sehr, sehr gut, dass man mal rein guckt, bei Eltern, was die so machen, bei anderen. Um sich selber mit seinen eigenen Wirrungen in der Biografie doch mal irgendwie auch besser zurechtzufinden oder sich auch klar zu machen, dass das ganz normal ist, dass man sich sehr umstellen muss, wenn man eine Familie wird oder ist. #00:00:31-9#

PETER: Ja das stimmt nämlich. Danke dir, dass du dir Zeit genommen hast. Was mich interessieren würde so als Erstes. Erzähle doch erst mal, wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast. #00:00:41-9#

GABRIELE: Also ich bin Gabriele Patschke, ich bin 60 Jahre inzwischen schon geworden, gerade, und habe vier Kinder, die alle erwachsen sind. Das älteste Kind ist inzwischen schon Unternehmer und ist verheiratet und hat selbst ein Kind, mein kleines Enkelkind, zu dem ich eine ganz, ganz wunderbare Beziehung auch habe.

Ich bin selber eigentlich Juristin mit einem Master in Mediation und Coach. Aber ich habe eigentlich mich sehr auf meine Familie eingestellt im Laufe der letzten Jahrzehnte, was ich eigentlich gar nicht vorhatte. Und bin sozusagen, was völlig untypisch ist, jetzt eigentlich dabei mich beruflich erst richtig intensiv aufzustellen und einzusteigen. Ich versuche damit sozusagen, mal so ein neues Lebensphasenmodell zu zeigen. Hoffentlich klappt es. #00:01:33-1#

PETER: Das ist aber spannend, so praktisch in der Phase, wo andere sich praktisch aus dem Berufsleben fast verabschieden, fängst du neu an. Finde ich jetzt mal wirklich speziell. #00:01:43-5#

GABRIELE: Ja, warum sollen wir, wenn wir eine so hohe Lebenserwartung haben, von weiß ich nicht, 90 Jahren annähernd sicherlich doch, mit 60 oder 65 aufhören mit der Erwerbstätigkeit. Dann sind noch Jahrzehnte übrig. Erstens mal, wer soll das finanzieren in so einem Staat, wo so wenig Kinder geboren werden. Und zweitens mal, die Leute sind doch voller Energie in diesem Alter eigentlich. #00:02:05-9#

PETER: Das stimmt. #00:02:06-2#

GABRIELE: Wenn sie gesund sind. Haben eine unglaubliche Lebenserfahrung, von der man ja profitieren könnte oder kann. Und man hat noch ein paar Jahrzehnte, wo man wirklich durchaus ganz tolle sinnvolle Dinge tun kann. Mit einem Überblick, den man einfach 30 Jahre vorher gar nicht hatte. #00:02:22-1#

PETER: Das stimmt. Gabriele, was hat sich bei dir durch die Kinder in deinem Leben verändert? #00:02:29-4#

GABRIELE: Ja, eigentlich alles. Ich habe die Kinder relativ früh bekommen, das Erste mit 26. Da war ich am Ende meines Studiums, aber noch im Studium. Und ich hatte damals eigentlich erwartet, dass ich das so ganz locker nebenbei mache. Ich musste ja „nur noch“ das Examen machen, das Juraexamen, hatte alle Scheine und alle Pflichtveranstaltungen hinter mir und dachte, das mache ich jetzt mal so locker nebenbei, mit dem Kinder kriegen. Da habe ich mich dann aber gewaltig geirrt und habe dann festgestellt, dass ich ja doch durch die Ankunft eines solchen kleinen Zauberwesens alles ändert. Alles. #00:03:10-6#

PETER: Und was war die größte Veränderung, an die du dich so erinnern kannst? #00:03:14-7#

GABRIELE: Ja, ich hatte vorher eigentlich gedacht, ich mache mein Examen, hatte vor zu promovieren, hatte auch schon das alles eingefädelt. Hatte dann irgendwie vor, richtig Karriere zu machen. Und so abstrakt gedacht, also für die Familie und für ein Kind würde ich sicherlich kaum mal einen Tag in meinem Berufsleben fehlen, so, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Und dann habe ich gemerkt, ich möchte gar nicht mich von meinem Kind trennen. Ich habe also sozusagen dieses Kind in mein Leben gelassen und es war plötzlich da, oder in unser Leben. Und ich war völlig verzaubert und hätte natürlich dieses Kind auch irgendwie in den Kindergarten oder in die Krippe oder zu einer Tagesmutter geben können. Ich wollte das aber gar nicht. #00:04:00-2#

PETER: Und wie hast du das dann gemacht mit dem Studium? Also du wolltest ja einerseits fertigmachen, andererseits kam diese Empfindung, ich möchte mein Kind nicht allein lassen. Wie hast du es gemanagt? #00:04:11-6#

GABRIELE: Da hatte ich natürlich das Glück, dass ich eigentlich mein Studium abgeschlossen hatte. Das heißt, die ganzen Pflichtveranstaltungen und da, wo Anwesenheitspflicht ist, das war vorbei. Ich musste „nur noch“ lernen. Das ist natürlich eine ganze Menge bei Jura oder Rechtswissenschaften. Aber ich hatte dann wirklich gesagt, in diesem einen Jahr, wenn das Baby geboren ist, also in der Schwangerschaft hatte ich dann schon die Examensarbeit geschrieben.

Und in dem Jahr, wo das Baby dann klein ist, habe ich mich entschieden, sozusagen aus meinem ganzen Sociallife auszusteigen. Also meine ganzen Freunde mal auf die Warteschleife zu schieben und sagen, wenn es gute Freunde sind, dann nehmen die mir das nicht übel. Und wir nehmen hinterher den Kontakt wieder auf. Ich habe dann wirklich gesagt, dieses eine Jahr mache ich Fokus Baby und lernen und Prüfung, nichts anderes. Das hat dann auch geklappt. #00:05:01-8#

PETER: Okay. Gab es eigentlich einen Unterschied zwischen dem ersten Kind und dem Zweiten, dem Dritten, dem Vierten? #00:05:09-7#

GABRIELE: Ja. Es gab einen gewaltigen Unterschied. #00:05:11-6#

PETER: Und welchen? #00:05:12-3#

GABRIELE: Das zweite Kind habe ich dann in der Referendarzeit bekommen. Bei mir war das in der Referendarzeit und ich hatte davor eine Fehlgeburt, die mich sehr traurig gemacht hat. Und da habe ich gedacht, nein, das ist mir das alles gar nicht wert. Außerdem als Rechtsreferendar muss man natürlich auch immer irgendwo hin, man hat ja Termine.

Ich habe dann gedacht, okay, wenn das Kind geboren wird, damals hatten wir auch noch nicht diese ganzen Elternzeit- und Mutterschutzgesetze, wie das jetzt ist. Da hatte man nur die Möglichkeit, sechs Monate in Elternzeit zu gehen. Das war mir von vornherein eindeutig zu wenig. Und dann habe ich gedacht, okay, wenn das zweite Kind da ist, unterbreche ich erst mal das, was ich beruflich mache. Und das habe ich dann auch gemacht.

Dann hatte ich noch die Illusion, dachte ich, da kann man ganz locker nebenbei promovieren. Habe dann aber festgestellt, so mit zwei Kindern und einem Mann, der sehr, sehr beruflich eingespannt, bleibt gar nicht viel Zeit übrig für irgendwas anderes. Und habe das dann auch nicht gemacht erst mal. #00:06:13-4#

PETER: Das heißt, euer Modell war, du warst zu Hause und dein Mann hat Vollzeit gearbeitet. #00:06:19-6#

GABRIELE: Das hat sich dann so ergeben, das hatte ich nie vor so. Aber man muss sich ja auf die Situation einlassen. Und da war sozusagen, das war für mich auch wirklich eine ganz große Herausforderung, dass ich eine bestimmte Vorstellung, wie ich eigentlich so ins Leben geben wollte. Und dann hatte ich aber die Situation, dass ich, also der Vater meiner Kinder war Unternehmer und der war schon gut im Geschäft und das lief alles schon ganz gut. Aber war auch so eine Phase, wo man in der (Opperphase?) #00:06:50-6# richtig gefordert ist.

Und da kann man ja nicht sagen; gut, ich gehe jetzt mal eben für drei Monate in Elternzeit; dann fährt das Unternehmen gegen die Wand. Das heißt, wir hatten diese Entscheidung eigentlich nicht. Und das war für mich auch so ein bisschen am Anfang so, da musste ich mich erst mal drauf einstellen. Plötzlich saß ich da mit den Kindern und mein Mann war wenig da. Wenn er da war, war er ein entzückender Vater und ganz, ganz bei den Kindern und liebt die auch über alles. Aber er war international unterwegs, um dieses Unternehmen aufzubauen und groß zu machen. Und das hat er dann auch geschafft, aber im Grunde bin ich, ohne das zu wollen, in so eine Rollenverteilung gekommen, wo ich dachte, dass sie völlig überholt wäre. #00:07:42-9#

PETER: Wie hast du dir das eigentlich geplant gehabt? Du hast gesagt; meine Vorstellung war eine ganz andere. Wie hast du dir das so in deinen Gedanken ausgemalt? #00:07:50-9#

GABRIELE: Ich hatte immer ganz klare Vorstellungen, wie ich beruflich gerne mich aufstellen würde. Und hatte mir das nicht wirklich konkret natürlich vorstellen können, wie das dann ist, wenn da so ein kleines Zauberwesen plötzlich da ist oder mehrere möglicherweise. Und dann habe ich aber sozusagen festgestellt, man kann in eine Rolle hineinfinden, die trotzdem, das klingt so nach klassischer Rollenaufteilung, das stimmt aber gar nicht. Im Grunde kann man auch völlig auf Augenhöhe sage, der eine macht diese Erwerbstätigkeit und diese berufliche erwerbstätige Rolle in der Familie.

Und der andere kümmert sich auch um alles andere. Das habe ich dann auch gemacht, und zwar mit zunehmend mehr Spaß an der Sache. Das war also, im Laufe der Jahre habe ich dann unglaubliche Kreativität entwickelt und diese Freiheit. Im Grunde war ich ja wie eine Unternehmerin.

Ich habe mir vorgestellt, was ich mache, habe mir Projekte auch mit meinen Kindern vorgenommen und habe das dann gemacht und war sehr frei. Viel freier, als wenn man in irgendeinem Arbeitsverhältnis ist und ich habe natürlich nicht wenig gearbeitet, im Gegenteil. Also ich dachte, also ich habe locker 16-Stunden-Tage gehabt. Und ohne Großeltern und ohne sonstige Unterstützung aus dem Umfeld eigentlich, außer von Freunden, waren das auch wirklich 365 Tage im Jahr. Also praktisch so ein Endloseinsatz, an den man sich aber gut gewöhnen kann. #00:09:29-6#

PETER: Genau, also das ist auch meine Erfahrung. Es gibt nicht das klassische Modell, also das ist, glaube ich, so eine Vorstellung, die so irgendwo immer mitschwebt. Ich denke, jede Familie löst das individuell. Und trotzdem hat das einen Einfluss, diese Vorstellung, wie das sein sollte, vor allem auf einen selber und auch auf das Umfeld. Und mich würde interessieren, wie hat das Umfeld reagiert, darauf, dass du dann jetzt praktisch Vollzeitmama geworden bist? #00:09:55-2#

GABRIELE: Ja, ich bin da ja so reingerutscht, ich war es ja am Anfang eigentlich nicht. Und dann hat sich das so ergeben. Und ich habe in einem Umfeld gelebt, wo es erstaunlicherweise alle Modelle gab, das auch. Das waren also alles eigentlich Leute, mit einer sehr, sehr guten Ausbildung und die hatten auch vor den Kindern oft ganz tolle Jobs. Und die haben sich doch zu einem größeren Teil auch sehr viel Zeit für die Kinder genommen, was ich ganz, ganz toll fand. Oder beziehungsweise, die haben natürlich auch in unserem Umfeld, so man formt sich ja auch gegenseitig.

Man diskutiert, man redet darüber, man entwickelt sich. Und viele haben sich dann auch entgegen ihren eigenen ursprünglichen Vorsätze so doch eine Weile rausgenommen aus dieser Berufstätigkeit. Und das fand ich irgendwie eigentlich ganz toll. Also meine Kinder waren zum Beispiel auch gar nicht im Kindergarten und das waren dann einige aus unserem Umfeld, haben das ähnlich gemacht. #00:10:52-2#

PETER: Okay. Was hat sich bei euch in der Partnerschaft oder in der Beziehung verändert durch die Kinder? #00:11:00-2#

GABRIELE: Ja, das hat sich natürlich auch um 180 Grad gedreht. Als wir angefangen hatten mit unserer Beziehung, da war ich eine freie Studentin, die sehr viel Wert auf ihren großen Freiheitsbedarf gelegt hat. Und ich war unabhängig, ich wollte machen, was ich will, auch, wenn ich natürlich gerne diese Beziehung hatte.

Und mein Mann war ja immer schon dann auch sehr viel unterwegs und der war unglaublich im Einsatz. Und durch die Kinder, plötzlich hat sich das alles total geändert. Erst mal hatte ich sozusagen dieses Gefühl, ich bin ja doch sehr fremdbestimmt. Dann habe ich aber dieses Freiheitliche, mit diesem Bindungsding umgehen können, das habe ich dann irgendwie entwickelt. Dass ich gesagt habe, gut, ich bin mit den Kindern sehr innig verbunden, aber ich kann mit denen ja zusammen alles machen, was wir wollen. Also ich bin weg von diesem, ich und die Welt, zu, wir gestalten unser Leben so, dass wir unser Lebensumfeld so gestalten, wie es uns am besten zukommt. #00:12:15-0#

PETER: Wie du das erzählst, das hört sich so sehr frei an. Und mich würde interessieren, weil, du erzählst ja einerseits, vorher war ich frei und dann war ich sehr fremdbestimmt und gebunden. Und ihr habt das dann gedreht in ein anderes Empfinden. Und wie hast du das gemacht? Also wie ist dir das gelungen, von der Vorstellung, dass du praktisch vorher frei warst, jetzt ist ein Kind da und du bist fremdbestimmt und trotzdem fühlt sich das gut an? #00:12:41-3#

GABRIELE: Ja, also ich war erstens mal völlig verzaubert, wie die meisten Eltern natürlich von diesem kleinen Wesen, was da war oder von dem kleinen Wesen. Und das ist wirklich dieses weg vom „ich“, hin zum „wir“. Ich habe dann sozusagen dieses „wir“, ich bin dann nicht mehr als „ich“ durch die Welt gelaufen und habe meine Freiheit und meine Entwicklung und meine Situation versucht zu optimieren.

Sondern habe das sozusagen in ein „wir“ umgewandelt. Und ich habe dann mit diesem „wir“, mit dieser kleinen Gemeinschaft, die wir dann waren mit diesen zum Schluss ja vier Kindern und Vater, habe ich versucht für uns eine Lösung zu finden, dass wir frei sind. Alle. Und das ist ja auch eigentlich eine Sache, die man gut auch entwickeln kann, wenn die Kinder zum Beispiel nicht in den Kindergarten gehen. Man lebt miteinander und jeder versucht, doch irgendwie seine Bedürfnisse zu äußern und auch möglichst weit danach zu leben, ohne, dass es die anderen zu sehr einschränkt. Also das ist ja so ein ewiger Balanceakt, den man da hinkriegen kann. #00:13:49-3#

PETER: Das ist aber eine schöne Vorstellung. Ich würde gerne noch mal zurück zu der Beziehung. Also du hast gesagt, ich war dann zu Hause, mein Mann war hochprozentig beruflich unterwegs und sehr engagiert. Wie habt ihr das gemacht als Paar? #00:14:07-5#

GABRIELE: Das war auch ein ständiger Lernprozess natürlich. Ja, mein Mann musste sich natürlich trotzdem auf diese Kinderwelten einstellen und hatte natürlich trotz dieser nicht so üppig bemessenen Zeit, liebt diese Kinder natürlich nach wie vor über alles. Und hat das dann aber auch wirklich hingekriegt. Wenn er dann da war, war er ganz da. Und das war zwar nicht so besonders oft und das Verrückte war, am Anfang habe ich gedacht, na ja, wenn er dann da ist, kann er die Kinder ja mal übernehmen, dann habe ich frei. Dann habe ich festgestellt, das geht eigentlich auch nicht, weil, wenn jemand dann eigentlich doch so in dieses System hineinkommt dann plötzlich und der brauchte unheimlich viel Informationen.

Wo steht das Kind gerade? Was braucht das Kind gerade? Was ist gerade aktuell? Was war in den letzten Tagen? Und so. Dann haben wir eigentlich doch fast immer diese Zeit wirklich gemeinsam verbracht. Das heißt, wenn ich mir Freiräume schaffen wollte oder geschafft habe, dann war das eigentlich immer außerhalb dieser gemeinsamen Familienzeit. Das war dann immer praktisch während dieser Kinderzeit, eigentlich auch, während die Kinder dabei waren oft. #00:15:21-1#

PETER: Habt ihr irgendwie zusammen als Paar so, also jetzt mal, wenn man sich nicht als Familie sieht, sondern nur als Paar, habt ihr euch da irgendwie die Zeiten genommen oder hat sich das einfach so ergeben oder wie war das? #00:15:34-5#

GABRIELE: Ja, also ich habe dann irgendwann festgestellt, man ist ja nur noch Familie, man ist dann auch nachts oft noch im Einsatz ganz viel. Und irgendwann haben wir angefangen, ganz systematisch uns Zeitfenster zu schaffen. Ich liebe Musik, mein Mann auch. Wir sind dann oft ins Konzert gegangen, haben dann irgendwie mal auch uns mit einem Babysitter abends in ein ganz tolles Restaurant gesetzt.

Wir haben sehr intensives auch, weiß ich nicht, soziales Leben hier, auch durch die Berufstätigkeit meines Mannes und auch mit vielen Freunden. Wir sind dann oft auch abends weggegangen und haben ganz bewusst das als Zeit für uns genommen und auch genossen. Also ich glaube, es ist ganz, ganz wichtig, dass man sich diese paar Zeitinseln nimmt und systematisch einplant, von Anfang eigentlich, wenn es geht. #00:16:24-2#

PETER: Ja okay. Und ich frage jetzt noch mal nach, weil, du hast gesagt, wir haben uns die Zeit einfach genommen und wir haben es geplant und haben es dann gemacht. Wie hat sich das für dich angefühlt? War das okay oder war das irgendwie künstlich oder war das sogar noch besser, als wenn man es irgendwie passieren lässt einfach? #00:16:42-7#

GABRIELE: Also ich fand es, am Anfang musste ich mich wirklich eigentlich auch von zu Hause losreißen, es klingt jetzt verrückt, es ist aber so. Wenn wir dann abends, ich habe gesagt, wir müssen jetzt einfach mal einen Abend zu zweit verbringen. Also, als das erste Kind noch relativ klein war, hatte ich das Gefühl, es ist jetzt einfach wichtig. Dann habe ich einen Babysitter organisiert, der dann auch das Kind so ein bisschen kannte. Und bin dann losgegangen und habe oft festgestellt, dass mir dieses Losgehen richtig schwergefallen ist, ganz schwergefallen ist am Anfang.

Und die ersten Male konnte ich mich auch so innerlich gar nicht richtig rausreißen, obwohl mir irgendwie vom Kopf her völlig klar war, dass es wichtig ist für uns. Vielleicht ist es auch nicht in jeder Beziehung wichtig, aber ich glaube, in vielen Beziehungen ist es auch wichtig. Das habe ich auch beobachtet im weiten Umfeld, dass man sich diese Zeiten doch nimmt und dass man sich auch drauf einlässt.

Am Anfang kostet das richtig ein bisschen Disziplin und dann macht das auch ganz großen Spaß. Und dann merkt man, wie wichtig das auch ist und dann kommen auch Themen, die, wenn man in einer Familie zusammen ist, eigentlich gar nicht aktuell sind. Dann kann man mal Dinge besprechen, worüber man nachdenkt, was man fühlt und so. Das kommt ja dann doch in diesem ganzen Klangedusel manchmal ein bisschen zu kurz. Gerade, wenn man viele Kinder. #00:18:07-8#

PETER: Ich finde es wirklich sehr interessant, dass du das jetzt so erzählst, dass es am Anfang so ein bisschen komisch war. Und dann hast du dich dran gewöhnt und dann war es ganz gut. Irgendwie haben wir die Vorstellung, dass sich diese Zeit als Paar, wie spontan ergeben muss, ansonsten ist die Qualität nicht so gut. Ich habe so den Eindruck. Und spannenderweise, wenn man so guckt in die Zeit, wo man sich kennengelernt hat. Dann verabredet man sich ja ständig für alles. Und dort ist es irgendwie kein Problem, wenn man dann zusammenwohnt, ist es plötzlich ein Ding, ja nein, das muss spontan passieren. #00:18:42-4#

GABRIELE: Nein, ist es nicht. Ja, man hat ja dieses Illusion, man ist dann ein Paar, man lebt dann zusammen und dann hat man ja das Leben gemeinsam. Und das ist ja nicht so, wenn man unterschiedliche Aufgaben hat. Man hat genau, wie zu der Zeit, wo man noch nicht zusammengewohnt hat oder so, ja trotzdem seine Aufgaben, die man auch nicht teilt. Und die man aber vielleicht sogar reden will. Also ich fand es zum Beispiel auch immer unglaublich wichtig, zu wissen, was der andere macht und ich habe mich dafür interessiert.

Das kann man natürlich auch machen, wenn die Familie dabei ist, dass man sich austauscht, wer was macht und wer war plant und wer was erlebt hat und wie er sich dabei gefühlt hat. Und was geklappt hat, war nicht geklappt hat. Ich finde das unglaublich wichtig, dass man da jedoch ständig in einer Kommunikation bleibt. Aber das ist ja sozusagen die Sache, wie kann man im Alltag machen, in dem gemeinsamen Alltag, den man hat. Aber ich glaube, diese Verabredungen, das hat dann auch so eine Qualität, wie zu Anfang der Beziehung. Wenn man außerhalb des eigenen Alltags, der einen ja im Grunde immer fordert, dann ganz gezielt sagt, wir brauchen eine Insel für uns. Ich glaube, das ist wichtig. #00:19:52-5#

PETER: Ja, das glaube ich auch. Was mich noch interessieren würde, du hast ja vier Kinder, hast du erzählt, und da sind ja vier große Lärmmeister, die man da hat. Welche Fähigkeiten und welchen Stärken hast du neu entdeckt oder weiterentwickelt durch deine Kinder? #00:20:14-4#

GABRIELE: Ja, also wenn ich mal das Herausragendste so für mich mal reflektiere, ist es eigentlich, ich bin jemand gewesen vorher, der eigentlich immer so ein Machertyp, also ich wollte Freiheit haben und wollte Dinge anpacken, machen, durchziehen, so. Das geht mit den Kindern nicht so einfach und ich habe gelernt, mich einfach einzulassen auf das, was kommt. Und die Qualität zu finden, in dem, was da kommt, und zu sehen und auch wirklich so ein Kind, egal, in welcher Entwicklungsphase das gerade ist, wahrzunehmen in seinem eigenen kleinen Kosmos.

Und zu sehen, was da ist an Potenzial und zu sehen, wie faszinierend das ist und was dieser kleine Mensch jetzt gerade braucht. Und jetzt nicht, dass ich jetzt gesagt habe, okay, man darf sich darüber selber vergessen, um Gottes Willen nein. Aber das ist ja wirklich ein Wunder, wenn man sieht, wie so eine kleine Persönlichkeit sich im Leben langsam aufstellt oder sich ins Leben hineinstellt. Und da braucht man so eine Art zurückgenommene Anwesenheit, die mir anfangs wirklich / Das ist was, was ich gelernt habe, zu bestaunen, zu sehen und Potenziale aufzugreifen und denen dann Raum zu geben. Das ist ja sozusagen aus meiner Sicht auch die Aufgabe von Eltern, dass man erkennt, was da für Potenziale sind.

Und versucht, die nicht zuzudecken, sondern die irgendwie, die kleinen Wesen dabei oder die großen Wesen dann später auch, dabei zu unterstützen, dass ganz frei zu entfalten. Das ist natürlich das große Ziel, das gelingt auch nicht immer. Aber das ist natürlich dieses ständige arbeiten an sich und an diesem System. Das ist ja dieses kleine Familiensystem, ist ja ein System, was sich ständig verändert und wächst. Und das im Blick zu haben, finde ich, ist auch eine ganz, ganz große Aufgabe. #00:22:15-7#

PETER: Ich kann mir vorstellen, dass du, du hast dich selber beschrieben als eine Macherin und jetzt hast du gesagt, ich habe dann eine neue Rolle entdeckt, also dieses eher beobachten. Und das passiert, glaube ich, nicht von heute auf morgen, wenn man zwischen diesen zwei Rollen wechselt. Gab es da oder hast du da irgendwie einen Tipp oder einen Trick, den du für dich angewendet hast? Wie es dir gelungen ist, praktisch von diesem Machen, von diesem aktiv sein, in dieses aktiv beobachten. #00:22:45-6#

GABRIELE: Ja, ich glaube, mir hat da beim ersten Kind geholfen, die Situation, dass ich Examen machte in diesem ersten Jahr. Das war so eine ganz komische Lebenssituation eigentlich. Ich war da in unserem gerade frisch bezogenen neuen Haus und saß an einem Schreibtisch. An einer Terrasse und hatte sozusagen auf dem Schreibtisch meine Bücher und neben mir oder vor dem Fenster das Baby. Und mein Herz hat mich natürlich immer zu diesem Baby gezogen. Und das hat aber natürlich auch viel geschlafen oder mich intensiv, war ich auch eingespannt durch Stillen, Wickeln, man kennt das ja.

Und ich hatte eine unglaublich enge Verbindung zu diesem Kind und habe diese Pflichten mit diesem Lernen abgearbeitet in jeder freien Minute, wo das Kind mich gelassen hat. Habe aber immer sozusagen ein Auge aufs Kind gehabt. Das war sozusagen diese Doppelgleisigkeit. Und da habe ich das eigentlich gelernt, zu sehen, okay, das Kind ist jetzt da, das braucht mich gerade nicht, nutze ich für andere Sachen. Und dann auch zu erfassen, wenn es mich wirklich braucht, dann auch da zu sein. #00:24:05-0#

PETER: Also du hast so eine Sensibilität entwickelt für die Bedürfnisse des Kindes durchs Beobachten, oder? #00:24:11-0#

GABRIELE: Ja, genau. Und dieses Beobachten konnte ich besonders intensiv deshalb machen, weil ich so an diese Lernsituation gebunden war, am Anfang. So und dann hatte das, war sozusagen wie so ein Dammbruch, dann habe ich das sozusagen weiter gemacht mit allen Kindern. Und dann ergibt sich das ja auch aus dem Leben und vieles ändert sich auch mit vielen Kindern dann. #00:24:29-1#

PETER: Genau. Gab es in der Zeit irgendwie ein Buch oder etwas, was dir geholfen hat, wo dir Tipps geholt hast oder wo du dir, wenn du mal nicht weiter gewusst hast, Rat geholt hast? Gab es so was damals? #00:24:44-0#

GABRIELE: Also ich habe damals viel auch gelesen und da gab es auch verschiedene Bücher. Aber ich habe für diese konkreten Fragestellungen, die ich damals hatte, oft da keine Antwort gefunden. Ich hatte eine großartige Mutter selber und mit der habe ich sehr, sehr viel zu der Zeit gesprochen. Ich weiß nicht, ob ich sie zeitweise sogar damit genervt habe, kann ich mir gut vorstellen.

Aber sozusagen diese Antworten in diesen Büchern, die ich damals gesucht habe, habe ich oft nicht finden können. Das ist sozusagen aus meiner Sicht auch heute diese ganz, ganz große Chance vom Internet, wo man theoretisch viel mehr Fragen stellen kann und viel gezielter suchen kann. Da sind noch ganz, ganz große Potenziale, glaube ich, dass man da noch viel hochqualifizierter und besser irgendwelche Sachen suchen und finden kann. #00:25:33-4#

PETER: Genau, und da hast du ein ganz spannendes Projekt, was praktisch am Start ist oder kurz vor dem Start. Erzähle uns doch mal in zwei, drei Sätzen, um was geht es da? #00:25:45-3#

GABRIELE: Genau, also ich bin völlig begeistert von diesen Möglichkeiten, von den abstrakten und auch konkreten Möglichkeiten, die uns das Internet bietet. Und da habe ich mir dann irgendwann gedacht, Wissen ist ja unglaublich wichtig. Man kommt in diese Rolle des Eltern seins, ist darauf ja in dieser Gesellschaft eigentlich gar nicht vorbereitet, wenig vorbereitet, die meisten von uns. Gerade, wenn es so wenig Kinder im Umfeld gibt, was ja doch auch oft ist oder auch, wenn es andere Kinder im Umfeld sind. Wenn man selber betroffen ist und selbst plötzlich ein Kind bekommt, ist man plötzlich mit tausend Fragen konfrontiert.

Und da ist es natürlich ein ganz, ganz großer Schatz, wenn man sich Wissen aneignen kann oder beziehungsweise seinen eigenen Wissensschatz legt man sich ja im Laufe der Zeit zu. Und das ist ein unheimlich großes Potenzial und eine Chance. Und da arbeiten wir gerade an einem Businessmanagementtool, wo wir versuchen, alle Dinge, die Eltern betreffen, Kinder betreffen und besonders Mütter betreffen, mit einer intelligenten Software ganz einfach auffindbar zu machen.

Weil ich finde immer, der Nachteil vom Internet wiederum ist dann, dass man 80 Prozent der Zeit auf der Suche nach Dingen verbringt, die man mal gesehen hatte, aber nicht wiederfindet. Und es ist auch schwierig, Sachen von hoher Qualität zu finden. Und, wenn man da sozusagen ein Wissensgebiet erschafft, wir haben das jetzt mal genannt, Matrisophie, Wissen von, für und über Mütter.

Das ist ein neu gefundenes Wort, das habe ich mir als Marke sichern lassen, aber ist jetzt nur als Nebensache. Wenn man sozusagen dieses Wissen mal zusammenfasst und auch mit einer künstlichen Intelligenz durchsuchen kann, dass man wirklich zu jeder Frage möglichst mehrere Antworten finden kann und die passende für sich dann finden kann. Das wäre schön. #00:27:41-4#

PETER: Und das heißt, ihr bündelt das Wissen für Eltern, also nur im Thema Kinder, Eltern, Mutter, Vater und so weiter. Dass man praktisch nicht durch andere Einflüsse abgelenkt ist, sondern man kann gezielt das abrufen, was man sucht in dem Bereich. #00:27:59-7#

GABRIELE: Ja, wir haben dieses Wissensgebiet jetzt, sagen wir mal, Matrisophie, Wissen von, für und über Mütter. Weil ich auch noch der Meinung bin, das ist jetzt, also Eltern auch, weil über Mütter ist ja auch Eltern oder Söhne oder Töchter oder was auch immer, in Beziehung zu ihrer Mutter.

Aber so ein bisschen als Nebengedanke ist natürlich auch diese Tatsache, dass ja doch die Mütter, diejenigen sind, die in ihrer Biografie noch ein bisschen mehr betroffen sind, von dem Moment an, wo ein Kind unterwegs ist. Im Grunde, theoretisch ist es ja so, wenn man den Vater im System hält, also wenn der Vater im System bleibt, ist es wunderbar, aber theoretisch kann der ja gehen.

Und theoretisch kann die Mutter auch sagen; mit dir mache ich das nicht; aber das Kind hat sie in ihrem Bauch und da ist sie auswegslos, außer, wenn sie die Schwangerschaft abbricht, eigentlich mit diesem Kind verbunden. Und ich finde es eine ganz große Kunst, gerade in den Zeiten, wo die Beziehungen doch sehr häufig auseinanderbrechen, dieses Familiensystem zusammenzufügen und zusammenzuhalten.

Das ist ja wie ein Kunstwerk, so ein Beziehungssystem, an dem man auch ständig arbeiten muss. Und da ist, glaube ich, doch auch die Mutter ganz zentral gefragt, besonders am Anfang, sozusagen eine Struktur zu schaffen, dass das irgendwie alles zusammenwächst und zusammenbleibt, wenn es geht. #00:29:27-7#

PETER: Ja, das hört sich auf jeden Fall spannend an. Wann geht das an den Start? #00:29:32-3#

GABRIELE: Der Start ist hoffentlich noch vor den Sommerferien. In einer noch nicht perfekten Version, weil natürlich so eine Wissensmanagementsoftware wachsen muss. Und am Anfang, da kann man sich noch so anstrengen, das ist auch unser Problem momentan, wir versuchen, einen Zeitpunkt zu erwischen, wo wir an den Start gehen.

Da sind wir natürlich noch nicht so aufgestellt, dass alles findbar und alles gespeichert und alles durchsuchbar ist. Diese Software, die muss erst lernen. Künstliche Intelligenz ist ja ein Prozess, der sozusagen im Laufe der Zeit erst entsteht. #00:30:07-9#

PETER: Ja, ich finde es auf jeden Fall ein sehr, sehr spannendes Projekt. Und ich würde den Link natürlich in die Shownotes reintun, damit alle Eltern / #00:30:16-3#

GABRIELE: Es gibt ja, Entschuldigung, aber es gibt dazu ja noch eigentlich nur einen Blog momentan, der auch eigentlich nicht aktiv ist. Und dieses Projekt „motherbook.de“, das sieht man im Internet ja noch gar nicht. #00:30:30-6#

PETER: Okay. #00:30:32-2#

GABRIELE: Wir haben eine Facebook-Seite, wo wir Wissen verlinken, das ist alles. #00:30:34-6#

PETER: Okay, aber das ist ja schon mal etwas, dass wir die Facebook-Seite verlinken. Ich denke mal, da kommen dann die Informationen, wenn es startet, oder? #00:30:41-5#

GABRIELE: Ja, genau. #00:30:43-1#

PETER: Okay. Ja Gabriele, in Anbetracht der Zeit, ich muss auch immer so ein bisschen auf die Zeit achten, und wir sind schon bei 30 Minuten oder 31 beziehungsweise. Ja, ich möchte mich bedanken für die ausführlichen Schilderungen deines Familienlebens, deines Erlebnisses mit den vier Kindern. Es kommt so energiegeladen rüber, also es war wirklich ein Genuss dir zuzuhören. #00:31:07-8#

GABRIELE: Danke. #00:31:09-5#

PETER: Und mit ganz viel Informationen und wertvollen Tipps. Und dafür möchte ich dir danken, dass du dir die Zeit genommen hast, uns da dran teilhaben zu lassen. #00:31:18-7#

GABRIELE: Ja ich danke dir auch. Weil, ich möchte jeden unterstützen, der auf irgendeine Weise dazu beiträgt, dass Familien einfach harmonischer und konstruktiver und besser sich aufstellen können. Und ihren Kindern damit einen ganz wunderbaren Einstieg in eine Zukunft ermöglichen. #00:31:39-5#

PETER: Genau. Das ist auch unser Ziel. #00:31:43-1#

GABRIELE: Ja, das weiß ich. Das finde ich auch ganz toll. #00:31:45-6#

PETER: Okay. Also gut, vielen Dank und schöne Grüße nach Berlin. #00:31:49-2#

GABRIELE: Ja, danke, schöne Grüße in die Schweiz. #00:31:50-8#

PETER: Tschau. #00:31:51-8#

GABRIELE: Tschau. #00:31:52-5#

Nina Strasser: Juramama – das interview [024]

Nina Strassner

„Klärt das früh ab, wie ihr euch das Familienleben aufteilen möchtet, wie ihr das mit den Kindern machen möchtet. Und wenn ihr das ganz klassisch konservativ machen wollt, und das eure Überzeugung ist, dann lasst euch da nicht davon abbringen, dann ist das toll und schön und hört nicht auf die anderen. Wenn ihr es anders machen wollt, dann findet euren Weg, und wenn du zwei Wochen nach der Geburt wieder arbeiten gehen möchtest oder berufstätig sein möchtest, dann mache das und höre nicht auf die anderen.“

 

Nina erzählt im Interview:

  • Bei Kindern funktionierte das Sachliche irgendwie nicht mehr, man kann mit Kindern ja auch nicht mehr sachlich diskutieren, da muss man irgendwie so sehr an sein Bauchgefühl heran.
  • Früher konnten wir Konflikte austragen und auch mal 3-4 Tage lang schmollen. Kinder bringen einen dazu Konflikte zu lösen. Wir können jetzt nicht einfach vier Tage lang sauer und beleidigt sein.
  • Heute schlafen wir dann nochmal eine Nacht darüber und ich gucke mal, ob ich morgen immer noch so sauer bin und mit Dingen werfen will, oder ob das morgen besser wird.
  • Ich hatte da völlig andere Vorstellungen bevor ich schwanger war. Da dachte ich so, ja, ja, das ist alles ja überhaupt gar kein Problem, und wir machen einfach ganz normal weiter mit dem Beruf, wir sind ja auch beide dann in einem Büro. Und dann war ich schwanger und dachte: Oh nein, ich will ja eigentlich immer für das Baby da sein und ach nein, dann doch wieder nicht, und nach der Geburt wollte ich nie wieder weg von dem Kind.
  • Die Reaktionen, als ich beim ersten Kind den ganzen Tag das Kind herumgeschoben habe und mich mit dem Kind beschäftigt habe, waren ausnahmslos positiv, und es hat auch niemanden großartig überrascht oder hat es kritisiert oder so. Erst als sich das drehte, und ich dann beruflich mehr gemacht habe, habe ich immer irgendwie die Frage bekommen: „Ja, und was ist dann mit den Kindern?“

Aber jetzt endlich zum Podcast!


Nina Strasser: Juramama – das Interview jetzt hören

Diesen Podcast abonnieren:


Shownotes:

Mein Blog „Juramama“ richtet sich an Familien und solche, die es werden wollen. Ich greife in wechselnder Thematik, mal humorvoll, mal satirisch, mal ganz juristisch Themen auf, die auf Familien im Alltag zukommen. Dabei ist mit eine gesamtgesellschaftliche Perspektive sehr wichtig und ein Anliegen, Eltern zu unterstützen. Komplizenschaft unter Eltern ist wertvoll und die einzig wahre Möglichkeit die Interessen rechtlich und politisch laut und lauter zu machen.

Juramama bei:

facebook

twitter

 


Ninas Büchertipps:


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Mein heutiger Interviewgast bei Elternpodcast ist Nina aus Kiel. Hallo Nina! #00:00:06-0#

NINA: Hallo! #00:00:08-9#

PETER: Erzähle uns doch erst mal wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast #00:00:12-6#

NINA: Ja ich bin Nina Strassner, ich bin 35 Jahre alt mittlerweile, und ich habe zwei Kinder, ein Grundschulkind, gerade eingeschult, und ein Kindergartenkind, ein Junge und ein Mädchen, und ich bin Anwältin von Beruf. #00:00:31-0#

PETER: Und da komme ich gleich zu meiner ersten Frage, was hat sich in deinem Leben durch die Kinder verändert? #00:00:37-2#

NINA: Ja, das ist eine ganz schöne Frage, und über die habe ich auch schon irgendwie länger mal nachgedacht, weil sich das ja auch alle halbe Jahre ändert, was man irgendwie dachte, was sich verändert hätte, und dann ist es doch alles wieder anders. Deswegen bin ich irgendwie zu dem Schluss gekommen, dass ich mir eigentlich nicht mehr so sicher bin, also alles ist irgendwie gleichzeitig entweder sicherer geworden oder unsicherer geworden.

Also die Verlässlichkeit ist anders, Dinge, auf die ich mich vorher verlassen habe, kann ich mich jetzt nicht mehr verlassen, andersrum Dinge, die ich vorher für nicht so verlässlich gehalten habe, sind jetzt irgendwie verlässlicher. Also es hat alles tatsächlich einmal, nicht alles, aber Dinge, die ich nicht erwartet habe, von oben nach unten gedreht und andersrum. #00:01:16-3#

PETER: Und wie war das am Anfang, also beim ersten Kind, da ist, glaube ich, der Wechsel noch am krassesten? #00:01:23-7#

NINA: Ja, also da bin ich, glaube ich, dem Irrtum erlegen, dem irgendwie viele Eltern irgendwie erliegen, wenn sie auch viel hören, man informiert sich ja vorher, oder man redet so viel mit Freundinnen und plötzlich, wenn man schwanger ist, hat ja jeder mal gleich so einen riesen Haufen Tipps parat auch ungefragt.

So jeder sagt dir irgendwie, wie du es machen sollst, oder wie das alles ist. „Und mach bloß nicht das und trage das Kind nicht herum oder trage es herum und gleich weg woanders schlafen oder so.“ Also man macht sich so viele Gedanken über so die praktischen Sachen so, da habe ich mir wahnsinnig viele Gedanken gemacht über: Ach Gott, was hat das Kind an, und wann ist ihm warm oder kalt, und wo schläft es, und wie lange schläft es, und wie stille ich und so.

Und hatte, ja, also wirklich, so die größere Perspektive auf mein Leben hatte ich gar nicht so richtig auf dem Schirm, also was sich da überhaupt irgendwie was ändern könnte, das, dachte irgendwie, das ist es nicht, was sich ändert. Sondern ich dachte halt so, ja, gut, habe ich halt weniger Schlaf, so, und liegt halt überall Spielzeug herum, so, das dachte ich. Dass ich mich auf Chaos einstellen muss im Leben. Aber nicht, ja, gar nicht so sehr was das irgendwie mit mir selber so macht oder mit uns als Paar.   #00:02:33-9#

PETER: Okay, dann frage ich da mal so ein bisschen nach, was hat es mit dir gemacht? #00:02:38-7#

NINA: Ja, es hat eben, so ein bisschen, ja, das Vertrauen in mich schon auf der einen Seite gestärkt, auf der anderen Seite aber auch erschüttert. Also Dinge von denen ich dachte, ich bin da total gut drin, so dass, ich zum Beispiel hätte immer von mir behauptet, dass ich in Krisensituationen total souverän bin, das ist ja auch irgendwie so mein Beruf, ne? Also Konflikte zu führen, auch für andere zu führen, und die manchmal emotional auch zu führen, aber auch da immer so eine professionale Distanz wahren zu können und so, das hat plötzlich in Konflikten mit Kindern oder sobald auch meine Kinder dann, ja, auch in der Partnerschaft plötzlich, sobald die Kinder eine Rolle gespielt haben, irgendwie nicht mehr funktioniert.

Da funktionierte das Sachliche irgendwie nicht mehr, man kann mit Kindern ja auch nicht mehr sachlich diskutieren, da muss man irgendwie so sehr an sein Bauchgefühl heran. Und das hat mich manchmal schon ganz schön getäuscht, so dass ich dachte, ja da bin ich total gut darin, und ich werde mich auf viele Dinge total freuen, und ich bin die super Schwimmbadmutter, und ich werde eine riesen Spielplatzmutter, und ich werde Kindergeburtstage total super finden. Also lauter so Pläne irgendwie und hinterher stellte sich heraus, die Art Mutter bin ich überhaupt nicht, also das was ich mir vorgenommen habe, komisch, ich bin das gar nicht, und das kann einen schon in eine ganz schöne Krise manchmal mal stürzen oder man denkt, man ist wie die eigene Mutter.

Weil, das hat ja irgendwie entweder gut oder schlecht geklappt, je nachdem was man so für Vorbilder hat und an denen orientiert man sich und stellt dann irgendwie fest: Moment mal, wo ist denn mein eigener Tritt, also wo ist mein eigenes Modell? Und dieses Finden, ich glaube da bin ich, obwohl die Kinder ja jetzt schon ein bisschen älter sind, immer noch dabei, das rauszufinden. #00:04:16-4#

PETER: Ja, das glaube ich. Du hast es vorhin schon so bisschen angesprochen, in der Partnerschaft, was hat sich da verändert? #00:04:28-1#

NINA: Ja, ich finde auch, dass sich da bei uns so die Konfliktlösungsstrategien so ein bisschen verändert hatten, also wir hatten ja sonst immer klare Pläne irgendwie, und wenn wir keine Pläne hatten, war das auch Absicht, so. Dann konnten wir so in das Wochenende hineinleben und wenn wir Pläne machen wollten, konnten wir welche machen, und wenn wir einen Konflikt hatten, dann konnten wir uns irgendwie so auf uns verlassen und sagen, ja, wir werden diesen Konflikt schon irgendwie lösen, so. Und durch Kommunikation und wenn wir ihn nicht lösen können, hat man irgendwie diesen ultimativen Ausweg, den man aus früheren, so, ach Gott, dann trennt man sich. Wenn halt ein Konflikt irgendwie unlösbar ist.

Und dann kommen die Kinder und plötzlich kommt dann so eine Komponente dazu, dass man diese Tür ist zu oder deutlich geschlossener, und das ist ja auch schön, dass Kinder einen dazu zwingen, dann doch manche Konflikte dann noch mehr miteinander auszuarbeiten, als man es ohne Kinder getan hätte.

Da hätte man vielleicht die Tür zugemacht, drei Tage lang geschmollt und gesagt, ich lasse dich nicht mehr herein oder bleibe weg, ich will dich nicht mehr. Und Kinder, ja, zwingen einen dann, ja, die holen da natürlich auf der einen Seite Aggressionen heraus, die man vorher an sich nicht kannte, auf der anderen Seite zwingen sie einem auch einen Frieden auf mit dem anderen, dass man sagt, wir müssen uns jetzt aber hinsetzen, wir können jetzt nicht einfach vier Tage lang sauer und beleidigt sein, weil die Kinder uns auch zusammen haben wollen. Also das hat schon auf der einen Seite geholfen, auf der anderen Seite haben die Kinder natürlich erst zu Konflikten geführt, die wir vorher gar nicht hatten. #00:05:56-6#

PETER: Und wie gelingt euch das? Dann quasi wirklich den Frieden zu schließen oder sich wirklich hinzusetzen und die Konflikte zu lösen? #00:06:06-2#

NINA: Ja, das gelingt uns mal besser, mal schlechter, und je mehr wir irgendwie / Wir haben auch erst gestern mal mit Freundinnen darüber geredet, wie anders wir eigentlich heute irgendwie tatsächlich streiten. So, also dass man irgendwie ruhiger bleibt insgesamt oder tatsächlich dieses Konzept, dieses wir schlafen dann nochmal eine Nacht darüber und ich gucke mal, ob ich morgen immer noch so sauer bin und mit Dingen werfen will, oder ob das morgen besser wird und das, ja, so eine gewisse Ruhe.

Manchmal ist es vielleicht auch einfach Erschöpfung, dass man gar keine Kraft mehr hat mit dem Partner jetzt zu streiten, weil man schon den ganzen Tag mit den Kindern in irgendeiner Form im Supermarkt gekämpft hat. Dass man sagt „ach, weißt du was, lass einfach da irgendwie mal morgen reden“, und man nicht mehr so schnell aus einer Mücken einen Elefanten macht, der vorher ein riesen Drama gewesen wäre ohne Kinder, also das hilft dann schon irgendwie manchmal sogar. #00:06:53-0#

PETER: Das finde ich spannend, weil vielen Eltern gelingt das eben nicht, dieses, das mal stehen zu lassen und erst am nächsten Tag oder vielleicht am Nachmittag oder am Abend zu lösen, sondern das Emotionale ist so stark, dass viele Eltern da eben weitermachen, weitermachen. #00:07:00-5#

NINA: Ja. #00:07:00-8#

PETER: Und dann erst recht zu keiner Lösung kommen. Hast du da irgendwie einen Tipp? Also außer der Müdigkeit, außer wenn man so müde ist? Wie gelingt dir das, das Emotionale einfach mal so stehen zu lassen? #00:07:24-3#

NINA: Ja, mir gelingt es deutlich schlechter als meinem Mann. Also das ist natürlich auch immer ein bisschen eine Charakterfrage, also ich bin immer jemand, der mit Emotionen immer meint Verständnis zu bekommen, und je mehr ich erkläre, und je mehr ich rede, desto mehr muss doch auf der Gegenseite dafür Verständnis aufkommen, weil, jetzt habe ich ja schon eine Stunde lang erklärt, wie es mir geht. Ist vielleicht auch ein weibliches Verhalten, weiß ich gar nicht, gibt es aber bei anderen wahrscheinlich auch, und mein Mann ist der dann, so, ja, lasse es mal sacken, oder sagt, ich will mich jetzt gerade einfach/ Der entzieht sich dann auch manchmal dieser Oberemotion und, gut, dann sind wir beide Juristen, dann kommt da auch noch manchmal so eine / Ja, vielleicht weil wir auch den ganzen Tag irgendwie mit Problemen anderer irgendwie zu tun haben, dass man dann manchmal sagt: „Weißt du was, jetzt machen wir irgendwie einfach eine Pause.“

Also ich glaube tatsächlich, mal kurz hinausgehen, um den Block laufen, ist, glaube ich, immer schon eine gute Lösung gewesen oder wirklich / Die Oma meines Mannes sagte das damals an unserer Hochzeit: „Versucht euch doch mal abends die Hand zu geben bevor ihr einschlaft.“ Das haben wir noch nie geschafft, da sind wir ganz ehrlich, das ist immer so ein: ich schaffe das nicht, also ich möchte mich umdrehen, beleidigt und sauer sein und so. Und das hat aber mein Mann irgendwann gelernt, dass das nicht Ablehnung bedeutet, sondern dass ich aus meiner Wuthöhle irgendwie erst mal selber herauskommen muss.

Also, dass man irgendwie mal guckt, wie streitet eigentlich der andere, das muss also nicht unbedingt immer die Ablehnung sein, sondern vielleicht einfach die Art und Weise, wie der andere damit umgeht. Also so ist es jedenfalls bei uns, ich weiß gar nicht, ob das bei allen Paaren passt, aber das hat mir geholfen, mal zu gucken, wie ist der eigentlich, und das meint er vielleicht gar nicht so gegen mich. #00:09:00-9#

PETER: Das ist eine schöne, eine gute, eine schöne Strategie. #00:09:05-4#

NINA: Ja! Ja, wenn sie denn immer mal so klappen würde. Also manchmal brüllen wir auch einfach, und wenn wir nicht mehr brüllen können, fallen wir einfach um. ( beide lachen) #00:09:17-8#

PETER: Alles klar. Wie ist bei euch die Rollenaufteilung? Also wer macht was, bist du ganz zu Hause oder arbeitest du, oder teilt ihr euch das, die Elternaufgaben, wie macht ihr das? #00:09:28-2#

NINA: Ja, das hat sich auch lustiger Weise von Kind zu Kind und von Plan zu Plan geändert, ich hatte da völlig andere Vorstellungen bevor ich schwanger war. Da dachte ich so, ja, ja, das ist alles ja überhaupt gar kein Problem, und wir machen einfach ganz normal weiter mit dem Beruf, wir sind ja auch beide dann in einem Büro. Und dann war ich schwanger und dann dachte: Oh nein, ich will ja dann immer für das Baby da sein und ach nein, dann doch wieder nicht, und nach der Geburt wollte ich nie wieder weg von dem Kind.

Habe gesagt, nein, es wird mich für immer brauchen, und ich muss für immer bei diesem Kind sein. Und nach einem halben Jahr hätte ich Leuten Geld dafür gezahlt, dass sie mich irgendwie mal kurz irgendwo arbeiten lassen und ich, bitte, irgendwie nur mal eine halbe Stunde, niemanden an meiner Wade irgendwie hängen habe.

Deswegen muss man da auch echt / das hat sich tatsächlich immer wieder gedreht und momentan ist es so, dass wir durch dieses, ich brauche / viel gearbeitet im letzten halben Jahr, ich habe auch ein Buch geschrieben, das ging dann alles irgendwie doppelt und dadurch ist das deutlich gleichberechtigter geworden. Also ohne, dass wir jemals dachten, ein Gleichberechtigungsproblem zu haben, aber mittlerweile, mein Mann hat dadurch zwangsweise deutlich mehr auch noch zu Hause gemacht.

Aber wir haben schon ganz schön klassisch angefangen, also ich habe komplett auf null zurückgefahren und mein Mann war der Erwerbstätige. Und das, ja, hat sich dann über die Zeit aufgelöst, sobald das mal irgendwie ging mit den Kindern. #00:10:50-4#

PETER: Und wie hat damals das Umfeld reagiert? Auf die Situation, dass du dann ganz zu Hause geblieben bist, und dein Mann ganz gearbeitet hat? #00:10:58-3#

NINA: Ja, interessanterweise war das, das was jeder erwartet hat. Also da habe ich weniger Gegenwind bekommen, als in dem Moment als es so war, dass mein Mann mal zu Hause geblieben ist. Der hat das nämlich dann auch mal gemacht. Beim zweiten Kind habe ich gesagt, das mache ich nicht noch mal. Ja, es liegt dann gar nicht so sehr, glaube ich, an der / Ja, die eigene Zufriedenheit ist es dann, und dann wurde ich irgendwie fies und unausgeglichen, und dann ist man auch den Kindern gegenüber nicht mehr nett und merkt irgendwie: „Mensch, das sind gar nicht die Kinder, das bin eigentlich in Wirklichkeit ich.“ Und ehrlich gesagt, waren die Reaktionen, als ich beim ersten Kind den ganzen Tag das Kind herumgeschoben habe und mich mit dem Kind beschäftigt habe, ausnahmslos positiv, und es hat auch niemanden großartig überrascht oder hat es kritisiert oder so. Erst als sich das drehte, und ich irgendwie gesagt habe, nein, also oder, ja, dann beruflich mehr gemacht habe, habe ich immer irgendwie die Frage bekommen: „Ja, und was ist dann mit den Kindern?“

So als würden wir die dann irgendwie im Keller einsperren oder so und an den Futterautomaten hängen und keiner würde jetzt mehr aufpassen, nur weil ich jetzt beruflich wieder voll einsteige. Also da waren die Reaktionen, ja, deutlicher und auch meinungsstärker vom Umfeld. Also das war irgendwie, passte irgendwie immer noch nicht so richtig in den Plan, obwohl wir ja nun schon sehr konservative Berufe haben, und ich auch vorher viel gearbeitet habe, also das ist merkwürdig gewesen, das hat mich auch sehr überrascht damals. #00:12:28-5#

PETER: Und wie seid ihr damit umgegangen? #00:12:31-3#

NINA: Ja, uns war es irgendwie immer wichtig, dass unser Plan für uns passt, also dass da wir dahinterstehen können, aber es war schon so, dass wir das nur durch Kommunikation miteinander irgendwie lösen konnten, dass ich irgendwie auch sagen konnte: „Mensch, wieso? Ich habe das Gefühl, ich werde für eine schlechte Mutter gehalten, egal was ich mache.“ Also wenn ich wenig arbeite, dann war es nicht richtig, wenn ich viel gearbeitet habe, war es nicht richtig.

Irgendjemand hatte plötzlich eine Meinung und dann haben wir irgendwie daraus gelernt, dass wir es eigentlich niemandem recht machen können, und das auch nicht der Witz ist, sondern, dass wir es miteinander hinbekommen müssen und miteinander den Weg finden müssen. Das ist nämlich schon schwer genug. Und wenn man es dann noch macht, wie die eigene Mutter, die Schwiegermutter, die Schwester, die Freundin, die Nachbarin das richtig findet, dann klappt es halt gar nicht mehr. Also da helfen Kinder auch so ein bisschen so zu sich selber zu finden. So ein bisschen: „Wer bin ich eigentlich, und welche Art Eltern wollen wir eigentlich sein?“ #00:13:32-4#

PETER: Spannend. #00:13:33-5#

NINA: Mhm (bejahend). #00:13:35-7#

PETER: Was war so im Nachhinein so die größte Herausforderung für dich? #00:13:39-2#

NINA: Ja, es waren eigentlich zwei Sachen, also einmal mir selber, meinem Bauchgefühl wieder ein bisschen mehr zu vertrauen, nachdem das alles irgendwie durchgeschüttelt war, nämlich dass es schon irgendwie, es wird schon gut werden, so, also dass, mir auch als Mutter zu vertrauen.

Ich hatte ja gelernt mir beruflich zu vertrauen, ich hatte meine Qualifikationen, ich hatte meine Berufserfahrung, und das irgendwie auch als Mutter, man kommt ja auch nicht so auf die Welt, dass man sagt: „Ich weiß jetzt, wie das funktioniert.“ Und die Qualifikationen musste ich auch erst mal sammeln und auch da ein paar Mal fallen und stolpern.

Dass ich da wieder das Selbstbewusstsein bekomme, das war schon eine ziemliche Herausforderung und dann aber auch plötzlich auch im Umfeld so als Mutter auch so wahrgenommen zu werden und weniger als das, was ich eigentlich gelernt habe. Also das habe ich so schon auch empfunden, dass ich irgendwie plötzlich nicht mehr Anwältin war und ich war gerne oder Juristin, und ich habe da gerne in dem Beruf gearbeitet und mache das bis heute immer noch sehr, sehr gerne.

Aber ja, die Themen drehten sich eigentlich, wenn man mit mir sprach, viel um die Mutterschaft und die Kinder, und was sie essen, ob sie schlafen oder wie auch immer, und mein Mann stand daneben in derselben Kanzlei und den haben sie gefragt, wie es beruflich läuft. Egal wieviel ich gearbeitet habe nebenher oder nicht, und da Balance wiederzufinden irgendwie. Und das hat mich persönlich schon ziemlich gefuchst und auch herausgefordert. „Wer bin ich jetzt eigentlich, und wer will ich sein?“ #00:15:14-4#

PETER: Und wie hast du das jetzt, sage ich einfach mal, konkret gemacht, diese Balance zu finden? #00:15:20-1#

NINA: Also du meinst? #00:15:24-9#

PETER: Ganz praktisch. #00:15:27-8#

NINA: Ich habe tatsächlich, wenn wir auf den Punkt, mit diesem: Mensch, ich möchte eigentlich nicht nur als Mutter – oder nicht nur –, sondern das ist ja gar nicht weniger so, aber ich möchte diesen anderen Aspekt irgendwie von mir auch leben. Da habe ich bei mir selber angefangen.

Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich in den Gruppen, in denen ich dann auch unterwegs war, ob es jetzt beim Kinderschwimmen oder bei der Krabbelgruppe oder bei diesen Sachen auf dem Spielplatz, wenn man halt irgendwo war auch unter Müttern oder Eltern, ich habe ja selber nicht gefragt. Ich habe die auch immer nicht gefragt, was sie eigentlich vor den Kindern gemacht haben, oder ob sie noch berufstätig sind. Weil ich auch manchmal die Sorge hatte, dass das irgendwie vielleicht so wahrgenommen werden könnte von wegen: „Warum ist denn das nicht ausreichend?“ oder so „Und was machst du sonst noch?“ Als wäre das nicht genug, Mutter zu sein, so will man ja auch nicht rüberkommen.

Aber habe immer irgendwie ein bisschen versucht so die Themen auch mal so ein bisschen selber wegzulenken von: „Na, schläft dein Kind gut?“ und „Na, was esst ihr so?“ sondern zu, ja: „Was sind deine Interessen?“ „Wie habt ihr euch kennengelernt?“ Manchmal auch bei Paaren und so kommt man dann ganz schnell, wenn man so von der Zeit vor den Kindern auch da mal Fragen dazu stellt, kommt man schnell dahin. „Ja, ach, ich habe in einer Werbeagentur gearbeitet.“ „Ach!“ und plötzlich hat man eine Konversation, die sich plötzlich wieder mit einem Leben außerhalb dieses Kosmos herum befindet. Und das musste ich irgendwie selber machen, und das hat gut funktioniert. #00:16:56-9#

PETER: Also geht es praktisch um so einen Perspektivenwechsel? #00:17:00-4#

NINA: Ja, vielleicht. Ja, kann man schön so sagen, ohne dass man da werten will, aber so, Mensch, wenn ich irgendwie möchte, dass andere mich auch so wahrnehmen, dann muss ich ja auch selber die Basis für diese Themen schaffen, und den anderen Gelegenheit geben, mich auch danach zu fragen. Weil die dieselben Zweifel haben und irgendwie auch nicht immer fragen: „Und wann arbeitest du wieder?“ oder so, als wäre das eine Erwartung.

Das will irgendwie auch keiner, sich so präsentieren, als wäre das die Erwartung oder „Was? Du arbeitest noch nicht?“ oder „Was? Du bist nur Mutter?“ oder „Was? Du arbeitest ja viel zu viel!“ Da sind ja Mütter total hin- und hergerissen. Männer kennen das untereinander eigentlich gar nicht so das Problem. #00:17:41-8#

PETER: Genau, interessant! Was mich noch interessieren würde, ist, ihr habt ja zwei Kinder und da gibt es ja immer wieder, sage ich jetzt einmal, Meinungsunterschiede in Erziehungsfragen. Oder verschiedene Ansichten, wie geht ihr damit um? #00:18:00-0#

NINA: Ja, ich habe sogar noch meine eigenen Eltern in meinem Kopf, die irgendwie, so dass ich das Gefühl habe, wenn die sich irgendwie wirklich mal gefetzt haben, dann ging es irgendwie immer nur um die Kinder: „Du bist mir in den Rücken gefallen vor den Kindern!“ sozusagen, genau. (lacht) Streit, an den kann ich mich schon bei meinen Eltern erinnern, und wenn meine Eltern heute mitbekommen, dass wir uns streiten, und ich sage irgendwie dasselbe „Du bist mir vor den Kindern in den Rücken gefallen!“, dann lächeln die sich irgendwie an und sagen: „Oh Mann, es ist in jeder Generation das gleiche.“

Und irgendwie hat das immer schon beruhigt, dass ich das von meinen Eltern schon kannte, und dachte, Mensch, es scheint also eine normale Situation zu sein. Und mir hilft eben auch tatsächlich wieder einmal eine berufliche Perspektive. Ich bin das beruflich gewöhnt, dass Menschen aus demselben Sachverhalt, also nehmen wir mal was ganz Banales wie einen Autounfall, völlig verschiedene Perspektiven haben. Die waren einfach nur in den zwei verschiedenen Autos unterwegs, aber an der exakt selben Stelle, sonst wären sie ja nicht aufeinander draufgefahren, und sie erzählen völlig unterschiedliche Wahrnehmungen und Unfallhergänge. Und sie sind völlig davon überzeugt, dass das richtig ist, so. Und da allein, das schon mal zu akzeptieren, dass das aber nicht die absolute Wahrheit sein kann, das allein hilft schon.

Und, ja, so richtig ganz fiese Sachen hatten wir da irgendwie noch nicht, so ganz, da waren wir uns mega, mega uneinig und meistens hat sich das dann, ja, wenn wir darüber geredet haben, warum der andere das eigentlich so machen würde, dann hat man oft die Punkte gefunden: „Ach so, weil du vielleicht als Kind das und das doof fandest“ oder „Weil du da mal eine gute Erfahrung gemacht hast oder da mal eine schlechte Erfahrung gemacht hast.“

Wenn man verstehen kann, warum der andere etwas bei dem eigenen Kind möchte, durchsetzen möchte oder so machen möchte oder nicht, dann fällt es leichter, plötzlich einen ganz kreativen Kompromiss zu finden oder tatsächlich vielleicht auch die eigene Position aufzugeben und zu sagen: „Ach ja, stimmt so habe ich das eigentlich noch gar nicht gesehen. Ja, ist vielleicht auch gar nicht so wild. Ja, gut, soll er halt Kickboxen machen, auch wenn ich finde, dass das eine gewalttätige Sportart ist.“

Also nehmen wir irgendwie mal so ein banales Beispiel. Weil er dann sagt: „Mensch, ja.“ Wenn man sich tatsächlich wie du vorher schon ganz schön sagtest, eben dieser Perspektivwechsel, der ist immer unheimlich hilfreich, also bei uns jedenfalls. #00:20:23-7#

PETER: Und wie macht ihr das konkret in der Situation selber? Also das, was du jetzt erzählt hast, das ist wie so die Reflexion hinterher, oder? #00:20:30-4#

NINA: Ja, also in der Situation schreien wir uns an, wie alle anderen. #00:20:34-3#

PETER: (lacht) Okay. #00:20:34-5#

NINA: Da schreien wir uns an und pöbeln uns an und gehen irgendwie auch hinaus und sagen, „Ach, das ist immer typisch, immer dasselbe mit dir“, also so diese typischen Sachen die Paare irgendwie halt so machen, beschäftigen uns jeder irgendwie alle dann naturgemäß wieder irgendwas. Oder ein Kind hat in der Situation was gewollt, oder es musste irgendetwas anderes, das Telefon hat geklingelt, oder irgendetwas ist, und oftmals lässt sich das dann nach zwanzig Minuten oder ein, zwei, drei Tage später wieder deutlich besser besprechen, oder die Situation hat sich irgendwie von selbst gelöst und es ist plötzlich gar kein Problem mehr. #00:21:04-9#

PETER: Okay. Gab es bei euch eine Situation oder mehrere Situationen, wo ihr euch gefragt habt: Ist es bei anderen auch so? Oder ist es nur bei uns so? #00:21:17-2#

NINA: Das frage ich mich täglich, also stündlich zum Teil, je nachdem. Also witziger Weise fragt man sich das ja nie in den schönen Situationen und in den friedlichen Situationen, weil da klopft man sich ja selbst auf die Schulter und sagt: „Was sind wir für großartige Eltern, und guck mal wie süß die sind, und wie lieb sie sind!“, und wenn die Kinder sich toll benommen haben, und der Urlaub ist wunderschön, aber gerade immer in dem Augenblick, in dem irgendetwas aus dem Ruder läuft, kommt diese riesen Unsicherheit, und da mit Kindern ständig eigentlich irgendetwas unerwartet ist, frage ich mich das quasi täglich, ob das bei den anderen eigentlich auch so ist. Und es ist wahnsinnig befriedigend und beruhigend, wenn so eine Komplizenschaft unter Eltern, wenn das entsteht, also wenn man in Gruppen, vielleicht auch von Menschen, die man gar nicht kennt, wenn die so ehrlich irgendwie dazu stehen, wie sie irgendwie mit dem schreienden Kind auf dem Parkplatz oder an der Supermarktkasse oder irgendwie sowas, wie sie da eigentlich in dem Augenblick überhaupt gar nicht wussten, was sie jetzt machen sollen, oder da auch falsch reagiert haben.

Also Mut zu diesen Eltern-Fails tut total gut, weil, wenn man das im Internet so liest, dann schreibt jemand im Internet in einem Forum eine Frage: „Wie würdet ihr, die und die Situation gab es, wie würdet ihr die lösen oder ich bräuchte hier mal Hilfe.“, dann wird derjenige oft total auseinandergenommen, dass er überhaupt in diese Situation geraten ist, anstatt dass ihm wirklich Hilfe angeboten wird.

So von wegen: „Ja, selber schuld, wenn man schon so und so mit einem müden Kind so und so schon irgendwo hingeht.“ Also da sind Eltern, finde ich, extrem heftig untereinander, dieses Urteilen übereinander und nichts tut so gut, wie das Gefühl, wenn Eltern irgendwie zugeben, dass sie eben irgendwo auch mal völlig falsch lagen und andere daran irgendwie teilhaben lassen an ihrer Überforderung oder auch an ihrem falschen Urteil.

Das habe ich am Anfang schon gesagt, dass ich mir eigentlich bei nichts mehr sicher bin, was ich mache und dass ich die Sicherheit entwickeln muss, dass das irgendwie auch okay ist, nicht mehr sicher zu sein. #00:23:28-3#

PETER: Also, ich habe das selber sehr entlastend empfunden, in dem Augenblick, also wenn andere auch erzählt haben: „Oh, bei uns ist das nicht so gut oder jenes nicht so gut.“ (Dachte ich), oh ja, bei uns auch. Ist super, wir sind nicht so ganz schräg. (lacht) #00:23:45-2#

NINA: Ja, total, total! Und dass auch andere ja auch schon zwanzig Sachen ausprobiert haben, und nur weil das bei dem einen funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass es bei uns zu Hause funktioniert. Aber allein dieser Austausch hilft halt immens. Also gerade, wenn man dann so Eltern trifft, wo man denkt: „Mensch, ihr habt aber gut erzogene Kinder, und die haben auch immer saubere Hände, und die sind immer so adrett angezogen, und die werfen im Restaurant auch gar nicht mit Essen, und die schreien auch nicht die ganze Zeit. Wie macht ihr das denn?“

Wenn die dann irgendwie so ganz banal / habe ich einmal eine Mutter irgendwie getroffen, die gesagt hat: „Ja, wir haben die im Auto mit Süßigkeiten bestochen und haben gesagt, wenn sie sich hier ganz, ganz mega toll benehmen, dürfen sie heute Abend alles an Süßigkeiten ich sich reinfuttern.“ Und das fand ich so erfrischend! Das war so: „Ah, du hast sie mit Süßigkeiten bestochen!“ Das war so, so nett, und das sagte sie irgendwie so mit so einem Augenzwinkern, und das hat unheimlich gutgetan, dass sie halt nichts Überhebliches gesagt hat, wie: „Ja, also Erziehung ist einfach eigentlich einfach eine Frage der Einstellung.“ Wo man denkt: Hilft mir halt überhaupt nicht weiter, weil ich die eigentlich habe, die gute Einstellung. #00:24:55-0#

PETER: Du hast am Anfang erzählt, dass du dich, bevor das erste Kind auf die Welt kam, informiert hast, und gab es da vorher oder auch während, also als die Kinder schon da waren, ein Buch oder ein Hörbuch, was dir geholfen hat in manchen Situationen? #00:25:10-8#

NINA: Mhm (bejahend). Also, vorher habe ich irgendwie ja ganz viele, glaube ich, so Standardbücher, die so alle Mütter lesen. Also eher so, was muss ich alles anschaffen, so, und ich habe auch ganz viel gegoogelt und so, was ich alles kaufen muss und so. Das hat also nur bedingt geholfen, weil 80 Prozent von den Sachen braucht man ja eigentlich überhaupt nicht, weiß man aber vorher auch nicht.

Mir hat eigentlich erst später, das ist tatsächlich auch eine Kieler Autorin, die hier auch so Seminare macht, dieses Buch habe ich mir mal gekauft und das war schön, das hieß „Von der Kraft liebevoll zu erziehen und dabei gute Laune zu bewahren“, oder irgendwie sowas. Das habe ich da mal liegen sehen und dieser Satz: „und dabei gute Laune zu bewahren“, das hat mich angesprochen, weil Erziehung für mich immer irgendwie so viel mit schlechter Laune irgendwie zusammenhing im Kopf, und ich so: „Ach echt, man kann gute Laune haben und erziehen?“ Schön, ich habe eigentlich voll oft schlechte Laune. #00:26:01-5#

PETER: (unv.) #00:26:03-4#

NINA: Ehrlich? Sodass man, man hat ja viele Mütter, ich ja auch, haben ja auch oft so das Gefühl, da irgendwie so eine motzende Ätzmutter zu sein irgendwie, und die anderen Mütter sind immer so nett und nur man selbst ist irgendwie fies zu den Kindern. Dieser Satz hat mich damals total angesprochen, und das Buch war schön, die hat so ein paar wirkliche Situationen auch aufgeführt, und wie sie damit umgegangen ist und jetzt in jüngster Zeit „Das gewünschteste Wunschkind“ von Katja Seide. Das geht auch ganz, ganz toll in diese Richtung, die auch so ganz so Situationen beschreibt in einer coolen Sprache, die so alle Eltern kennen, wie man auch so aus einer Sackgasse wieder herauskommen kann, in die man sich mit Kindern so hineinmanövriert hat. So plötzlich. Also die beiden Bücher haben tatsächlich, jetzt bezogen auf Kinder, mir wirklich / ja, das hat gut getan die zu lesen. #00:27:00-4#

PETER: Okay. Du hast auch einen Blog. #00:27:03-2#

NINA: Ja. #00:27:05-1#

PETER: Erzählst du uns was in zwei, drei Sätzen. Um was geht es da, wie ist es dazu gekommen? #00:27:10-8#

NINA: Mhm (bejahend). Der Blog heißt „Juramama.de“, ich habe, meine Tochter war da gerade eineinhalb, zwei, und ich hatte so die Kapazität wieder, ich habe auch im Büro wieder viel gearbeitet zu der Zeit, und ich habe immer schon gerne geschrieben, und dachte so, Mensch, eigentlich gibt es noch keinen / Es gibt im Internet ganz, ganz viele Fragen zu so rechtlichen Themen, aber die werden immer irgendwie, ja, so ernst irgendwie beantwortet, oder irgendwie gefiel mir das alles nicht, und da dachte ich, ich mache das einfach selber.

Und habe so Alltagssituationen, die Eltern haben, die rechtliche Relevanz haben, also wie ist das eigentlich, wenn die Kinder den Überraschungseierturm umrennen oder was ist, wenn, ja, wie können wir irgendwie auch Geschenke irgendwie wieder zurückgeben, so fing das an. Und der wurde dann sehr schnell sehr viel gelesen, weil das auch lustig geschrieben war, und irgendwann bekam er dann auch so eine gesellschaftspolitische Tendenz, weil ich mich dann mehr mit größeren Themen auseinandergesetzt habe, wie dem Hebammenmangel und den Situationen in den Kliniken.

Und auch viel, ich bin Fachanwältin Arbeitsrecht, also dann auch tatsächlich meine Leser da hinter die Kulissen blicken lassen, wie das eigentlich wirklich vor Gericht zum Teil läuft, und dass sie manchmal mit ihrem Eindruck gar nicht so falsch liegen, dass die Kinder auch beruflich ganz oft ein Hemmschuh sein können, und dass das gar nicht irgendwie an ihnen liegt, so wirklich. Und das hat vielen Eltern und auch vor allem Müttern, Mut gemacht, sich nicht so alleine zu fühlen, und dadurch wurde der Blog dann tatsächlich immer erfolgreicher und irgendwann wurde da das Buch daraus. (lacht) #00:28:48-0#

PETER: Sehr schön, sehr schön. Ich finde ihn sehr spannend geschrieben. #00:28:52-8#

NINA: Schön, das freut mich #00:28:56-1#

PETER: So bin ich auch an dich herangekommen, weil mir der Blog gefallen hat. #00:28:58-3#

NINA: Schön, das freut mich #00:29:00-3#

PETER: Und ich werde natürlich die Bücher und auch deinen Blog in den Shownotes verlinken. Was noch als letzte Frage, was mich noch interessieren würde, was sollten deiner Meinung nach werdende Eltern unbedingt wissen? #00:29:13-1#

NINA: Ja, das ist es immer, ich fand das damals so schwierig, wenn alle immer mich an ihrem Wissen irgendwie teilhaben lassen. Also tatsächlich, da würde ich gerne eher beruflich sprechen, und weil ich das selber so nämlich auch nicht gemacht habe. Sie sollten wissen, dass klare Kommunikation, was man eigentlich nicht nur im Kleinen, im Familienleben, sondern was man groß, also wenn man im Beruf ist und irgendwie denkt, ich will da wahrscheinlich auch wieder zurück, oder ich möchte da wieder zurück, immer da mit dem Partner im Gespräch zu bleiben, wie die Aufteilung sein soll.

Man ist schwanger, man freut sich so sehr auf dieses Baby und man möchte so unbedingt diese Mutterrolle und vergisst dann aber ganz schnell diesen anderen Teil der Persönlichkeit, der nicht Mutter ist und denkt, weil die Hormone das vielleicht auch machen, dass man sich dann da erstmal so reinstürzt, dass man aber auch noch ein anderer, eine Persönlichkeit ist, die jetzt nicht nur mit Kindern zu tun hat oder mit den Kindern selber zu tun hat, dass man da Pläne frühzeitig macht.

Also das hätte ich mir selbst / da hätte ich gerne mehr Druck gehabt in der Richtung, dass wir uns da klarer positionieren in den Möglichkeiten, die wir damals hatten, oder was wir damals übersehen haben. Da haben wir überhaupt nicht darüber, nein, überhaupt nicht gut darüber gesprochen damals, und das hat dann später, ja, auch zu Konflikten geführt. Also das würde ich Eltern heute mitgeben so: „Klärt das früh ab, wie ihr euch das Familienleben aufteilen möchtet, wie ihr das mit den Kindern machen möchtet. Und wenn ihr das ganz klassisch konservativ machen wollt, und das eure Überzeugung ist, dann lasst euch da nicht davon abbringen, dann ist das toll und schön und hört nicht auf die anderen. Wenn ihr es anders machen wollt, dann findet euren Weg, und wenn du zwei Wochen nach der Geburt wieder arbeiten gehen möchtest oder berufstätig sein möchtest, dann mache das und höre nicht auf die anderen.“ So, das ist das Wichtigste so selber seinen Weg von Anfang an zu finden. #00:31:16-8#

PETER: Okay das ist eine schöne und klare Ansage an alle Eltern, finde ich sehr schön. (lacht) Kann ich nur befürworten. #00:31:25-5#

NINA: Würdest du das auch so sehen als Profi?   #00:31:28-2#

PETER: Würde ich auch so sehen, ja, als Profi, als Profipapa. #00:31:29-3#

(lachen)

NINA: (unv.) #00:31:30-6#

PETER: Was wie? #00:01:33-2# #00:31:34-9#

NINA: Du bist ja woanders Profi, ich hätte jetzt ja hundertmal sagen können, „ja, und ist das richtig oder bin ich hier völlig auf dem falschen Weg?“ Du bist ja Profi! So in Erziehungs- und Eltern- und Paarsachen und sowas, dass ich mir denke: Oh Gott, der Typ denkt sich bestimmt die ganze Zeit: „Oh Gott, das wird nichts mit den Straßners“. (lacht) #00:31:53-2#

PETER: Nein, überhaupt nicht, überhaupt nicht. Ich finde gerade eben diese andere Seite viel spannender, also was Eltern erzählen und nicht, was die Profis so erzählen. Weil die Eltern sprechen aus dem Leben, aus ihren Erfahrungen, und es gibt eben nicht die Familie und es gibt nicht die Eltern, oder das Kind. Es ist immer sehr individuell und das muss man sich immer vor Augen halten, eben bei anderen ist es auch so. #00:32:15-9#

NINA: Ja, auch halt bei anderen ist es auch so anders. #00:32:19-6#

PETER: Genau, oder so, das ist noch besser. #00:32:24-5#

NINA: Ja, es ist so bei den anderen ist es auch so, aber trotzdem aus völlig anderen Gründen vielleicht, also so wenig wie die eigenen Geschwister vergleichbar sind, wenn man mehrere Kinder hat, denkt man, wie können diese Kinder im selben Haus mit denselben Eltern aufwachsen, im selben Bauch groß geworden sein, wie kann das sein, wie können Menschen so unterschiedlich sein?

Und auch auf Erziehungsansätze so unterschiedlich reagieren, auf Eltern so unterschiedlich reagieren, also das wundert mich auch jeden Tag bei unseren Kindern. Dann kommen die anderen noch dazu mit ihren individuellen Kindern, wenn ich mir dann vorstelle, ich bin Lehrerin und müsste alles irgendwie unter einen Hut bringen, ich glaube, da ziehe ich jeden Tag den Hut. (lacht) #00:33:00-6#

PETER: Ja ich auch. Genau. Okay Nina, wir sind schon über 30 Minuten. #00:33:07-3#

NINA: Ja, schön! #00:33:08-8#

PETER: Ich möchte mich gerne bei dir bedanken, dass du dir Zeit genommen hast, und dass du uns erzählt hast von deinem Leben, von deinen Erlebnissen in deiner Familie mit den beiden Kindern. Danke für die Offenheit und die klaren Worte. #00:33:22-4#

NINA: Ja, schön. Es hat mir auch sehr viel Spaß gemacht. Tut auch mal gut. #00:33:26-6#

PETER: Freut mich und liebe Grüße nach Kiel! #00:33:30-0#

NINA: Ja, liebe Grüße zu euch! Dankeschön fürs Gespräch! #00:33:33-8#

PETER: Ciao! #00:33:34-5#

NINA: Tschüss! #00:33:34-8#

Katja Grach: Ich war oder bin ein Workaholic [023]

Katja Grach

Sollen wir Zeit miteinander verbringen oder lieber putzen? Das sind dann Dinge, auf die wir nicht vorbereitet waren.

 

Katja erzählt im Interview:

  • Plötzlich entscheidest du wirklich für einen anderen Menschen und das kann dir niemand abnehmen.
  • Ich habe mir gedacht, als absoluter Workaholic, ich gehe sofort wieder arbeiten.
  • Als unser Sohn in die Krippe gegangen ist, war auf einmal dieser Organisationsaufwand und dieses Es-darf-nichts-dazwischen-kommen, druck da.
  • Ich bin dann ein halbes Jahr gependelt und habe mir dann einen anderen Job gesucht. Und meine Jobs danach an Kinderbetreuungssituationen angepasst.
  • Die Zeit als Paar ist immer mehr verschwunden.
  • Und irgendwann ist man nur mit dem Kind beschäftigt und Fragen tauchen auf:
    Soll man sich einen Babysitter holen?
    Wie viel Geld ist man bereit auszugeben, um gemeinsam ins Kino zu gehen?

 

Aber jetzt endlich zum Podcast!


Katja Grach: Ich war oder bin ein Workaholic [023] jetzt hören

Diesen Podcast abonnieren:


Shownotes:

krachbumm.com  – Lifestyle, Sex & Elternschaft ist ein Blog über Sexualität in allen Facetten – ob zwischen den Eltern oder wie mensch mit den Kindern am besten drüber redet, Verhütung, Prävention sexualisierter Gewalt oder auch die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität der Kinder. Es geht um Unbesprochenes, Vergessenes, Ignoriertes und überhaupt die blinden Flecken des Erwachsenenlebens mit und ohne Kind. Manchmal unterhaltsamer, manchmal auch nur aufwühlend.
Zu den Links:

www.krachbumm.com
www.umstandslos.com
www.liebenslust.at/blog

http://www.safe-programm.de/
http://kleinerdrei.org/2017/04/kleinercast-folge-16-lets-talk-about-sex-im-gespraech-mit-der-sexualpaedagogin-katja-grach/


Katjas Lesetipps:


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Mein heutiger Interviewgast bei Eltern Podcast ist Katja aus dem wunderschönen Graz in Österreich. Hallo, Katja. #0:00:09-4#

KATJA: Hallo. #0:00:11-7#

PETER: Liebe Katja, erzähl uns doch erst einmal, wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast. #0:00:16-6#

KATJA: Also ich bin eigentlich Sexualpädagogin, komme aus der Erwachsenenbildung. Also die Vermittlung von Bildung ist ein ganz wichtiges berufliches Thema von mir, und ich schreibe auch einen Blog im Internet, der sich nennt: Krach.com – Lifestyle, Sex und Elternschaft – wo ich eben genau diese Themen versuche zu vermitteln. Und ich bin Mutter eines dreieinhalbjährigen Sohnes. #0:00:47-2#

PETER: Ich finde es nur spannend, weil ich habe dich eben über deinen Blog gefunden und den finde ich wirklich sehr, sehr interessant, vor allem auch, weil das Thema Sexualität oft, sage ich jetzt einmal, ein Tabu-Thema ist für unsere Gesellschaft (lacht). Und ich finde, du machst das auf eine sehr, sehr erfrischende Art und Weise. #0:01:04-6#

KATJA: Danke sehr (lacht). #0:01:07-0#

PETER: Und ich kann es wirklich jedem empfehlen, diesen Blog anzuschauen. Was mich interessieren würde, ist, was hat sich durch deine Kinder in deinem Leben verändert? #0:01:17-0#

KATJA: Also der erste große Brocken war so dieses Gefühl von Verantwortung, also man hat ja vor Kindern immer wieder schon einmal das Gefühl, dass man für bestimmte Dinge her Verantwortung übernimmt, ob das jetzt im beruflichen Kontext ist oder für ein Haustier oder was auch immer, aber diese so Lebensentscheidungen zu treffen für so einen kleinen Menschen, also geht es jetzt um ja, impfen, nicht impfen, das ist ja also ein ganz ein großes Elternthema, aber auch sonstige ärztliche Behandlungen. Also du entscheidest ja wirklich für einen anderen Menschen und das kann dir niemand abnehmen. Da habe ich schon ein bisschen eine Ehrfurcht bekommen (lacht), also, was das bedeutet. #0:01:59-8#

PETER: Ja und war das speziell in diesen Entscheidungsfragen eben Impfen oder hast du das auch an anderen Dingen gemerkt? #0:02:05-4#

 

KATJA: Ja, auch. Auch, weil, ich weiß nicht, wie hoch lasse ich das Kind fiebern (lacht), wann gebe ich welche Medikamente? Solche Sachen, aber auch einen Kinderkrippenplatz oder Kindergartenplatz zu suchen, weil natürlich, wenn andere Personen das eigene Kind betreuen, die ja sehr, sehr viele Stunden mit dem verbringen und das Kind eben auch mitprägen. Und das entscheide ich natürlich auch mit. Was wünsche ich mir für ein Umfeld für mein Kind und eben, was wünsche ich mir und was möchte ich auch nicht haben? #0:02:45-5#

PETER: Genau. Da bekommt die Verantwortung eine ganz neue Dimension, das stimmt, ja (lacht). Wie war das im Bereich Arbeitsleben? Also was hat sich da für dich verändert? #0:02:56-4#

KATJA: Ich war ja ganz naiv. Also ich habe mir gedacht, ich gehe ja gar nicht in Elternzeit. Also in Österreich gibt es ja die Möglichkeit, bis zu drei Jahre zu Hause zu bleiben gegen Karenzgeld, und meine eigene Mutter war nur im Mutterschutz diese paar Wochen vor und nach der Geburt und die war nie wirklich in Karenz. Hat natürlich schon gearbeitet, aber nicht so viel, und das ist irgendwie mit Kinderbetreuung gut ausgegangen. Ich habe mir gedacht, als absoluter Workaholic, ich gehe sofort wieder arbeiten und Teilzeit und ich brauche das. Und dann war ich sehr froh, dass ich aufgrund meines Kaiserschnitts ein paar Wochen länger zu Hause bleiben durfte und diese Entscheidung hinausschieben konnte, und habe dann gemerkt so, puh, das wird nicht so funktionieren, anstatt Teilzeit doch lieber nur geringfügig.

Und selbst das war mir eigentlich zu viel, vor allem ich musste pendeln. Also ich hatte einen Arbeitsweg von ein bisschen mehr als einer Stunde zu bewältigen in eine Richtung und mein damaliger Partner und ich haben uns ausgemacht gehabt, wir machen halbe-halbe, das erste halbe Jahr bin ich zu Hause bei unserem Sohn und dann ist er zu Hause. Und dieser Wiedereinstieg war dann schon schwierig, weil das war so irgendwie von Null auf 100 wieder, hat mir zwar gefallen, aber ich habe dann auch gemerkt, als unser Sohn in die Krippe gegangen ist dann, das ist unpackbar, also dieser Organisationsaufwand und dieses Es-darf-nichts-dazwischen-kommen, es darf auch kein Unfall passieren auf dieser Strecke zwischen Kinderkrippe und Arbeitsstelle, weil, wenn ich zu spät komme, dann geht sich alles nicht mehr aus und ich bin im Endeffekt um fünf Uhr Nachmittag so was von erschöpft, obwohl ich nicht viele Stunden gearbeitet habe, und es war unerträglich.

Also ich bin dann ein halbes Jahr gependelt und dann habe ich mir einen anderen Job gesucht. Und eigentlich meine Jobs danach angepasst an Kinderbetreuungssituationen und vor allem, was für mich gut funktioniert, um eine halbwegs ausgeglichene Mutter zu sein (lacht). #0:05:09-4#

PETER: (Lacht) Ja, okay. Genauso die Zeit für sich praktisch, die man auch braucht, um sich zu erholen. #0:05:16-2#

KATJA: Ja. Oder überhaupt einfach nicht so komplett geschlaucht dann zu sein von diesem ganzen Spießrutenlauf. Also ich habe das Gefühl, man hat so viele Wege, und das ist so wenig Zeit und möchte dann auch ansprechbar sein für sein Kind und wirklich Zeit mit ihm verbringen und nicht einfach genervt sein, wenn man eben so müde ist von anderen Dingen. #0:05:35-7#

PETER: Du hast gesagt, ihr habt so ein Modell gehabt, fifty-fifty, das heißt, das erste halbe Jahr warst du daheim und das zweite halbe Jahr war dein Partner. Und jetzt hast du erzählt, als du dann wieder berufstätig warst, das war so recht anspruchsvoll. Wie war das aber, als du daheim warst? #0:05:54-9#

KATJA: Wir hatten ausgemacht, dass die Person, die die Kinderbetreuung übernimmt, nicht automatisch die Hausarbeit übernimmt. Also die haben wir uns trotzdem geteilt, also war es jetzt, unter Anführungszeichen, nur die Kinderbetreuung. Das hat sowieso ganz gut gepasst, aber der Schock für mich war der, dass einfach, weil ich einer der Ersten war aus meinem Freundes- und Familienkreis, die ein Kind bekommen hat, niemand Zeit hatte für mich am Vormittag (lacht), weil alle in der Arbeit waren. Und wenn ich dann ein Kaffeetrinken-Date ausgemacht habe mit jemandem und das kurzfristig abgesagt wurde, dann war ich wild verzweifelt, weil mein Sozialkontakt für diese Woche ist einfach flöten gegangen (lacht).

Es war auch geprägt von einer gewissen Einsamkeit und wo einfach ein Austausch mit anderen erwachsenen Personen gefehlt hat, das habe ich schwierig gefunden. Und dass auch jemand die gleichen Sorgen und Nöte kennt wie man selber in der Situation. Es sind dann danach alle schwanger geworden, aber das hat ein bisschen gedauert (lacht). #0:07:09-0#

PETER: Aha, okay. Was hat sich für dich in der Beziehung zu deinem Partner verändert durch das Kind? #0:07:15-7#

KATJA: Das ist eine schwierige Frage, wir sind ja mittlerweile getrennt (lacht). Ich würde das jetzt nicht auf das Kind zurückführen, auch wenn die Trennungsrate innerhalb vom ersten Lebensjahr relativ hoch ist bei vielen Paaren. Bei uns hat es andere Gründe gehabt, aber das, was das Schwierige war, ist, dass auf einmal aus einer Zweierbeziehung eine Dreierbeziehung geworden ist und darauf waren wir nicht vorbereitet.

Und diese Zeit als Paar, die ist eben auch immer mehr verschwunden, und dass man sich die bewusst einteilen muss, war uns nicht so klar, und mit Schlafensgehenzeiten und Mittagsschlaf, der dann auch einmal wegfällt, und irgendwann ist man dann nur mehr mit dem Kind beschäftigt, und soll man sich jetzt einen Babysitter holen, wie viel Geld ist man bereit auszugeben, um gemeinsam ins Kino zu gehen und dann noch jemanden zu zahlen? Also das ist dann immer so, hm, sollen wir Zeit miteinander verbringen oder sollen wir lieber sparen? Sollen wir Zeit miteinander verbringen oder lieber putzen? (lacht) Das sind dann Dinge, auf die wir nicht vorbereitet waren. Das verändert sich sehr stark, ja. Damit haben wir nicht gerechnet. #0:08:37-1#

PETER: Okay. Und was war für dich jetzt so als Mama die größte Herausforderung? #0:08:43-0#

KATJA: Meinem eigenen Anspruch gerecht zu werden und diese / also ich habe ja vorher Geschlechterforschung studiert und mir waren ja diese ganzen Klischees und Stereotypen durchaus bewusst, aber mit der Mutterrolle ist dann noch einmal ein riesiger Brocken dazugekommen und so viele Zuschreibungen und so viele Erwartungen aus so vielen unterschiedlichen Richtungen und da irgendwie so seine eigene Linie zu finden, zu der man dann auch steht und sich nicht verunsichern zu lassen, das war für mich das Schwierigste. #0:09:23-4#

PETER: Und wie hast du das letztendlich gemacht? Also es ist ja so, es gibt ja so schwierige Situationen, aber dann sucht man nach Lösungen oder man löst sie dann einfach für sich und wie hast du das gemacht? #0:09:33-8#

KATJA: Ich habe mich nur mehr mit Menschen gleicher Meinung umgeben (lacht). Nein und leben und leben lassen. Also ich finde es dann auch schwierig, dass man selber nicht anfängt, beim anderen herumzumeckern, dass man quasi dann meint, man selber macht es am richtigsten und die anderen machen das nicht so richtig.

Nein, aber ich habe es sehr hilfreich gefunden, dass es irrsinnig viele Blogs im Internet gibt zum Thema Elternschaft, unterschiedliche Blogs, und ich habe mir einfach die rausgesucht, wo ich das Gefühl habe, da ticken die Eltern ähnlich, und die / Wie heißt sie denn, jetzt weiß ich nicht ihren Namen, von „Geborgen Wachsen“? Mir fällt ihr Vorname nicht ein. Sie spricht öfter einmal so von einer Elterncommunity, weil eben so dieses Zusammenleben in Großfamilien ein bisschen abhandengekommen ist und wo wirklich sich sowieso alle einmischen auch bei der Erziehung, aber diese Elterncommunity im Internet, die füllt diesen Platz aus und da habe ich mich auch sehr gut aufgehoben gefühlt.

Immer wieder einmal zu sehen, was passiert bei denen, was gibt es für Tipps für diese und jene Situationen und wie hält man auch diese Fragen aus von Personen anderer Generationen, die ständig hinterfragen, ist das jetzt gescheit, im Familienbett zu schlafen, oder wie lange kann man zusehen, dass das Kind noch immer eine Windel trägt oder nicht? Und das ist sehr rückenstärkend für mich einfach auch. #0:11:05-0#

PETER: Ist ein guter Hinweis, finde ich, sich da wirklich zu vernetzen oder sich auch die Infos zu holen. Du hast vorhin aber noch etwas erwähnt, wo ich gerne nachhaken würde, und zwar, die eigenen Ansprüche, die man hat. Wie bist du damit umgegangen? Oder wie bist du die Ansprüche losgeworden so? (lacht) #0:11:26-3#

KATJA: Ich bin sie noch nicht ganz losgeworden, aber der Jesper Juul sagt, glaube ich immer, Eltern sind eben auch Menschen und keine Schaufensterpuppen. Und insofern gibt es natürlich Tage, an denen ich trotzdem sehr genervt bin und eine sehr kurze Zündschnur habe, und ich denke mir, das darf auch sein. Also Eltern müssen nicht immer gut gelaunt sein, sondern die haben eben jedes Spektrum von Gefühlen wie Kinder auch und ich versuche das eben meinem Sohn auch zu erklären und mich auch zu entschuldigen, wenn ich mich elternunadäquat verhalte (lacht). So gehe ich damit um, aber es darf auch sein, weil. wir sind eben Menschen, wir sind nicht perfekt. Geht eben nicht. #0:12:13-7#

PETER: Mhm (bejahend), das stimmt. Du hast vorhin erzählt über eure Rollenaufteilung, das sei so, zuerst warst du ein halbes Jahr daheim, dann dein Partner, wie hat das Umfeld darauf reagiert? #0:12:25-0#

KATJA: Teilweise irritiert, teilweise haben sie von uns sowieso nichts anderes erwartet. Man muss allerdings dazu sagen, dass das eben / okay, zu Hause oder in der Arbeit, das ist eine Rahmenbedingung, das sagt aber noch nichts über die Aufteilung von Haushalt und so weiter tatsächlich aus (lacht), weil, auch wenn wir vorher geglaubt haben, wir sind total gleichberechtigt in der Beziehung, haben sich trotzdem total traditionelle Rollenmuster eingeschlichen, sobald das Kind geboren war (lacht), an denen wir auch geknabbert haben.

Aber was eben überraschend oder, überraschend ist es sowieso nicht, aber was eben teilweise nervig war, dieses, sobald mein Partner zu Hause war: Ja, und wie großartig, dass der das macht und so weiter und sofort. Und im Endeffekt erwarte ich mir eben auch von einem Elternteil, dass es die Verantwortung für das Kind übernimmt. Und es ist eher jetzt so, wo unser Sohn also einmal bei ihm wohnt und einmal bei mir wohnt, wo wir das aufgeteilt haben, dass er halt nie danach gefragt wird, wo das Kind ist oder wie es jetzt betreut ist, aber ich ständig diese Fragen bekomme, egal, ob ich auf einem Berggipfel bin oder bei einem Begräbnis: Ja, und wo ist jetzt das Kind (lacht)? #0:13:48-7#

PETER: Ja, das ist wirklich sehr spannend, weil das ist noch sehr verhaftet in unserer Gesellschaft (lacht), das Kind-und-Mutter-muss-zusammen-sein. #0:13:57-3#

KATJA: Ja, 24 Stunden am besten (lacht). #0:14:00-9#

PETER: Genau. Wie habt ihr das eigentlich gemacht bei unterschiedlichen Erziehungsansichten? Oder wie macht ihr das heute noch? #0:14:09-6#

KATJA: Puh (lacht). Ich weiß nicht, ob ich so viele unterschiedliche Erziehungsansichten zulasse, muss ich ganz ehrlich sagen (lacht). Nein, grundsätzlich ticken wir sowieso ähnlich und ich bin eben schon diejenige, die sich jetzt da mehr auch mit Ratgeberliteratur und so weiter, oder mit Blogs eben eingelesen hat, und ich eben dann Argumente dafür bringe, warum und wieso wir dieses und jenes so machen sollten.

Und wenn es andere Meinungen gibt, dann diskutieren wir darüber, aber es ist für mich auch absolut in Ordnung, dass, wenn mein Sohn beim Papa ist, dass manche Dinge eben einfach anders laufen, und es ist auch gut so. Also es ist ja auch bei Oma und Opa, gibt es eben manchmal andere Regeln, und ich denke mir, die Menschen sind so unterschiedlich und jeder macht verschiedenes, nur Grund dessen, was mir am allerwichtigsten ist, ist, dass unser Kind die Möglichkeit hat, sich einfach so frei wie möglich zu entfalten und dass es nicht in eine Richtung gedrängt wird, von wegen richtiger Junge, weil jedes Kind mit seinen Eigenschaften und Talenten richtig ist, so wie es ist.

Und da braucht man nicht extra einen Stempel draufdrücken, also das ist eher so unser Thema, unser beider Thema. Und wo wir aber auch immer unsere eigenen Klischees und Vorurteile hinterfragen müssen, wo wir dann auch merken, wo es dann plötzlich nurmehr Spielzeug gibt, das in eine Richtung geht und der Papa dann nur noch Lego baut mit dem Sohn und ich anfange zu basteln, also, ob wir das dann auch wieder einmal aufbrechen, da müssen wir uns dann beide bei der Nase nehmen, aber sonst ist es jetzt nicht so unterschiedlich. #0:16:06-4#

PETER: Ich frage jetzt trotzdem ein bisschen nach (lacht), und zwar, das ist ja, so, wie du das beschrieben hast, klar, du hast deine Ansichten, dein Mann hat seine Ansichten und dann habt ihr so darüber diskutiert und habt euch irgendwie geeinigt, aber ich kann mir vorstellen, dass es trotzdem Situationen gab, wo zum Beispiel ihr zusammen wart, und das mit eurem Sohn, und dein Mann hat etwas gemacht, was du vielleicht nicht so toll gefunden hast. Was habt ihr konkret in der Situation / wie habt ihr das da gelöst? #0:16:35-7#

KATJA: Ich muss sagen, durch die Trennung gibt es so ein Leben davor und danach und ich kann mich an das Davor gar nicht mehr so richtig erinnern (lacht). Aber in unserer Familie waren andere Themen immer viel schwerwiegender in Erziehungsfragen als so diese klassischen Kleinigkeiten, die Süßigkeiten und so betreffen, weil, was man auf meinem Blog eben auch findet, ist, dass mein Expartner eine psychische Erkrankung hat und ich mir sowieso sehr viel mit dem Thema sexualisierte Gewalt beschäftige und Prävention.

Und eigentlich unser beider Fokus immer so darauf war, wie können wir Erziehung gestalten, oder das Begleiten unseres Kindes gestalten, dass das weder Opfer noch Täter wird? Und da war immer so stark unser Fokus auf diese Geschlechter-Themen und weniger auf: Wird jetzt heute noch Zähne geputzt oder nicht?

Ich bin da schon die strengere, aber ich kann es auch aushalten, wenn einmal etwas nicht so gemacht wird, und versuche dann mit meinem Expartner, oder damals mein Partner, das eben dann zu klären. Nicht vor dem Kind, weil das finde ich auch nicht gescheit, wenn man sich so gegenseitig dann ein bisschen in die Schranken weist, weil die Kinder ja auch merken, wie man die Eltern gegeneinander ausspielen kann. Aber nein, mir fällt gar nichts mehr ein und eben, es kommt mir schon so lange her vor (lacht). So wie das Leben vor dem Kind, an das kann ich mich auch kaum noch erinnern (lacht). #0:18:15-1#

PETER: (Lacht) Okay. Was mich noch interessieren würde, welche Fähigkeiten oder Stärken hast du entwickelt oder neu entdeckt durch das Mama-Sein? #0:18:25-9#

KATJA: Viel mehr Aufmerksamkeit für kleine Dinge. Also was ja Kinder so haben, da finden sie einmal ein Schneckenhäuschen und da ist eine Ameise und ein Käfer und so weiter, und ich gehe jetzt auch schon mit diesem Blick durch die Welt und sammle ständig Schneckenhäuser (lacht), und habe mir wirklich / also ich bin eben so eine, die sehr aktiv ist und sehr viel in kurzer Zeit weiterbringt, wenn sie möchte, und mein Sohn hat da sehr viel Tempo rausgenommen und ich habe wieder so gelernt mir wirklich Zeit zu nehmen, mich einzulassen auf Momente, und dass es absolut in Ordnung ist, wenn der Weg vom Kindergarten nach Hause eine Stunde dauert, auch wenn er in zehn Minuten zu bewältigen wäre, und dass wir einfach gemeinsam die Welt entdecken.

Das hat für mich einen großen Gewinn, weil es mich auch ein bisschen runterbringt von meinem persönlichen Stress-Level. Und dann habe ich mich beruflich eben auch immer wieder damit beschäftigt gehabt, wie man komplexes Wissen möglichst einfach jemandem erklärt, der nichts mit dem Thema zu tun hat, und das ist auch etwas, wo ich gerade merke mit meinem Sohn, puh, wie erkläre ich ihm die Welt? Gerade ist das Thema Tod irrsinnig spannend, auf unterschiedlichsten Ebenen, und ich finde das total schwierig und herausfordernd, zu erklären, wie es denn mit dem Kämpfen ist und den Rittern, und dann gibt es aber Nachrichten über Krieg und dann möchte ich irgendwie nicht, dass er Panzer spielt und dann stirbt eine nahestehende Person und das hängt alles irgendwie zusammen.

Und wo ist so der Grat zwischen Überforderung und was kann man einfach so stehen lassen? Und da merke ich, dass ich mich einfach ständig weiterentwickle und eben dazulerne, dass man möglichst große Dinge ganz einfach erklärt. #0:20:24-0#

PETER: Und hast du da einen Tipp, wie man das macht, weil das finde ich schon eine Herausforderung (lacht). #0:20:28-5#

KATJA: Also bei uns war es, genau, das wollte ich sowieso sagen, jetzt ist es mir wieder eingefallen, eben auch wegen dem Thema psychische Erkrankungen und so. Es gibt ein paar Bücher, die sehr hilfreich sind. Das eine heißt: Was ist bloß mit Mama los. Und da kommt darin vor, dass in den Köpfen von Menschen, denen es eben nicht gut geht, weil sie Depressionen oder Borderliner oder was auch immer sind, wilde Tiere wohnen, und die sind manchmal so laut, dass man gar nicht richtig denken kann.

Und in diesen Phasen, wo eben quasi ein Elternteil weniger ansprechbar war, haben wir das auch versucht zu erklären und das hat wunderbar funktioniert. Und unser Sohn hat dann auch selber gesagt, ja, er hat auch ein kleines Monster in seinem Kopf, aber das ist immer fröhlich (lacht). #0:21:18-6#

PETER: Wie heißt das Buch noch einmal? #0:21:22-0#

KATJA: Was ist bloß mit Mama los? 0:21:24-0#

PETER: Ah, okay. #0:21:24-7#

KATJA: Und auch ein Buch, das wir total hilfreich gefunden haben, das heißt Mondpapas. Das habe ich auf dem Blog von „Mama arbeitet“ gefunden, da geht es um abwesende Väter und dass die eben so aussehen wie und Sachen tun wie ganz normale Papas, aber die sind eben auch abwesend, weil sie so in ihre Arbeit verstrickt sind oder weil sie eine andere Familie haben oder weil sie eben krank sind und deswegen eben nicht gut denken und fühlen können.

Und deswegen sind sie eben so sporadisch nur anwesend und man weiß nie genau, wann sie wieder kommen. Und da hat es eben Phasen gegeben, wo wir das Buch sehr gut verwenden konnten. Jetzt momentan haben wir sowieso keinen Mondpapa, aber das war auch wahnsinnig gut für ihn zu nehmen, und das ist für ein dreijähriges Kind super aufbereitet. Und ich bin ein großer Fan davon, Kindern wirklich alles zu erklären, gerade so diese Gefühlslagen von Eltern, weil sie neigen im Kleinkindalter extrem dazu, dass sie alles auf sich beziehen und meinen, sie wären schuld daran.

Und deswegen finde ich es wichtig, auch auszulagern und zu sagen, okay, da gibt es ein wildes Tier im Kopf (lacht), das ist dafür zuständig, dass es jetzt Mama oder Papa so geht, aber es ist nicht deine Schuld. Und wir müssen eben irgendwas machen, damit das wilde Tier jetzt schläft, und deswegen muss jetzt Mama oder Papa eben zum Arzt gehen oder eben einmal ein bisschen Sport machen gehen oder sich eben mit Freunden treffen und dann schläft das Wildtier auch. Und es ist total gut verständlich und nachvollziehbar. #0:23:09-5#

PETER: Super. Das finde ich einen sehr guten Hinweis oder guten Tipp diese zwei Bücher. Finde ich wirklich interessant, werde ich verlinken auf jeden Fall, in den Shownotes. Was mich noch interessieren würde, ist, normalerweise wird man recht gut darauf vorbereitet auf die Geburt und auf alles, was da so passiert, aber doch gibt es dann Dinge, die nach der Geburt passieren mit dem Alter, im Alltag mit dem Kind, die man so nicht erwartet hätte. Was war das bei dir? #0:23:44-3#

KATJA: Mit dem Kind weniger, aber bei der Geburt, was mir auch ganz ein großes Anliegen ist, ich habe es auf dem Blog noch nicht so drauf. Und zwar, also ich bin auch Safe-Mentorin, ich weiß nicht, ob dir das etwas sagt. Es gibt so eine sichere Ausbildung für Eltern, von Karl Heinz Brisch ist dieses Programm, und da geht es darum, Eltern darin zu unterstützen, dass sie eine sichere Bindung zu ihren Kindern aufbauen.

Also das ist so ein Programm, das schon mit schwangeren oder werdenden Eltern beginnt und ich habe diese Ausbildung auch gemacht und da ist eben auch so etwas, was mitschwingt, ob es Traumatisierungen gibt von den Eltern, die möglicherweise mit der Geburt des Kindes plötzlich wieder aktuell werden könnten, weil Kinder wunderbare Trigger sind.

Und gerade so frühkindliche Traumatisierungen auch gerne wieder einmal aufpoppen lassen, und Frauen die sexualisierte Gewalt erfahren haben, wissen oft nicht, dass das Geburtserlebnis an sich ganz viele alte Wunden aufreißen kann und werden auch nicht darauf vorbereitet. Und oft sind die Rahmenbedingungen gerade in Krankenhäusern jetzt nicht ideal, weil man sich einfach nicht in so einem sicheren Rahmen fühlt und Geburt ist sowieso Kontrollverlust und Naturgewalt auch oft ein bisschen.

Und so ein Geburtserlebnis kann dann plötzlich weit, weit über postpartale Depressionen hinausgehen und man hat so das Gefühl, man kann jetzt überhaupt nicht für das Kind in der Art und Weise da sein. Oder man fühlt sich einfach / es brechen ganz viele Dinge auf, die eben dann auch am guten Elternsein ein bisschen hindern, weil man so sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Und da gibt es nur relativ wenig dazu, außer ein Buch, von dem ich jetzt gerade überlege, wie das heißt. Es ist von der Tanja Sahib, ich glaube, es heißt: Es ist noch nicht vorbei. Und dreht sich um traumatische Geburtserlebnisse.

Das würde ich auf jeden Fall werdenden Eltern empfehlen und das Safe-Buch von Karl Heinz Brisch, weil man eben nie weiß, was macht das Erlebnis mit einem und auch, ich glaube, obwohl viele, viele Männer sich mutig in den Kreißsaal stürzen, wird trotzdem, glaube ich, wenig als Paar darüber gesprochen, wie jetzt die Geburt erlebt worden ist und wie viel Angst und Überforderung da auch ist auf beiden Seiten. #0:26:16-5#

PETER: Genau, ich erlebe das auch oft so, dass es heute wie Usus ist, dass man bei der Geburt dabei ist und dass man sich fast nicht traut, als Mann zu sagen, nein, das ich eben Angst davor habe oder ich mache mir Sorgen oder für mich ist das nichts. Und dann gibt es da recht spannende Erlebnisse, die Männer so berichten manchmal. #0:26:37-3#

KATJA: Ja, und auch, also ich denke mir, also ich habe mich aller Körperflüssigkeiten entledigt vor meiner Geburt (lacht) und ich glaube nicht, dass es so angenehm war für meinen Partner damals eben, mir diese Schüssel zu halten, während ich mich übergebe und einfach nichts tun kann und er auch nichts tun kann, aber man ist dann so beschäftigt mit: das Kind ist da, juchhu und Hauptsache gesund, dass man ganz vergisst dabei, wie war denn das Erleben jetzt überhaupt für beide? Haben wir das so verdaut und ich glaube aber, dass das irrsinnig zusammenschweißen kann, wenn man da ehrlich darüber spricht. #0:27:12-7#

PETER: Ja, das finde ich ein ganz, ganz wichtiges Thema. Du hast am Anfang erzählt, dass du einen Blog schreibst, wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass du angefangen hast einen Blog zu schreiben? #0:27:21-9#

KATJA: Ich habe 2009, 2010 eine Weltreise gemacht und den per Blog begleitet. Und weil ich immer schon gerne geschrieben habe und dann irgendwie von einem halben Jahr schreiben so begeistert war, habe ich nicht mehr aufhören können, habe dann angefangen Geschlechterforschung noch neben der Arbeit zu studieren, habe das auch mit einem neuen Blog begleitet, der dann so hier ist wie, gut, dann werde ich einmal Feministin (lacht).

Und in dieser Zeit habe ich viele andere Blogs kennengelernt und gemerkt, es gibt gerade, was Geschlechterforschung betrifft, so eine Elfenbeinturm-Diskussion und dann gibt es auch noch die Mama-Blogs, also die habe ich dann eben entdeckt, wie ich schwanger war, aber es gibt irgendwie nichts so dazwischen, oder für mich eben weniger, was irgendwie so ein verbindendes Glied wäre.

Und habe lange darüber gebrütet, wie denn das aussehen könnte. Und zu dieser Zeit sind eben die Autorinnen von Umstandslos, das ist ein feministisches Müttermagazin, ein Online-Magazin, auf mich zugekommen und haben gefragt, ob ich mitmachen möchte, und habe natürlich gesagt, ja, und da schreibe ich auch immer wieder einmal Gastbeiträge und habe dann das noch weiter gesponnen, weil das hat natürlich auch wieder eine bestimmte Zielgruppe, weil ich wollte nicht Feminismus draufkleben, weil das sehr viel Abwehr dann gleich einmal hervorruft, und habe mich dann auch immer mehr weitergebildet in Richtung Sexualpädagogik und Trauma-Prävention und Gewalt-Prävention und dann ist irgendwie daraus Krachbumm entstanden.

Und da mein Nachname, ist ja Krach, aber mit „G“ geschrieben, und den schreibt jeder falsch (lacht), und dann habe ich gedacht, okay, Krachbumm, das passt, das passt ein bisschen zu meiner Persönlichkeit und jetzt, wenn man so Tabus aufbrechen möchte, passt das auch ganz gut, ich stelle das jetzt einfach einmal online. Und habe dann einfach angefangen, die Themen, die mich studientechnisch beschäftigt haben, in den Weiterbildungen, aufzudröseln, also ich habe ja auch etwas über die Erfindung der Mutterschaft und des natürlichen Stillens und so drauf, aber genauso eben diese Gewalt-Präventionsgeschichten, aber auch Sexualität.

Das war mir wichtig, mit Themen zu kommen, die sonst nirgends verhandelt werden, und jetzt war ich das letzte Jahr sowieso ein bisschen faul unter Anführungszeichen, aber da waren einfach privat so viele Veränderungen, dass die Zeit dafür gefehlt hat, mir zu überlegen, womit ich wieder online gehe. Deswegen bin ich froh, dass du mich gefragt hast für dieses Interview. #0:30:02-8#

PETER: (Lacht) Okay. Ja, ich bin auf deinem Blog hängen geblieben, weil er eben anders ist wie andere Blogs (lacht). Und das hat mich sehr beeindruckt, und vor allem, weil du über diese Themen sprichst, die nicht so populär sind oder über die man nicht so spricht, und du machst es auf eine sehr, sehr angenehme Art und Weise. #0:30:23-8#

KATJA: Danke (lacht). #0:30:25-0#

PETER: Bitte. Ja, wir haben 30 Minuten fast vorbei. Ich möchte mich auf jeden Fall bei dir bedanken, dass du uns Einblick gewährt hast in dein Leben als Mama, in deinen Alltag, und wünsche dir alles, alles Gute für deinen Blog und für deinen Job und für dein Leben. #0:30:48-4#

KATJA: Danke sehr. #0:30:51-8#

PETER: Ja, tschau. #0:30:51-9#

KATJA: Tschau, auf Wiedersehen. #0:30:53-8#

 

Caroline Habekost: Finde dein Mama Konzept [022]

Carolin Habekost

Also ich hatte schon eine relativ realistische Vorstellung davon, wie das so werden könnte und hatte nicht damit gerechnet, dass dann so etwas kommt.

Caroline erzählt im Interview:

  • Also unsere Tochter hat die ersten vier Monate lang sehr viel geweint, sechs bis neun Stunden am Tag, und damit waren wir natürlich erst einmal total überfordert und haben uns beide Sorgen gemacht und Gedanken.
  • Okay, dann geht es jetzt einfach nur darum, wie können WIR damit möglichst gut überleben?“
  • Wir haben einfach auch dann, immer wenn die Kleine geschlafen hat, auch immer mit geschlafen, weil wir einfach so kaputt und erschöpft waren.
  • Ich hatte schon eine relativ realistische Vorstellung davon, wie das so werden könnte und hatte nicht damit gerechnet, dass dann so etwas kommt.
  • Nachdem diese ganz anstrengende Phase besser wurde, habe ich gemerkt, wie sehr mir arbeiten fehlt. Und das war für mich ein ganz großes Dilemma.
  • Hatte auch Spaß daran, mich mit Babybrei auseinanderzusetzen und soll man nun Brei geben oder nicht und hier und da und so. Und dann aber auch dieses Gefühl von, ich verpasse etwas auf der Arbeit, mir fehlt die Anerkennung in meiner Arbeit.
  • Freunde von mir, die noch keine Kinder hatten, sagten eher: „Und möchtest du nicht noch mehr arbeiten? Und gibst du jetzt wirklich die Stelle auf?“
  • Und von der Seite der Mütter habe ich eher gehört, so nach dem Motto: „Willst du jetzt schon so VIEL arbeiten?“
  • Es muss nicht immer ein großes Event sein. Es geht darum, dass wir uns einfach die Option geben zusammen zu sein ohne Kinder.

Aber jetzt endlich zum Podcast!


Caroline Habekost: Finde dein Mama Konzept [022] jetzt hören

Diesen Podcast abonnieren:


Shownotes:

Finde dein Mama Konzept bietet Mamas in Elternzeit Online-Coaching an um Klarheit zu finden bei Fragen wie: Will ich wieder arbeiten gehen? Wann ist der passende Zeitpunkt für mich und meine Familie wieder arbeiten zu gehen? Wie kann ich sowohl bedürfnisorientiert mit meinen Kindern umgehen und auch meine eigenen Bedürfnisse leben?

www.modusvisionis-onlinecoaching.de

https://www.facebook.com/FindeDeinMamaKonzept


Carolins Büchertipps:

 


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Mein heutiger Interviewgast bei Eltern-Podcast ist Carolin aus Norddeutschland. Hallo Carolin. #00:00:06-4#

CAROLINE: Hallo. #00:00:07-4#

PETER: Erzähle uns doch erst einmal, wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast. #00:00:12-1#

CAROLINE: Ich bin 31 Jahre alt, bin verheiratet und habe zwei Kinder, die sind vier und zwei. Und ich arbeite inzwischen selbständig als Trainerin und Coach sowohl online als auch offline. Und offline mache ich mehr die Themen Präsentation und Moderation und online arbeite ich unter „Finde dein Mama-Konzept“, wo es darum geht, Mütter in Elternzeit zu unterstützen, ob und wann und wie und wo sie wieder arbeiten gehen möchten. #00:00:41-5#

PETER: Das hört sich spannend an, ich komme da später noch darauf zurück. Was mich aber als Erstes interessieren würde, wäre, was hat sich in deinem Leben verändert durch deine Kinder? #00:00:52-4#

CAROLINE: Ja, dass die Kinder letztendlich den Tagesablauf dominieren beziehungsweise eigentlich das ganze Leben. (Lacht) Weil vorher waren mein Mann und ich einfach beide voll berufstätig und hatten auch Hobbys und andere Themen, aber es gab nicht so dieses dominante Thema Kinder, wie es halt jetzt ist, ne? Die Kinder, wir haben Kinder, die früh aufstehen, leider. (Lacht) Also da fängt es schon einmal an, dass beide in den ersten zwei Lebensjahren immer um fünf wach geworden sind, wir schlafen gerne bis acht sonst. (Lacht)

Und, also da hat sich einfach schon einmal ein ganz anderer Rhythmus gebildet. Und dann eben auch zu gucken, was ist mir wichtig, was ist meinem Partner wichtig und wie gehen wir mit allem um? Und letztendlich hat sich dadurch einfach ALLES verändert, weil einfach ein Familienleben etwas ganz Anderes ist als für sich alleine oder als Paar zu leben. #00:01:56-2#

PETER: Jetzt, was hat sich speziell in Bezug auf die Beziehung verändert zu deinem Mann? #00:02:02-1#

CAROLINE: Also letztendlich so eine Art, ich nenne das eine Definition, obwohl das so hart klingt, ne, aber dieses: Wir sind nicht nur Liebende, sondern wir sind jetzt auch Eltern. Und auch quasi sich selber in der Rolle der Mutter und dann er auch in der Rolle des Vaters zu finden, da gemeinsam zu wachsen und da auch eben einen Weg zu finden und trotzdem auch noch Liebende zu bleiben. Und das finde ich, ist die größte Herausforderung. #00:02:30-1#

PETER: Genau. Da hake ich gerade einmal nach, wie macht ihr das, dass ihr eben auch ab und zu Liebende bleibt? #00:02:36-1#

CAROLINE: Ja, da machen wir/ (Lacht) Ich bin da ganz strukturiert auch immer, ich habe das einmal irgendwo gehört, dass man einmal im Monat nur Pärchenzeit machen soll. Und das habe ich dann, da war unsere Tochter, also das ist die Erstgeborene, vier Monate alt, und da habe ich dann zu meinem Mann gesagt: „So, so geht es nicht, wir müssen auch einmal etwas alleine machen. Und wir machen jetzt einmal im Monat ein Date“, und da hat er gesagt: „Das finde ich gut.“ (Lacht) Und seitdem machen wir das und letztendlich sind das einmal größere, einmal kleinere Sachen.

Als sie so ganz klein war, waren wir erst einmal nur eine halbe Stunde alleine Spazieren und so und jetzt ist es auch so, dass wir einmal einen ganzen Tag nur in die Sauna gehen. Oder wir haben, also meine Schwiegermutter wohnt hier vor Ort, da schlafen die Kinder auch inzwischen einmal über Nacht, dass wir einfach auch einmal alleine in unserem Haus sind ohne Kinder und zusammen kochen und essen, also es muss nicht immer ein großes Event sein. Und dass wir uns einfach die Option geben zusammen zu sein ohne Kinder. Und wir reden schon auch über Kinderthemen, aber wir versuchen, dann eben auch, ja, noch einmal wegzukommen, nicht immer NUR über Kinderthemen zu sprechen. #00:03:47-7#

PETER: Und schafft ihr das immer? Also schafft ihr das immer, sich diese Zeit zu nehmen? #00:03:52-6#

CAROLINE: Ja, es gab jetzt/ Also wir machen das, also die ist jetzt fast fünf, wir machen das, seitdem sie vier Monate ist. Und es gab zwei Monate, wo wir es nicht geschafft haben. Und als das zweite Kind geboren wurde, den haben wir die ersten vier Monate einfach mitgenommen, also sind wir essen gegangen, und, ne, weil ich gestillt habe auch und der noch so viel getrunken hat und dann, genau, hat der im Buggy geschlafen oder in der Trage und dann haben wir das gemacht. #00:04:18-8#

PETER: Die schlafen ja auch noch viel, ne? #00:04:19-8#

CAROLINE: Ja. Also, genau, da haben sie noch, der hat, also der war auch ganz ruhig als Säugling und da war das nicht so das Thema. Und was ich noch sagen wollte zu dieser Frage, was war unerwartet, war auch, wie sehr quasi Stress mit dem Kind eben die Beziehung beeinflusst, auch im negativen Sinne. Also unsere Tochter hat die ersten vier Monate lang sehr viel geweint, sechs bis neun Stunden am Tag, und damit waren wir natürlich erst einmal total überfordert und haben uns beide Sorgen gemacht und Gedanken. Und da als Paar sich auch zu sehen, nicht nur als Eltern, war fast unmöglich. #00:05:00-8#

PETER: Okay. Das hört sich natürlich, wenn ein Kind so viel weint, das kann wirklich eine ganz große Belastung sein. Wie seid ihr damit, wie habt ihr das gelöst für euch, wie habt ihr euch da unterstützt gegenseitig? #00:05:14-1#

CAROLINE: Also wir hatten eine ganz tolle Hebamme, die für uns total der Anker war. Und in den vier Monaten haben wir eigentlich nur funktioniert. Also wir haben erst einmal körperlich alles abgecheckt, ob alles in Ordnung ist, waren bei einer Heilpraktikerin, beim Osteopathen, beim Kinderarzt und es war nichts, also es war nichts Körperliches festzustellen, also sie hatte auch keine Koliken, ne?

Und als das dann durch war, haben wir irgendwie für uns gesagt: „Okay, dann geht es jetzt einfach nur darum, wie können WIR damit möglichst gut überleben?“ Und dann haben wir uns letztendlich immer nur abgewechselt, also er hat oft die Nächte gemacht mit der Kleinen und hat sie mir nur zum Stillen gegeben sozusagen und ich konnte schlafen und ich habe tagsüber mehr gemacht und wir haben eher nebeneinander her gelebt so. Und haben einfach auch dann, immer wenn die Kleine geschlafen hat, haben wir eigentlich auch immer mit geschlafen, weil wir einfach so kaputt und erschöpft waren.

Genau, und letztendlich haben wir da nur funktioniert und als es dann so langsam besser wurde, da kam dann eben auch diese Idee auf mit, wir treffen uns einmal im Monat irgendwie. (Lacht) Und dann wurde es auch besser, also dann hat sich das einfach entwickelt dadurch, dass der Umgang mit ihr leichter wurde und aber auch, weil wir uns viel mehr gefunden haben und dann auch herausgefunden haben: Okay, so und so mag sie gerne getragen werden, so und so schläft sie gut, das beruhigt sie und so weiter. #00:06:41-8#

PETER: Also ging das darum, so sich finden, oder? Also das Baby muss sich finden und ihr als Eltern muss man sich auch zum Baby finden, wie eben was tut ihm gut und so, und, ja, genau. #00:06:53-2#

CAROLINE: Genau. Und das war schon unerwartet, also ich habe mir schon vorgestellt, dass ich mich erst einmal hereinfinden muss in die Rolle der Mutter und dass es bestimmt Situationen gibt, die ich eben so nicht erwarte. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass ich eine unrealistische Vorstellung hatte vom Kinderhaben, ne? Ich komme auch aus einer Großfamilie, ich habe eine Schwester, die schon ein paar Jahre vor mir ein Kind bekommen hat, wo ich vieles miterlebt habe. Also ich hatte, glaube ich, schon eine relativ realistische Vorstellung auch davon, wie das so werden könnte und hatte nicht damit gerechnet, dass dann so etwas kommt. (Lacht)

So, dieses sie weint und weint und weint und es macht uns so traurig, ne? Also für uns war ganz schlimm, dieses wir haben uns dieses Kind gewünscht, wir haben uns sehr gefreut, dass sie dann gefühlt ja endlich da war, so eine Schwangerschaft kann ja gefühlt auch ewig dauern. (Lacht) Und dann weint sie nur und wir hatten so das Gefühl und sie möchte vielleicht gar nicht hier sein, ne? Und das war für uns ganz schwierig auszuhalten und wenn ich da ganz ehrlich bin, ist das auch bis heute noch Thema.

Also weil sich, das hat sich nicht einfach von heute auf morgen geändert, sondern sie ist vom Typ her so geblieben. Und sie nutzt heute weinen und schreien immer noch, um, ja, sich durchzusetzen, um Aufmerksamkeit zu bekommen, will viel Aufmerksamkeit haben. Und wir haben da immer noch immer wieder Themen, wo wir auch immer noch merken, das sind die Nachwehen auch aus den ersten vier Monaten und sie triggert da einfach bei uns Punkte an, wenn sie schreit, sind wir sofort in der Schockstarre (lacht) von vor vier Jahren. #00:08:30-0#

PETER: Okay, das kann ich gut nachvollziehen, ja. Du hast ja vorhin erzählt, dass du, dass ihr beide arbeitstätig wart, voll nehme ich an. #00:08:41-5#

CAROLINE: Ja, genau. #00:08:42-2#

PETER: Und dann bist du plötzlich Mama geworden und bist du dann komplett zu Hause geblieben? #00:08:48-5#

CAROLINE: Ja. #00:08:50-2#

PETER: Ja. Wie war das für dich, der Wechsel? #00:08:52-4#

CAROLINE: Interessant. (Lachen) Also ich war, ich hatte gedacht, ich bleibe auf jeden Fall zwei Jahre zu Hause, weil ich finde das wichtig für ein Kind. Das war so mein Gedanke, die Mama ist in den ersten Jahren besonders wichtig, die stillt, die hat das Kind ausgetragen und das ist so meine Aufgabe, das war so mein Gedanke. Und letztendlich bin ich auch so geprägt, weil meine Mutter auch zu Hause geblieben ist in der Kleinkindzeit. Und deswegen hatte ich zwei Jahre Elternzeit beantragt und eben ein Jahr Elterngeldbezug und mein Mann war die ersten zwei Monate zu Hause, was sich ja dann als sehr gut herausgestellt hat, weil sie eben so viel geweint hat.

Und dann war es eben schon so, dass ich eigentlich nachdem das so, diese ganz anstrengende Phase so ein bisschen besser wurde, ich gemerkt habe, wie sehr mir arbeiten fehlt. Und das war für mich ein ganz großes Dilemma. Also, weil sie ja auch ganz doll mich gebraucht hat, also sie hat halt auch ein Jahr lang, ist sie auf niemanden fremden Arm gegangen, also nur bei meinem Mann und mir, auch bei den Omas und Opas nicht und niemanden. Und das war dann halt so dieses Gefühl von, sie braucht mich und ich möchte auch für sie da sein. Und es war auch ein ganz erfüllendes Gefühl eben dann immer, wenn ich sie dann in der Trage hatte, war sie glücklich und das hat mich auch total beglückt, also ich bin da einerseits SEHR drin aufgegangen. Hatte auch Spaß daran, mich mit Babybrei auseinanderzusetzen und Co (lacht) und soll man nun Brei geben oder nicht und hier und da und so. Und dann aber auch dieses Gefühl von, ich verpasse etwas auf der Arbeit, mir fehlt die Anerkennung in meiner Arbeit.

Ich war vorher als Trainerin für Autohäuser tätig, wo ich Montag bis Freitag im Seminar stand. Ich hatte so das Gefühl, diese Effektivität fehlt mir auch, des Arbeitens. Und ich hatte auch ganz große Ängste, also ich komme nie wieder auf so eine Position, (lacht) waren so Ängste. Und auch wirklich so der Zweifel auch schon nach wenigen Monaten, will ich wirklich zwei Jahre voll zu Hause bleiben, wie könnte eine Teilzeitmöglichkeit aussehen, da habe ich mit meinem Arbeitgeber gesprochen und da gab es keine Option. Darüber dann hin die Enttäuschung, ja, also ganz großes Dilemma für mich. #00:11:23-0#

PETER: Das glaube ich, also das merke ich immer wieder, dass es eben in unserer Gesellschaft doch nicht so weit verbreitet ist, dass das Konzept Teilzeitarbeit sich durchsetzt. #00:11:32-5#

CAROLINE: Ja. #00:11:33-1#

PETER: Ja, man ist entweder voll oder gar nicht beschäftigt, das ist wirklich so. Und finde ich eigentlich schade. #00:11:41-8#

CAROLINE: Ja. Und, also da gäbe es bestimmt auch mehr Optionen, aber, also ich hatte auch das Gefühl, es ist nicht gewollt so. Und dann, also die Situation an sich stellt ja schon ein paar Herausforderungen und wenn dann nicht alle Seiten wollen, dann wird es halt schwierig. #00:12:00-3#

PETER: Und du hast erzählt, du warst da so unzufrieden. Und was hast du dann damit gemacht, mit dieser Unzufriedenheit? #00:12:08-2#

CAROLINE: Ja, ich bin ganz aktiv geworden in Recherche. Also habe ganz viel im Internet geguckt und wollte schon immer auch als Coach arbeiten und letztendlich war dann meine erste Lösung, ich mache eine Coaching Ausbildung. Und das war eh schon immer ein Gedanke, ich hatte dafür auch schon Geld zur Seite gelegt und habe dann etwas gefunden, was vor Ort war, was immer samstags, sonntags war, einmal im Monat über, ich glaube, ein Dreivierteljahr war das. Und das war super, also weil dann bin ich quasi da samstagmorgens, ich glaube, um zehn hin und war um 18:00 Uhr wieder zurück.

Da war meine Tochter, ich glaube, acht Monate ungefähr, als ich da angefangen habe. Und dann hatte mein Mann das Wochenende die Kleine, ich hatte ein bisschen Abstand, er hatte alleine Zeit mit unserer Tochter, das war uns bis dahin auch nicht so bewusst, dass die noch nie zwei Tage alleine waren, (lacht) hatten wir nicht gemerkt, das hat die auch noch einmal ganz eng verbunden und ich hatte einen Ausgleich. Und ich war in dieser Weiterbildung, ich habe das aufgesogen wie ein Schwamm, also (lacht) das tat mir sehr, sehr gut.

Das war ein erster Schritt, danach hatte ich aber auch wieder ein Tief, weil ich dann nämlich das Gefühl hatte, jetzt habe ich neue Kompetenzen und Fähigkeiten erlernt oder verstärkt und jetzt möchte ich auch etwas damit machen. Und da war ich dann halt wieder vor dem Dilemma: Ja, aber jetzt wie denn und wo denn und mit was denn? #00:13:31-1#

PETER: Und vielleicht kommen wir da jetzt gerade auf das, was du am Anfang erzählt hast, dieses „Entwickle dein Mama-Konzept“ ist das das Ergebnis aus dieser Zeit? #00:13:41-2#

CAROLINE: Ja. (Lacht) Also nicht das erste Ergebnis, nein. Sondern das erste Ergebnis war, ich mache mich selbständig. Und, also da war auch eine ganz große finanzielle Angst dahinter, wir haben uns entschieden, einen gewissen Lebensstandard zurückzuschrauben und primär vom Gehalt von meinem Mann zu leben, war auch wieder großes Thema sich so in Abhängigkeit zu begeben. Ich wollte nicht dieses Klassische: Der Mann verdient, die Frau kümmert sich die ganze Zeit. Also da waren dann auch noch einmal viele Glaubenssätze und Ideen und Gedanken, ja, zu bearbeiten, neu zu erfinden. Und ich habe dann erst einmal als Trainerin gearbeitet oder tue ich auch noch mit freien Aufträgen vor Ort, an Wochenenden oder einmal einen Vormittag. Und das war auch gut, aber es ist halt GANZ viel Organisation, ne?

Weil ich dann immer gucken muss, wann kann die Oma aufpassen, das ging ja dann irgendwann, mit einem Jahr und einem viertel ließ sie sich dann betreuen. Dann kam ja mein Sohn noch danach, da war dann auch wieder eine Pause. Also ganz viel Organisation hin und her und jetzt bin ich halt an dem Punkt gewesen 2016, dass ich gesagt habe: „So, das ist mir zu viel Organisation und zu wenig Arbeit von dem, was ich eigentlich machen möchte. Und da ist jetzt das Ergebnis „Finde dein Mama-Konzept“, weil ich gesagt habe: „Ich mache mich mit meinem Herzensthema selbständig, das, was mich selber so bewegt hat und auch immer noch bewegt und was ich so frustrierend finde für, ja, ich sage einmal, mich als Zielgruppe, ja, für die Mamas, die einfach auch Jobs haben, in denen sie gerne arbeiten, in die sie gerne zurückgehen möchten, aber eben auch bedürfnisorientiert mit ihren Kindern umgehen wollen und nicht sagen: „So, mein Kind ist eins. Du gehst jetzt von acht bis 16:00 Uhr in die Krippe und ich hole dich dann ab und bringe dich eigentlich nur noch ins Bett.“

Genau, und um das eben auch gut vereinbaren zu können, mache ich es eben online, weil ich es sowohl für mich als Vorteil sehe als auch für die Mamas, weil die dann, ja, eben auch ihr Kind nicht abgegeben müssen. #00:15:40-5#

PETER: Okay. Ja, es hört sich spannend an. #00:15:43-3#

CAROLINE: Ja, Dankeschön. (Lachen) #00:15:45-1#

PETER: Ihr habt ja, das ist ja so fast eine klassische Rollenaufteilung, der Mann geht arbeiten, du warst zu Hause und zwar fängst du jetzt dann auch, eben wieder etwas zu arbeiten. Wie hat das Umfeld reagiert auf diese klassische Aufteilung? #00:16:01-9#

CAROLINE: Verschieden. Also Freunde von mir, die noch keine Kinder hatten, waren eher so: „Und möchtest du nicht noch mehr arbeiten? Und gibst du jetzt wirklich die Stelle auf?“ Also weil da mir ja irgendwann auch das Gespräch mit dem Arbeitgeber, wo ich Anstellung war, anstand und ich gesagt habe: „Ich komme nicht zurück und ich möchte heraustreten so.“ Alle sagten: „Verlängere doch noch einmal Elternzeit und dann kannst du noch einmal zurückgehen.“

Und da bin ich aber nicht so der Typ für halbe Sachen. Ich war dann so: „Nein, ich möchte das geklärt haben, ich möchte mein Abschlusszeugnis haben.“ Ich hatte noch ein paar Materialien, ich sagte: „Das kriegen die alles zurück, ich möchte da einen Schlussstrich ziehen.“ Und da wurde viel hinterfragt und war viel Irritation da. Und von der Seite der Mütter sozusagen habe ich eher andersrum, so nach dem Motto: „Willst du jetzt schon so VIEL arbeiten?“ (Lachen) #00:16:57-4#

PETER: Das ist spannend, ja. #00:17:00-7#

CAROLINE: Und man muss ja auch sagen, ich lebe ja auf einem Dorf und da habe ich natürlich ganz viele Vollzeitmamas hier. Also ich glaube, mein Umfeld hier vor Ort ist nicht der Bundesdurchschnitt. (Lacht) Also hier sind viele Mütter, die auch Vollzeit zu Hause bleiben, die dann auch mehr als ein Kind haben, drei bis vier. Wo das älteste Kind dann in die Grundschule ist und das Jüngste Säugling, die einfach auch schon seit sechs, sieben, acht Jahren komplett zu Hause sind und die auch noch nicht darüber nachdenken, bald wieder arbeiten zu gehen.

Oder eben auch viele Mütter, die irgendwie zehn Stunde die Woche arbeiten. #00:17:36-9#

PETER: Und was macht ihr bei verschiedenen Ansichten in Erziehungsfragen, wie löst ihr das? #00:17:43-8#

CAROLINE: Ja, (lachen) SCHWIERIGES Thema. (Lachen) Also letztendlich ist klar die Antwort, reden tun wir. Und wir haben auch ziemlich viele gleiche Ansichten oder ähnliche Ansichten, aber die Punkte, wo wir uns uneinig sind, die sind wirklich sehr, sehr zähe. Und da gibt es viele Gespräche, oft über Wochen oder Monate, wenn es grundlegende Dinge sind, da gibt es auch einmal Streit. Und ich bin dann immer diejenige, die dann auch noch einmal recherchiert, (lacht) also dann noch einmal guckt, gibt es noch einmal Argumente für meine Position. (Lacht)

Die manchmal auch helfen und manchmal eben aber auch nicht, weil mein Mann dann einfach sagt: „Nein, fühlt sich für mich falsch an, egal was die Wissenschaft sagt“, was ja durchaus auch ein Argument ist. Und, ja, es gibt wenige Themen, wo wir uns nicht einig werden. #00:18:39-7#

PETER: Also du sagst, das Reden ist das eine, was mich aber interessiert, ist, wenn jetzt so eine Situation tatsächlich stattfindet, also eure Kinder machen etwas und du merkst, dein Mann reagiert so und du würdest eigentlich ganz anders reagieren. Wie macht ihr das in echt, also wie? #00:18:57-6#

CAROLINE: Also ich beiße mir auf die Zunge. (Lacht) Also ich springe nicht rein, das finde ich nicht wertvoll. Und es ist ja auch so, dass, der Papa geht einfach anders mit den Kindern um als die Mama. Und es ist aber schon, dass mich dann gewisse Dinge ärgern, aber ich spreche es dann im Nachgang an. Dennoch sind Kinder ja nicht doof, die merken das ja. Die merken, dass ich da dann im Hintergrund stehe und das gerade nicht so toll finde, wie er damit umgeht, zum Beispiel. Oder auch wenn ich dann einmal positiv überrascht bin und denke: Mensch, das hat er gut geregelt, da wäre ich ja nie auf die Idee gekommen, das so zu regeln, merken die es ja auch.

Und die Große spiegelt das dann auch schon, ne? Also die dann halt sagt: „Oh, toll, jetzt darf ich“, keine Ahnung, „ein Stück Schokolade mehr“, ja, sind wir jetzt einmal bei einer Kleinigkeit: „Das hätte Mama mir nicht gegeben, oder Mama?“ (Lachen) Also wo ich dann denke: Nein, aber ist okay. Und, also bei so etwas wie Schokolade da tut es mir nicht so weh als Thema. Aber, wenn es dann, zum Beispiel, Umgang mit wütenden Verhalten von der Großen, da sind wir uns uneinig. Also, wenn sie dann, zum Beispiel, herumschreit und heult und dass ich das Gefühl habe, sie nutzt es als Mittel, agiere ich eben ganz anders als er. Und da sind wir uns schon uneinig. #00:20:22-7#

PETER: Ich finde es noch interessant, was du gesagt hast vorhin: „Mein Mann geht anders mit den Dingen um.“ Und das ist ja tatsächlich so, dass Männer Dinge anders machen, also nicht nur die schwierigen Situationen, sondern auch die schönen Situationen oder überhaupt die Alltagssituationen. Und ich stelle immer wieder fest, dass es da auch immer wieder Differenzen gibt das anzunehmen, dass Männer wirklich anders mit Kindern umgehen als Frauen. Wie ist da, merkst du da einen Unterschied und wie ist das für dich? #00:20:54-9#

CAROLINE: Ja, also das merke ich ganz klar. Und letztendlich hat es auch gedauert, das erst einmal zu sehen und anzunehmen und zu sagen: „Das ist so.“ Und seitdem wir das von beiden Seiten so machen, dass wir sagen: „Ja, also der andere ist einfach anders und das ist auch okay.“ Also wir hatten, bevor wir Kinder hatten, so die Idee, man muss an einem Strang ziehen, (lacht) ne? So, das ist wichtig für Kinder und das ist bestimmt unter gewissen Aspekten auch wichtig für Kinder, aber gerade wenn es darum geht, wie verhalte ich mich mit meinen Kindern, wie spiele ich auch mit denen, wie reagiere ich, wenn ich etwas nicht gut finde, was sie machen. Glaube ich, ist das total wertvoll, wenn jeder einfach so reagiert auch, wie er ist, in seinem Sein.

Und da kann ich, also da ziehe ich eher Positives heraus, ne? Also zum Beispiel, mein Mann kann mit unserem Sohn drei Stunden lang Ball hin und her spielen, das kann ich nicht. (Lachen) Ich schaffe das eine halbe Stunde und finde das auch schön und ich finde das auch ganz meditativ, also so tief mit einem Kind einfach nur hin und her diesen Ball zu schießen, aber ich kann das nicht drei Stunden lang, ne? Und das ist einfach etwas, wovon Kinder ganz viel haben, ne? Und wenn es dann eben so ist, dass wenn meine Tochter wütend wird, auch mein Mann wütend wird, ist es ja auch wieder authentisch, ne?

Und wenn er das dann auch lebt, hat das auch wieder einen Wert. Also da ist einfach ganz viel Annahme und Akzeptanz und ich bin einfach der tiefsten Überzeugung davon, dass Männer und Frauen anders sind von ihren Grundanlagen her und dass das wichtig ist für die Kinder auch zu sehen, was ist das männliche und was ist das weibliche Prinzip. Und zugleich glaube ich auch, dass die Frau auch immer ein männliches Prinzip in sich hat und der Mann auch ein weibliches, ja, also wir müssen es nicht nur auf das Geschlecht so festlegen. Aber ich finde das ganz wichtig, dass die beides erleben. #00:22:54-0#

PETER: Also so wie du es erzählst, ist es für mich eine große Horizonterweiterung für das Kind? #00:22:58-6#

CAROLINE: Ja, genau, das trifft es gut, hast du gut zusammengefasst. (Lachen) #00:23:02-8#

PETER: Kinder sind ja bekanntlich große Lehrmeister. #00:23:09-3#

CAROLINE: Ja. #00:23:11-3#

PETER: Und welche Fähigkeiten hast du durch deine Kinder neu entdeckt oder neu entwickelt oder verstärkt? #00:23:18-8#

CAROLINE: Also im Moment zu leben, das, was ich eben sagte, mit diesem Ballspielen und dann nicht zu denken, ich muss noch den Geschirrspüler ausräumen und das und jenes. Sondern einfach/ Also ich habe noch einmal klarer für mich realisiert oder ich habe oder ich fühle es jetzt erst richtig, dass das Leben eigentlich nur aus Momenten besteht, die hintereinander stattfinden. Und bin da also VIEL achtsamer und viel mehr im Moment. Und ich habe auch gelernt, dass es wichtig ist, dass ich selber, ich nenne das, meine innere Mitte bin, also selber grundsätzlich zufrieden bin, weil die Kinder es einfach SOFORT spiegeln. Also, wenn ich Dinge/ (Husten) Entschuldigung einmal husten/ #00:24:04-5#

PETER: Kein Problem. #00:24:05-0#

CAROLINE: Wenn es Dinge gibt, die mich unruhig machen, dass das wichtig ist, das für mich zu klären, weil es auch auf die Kinder übergeht. Und gleichzeitig durfte ich aber auch lernen, mich zurückzunehmen, ja? Also, und die Prioritäten eben anders zu setzen und wenn mein Kind weint, dass ich eben jetzt stille und jetzt nicht mehr, weiß ich nicht, ein Brot schmiere, weil ich Hunger habe, sondern das dann eben erst eine halbe Stunde später tue. #00:24:32-5#

PETER: Genau. Das, was du erzählst, dieses im Jetzt zu sein, was Kinder so sehr gut können, ist für uns Erwachsene meistens nicht so einfach wie für die Kinder. #00:24:42-2#

CAROLINE: Jawohl. #00:24:42-7#

PETER: Ja. Und hast du da einen Tipp oder einen Trick, wie du das nun schaffst, dich in diesem Moment eben in das Jetzt zu holen? #00:24:50-9#

CAROLINE: Ja, also das sind zwei Sachen. Einmal organisiere ich viel und gut, ohne dass es zu viel Druck ausübt, also das ist ja auch eine Kunst. Das heißt, ich gucke schon auch immer, morgens überlege ich mir, was sind so Sachen, die ich für mich heute unbedingt erledigen muss. Und das können auch Sachen sein, die für andere nicht wichtig sind, ja, aber so was drängt mich, was möchte ich erledigt haben. Und die erledige ich als Erstes oder eben in Momenten, wo die Kinder mich gerade nicht so brauchen oder inzwischen sind die eben auch stundenweise in der Betreuung, das erledige ich dann in der Zeit. Und das löst mich schon einmal TOTAL für die Zeit mit den Kindern, dass ich einfach genau weiß, ich habe da ein Zeitfenster, da kann ich das, was ich erledigen will, erledigen. So, und das kann auch einmal sein, dass ich mir vornehme, eine Stunde zu schlafen, ne, also es muss nicht immer sein, To-do-Listen abhaken, schaffen, machen, tun, das kann auch quasi eine Ruhephase sein.

Und das hilft mir total, dass wenn ich dann mit den Kindern eben zusammen bin, dass ich viel besser auf sie reagieren kann und in dem Moment mit denen leben kann. Und das ist der eine Punkt und der andere Punkt ist, dass es einfach, dass ich es mir immer wieder ins Bewusstsein rufe, also, dass ich, zum Beispiel, wenn ich dann mit meinem Sohn Ball spiele, ja, es ist gerade sehr aktuell, (lachen) dass ich dann/ Also manchmal spüre ich auch so dieses: „Och, jetzt schon wieder Ball spielen, ich weiß nicht“, und ich mir dann denke: Nein, nutze es für dich als Achtsamkeit. Jetzt stell dich hier einfach hin, also wir spielen quasi Fußball hin und her und spüre jetzt einfach einmal nur den Boden unter deinen Füßen. Ja, also schon in diesem Sinne wie eine Traumreise oder eine Meditation oder beim Schwangerschafts-Yoga habe ich so etwas auch gemacht. Also, dass ich mich das einfach dann in Erinnerung rufe und dann einfach spüre auch, wie tief ich in dieser Zeit dann abtauche und wie sehr es mich entspannt. #00:26:44-4#

PETER: Also du nutzt praktisch den Widerstand als Trigger, um zu sagen: „Nein, jetzt nehme ich es bewusst wahr, was ich mache“? #00:26:51-2#

CAROLINE: Genau. #00:26:51-7#

PETER: Okay, spannend, interessant, ja. #00:26:53-7#

CAROLINE: Und trotzdem ist es so, dass ich dann auch einmal Gedanken habe von, ach, ich wollte noch dies und ich wollte noch das. Also das ist jetzt nicht so, dass ich dann eine halbe Stunde meditativ Fußball spiele. (Lacht) Aber es geht mehr in die Richtung und das ist etwas, wo ich selber gerne noch weiter für mich hinwill. #00:27:10-9#

PETER: Okay. Du hast vorhin erzählt, dass eure Tochter so sehr geweint hat. Gab es in der Zeit, hast du dich da irgendwie informiert oder hast du da ein Buch gehabt oder eine Internetseite, wo dir geholfen hat, mit dem umzugehen? #00:27:25-5#

CAROLINE: Ja, gab es. Also an Büchern hat mir in der Zeit geholfen „Das glücklichste Baby der Welt“, das ist von, ich glaube, Dr. Harvey Karp oder so ähnlich. Und später als sie/ Also als das Weinen aufgehört hat und sie aber noch so sehr immer noch an uns geklammert hat, hat mir sehr geholfen „Das kompetente Kind“ von Jesper Juul. #00:27:52-5#

PETER: Ja, das ist der Klassiker. #00:27:55-8#

CAROLINE: (Lachen) Das ist der Klassiker und der hat mir geholfen. Ja, und letztendlich aber eben auch Leute vor Ort. Also ich habe mich schon auch informiert, es gibt ja auch so Schreiambulanzen, dann habe ich mit so einer PEKiP-Leiterin gesprochen. Also wir haben uns immer wieder auch Hilfe geholt, dann waren wir bei einer Heilpraktikerin, wo wir öfter waren, die, ja, ich würde das jetzt im Nachgang einmal so eine Art Gesprächstherapie benennen, ohne dass sie jetzt Therapeutin ist. Aber die einfach auch noch einmal ganz viel mit uns gesprochen hat und wir einfach die Perspektive der Dinge geändert haben. Also nicht so dieses: Sie weint, sie muss aufhören. Weil das ist anstrengend und das ist ja auch nicht gut für sie und für uns. (Lacht) Sondern hin zu einer Perspektive: Was will sie uns damit sagen, welches Bedürfnis steht dahinter und was sagt es über sie aus und wie können wir gucken, dass sowohl ihr Bedürfnis befriedigt ist als auch unser Bedürfnis? #00:28:52-9#

PETER: Ja, schön, dass es so etwas noch gibt. #00:28:57-9#

CAROLINE: Ja. Aber da gibt es, also da habe ich leider kein Buch zu. Wenn es da eins gibt, darfst du mir das gerne einmal geben. #00:29:05-5#

PETER: Ja, ich weiß es nicht, nein. Aber ich finde es schön, dass es immer wieder noch so Hebammen gibt, die so etwas machen. Ja, weil das ist auch nicht selbstverständlich. #00:29:15-1#

CAROLINE: Ja. Also ich liebe Hebammen. (Lacht) Also das war auch, bevor ich Kinder gekriegt habe, habe ich das nie so gesehen. Ich dachte immer, die helfen dir bei der Kindespflege und bei der Geburt, aber was die mental leisten auch unter der Geburt, aber eben auch im Nachgang ist immens. Also da gehört eine ganz große Wertschätzung hin. #00:29:39-0#

PETER: Das ist so, ja. Ich würde gerne meine letzte Frage stellen. Und zwar, was sollten werdende Eltern unbedingt wissen? #00:29:47-8#

CAROLINE: (Lacht) Das ist eine schöne Frage. Finde ich ganz schwierig zu beantworten, aber ich glaube, eines der wichtigsten Dinge ist, dass Kinder schon mit einer Persönlichkeit auf die Welt kommen und dass wir Eltern dafür da sind sie zu begleiten. Und dass es nicht darum geht, ein Kind so zu formen, dass es so ist, wie ich es gerne hätte (lacht) oder ich denke, es müsste so sein, sondern die kommen schon mit ganz, ganz viel. Und auch so ein Säugling, der einen Tag alt ist, kann dir als Mama, dir als neuen Papa schon ganz klar zeigen, was ihm guttut und was nicht. #00:30:32-4#

PETER: Das stimmt. Ja, und ich möchte das auch so kommentarlos stehen lassen, weil es so gut ist. #00:30:38-2#

CAROLINE: Ja, schön. (Lachen) #00:30:39-8#

PETER: Ja, Carolin, ich möchte mich auf jeden Fall bedanken für deine Zeit und für die Einblicke, die du uns gewährt hast in dein Mamasein oder euer Familienleben. #00:30:48-8#

CAROLINE: Gerne. #00:30:50-7#

PETER: Ich werde die zwei Bücher verlinken, logischerweise. Und auch deinen „Finde dein Mama-Konzept“ Blog, den ich wirklich sehr, sehr spannend finde. #00:31:00-2#

CAROLINE: Gerne. #00:31:01-9#

PETER: Und, ja, wünsche dir alles Gute mit deinen Kindern und mit deiner Selbständigkeit. #00:31:08-6#

CAROLINE: Dann vielen Dank für das Interview, es hat mir Spaß gemacht. #00:31:11-9#

PETER: Okay. Ciao. #00:31:13-6#

CAROLINE: Tschü. #00:31:14-8#

Susanne Petermann: Meine Erfahrungen als Stiefmutter [021]

Susanne Petermann

Es ist eine ganz schwierige Situation für jede Stiefmutter, wenn man auf einmal abgelehnt wird von einem Kind, und nicht weiß, was habe ich getan, was habe ich falsch gemacht, habe ich überhaupt was falsch gemacht.

Susanne erzählt im Interview:

  • Ich kann immer nur wieder sehen bei den vielen, vielen Geschichten, die ich so höre, dass es ganz wichtig ist, dass man versucht, die andere Seite zu verstehen. Und sie sollte mir darum nicht egal sein. Also selbst, wenn es natürlich eigentlich für uns als Menschen seltsam ist, mit einem Expartner meiner neuen Liebe ständigen Kontakt zu pflegen, das kommt ja in einer normalen Beziehung nicht vor. Welcher Mann sitzt denn irgendwie fast jeden Tag am Telefon mit seiner Exfreundin.
  • Es ist eine ganz schwierige Situation, wenn man auf einmal abgelehnt wird von einem Kind, und zwar auch vehement abgelehnt wird und nicht weiß, was habe ich getan, was habe ich falsch gemacht, habe ich überhaupt was falsch gemacht.
  • Ich glaube, was bei Stiefeltern ein ganz wichtiger Faktor ist, und das ist völlig egal, ob ich Stiefmutter oder Stiefvater bin, ich muss oft gar nichts falsch machen, um abgelehnt zu werden.
  • Was ich falsch mache, ist, dass ich der neue Partner an der Seite von Mama oder Papa bin. Weil, die Kinder wollen alle nicht, dass Mama und Papa getrennt sind. Die wollen ja, dass Mama und Papa zusammen sind. Also jeder neue Partner, der fest in das Leben kommt, festigt die Situation der Trennung. Und damit müssen Kinder erst mal umgehen lernen. Also in dem Moment, wo ich als neue Partnerin meines Mannes komme, ist für die Kinder die Situation zementiert, dass Mama und Papa nicht mehr zusammen sind.
  • Mein Leben wurde von einem Kind komplett bestimmt, was nicht meins war.

Aber jetzt endlich zum Podcast!


Susanne Petermann: Meine Erfahrungen als Stiefmutter [021] jetzt hören

Diesen Podcast abonnieren:


Shownotes:

Selbst wenn es gut läuft, kompliziert ist es als Stiefmutter immer. Leider ist das Verständnis für Stiefmütter in der Gesellschaft eher gering. Wo bleibt man mit seinen Nöten, wenn die beste Freundin die Situation nicht nachvollziehen kann? Auf ihrem Stiefmutterblog schreibt Susanne Petermann über die Fallen in die Frauen im Patchwork geraten können. Experten geben Tipps zu Themen wie Sorgerecht, Umgang, Erbrecht oder Familiensysteme und  im Forum tauschen sich Stiefmütter und Trennungsväter aus, schildern ihre Erfahrungen und geben sich Tipps und Ratschläge.

Susanne Petermann
Weißbuchenstrasse 4
27777 Ganderkesee

+49-4222-966 03 01
+49-177-882 50 10

http://stiefmutterblog.com


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Mein heutiger Interviewgast bei „Eltern-Podcast“ ist Susanne aus dem schönen Norddeutschland. Hallo Susanne. #00:00:10-1#

SUSANNE: Hallo Peter. #00:00:11-2#

PETER: Erzähl uns doch erst mal, wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast. #00:00:17-5#

SUSANNE: Ich heiße Susanne Petermann, ich bin Journalistin und Buchautorin und außerdem auch noch Bloggerin. Das heißt, ich verdiene mein Geld und auch mein Hobby ist das Schreiben. Und ich habe, ja, wie man es nimmt, entweder gar kein Kind oder drei. #00:00:39-3#

PETER: Was heißt das, wie man es nimmt? #00:00:42-7#

SUSANNE: Ich habe kein leibliches Kind, ich habe also niemals ein Kind geboren, aber mein Mann hat drei Kinder mit in die Ehe gebracht, insofern sind wir offiziell, da wir offiziell verheiratet sind, bin ich offiziell Stiefmutter. #00:01:19-9#

PETER: Das heißt, du bist sozusagen von null auf Familienkarte durchgestartet. #00:01:26-2#

SUSANNE: Wie man es nimmt, ja. Kann man so sagen, wobei es bei mir natürlich so ist, ich bin Stiefmutter geworden von drei Kindern, die schon komplett fertig sind. Das Jüngste der Kinder meines Mannes war 16, als wir uns kennenlernten. Das ist jetzt nicht ein Alter, wo ich noch von einem Kind sprechen möchte. Für meinen Mann bleiben das immer seine Kinder, für mich waren das fertige, halbwegs schon erwachsene Menschen, als ich sie kennenlernte. #00:02:02-1#

PETER: Haben die auch noch bei euch gewohnt? #00:02:05-2#

SUSANNE: Nein, sie waren, nach der Trennung waren die Kinder bei der Mutter geblieben, also bei der Exfrau meines Mannes und haben dort dann auch gewohnt. Aber es war natürlich dieses Übliche, am Wochenende besuchen oder in den Ferien oder zwischendurch mal. Bei uns war das insofern auch etwas komplizierter, mein Mann hat in Brüssel gearbeitet und ist an jedem Wochenende nach Norddeutschland gefahren, um seine Kinder sehen zu können. #00:02:36-5#

PETER: Okay. Und wie war das für dich diese Wochenenden mit den Kindern? #00:02:41-7#

SUSANNE: Als ich dazu kam, war nur noch der Jüngere am Wochenende mal hier. Die älteste Tochter war bereits als Aupair in Amerika. Die mittlere Tochter war gerade im Abitur. Ich habe mich immer gefreut, wenn die Kinder kamen. Also ich fand das super. Wir haben hier zusammen gesessen, haben gequatscht, ich habe mitbekommen, was bei den Kindern so passiert, wie das Leben in dem Alter ist. Das ist ja etwas, was man, wenn man selbst keine Kinder hat, nicht immer so direkt mitbekommt, was sind gerade Probleme in der Schule und was interessiert einen 16jährigen heute. Ich habe aber in einer vorherigen Beziehung das schon mal ganz anders gehabt.

In meiner vorherigen Beziehung war ich Teilzeitstiefmutter. Das heißt, da hatte mein damaliger Partner ein deutlich jüngeres Kind, was seit dem vierten Lebensjahr ein Wechselmodell bei den Eltern war. Das heißt, ich kenne alle Facetten sozusagen. Ich kenne diese Facetten, dass das Kind wirklich auch mit bei einem wohnt. In meiner jetzigen Ehe allerdings ist das so, dass die Kinder nie mit mir zusammen gewohnt haben. #00:03:53-7#

PETER: Wie haben die Kinder so auf dich reagiert? Also man kommt da in so einen, sage ich jetzt mal, System rein von außen. Und da muss man sich erst mal aneinander gewöhnen. Wie war das für dich und wie war das für die Kinder? #00:04:11-3#

SUSANNE: Also bei uns lief das relativ komplikationslos ab die ersten drei Jahre, würde ich sagen. Das war prima, ich hatte Kontakt, auch ohne meinen Mann mit den Kindern. Wir haben uns über die ganzen neuen modernen sozialen Medien, die es so gibt, ob es Facebook, WhatsApp, Skype und die ganzen Kanäle, über die man sich kontakten kann, haben wir uns kontaktet. Die Kinder waren sehr schnell nach dem Abitur im Ausland. Das heißt, sie haben auch gar nicht mehr hier bei uns in der Nähe gewohnt, wie vorher. Es war also relativ schnell gleich dieser Kontakt zu Kindern, die sehr weit weg sind. Und der funktioniert nun mal über Skype und über Telefon und über Internetkanäle. Und das war gut.

Es war wirklich ein guter Kontakt, wir haben uns sehr gut verstanden. Wenn sie hier in der Gegend, in Norddeutschland waren, bei der Mutter, waren sie auch immer bei uns. Oder wir haben uns irgendwo getroffen, wir haben die Kinder besucht, da wo sie dann jeweils studierten. Also das war schön. #00:05:23-7#

PETER: Was ist deiner Meinung nach so die größte Herausforderung für Stiefmütter oder Stiefväter? #00:05:32-8#

SUSANNE: Die größte Herausforderung, ich nenne es Fremdbestimmung, ist, dass ich mit meinem eigenen System, mit meinem Familiensystem, mit meinen Vorstellungen, wie Familie funktionieren könnte oder sollte, zum Teil mit Idealvorstellungen, weil ich noch nie Kinder hatte, zum Teil mit meinen realen Vorstellungen, weil ich vielleicht selber als Stiefmutter schon Kinder habe. Das gibt es ja auch oft aus vorherigen Beziehungen. Stoße ich auf einmal auf ein ganz anderes System. Und der ganz große Unterschied, den wir heute haben im Gegensatz zu früher, ich sage, früher waren zum Beispiel die Eltern universeller einig, was bei der Kindererziehung wichtig ist.

Ich gebe Beispiele, Kinder will man sehen und nicht hören. Solange du deine Füße unter meinem Tisch hast, gilt mein Wort. Es gab Kindertische bei Feiern und Erwachsenentische. Kinder sollten möglichst ruhig sein. Abends, wenn der Vater nach Hause kam, musste sie ihn mit adrett gekämmten Haaren und gewaschenen Händen begrüßen. Also so diese Vorstellung, die wir alle noch kennen, wie bis vor gar nicht langer Zeit Familie gelebt wurde. Heute ist das ganz anders.

Also ich unterscheide jetzt mal ganz krass zwischen den Latte Macchiato Müttern in Berlin Mitte, die mit ihren Kindern ins Restaurant gehen, die überall herumlaufen. Und den Landmüttern, die vielleicht noch wirklich den Kindertisch bei einer Feier haben. Wenn ich jetzt eine Landmutter bin und denke, Kinder müssen ordentlich gekleidet sein und müssen schweigen, wenn die Erwachsenen reden. Und ich komme mit einem Mann zusammen, dessen Exfrau eine Latte Macchiato Mutter ist, dann prallen einfach zwei Welten aufeinander. Und das ist, glaube ich, die große Herausforderung, vor der ganz viele Stiefmütter stehen. Dass sie einfach mit einer anderen Welt konfrontiert werden, in der sie auch wenig Einflussmöglichkeiten haben, wenig Prägungsmöglichkeiten. Und in der sie dann stehen müssen, mit der sie sich arrangieren müssen, bei der sie Brücken bauen müssen zwischen ihrer eigenen Welt und der Welt der anderen Familie. #00:07:59-5#

PETER: Ja, das finde ich wirklich, da prallen wirklich zwei Welt aufeinander. Ich finde diese Begriffe, Latte Macchiato Mütter, habe ich jetzt noch nie gehört, aber finde ich sehr schön. #00:08:10-7#

SUSANNE: Ja, ich glaube, wer schon mal in Berlin Mitte in einem dieser Cafés war, wo man es wirklich erlebt, dass Kinder wild herumtollen, alle möglichen anderen Gespräche mit anderen Erwachsenen an anderen Tischen anfangen. Ob es diesen anderen Erwachsenen passt oder nicht. Und die Mütter, für die ist es dort selbstverständlich, das ist auch keine Kritik, das ist einfach ein ganz anderer Erziehungsstil. Diese Mütter würden wahrscheinlich denken, wie kann man ein Kind so gängeln, wenn sie aufs Land kommen und dort sehen, dass es anders läuft. #00:08:48-4#

PETER: Ja, genau. #00:08:48-9#

SUSANNE: Das heißt nicht, dass ein Erziehungsmodell besser oder schlechter ist als das andere, es sind nur grundlegen verschiedene Einstellungen. #00:08:54-9#

PETER: Du hast ja jetzt von Berufswegen und auch von deinem Blog her mit Stiefmüttern und Stiefvätern zu tun. #00:09:00-4#

SUSANNE: Sehr viele, ja. #00:09:01-3#

PETER: Ja, genau. Hast du mal oder kannst du uns zwei, drei Erfahrungen mitgeben, wie gehen die Mütter und die Väter damit um, mit dieser Situation, wo sie so konfrontiert werden, wo zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinander prallen? Gibt es da irgendwie einen Trick, einen Tipp? #00:09:25-3#

SUSANNE: Also es gibt nicht den einen generellen Tipp. Also ich kann immer nur wieder sehen bei den vielen, vielen Geschichten, die ich so höre, dass es ganz wichtig ist, dass man versucht, die andere Seite zu verstehen. Also die Stiefmutter versucht, die Position der Mutter zu verstehen und umgekehrt auch, dass die Mutter nicht sagt; tja wieso, die neue Frau von meinem Ex ist mir völlig egal, die gehört nicht zur Familie dazu, die ist außen vor, das interessiert mich nicht. Weil, das stimmt ja nicht. In dem Moment, wo ich mich als Paar trenne und sowohl die Mutter als auch der Vater wieder einen neuen Partner haben, ist das eben nicht egal, was die neue Partnerin oder als Mutter mein neuer Partner sagt. Die gehören für die Kinder durchaus mit dazu, das Kind verbringt ja Wochenenden oder Ferien oder vielleicht ganze Wochen mit dieser neuen Frau.

Und sie sollte mir darum nicht egal sein. Also selbst, wenn es natürlich eigentlich für uns als Menschen seltsam ist, mit einem Expartner meiner neuen Liebe ständigen Kontakt zu pflegen, das kommt ja in einer normalen Beziehung nicht vor. Welcher Mann sitzt denn irgendwie fast jeden Tag am Telefon mit seiner Exfreundin. Da würde ich als neue Frau sagen; du pass mal auf, leg auf, ne, die oder ich. Die Ebene ist aber natürlich eine ganz andere, wenn es um Elternschaft geht. #00:10:58-9#

PETER: Ja, das stimmt. #00:11:00-9#

SUSANNE: Und damit muss ich lernen zu leben und beide Seiten. Und das ist oft das Schwierige, weil oft die eine Seite irgendwie; ja wieso, die ist neu oder der ist neu, interessiert mich doch gar nicht. Aber doch, sie sind beide, beide Paare sind jetzt für die Kinder da. Und man kann es ja als Vorteil sehen. #00:11:22-0#

PETER: Ja, ich denke, die eine Seite ist ja die Seite der Eltern beziehungsweise der Erwachsenen und dann gibt es ja noch die Seite der Kinder, oder? #00:11:32-1#

SUSANNE: Ja. #00:11:32-8#

PETER: Jetzt werde ich da praktisch als / Ich komme da neu in eine Familie, und je nachdem, wie alt die Kinder sind, kann es einfacher sein und auch schwieriger sein, dass sich das integriert alles. Wie geht man mit dem um, wenn man spürt, dass die Kinder einen nicht so, ja, nicht so möchten, wollen? #00:11:53-0#

SUSANNE: Nicht mögen. #00:11:53-3#

PETER: Ja oder nicht mögen. #00:11:53-9#

SUSANNE: Einen ablehnen, ja das passiert. #00:11:55-0#

PETER: Oder einen ablehnen, ja. #00:11:56-4#

SUSANNE: Ja, das passiert. Also zunächst einmal, ich habe das ja selbst erlebt. Es ist eine ganz schwierige Situation, wenn man auf einmal abgelehnt wird von einem Kind, und zwar auch vehement abgelehnt wird und nicht weiß, was habe ich getan, was habe ich falsch gemacht, habe ich überhaupt was falsch gemacht. Und ich glaube, was bei Stiefeltern ein ganz wichtiger Faktor ist, und das ist völlig egal, ob ich Stiefmutter oder Stiefvater bin, ich muss oft gar nichts falsch machen, um abgelehnt zu werden.

Was ich falsch mache, ist, dass ich der neue Partner an der Seite von Mama oder Papa bin. Weil, die Kinder wollen alle nicht, dass Mama und Papa getrennt sind. Die wollen ja, dass Mama und Papa zusammen sind. Also jeder neue Partner, der fest in das Leben kommt, festigt die Situation der Trennung. Und damit müssen Kinder erst mal umgehen lernen. Also in dem Moment, wo ich als neue Partnerin meines Mannes komme, ist für die Kinder die Situation zementiert, dass Mama und Papa nicht mehr zusammen sind. Umgekehrt genauso, wenn die Mutter einen neuen Partner hat. Auch dann ist es für die Kinder in dem Moment die Situation zementiert, dass Papa nicht mehr zurückkommt oder Mama nicht mehr zurückkommt.

Und das wird den Neuen erst mal in die Schuhe geschoben, ganz unabhängig davon, ob der an der Trennung schuld ist oder Jahre danach kommt. Das ist völlig egal. Und das ist eine Situation, mit der man als Stiefelternteil erst mal zurechtkommen muss. #00:13:45-8#

PETER: Und wie macht man das am Besten? #00:13:49-1#

SUSANNE: Indem man den Kindern zuhört und indem man den Kindern zeigt, pass auf, ich verstehe, dass du es lieber hättest, wenn dein Papa hier wäre oder, wenn deine Mama hier wäre, je nachdem. Aber jetzt bin ich hier und lass uns doch mal gemeinsam gucken, wie wir es gut hinkriegen. Das ist jetzt viel Theorie, ne? Ich weiß, das ist auch nicht so einfach. #00:14:00-5#

PETER: Ja, aber der Ansatz ist gut. #00:14:02-6#

SUSANNE: Aber es ist für mich eigentlich der einzige Ansatz, der funktioniert, weil, ich kann es dem Kind ja nicht vorschreiben. #00:14:06-1#

PETER: Genau. #00:14:05-6#

SUSANNE: Ich kann ja nicht, was weiß ich, das ist ja nicht so etwas, wie, du ziehst jetzt aber Schuhe an, wenn du raus gehst. Oder, du putzt dir jetzt noch mal deine Zähne, bevor du ins Bett gehst oder so. Das ist ja eine ganz emotionale Sache. Und Mama und Papa werden von den Kindern geliebt, einfach so, ohne, dass sie was tun.

Die habe ich lieb, weil sie meine Mama und mein Papa sind. Und die Neue oder der Neue, muss sich so eine Art von Liebe erst mal, wenn es überhaupt zu einer Liebe kommt, ich sage immer, sei froh, wenn ihr euch gut versteht, ihr müsst euch nicht lieben. Aber dafür muss man was tun, das ist, wie in einer normalen Beziehung oder in der Nachbarschaft. #00:14:59-0#

PETER: Du hast vorhin gesagt, du warst selber betroffen. Wie hast du das für dich selber gelöst? Also wie hast du das gemeistert für dich? #00:15:08-0#

SUSANNE: Ich habe nicht den Konflikt gelöst, der ist nach wie vor da, es ist nach wie vor so, dass ein Kind nicht mehr mit uns Kontakt hat. Was ich aber für mich gelöst habe und auch mein Mann für sich lösen musste, war, dass ich das von mir entfernt sehen kann. Dass ich sehen kann, dass das mit mir als Person eigentlich wenig zu tun hat.

Es hat mehr mit mir in meiner Rolle als neue Frau ihres Vaters zu tun. Und da gibt es für Kinder ganz oft sehr große Loyalitätskonflikte. Und das ist nicht einfach für Kinder und ich werfe ihr das auch nicht vor, dazu braucht es allerdings, gebe ich ganz ehrlich zu, auch etwas Zeit. In dem Moment, wo so ein Kontaktabbruch passiert oder der ist ja meistens nicht mit einem liebevollen Gruß verbunden, sondern meistens mit einem handfesten Krach, ist man natürlich emotional aufgewühlt und denkt; das ist ja eine Frechheit, was ist denn das jetzt, das gibt es doch gar nicht, ich habe doch gar nichts gesagt.

Was man sich so in einem normalen Streit dann irgendwie so denkt oder was einfach vor einem steht. Und mit Abstand merkt man dann, dass es etwas ist, worauf ich auch gar keinen Einfluss habe. Es gäbe ja für mich auch gar keinen Weg mehr, einen Kontakt herzustellen, wie soll ich das machen. Und das muss man akzeptieren lernen und dann kann man damit auch leben lernen. Was die andere Seite ist, die man dann noch dazu hat, also bei mir als Stiefmutter war es jetzt, dass ich also mit dem Vater zusammen bin. Man hat dann einen Partner an seiner Seite, der sieht, dass es ein riesen Problem gibt und auch nicht weiß, wie er es lösen soll. Und dann muss man innerhalb der Beziehung schauen, dass man sich nicht gegenseitig dafür verantwortlich macht. #00:17:12-2#

PETER: Das finde ich noch spannend, ja, weil, ich kann mir vorstellen, dass es auch sehr belastend sein kann für eine Beziehung. #00:17:19-8#

SUSANNE: Natürlich. Natürlich, das ist, also bei uns war es damals so, dass dieser Kontaktabbruch im Prinzip direkt nach unserer Verlobung kam. Und es war dann noch von dem Moment an bis zu unserer Hochzeit ein gutes halbes Jahr. Und in diesem halben Jahr sind bei uns auch zum Teil die Fetzen geflogen. Weil, bis man so eine Situation annehmen kann, bis man damit leben kann, das dauert. Und für den Vater ist das natürlich ein viel größerer Schmerz als für mich.

Für mich war es einfach nur diese, ich sage jetzt mal banal, diese Verletzung durch ungerechtfertigte Vorwürfe. So habe ich es empfunden. Für meinen Mann war es der Verlust eines Kindes. Das ist eine ganz andere Dimension, das ist ein ganz anderer Schmerz, den er empfunden hat. Das ist bis heute ein Messer in seinem Herzen. Und, wenn ich irgendwas sagte dazu, dann habe ich an diesem Messer rumgerührt, ne.

Da habe ich Salz in die Wunde gestreut und egal, was ich sagte, ich habe seinen Schmerz verstärkt. Er hat wiederum nicht verstanden, dass ich so gar nichts (unv.) #00:18:32-2#. Man macht sich gegenseitig Vorwürfe, ganz einfach. Und man macht sich stumm, man macht sie ausgesprochen, das ist ganz unterschiedlich. Aber ich glaube, dass man sich immer gegenseitig Vorwürfe macht. Und bei uns war es damals so, dass ich mir ein paar Mal überlegt habe, soll ich eigentlich wirklich heiraten oder ist das irgendwie ein Signal, dass ich mir das alles noch mal sehr gut überlegen sollte. #00:18:55-0#

PETER: Und du hast dann doch geheiratet. #00:18:57-8#

SUSANNE: Ja. #00:19:00-3#

PETER: Ja, nein, also ich finde es spannend, weil, es geht ja immer darum, dass diese Situationen oder das ist wirklich eine Herausforderung, vor der man da steht. Und wie geht man damit um? Und ich finde, diese Strategie, die du da erwähnt hast, dem Kind gegenüber, aber, glaube ich, auch dem Partner gegenüber, dieses sich so ein bisschen aus der Szenerie rausnehmen. Also so eine Metaebene einzunehmen, wenn man das schafft, kann glaube ich, sehr hilfreich sein. #00:19:28-6#

SUSANNE: Also für mich war es wirklich das Einzige, wovon ich gemerkt habe, es hilft. Ich habe natürlich am Anfang versucht, ich weiß nicht, Briefe zu schreiben, eine E-Mail zu schreiben, mit ihr zu telefonieren, also diese normalen Sachen, die man macht. Das hat gar nichts gebracht, das hätte ich mir sparen können, gut, aber das weiß man ja erst hinterher, was man sich sparen kann. Und ich habe gemerkt, mich selbst davon zu entfernen, ja, du sagst Metaebene, das trifft es wahrscheinlich.

Also zu sehen, dass ich mir keinen Vorwurf machen muss. Wenn, muss sie mir einen Vorwurf machen, einen konkreten, und dann kann ich darauf reagieren. Aber ich kann mir jetzt nicht alle Vorwürfe dieser Welt selber machen und gucken, trifft der zu oder trifft der nicht zu. Weil, ich weiß ja im Prinzip bis heute gar nicht, was sie mir vorwirft. Es gab ja nie eine Erklärung für den Kontaktabbruch. Und dann muss ich das so akzeptieren und so ist das für mich. Aber das ist jetzt natürlich nicht ein allgemeines Stiefmutterproblem, mit dem jede Stiefmutter irgendwann mal zu tun haben wird.

Das ist jetzt bei uns so, es gibt Beziehungen, wo es kaum Probleme gibt, es gibt Beziehungen, wo es viel, viel größere Probleme gibt. Aber ich glaube, was bei allen Stiefmüttern oder auch Stiefväter dann dazu kommt, ist dieses sich immer wieder hinterfragen; hat das eigentlich wirklich mit mir zu tun oder geht es da eigentlich um was ganz anderes. #00:21:03-3#

PETER: Und was ist deine Erfahrung so, die du machst mit anderen Müttern und Vätern? Wo ist da der größere Anteil? Oder gibt es das überhaupt? Oder ist das gleichwertig? #00:21:22-0#

SUSANNE: Also ich glaube, das ist echt tatsächlich überall unterschiedlich. Was ich aber sehe, ist, dass es ganz offensichtlich unglaublich schwer ist, aus seiner eigenen Kinderperspektive herauszukommen. Ich habe jetzt gerade ein aktuelles Beispiel. Eine Frau, die ist selbst Stiefmutter, die hat es selbst nicht leicht, man sollte doch denken, dass sie Verständnis für eine Stiefmutter hat. Nein. Sie wirft ihrer eigenen Stiefmutter im Prinzip alles vor, was ihr eigenes Stiefkind ihr auch vorwirft.

Was sie bei ihrem eigenen Stiefkind aber als völlig unberechtigt abtut, was sie bei ihrer Stiefmutter mit erklären wollte. Aber die hat jetzt das gemacht, die hat jetzt das, die hat jetzt das gemacht. Also es fehlt dieser Blick, bei den eigenen Eltern fehlt einfach dieser Blick, das sind auch nur Menschen. Weil, meine eigenen Eltern sind immer meine Eltern. Und genauso, wie ich für meine Eltern immer das Kind bleibe, bleiben meine Eltern für mich immer auch irgendwie, alle Sachen, die aus der Jugend passiert sind oder aus meiner Kinderzeit, habe ich im Rucksack mit im Gepäck.

Wie es doch immer so war und mein Vater war doch immer so und so und der hat doch immer das und das gemacht. Also ist er so. Und jetzt kommt eine neue Frau und mein Vater macht Dinge anders und dann gestehe ich ihm nicht zu, dass er das vielleicht anders macht, weil er auf einmal sieht; hey, das gefällt mir so viel besser. Sondern ich denke, das hat diese neue Frau ihm jetzt eingeredet. Also es ist schwierig, zwischen diesen unterschiedlichen Ebenen zu wechseln. #00:23:07-9#

PETER: Also was ich da so raus höre, ist einfach, dass da recht viel so Schuldzuweisungen in alle Richtungen passieren? #00:23:14-0#

SUSANNE: Ja, in alle Richtungen. Es hat jeder mal Schuld. Also, wenn es ein Problem gibt in einer Stieffamilie, dann wird dieser Schwarze Peter sozusagen rundum geschoben. Dann ist mal, also als Erstes sind immer die Außenstehenden schuld. Darum trifft es meistens als Erstes die Stiefmutter, weil, bevor ich die Schuld bei mir suche, gucke ich ja erst mal auf den anderen. Und die Stiefmutter ist neu im System und gehört auch nicht zu dem ureigenen Kern, Papa, Mama, Kind, dazu.

Also ist sie die Schuldige. Gut. Umgekehrt genauso. Für die Stiefmutter ist nicht als Erstes das Kind oder ihr eigener Partner der Schuldige, sondern ist als Erstes die Exfrau die Schuldige. Also das sind so die ersten Schwarze Peter Reihumgänge, die so passieren. Man schiebt als Stiefmutter, erst mal ist die böse Ex, die ist ja völlig daneben, wie die sich verhält, so geht das doch gar nicht. Umgekehrt ist natürlich die Mutter, also diese neue Frau, da hat er sich aber eine an Land gezogen, meine Güte. Und für die Kinder ist klar, sie sind dann für ihren Papa oder ihre Mama und die jeweils Neuen haben erst mal gar nichts zu sagen. Und irgendwann wendet sich das Blatt, dann irgendwann gibt man auch mal dem Kind die Schuld, irgendwann gibt man auch dem eigenen Partner die Schuld.

Als aller Erstes gibt man meistens sich selbst die Schuld. Also der Schwarze Peter wird in solchen Familien wirklich immer reihum gereicht und das ist normal. Also das ist etwas, was man einfach lernen muss, dass es eigentlich überall so ist, dass es mal irgendwie Vorwürfe gibt und dass überall mehrere Schuldige zur Verfügung stehen. #00:24:54-9#

PETER: Hast du beim ersten Mal, als du Stiefmutter geworden bist, dich angefangen irgendwo zu informieren? Also wie geht es anderen? Oder gab es Bücher zu dem Thema? #00:25:11-7#

SUSANNE: Das habe ich beim zweiten Mal gemacht. Das habe ich gemacht, als der Kontaktabbruch war. Also als ich das erste Mal Stiefmutter war in dieser Wechselmodellbeziehung, da habe ich zum Teil gelitten, aber ich bin damals nicht auf die Idee gekommen, irgendwie nach Büchern zu suchen, nach Ratgebern zu suchen oder irgendwie so was. Weil, da habe ich eigentlich immer nur gedacht, ich hätte irgendwie ein Problem und ich habe das als Problem auch in der Partnerschaft gesehen. Damals hatte ich das Problem, dass alles, was ich gesagt habe, völlig egal war. Also mein Leben wurde von einem Kind komplett bestimmt, was nicht meins war.

Und Wechselmodell bedeutet ja, dieses Kind ist eine Woche bei der Mama, eine Woche beim Papa. Es gab zwischen Mama und Papa, bei den beiden einen sehr guten Kontakt. Das war, ich kannte die Mutter sogar eher, als ich meinen Partner dann später kennenlernte. Und ich mochte die Mutter auch, sie mochte mich, das war alles gut, es war alles so, wie man es denkt, Traumvorstellung.

Das Problem war, dass Mama und Papa alles miteinander entschieden haben, und zwar komplett ohne, dass ich in irgendwas involviert wurde. Und das ist etwas, was weiß ich, wir hatten verabredet, am Freitag gehen wir auf eine Feier. Dann ruft die Mutter an und fragt den Papa; du, kannst du vielleicht am Freitag sie schon eher nehmen, weil, ich … Ja, ja, kein Problem. Also es wurde nicht mit mir Rücksprache gehalten; sag mal, ist das okay, wenn das Kind schon am Freitag kommt.

Es wurde einfach nur zwischen den Eltern besprochen. Und das war für mich nach einigen Jahren so, dass ich gesagt habe, das geht so nicht mehr. Das ist eine Problematik, die in meiner jetzigen Beziehung überhaupt gar nicht da ist. Da gibt es das nicht. Insofern, es gibt kein Allgemeingültiges und ich bin die gleiche Frau. #00:27:17-6#

PETER: Okay. Also, das heißt, gab es kein Buch, was dir geholfen hat oder war das der Grund, warum du selber ein Buch geschrieben hast? #00:27:25-4#

SUSANNE: Das war der Grund, warum ich selbst ein Buch geschrieben habe. Ich habe dann / In meiner ersten Beziehung habe ich gar nicht erst danach gesucht, weil es mehr um Partnerschaft ging. Und in meiner zweiten Beziehung habe ich dann geguckt; ja, wie geht man mit so was um; und festgestellt, da gibt es nichts. Und dann habe ich recherchiert.

Dann habe ich, das weiß ich noch, ich habe nach diesem Kontaktabbruch eine Anzeige aufgegeben, hier in einer lokalen Tageszeitung. Und habe eine Anzeige aufgegeben, dass ich nach anderen Stiefmüttern suchen würde für einen Kontaktaustausch. Und habe keine Chiffre, ich glaube, ich habe eine E-Mail-Adresse genannt. Und die Anzeige erschien an einem Samstag und ich habe die Anzeige gelesen in der Tageszeitung und gedacht; ach Mensch, die haben die falsche Endung rangemacht. Also meine E-Mail-Adresse endete auf .net und die hatten in der Zeitung .de gedruckt. #00:28:31-6#

PETER: Alles klar. #00:28:32-3#

SUSANNE: So, habe ich natürlich nicht auch nur mit einer einzigen Zuschrift gerechnet. Fehler. Ich habe sechs E-Mails bekommen von Frauen, die gesagt haben; ja, meine erste E-Mail ist zurückgekommen und dann habe ich mal recherchiert und bis ich deine richtige E-Mail hatte. Ich habe mal alle möglichen Endungen geschrieben und so.

Und dann habe ich mir gedacht; oh, da muss aber ein großes Problembewusstsein sein oder ein großer Drang danach, sich auszutauschen. Weil, wenn ich versuche, die richtig E-Mail-Adresse heraus zu bekommen, wenn ich eine Rücksendung bekomme, weil die E-Mail-Adresse falsch war, dann muss ich einen Druck haben. Und so war das auch. Ich habe mir diesen Frauen gesprochen, ich habe mittlerweile mit über 1000 Frauen, glaube ich, gesprochen. Und die waren alle so, dass sie sagten; Mensch, als ich Ihre Anzeige gelesen habe, das hat getriggert, das hat richtig getriggert bei mir, weil, da stand alles vor mir und es gibt ja sonst niemanden, mit dem ich darüber reden kann. #00:29:37-0#

PETER: Das heißt, da hast du so ein richtiges Tabuthema erwischt. #00:29:41-6#

SUSANNE: Das Gefühl hatte ich damals, ja. #00:29:42-8#

PETER: War das auch der Grund, warum du deinen Blog gestartet hast? #00:29:45-5#

SUSANNE: Ja. Also es war erst mal der Grund, warum ich das Buch geschrieben habe. Und dann, als das Buch schon fertig war, aber bis so ein Buch fertig ist und bis es dann gedruckt wird, das war damals ein großer Verlag, Random House, da dauert alles unglaublich lange.

Da hatte ich noch so viel Material und habe gedacht; ach Mensch, dann fange ich mal mit einem Blog an, kann ja so. Dann habe ich da irgendwie, mache da was rein. Und dieser Blog ist mittlerweile wirklich groß geworden, womit ich auch gar nicht gerechnet hätte. Der hat ein ganz eigenes Leben aufgenommen. Und da kann ich wirklich alle Bereiche dieser Probleme mittlerweile einsehen und sehe auch, dass das / Auf dem Blog habe ich so viele Geschichten gehört, mir schreiben so viele Frauen.

Ich habe da jetzt ein eigenes Forum eingerichtet, wo die Frauen selber was schreiben können, dass das nicht alles über mich gehen muss. Und was man da liest, da merkt man, das ist für viele ein Ventil. Ich kann es raus lassen, ich kann endlich mal sagen, wie ich mich fühle, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Denn das haben wir fast alle, wir Stiefmütter. Wir haben ja ein schlechtes Gewissen, wenn es nicht 100%ig und wie wir uns das dann in unserer Illusion vorgestellt haben. #00:31:02-6#

PETER: Ja, man steckt da auch in so einem Dilemma. Einerseits hat man den Partner, den man liebt oder in den man sich verliebt hat. Und dann hat der Partner ein Kind und eventuell wird man abgelehnt oder es gibt irgendwelche anderen Schwierigkeit. Und man ist wie hin und her gerissen, oder? #00:31:19-9#

SUSANNE: Ja. Es ist, wir stellen uns das nicht so schwierig vor vorher. Das höre ich von fast allen Frauen, die gedacht haben; ja, ich habe gedacht, das ist ein Kind, das wird doch nicht, ich habe selber ein Kind oder ich wollte immer Kinder oder ich mag Kinder; je nachdem. Was für eine Dynamik da sich entwickeln kann, das ahnt man nicht. Und die kann man auch nicht vorhersagen.

Genauso wenig, wenn man sich kennenlernt, denken doch alle, wenn sie heiraten, ja, wir bleiben bis ans Ende zusammen. Kann man vorhersagen, wenn sie sich trennen, wie wird die Trennung. Weiß man vorher, ob das schmutzig, dreckig, blutig wird oder ob sich eigentlich zwei Menschen sagen; Mensch ist traurig, wir haben es nicht geschafft, aber es ist besser, wir trennen uns. Das weiß man nicht. Und genauso wenig weiß man als Stiefmutter, wird das zwar anstrengend, aber eigentlich okay oder wird das richtig deftig. #00:32:21-0#

PETER: Hättest du noch als Abschluss so einen Hinweis oder einen Tipp für Paare, die frisch zusammenkommen, wo es klar ist, da wird einer die Stiefmutter oder der Stiefvater sein? #00:32:35-3#

SUSANNE: Häng dich nicht zu sehr rein. Also das ist wirklich aufgrund meiner eigenen Erfahrung und auch aufgrund all der Sachen, die ich so lese oder höre und geschrieben bekomme. Mache dir seine Sache nicht zu deiner Sache. Also es ist, eigentlich der Kernsatz ist; du bist nicht die Mutter. Und es gibt eine Ausnahme, das ist die Stiefmutter, die relativ kleine Kinder bekommt, ich sage jetzt mal, so zwischen Baby und zwei, drei Jahre, die beim Vater fest leben und wo der Kontakt zu der Mutter wirklich nicht gegeben ist oder kaum gegeben ist oder so.

Das ist wirklich was anderes, da werde ich die Mutter. Das ist für mich so ähnlich wie eine Adoptivmutter, also da werde ich einfach die Mutter. Auch für das Kind. Aber ansonsten, gerade, wenn Kinder schon älter sind und, wenn es einen wirklichen Kontakt zur Mutter gibt oder die Kinder bei der Mutter leben, die Kinder haben eine Mutter und die wollen keine zweite Mutter. Und ich kann mich einbringen, ich sollte mich nicht verbiegen, ich sollte nicht immer Sachen gegen meine inneren Bedürfnisse machen oder gegen meine eigenen Vorstellungen angehen. Aber ich sollte nicht versuchen, seine Probleme zu lösen. #00:33:58-6#

PETER: Ja, danke. Ich möchte das eigentlich so als Schlusssatz stehen lassen. Ich möchte mich auf jeden Fall bei dir bedanken, dass du uns da so einen Einblick gegeben hast in diese Welt der Stiefmütter und Stiefväter. Und ich möchte auch unbedingt deinen Blog empfehlen, weil, der ist wirklich sehr, sehr gut und auch die Kommentare, die man drin liest. Also man merkt, dass es die Leute berührt und dass es da einen großen Bedarf gibt, darüber zu reden. Dass es eben nicht so einfach ist Stiefmutter oder Stiefvater zu sein. #00:34:36-6#

SUSANNE: Was ich immer feststelle, es gibt in der Gesellschaft ja ansonsten kaum einen Anlaufpunkt. Wo soll ich denn hingehen, wenn ich meine / Wenn ich selber Kinder habe, gehe ich, ich sage mal, auf den Spielplatz und sehe dort andere Frauen, dann kann ich davon ausgehen, das sind Mütter. Aber wie erkenne ich eine Stiefmutter? Das ist ihr ja nicht auf die Stirn gebrannt oder so. Und da einen Austausch zu finden, da jemanden zu finden, der in einer ähnlichen Situation ist und der vielleicht Verständnis für meine Probleme hat, vielleicht auch mal meinen Kopf gerade rückt, weil ich mich gerade in irgendwas viel zu sehr rein steigere.

Das ist schon schwieriger und ich merke, dass eigentlich fast alle E-Mails von Erstlesern, die ich bekomme, fangen mit dem Satz an; ich bin so glücklich, dieses Forum hier gefunden zu haben. Das ist eigentlich traurig, dass es in unserer Welt heute nicht viel, viel normaler ist, dass Stiefeltern genauso über ihre Probleme oder ihre Freuden oder ihre familiären Angelegenheiten sprechen können, wie Eltern. #00:35:35-5#

PETER: Darum finde ich das wirklich sehr schön, was du da machst. Und möchte eigentlich alle Hörern empfehlen, sich diesen Blog anzuschauen, Stiefmutter Blog. Auch, wenn man keine Stiefmutter oder Stiefvater ist, ist es wirklich sehr spannend. Und ich wünsche dir, ja, alles Gute. #00:35:52-2#

SUSANNE: Dankeschön. #00:35:53-6#

PETER: Und vielen Dank für deinen Einblick in diesen Bereich. Ich fand es sehr, sehr spannend. #00:36:03-1#

SUSANNE: Danke und ich finde es toll, dass du Podcasts machst, wo man reinhören kann und in eine fremde Welt reinhören kann. Ich finde das persönlich sehr, sehr spannend, weil man bekommt sonst nicht so einen intimen Einblick. #00:36:15-3#

PETER: Genau, das ist so. Das ist immer die Frage, ist es bei anderen auch so. Und oft ist es dann / #00:36:22-0#

SUSANNE: Und oft; nein bei uns ist alles super, alles super. #00:36:25-6#

PETER: Genau. Also gut. #00:36:29-1#

SUSANNE: Gut. Einen schönen Tag noch. #00:36:31-6#

PETER: Danke. Tschau Susanne. #00:36:31-6#

SUSANNE: Tschüss.

Sylvia Schodruch: Scheidungsanwältin die Menschen verbindet [020]

Sylvia Schodruch

Also, jeder hat eigene Vorstellungen und vielleicht auch Erwartungen, aber alles klappt, wenn man spricht, oder nichts kann klappen, wenn man nicht spricht.

Sylvia erzählt im Interview:

  • Ich habe so eine Vorstellung von Kindern gehabt, wie: Ich wollte nicht alleine sein. Und mir war wichtig, dass ich das, was ich im Leben gelernt habe, unbedingt weitergeben kann.
  • Ich habe bis kurz vor der Entbindung gearbeitet. Ich glaube, bis eine Woche vorher. Und zwei Wochen später bin ich schon wie ein Känguru mit einem Säckchen vor dem Bauch wieder im Büro gewesen.
  • Durch die Geburt und die ganz tollen Gefühle, die man danach hatte, konnte ich plötzlich zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden.
  • Die Leute sagten immer zu mir: “Ja, ich kann verstehen, dass du nicht heiratest, schliesslich hast du den ganzen Tag mit Scheidungen zu tun.“
  • Ich bin ja immer als selbständige Rechtsanwältin tätig gewesen, aber definiert habe ich mich irgendwie über Haus und Kind.
  • Jeder hat eigene Vorstellungen und vielleicht auch Erwartungen wie man als Paar sein soll, aber alles klappt, wenn man spricht, oder nichts kann klappen, wenn man nicht spricht.

 

Aber jetzt endlich zum Podcast!


Sylvia Schodruch: Scheidungsanwältin die Menschen verbindet [020] jetzt hören

Diesen Podcast abonnieren:


Shownotes:

Wer sich getrennt hat und Beratung braucht, die ganzheitlich ist und nachhaltig, mit Humor und authentisch – ich hatte das alles selbst und das war NICHT schön;-), der ist bei mir genau richtig.

Ich hole jeden genau da ab, wo er steht. Trennungskinder werden mit meiner Mitwirkung glückliche Trennungskinder – garantiert!

Teilen Sie das Vermögen lieber untereinander auf, anstatt es für sinnlose Streitigkeiten in Anwälte zu investieren; das was gut war, können Sie bewahren – ganz einfach – versprochen!

Ich bin bundesweit tätig und reise gern.

Kennenlerngespräch ohne juristische Beratung kostenlos!

https://www.facebook.com/Schodruch.Sylvia.Recht.Hennef/

Fordern Sie gerne mein neues Ebook an!

 

ParagraphenSylvia auf YOUTUBE https://www.youtube.com/watch?v=9k7f11F89b8

Die ganzheitliche Familienanwältin mit Mehrwert!

Meine Bewertungen: https://www.facebook.com/Schodruch.Sylvia.Recht.Hennef/reviews

Sylvia Schodruch

Kurhausstr.38

53773 Hennef

Telefon 02242 82481

Täglich frische Inspirationen auf https://www.facebook.com/Schodruch.Sylvia.Recht.Hennef


Sylvias Buchtipp:

Stark und Alleinerziehend


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Mein heutiger Interviewgast bei Elternpodcast ist Sylvia aus Hennef. Hallo Sylvia. #00:00:19-3#

SYLVIA: Hallo, lieber Peter. #00:00:23-0#

PETER: Liebe Sylvia, erzähle uns doch erst mal, wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast. #00:00:39-2#

SYLVIA: Also, zunächst mal ganz, ganz herzlichen Dank für die Einladung. Wer bin ich? Ja, ich bin die Paragraphen-Sylvia aus Hennef. Eine alleinerziehende ganzheitliche Familienanwältin aus Hennef. Ich habe ein Wunschkind vor 22 Jahren bekommen, und das ist vor eineinhalb Jahren ausgezogen. #00:01:06-5#

PETER: Das heißt, es hat sich vor 22 Jahren etwas verändert, und jetzt auch, glaube ich, oder? #00:01:11-0#

SYLVIA: Ja. Total. Ich hatte mich die 21 Jahre, oder 21,5 Jahre über Haus und Kind definiert, und innerhalb von drei Monaten habe ich einen schnellen Wechsel gemacht, weil Kind gefragt hat: „Mama, es macht dir doch nichts, wenn ich ausziehe?“ Und ich so: (Schreckenslaut) „Nein, überhaupt nicht.“ Ja, dann wurde ich dann gefragt: „Warum heulst du dann?“ – „Ach,“ ich sage, „ist alles gut.“ Und, ja, und dann / Er wollte ausziehen, dann habe ich gesagt: „Gut, es macht dir doch nichts aus, wenn ich das Haus verkaufe?“ – „Wie jetzt?“ Und, ja. (lacht)

Aber wir haben uns dann geeinigt, dass das für mich alleine zu groß ist. Und dann ist er gegangen und hat keine Wohnung gefunden. Dann habe ich ihn mit seiner Freundin mit hier in meine neue Traumwohnung genommen. Aber nach drei Monaten ist es dann auch so gewesen, dass ich in der Wohnung wirklich alleine war. Und dann bin ich in ein ganz tiefes Loch gefallen. #00:02:07-1#

PETER: Okay. Ich komme später noch mal darauf zurück. Was mich noch interessieren würde: Was hat sich damals für dich verändert, als, wie ich es verstanden habe, dein Sohn auf die Welt kam, was, ja, was war dann / #00:02:20-2#

SYLVIA: Ja? #00:02:19-4#

PETER: Was war dann plötzlich anders? #00:02:25-5#

SYLVIA: Also, ich habe (lacht) so eine Vorstellung von Kindern gehabt, wie: Ich mache mich da jetzt ein bisschen lächerlich, aber es ist tatsächlich so. Ich wollte nicht alleine sein. Und mir war wichtig, dass ich das, was ich im Leben gelernt habe, wollte ich unbedingt weitergeben, weil ich irgendwo dachte: Das muss ich / Warum habe ich das jetzt alles gelernt? Ich möchte es gerne weitergeben.

Natürlich so im Nachhinein betrachtet habe ich gedacht: Um Gottes Willen, was hatte ich bis dahin denn gelernt eigentlich, was ich weitergeben wollte mit 33? Aber nun, man bekommt ja jeden Tag eine neue Chance, ne? (lacht) Und ja, das hat sich dann, hm, man ist dann drin im Betrieb. Baby war dann da, Sonne ging auf, und, ja, dann ging es weiter. Also, es hat sich nicht wirklich was verändert, außer dass ich nicht mehr alleine war. #00:03:32-2#

PETER: Und hast du dann / warst du vorher berufstätig? Hast du gearbeitet, und wie war das dann hinterher? #00:03:38-3#

SYLVIA: Also, ich bin mit dem dicken Bauch bis kurz / Ich bin schon damals selbständige Rechtsanwältin gewesen, habe meinen Papa so aus der Rente wieder zurück geholt, mit dem hatte ich zwar pro forma die Sozietät, aber gearbeitet hat er nicht mehr wirklich, weil er auch vorher im Parlament schon gewesen war, und dann nur noch so eine Mutterschaftsvertretung für mich gemacht hat. Also, ich habe bis kurz vor der Entbindung gearbeitet. Ich glaube, bis eine Woche vorher. Und zwei Wochen später bin ich schon wie ein Känguru mit einem Säckchen vor dem Bauch wieder im Büro gewesen. #00:04:05-5#

PETER: Das heißt, du hast dann nach der Geburt praktisch gleich weitergearbeitet? #00:04:09-2#

SYLVIA: Richtig. Ich habe ungefähr ein Jahr gestillt und hatte das Kind überall mit hin. Und habe dann das wunderbare, ja, das richtige Wunder genießen dürfen, dass ich ungefähr für die gleiche Arbeit nur noch die Hälfte der Zeit brauchte. #00:04:34-5#

PETER: Ah ja. Wie ist das passiert? (lacht) #00:04:36-8#

SYLVIA: Das ist passiert durch die Geburt und die ganz tollen Gefühle, die man danach hatte, und dass ich plötzlich zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden konnte. #00:04:52-0#

PETER: Ah ja, spannend. #00:04:54-0#

SYLVIA: Meine Schriftsätze waren um die Hälfte kürzer, es war auf einmal alles auf den Punkt gebracht. Also, es war wirklich / Ich habe innerhalb von einem Monat oder so, wenn ich mir die Akten im Nachhinein angeguckt habe, habe ich gedacht: Meine Fresse, was hast du eigentlich vorher gemacht? (lacht) #00:05:06-9#

PETER: Interessant. und / #00:05:08-3#

SYLVIA: Ja. #00:05:08-3#

PETER: Und wie war das damals? Also, ich stelle mir das jetzt mal als Anwältin, wenn du dein Kind, dein kleines Kind dabei hast, hat das immer funktioniert? Oder wie / #00:05:18-3#

SYLVIA: Hat wirklich immer funktioniert, denn ich bin Familienanwältin, und ich habe meinen Beruf gelebt. Fertig. #00:05:24-5#

PETER: Ja, stimmt, ja. #00:05:26-3#

SYLVIA: Also, es waren ja auch viele Leute, die gesagt haben: „Ja, ja, kann ich verstehen, dass du nicht heiratest, weil, ich meine, du hast den ganzen Tag mit Scheidungen zu tun.“ Ja, das war auch so. Mhm (bejahend). #00:05:38-5#

PETER: Okay. Und wie haben deine Kollegen, deine Anwaltskollegen, oder auch die, ich sage jetzt mal, auch die Richter reagiert? #00:05:48-9#

SYLVIA: Also, durchweg positiv. Und wenn nicht positiv, dann kann ich mich da heute nicht mehr daran erinnern. Verdrängt. #00:05:58-2#

PETER: Okay. (lacht) Auch nicht schlecht, ja. Was war für dich im Nachhinein so die größte Herausforderung, die du gehabt hast? #00:06:07-2#

SYLVIA: Wirklich immer alles alleine zu machen. Ich habe zwar ein Zauber-Wunschkind gekriegt, aber war damit dann immer alleine. Ich konnte ihn gelegentlich mal bei meinen Eltern parken, aber eher doch nicht. Und dann war das einer, der von Anfang an nur gefahren hat / Gefahren hat. Ja, super. Geschlafen hat, wenn irgendwas gefahren ist. Also, völlig egal, ob Kinderwagen oder Auto. Dann ging schlafen. Und auch brav von Anfang an nachts durch. Alles wunderbar. Aber tagsüber war er ständig hellwach und aufmerksam. Es sei denn, irgendetwas fuhr. #00:06:56-8#

PETER: Okay. Wie hast du das für dich damals gelöst, also diese, ich sage mal, dieses permanent alleine, die Verantwortung zu tragen? Und auch so mit dem Wissen: Ja, das bleibt so? #00:07:12-2#

SYLVIA: Also, ich hatte damit nicht wirklich ein Problem. Ich habe im zweiten Lebensjahr für eine Weile eine Kindesmammi gehabt, weil ich da auch mich überschätzt hatte, was die Annahme von neuen Sachen anging. Und mein Papa war ja dann / hat sich ja dann sanft wieder zurückgezogen. (lacht) Und da hatte ich das Kind dann mal ein Jahr bei einer Tagesmammi, aber ansonsten habe ich das so / habe ich mich da durchgewurstelt. #00:07:48-2#

PETER: Hat dir da etwas dabei geholfen? Also, weil ich stelle mir das jetzt einfach mal vor, wenn man zu zweit ist, dann kann man die Verantwortung ab und zu immer mal abgeben, und es ist nicht so wie so losmachen und für sich selber schauen. Aber als Alleinerziehende ist man da wirklich permanent dran? #00:08:08-8#

SYLVIA: Ja. #00:08:10-4#

PETER: Hattest du da irgendwelche Strategien entwickelt, wie du damit umgehst, oder dass es dir gut geht? #00:08:15-9#

SYLVIA: Nein. Nicht wirklich. Also, ich habe auch, als mein Sohn vier war, ist mein Vater gestorben. Also, da war ich dann definitiv RICHTIG alleine. Da war ich dann im Büro auch noch so, dass / Also, krank gehen ging dann auch nicht mehr, oder Kind ist krank oder so, also, es war organisationstechnisch wirklich eine große Aufgabe. Und worauf ich immer geachtet habe, ist, dass ich wirklich schönen Urlaub mache mit dem Zwerg.

Also, die Urlaube waren immer richtig, richtig toll, und ich habe auch später immer Wohnmobile ausgeliehen, damit ich im Urlaub / Also, angekommen auf dem Campingplatz, Türe aufgemacht, und eine Stunde später kommt das Kind ja dann schon wieder und sagt / Oder, ach, zehn Minuten später: „Wann gibt es Essen? Ich habe einen Freund mitgebracht.“ Also, das war die Lösung, die Superlösung für die Urlaube immer. Also, nichts mit Hotel oder so, sondern Wohnmobil. Und das auch alles alleine. #00:09:23-2#

PETER: Ja, das ist bewundernswert, ja. #00:09:27-1#

SYLVIA: Ja, so im Nachhinein, ja. So aus der Ferne betrachtet, war es tatsächlich nicht so einfach. Aber ich habe es nicht wirklich so wahrgenommen. #00:09:34-9#

PETER: Okay. Welche Fähigkeiten oder Stärken hast du durch dein Mama-Sein neu entwickelt oder entdeckt? #00:09:43-4#

SYLVIA: Ja. Also, dieses / den Fokus auf das Wichtige. Also, fasse dich kurz, und, ja, ich habe einen großen Unterschied, oder sehe ich heute noch wirklich, einen großen Unterschied zwischen Menschen, die Kinder haben, und die, die keine Kinder haben. Das ist einfach / Der Fokus auf dem Ich schmilzt doch sehr. Aber das finde ich total angenehm. Also, jetzt nicht im Sinne von überversorgen oder so, sondern einfach, dass man sich nicht so wichtig nimmt. Denn wir sind ja nicht viel mehr als irgendwie ein Quadrittel von einem Sandkorn, ne? #00:10:22-8#

PETER: Mhm (bejahend). Genau. So wie ich das verstanden habe, hast du dich bewusst entschieden, alleine Mutter zu sein? #00:10:27-5#

SYLVIA: Ja. Ja. #00:10:29-8#

PETER: Und wie hat das Umfeld reagiert? Also, ich meine, ja, ob,jetzt Familie oder Nachbarn oder / #00:10:36-7#

SYLVIA: Also, das ist ganz interessant. Ich habe zwar ganz tief in mir drin so ein Gen oder erziehungstechnisch so: Du musst doch jetzt gefallen, und so macht man das, und so. Oder hatte ich damals. Aber ganz, ganz tief in mir drin habe ich im Grunde genommen immer gemacht, was ich wollte. Also, dieses Bedürfnis und dieses Bestreben, ein Kind zu kriegen, das war da. Und dann habe ich das umgesetzt. #00:11:06-3#

PETER: Das ist natürlich spannend, ja. #00:11:06-8#

SYLVIA: Auch, ja. Nicht gegen den Willen von irgendjemanden. Also, das jetzt nicht. #00:11:18-5#

PETER: Ja, trotzdem kann ich mir vorstellen, dass es da Reaktionen gab, so von Leuten, die sagen: „Ja, “ / Ich weiß nicht, was für Reaktionen da kommen können. Ich kann es mir nur vorstellen, dass da welche kommen. #00:11:27-8#

SYLVIA: Ja, meine Eltern haben sich / Ja was willst du denn machen? Ich meine / Ne? Ist dann eben einfach so. Die waren, also, vorbildlich im Annehmen der Situation, weil das entsprach überhaupt nicht so dem Klischee. Aber ich meine, die hatten vorher schon 33 Jahre Erfahrung mit mir. Das entsprach nie so wirklich dem Klischee, also insofern war das jetzt auch nicht noch ein Wunder obendrauf, sondern, ja, schon / Mein Sohn ist echt eine Bereicherung für unser aller Leben. Muss ich ganz, ganz ehrlich sagen. Jeden Tag. #00:11:59-3#

PETER: Schön. Schön, dass man das so sehen kann. Ja. #00:12:05-4#

SYLVIA: Ja. Absolut. #00:12:07-9#

PETER: Was hast du so nicht erwartet in Bezug auf das Kind? Also, in der Regel macht man sich vorher, vor und während der Schwangerschaft Gedanken und malt sich Dinge aus. Und dann ist das Baby da, und aus meiner Erfahrung wird dann vieles anders, als man es sich vorgestellt hat. #00:12:28-5#

SYLVIA: Ja. #00:12:29-8#

PETER: Wie war das bei dir? #00:12:31-4#

SYLVIA: Also, ich hatte gedacht, irgendwann habe ich dann jemand, der, wenn es Sonntags regnet, Nachmittag vier Stunden mit mir Monopoly spielt. Das ist leider nie eingetroffen. (lacht) Ansonsten, also, diese Erwartungen, ich hatte / Nein, kann ich nicht sagen, konkrete Erwartungen, sondern nur dieses: Immer nicht alleine sein. Das ist wirklich ganz tief in mir drin gewesen. Und ansonsten habe ich / Ja, Machen. Das ist aber auch heute das, was ich meine Mandanten lehre, wenn sie in ein Loch fallen oder wenn irgendeine neue Veränderung da ist, oder eine neue Situation: Einfach weitermachen. #00:13:22-7#

PETER: Und wo / #00:13:24-6#

SYLVIA: Ich habe ja die Fragen oder ein paar vorher gekriegt und mir Gedanken gemacht. Ich wüsste nicht wirklich, und das ist aber auch ganz, ganz wichtig im Leben, finde ich: Je weniger Erwartungen ich habe, sondern einfach mit offenen Augen und offenem Herzen durch das Leben marschiere, desto weniger geht auch quer. #00:13:47-7#

PETER: Also verstehe ich das richtig: Es geht einfach darum, diese Situation so, wie sie ist, so zu nehmen, wie sie ist? #00:13:52-5#

SYLVIA: Ja, und nicht nur das, sondern sie auch zu genießen und aus jeder Situation noch das Beste immer herauszuholen. #00:13:58-3#

PETER: Hast du da irgendeine Strategie, wie du das machst? #00:14:01-9#

SYLVIA: Also, das hat schon ein paar Jahre gedauert, bis ich dahin gekommen bin, weil (lacht) ich das Gefühl hatte, dass das Leben sehr intensiv sich Mühe gegeben hat, mich daran arbeiten zu lassen: Was gibt es da alles für Techniken? Also, es ist jetzt nicht nur eine, sondern das sind wirklich ganz viele Sachen. Und es hat auch Jahre gedauert, das umzusetzen. Aber es geht definitiv. Ich bin also der lebendige Beweis, das, was ich jetzt so lehre den Menschen, die zu mir kommen, ist wirklich rundum authentisch inzwischen. #00:14:36-3#

PETER: Ja, jetzt frage ich aber trotzdem noch mal nach: Was war so ein Tipp von dir quasi so in die Richtung? #00:14:42-7#

SYLVIA: Ja, das Allerwichtigste ist, jetzt so / Ich habe eine Videoreihe gemacht, die heißt: Die Schlüssel zum Glück. Habe ich mal angefangen, aber könnte ich auch noch weitermachen. Aber manchmal kommen ja so technische Aufgaben auf einen zu, die man nicht mehr gelöst kriegt. Also, da hatte ich schon was dazu gesagt, dass Schritt Eins, um diesen glücklichen Zustand zu erreichen, definitiv die Achtsamkeit ist.

Dass man schaut: Wo bin ich denn jetzt hier eigentlich? Was ist da? Blüht da eine Blume? Sitze ich hier jetzt zu Hause und habe eine Heizung, und draußen regnet es? Achte ich auf den anderen? Was macht das Kind jetzt eigentlich? Genieße ich jetzt hier oder bin ich nicht im Hier, sondern bin ich eigentlich gestern? Oder mache ich mir über morgen Sorgen? Also, dieses im Jetzt und Hier achtsam sein, das ist wirklich die absolute oberwichtigste Stufe. #00:15:45-1#

PETER: Und wie machst du das? Frage ich jetzt noch mal konkret nach, im Jetzt zu sein? Weil ich glaube, das ist schon manchmal eine Herausforderung. #00:15:53-0#

SYLVIA: Ja. Also, auch da habe ich gemerkt, auch dadurch, dass ich Meditation gelernt habe, dass man sich aus der Theorie, die man so im Kopf hat, also, dieses Karussell, das sich da oben dreht, dass man sich da mit Übung relativ schnell rausholen kann, indem man zum Beispiel / Ich habe also auch immer einen Hund gehabt, immer, auch parallel zum Kind, mindestens einen Hund.

Auch noch Hühner und Enten zeitweise. Aber mit dem Hund sind wir also auch zweimal am Tag spazieren gegangen, und da beim Gehen, bei den Schritten zum Beispiel immer bis Acht zu zählen, und dann wieder von vorne anzufangen. Das ist schon mal etwas, da wird das Gehirn dann ganz, ganz leer. Und gleichzeitig, wenn es leer ist, kann man nicht Stress haben oder sich überlastet fühlen. #00:16:48-3#

PETER: Ja, das scheint eine schöne Strategie, finde ich. (lacht) #00:16:51-0#

SYLVIA: (lacht) #00:16:52-3#

PETER: Gab es Situationen, wo du dich gefragt hast: Ist das bei anderen auch so? #00:17:02-2#

SYLVIA: Da war bei anderen nicht so. (lacht) Das habe ich mich nie gefragt. Also, mir ist immer aufgefallen, dass das bei mir anders ist, aber ich habe es einerseits / Nein, ich habe das nicht einerseits, ich habe das genossen. Denn diese ganzen Diskussionen, die im Freundeskreis immer zum Beispiel zum Thema Erziehung waren, die hatte ich nicht. Also / #00:17:34-1#

PETER: Stimmt. Als alleinerziehende Mutter hat man das nicht. Da gibt es keine / #00:17:39-6#

SYLVIA: Ich hätte den Fokus / Entschuldigung, wenn ich dich unterbreche. Ich hätte den Fokus darauf legen können zu sagen: „Boh, ich muss alles alleine machen.“ Oder auch mal durchhängen oder so was. Aber ich hatte es nicht. #00:17:50-6#

PETER: Ja, das finde ich schön, dass du so eine grundpositive Einstellung hast. Das finde ich bemerkenswert. #00:17:56-3#

SYLVIA: Ja, weil ich glaube, das ist auch einfach der Unterschied da, entspannt durch zu kommen, wenn man das liebt, was man tut. Dann schafft man definitiv mehr. #00:18:05-2#

PETER: Gibt es oder gab es ein Buch, wo dir geholfen hat in dieser Zeit als Mama? Ob jetzt als dein Sohn ganz klein war, oder dann später als Jugendlicher? Man ist da manchmal mit Situationen konfrontiert, wo man sich auch eben Hilfe holt. Heute im Internet, früher mal mehr aus Büchern. Gibt es da etwas? #00:18:23-6#

SYLVIA: Also, früher gab es das nicht, aber jetzt hat glücklicherweise die Alexandra Witwer ein wunderbares Buch geschrieben. Sie ist aus Hamburg, und das Buch heißt :“Stark und alleinerziehend“. Da habe ich auch eine Rezension zu gemacht. Das ist wirklich ein einzigartiges Buch, was ich auch meinen Leuten hier durchweg meinen Mandantinnen empfehle. Das ist ein wunderbares Buch. Da gibt es eine wunderbare Community dazu, denn wichtig ist, glaube ich, dass man nicht so alleine ist, wie ich es war. Das ist aber heute nicht mehr so. Also, da gibt es viele Angebote. #00:19:00-4#

PETER: Ja, das Buch kenne ich auch, und ich kenne Alexandra auch sehr gut. #00:19:04-3#

SYLVIA: Ja, schön. Ich auch. (lacht) #00:19:04-9#

PETER: Sie macht wirklich ganz tolle Arbeit für die Alleinerziehenden. Und spannend, dass es daraus entstanden ist, dass sie eben auch alleinerziehend geworden ist und dann gemerkt hat: Oh, da gibt es doch die ein oder andere Herausforderung. #00:19:17-5#

SYLVIA: Ja. #00:19:18-3#

PETER: Ja, genau. Jetzt hast du am Anfang erzählt, dass dein Sohn ausgezogen ist. #00:19:23-3#

SYLVIA: Mhm (bejahend). #00:19:22-8#

PETER: Und wie war das für dich nach 22 Jahren? #00:19:27-9#

SYLVIA: Also, ich bin ja immer als selbständige Rechtsanwältin tätig gewesen, aber definiert habe ich mich irgendwie über Haus und Kind. Auch wenn da kein Mann war, aber irgendwie dieses / Also, Haus und Kind und das war ich. Und die Anwältin, die war damals noch nicht so, wie sie heute ist. Heute ist sie ja ganzheitlich. Also Körper, Geist und Seele in Einklang, und diese ganzen wunderbaren schlauen Sachen, wie man rauskommt aus dieser großen Misere, die sind ja bei mir erst gekommen dadurch, dass der Lebensgefährte, der nicht der Vater des Kindes ist, aber so mal etliche Jahre bei uns gewohnt hat, dass der aus der Beziehung ausgestiegen ist, und da habe ich dann meine berufliche Tätigkeit ein bisschen verändert. Wie war die Frage? #00:20:24-6#

PETER: Die Frage war, du hast gesagt, dein Sohn ist ausgezogen jetzt nach 22 Jahren. Und das war für dich auch / #00:20:31-3#

SYLVIA: Ach so. #00:20:31-3#

PETER: eine Veränderung. #00:20:32-0#

SYLVIA: Ja, genau. Ja. Da war also / Zwei Jahre vorher war schon der Mann gegangen. Dann ging noch das Kind. Und dann / Nein, erst / Und dann habe ich erst das Haus verkauft, und dann ging das Kind noch. Also danach war wirklich / habe ich hier ordentlich durchgehangen. Wirklich. Und dann habe ich mich aber sehr schnell – das ist aber Resultat der vielen Aufgaben, die das Leben mir so bereitet hat – also mit Üben wird das wirklich besser .Heißt: Die Katastrophen: Um Himmels willen, willkommen, genauso wie die Fehler. Man kommt dann definitiv schneller raus. Und ich habe dann mich besonnen: Wie war das eigentlich im Leben VOR dem Kind? Was hat dir da eigentlich Spaß gemacht?

Dann ging das relativ schnell, dass mir einfiel, dass ich ja furchtbar gerne gereist bin und in der ganzen Welt unterwegs war. Und dann dauerte es auch nicht mehr lange, bis ich dann ein Ticket nach Singapur und auf die Philippinen hatte, und da war ich letztes Jahr von Mitte Januar bis Mitte Februar. Und habe dann mal mich belohnt für das, was ich in den 20 Jahren vorher geschafft habe. #00:21:53-0#

PETER: Sehr schön, sehr schön. Eine gute Strategie, sich zu erinnern, was einem guttut, ja. #00:21:59-4#

SYLVIA: Ja. Ja, genau. #00:22:03-8#

PETER: Jetzt ist ja / Du hast ja einen ganz spannenden Beruf und hast viel mit eben Eltern zu tun, wo es vielleicht nicht mehr so gut läuft. #00:22:11-2#

SYLVIA: Ja. #00:22:11-8#

PETER: Was würdest du werdenden Eltern empfehlen, oder was möchtest du ihnen mit auf den Weg geben in Punkto Eltern sein? #00:22:21-1#

SYLVIA: In Punkto Eltern sein, das Aller-Allerwichtigste ist sprechen. Also, jeder hat eigene Vorstellungen und vielleicht auch Erwartungen, aber alles klappt, wenn man spricht, oder nichts kann klappen, wenn man nicht spricht. Und das Gespräch muss zu hundert Prozent wertschätzend sein. Also, in dem Moment, wo ich be- und verurteile, und bewerte, ist ein wertschätzendes Gespräch nach meiner Auffassung nicht mehr möglich. Das ist das, was ich die Leute lehre, wenn sie sich auch trennen. Wenn sie diesen Zustand wiederherstellen können, der Wertschätzung und der Nicht-Bewertung, sondern jeder ist so, wie er ist, in Ordnung. Dann klappt das auch mit der Kommunikation. Und dann kann man auch wertschätzend auseinandergehen. #00:23:14-9#

PETER: Jetzt kann ich mir vorstellen, dass du oft mit Eltern zu tun hast, wo das nicht möglich ist. #00:23:22-3#

SYLVIA: Ja. Das denkt man so, aber das ist nicht mehr so. (lacht) Das hat sich in den letzten zwei Jahren glücklicherweise so gewandelt. Dadurch dass ich mich selber ja auf den Weg begeben habe und an meiner Persönlichkeit gearbeitet habe, unter anderem mit Thaddaeus Koroma und mit Tobias Beck, dadurch hat mich das so in diese Situation versetzt zu sagen: Was will ich eigentlich wirklich? Und was kann ich eigentlich wirklich? Und da ich ja nun mittlerweile elegante 56 bin, möchte ich verschiedene Sachen in meinem Leben nicht mehr haben. Und dazu gehören streitende Menschen, die Recht haben wollen.

Also, bei mir kommen zu inzwischen 95 Prozent nur noch Menschen an, die nicht mehr die Schuld ausschließlich auf den anderen schieben, sondern auch bei sich gucken, und die bereit sind, daran zu arbeiten, dass sie nur sich selbst ändern können, und nicht den anderen. Und mit den anderen, für die anderen, habe ich insofern gesorgt, als ich durchaus auch / Ich bin ja keine Fachanwältin für Familienrecht, sondern habe auch da mein eigenes Ding gebastelt, indem ich eben so ein Scheidungscoach geworden bin.

Ich habe aber streitbare Fachanwälte für Familienrecht, die eben eher der Typ sind für das Streiten. Ich war eigentlich in dem Laden falsch, aber seit drei Jahren bimn ich da jetzt richtig in dem Beruf, so wie ich ihn ausübe, und mache ganz schmal nur noch meine Lieblingssachen. Ansonsten mache ich die Leute glücklich, indem ich sie wegschicke, beziehungsweise weiterschicke. #00:25:12-2#

PETER: Das heißt, du bist Scheidungscoach, habe ich das richtig verstanden? #00:25:15-8#

SYLVIA: Ja. Habe ich so / Hat irgendeiner mal gesagt, und fand ich, passt. #00:25:19-4#

PETER: Okay. #00:25:20-4#

SYLVIA: Ist aber nicht in irgendeiner Form geschützt, definiert oder sonst was. #00:25:23-6#

PETER: Ja. Ich finde es nämlich spannend, was du alles machst. Du bist so recht fleißig. #00:25:28-9#

SYLVIA: Ja. #00:25:29-5#

PETER: In dem Bereich. Erzähle uns doch erst mal so vielleicht zum Abschluss jetzt: Was genau machst du? Du hast vorhin erzählt, ihr habt da eine Videoreihe gemacht, und eben mit / verschiedene andere Sachen. Gib uns doch mal so einen kleinen Überblick darüber, was du tust. #00:25:44-9#

SYLVIA: Ja. Oh, jetzt muss ich mich sortieren. Ich habe im Laufe der Jahre und mit Hilfe des Ex gemerkt, dass mein Medium tatsächlich das Video ist, weil ich kann zwar schöne Texte schreiben, aber nicht unbedingt das kommunizieren, wie ich so tatsächlich bin. Der Ex hat damals gesagt: „Wenn du Videos machst, dann hat das einen doppelten Effekt. Das schreckt die Leute ab, und es lockt sie an.“ Und da ich Klartext spreche, fand ich das mit dem Abschrecken ganz wichtig, weil ich ja eben verschiedene Menschen, die immer sagen: „Boh, der andere ist der Böse.“, die will ich eben nicht mehr.

Und ich mag auch gerne provozieren, ich möchte gerne die Leute zum Nachdenken bringen. Ich habe innerhalb kürzester Zeit eben dieses Portfolio für mich entwickelt, bin jetzt dabei, das auch in eine Homepage zu kleiden. Das treibt jetzt so krasse Blüten, wie, dass ich zum Beispiel diese Homepage komplett in Du aufziehe. Ich glaube, das gibt es in Deutschland sonst als Anwältin nicht unbedingt. Ich möchte aber mit den Leuten / Ich möchte die mit dem Herzen erreichen, und das geht mit dem Sie nicht. Wenn denen von vorneherein klar wird: Hier arbeite ich mit Ihnen, und das vermeintliche Desaster ist eine Chance. Dann macht es beiden mehr Spaß.

Es ist viel Humor hier beteiligt, deswegen laufe ich immer mit dieser Glühbirne bei den Videos rum, damit dir ein Licht aufgeht. Viele kommen ja hier, (lachend) beziehungsweise viele gehen nach einem Termin raus und sagen: „Hey, das war ja richtig lustig, das kann ich ja keinem erzählen.“ Dann sage ich immer: „Bitte erzählt es doch.“ Also, ja, ich versuche, das noch viel, viel mehr breit zu treten. Ich gebe zum Beispiel auch zurück, was ich gelernt habe, bei Tobias Beck, indem ich im Team mithelfen darf, so dass eben noch mehr Leute aus dem Persönlichkeitsbildungsbereich dann auch bei mir ankommen, damit ich noch mehr in Lieblings-Art und Weise meinen Beruf machen kann und den Leuten das Gewicht von den Schultern oder aus dem Rucksack nehmen kann, denn die guten Lösungen sind immer einfach. Das ist einfach so. #00:28:20-4#

PETER: Das kann ich bestätigen. (lacht) #00:28:23-7#

SYLVIA: Ja. (lacht) #00:28:25-1#

PETER: Das kann ich / Ja, das hört sich ja auf jeden Fall sehr, sehr spannend an. Ich werde das alles in den Show Notes über dich verlinken oder auch beschreiben, und auch eben zu deinem Youtube-Kanal, und zu deiner Facebook-Seite und so weiter. #00:28:37-7#

SYLVIA: Ja, genau. #00:28:37-2#

PETER: Weil ich das sehr, sehr spannend finde, was du machst und wie du es machst. #00:28:42-3#

SYLVIA: Ja, vielen herzlichen Dank. Und ich bin da auch froh um solche Menschen wie dich, die dann so auf mich zukommen, oder vorgestern habe ich mich mit einer Produktionsgesellschaft von RTL telefoniert, das war dann auch über Facebook irgendwie durch ein Netzwerk, wo ich da aktiv bin, da tut sich jetzt noch nichts, aber immerhin habe ich dann schon mal mit Menschen gesprochen. Also, das finde ich ganz interessant, wenn man sich so heraushängt aus dem Fenster, dass dann auch was zurückkommt.

Vor allen Dingen auch, wenn man seine Kontakte pflegt. Also, ich habe innerhalb der / Das muss ich noch ganz kurz loswerden. Warum ich das alles so mache, ist, als ich in das ganz, ganz tiefe Loch gefallen bin, als der Mann gegangen ist, da habe ich beim Holger Eckstein mich mithilfe von Holger Eckstein um meine Berufung gekümmert, weil ich gesagt habe: „Das kann ja jetzt gar nicht sein. Ich sitze hier, denke: Mein Gott, wieso ist der Mann weggegangen?“ Und jeden Tag sitzen mir irgendwelche Leute gegenüber, die sagen: „Boh, mein Mann ist so Scheiße.“ Also, da habe ich gesagt: „Nein, also, ich würde ja am liebsten jetzt auch noch meinen Beruf aufgeben.“ Da ich aber nie im Leben was anderes gemacht habe, war das ein bisschen problembelastet. Und bevor ich da so einfach alles hinschmeiße, habe ich dann halt mich mal um meine Berufung gekümmert. Also, der Holger Eckstein hat auch vor zwei Jahren ein ganz, ganz tolles Buch geschrieben, da kann ich dir vielleicht auch noch den Link schicken. #00:30:07-1#

PETER: Ja, gerne. #00:30:08-2#

SYLVIA: Das ist eine ganz, ganz tolle Sache, weil um seine Berufung sollte man sich immer kümmern, egal ob mit oder ohne Kinder. Auf jeden Fall sind das geile Ergebnisse, die da / Von diesem Coaching war: Meine Berufung als Scheidungsanwältin behalten wir mal im Hinterkopf.

Meine Berufung ist: Menschen miteinander zu verbinden. Tada. Da kannst du ja nur krank werden. Und. na ja, ich hatte mein Netzwerk immer gepflegt, habe da aber immer dann richtig Gas gegeben und deswegen verbinde ich also jetzt quasi im zweiten Standbein Menschen miteinander, weil ich oft Verbindungen sehe von zusammenarbeiten von möglichen / Ja, und ich verbinde die Menschen dann einfach, egal ob ich sie via Facebook oder Xing oder Life, und ich pflege meine Kontakte wirklich.

Das war das, was mir geholfen hat, als ich damals dann auf einmal nur noch das Kind hatte .Und, ja, das hat sich alles wunderbar gefügt, dass man es miteinander verbinden konnte. Und so bin ich weiterhin Scheidungsanwältin, aber als Coach verbinde ich die Menschen, oder erhalte das, was gut war an den Beziehungen, und produziere glückliche Trennungskinder. #00:31:33-9#

PETER: Das finde ich jetzt einen sehr, sehr schönen Schlusssatz. (lacht) Dass eine Scheidungsanwältin eben doch Menschen verbindet. #00:31:42-5#

SYLVIA: Absolut. #00:31:43-3#

PETER: Ja, finde ich schön. Liebe Sylvia, ich möchte mich bei dir bedanken, dass du dir Zeit genommen hast und uns so ein bisschen hast teilhaben lassen an deinem Leben, an deinen Herausforderungen, und auch an deinem Tun. Und, ja, ich wünsche dir alles, alles Gute bei deiner Arbeit. #00:31:58-3#

SYLVIA: Ja. Vielen Dank. Es hat auch sehr viel Spaß gemacht, und rote Bäckchen bereitet, noch mal zurück zu schauen. #00:32:05-4#

PETER: Ja, freut mich. Schönen Tag noch, gell? #00:32:10-9#

SYLVIA: Ja, ich habe zu danken. Und viel Freude noch bei deiner Arbeit. #00:32:14-3#

PETER: Danke. #00:32:14-3#

Lisa Figas: Meine Mutterrolle muss auch zu mir passen! [019]

Lisa Figas

Also, dieses 100-mal das gleiche Kinderbuch anschauen und sich immer auf jeder Seite über den Wau Wau freuen. Ja, ich habe da total an mir selber gezweifelt, ob ich irgendwie eine schlechte Mutter bin oder warum ich da kein Spaß darin habe.

 

Lisa erzählt im Interview:

  • Ich frage mich heute: Was haben wir früher mit unserer Zeit gemacht?
  • Als unverheiratete und selbständige Eltern mussten sie stapelweise Papier abgeben für den Elterngeldantrag und fühlten sich ein wenig wie eine Randgruppe. Beim zweiten Kind als verheiratete und angestellte war das überhaupt kein Problem und kein Aufwand im Vergleich.
  • Ich habe total an mir selber gezweifelt, ob ich irgendwie eine schlechte Mutter bin oder warum ich da kein Spaß darin habe immer wieder dasselbe mit meinem Kind zu machen.
  • Wir haben sehr unterschiedliche Einstellungen, was Erziehungsfragen betrifft. Und wir haben eine Chat der uns dabei hilft einige Situationen gut zu lösen.
  • Lisa hat eine tolle Strategie, wie sie mit Eigenschaften ihres Partners umgeht, die sie nicht so gut findet. Wirklich empfehlenswert. Min 16:00

Aber jetzt endlich zum Podcast!


Lisa Figas: Meine Mutterrolle muss auch zu mir passen! [019] jetzt hören

Diesen Podcast abonnieren:


Shownotes:

„Elternzeit finde ich langweilig. Aber meine beiden Kinder sind wirklich spannend! Ich stecke meine Energie in das Lesen von Eltern-Ratgebern. Die Rezensionen und Einblicke in unseren Familienalltag könnt ihr auf HausHofKind nachlesen. Auf englisch schreibe ich mit meinem Mann einen Familienblog: Familylife.Rocks. Hier gehen wir vor allem auf das Familienleben in Deutschland ein.“

www.haushofkind.de
www.familylife.rocks


Lisas Buchtipp:


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER:Mein heutiger Interviewgast bei Elternpodcast ist Lisa aus Augsburg. Hallo Lisa. #00:00:10-6#

LISA: Hallo, grüß dich Peter. #00:00:12-2#

PETER: Lisa, erzähle uns doch erstmal wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast. #00:00:18-9#

LISA: Ja, ich wohne in Augsburg. Ich bin hier zum Studium gekommen und wegen der Liebe geblieben. Seit mittlerweile zwölf Jahren. Ich arbeite als Projektleitung in einer Werbeagentur. Jetzt bin ich gerade in Elternzeit. Unsere zweite Tochter, also unser zweites Kind ist jetzt acht Monate alt und unser Sohn ist knapp dreieinhalb. Genau. Der ist im Kindergarten und mit der kleinen bin ich jetzt in Elternzeit daheim. Und was ich so im Elternbereich mache ist, dass ich einen Blog schreibe. Der heißt Haushofkind. Eigentlich war das mal gedacht, dass wir über das Leben mit Kindern schreiben, aber irgendwie habe ich so ein Spaß daran gefunden Elternbücher zu lesen, dass es eigentlich fast hauptsächlich aus Rezensionen besteht. Das ist so ein bisschen mein Steckenpferd geworden, mit dem ich mich jetzt auch über die Elternzeit gerettet habe, weil es mir dann doch manchmal ein bisschen langweilig war. #00:01:17-2#

PETER: Okay. Ich wollte gerade fragen. Wie lange machst du das mit dem Blog schon? #00:01:21-2#

LISA: Der Blog an sich, den gibt es glaube ich seit zwei Jahren ungefähr. Also, je nachdem. Ich mache das eigentlich in meiner Freizeit. Das hängt zwar in unserer Agentur, aber je nachdem wie es mit den Kindern gerade geht oder mit dem Schlafen oder wie das halt so ist, schaffe ich manchmal vier Bücher im Monat und manchmal vier Monate halt kein Buch. Also, ist es so sehr wechselhaft. #00:01:45-8#

PETER: Okay. Was mich interessieren würde ist, was hat sich in deinem Leben durch eure Kinder verändert? (…) #00:01:55-6#

LISA: Ja, natürlich irgendwie alles, weil wenn man das Leben von vor den Kindern, so nach den Kindern vergleicht, ist es natürlich ein himmelweiter Unterschied. Aber ich denke, dein Kern deiner Frage zielt auf das ab, was einen auch selber beschäftigt. Was mir immer wieder in den Kopf kommt ist, das Gefühl für Zeit. Also es kommt eigentlich schon seit dem ersten Kind öfter vor, dass mein Mann und ich uns anschauen und sagen, was haben wir eigentlich früher mit unserer Zeit gemacht?

Also, wie ging der Tag rum? Natürlich hat man gearbeitet und sein Haushalt gemacht und so weiter. Ja, aber jetzt arbeitet man, macht den Haushalt und hat die Kinder. Und fragt sich, also das passt ja alles in einen Tag. Und womit haben wir früher unseren Tag ausgefüllt? Da habe ich irgendwie auch keine richtige Antwort dafür gefunden, weil ich glaube alles hat irgendwie länger gedauert oder keine Ahnung. Klar, wenn man halt ein paar ist ohne Kinder und zusammen kocht und dann halt noch eine Flasche Wein zusammen trinkt, da kriegt man auch ganz schön viel Zeit weg. Aber irgendwie, was war an den Wochenenden oder so? Keine Ahnung. #00:03:07-6#

PETER: Ja ge. #00:03:08-0#

LISA: (unv. #00:03:08-6#) permanent verkatert waren. Das finde ich irgendwie ein eher lustiges Mysterium. Genau. Und was sich sonst in unserem Leben geändert hat ist, dass wir beide vor den Kindern selbstständig waren und beide mittlerweile in ein Angestelltenverhältnis gewechselt sind. #00:03:31-6#

PETER: Hat das mit den Kindern zu tun? #00:03:34-5#

LISA: Ja schon. Eher in dem Sinne, dass es sozusagen ein Anlass war etwas zu verändern. Weil sich sowieso alles geändert hat, ist sowohl meinem Mann als auch mir der Absprung eher vom Kopf her jetzt leichter gefallen. Sonst hätte man es vielleicht rausgeschoben oder so. Also, es ist jetzt nicht so, dass wir beide total reich waren durch unsere Selbstständigkeit oder so. Das war schon einfach auch eine schwierige Zeit. Nur den Anlass wirklich sich umzuschauen, sich zu bewerben beziehungsweise mein Mann wurde dann auch selber angefragt, ohne dass er sich beworben hat. Und dann ja zu sagen, dass wurde auf alle Fälle durch die Kinder begünstigt.

Und die Sache ist auch die, als mein erster Sohn geboren wurde, waren wir beide selbstständig und unverheiratet. Und als die Tochter geboren wurde, jetzt letztes Jahr, waren wir beide angestellt und verheiratet. Und allein was es in Bezug auf die Behörde und das Elterngeld und Anträge und weiß ich nicht was alles ausmacht, das sind zwei verschiedene Welten. Also, was wir da für einen Stress hatten für stapelweise Papier abzugeben für den Elterngeldantrag beim ersten Kind. Und jetzt war das ja Pipi-Kram im Vergleich. #00:04:52-2#

PETER: Also, vorher wurden da praktisch/ #00:04:53-2#

LISA: (unv. #00:04:53-7#) Probleme gab, aber der Unterschied wie man auch als Eltern behandelt wird, ob man unverheiratet ist und ob man selbstständig ist, waren quasi doppelt Randgruppe. So habe ich mich gefühlt. #00:05:01-5#

PETER: Ja. #00:05:01-9#

LISA: Als unverheiratete, selbstständige. #00:05:04-0#

PETER: Okay. Spannend. #00:05:04-7#

LISA: Dass wir uns überhaupt getraut haben ein Kind zu kriegen, so in der Art. Und das war schon auch ein Gedanke der mit rein gespielt hat, dass es einfach alles permanent, wahnsinnig kompliziert war durch die Selbstständigkeit. #00:05:17-8#

PETER: Okay. #00:05:18-7#

LISA: Und wir sind jetzt beide sehr glücklich in unseren Jobs, sodass die Entscheidung auch im Nachhinein nicht angezweifelt wird oder so. #00:05:27-7#

PETER: Ja. Du hast vorhin erzählt, dass du in Elternzeit bist. #00:05:31-1#

LISA: Ja. #00:05:31-7#

PETER: Wie ist das für dich? Der Wechsel vom Arbeitsleben uns Zu-Hause-Leben mit Arbeit, mit Kindern? (…) #00:05:42-8#

LISA: Also beim ersten Kind hat sich die Frage gar nicht gestellt. Mama bleibt zwölf Monate zu Hause. Papa macht zwei Vätermonate. Was sollen wir auch sonst machen? Und während der ersten Elternzeit habe ich gemerkt, dass mir das einfach total langweilig war. Also, dieses 100-mal das gleiche Kinderbuch anschauen und sich immer auf jeder Seite über den Wau Wau freuen. Ja, ich habe da total an mir selber gezweifelt, ob ich irgendwie eine schlechte Mutter bin oder warum ich da kein Spaß darin habe, weil mein Mann hatte den Spaß und ich habe es quasi jeden Tag immer gesehen, wie gerne er das gemacht hat.

Und wie endlos und ja, wie er da einfach total drin aufgegangen ist. Und ich hätte die Wände hochgehen können. Also ich habe ganz, ganz geringfügig weitergearbeitet in der Elternzeit, aber jetzt nicht so, dass mich das intellektuell ausgelastet hätte. Sodass ich dann vor Ablauf der Elternzeit schon, also mich beworben habe und vor Ablauf der zwölf Monate schon angefangen habe zu arbeiten. Was natürlich dann wieder ein riesen Thema war mit dem Elterngeld und so. Aber ich habe es einfach nicht ausgehalten. Es ging ganz gut so mit der Kinderbetreuung. Dann habe ich natürlich gesagt, beim zweiten Kind, um Gotteswillen nie wieder diese zwölf Monate da heim bleiben. #00:07:01-8#

PETER: Ja. #00:07:03-1#

LISA: Ja. (…) Dann hatten wir mit beiden Arbeitgebern das geklärt, dass wir eben dieses Elterngeld Plus (unv. kein Ton #00:07:12-3#) und dann können wir ja mit diesen Bonusmonaten das strecken, bis sie dann zur Tagesmutter kommt und so. Ja, alles abgeklärt mit allen sozusagen Betroffenen. Alle waren einverstanden bis auf die Elterngeldstelle, die dann gesagt haben: Ja hier, Ihr Mann war ja in, keine Ahnung, 2015 noch zwei Monate selbstständig. Da ist ja die Berechnungsgrundlage jetzt eine ganz andere. Und haben uns, (räuspert sich), Entschuldigung. Haben uns das total um die Ohren gehauen. Ja. Was jetzt im Endeffekt dazu geführt hat, dass der Verdienstausfall zu groß gewesen wäre, als das wir das hätten stämmen können.

Dann hat die Tagesmutter gesagt, naja, wenn Sie einen halbes Jahr ist, kannst du sie bringen. Da wird eh ein Platz frei. Also die Tagesmutter die wir von unserem Sohn schon kannten. Zu der wir auch ein vertrauensvolles Verhältnis haben. Ja, dann haben wir das ausprobiert. Nach einem Jahr habe ich sie dort hingebracht und eingewöhnt und bin ins Büro gegangen. Und ja, das hat halt nicht geklappt. Zwei, drei Stunden ging es gut und dann war großes Drama. In Augsburg gibt es so eine Organisation, die die Tagesmütter auswählt und betreut und prüft. Also das ganze verwaltet und diese Sozialpädagogen haben dann gesagt, nein das geht nicht. Die Kleine ist zu klein und zu fest an mich gebunden. #00:08:39-0#

PETER: Ja. #00:08:39-0#

LISA: Sie müssen uns den Vertrag kündigen. #00:08:41-2#

PETER: Ach was? #00:08:41-3#

LISA: Also bin ich wieder zu meinem Chef gegangen und habe gesagt, ja jetzt bin ich halt in der neunten Woche nicht zurückgekommen, jetzt komme ich auch nach einem halben Jahr nicht zurück. Nimmt er mich denn noch, wenn ich nach zwölf Monaten zurückkomme? (…) Er hat zum Glück ganz verständnisvoll reagiert und weiß auch, mit vier Kindern. Ja. Da kann man nichts machen. Also der eine Monat, den ich dann gearbeitet habe, da hatte ich sie teilweise im Büro, teilweise habe ich Home-Office gemacht. Das war ein hängen und würgen. Es ging schon irgendwie, aber (…) die letzte Woche war dann „zum Glück“ mein Mann krank, dass ich wenigstens den einen Monat komplett so wie es vereinbart war, arbeiten konnte. Sonst hätte das ja wieder noch zusätzlichen Papierkram verursacht. #00:09:24-2#

PETER: Das ist ja ein richtiges Abenteuer. #00:09:24-7#

LISA: Genau. Und im April wird sie dann ein Jahr und jetzt fangen wir im Februar schon an mit der Eingewöhnung mit der Tagesmutter, dass es wirklich, wirklich dann klappt. #00:09:38-1#

PETER: Okay. #00:09:38-9#

LISA: Weil es ist natürlich schon auch mein Stolz. Ich sage ich komme zurück, dann komme ich nicht. Dann sage ich zum zweiten Mal, jetzt bin ich da. Rufe alle Kunden an und sage hallo. Frau Figas ist wieder im Haus. Nein, doch nicht. Also, das ist mir wirklich sehr, sehr schwer gefallen und war wirklich eine Sache an der ich auch sehr geknabbert habe. Bis ich dann zufrieden war. Also es waren mehrere Wochen, wo es mir wirklich schlecht ging auch jetzt. Als ich dann das zweite Mal mit der Arbeit aufhören musste. Und dann plötzlich, ich kann nicht sagen, gab es dann einen Auslöser oder was, meine Tochter war nicht plötzlich doppelt so niedlich wie vorher oder so.

Plötzlich war es dann okay. Und jetzt bin ich halt noch da heim. Jetzt sind es ja nur noch ein paar Wochen. Und jetzt ist es okay und jetzt mache ich das gerne. Und es war dann natürlich auch die Zeit für die Weihnachtsvorbereitungen und solche Sachen. Ja. Es ist okay. Und ich muss mich jetzt nicht jeden Tag ärgern, aber ich freue mich auch dann, dass ich bald wieder arbeiten gehe. #00:10:41-1#

PETER: Okay. Was mich noch interessieren würde ist, Welche Auswirkungen haben eure Kinder auf eure Beziehung gehabt? Auf eure Partnerschaft? (…) #00:10:52-9#

LISA: Ja, das kann ich auch gar nicht so im Detail sagen. Es ist eher so vom Gefühl her/ Jetzt hustet die kleine. Dass damals mein Mann irgendwie das Thema mit den Kindern aufgebracht hat und ich erst ganz überrascht war. Und ja, dann hat das noch ein paar Jahre gedauert bis wir umgezogen sind und beruflich uns gesetzt hatten und so weiter. Und jetzt sind die Kinder da und es ist irgendwie total schön zu sehen, wie der Mensch den man selber so gern hat, so toll mit den eigenen Kindern ist. Also, ich habe schon das Gefühl, dass ihn das, ja, vervollständigt oder zu einem, weiß ich nicht, besser ist das falsche Wort. Zu einem runderen Menschen macht oder so. Und das ist sehr schön zu beobachten.

Also für meinen Mann kann ich da nicht sprechen, aber wir machen das gerne und wir haben da Spaß dran und jammern auch gemeinsam, wenn es mal so schlimmer Nächte gibt und das ist irgendwie so, es fühlt sich so an, wie es halt sein soll. Zwei Leute die sich mögen, pflanzen sich fort, fühlt sich für mich irgendwie super an. #00:12:08-3#

PETER: Du hast vorhin erwähnt, dass die Zeit eine Rolle spielt, dass man sich vielleicht gefühlt, früher hatten wir eigentlich so viel Zeit, die wir jetzt ausfüllen mit Kindern und Eltern sein und arbeiten. #00:12:20-3#

LISA: Ja. #00:12:21-4#

PETER: Wie macht ihr das mit der Zeit für euch als Paar? (…) #00:12:27-5#

LISA: Erstmal kurz für mich selber. Ich habe ja erzählt, dass mir die Arbeit gefehlt hat und dass ich irgendwie eine Beschäftigung brauche. Bin ich sehr stolz drauf, dass ich es schaffe, trotz der Betreuung von zwei Kindern, also ein Kind den ganzen Tag, eins den halben, irgendwie schaffe Sachen für mich zu machen. Also, das mit dem Lesen oder auch Handarbeiten mache ich sehr gerne. Das ich das irgendwie hinkriege. Und genauso gehen wir halt auch da ran, dass wir zusammen Eltern sind.

Also, man kann auch, wenn die Kinder irgendwie beim Essen jetzt am Sonntagfrüh irgendwie Quatsch machen und der Brei durch die Gegend fliegt und der eine fast vom Stuhl fällt, kann man sich anschauen und irgendwie lustig finden und dann ist das auch ein Moment der zählt. Und nicht weniger wertvoll, als dass man mal wirklich drei Stunden am Abend seine Ruhe hat und sich unterhält oder gemeinsam blogt oder solche Sachen macht. Also, wir kriegen das hin in den Alltag einzubinden. Was wir gar nicht hinkriegen, aber auch nicht als Problem empfinden ist, abends ausgehen, jetzt mit Babysitter oder so. Oder alleine wegfahren oder solche Sachen.

Das interessiert uns auch nicht so. Also, wir schauen eher auf die kleinen Momente und auf die Abende. Aber jetzt große Aktionen machen wir eigentlich nicht so. Weiß ich nicht. Das fehlt uns jetzt auch nicht so. #00:13:53-7#

PETER: Okay. Jetzt ist es ja so, wenn man zwei Kinder hat, dann gibt es immer wieder, ich sage jetzt mal, Situationen wo es vielleicht unterschiedliche Ansichten gibt in Erziehungsfragen. #00:14:05-4#

LISA: Ja. #00:14:05-9#

PETER: Das heißt, wie geht ihr damit um? #00:14:09-7#

LISA: Ja, das ist so ein Thema, das wir eigentlich noch üben. Wir haben sehr unterschiedliche Einstellungen, was das betrifft. Also jetzt mal ganz konkret so, im Alltag ist es so, dass ich den Haushalt mache und die Kinder nebenbei dabei sind. Die helfen dann mit oder wuseln mir zwischen den Beinen rum oder spielen für sich, aber ich mache mein Ding und die sind dabei. Und bei meinem Mann ist es genau umgekehrt. Der spielt dann mit den Kindern am Boden und tobt mit denen rum und macht. Und wenn dann noch nebenbei was erledigt wird, dann ist das eher ein glücklicher Zufall. #00:14:50-4#

PETER: Okay. #00:14:50-5#

LISA: Und das ist natürlich eine komplett unterschiedliche Herangehensweise über die ich mich auch lange Zeit geärgert habe, weil sich das natürlich so anfühlt, als würde ich alles machen und er nichts. Jetzt auf den Haushalt bezogen. #00:15:02-7#

PETER: Ja, ja. #00:15:03-6

LISA: Aber tatsächlich glaube ich mittlerweile, dass das vielleicht sogar positiv ist. Also, jetzt mal abgesehen von den klischeehaften Rollenbildern die man so im Kopf hat. Das einfach beides da ist. #00:15:18-5#

PETER: Ja/ #00:15:18-8#

LISA: Er hat einfach auch mehr Spaß an diesem 100 Mal das gleiche machen. Das würde mir einfach schwer fallen und wenn er das nicht machen würde, würde es wahrscheinlich keiner mit meinen Kindern machen. #00:15:30-6#

PETER: Jetzt hast du vorhin erzählt, dass das dich so ein bisschen geärgert hat. #00:15:35-3#

LISA: Ja. #00:15:35-3#

PETER: Und das du das heute gut akzeptieren kannst. Wie hast du das gemacht, dass du es akzeptieren kannst? Oder wie es dir gelungen es so zu nehmen, dass dich das nicht mehr so aufregt? (…) #00:15:47-3#

LISA: Ja, mir hilft es so Gedankenspiele zu machen. Wie wäre es anders? Wir reden jetzt von Wochenenden. Ja, weil er ist ja unter Tags den ganzen Tag im Büro. Wenn er jetzt am Wochenende auch genauso viel machen würde mit Wäsche und putzen und keine Ahnung, was würde ich dann in der Zeit machen? (…) Die mir dann frei ist.

Also, ich würde mich ja dann nicht auf die Couch setzen und lesen, sondern dann würde ich halt mit den Kindern toben oder so. Und das ist eigentlich auch nicht das was ich will. Ich finde es schön, wenn Kinder da sind und ich mag wenn es wuselt. Und das ist alles super, aber dieses ausschließliche mit den Kindern spielen, ist einfach nicht meins. Und einfach sich zu überlegen, ja wie wäre es denn, wenn er sich genauso verhalten würde wie ich es mir träume, was würde es dann in der Konsequenz dann noch weit darüber hinaus bedeuten? Und das fand ich dann auch nicht so toll. #00:16:41-8#

PETER: Okay. Das finde ich sehr spannend so. #00:16:45-1#

LISA: Ja, genauso, wenn der Partner Eigenschaften hat, die einem nicht so gefallen, dann habe ich mir überlegt, naja, wenn ich das jetzt mir weg wünschen könnte und dafür auch auf etwas anders verzichten könnte, was ich total an ihm schätze, würde ich es dann trotzdem noch wollen? Nein. Ja, also man kann den Partner nicht so formen wie man es will, sondern man kann miteinander umgehen. Und wenn man sich grundsätzlich sehr gerne hat, dann klappt das auch. Also für uns/ Ja. #00:17:16-9#

PETER: Okay. Schön. Es ist so/ Ja. #00:17:20-4#

LISA: Ich wollte noch eine Sache dazu sagen. Mit den Erziehungsfragen. Bei uns hat sich was ganz lustiges eingeschlichen, wie wir das tagsüber so handhaben. Weil gerade hat jetzt der große wieder angefangen zu trotzdem oder die kleine schläft mal nicht oder wie auch immer. Und es hat sich so eingebürgert, dass mein Mann und ich eigentlich den ganzen Tag so im Chat miteinander im Kontakt sind.

Und er interessanterweise, obwohl er nicht vor Ort ist, manchmal genau die richtigen Hinweise gibt, was jetzt sein könnte. Und ich einfach, als diejenige die in der Situation steckt und sich gerade ärgert oder ja müde ist oder so, einfach das nicht erkenne. Und er sagt dann, ja die hat doch gestern gar nicht gekackt. Vielleicht drückt es einfach oder so. Mir fällt jetzt gerade kein besseres Beispiel ein. Es ist wirklich, also ich würde sagen in 95 Prozent der Fälle hat er einfach Recht. #00:18:16-3#

PETER: Okay. #00:18:17-5#

LISA: Also es ist jetzt nicht so, dass ich den ganzen Tag am Handy hänge, aber in so schwierigen Situationen, dann schreibe ich ihm und oft kommt dann genau das richtige zurück. Und das schätze ich ganz sehr, weil er hat natürlich das Gefühl er ist mit dabei. Ich schicke ihm auch oft Fotos oder so. Und mir hilft es total. Einfach so diese kleinen Kämpfe oder die man so hat mit den Kindern zu bestehen. Ja. #00:18:39-3#

PETER: Das finde ich super. Das habe ich so noch nie gehört. Werde ich in mein Repertoire aufnehmen. Nein wirklich, finde ich wirklich eine sehr spannende Lösung. #00:18:50-0#

LISA: Ja. (…) #00:18:52-2#

PETER: Meine nächste Frage ist, was war für dich als Mama die größte Herausforderung? (…) #00:19:01-8#

LISA: Ja, dass man sich selber die Mutterrolle so zurecht bastelt, wie es einem passt. Also ich hatte ja erzählt, dass mir das so schwer fällt, so dieses 100 Mal das gleiche Buch anschauen und ich dachte das muss so sein und das muss man toll finden. Und zu lernen, dass ich das nicht muss. Und das ich andere coole Sachen machen kann mit meinen Kindern, die mir halt auch Spaß machen. Das hat eine Weile gedauert. #00:19:30-5#

PETER: Okay. #00:19:31-6#

LISA: Ja. Und, dass man sich auch dann ein bisschen frei macht von den Idealen die so rumgeistern. Sei es jetzt in der Werbung oder in der Familie. Ja, wie auch immer. Das kostet ziemlich viel, oder was heißt kostet? Benötigt ziemlich viel Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, sich dann da auch durchzusetzen. Und natürlich ein bisschen Phantasie oder Wissen, das überhaupt zu finden.

Ja, wie kann ich denn sein als Mutter oder überhaupt erstmal auf die Idee zu kommen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt Mama zu sein. Das hat ich viel Lesezeit gekostet und viel Überlegung und in mich Reinhören, aber mittlerweile bin ich da sehr zufrieden damit. Und ja, kann das auch aushalten, wenn jetzt mein Sohn was spielen will und ich mache das nicht, dafür gehen wir dann aber in die Bücherei und er ist total aus dem Häuschen, weil da so viele Bücher sind und so weiter. #00:20:35-1#

PETER: Okay. Apropo lesen. Du hast gesagt, du liest viel. #00:20:40-2#

LISA: Ja. #00:20:41-0#

PETER: Welches Buch oder welches Hörbuch hat dir dabei geholfen deine Rolle zu finden? #00:20:47-7#

LISA: Also jetzt ganz in Bezug auf die Mutterrolle fand ich dieses Muttergefühle Gesamtausgabe total toll. Rike Drust heißt die Autorin glaube ich. Wo sie einfach beschreibt, ja dass es dieses Himmelhauch Jauchzen zu Tode betrübt. Das ist halt so normal. Ja, das haben die anderen auch. Und man darf auch mal sauer sein auf sein Kind. Auch wenn es nur ein Baby ist und überhaupt nicht weiß was es macht oder so. Das kommt vor und es ist entscheidend wie man damit umgeht, aber man ist kein schlechter Mensch nur weil man diese Gefühle hat. Das hat mir dahingehend sehr geholfen.

Grundsätzlich bin ich froh, dass ich so viele Bücher/ Also ich lese jetzt nicht Babyratgeber irgendwie, den ich in die Hände kriege. Ich wähle schon aus, aber grundsätzlich, dass ich einfach so viele Bücher gelesen habe, auch welche die jetzt nicht unbedingt neu erschienen sind, sondern schon älter sind. Hat mir gezeigt, dass dieses Mutterideal zu großen Teilen auch aus, wie sagt man?

Das es Mode ist, wie man zu sein hat oder wie man mit seinen Kindern umgeht. Und meine Aufgabe sich dahin raus zu finden, was ist jetzt wirklich ein guter Umgang mit einem Baby oder mit einem Kleinkind und was ist jetzt einfach, naja gesellschaftlich gerade (unv. #00:22:17-1#) oder wird erwartet oder so. Und ja, da bin ich natürlich jeden Tag dabei mir das zu überlegen. Aber jetzt in Bezug auf das Lesen, es ist natürlich mein Luxus, dass ich Zeit habe oder mir das ermöglicht habe so viele Bücher zu lesen.

Das ist jetzt zu schwer ein Tipp den man weitergeben kann, aber ja. Also wenn ich ein lesen müsste, dann wäre das die Muttergefühle Gesamtausgabe. Grundsätzlich kann man sich aber auch bei mir im Blog mal umschauen. Gerade frisch war das Kompetente Baby von Nora Imlau. Das ist vor allem für frische Eltern, finde ich das ein wahnsinnig tolles Buch. Sozusagen aus der Phase bin ich jetzt schon fast raus, die jetzt bald neun Monate wird, aber da hätte ich mir wirklich gewünscht, ich hätte das früher gehabt.

Einfach wie Babys so sind und wie man den Alltag mit ihnen gestalten kann, dass es halt für alle gut ist. Wie man auch erkennt was die jetzt gerade für ein Problem haben oder/ Das finde ich ein total wertvolles Buch und ja, würde mir wirklich wünschen, dass das mehr frische Eltern lernen. Oder in der Schwangerschaft oder wie auch immer. #00:23:26-6#

PETER: Ja. Also ich werde es auf jeden Fall verlinken unter unserem Interview. #00:23:30-1#

LISA: Ja. #00:23:30-8#

PETER: Was mich noch interessieren würde ist, eigentlich die Hauptfrage unseres Podcasts. Was hast du so nicht erwartet? Also man stellt sich ja so ein bisschen vor, wie da so sein wird, wenn man Kinder hat. Und dann ist es so. Und oft kommt man in Situationen, wo man wirklich überrascht ist und sagt wow. #00:23:51-4#

LISA: Ja. (…) Ein Gedanke den ich da immer wieder habe ist, dass ich wirklich auch heute noch überrascht bin wie viele Emotionen in kurze Zeit passen. Also als mein erstes Kind Baby, ist uns das echt brutal aufgefallen. Früher hatte man halt einen guten Tag oder einen schlechten Tag oder weiß ich nicht. Hatte Kummer oder nicht. Das waren immer so lange Strecken, in denen man eine Emotion hatte.

Und dann war das Baby da und da saß ein Pups quer und es hat geschrien. Es war schrecklich mit anzusehen und man hat total mitgelitten und hat eine Pupsmassage gemacht und was weiß ich. Und als das Problem gelöst war und wir auf dem Wickeltisch jetzt noch ein bisschen Spaß gemacht hatten, hat er aus voller Kehle gelacht und gegrunzt und sich gewunden. Und die Sonne ging auf.

Und es war so, ja, Moment, was war denn jetzt gerade noch vor zehn Sekunden (unv. #00:24:52-1#)? Ja, das ist echt die krasseste Erfahrung mit Kindern fand ich, weil auf der einen Seite bin ich immer noch erstaunt wie schnell das geht. Auf der anderen Seite ist es aber auch sehr anstrengend, dass man da immer mitgeht oder darauf eingeht. Ja, aber an steht ja als Eltern jetzt nicht daneben und denkt sich, aha du bist jetzt traurig oder aha du bist jetzt fröhlich, sondern man macht ja mit oder man versucht es irgendwie, ja die Emotionen auch zu steuern. Oder auch zu erklären. Das ist dieses Lernen, dass sie das lernen, was haben sie eigentlich gerade/ Das finde ich sehr anstrengend. Ja. #00:25:28-1#

PETER: Okay, okay. #00:25:28-7#

LISA: Und die andere Sache, was ich überhaupt nicht gedacht hätte, ist, wie körperlich anstrengend das ist. #00:25:36-4#

PETER: Ach ja. #00:25:37-5#

LISA: Also, dieses ja/ Da hatte ich einfach keine Ahnung davon. Wahrscheinlich, weil ich einfach auch den Alltag mit Kind jetzt so vor dem eigenen Kind nicht so von Freunden oder so mitbekommen habe. Einfach das viele tragen. Sei es jetzt mit einer Tragehilfe oder sei es, ja das Kind irgendwo hintragen oder hochheben zum Trösten oder Sachen aufheben oder/ Ja, jetzt sind wie zum Beispiel mit Kinderwagen unterwegs und da ist ein Buggyboard mit dran, sodass der Große halt da drauf steht.

Und das ist, auch wenn das ein toller Kinderwagen ist, der gut läuft, es ist einfach schwer auf Dauer. Und ich mache jetzt schon große Touren mit den Kindern und das merkt man einfach. Auch wenn es jetzt die ersten zehn Meter oder 100 Meter, ist es egal, aber ja, es kommt halt einfach zusammen. Und das merke ich brutal auch am Rücken oder allgemein an der Konstitution. Auch wenn man jetzt eine tolle Tragehilfe hat. Wie jetzt im Moment, schläft sie auf meinem Rücken. Alles super, obwohl ich sitze und obwohl sie perfekt eingestellt ist, es ist einfach schwer.

Aber ohne das Tragen und das viele körperliche mag ich es halt selber auch nicht. Also es ist nichts worauf ich verzichte. Ich schaue halt, dass ich in die Badewanne gehe oder Ausgleichsachen mache. Oder ein bisschen Übungen. Das ist jetzt nicht so, dass ich totale Schmerzen erleide und ja quasi auf allen vieren krieche. So nicht, aber ich merke es einfach und das hätte ich nie gedacht. #00:27:06-1#

PETER: Ja, das glaube ich. Das unterschätzt man, weil wenn man permanent eben so sechs, sieben Kilometer mit sich herum trägt, das ist eben auch eine Belastung. #00:27:15-5#

LISA: Ja. #00:27:16-3#

PETER: Und apropo Belastung, oft ist es ja so, dass wir durch Belastungen oder durch so Herausforderungen die sich so ergeben im Leben neue Fähigkeiten oder Stärken entwickeln. Oder neu entdecken. #00:27:27-0#

LISA: Ja. #00:27:28-0#

PETER: Gibt es da etwas bei dir, wo du so neu entdeckt hast oder verstärkt hast durch die Mamarolle oder durch das Mama da sein? (…) #00:27:38-3#

LISA: Ich halte mich für ein Organisationstalent. Das ist einfach was, was mir Spaß macht. Insofern würde ich sagen verstärkt ja, dass man sich auf das Wesentliche konzentriert. Und dass man Prioritäten setzen lernt. Also, ganz extrem war das in den ersten Tagen und Wochen, nachdem das zweite Kind geboren war. Dieses ja, (…) da wurden 300-mal am Tag die Prioritätenliste neu sortiert. #00:28:10-0#

PETER: Ja. #00:28:11-4#

LISA: Ja klar, einerseits ging es um mich, dass ich mich erhole von der Geburt. Andererseits ging es um das Baby, was braucht es jetzt? Dann war ja der Große da, der die ersten Tage wirklich komplett ausgerastet ist. Also tagsüber genauso wie nachts mit Nachtschreck und Wahnsinn. Also wir hatten echt Angst, dass das jetzt so bleibt. Und dazu halt dann der ganze Rest mit Haushalt und das alle irgendwas zu essen kriegen zu entsprechenden Zeiten. Ich habe das dann immer gemerkt, dass mir die Fingernägel abgebrochen sind, weil ich völlig vergessen habe mir mal die Fingernägel zu schneiden oder zu feilen.

Und habe das dann auch immer als persönlichen Triumph gesehen, wenn ich wenigstens mal in Ruhe mir drei Fingernägel feilen konnte. Und das nehme ich heute noch als Warnung sozusagen. Den Zustand meiner Fingernägel. Weil das geht nicht nebenbei. Ja, das muss man in Ruhe machen. Also ich zumindest. Und ich so, oh Mist jetzt sind die wieder so lang oder fangen an abzubrechen. Jetzt muss ich mal wieder ein bisschen runter schalten und auch mal Fünfe gerade sein lassen. Und mich mal um mich kümmern. Ja. #00:29:25-8#

PETER: Genau, das finde ich ist ein ganz wichtiger Hinweis, sich wirklich auch diese Zeit, diese paar Minuten, auch wenn es eben nur ein paar Minuten sind, zu nehmen für sich selber. Ja. #00:29:36-5#

LISA: Ja. #00:29:37-0#

PETER: Das ist glaube ich ganz wichtig. Jetzt vielleicht zum Abschluss von unserem Interview eine letzte Frage. Was sollten werdende Eltern unbedingt wissen deiner Meinung nach? #00:29:47-9#

LISA: Ja. Da ist ein Thema, was mir persönlich sehr am Herzen liegt. Ist diese Sache mit den Ratschlägen. Mir ist das ganz brutal selber, wie soll ich sagen? Quasi am eigenen Leib aufgefallen, weil wir unser großes Kind hatte Neurodermitis. Und zwar ausschließlich im Gesicht. Das heißt, genau da wo es alle Leute sehen.

Also man neigt bei solchen Geschichte zu Übertreibung. Das ist aber keine. Ich schwöre. Ich stehe an der Ampel und jemand steht neben mir, guckt in den Kinderwagen und sagt, Sie ihr Kind hat was im Gesicht, gehen Sie mal zum Arzt. Und ich denke mir so, Entschuldigung, Fuck da war ich die Woche schon dreimal und es ist ein riesen Problem und ein Thema und keine Ahnung was. Man denkt, um Gotteswillen, ich kann doch meinem Kind kein Antibiotika und Cortison und sonst was geben, aber es ging einfach nicht anders.

Es war wirklich schwere Neurodermitis. Und das war eine Episode von hunderten ja. Von Kassiererin oder fremde Leute einfach. Meine Freundin machte, hey mache doch ein Peeling mit ihm oder/ Und sind dann auch ganz empört. So Nachbarn, wenn man sie dann das zweite Mal trifft und man es nicht ausprobiert hat oder nicht (unv. #00:31:05-3#) irgendeine Heilsalbe, was weiß ich was bestellt hat. Ja. (…) In dem Zusammenhang ist es mir persönlich extrem aufgefallen, aber es ist halt grundsätzlich. Wie jede Freundin sagt das, in der Schwangerschaft oder mit dem Baby, jeder hat gute Tipps und Ratschläge und so. Und was ich werdenden Eltern unbedingt mit auf den Weg geben möchte ist, dass man sich am besten vor ab überlegt wem man soweit vertraut, dass man Tipps von ihm annimmt.

Also, wenn man jetzt im Freundeskreis ein Pärchen hat wo man sagt, hey die haben, weiß ich nicht, eins, zwei, mehrere Kinder, die machen das irgendwie total super. Scheinen auch selber jetzt nicht dabei auf der Strecke zu bleiben und so. Also, wenn bei uns irgendeine Frage auftritt, keine Ahnung, schlafen oder sonst irgendwas. Gibt ja immer so Themen bei den Kindern. Wie macht ihr das denn? Das man die fragt. Man kann Tipps nicht vermeiden. Gerade so aus der Familie oder so.

Man kann den Leuten nicht den Mund verbieten, aber das man einfach innerlich auf Durchzug stellt. Und das man sich eben, bevor man den Tipp sich anhört, überlegt, ist das jetzt überhaupt eine Person die dazu was zu sagen hat? Zum Beispiel, ich will jetzt gar nicht so auf die Person eingehen, aber die Generation meiner Omas oder so die dazwischen, die haben einfach keine Ahnung von stillen.

Weil das wurde denen halt komplett ausgeredet und ausgetrieben und weiß ich nicht. Haben quasi nach der Geburt sofort abgestillt und so weiter. Die brauchen mir dazu nichts zu sagen. (unv. #00:32:37-6#) ja, hat es schon wieder Hunger oder so. Da schalte ich einfach auf Durchzug, weil die wissen es nicht. Das ist nicht böse oder es tut mir Leid für die oder für den ihre Kinder und so weiter, aber da brauche ich mir nichts dazu anhören. #00:32:50-5#

PETER: Ja, vielen Dank für den wichtigen Hinweis. Finde ich/ #00:32:53-6#

LISA: Ja, umgekehrt geht das natürlich auch, dass man sich selber zurückhält. Weil andere Eltern sind ja genauso tolle Ratschlägegeber. Wie sagt man? #00:33:02-5#

PETER: Ja, genau. #00:33:04-2#

LISA: So, und das habe ich mir sehr zu Herzen genommen. Ich sage was, wenn man mich fragt. Ansonsten, wenn es für die anderen kein Problem ist, warum soll ich mich da einmischen? #00:33:14-8#

PETER: Genau. Ja, das finde ich ganz schön als Abschluss. Wirklich, das finde ich wichtig sich eben auch in bestimmten Situationen sich zurück zu nehmen. #00:33:26-5#

LISA: Ja. #00:33:27-2#

PETER: Und eben, wenn man gefragt wird, gerne und ansonsten bin ich für ich alleine zuständig. #00:33:33-3#

LISA: Genau. #00:33:35-6#

PETER: Ja auf jeden Fall Lisa, vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast und uns deine/ #00:33:39-7#

LISA: Ja sehr gerne. Hat Spaß gemacht. #00:33:41-3#

PETER: Und uns deine Erfahrungen aus deinem Familienleben mitgeteilt hast. Und vor allem vielen Dank an deine Tochter die da ganz brav an deinem Rücken schläft. #00:33:49-9#

LISA: Ja. #00:33:51-4#

PETER: Wahrscheinlich genießt sie das. Dieses vibrieren deiner Stimme. #00:33:55-2#

LISA: Ja, ja. Wahrscheinlich. Da schläft sie immer am besten ein, wenn ich telefoniere oder sowas mache. #00:34:00-1#

PETER: Genau. Ich werde alle Informationen über dich, über deinen Blog und auch die zwei Bücher die du erwähnt hast in den (unv. #00:34:07-9#) verlinken. #00:34:09-3#

LISA: Ja. #00:34:09-9#

PETER: Und bedanke mich bei dir und wünsche dir noch einen ganz, ganz schönen Tag. #00:34:14-5#

LISA: Dankeschön Peter. Mach es gut. #00:34:16-0#

Gunnar Schuster: Alleinerziehender Vater und Unternehmer [018]

Gunnar Schuster

Was auch ein riesengroßes Problem ist in den meisten Beziehungen, nach den meisten Trennungen, dass die Paare gar nicht mehr miteinander reden, oder dass Väter halt ihre Kinder zu selten sehen und dass immer irgendwelche Streitigkeiten dann über das Kind ausgetragen werden, und dann frage ich mich immer, warum immer diese Machtspielchen.

 

Gunnar erzählt im Interview:

  • Kinder sind neun und knapp zwei Jahre alt.
  • Wenn Du ein Paar ohne Kinder bist, dann gehst du abends weg, mit Kindern ist es relativ schwierig, ausser man holt sich einen Babysitter.
  • Es ist ein Spagat, den ich täglich habe, dass Kinder komplett anders denken. Die Welt einfach anders wahrnehmen.
  • Vormittags arbeite ich und dann ist sozusagen bis abends Bespaßung, in Anführungszeichen, und abends bin ich dann super fertig.
  • Unsere Gesellschaft ist überhaupt nicht für alleinerziehende Väter ausgelegt.
  • Jedes Kind durchläuft verschiedene Stadien, und auf die sollte man sich als Eltern vorbereiten, oder wenigstens mal ein bisschen darüber Bescheid wissen.
  • Für mich ist es wichtig, dass meinen Kindern, auch wenn die Situation so ist, wie sie ist, trotzdem starke Kinder werden.
  • Also am Anfang hatte ich sehr viel Angst, was das jetzt wird, und ob ich da jetzt umfalle oder umkippe, weil ich dann Blut sehe, und letztlich war es eine der besten Erfahrungen meines Lebens.

Aber jetzt endlich zum Podcast!


Gunnar Schuster: Alleinerziehender Vater und Unternehmer [018] jetzt hören

Diesen Podcast abonnieren:


Shownotes:

Gunnar ist Unternehmer, Vater, Philanthrop und ein unverbesserlicher Optimist der dir leidenschaftlich dabei hilft, die beste Person zu werden, die du sein kannst. Gunnar führte in seinem Nr.1 Podcast bei iTunes über 100 Interviews mit erfolgreichen Menschen.

Blog von Gunnar Schuster


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Hier ist der Eltern-Podcast. Schön, dass du wieder dabei bist. Mein heutiger Interviewgast ist Gunnar. Hallo Gunnar. #00:00:08-3#

GUNNAR: Hallo, wie geht es dir? #00:00:09-7#

PETER: Mir geht es gut, und es ist zwar sehr früh heute, ich muss mich noch daran gewöhnen, dass wir um 7:30 Uhr hier ein Interview starten, aber das ist so, wenn man Kinder hat. #00:00:22-8#

GUNNAR: Ja, so sieht es aus. #00:00:23-0#

PETER: Genau. Erzähle uns doch erstmal wer du bist, was du machst, und wie viele Kinder du hast. #00:00:28-8#

GUNNAR: Okay, also mein Name ist Gunnar Schuster, also ich lebe in Berlin und bin alleinerziehender Vater von zwei Kindern und bin selbständig im Bereich Online-Marketing, also ich helfe anderen dabei, ihr Online-Business zu erstellen, bzw. ein Sales Funnel aufzubauen, das ist einfach ein, ja, Verkaufsweg im Internet, wie man halt Produkte vom Interessenten zum Kunden, ja, vermarktet. #00:00:54-7#

PETER: Spannend. Was hat sich durch deine Kinder in deinem Leben verändert, also in der Partnerschaft, im Arbeitsleben? #00:01:05-9#

GUNNAR: Im Arbeitsleben ist, ich bin produktiver geworden, also ich teile mir meine Zeit ganz anders ein. Früher konnte ich halt so lange arbeiten wie ich wollte, heute geht das gar nicht mehr. Also ich stehe meistens früher auf oder bleibe länger auf, also verbringe viel Zeit mit meinen Kindern. Letztlich Organisation ist das Stichwort schlechthin glaube ich, was ich dadurch gelernt habe. #00:01:28-0#

PETER: Okay, also dich besser zu strukturieren und fokussieren. #00:01:31-9#

GUNNAR: Ja, das auf jeden Fall. Ja, und Dinge in kürzerer Zeit fertig zu stellen. Also wo ich früher vielleicht, sagen wir mal, sechs Stunden gebraucht habe, brauche ich jetzt zwei, einfach da ich die Prozesse angegangen bin, habe überlegt, wie ich das ändern kann, weil es einfach nicht geht mit Kindern, oder meine Kinder wollen Aufmerksamkeit.

Also die sind neun und knapp zwei Jahre alt. Und das ist natürlich, jeder hat dann andere Bedürfnisse und die wollen dann auch natürlich ihren Vater haben, und das ist auch ihr gutes Recht, und das will ich natürlich auch. Ich will auch Zeit mit denen verbringen. #00:02:04-7#

PETER: Genau. Und das ist glaube ich auch der Job der Kinder, sich die Aufmerksamkeit zu holen bei den Eltern. #00:02:10-6#

GUNNAR: Ja, das machen sie auf jeden Fall. #00:02:12-7#

PETER: Genau, wir müssen es als Eltern eben lernen eben da zu unterscheiden. Oft versucht man so nebenher zu arbeiten, aber das geht letztendlich nicht. Was hat sich in deiner Partnerschaft verändert durch die Kinder? Du hast gesagt, du bist alleinerziehender Vater, das heißt, da hat sich einiges verändert. #00:02:28-9#

GUNNAR: Ja, das war, ja, die Frage ist ja, ob das jetzt auf Grund meiner Kinder war oder auf Grund meiner Person. Das ist die eine Seite. Was sich verändert hat durch die Kinder: Viele Dinge konnten wir einfach nicht mehr machen. Das ist der eine Punkt. Wir haben andere Dinge dafür gemacht, die auch sehr cool sind, und, ja, es wurde auch wieder, es war, ja, komplett anders irgendwie.

Also es war auf der einen Seite natürlich, wenn du ein Paar ohne Kinder bist, dann machst du halt gewisse Dinge, wie beispielsweise abends weggehen. Das kannst du mit Kindern halt relativ schwierig, außer du findest jetzt jemanden, der darauf aufpasst auf die Kinder. Und ansonsten, ja, was hat sich großartig verändert?

Wir haben unser Leben neu strukturiert, was ich auch schon im Beruflichen gemacht habe. Wir haben auch viele Sachen intensiver wahrgenommen, einfach durch die Zeit, die wir dann verbracht haben. Das sind so Punkte, ja. #00:03:32-5#

PETER: Du hast gesagt, ihr habt euer Leben strukturiert. Also was habt ihr anders gemacht wie vorher? #00:03:39-8#

GUNNAR: Erstens haben wir überlegt, natürlich, also wir haben und hier nicht direkt hingesetzt. Es hat sich einfach so entwickelt, ja. Der Fokus ist ganz einfach erstmals aufs Kind gerichtet, dass es dem Kind gutgeht und in zweiter Linie war bei uns so, dass die Beziehung, und, ja. #00:03:57-4#

PETER: Genau, wie habt ihr das gemacht im Alltag? Diesen Switch zwischen eben Eltern und Kind und Paar? Habt ihr da irgendwie, habt ihr das bewusst gemacht oder ist es einfach so passiert? Oder wie lief das bei euch? #00:04:12-5#

GUNNAR: Kannst du bitte wiederholen die Frage? #00:04:15-0#

PETER: Ja, also es ist ja so, wenn man Eltern ist, dann beschäftigt man sich mit dem Haus, mit den Kindern usw., und dann ist irgendwann mal, sind die Kinder im Bett zum Beispiel oder irgendwie versorgt oder spielen draußen, und dann gibt es wie so eine Switch von diesem Familienpart zum Beziehungspart, oder? #00:04:34-7#

GUNNAR: Genau. #00:04:35-6#

PETER: Habt ihr das/ #00:04:36-1#

GUNNAR: Genau das war bei uns auch so ungefähr. Dann teilweise war dann noch aufräumen angesagt, also wenn wir, die Kinder haben dann teilweise voll die Unordnung hinterlassen, und dann war halt die Beziehung, also wir haben uns um uns gekümmert letztlich, oder Dinge, die im Haushalt getan werden mussten halt. Ja, genau. #00:04:57-9#

PETER: Eben. Das ist glaube ich ein ganz großer Unterschied, ob ihr euch um euch kümmert oder um den Haushalt. Da gibt es wie so ein, eben manchmal macht man das recht unbewusst, manchmal passiert das bewusst, dass hier Paare wirklich Zeit nehmen, oder? Sagen so, jetzt bleibt alles stehen, egal wie es unordentlich aussieht, jetzt machen wir nur noch was für uns. Und das ist die Frage. Habt ihr so was gemacht, oder? #00:05:25-3#

GUNNAR: Ja, es gab immer so, genau, also wir haben uns auch um uns gekümmert. Das auf jeden Fall. Also es war halt irgendwie, also wie gesagt, erst haben wir sozusagen diese Pflichten erfüllt mit den Kinder, dann halt bzw. die ins Bett gebracht, dann noch ein paar Sachen erledigt, und dann um uns gekümmert halt, uns unterhalten oder sonst was halt. Teilweise war es auch so, dass ich mich um mein Business gekümmert hatte, oder sie hatte sich um ihre Dinge gekümmert, also. #00:05:52-9#

PETER: Okay. Was war für dich die größte Herausforderung jetzt in diesen neun Jahren, wo du Kinder hast? Wo du sagst, wow, also das hätte ich mir einerseits so nicht so vorgestellt, und andererseits war das, ja, etwas, ja, wo wirklich herausfordernd war. #00:06:09-6#

GUNNAR: Herausfordernd? Das ist eine gute Frage. Also was ich erlebt habe dadurch ist einfach, dass ich mich stärker reflektiere durch meine Kinder. Also ich würde das nicht zwingend als Herausforderung bezeichnen. Es ist/ #00:06:27-9#

PETER: Das ist eher eine Fähigkeit. #00:06:28-6#

GUNNAR: Ja, sie haben mir den Spiegel vorgehalten immer. Also das würde ich auch mit dem Reflektieren so gleichsetzen. Also das ist irgendwie, am Anfang habe ich immer gedacht, ich bringe meinen Kindern was bei. Eigentlich ist es umgedreht, habe ich das Gefühl. Dass sie mir zeigen, wo meine Schwachstellen sind, wo ich mich weiterentwickeln kann oder entwickeln kann grundsätzlich. #00:06:51-3#

PETER: Hast du da mal ein Beispiel, woran du das merkst? #00:06:54-2#

GUNNAR: Das war einmal was, das war, da hat mein Sohn etwas gesagt, der hat dann zu mir gesagt, da waren wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, und er meinte dann, also ich habe über seine Frisur gesprochen, über seinen Pony, und da habe ich gesagt dein Pony, bla, bla, bla, und er meinte dann, du Schwein.

Und ich war total sauer dann uns habe mit ihm geschimpft und dann war er traurig und dann hat er gesagt, aber du hast mich Pony genannt. Also eine komplett andere Sichtweise auf die Dinge, und das hat so eine krasse Reflektion bei mir hervorgerufen oder auch Reaktion, also innerlich, dass ich das, ja, es war Wahnsinn, und das ist halt dieser Spagat, den ich täglich habe dann, oder fast täglich, dass die komplett anders denken. Diese Dinge, die Welt einfach anders wahrnehmen. #00:08:00-0#

PETER: Genau. Apropos Spagat, das nehme ich gerade mal als Stichwort. Wie schaffst du das als alleinerziehender Vater mit zwei Kindern, das alles unter einen Hut zu bringen? #00:08:10-5#

GUNNAR: Was meinst du mit alles? #00:08:12-4#

PETER: Job, Kinder, Fragezeichen. #00:08:15-5#

GUNNAR: Ja, das ist eine Herausforderung. Also meine Tochter geht jetzt in den Kindergarten. Das ist super. Das heißt, in der Zeit, und mein Sohn geht in die Schule, in der Zeit kann ich arbeiten. Das ist jetzt nicht so viel.

Deswegen stehe ich relativ früh auf, dann arbeite ich bevor sie wachwerden ein bisschen, dann bringe ich die in den Kindergarten und in die Schule und dann arbeite ich, hole meinen Sohn aus der Schule ab, und dann hole ich meine Tochter ab. Und dann ist sozusagen die ganze Zeit bis abends Bespaßung, in Anführungszeichen, und abends bin ich dann super fertig. #00:08:51-8#

PETER: Das glaube ich. Das heißt, du hast durch deine Selbständigkeit hast du die Möglichkeit am Nachmittag für deine Kinder da zu sein? #00:08:59-8#

GUNNAR: Ja, also ich könnte es mir gar nicht vorstellen, wie das wäre, wenn ich angestellt, das geht ja gar nicht. Das ist ja, da gibt es ja auch keine Rahmenbedingungen. Also die Gesellschaft ist ja überhaupt nicht für so was ausgelegt. #00:09:13-1#

PETER: Genau das ist das Dilemma. Viele alleinerziehende Mütter und Väter, dass sie das fast nie unter einen Hut bekommen, Job und Kind, oder? Und das gelingt eigentlich nur, wenn man selbständig ist, und dann auch nur, wenn man eine Selbständigkeit hat, wo man sich die Zeit frei einteilen kann. Genau. Was mich noch interessieren würde wäre Folgendes: Gibt es etwas, wo du dich mal gefragt hast, ist das bei anderen auch so? Gab es irgendwann mal eine Situation mit deinen Kindern, wo du so ein bisschen, ja, hinterfragt hast, ist das noch okay, was da passiert, passiert das allen? #00:09:56-7#

GUNNAR: Nein, das habe ich nicht. Also ich kenne viele Kinder und Eltern mit Kindern, wo ich mich immer frage, weshalb die Kinder sozusagen nicht auf die Eltern hören. So kommt es mir immer vor, weil bei meinen Kindern ist es irgendwie nicht so. Also die sind super entspannt. Das hängt natürlich auch davon ab, glaube ich, wie die Eltern mit den Kindern umgehen.

Das ist ein großer Faktor meiner Meinung nach, ansonsten, nein, also ich habe mich jetzt nicht gefragt, ob das andere Eltern auch haben, weil ich glaube, dass Kinder alle verschiedenen Stadien, oder jedes Kind durchläuft verschiedene Stadien, und auf die sollte man sich halt als Eltern vorbereiten, oder wenigstens mal ein bisschen darüber Bescheid wissen. Und ansonsten, was ganz wichtig ist meiner Meinung nach, dass die Eltern selbst mit sich, ich sage jetzt mal, im Reinen sind, ja, und das gibst du ja dann an die Kinder weiter, weil die Kinder sind ja letztlich der Spiegel von dir selbst. #00:10:58-4#

PETER: Ja, das ist so. Apropos sich informieren. Hast du dich informiert? Also nicht bevor du Vater wurdest, also bevor die Kinder auf die Welt kamen, oder wo sie schon da waren? Es ist ja so, dass das ein ganz neues Feld ist, was sich da auftut. Hast du dich irgendwie informiert in irgendwelchen Büchern, oder im Internet? War da etwas, wo dir geholfen hat, dich da wie dreinzufinden? #00:11:28-6#

GUNNAR: Also ich, ja, also ich habe jetzt, nein, also Bücher über Kinder habe ich jetzt nicht wirklich gelesen. Ja, ich hatte früher, habe ich als Rettungsschwimmer gearbeitet, und, am Werbellinsee, und da hatte ich mit vielen Kindern zu tun. Kann sein, dass ich da eine ganze Menge gelernt habe, aber nicht mit Babys halt. Nichts desto trotz habe ich da eine ganze Menge gelernt.

Ansonsten für mich waren eher Sachen interessant, wie Kinder auf Trennung reagieren, beziehungsweise, was das für Sachen bei Kindern verursachen kann. Also das ist ja für mich immer noch ein akute Sache, beziehungsweise die ist nun Fakt, und für mich ist es wichtig, dass meinen Kindern, auch wenn die Situation so ist, wie sie ist, trotzdem starke Kinder werden und selbstbewusste Kinder werden, und jetzt, ich habe jetzt viele Bücher darüber gelesen, und da steht halt ganz oft drin, dass die Kinder den Fehler bei sich selbst suchen und das ist etwas, was ich vermeiden will, ja, dass sie, ja. #00:12:33-3#

PETER: Okay. Hast du da einen Tipp? Weil das finde ich, das ist auch ein Thema, wo viele Eltern immer wieder trifft. #00:12:40-6#

GUNNAR: Ja, zwePETER: Also dieser eine ist, das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken und den Kinder, also was ich halt mache, ich gebe denen extrem viel Liebe. Also ich glaube halt, ich gehe halt davon aus, dass alle Eltern das machen, ja. Also das ist meistens so, jeder geht ja von sich aus, dass was für ihn oder sie jetzt ihre eigene Welt ist, dass die andern genau so eine ähnliche Welt haben. Das ist aber nicht so, ja. Das ist halt ein Irrglaube. #00:13:09-9#

PETER: Genau. Eben, und du hast gesagt, du hast da recht viel jetzt gelesen, weil es dich selber betrifft. Hast du da vielleicht ein Buch, wo einiges drinsteht, wo man sich rausholen kann? #00:13:19-5#

GUNNAR: Fällt mir jetzt akut nicht ein. Also das, ich habe ein Buch geholt, das ist ein englischsprachiges Buch, da habe ich auch ein paar Kapitel von gelesen, und, also ich bin halt auf dem Standpunkt, dass wenn ich mich auf das Negative fokussiere, dass ich das halt anziehe, beziehungsweise, ja, vergrößere, und daher habe ich mich dann auf andere Sachen fokussiert.

Für mich war halt wichtig zu wissen, was möglich ist oder was passieren kann bei Kindern, ja, um dann halt so meine Strategien oder mein Verhalten in dem Bereich dann zu verändern, und auch mit der Ex-Frau darüber zu sprechen. Was auch ein riesengroßes Problem ist in den meisten Beziehungen, nach den meisten Trennungen, dass die Paare gar nicht mehr miteinander reden, oder dass Väter halt ihre Kinder zu selten sehen und dass immer irgendwelche Streitigkeiten dann über das Kind ausgetragen werden, und so weiter und so fort, und dann frage ich mich immer, warum immer diese Machtspielchen. #00:14:20-2#

PETER: Ja, das ist wirklich ein großes Thema, dass vor allem die Kinder die Leidtragenden sind, oder die darunter leiden. Darf ich fragen, wie ihr damit umgeht? Also wenn du nicht möchtest, du musst nicht darauf antworten, aber könnt ihr noch miteinander reden? #00:14:38-6#

GUNNAR: Ja, das war, ja. Also mit der Mutter von, also wie gesagt, ich habe jetzt zwei Kinder von zwei verschiedenen Frauen. Mit der Mutter von meinem Sohn habe ich eine super Beziehung, und mit der Mutter von meiner Tochter auch, ja. Also da sind noch mehr Emotionen vorhanden, nichts desto trotz ist es so, dass wir von Anfang an erklärt hatten, dass beide Eltern für das Kind verantwortlich sind, und es ist ja auch so, es ist ja eine Mischung aus uns beiden, und ich bin der Meinung, du weißt ja nicht, zu wieviel Prozent jetzt die Gene der Mutter im Kind sind oder die Gene vom Vater, und das Kind gleicht sich ja, auf Grund dieser genetischen Veranlagung oder Vererbung mit den Eltern ab.

Wenn es jetzt nur bei der Mutter ist, und jetzt beispielsweise 70 Prozent der Gene vom Vater sind, dann ist es so, dass das Kind dann irgendwann zu einem Konflikt kommt, weil es immer merkt, okay, die Mutter ist so, aber irgendwie bin ich doch anders, ja, und das kann dazu führen, dass das Kind dann auf jeden Fall irgendwie Störungen bekommt, ja. Daher ist es sehr sinnvoll beide Elternteile hat, bin ich der Meinung, ja. #00:15:58-8#

PETER: Genau. Ja, das ist auch der Punkt, dass für das Kind seid ihr nicht ein Paar, sondern immer Mutter und Vater, egal ob ihr jetzt zusammen seid oder nicht. Also diese Rolle wird man nicht mehr los dem Kind gegenüber, egal ob man als Paar zusammen ist, und dessen muss man sich irgendwie bewusst werden, dass das wie zwei verschiedene Ebenen sind, die man da bespielt. #00:16:19-5#

GUNNAR: Ja, auf jeden Fall. #00:16:22-9#

PETER: Warst du bei den Geburten dabei? #00:16:24-0#

GUNNAR: Nein und ja. Also sagen wir so, bei der ersten Geburt, das war ein Not-Kaiserschnitt, da hatte sich die Nabelschnur um den Hals meines Sohnes gewickelt, also da konnte ich gar nicht dabei sein, weil die ihn ruck zuck rausholen mussten, und bei der zweiten auf jeden Fall. #00:16:44-6#

PETER: Okay. Und wie hast du es erlebt? #00:16:46-2#

GUNNAR: Ja, wahnsinnig cool. Also am Anfang hatte ich sehr viel Angst, was das jetzt wird, und ob ich da jetzt umfalle oder umkippe, weil ich dann Blut sehe, und letztlich war es eine der besten Erfahrungen meines Lebens. #00:17:04-0#

PETER: Genau. So höre ich das immer wieder, oder habe es auch selber so erfahren. Einerseits Angst vor dem Ungewissen, weil man wird so nicht so richtig darauf vorbereitet als Mann, und andererseits dieses Wunder, was da passiert, weil da ist wirklich, ich glaube das kann der Mensch noch gar nicht so richtig fassen, was da passiert.

Dass da plötzlich auf einmal ein vollfunktionstüchtiges Wesen auf einmal da ist, das hat alles, was es braucht, und es lebt. Das ist wirklich ein Phänomen. Eine andere Frage ist noch, als ihr noch zusammen wart, und es gibt ja immer wieder verschiedene Ansichten in Erziehungsfragen. Wie habt ihr das gemacht, wenn zum Beispiel du gemerkt hast, oh, meine Frau macht etwas, wo ich jetzt nicht so gut finde, oder deine Frau oder umgekehrt. Wie habt ihr das gelöst? #00:18:01-7#

GUNNAR: Wir waren uns sehr einig darüber, wie wir unsere Kinder – also wir haben uns darüber unterhalten, was wir wollen, und wie wir das Kind oder wie wir unser Kind erziehen wollen, und das ist oder war zu diesem Zeitpunkt, ja, eine gemeinsame Entscheidung, und die haben wir auch gemeinsam verfolgt dann. Nach der Trennung ist es natürlich schwieriger, das ist etwas, was ich festgestellt habe, weil dann doch andere, ja, Eigenarten dann durchkommen beim Partner oder wem auch immer. Auf den Fall jeder hat ja sein eigenes Leben und seine eigenen Vorstellungen, und das ist dann das, was das Kind erlebt. #00:18:43-1#

PETER: Ja, und wie macht ihr das heute? Also wie du sagst eben, jetzt seid ihr räumlich getrennt, oder? #00:18:48-2#

GUNNAR: Ja. #00:18:47-9#

PETER: Und wie besprecht ihr das, oder wie managt ihr das? #00:18:54-7#

GUNNAR: Wir sehen uns ab und zu, wir reden darüber, und wenn es jetzt Sachen gibt, dann sprechen wir darüber. Also dann schreiben wir, vereinbaren einen Termin, treffen uns und reden dann über diese Thematiken, ja. #00:19:09-0#

PETER: Also das klappt gut? #00:19:10-3#

GUNNAR: Ja, das ist das, was ich am Anfang auch sagte. Das geht in erster Linie darum, bin ich der Meinung, dass die Eltern bevor sie überhaupt ein Kind bekommen sollten, oder grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jeder an sich selbst arbeiten sollte, und dass Beziehungen, auch wenn die auseinander gehen, es gab ja mal Liebe zwischen den beiden Partnern, und dann gibt es ein Kind, und ich bin der Meinung, das Kind sollte der Fokus sein, und nicht der Fokus den anderen zu verletzen, oder seine eigenen Verletzungen dann über das Kind zu transportieren oder so was.

Also das ist der falsche Ansatz, und das ist wichtig, und viele begreifen das einfach nicht, sondern sehen halt einfach nur ihren Schmerz und leben in diesem Schmerz, in dieser Depression, in dieser Trauer, und versuchen das dann auf den anderen zu projizieren. Das ist ein riesengroßer Fehler, meiner Meinung nach, und das ist etwas, was in der Gesellschaft irgendwie nicht kommuniziert wird. So was. #00:20:06-8#

PETER: Ja, ich finde es ist auch eine große Stärke, wenn man das so mit eine bisschen Abstand betrachten kann, und nicht nur aus der eigenen Verletzung heraus zu agieren. Das braucht schon so eine gewisse, sage ich jetzt mal, Stärke und Reflektionsfähigkeit, weil es emotional weh tut. #00:20:24-9#

GUNNAR: Das auf jeden Fall, ja. #00:20:28-5#

PETER: Gibt es eine Fähigkeit oder eine Stärke, die du durch deine Kinder wie entwickelt hast oder neu entdeckt hast? #00:20:35-3#

GUNNAR: Fokus. Also jetzt nicht in neu entwickelt, das ist einfach durch meine Kinder fokussiere ich mich einfach auf Dinge anders, ja. Also einfach weil, die leben ja direkt im Moment und spielen direkt im Moment und machen diese Sachen direkt, beispielsweise meine Tochter, die weint, wenn sie traurig ist, ist wütend, wenn sie wütend ist.

Das ist halt so ganz ehrlich und das färbt halt auch ab, und bei meinem Sohn war das genauso, ja. Das ist halt einfach direkt im Moment leben, auf die Dinge zu fokussieren, weil das einfach das Wichtigste für die Kinder ist. Denen ist es egal, was jetzt hier ringsum passiert, und die wollen einfach nur Zeit mit mir verbringen, und das ist, ja, die fokussieren sich halt auf die Dinge, und das ist etwas, was ich von denen auch gelernt habe nochmal. #00:21:30-6#

PETER: Genau. Also Kinder sind der absolute Meister in diesem fokussieren, und aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass es uns Erwachsenen vielleicht nicht immer so gelingt. Wie machst du das? Also wie schaffst du das, dich von quasi von diesem Kognitiven, vom Denken, vom Geschäft und Alltag, wie schaffst du das, dich zu fokussieren? Hast du da einen Trick oder einen Tipp, wie du das machst? #00:21:51-8#

GUNNAR: Wie schaffe ich das, mich zu fokussieren? Das ist eine gute Frage, und das ist einfach ich habe eine größere Vision für die Dinge. Also jetzt in Bezug zu meinen Sachen, ja, deswegen dann kann ich dann, und ich weiß, wofür ich es mache. Also mein warum ist halt sehr stark und daher, ja, ist das halt einfach dann so. Dann ist die Energie da, die Motivation. #00:22:20-9#

PETER: Also ist das wie so eine bewusste Entscheidung, die du da triffst. Jetzt Fokus, oder? #00:22:25-2#

GUNNAR: Nein, also das ist ja ein Prozess bin ich der Meinung. Wenn du jetzt dein warum kennst, ich beschreibe das Ganze mal so wie ein Uhrwerk. Die meisten beispielsweise, wenn die Ziele setzen, die setzen halt oberflächliche Ziele, genau wie eine Uhr, ist halt eine schöne, hübsche Uhr, und das ist dein Ziel, aber irgendwie fehlt dann das Innere. Was weiß ich, die Zahnräder fehlen dann, und das Wichtigste sind halt die Zahnräder.

Dass die alle ineinandergreifen, dass alles ganz entspannt funktioniert und darüber habe ich mir halt Gedanken gemacht über die ganzen Elemente, die ich brauche, um halt das Ziel zu erreichen, und da ist unter anderem das warum finden extrem wichtig und gehört auch Leidenschaft dazu. Was ist meine Leidenschaft? Und wenn das alles ineinander übergeht und einfach funktioniert, dann, ja, dann brauche ich mich jetzt nicht motivieren, nicht zu fokussieren, oder diszipliniert zu sein.

Das ist dann automatisch. Ich habe dann automatisch Antrieb und mache das, weil das, ich kann das nicht beschreiben, das ist einfach nur wie so ein innerer Drang ist das, keine Ahnung, also das ist einfach dann da. Im Vorfeld habe ich mich damit befasst halt, was das alles ist. Also meine Werte rausgefunden, was will ich überhaupt, was ist mir wichtig im Leben, wo ist meine Leidenschaft, was ist mein warum, warum mache ich das Ganze hier, das ist extrem wichtig, finde ich. #00:23:50-8#

PETER: Ja, das finde ich eine schönes Sinnbild mit der Uhr. Dass man sich eben, dass die Zahnräder wichtig sind, nicht nur die Zeiger, wo die Uhrzeit anzeigen, sondern auch das, was innen abläuft, ja. Gibt es etwas, wo du glaubst, dass werdende Eltern unbedingt wissen sollten? Also Eltern, die noch keine Kinder haben und Kinder erwarten: Was sollen die unbedingt wissen? #00:24:14-3#

GUNNAR: Puh. Ihr Leben wird sich verändern. Das ist einfach so. Also ich, weiß nicht, vorher, oder ich kenne einige, die immer gesagt haben, dass mit Kindern, oder die Kinder als Last gesehen haben. Ich finde einfach, dass ist die größte Bereicherung im Leben. Das ist also Wahnsinn, was sich dadurch verändert hat. Auch jetzt für mich jetzt als alleinerziehender Vater, selbst im Bereich Dating.

Das ist auch eine super Sache, die richtigen Frauen zu finden. Einfach wenn ich sage, ich habe jetzt zwei Kinder und eine Frau findet das jetzt irgendwie blöd, dann weiß ich auf jeden Fall, dass es nicht die richtige ist, weil ich möchte ja eine Frau haben in meinem Leben. Das gilt genauso für Männer. Ich möchte ja eine Frau oder einen Mann haben, der Kinder mag oder die Kinder mag, ja.

Also sonst hätte ich ja keine Kinder, und wenn jetzt jemand sagt, nein, das ist nichts für mich, dann ist das auch gut so, ja. So kann man sehr schnell den potentiellen Partner aussortieren. Noch mal zurück auf die Sache mit werdenden Eltern. Ich kann es nur wiederholen, für mich ist es immer extrem wichtig, dass die Eltern mit ihren Problemen im Reinen sind, weil dann ist alles andere einfach, ja, und, also auch mit den Kindern. #00:25:42-9#

PETER: Ja, das ist, ich würde sagen, ein schönes Schlusswort. Ja, es ist, wie soll ich sagen, es ist ein recht hohes Ethos mit sich selber im Reinen sein. Das ist, glaube ich, ein Weg oder ein Zustand, wo man darauf hinarbeitet, oder sich dahin bewegt, und wenn man das schafft, sich eben zu reflektieren, und sich die Zeit zu nehmen für sich, und so ein bisschen, so eine Meta-Ebene einzunehmen, dann sieht man die Dinge eben anders, und dann sind auch Veränderungen wie Kinder im Leben, oder es gibt ja noch viele andere Veränderungen, die im Leben passieren, vielleicht nicht so überraschend, oder nicht so schwerwiegend, als wenn man das nicht im Fokus hat. #00:26:29-6#

GUNNAR: Ja. #00:26:30-4#

PETER: Okay, ich möchte mich an dieser Stelle bei dir bedanken. Vielleicht kannst du, also was mich noch persönlich interessiert ist, kannst du noch mal etwas über deinen Job erzählen, was du da machst, weil ich denke, das ist für viele spannend, eine Selbständigkeit, wo man sich die Zeit frei einteilen kann. Was ist das, was du da machst? #00:26:48-8#

GUNNAR: Also was ich unter anderem mache ist, ich erstelle Online-Produkte oder Informations-Produkte, um anderen Menschen dabei zu helfen, Online-Business zu erstellen. Also ich habe beispielsweise einen Podcast, so wie du, was du jetzt gemacht hast, und ich bin mit meinem Podcast, also ohne Bekanntheit, ohne e-mail-Liste, ohne Kenntnisse vom Podcast an sich, habe ich meine Podcast innerhalb kürzester Zeit auf Platz 1 bei iTunes gebracht, und das ist etwas, was ich anderen beibringe beispielsweise, wie sie halt mit ihrem Podcast Top-Platzierungen erreichen können, um dahinter dann einen richtigen Sales-Funnel beispielsweise zu packen, um damit dann auch Geld zu verdienen, was möglich ist auf jeden Fall.

Das andere ist, also das ist so eine Mischung aus, also ich habe zwei Sachen, die mich sehr interessieren, das ist einmal Online-Marketing, das andere ist Persönlichkeitsentwicklung, und im Bereich Persönlichkeitsentwicklung habe ich beispielsweise dann einen Kurs, der nennt sich Lebensstarter, und darin sind Elemente, die ich eben schon genannt habe. Da geht es halt darum, wie du dir eine Karriere und Leben aufbaust, dass du liebst, was auch das Oberthema des Podcasts letztlich ist. Ich unterhalte mich halt mit Menschen, wie sie das geschafft haben, sich eine Karriere und Leben aufzubauen, dass sie lieben, und die Leute, die sich das anhören, können dann super, also sehr viele Tipps da herausziehen, und das für ihr eigenes Lebens anwenden, auch wenn die noch in einem Angestelltenverhältnis sind, und, ja, das ist es letztlich.

Und wenn du diese Produkte dann hast, dann kannst du dann über die Kunden, die du bekommst, dir, also das lässt sich über, Traffic nennt sich das im Internet, ist also Besucherströme auf deine Webseite zu leiten, und die dann konvertieren zu lassen, also von Interessenten oder Besucher, Interessent und Käufer, dass dann letztlich Käufer daraus entstehen, und das mache ich, und in diesen Sachen berate ich auch, oder in diesen Sachen berate ich auch andere Menschen, damit die das genauso machen können. Genau. #00:28:41-9#

PETER: Ja, das hört sich sehr spannend an. Ja, ich finde es wirklich, es ist einfach eine neue Art Geschäfte zu machen, finde ich. So dieses Online-Offline-Verbindung. Ich werde es auf jeden Fall in die Notizen packen, deine Links zu deiner Seite. #00:28:59-2#

GUNNAR: Ja, gerne. Also das ist: gunnarschuster.com und dort finden dann die Leute auch alle den Lebens(unv.) #00:29:06-8#, falls sie sich dafür interessieren. Es gibt drei Module kostenlos, also dass man sich erstmal, was ich ganz extrem wichtig finde, die drei sind sich selbst zu reflektieren, oder sein Leben, seine aktuelle Situation zu reflektieren, dann seine Stärken und Schwächen herauszufinden, das in ein Lebensrad zu packen und dann Werte, und das ist, da gibt es zwei Module zu Werten.

Das eine ist kostenlos und das andere ist dann mega-intensiv und Werte herausfindend, weil das ist meiner Meinung nach extrem wichtig um später auch, wenn man seine Werte kennt, auch wenn man angestellt bleiben will, was auch vollkommen okay ist, wenn man seine Werte kennt, dann kann man sich die Jobs aussuchen, die richtig gut zu einem passen und kann Entscheidungen besser treffen, ist fokussierter usw., ich freue mich auf jeden Fall, wenn du es in die Show-Notes packst. #00:29:52-5#

PETER: Ja, sehr gerne. Okay, wir wären am Ende angelangt. Ich möchte mich bei dir bedanken für die Zeit, die du dir genommen hast, auch als alleinerziehender Vater, wobei du gerade gesagt hast, deine Kinder sind jetzt versorgt im Kindergarten und in der Schule. #00:30:08-0#

GUNNAR: Ja. #00:30:10-3#

PETER: Und liebe Grüße nach Berlin. #00:30:11-0#

GUNNAR: Danke schön. Es hat mir extrem viel Spaß gemacht, und ich hoffe, wir hören uns bald wieder. #00:30:15-7#

PETER: Ja, ich auch. Also tschau. #00:30:17-5#

GUNNAR: Bis dann, tschüss. #00:30:18-1#

Guido Schüffelgen: Mein Leben als Vollzeitvater [017]

Guido Schueffelgen

Als Vollzeitvater habe inzwischen einen Wahnsinns Respekt vor allen arbeitenden Hausfrauen, zum Beispiel auch vor meiner Mutter. Also die hat das früher, das ist ja noch eine ganz andere Zeit gewesen, die hat gearbeitet und zwar praktisch Vollzeit und mich großgezogen. Später auch alleinerziehend. Und wie man das so schaffen kann, das finde ich total beeindruckend.

 

Guido erzählt im Interview:

  • Es war am Anfang extrem hart sich umzustellen und das hätte ich so nicht erwartet. Ich habe mir nicht vorstellen könne wie viel Arbeit es ist.
  • Plötzlich sass ich zu Hause mit dem Kleinen Lebewesen und alle anderen waren weg. Meine Freunde, meine Arbeitskollegen und meine Frau, alle bei der Arbeit.
  • Manchmal war es so anstrengen, dass ich es nicht geschafft habe meiner Frau etwas zum Essen zu kochen.
  • Durch meinen Sohn habe ich eine grosse soziale Kompetenz gelernt, er ist darin ein Weltmeister.
  • Ich habe drei Jahre gebraucht, um mich von den klassischen männlichen Stereotypen zu befreien. Und es war tatsächlich eine Befreiung.

Aber jetzt endlich zum Podcast!


Guido Schüffelgen: Mein Leben als Vollzeitvater [017] jetzt hören

Diesen Podcast abonnieren:


Shownotes:

In der Tagespflege spielen die Jungen und die Mädchen gleichwertig miteinander und tauschen auch ganz selbstverständlich die Rollen. Da sind die Mädchen auch mal der Vater und die Jungen sind die Mutter. Als Erwachsene scheinen wir diese Fähigkeit komplett verlernt zu haben. Ich selber habe mich zu Beginn sehr schwer mit dem Rollentausch getan und musste viele Dinge mühsam lernen.

Wie das passierte schreibe ich seit fünf Jahren in meinem Blog.

Vollzeitvater.de


Guidos Büchertipps:


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Hier ist wieder der Eltern Podcast mit einem neuen Interviewgast. Heute ist es der Guido aus Mönchen-Gladbach. Hallo Guido. #00:00:07-2#

GUIDO: Hallo. #00:00:09-1#

PETER: Guido erzähle uns doch erst einmal wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast. #00:00:13-5#

GUIDO: Ja, also ich bin jetzt schon seit fünf Jahren Hausmann. Ich habe vorher als Produktmanager gearbeitet. Unser Sohn ist jetzt fünf Jahre. Wie hätten gerne noch mehr gehabt, das hat der aber selber sehr effektiv verhindert. Und deswegen ist es bei einem geblieben und wird wohl auch so bleiben. #00:00:46-9#

PETER: Das heißt Hausmann, du bist zu hundert Prozent zu Hause? #00:00:51-9#

GUIDO: Kann man so sagen, ja. Ich arbeite zwar noch ein bisschen nebenher, ich schreibe ja auch noch einen Blog. Aber ich bekomme dafür kein Geld, also im Prinzip kein Geld, und deswegen kann man sagen ich bin eigentlich hundert Prozent Hausmann. #00:01:03-6#

PETER: Und wie kam es zu der Entscheidung? #00:01:07-9#

GUIDO: Ja wir hatten in unserer Beziehung relativ früh schon klar gemacht, wenn wir einmal irgendwann Kinder haben, dann möchten wir eigentlich, dass wir nicht irgendwie eine Teilzeitlösung finden, sondern einen, der wirklich zu Hause bleibt. Und wir haben damals abgesprochen, der der mehr Geld verdient, der geht halt weiter arbeiten und der weniger Geld verdient, der bleibt halt dann zu Hause.

Meine Frau hatte wahrscheinlich nur nicht damit gerechnet, dass ich das sein würde. Ich übrigens auch nicht. Und, ja, so ist es halt gekommen. Als dann die Entscheidung anstand, obwohl meine Frau und ich die gleiche Ausbildung haben und auch dazwischen halt viele Ähnlichkeiten existieren, war es halt so, dass sie einfach zu diesem Zeitpunkt wahnsinnig viel mehr verdient hat und deswegen ist sie halt weiter arbeiten gegangen. #00:01:54-7#

PETER: Und wie geht es dir damit seit fünf Jahren zu Hause zu sein mit dem Kind? #00:02:03-2#

GUIDO: Inzwischen gut. Am Anfang war es sehr hart. Es war halt eine extreme Umstellung, die ich auch so nicht erwartet hatte. Und da hatten wir auch einige Höhen und Tiefen in den ersten drei Jahren, kann man sagen. Und bin inzwischen froh, dass wir jetzt so aus dem Gröbsten heraus sind. Was natürlich auch an dem Alter des Kindes liegt. Jetzt ist es ja schon fünf. Der hat zwei Jahre lang halt gar nicht geschlafen. Also wirklich gar nicht.

Also wirklich je (unv. #00:02:13-4#) im ersten halben Jahr. Und dann alle zwei Stunden bis er zwei Jahre alt war. Und da kommt man, ob man will oder nicht und egal wie stressresistent man ist, man geht da echt an die Belastungsgrenze heran, da kann mir also keiner etwas anderes erzählen. Und das hat natürlich auch immer Auswirkungen auf alles. Auf die Beziehung, auf den täglichen Alltag und wie man sich da so durchkämpft. Und dazu kam dann ja der Rollentausch noch obendrauf. Also es ist ja eine Doppelbelastung gewesen, wenn man so will.

Als Mann, ich habe also diese Vorbereitungskurse habe ich alle nicht mitgemacht und dann wurde mein Sohn geboren und am nächsten Tag war ich zu Hause. Am Tag vorher habe ich noch einen zehn Stunden Tag gekloppt, um irgendwie meinen Arbeitsplatz zu verlassen. Und dann sitzt man auf einmal zu Hause, hat dieses kleine Lebewesen in der Hand und im Prinzip sind ja alle weg. Ich hatte vorher Arbeitskollegen, die waren nicht mehr da. Die Freunde, die waren jetzt ja alle arbeiten. Meine Frau ist ja nach ein paar Wochen, also nach dieser Mutterschutzfrist, wieder arbeiten gegangen.

Da saß ich zu Hause und habe eine regelrechte Wochenbettdepression bekommen. So heißt das glaube ich. Können tatsächlich auch Männer kriegen, habe ich dann gelernt. Also mir ist da wirklich die Decke auf den Kopf gefallen, ich war völlig depressiv. Hat nicht lange angehalten, Gott sei Dank. Also ich habe mich dann halt da wirklich nach draußen gerettet, habe den also Stunden lang durch die Gegend getragen. Auch um nicht einzuschlafen tagsüber. Und so haben wir das dann halbwegs hingekriegt. Also das war eine sehr sehr schwierige Zeit am Anfang. #00:03:55-3#

PETER: Das finde ich eine ganz spannende Situation, weil habe ich noch nie so gehabt, einen Vollzeit Vater sozusagen, der praktisch eigentlich das erzählt, was alle Mütter erzählen, wie es ihm ging. #00:03:45-3#

GUIDO: Ja, das war auch der Kulturschock. Ich meine, da habe ich mir vorher überhaupt keine Gedanken darüber gemacht. Ich war auch wirklich naiv. Ich habe gedacht, na ja bleibst du mal zu Hause, hast ein bisschen mehr Zeit für dich. Also inzwischen ist es so, muss ich einmal fairerweise sagen, seit mein Sohn in den Kindergarten geht, habe ich auch mehr Zeit für mich. Aber die ersten drei Jahre, das war die Hölle, also das hätte ich mir im Leben nicht vorstellen können, wie viel Arbeit das ist und wie schwierig der Alltag auch sein würde.

Also auch aus dieser Situation heraus, dass ich als Mann halt irgendwo hin gehe, was das für Probleme mit sich bringt. Das hätte ich mir vorher überhaupt nicht vorstellen können. Ich bin dann ja auch zum Beispiel als Mann zur Stillberatung gegangen. Das klingt jetzt erst einmal wie ein Widerspruch, es ist aber heute viel liberaler als man sich das so vorstellt. Zumindest das wo ich hingegangen bin. Das nannte sich dann auch geschlechtsneutral Milchbar. Das war eine ganz tolle Sache vom Krankenhaus, wo halt die Hebammen quasi eine Stunde oder zwei Tipps gegeben haben zu allem Möglichen, was das Kind betrifft.

Und das war für mich unheimlich wichtig, einfach um einmal neue Sozialkontakte zu finden. Also ich war ja in keinem Vorbereitungskurs oder so etwas und habe so einen Quatsch ja alles nicht mitgemacht. Und das war für mich unheimlich wichtig halt erst einmal wieder irgendwo Anschluss zu bekommen und einmal mit Leuten zu reden, die in einer ähnlichen Situation sind. Das hat halt schon sehr gut getan. #00:05:03-5#

PETER: Und wie haben die Menschen dort reagiert, wenn du als Mann zur Stillberatung kommst? #00:05:10-5#

GUIDO: Ja der ein oder andere hat da schon einmal komisch geguckt zwar, aber so im Großen und Ganzen war das viel liberaler, als ich mir das so vorgestellt habe. Die hatten auch einen Stillraum nebenan, also wenn es einen gestört hat, dass ich da war, dann ist er halt nach nebenan gegangen. Ansonsten fühlte ich mich da sehr gut aufgehoben. Danach eine Krabbelgruppe zu finden war viel viel schwieriger. Das hätte ich mir jetzt so auch nicht vorgestellt. Bei der ersten Krabbelgruppe, die ich besucht habe, die war ausgerichtet von der Caritas oder so, da kam ich in einen Raum hinein, da waren fünfzehn Frauen drin und als ich mich hinsetzte für das quasi Probedasein, da ist die Hälfte der Gruppe aufgestanden und gegangen. #00:05:48-7#

PETER: Wirklich? #00:05:49-7#

GUIDO: Ja das ist kein Witz. Das war ein regelrechter Schock. Also ich dachte, so etwas kann doch nicht wahr sein. Fairerweise waren viele mit Migrationshintergrund, wahrscheinlich. Die hätten Probleme gehabt, zu Hause zu erklären, was sie da zusammen mit einem Mann machen, denke ich einmal. Also ich habe es dann irgendwie auch verstanden. Ich konnte mich auch für diese Gruppe nicht entscheiden, weil ich wollte die ganze Gruppe nicht sprengen. Wenn ich da hingekommen wäre, die hätte sich aufgelöst. Habe mir dann halt eine andere Gruppe gesucht, wo das dann besser klappte.

Das war dann der dritte Anlauf insgesamt. Das hat dann gut funktioniert. Das war halt dann ein bisschen, sage ich einmal liberaler, ich war natürlich trotzdem wieder der einzige Mann. Und was ich immer so irritierend fand, man hat immer versucht, wenn man mit mir ein Gespräch angefangen hat, dann hat man immer versucht, mit mir über Fußball zu reden oder über Autos. Hat mich noch nie interessiert. Also ist halt Zufall so, ich habe noch nie irgend etwas für Fußball übrig gehabt und Autos interessieren mich auch nur insofern, als dass man damit fahren kann.

Und das war immer sehr komisch. Wenn ich dann versucht habe wirklich einmal über kochen zu sprechen, da waren die immer sehr irritiert. Das hat dann immer eine Weile gedauert, bis das dann so lockerer wurde. #00:06:57-6#

PETER: Ja das finde ich eine sehr sehr spannende Reaktionen, kann ich mir bildhaft vorstellen. #00:07:02-8#

GUIDO: Ja, ich bin auch auf aggressive Frauen getroffen. Also Mütter, die wirklich quasi ihr Revier verteidigen wollten. Die fanden das überhaupt nicht lustig, dass ein Mann jetzt quasi in ihren persönlichen Wirkungsbereich eintritt. Das kann man gar nicht glauben, wenn man das nicht live erlebt hat. Aber es ist wirklich so gewesen. Die waren viel weniger tolerant, als man sich das vorstellt. Also zumindest als ich mir das vorgestellt habe. Die fanden das überhaupt nicht toll, dass ein Mann das macht. Auf der anderen Seite habe ich auch ganz oft Väter getroffen, die gesagt haben „ach Mann ja, also zu Hause geblieben wäre ich ja auch gerne“.

Dann sage ich „ja echt, erzähl mal, wie hast du dir das denn vorgestellt?“. „Ja so und so, dann hätte ich ein bisschen Zeit für mich gehabt“, dann sage ich „ja, dir ist schon klar, dass du auch putzen musst und auch ein bisschen Wäsche machen musst?“. „Nein, also putzen und Wäsche hätte ich nicht gemacht. Das muss meine Frau machen.“ Und so viel zum zu Hause bleiben. Und ich habe ja auch einen regelrechten Hass entwickelt. Darf man so gar nicht sagen wahrscheinlich. Auf Väter, die zwei Monate zu Hause geblieben sind in Deutschland. Also diese zwei Monats-Elternzeit. Ich habe auch einmal einen getroffen, der es ernst genommen hat. Aber ich sage jetzt einmal neun von zehn, und ich habe viele, viele getroffen, die sind dann einmal in der Woche mit dem Kind auf den Kinderspielplatz gegangen und den Rest der Zeit haben sie die Garage aufgeräumt, Parkett verlegt, das Auto geputzt oder sonst irgendwelchen Kram gemacht.

Von den Kehrarbeiten, wie man das so schön Neudeutsch sagt, zu Hause, haben die überhaupt nichts übernommen. Das heißt die Mutter hat nach wie vor den ganzen Haushalt geworfen und die waren halt zusätzlich zwei Monate zu Hause. Und das fand ich halt überhaupt nicht gut. Für mich widersprach das dem Sinn des Elterngeldes. Und ich habe es denen zwar dann irgendwo gegönnt. Aber die haben sich dann halt da als die neuen Väter hingestellt und ich habe mir gedacht, ja okay, hatte ich mir jetzt irgendwie anders vorgestellt. Ja, fand ich etwas traurig. #00:08:46-2#

PETER: Du hast vorhin erzählt, dass die ersten zwei, drei Jahre recht anstrengend waren. Was war für dich so die größte Veränderung auch in der Beziehung zu deiner Frau in dieser Zeit? #00:08:57-9#

GUIDO: Ja, wir haben uns am Anfang schon ein bisschen in die Wolle bekommen. Weil halt irgendwie diese Aufteilung der Arbeit nicht so ganz klar war. Ich habe mich persönlich beleidigt gefühlt, wenn sie einen Wischmopp in die Hand genommen hat, weil ich gedacht habe, Mensch jetzt habe ich es schon wieder nicht gut genug gemacht oder so. Das war schwierig am Anfang. Das hat auch wirklich lange gedauert, bis sich das gefunden hat. Und ich habe oft das Gefühl gehabt, wenn ich auch halt dann zu Hause einmal zwei Stunden lang/ Also ich war völlig fertig, ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, dann kann man halt tagsüber nicht acht Stunden lang Vollleistung mit irgend etwas liefern.

Dann hat auch der Haushalt am Anfang echt gelitten, weil ich es einfach nicht konnte. Ich war so müde. Der Wille war da, aber es war einfach nicht zu machen. Und dann hat man schon ein schlechtes Gewissen, meine Frau kommt nach Hause und es ist eben nicht das Essen fertig auf dem Tisch. Diesen persönlichen Anspruch hatte ich mir selber gestellt, dass wenn meine Frau nach Hause kommt, das Essen ist fertig, die Bude ist geputzt und die Wäsche ist gemacht und sie muss sich um nichts kümmern, außer sich auf das Sofa setzen später und ein Buch lesen oder so.

Und dann sich um unser Kind kümmern. So hatte ich mir das gedacht. Inzwischen klappt das auch so halbwegs, aber die ersten zwei Jahre war das völlige Utopie, das ging überhaupt nicht. Nicht weil ich es fachlich nicht hinbekommen hätte, also ich weiß durchaus mittlerweile wie man eine Waschmaschine füllt, aber die Leistung, die konnte ich einfach nicht bringen. Dafür war ich viel zu geschafft. #00:10:23-1#

PETER: Und wie habt ihr das dann zusammen gelöst? #00:10:26-2#

GUIDO: Ja mit viel reden. Wir reden tatsächlich auch immer noch sehr sehr lange jeden Tag und so können wir halt viele Probleme lösen und auch von vornherein vermeiden. Das geht auch bei der Erziehung des Kindes ganz genauso. Wir sind uns in 99 Prozent der Fälle einig, bevor die Situation wirklich eintritt. Und wenn eine Situation eintritt, die wir noch nicht hatten, dann sprechen wir abends darüber, wenn keiner dabei ist und dann klären wir das.

Das führt dann oft im Bekanntenkreis zu Irritationen, wenn wir halt gemeinsam in den Urlaub fahren mit anderen Eltern, was wir gerne tun. Oder auch uns treffen mit vielen anderen Eltern. Wir galten lange Zeit als die strengsten Eltern der Welt, was ich nie nachvollziehen konnte. Und auf der anderen Seite hieß es irgendwie, dass wir uns nie streiten. Das fanden wir immer sehr amüsant, weil wir streiten uns durchaus. Es ist halt nur, wir tragen das nicht nach außen, sondern wir klären das meistens halt abends zu Hause. Und wenn ich dann einmal richtig sauer bin oder meine Frau richtig sauer ist und wir unterwegs sind, dann sind immer alle total geschockt.

Wie kann denn das passieren? Ist aber tatsächlich so, dass wir diese Sachen halt meistens vorher klären. Wenn dann halt irgendwie eine Situation eintritt, dann sind wir uns halt in dem Moment tatsächlich einig. #00:11:41-5#

PETER: Was war so im Nachhinein die größte Herausforderung? #00:11:45-9#

GUIDO: Der Rollentausch an sich. Also, muss man glaube ich gemacht haben, sonst kann man das nicht verstehen. Ich habe inzwischen einen Wahnsinns Respekt vor allen arbeitenden Hausfrauen, zum Beispiel auch vor meiner Mutter. Also die hat das früher, das ist ja noch eine ganz andere Zeit gewesen, die hat gearbeitet und zwar praktisch Vollzeit und mich großgezogen. Später auch alleinerziehend. Und wie man das so schaffen kann, das finde ich total beeindruckend. Also Alleinerziehende, die arbeiten gehen und Kinder haben sowieso, das ist für mich so die Horrorvorstellung, dass ich so etwas machen müsste.

Also ich bin ganz froh, dass wir jetzt so eine sehr komfortable Situation haben, wo wir das nicht müssen. Und dass so halbwegs alles gesichert ist und wir uns nicht so wahnsinnig viele Sorgen machen müssen. Und ich bin auch froh, wenn jetzt so Sachen passieren, wie jetzt im Kindergarten zum Beispiel/ Der ist jetzt ja im letzten Kindergartenjahr, wir wissen jetzt schon, für nächstes Jahr wird er eingeschult. Und vom letzten Kindergartentag an bis zur Einschulung sind sieben Wochen. Also wir müssen sieben Wochen überbrücken. Also wenn wir jetzt beide arbeiten würden und beide einen Teilzeitjob hätten, oder von mir aus beide Vollzeit arbeiten würden, ich frage mich, wie man das machen soll.

Das ist doch totale Theorie. Also dann müssen die Großeltern einspringen. Das ist auch bei vielen so, die wir im Bekanntenkreis haben, wo halt so eine Teilzeitregelung beide machen. Also einer arbeitet Vollzeit, einer Teilzeit, oder beide Teilzeit. Ohne Großmütter bekommen die das gar nicht hin. Und das war etwas, was wir nicht wollten. Also wir hätten es machen können, wenn wir unbedingt gewollt hätten, wir wollten unsere Großeltern da aber nicht drin haben. Und deswegen war so eine Teilzeitlösung auch wahnsinnig kompliziert.

Das bekommt man vielleicht in der Theorie hin, aber ich glaube in der Realität, ohne jemanden, auf den man dann zurückgreifen kann, ist das praktisch nicht zu machen. Also wenn es einer schafft, habe ich Respekt davor. Ich kann mir das für uns nicht vorstellen. #00:13:39-7#

PETER: Ja, das was du beschreibst, dieses Los der alleinerziehenden Mütter und Väter, das ist wirklich nicht zu beneiden und eine Höchstleistung, finde ich, die die Menschen da vollbringen. #00:13:52-9#

GUIDO: Absolut, also ich sehe mich in einer sehr komfortablen Situation als Hausmann. Wir haben es aber halt auch bewusst so gewollt. Wir hätten es auch anders herum gewollt. Also wenn jetzt der Fall eingetreten wäre, dass ich mehr verdiene als meine Frau und sie wäre zu Hause geblieben, dann hätten wir das auch so gemacht. Und hätten es auch beide gut gefunden. Das war also von vorne herein klar, dass wir dieses klassische Rollenbild haben wollen. Es ist halt anders herum gekommen, aber von der Idee her ist es ja trotzdem das klassische Rollenbild. Also es hat sich ja nichts geändert an der Aufteilung der Arbeiten.

Die Arbeiten sind halt nur verkehrt herum, sozusagen, im Sinne der Gesellschaft. Aber wir haben praktisch die gleiche Rollenaufteilung, wie in den fünfziger, sechziger Jahren, nur eben die Geschlechter getauscht. Und das bringt dann auch in vielen Dingen einen anderen Blick auf die Dinge. Also Sachen, die mir vorher im Leben nicht aufgefallen wären, dass zum Beispiel die Clichés mit der Rolle tauschen. Also das ist so etwas, das im Alltag halt immer wieder vorkommt. #00:14:47-3#

PETER: Genau. Welche Fähigkeiten beziehungsweise Stärken hast du durch deine Vollzeitvaterrolle entdeckt oder weiterentwickelt oder verstärkt? #00:14:57-9#

GUIDO: Also ich war früher jetzt nicht gerade berühmt dafür, eine besonders tolle soziale Kompetenz zu haben. Und die habe ich auf jeden Fall verbessert, auch wenn ich immer noch Längen hinter meinem Sohn stehe. Also der hat eine, der überrascht mich jede Woche wieder, was der da an den Tag legt an Mitgefühl, Verständnis und Aufmerksamkeit. Das ist absolut der Hammer, da komme ich im Leben nicht dran.

Also das hat er wirklich gut mitgekriegt irgendwie, wahrscheinlich nicht von mir, sondern von meiner Frau. Aber ich finde es immer wieder toll. Ich selber habe halt auch die Sicht auf die Dinge verändert. Ich habe am Anfang noch massiv versucht irgendwie meine Männlichkeit anhand von Stereotypen und Clichés aufrecht zu erhalten, musste aber einsehen, dass das nicht nur wahnsinnig viel Arbeit ist, sondern dass mich das auch wahnsinnig unglücklich macht. #00:15:46-3#

PETER: Entschuldigung. Das macht mich jetzt ein bisschen neugierig. Wie hast du das genau gemacht? #00:15:50-8#

GUIDO: Na ja, also es gibt ja so die, sagen wir einmal, die ganz klassischen Männer Stereotypen. Und man glaubt ja irgendwie, dass das wichtig wäre. Also ich habe das zumindest einmal geglaubt. Und inzwischen weiß ich natürlich, dass das totaler Schwachsinn ist. Aber ich habe damals geglaubt, es ist wichtig, dass ich halt am Grill stehe oder so, jetzt so übertrieben gesagt. Oder dass ich derjenige bin, der bestimmte Dinge tut und dass ich derjenige bin, der das Ikea Regal aufbaut.

Und irgendwann habe ich halt eingesehen, dass ich mir das Leben nur unnötig kompliziert mache. Und seit ich eingesehen habe, dass ich auch nur eine Mutti bin, so wie alle anderen auch, geht das eigentlich wunderbar. Und am Anfang, wenn es dann hieß „jetzt bauen die Mütter die Geräte auf“ und ich saß da wieder als einziger Mann dazwischen, habe ich noch gedacht „muss das sein?“.

Und an dem Tag, wo ich gesagt habe „ja, mein Gott, ich gehöre halt auch dazu“, dann wurde das Leben auf einmal viel viel entspannter. Kann man gar nicht beschreiben. Das war also wirklich wie eine Befreiung, zu sagen, so jetzt ist mir doch das Geschlecht völlig egal. Und das wurde also deutlich besser so nach drei Jahren. Also es hat echt eine lange Zeit gedauert. #00:16:57-8#

PETER: Also ein langer Lernprozess. #00:17:00-1#

GUIDO: Sehr langer Lernprozess, ja. Inzwischen bin ich darüber wirklich völlig hinaus. Ist mir völlig egal, was andere von mir denken. Und da gab es jetzt noch einmal so eine Welle, als mein Sohn jetzt in den Kindergarten gekommen ist und er hat nun mal ein Faible als Junge für rosa Glitzereinhörner und Prinzessinnen. Da kam der irgendwann einmal völlig verzweifelt nach Hause und hat also auch geweint und hat gesagt „ach das war so doof im Kindergarten, ich will da nicht mehr hin“. Ich sage „was ist denn passiert?“ und dann hat er halt erzählt, ja, also die Mädchen, mit denen er gerne spielt, hätten gesagt, also er dürfte kein Rosa tragen, das wäre eine Mädchenfarbe.

Ja, dann war ich halt so irritiert, weil ich hatte zum Einen, das ist wahrscheinlich auch stereotypes Denken, dabei erwische ich mich natürlich immer noch, hatte ich gedacht, dass eher die Jungs Probleme machen, wenn er Rosa trägt. Es waren aber tatsächlich die Mädchen, die der Meinung waren, also er dürfte jetzt also kein rosa T-Shirt tragen. Also das erste, was ich gemacht habe an dem Abend, ich habe mir erst einmal rosa T-Shirts bestellt. Ich hasse Rosa. Aber ich habe mir dann rosa T-Shirts bestellt, um die dann am nächsten Tag oder möglichst schnell in den Kindergarten anzuziehen, was nebenbei bemerkt gar nicht so einfach war, ein rosa T-Shirt in meiner Größe für einen Schnitt als Mann zu bekommen. Ich habe dann aber welche gekriegt und bin damit im Kindergarten aufgelaufen.

Ich glaube an diesem Morgen habe ich mindestens sieben Weltbilder zerstört. Also die Gesichter von diesen kleinen Kindern, Jungs wie Mädchen, die mich/ Ich meine, man kann ja jetzt nicht gerade leugnen, dass ich ein Mann bin, in einem rosa T-Shirt in diesem Kindergarten aufgelaufen bin. Das war einfach göttlich. Und der Witz ist, ich ziehe die halt jetzt immer noch so zwischendurch einmal an. Und letztens war jetzt ja ein Wechsel im Kindergarten, die eine Gruppe ist ja zur Schule gegangen, jetzt kamen ja Neue in den Kindergarten, die Eltern kannten mich logischerweise alle nicht. Und die haben mich angeguckt wie vom siebten Stern. Mann mit einem rosa T-Shirt? Der hat ein Kind, wie hat er das denn gemacht? Das fanden die also total irritierend. Das konnte man den Gesichtern also wirklich ansehen, das hat sich also kein Stück geändert in der Zeit. #00:18:58-7#

PETER: Interessant. Du hast vorhin erzählt oder angedeutet, wie ihr so Probleme als Paar löst. Wie macht ihr das eigentlich, wenn ihr verschiedene Ansichten habt in Erziehungsfragen? #00:19:12-4#

GUIDO: Es ist tatsächlich so, dass meine Frau und ich uns wirklich oft einig sind. Es gibt momentan eigentlich nur ein Thema, wo wir uns nicht einig sind, und das ist eben der Umgang meines Sohnes mit Rosa im weitesten Sinne. Also grundsätzlich haben wir beide nichts dagegen und wir tolerieren das auch, also wir schreiten da nicht ein, er soll sich frei entfalten können.

Da versuchen wir also wirklich einen guten Ansatz. Ich persönlich würde auch noch einen Schritt weiter gehen, von mir aus könnte er auch Kleider anziehen, sich die Fingernägel lackieren und mit einem rosa Fahrrad zum Kindergarten fahren. Da zieht dann meine Frau allerdings oft die Bremse und sagt „nein, ich will nicht, dass er ein rosa Fahrrad hat, ich möchte nicht, dass er ein Kleid anzieht und Fingernägel lackieren geht auch nicht“. Nicht weil sie da zu konservativ wäre, sondern weil sie Angst hat, dass unser Sohn darunter leidet, wenn er dann in den Kindergarten geht. Das möchte sie also dann halt einschränken. Und ich musste ihr dann irgendwann auch an einem bestimmten Punkt einmal Recht geben, weil ich gesehen habe, dass es tatsächlich, was ich vorher wirklich nicht so erwartet hatte, zu massiven Problemen führt.

Mein Sohn macht zum Beispiel jetzt auch noch Ballett, hat er sich selber ausgesucht. War nicht meine Idee, ich hatte ihn zuerst zum Judo geschleppt. Judo fand er doof, dann haben wir Fußball versucht, Fußball fand er auch doof. Und dann hat er gesagt, er möchte zum Ballett. Da haben wir ihn dann angemeldet und der ist total glücklich. Und hatte jetzt beim Ballett hatte der eine weiße Leggings mit einem Elsa T-Shirt an. Elsa Anna ist bekannt, nicht? Also ein blaues T-Shirt mit einer Prinzessin darauf, oder so. Königin Elsa. Und der ist da regelrecht verprügelt worden von den Mädchen in der Ballettgruppe, weil er ein Elsa T-Shirt anhatte. Und das sind so Momente, wo ich persönlich halt ausflippe und das war in dem Moment auch, wo ich eingesehen habe, dass meine Frau vielleicht Recht hat. Dass man bei aller Liberalität, die man da an den Tag legen kann, schon vorsichtig sein muss, dass das Kind darunter nicht dann irgendwann doch leidet. Der war natürlich völlig verstört an dem Nachmittag.

Das fand der so gar nicht witzig, was man halt auch gut nachvollziehen kann. Das war ja Mobbing par Excellence. Und da er jetzt nächstes Jahr in die Schule gehen soll, versuchen wir halt schon so immer einen Kompromiss zu finden. Inzwischen klappt das ganz gut. Zum Beispiel jetzt der neue Schulranzen. Wir hatten ihm da eine Auswahl hingestellt, einen Katalog, er durfte sich einen aussuchen. Und er hat natürlich zielgerichtet den mit Einhörnern in Rosa genommen. Hat meine Frau gesagt „nein, also das ist keine gute Idee. Den musst du vier Jahre haben. Nicht dass du nachher keine Lust mehr auf Einhörner und Rosa hast“, der kostet ja auch ein Schweine Geld so ein Rucksack, so ein Turnister. Fällt man ja um heutzutage.

Und dann haben wir einen Kompromiss gefunden. Er kriegt also einen in einer neutralen Farbe, ich glaube er ist jetzt grün. Und er darf sich Feen, Einhörner und Prinzessinnen darauf kleben, also mit so Klettverschluss Teilen. Die kann man später einmal wechseln, wenn er keine Lust mehr darauf hat. Und dann ist es ein Kompromiss, der war für meinen Sohn okay, der ist für mich okay und der war für meine Frau okay. Und so versuchen wir das eigentlich momentan zu lösen. Er hat auch, als wir ein neues Kinderfahrrad gekauft haben, hat er ein blaues Fahrrad gekriegt, dafür aber mit einer rosa Fahne daran. Weil es halt einfacher ist, die rosa Fahne zu tauschen, wenn ihm die irgendwann mal zu blöd sein sollte, als das Fahrrad neu zu lackieren. Und dafür ist es einfach zu teuer. Es geht aber noch darüber hinaus.

Wir haben es am Anfang auch ehrlich gesagt unterschätzt. Wir haben gedacht, na ja gut, der mag jetzt Rosa, lass den einmal drei Jahre im Kindergarten sein, dann wird er das ablegen, dann werden ihn die anderen Jungs schon irgendwie auf ihre Spur gebracht haben und dann wird er Cars toll finden und so etwas. Ist aber nicht passiert. Er ist jetzt drei Jahre im Kindergarten und an seiner Neigung hat sich halt nichts geändert, er findet nach wie vor Rosa toll. Und deswegen sage ich jetzt auch, kann man ruhig einmal Sachen kaufen, die etwas mehr wert sind, wir müssen uns eigentlich keine Sorgen machen, dass er es morgen irgendwie doof findet. Das war halt auch immer noch so ein finanzieller Aspekt, der dahinter schwang. #00:22:56-6#

PETER: Ja, das (unv. #00:22:57-1# ). Was sollen deiner Meinung nach werdende Eltern unbedingt wissen? #00:23:02-9#

GUIDO: Es ist am Anfang ja schon ein bisschen fatal, wenn halt das Geschlecht klar ist, wird das Zimmer eingerichtet. Das ist jetzt so eine Sache, die habe ich als Tagesvater halt noch mitgenommen aus der Ausbildung. Man sollte das Zimmer halt nicht überfrachten mit Farben und nach Möglichkeit halt dieses Schubladendenken erst einmal vermeiden, damit die Kinder wirklich einen freien Willen haben. Wenn ich ein Mädchen in einem rosa Zimmer groß ziehe, wo die Tapeten rosa sind und rosa Einhörner an der Decke schweben und das Bett in Rosa ist und alles andere auch in Rosa, da hat es ja keine Chance. Es kann ja gar keinen freien Willen entwickeln, das ist ja für das Kind unglaublich schwierig. Und ich würde jetzt auch nicht den Fehler machen, alles in Blau zu legen. Sondern man sollte halt vielleicht gucken, dass die Farben entweder wirklich bunt sind oder nicht überfrachtet. Also ich bin auch kein Fan von überbunten Kinderzimmern. Das darf ruhig ein bisschen neutral sein. Die Spielzeuge sind ja meistens schon bunt genug heutzutage.

Also das Zimmer würde ich jetzt nicht so überfrachten, das wäre so der Einstieg. Und später halt, wenn man die ersten drei Jahre Spielzeug kauft, es gibt unglaublich viel Spielzeug, was nicht hält, und dass man da halt schon schaut, dass man vielleicht auch gebrauchte Sachen nimmt, dass man halt nicht so viel Geld zum Fenster hinaus wirft. Also wir haben so viel Quatsch gekauft, da würde ich mir heute auch denken, mein Gott, warum hast du dafür so viel Geld ausgegeben. Oder so die Kinderzimmerausstattung an sich, die haben wir damals aus irgendeinem bekloppten Grund neu gekauft, würde ich nie wieder tun. Weil die ist nach drei Jahren eigentlich obsolet, wenn man Glück hat hält sie fünf. Aber dafür viel Geld auszugeben, es gibt sicherlich Leute, für die ist das egal, aber ich würde da persönlich jetzt auch eher daran sparen und dann lieber etwas Gebrauchtes nehmen. #00:24:46-2#

PETER: Ja. Warst du eigentlich bei der Geburt dabei? #00:24:49-1#

GUIDO: Ja, war ein nicht geplanter Kaiserschnitt. Ich war dabei, ich habe auch genau genommen das Bonding mit dem Kind gemacht, weil meine Frau ja noch eine halbe Stunde im OP war, bis die versorgt war. Und ich fand das gut so. Also ich wollte nicht dabei sein, meine Frau hat darauf bestanden. Witzigerweise hat sie nachher gar nicht kapiert, dass ich hinter ihr gestanden habe. Weil man wird ja komplett verkleidet, ich sah ja aus wie ein Arzt. #00:25:16-1#

PETER: Genau, du warst ja im OP. #00:25:18-3#

GUIDO: Ja und da die ja schon halb benebelt war von den ganzen Drogen, hat die gar nicht realisiert, dass ich überhaupt da gewesen bin. Also insofern hätte ich auch nicht hinein gehen können. Ich habe es aber auch jetzt nicht bereut oder so. Ich fand das ganz toll, dass ich dann meinen Sohn direkt mitnehmen konnte. Ich habe dann quasi ja dann mit hinaus genommen und dann auf sie gewartet. Und wir waren ja auch relativ schnell wieder zu Hause. Also ich hätte es nicht haben müssen, ich fand es jetzt aber auch nicht schlimm. #00:25:43-5#

PETER: Okay. Was ich noch interessant finde bei deiner Geschichte ist, also einerseits, dass du Vollzeitvater bist, andererseits, du bist auch ein zertifizierter Tagesvater. Ich wusste bis dato gar nicht, dass es so eine Ausbildung gibt. Muss ich ehrlich zugeben. Erzähl doch einmal, was ist das für eine Ausbildung? #00:26:01-1#

GUIDO: Ja das ist aus einer Spinnerei eigentlich entstanden. Wir haben damals überlegt halt eine Tagesmutter zu suchen. Und wir wollten es aber auch nicht so wirklich, weil ich war ja nun mal zu Hause, also wir brauchten es ja auch nicht. Und dann habe ich mit einem Freund diskutiert und der sagte „du, das ist eine Marktlücke, werde doch Tagesvater. Die gibt es so gut wie gar nicht“, sagte der zu mir. Und dann ich so, wie Tagesvater, habe ich gar nicht darüber nachgedacht. Und dann habe ich mich ein bisschen informiert, beim Jugendamt angerufen, festgestellt, mittlerweile braucht man dafür eine Ausbildung, sonst darf man das gar nicht machen. Und habe gedacht, na ja, das hört sich eigentlich gar nicht so schlecht an, ich werde mir das einmal angucken.

Das ist halt eine Ausbildung, die glaube ich, damals waren es 160 Unterrichtsstunden, heute sind es 320, wenn ich richtig informiert bin. Also es ist schon relativ umfangreich. Das ging über mehrere Jahre. Also immer an Abenden und Wochenenden. Und wir hatten wirklich richtig gute Dozentinnen, also ich habe von denen wirklich viel gelernt auch über Kinderphysiologie und Kindererziehung und das hat mir auch wahnsinnig viel geholfen, auch wenn nicht immer alles sinnvoll war. Aber so in der Erziehung des Kindes, um damit klar zu kommen und zu verstehen, was das Kind da jetzt gerade durchmacht, fand ich super. Und habe dann halt parallel dazu halt mit der Tagespflege angefangen. Was ich auch durchaus noch länger gemacht hätte, wenn wir nicht umgezogen wären. Also ich hatte die nächste Charge Kinder quasi schon festgemacht, da hatte ich schon drei neue Verträge. Und die musste ich dann aber leider kündigen, als ich umgezogen bin. Und da wir das ungeschickt gemacht haben, auf die falsche Seite von der Stadtgrenze zu ziehen, wurde meine Pflegeerlaubnis dann erst einmal obsolet.

Und die neu zu beantragen war dann plötzlich in der neuen Stadt ein Riesen Aufwand. Da habe ich es dann sein lassen, weil wir waren jetzt auf die Kohle nicht angewiesen. Ich habe es also wirklich gemacht, damit mein Kind nicht alleine zu Hause herum hängt, also dass der möglichst viele Spielpartner hat. Das hat auch voll funktioniert. Ich habe mich dann innerhalb des Ortes mit den anderen Tagesmüttern sozusagen vernetzt. Wir sind dann jeden Tag gemeinsam auf den Spielplatz gegangen, sodass immer so zehn Kinder da herumgerannt sind, wie bei einer Großtagespflege. Obwohl wir halt alle einzeln gearbeitet haben.

Das hat also gut funktioniert. Und so hat er halt auch genug Spielkameraden gefunden. Das wäre sonst so auf dem Dorf ein bisschen schwierig gewesen. Es gab ja genug Kinder vor Ort, aber es wäre halt praktisch unmöglich gewesen, die durch Zufall draußen zu treffen. Also das kriegt man nicht geregelt. Und so hat das dann halt ganz gut funktioniert, deswegen habe ich das auch gemacht. Also ich kann es jedem empfehlen. Allein der Ausbildung wegen. Auch wenn es Geld kostet, man kann das von der Steuer absetzen. Also das, was da an Inhalten vermittelt wird ist generell kein Fehler. #00:28:36-0#

PETER: Gibt es eigentlich ein Buch oder ein Hörbuch, wo dir geholfen hat in deine neue Rolle hinein zu finden oder um bestimmte Dinge, ja, bestimmte Stressfaktoren aufzulösen? #00:28:50-7#

GUIDO: Na ja, also ich habe das ein oder andere habe ich gegoogelt. An Büchern, ich lese zwar unheimlich gerne, ich habe aber ganz bewusst und absichtlich keinerlei pädagogische Erziehungsratgeber gelesen. Ich wollte mich da überhaupt nicht beeinflussen lassen, sondern das nach meinem eigenen Gutdünken erst einmal versuchen und wenn ich ein Problem finde, dann würde ich mich gezielt informieren. Das habe ich auch so gemacht. Und durch die Tageselternausbildung hatte ich ja auch immer wirklich kompetente Pädagogen, die ich fragen konnte, wenn etwas war.

Also sie hatten wirklich super Ausbildungen teilweise. Und so bin ich ganz gut klargekommen. Ich habe tatsächlich nur ein Buch gekauft. Ich muss einmal ganz kurz eben den Hörer ablegen, kleinen Moment. Da ist es. Das hat mir geholfen. Ist eigentlich ein Fachbuch aus der Kindertagespflege, kann ich aber jedem empfehlen, der Kinder hat bis drei Jahre. Das ist Entwicklungsbeobachtung und Dokumentation aus dem Cornelsen Verlag, das haben drei Sozialpädagogen geschrieben und das ist eigentlich zur Beurteilung von Kindern im Alltag der Kindertagespflege. Daran kann man aber die Entwicklungsschritte sehr gut nachvollziehen und findet auch gleichzeitig Aufgaben, die man mit seinem Kind machen kann.

Das ist also keine schlechte Sache, wenn man sich für die Entwicklungsgeschichte ein bisschen interessiert. Also das wäre so eine Empfehlung. Das Buch ist allerdings relativ teuer. Dafür ist es halt ein Fachbuch und das kostet so um die vierzig Euro oder so. Da sind auch viele Sachen drin, die man jetzt als Eltern nicht wirklich braucht, sondern wirklich für die Tagespflege oder für den Kitaeinsatz gedacht ist. Aber ich fand das so, weil es relativ einfach erklärt, wie Kinder wann welche Schritte machen. Das fand ich also an sich nicht verkehrt. #00:30:34-3#

PETER: Du hast auch einen Blog, der Vollzeitvater heißt. Seit, ich glaube fünf Jahren. #00:30:39-8#

GUIDO: Ziemlich genau fünf Jahren, ja. #00:30:41-5#

PETER: Ja. Was schreibst du dort? Welche Themen greifst du da auf? #00:30:47-7#

GUIDO: Ja am Anfang hat es sich wesentlich mehr um das Kind gedreht und um die Tagesvatergeschichte. Eigentlich sollte die Webseite nur die Familie informieren. So in den ersten Monaten. Und dann kam halt die Tagespflegegeschichte dazu, dann sollte es auch die Tageskindereltern informieren, die bei mir sind. Was so passiert und wie ich das ansetze. Und auch Werbung machen für meine Tätigkeit als Tagesvater, um zu erkennen halt, was habe ich überhaupt für eine Einstellung zu Erziehung und was für ein Konzept verfolge ich dahinter.

Und das wurde dann halt mit der Zeit hat sich das dann auch gewandelt. Inzwischen versuche ich meinen Sohn aus dem Blog weitestgehend heraus zu halten. Es gibt auch keine Fotos mehr von ihm da drin, das war am Anfang auch noch anders. Bis er so zwei, drei Jahre alt wurde, habe ich damit langsam aufgehört. Das habe ich also inzwischen auch herausgenommen. Und dementsprechend ändern sich die Themen, aber auch der Inhalt. Also wenn ich jetzt selber Artikel lese von vor vier Jahren, zum Beispiel, dann bin ich teilweise noch erschrocken, wass ich damals für eine Einstellung hatte. Das ist tatsächlich so, es hat sich unglaublich viel getan in der Zwischenzeit. Und ich schreibe nicht mehr so regelmäßig wie früher, also jetzt nur noch alle zwei Wochen vielleicht einen Artikel. Versuche dann aber etwas umfangreicher zu schreiben und nicht mehr so über jeden Pups, wie man das am Anfang so macht. Als neue Eltern schreibt man ja über jeden Scheiß. Und das hat sich halt ein bisschen geändert. #00:32:14-6#

PETER: Okay. Ich werde auf jeden Fall den Link zu deinem Blog und auch das Buch in den Notizen verlinken. Ich möchte aufgrund der vorangeschrittenen Zeit mich bei dir bedanken für, ja, für den Einblick in das Leben eines Vollzeitvaters. #00:32:34-6#

GUIDO: Ja, hat mich sehr gefreut. War ja auf jeden Fall einmal etwas anderes. #00:32:37-4#

PETER: Genau, das finde ich auch. Und, ja, ich wünsche dir noch alles Gute nach Mönchen-Gladbach. #00:32:43-2#

Anke Neckar: Lächeln und winken ist meine beste Strategie [016]

Anke Neckar

Genauso habe ich in meinem Blog Lächeln und Winken auch meine Fehlgeburt letztes Jahr kommuniziert und aufgeschrieben, weil es für mich wichtig gewesen ist, darüber zu sprechen und weil das genauso ein Tabuthema ist, wenn wir verlieren. Da redet auch keiner darüber und da sind gerade wir Frauen genauso alleine damit, wie mit diesem Gefühl, wenn wir ein trotzendes Kind am Arm hinter uns herziehen und denken, die ganze Stadt guckt uns an. Wir sind aber nicht alleine. Mit keinem dieser Themen.

Anke erzählt im Interview:

  • Leider so ziemlich alle Freundschaften, die wir vorher hatten, abhandengekommen, weil wir die Rollen, die wir hatten, nicht mehr erfüllen konnten.
  • Denn die wirklichen Freunde, die kannst du auch nachts um zwei anrufen und sagen: Ich raste gleich aus, das Kind schläft einfach nicht. Aber die sind wirklich rar gesät und das kann man sich vorher kaum vorstellen.
  • Man hat ständig das Kind auf dem Arm. Ich war oder bin ein sehr unsportlicher Mensch. Das war tatsächlich einfach muskulär auch eine enorme Umstellung von null Muskeln auf zumindest ein gestähltes Rückgrat und starke Arme, weil man den ganzen Tag das Kind herumschleppt.
  • In den ersten Wochen wird das Gehirn förmlich auf null geschaltet und nur noch die Basissachen funktionieren.
  • Wir haben nicht diesen Background wie viele, dass wir Familie haben, wo wir die Kinder einfach einmal guten Gewissens abgeben können.
  • Und die Ella hat einfach nicht geschlafen, ich glaube, ich habe das erste Mal nach eineinhalb Jahren wieder abends mit meinem Mann auf der Couch gesessen.
  • Ich verdiene kein Geld, daran knacke ich auch immer noch, ehrlich gesagt. Ich glaube, das ist in unserer Gesellschaft kaum weg zu kriegen.

Aber jetzt endlich zum Podcast!


Anke Neckar: Lächeln und winken [016] jetzt hören

Diesen Podcast abonnieren:


Shownotes:

Das Leben – mit einem semi-professionellen Rennradfahrer-Ehemann, einer (fast) immer zauberhaften kleinen Tochter im Kleinkind-Trotz-Alter und einem nachts lieber doch nicht schlafenden Baby-Söhnchen – hat manchmal einen echt seltsamen Humor.

So wie Anke Neckar, die Autorin von LÄCHELN UND WINKEN. Passt also und ist die Basis für ihre möglicherweise ab und zu leicht satirisch angehauchte Familien-Kolumne.

LÄCHELN UND WINKEN

Link zu meinem Lieblings-Hebammen-Blog: https://www.hebammenblog.de

Link zu meinem Lieblings-alle-Babys-schlafen-schlecht-Blog: http://www.nestling.org


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Hier ist wieder der Eltern-Podcast, mein Name ist Peter Michalik und mein heutiger Interviewgast ist Anke aus Köln. Hallo Anke. #00:00:09-6#

ANKE: Hallo Peter. #00:00:11-7#

PETER: Liebe Anke, erzähle uns doch erst einmal, wer du bist, was du in deinem Alltag machst und wie viele Kinder du hast. #00:00:18-0#

ANKE: Also mein voller Name ist Anke Neckar, ich bin 39 Jahre alt, ich habe zwei Kinder. Meine Tochter ist gerade drei geworden, mein Sohnemännchen ist sechs Wochen alt. Beruflich bin ich, seit meiner Tochter auf die Welt gekommen ist, Zuhause und ein bisschen in Pause sozusagen, immer noch in voller Mama-Zeit.

Damit ich mich nicht zu sehr langweile mit meinen Kindern, wo man sich ja so langweilt mit Kindern, schreibe ich meine Seite Lächeln und Winken. Seit eineinhalb Jahren mache ich das. Ja, um mich so ein bisschen auszulasten. Ich bin nämlich eigentlich Werbetexter. Das heißt, Schreiben ist mein Beruf und auch meine totale Natur.

Ich brauche das, um ausgeglichen zu sein und irgendwann hat mein Mann gesagt, ich sollte mir doch vielleicht einmal eine Seite anlegen und wieder regelmäßig schreiben. Wahrscheinlich bin ich ihm unausgeglichen schrecklich auf den Keks gegangen. #00:01:14-4#

PETER: Okay. Ich finde diesen Namen „Lächeln und Winken“ sehr spannend. Wie ist es dazu gekommen? #00:01:20-1#

ANKE: Ehrlich gesagt, ist das einfach das, was ich mache, wenn ich nicht mehr so genau weiter weißt. Also ich fand den Spruch, der ist natürlich nicht ursprünglich von mir, „Lächeln und Winken“, aber ich habe, also gerade als Mutter finde ich, ist man so oft in einer Situation, wo man total perplex da steht und sich fragt, wie man zum Teufel jetzt bitte wieder in diese Situation oder in dieses Gespräch gerutscht ist. Und ich finde „Lächeln und Winken“ und dann einfach still und leise abgehen ist oft noch die beste Möglichkeit, sich aus der Affäre zu ziehen. #00:01:53-1#

PETER: Ja, das ist eine gute Methode. Anke, was hat sich in deinem Leben durch deine zwei Kinder verändert? #00:02:02-9#

ANKE: Eigentlich alles, ehrlich gesagt. Also ich möchte niemandem Angst machen, aber bei mir hat sich wirklich alles verändert. Ich habe meinen Job so wie er war, an den Nagel gehängt. Bin komplett Zuhause, kümmere mich in erster Linie wirklich um meine Kinder, ja, ich finde, meine Beziehung hat sich auch total verändert.

Wir waren so ein klassisches, sage einmal so, so ein klassisches Werberpaar, wie man sich das aus der Agenturszene eigentlich so vorstellt. Wir haben viel gearbeitet, haben uns selbst sehr wichtig genommen, waren viel feiern, haben viel zu viel getrunken und noch viel mehr geraucht und ja, und dann haben wir das alles an den Nagel gehängt und haben uns komplett verändert. Mein Mann ist jetzt super sportlich. Ich nicht. Auf mich hat das nicht abgefärbt, glücklicherweise.

Ja und ich, ja, habe den Fokus total tatsächlich auf Kind und Familie und wir haben beide aufgehört zu rauchen. Sind da furchtbar stolz darauf, dass wir beide seit über drei Jahren jetzt nicht mehr rauchen, das geschafft haben, auch nicht mehr zurückgefallen sind. Ernähren uns besser, noch nicht gut, aber besser. Und ja, haben wirklich viel gemacht und dadurch, dass wir uns so sehr verändert haben, sind uns leider so ziemlich alle Freundschaften, die wir vorher hatten, abhandengekommen, weil wir die Rollen, die wir hatten, nicht mehr erfüllen konnten. #00:03:30-2#

PETER: Ah ja, spannend. Und wie seid ihr damit umgegangen? #00:03:33-1#

ANKE: Das war so ein schleichender Prozess. Wir haben es erst gar nicht so richtig gemerkt. Wir waren ja sehr eingespannt auch. Beim ersten Kind ist man ja in so einer Wolke irgendwie und braucht, also wir haben jedenfalls eine ganze Zeit gebraucht, bis wir dann auch einmal herausgeguckt haben und gesagt haben: So, wie sieht es denn eigentlich in dem Rest der Welt aus?

So außerhalb unserer Spucktücher und Windeldimension. Und haben festgestellt, dass uns keiner mehr anruft und keiner mehr besuchen kommt. Und ja, und dann, ja, denkt man so ein bisschen darüber nach, okay, aber es passte nicht mehr. Unsere ganzen Freundschaften oder die meisten jedenfalls, waren darauf aus, dass man abends etwas zusammen unternommen hat. Klar, alle arbeiten viel heutzutage und gerade in unserer Branche ist es Gang und Gebe, dass man auch länger als bis sechs arbeitet und länger als acht und um zehn gehen, also ich kenne kaum junge Eltern, die um zehn Uhr abends noch sagen, so, hier ist der Babysitter, ich bin topfit nach drei Stunden Schlaf und jetzt gehe ich ein bisschen auf die Rolle.

Das macht man nicht. Ja, dann haben sich die Leute nicht mehr gemeldet. Dafür findet man andere Menschen. #00:04:41-1#

PETER: Eben, wollte ich gerade fragen, habt ihr euch praktisch einen neuen Freundeskreis aufbauen müssen? #00:04:45-8#

ANKE: Ja, genau. Also wobei, also wir haben erst einmal angefangen zu differenzieren, wer ist Freund und wer ist ein Bekannter. Man kommt ja immer irgendwann an diesen Punkt, wo man das macht und ich finde, wenn man ein Kind bekommt, dann kristallisiert sich das ganz schnell heraus, wer ist jetzt, was ist ein Arbeitskollege, was ist eine Trinkbekanntschaft, was ist eine Tanzbekanntschaft.

Und wer ist ein wirklicher Freund? Denn die wirklichen Freunde, die kannst du auch nachts um zwei anrufen und sagen: Ich raste gleich aus, das Kind schläft einfach nicht. Aber das sind wirklich, die sind wirklich rar gesät und das kann man sich, finde ich, vorher kaum vorstellen, weil so die Grenzen verschwimmen so toll eigentlich, bis man ein Kind bekommt. Dann werden die Grenzen ganz klar gezogen, finde ich. #00:05:25-5#

PETER: Wie war das für dich jetzt vom hochprozentig Arbeiten, ich will damit nicht sagen, dass man als Mutter nicht hochprozentig arbeitet, aber anders, oder? #00:05:33-5#

ANKE: Es ist total anders. Also ich finde es auch immer noch anders. Deshalb habe ich ja auch „Lächeln und Winken“, weil ich das brauche, pur mit dem Kopf zu arbeiten. Ich bin eigentlich ein Kopfmensch und ja, konzentriere mich sehr intensiv, tauche ab in meine Textwelten und habe das in meinem Beruf auch so gemacht.

Muss man auch. In der Agentur muss man abtauchen können, weil es total wuselig ist, wenn man Pech hat. Und das war eine irre Umstellung. Plötzlich so körperlich so wahnsinnig aktiv zu sein und in Anspruch genommen zu werden. Man hat ständig das Kind auf dem Arm. Ich war oder bin ein sehr unsportlicher Mensch. Das war tatsächlich einfach muskulär auch eine enorme Umstellung von null Muskeln auf zumindest ein gestähltes Rückgrat und starke Arme, weil man den ganzen Tag das Kind herumschleppt.

Bis hin dazu, dass man gerade in dieser ersten Phase, wenn die normalen Menschen, mit denen man jeden Tag verbracht hat, man hat jeden Tag acht bis zehn Stunden mit erwachsenen Menschen in einem Büro gesessen, sich unterhalten, sich ausgetauscht, zusammen Dinge entwickelt, war kreativ bei der Sache und dann ist man plötzlich im Prinzip 24 Stunden nur noch mit einem Säugling zusammen, der wirklich wenig zu sagen hat erst einmal. Und ja, da wird das Gehirn förmlich auf null geschaltet und nur noch die Basissachen funktionieren.

Dass man wieder aufsteht, obwohl man nicht geschlafen hat, dass man es schafft, zu stillen, dass man es schafft, die Wohnung nicht komplett verrotten zu lassen und vielleicht einmal seinem Mann sagt: Schön, dass du noch da bist. Aber viel mehr, also habe ich die ersten, ich würde sagen, die ersten drei Monate habe ich nicht viel mehr geschafft. #00:07:25-2#

PETER: Das hört sich so nach Überlebensmodus an. #00:07:27-4#

ANKE: Ja. Ja, finde ich. Genau das richtige Wort. Also ich finde, also bei uns war das wirklich die ersten zwei, drei Monate, sind wir beide nur im Überlebensmodus gelaufen und ja, haben einfach nur ausgehalten, glaube ich. Dann wurde es aber besser. #00:07:44-3#

PETER: Okay. Ja, da komme ich später noch einmal darauf. Was mich noch interessiert, du hast erzählt, dass sich auch die Partnerschaft verändert hat. #00:07:51-0#

ANKE: Ja. #00:07:51-8#

PETER: Kannst du uns einmal so ein bisschen ein Beispiel geben, in welche Form? #00:07:56-7

ANKE: Also erst einmal natürlich ganz klar in der Art und Weise, wie man seine Zeit miteinander verbringt. Also mein Mann und ich haben tatsächlich, waren viel unterwegs, wir waren viel draußen, dann viel feiern und wenn wir das nicht gemacht haben, haben wir das totale Gegenteil gelebt und haben Wochenenden komplett im Bett gelegen und haben Staffeln, ja, ich bin einfach ehrlich, Star Trek geguckt.

Wir sind so Trekkies. Und haben uns da total, ja, total drin zurückgezogen. So und das geht nicht mehr. Das haben wir, also ein Wochenende im Bett liegen, wenn du Kinder hast, kannst du nicht machen. Und ja, also das, was wir tun, hat sich verändert. Das, worüber wir sprechen natürlich, hat sich total verändert. Wenn einer komplett aus dem Beruf aussteigt, ist natürlich, ich möchte nicht sagen, es fehlt ein Hauptthema, aber es verändert sich.

Also wo wir früher in erster Linie, was heißt in erster Linie, aber viel auch über Arbeit gesprochen haben, ist jetzt natürlich das Hauptthema die Kinder. Mein Mann kommt nach Hause, umreißt kurz, was er im Büro gemacht hat oder was jetzt gerade die Aufgabenstellung ist und dann geht es darum, was ist mit den Kindern? Was haben wir erlebt? Wie ist die Entwicklung? Was haben wir gemacht? Was habe ich nicht geschafft? #00:09:16-2#

PETER: Wie macht ihr das, euch die Zeit für euch selber zu nehmen, also ohne Kinder, ohne, einfach nur du und dein Mann? #00:09:24-3#

ANKE: Also da muss ich ganz ehrlich sagen. Da versagen wir einfach total. Da sind wir wirkliche Versager. Wir haben nicht diesen Background wie viele, dass wir Familie haben, wo wir die Kinder einfach einmal abgeben können guten Gewissens. Da ist sehr wenig, ja und wir haben von Anfang an nicht das Gefühl gehabt, dass ein Babysitter für uns jetzt gerade in der ersten Zeit eine gute Idee ist, weil die Bindung zum Kind sehr stark war oder ist. Und wir da einfach nicht so das Vertrauen hatten und dann hast du eigentlich keine Zeit.

Und die Ella hat einfach nicht geschlafen, ich glaube, ich habe das erste Mal nach eineinhalb Jahren wieder abends mit meinem Mann auf der Couch gesessen. Aber auch das schafft man. Das ist es. Also ich finde, wenn man das so hört, dann erstens denkt man: Oh Gott, sind die bescheuert, es gibt immer einen Weg. Und zweitens, wie soll das eine Beziehung aushalten? Ja, hält sie aus. Das hält sie aus. #00:10:23-9#

PETER: Genau, das finde ich spannend. Also es gibt viele verschiedene Wege, dass man diese Bindung als Paar beibehält, oder? Und wenn ihr da für euch einen Weg gefunden habt, das finde ich gut, ja. Dass man sich dann eben immer noch als Paar sieht und nicht als Feinde. #00:10:38-9#

ANKE: Ja. Ja, gut, die Momente gibt es natürlich schon auch. Aber alles in allem sehen wir uns absolut als Paar und ich glaube, wenn man es schafft, zwischendurch sich an der Hand zu nehmen im größten Chaos, sich kurz anzugucken und zu sagen: Ich liebe dich trotzdem und wir schaffen das zusammen, dann hast du die halbe Miete schon drin. Dass man sich streitet, ist klar. Gerade beim ersten Kind haben wir uns also wirklich heftig in der Wolle gehabt am Anfang.

Und dass man wenig Zeit füreinander, das ist auch klar und auch normal, glaube ich. Aber man muss immer einmal zwischendurch einander angucken und sagen: Wir machen es zusammen. Wir machen es immer noch zusammen. #00:11:25-7#

PETER: Ja, das finde ich schön. Hört sich schön an. Was mich interessiert, welche Fähigkeiten oder Stärken hast du durch deine Kinder neu entdeckt oder entwickelt oder verstärkt? #00:11:38-3#

ANKE: Ich glaube, in erster Linie so, ja, so Koordination. Timing, Planung, wobei also das ist das, was ich gerne mache. So und was ich gerne durchziehe und was man mit einem Kind, glaube ich, verstärken muss, um so ein bisschen das Gefühl zu haben, man hat noch die Fäden in der Hand. Aber andererseits ist es genau das Gegenteil, was ja passiert mit dem Kind. Man verliert so ein bisschen die Kontrolle. Es ist deutlich schwieriger, sich zu koordinieren und zu planen und ich glaube, mit mehr Kindern, die älter werden, wird es immer schwerer.

Aber ja, für mich ist, ich behalte so da so ein bisschen die Hoffnung und jeden Tag auf das Neue versuche ich irgendwie, meine Pläne zumindest grob noch durchzuziehen und parallel nicht zu jammern, wenn es nicht klappt. Also ich glaube, was man oder was ich auf jeden Fall gelernt habe durch die Geburt meiner Kinder ist, mich selber nicht mehr so in den Mittelpunkt zu stellen.

Das funktioniert nicht. Und dass ich gerne die Fäden in der Hand habe und gerne plane, das gehört rein zu mir. Das ist meinen Kindern pupsegal und ja, da muss ich mich dann auch zurückstellen. Ich versuche es und es ist mir wichtig und ich glaube, ich habe viel dazu gelernt. Dinge zu planen und mit Fallen klar zu kommen, schnell umzudisponieren, aber gleichzeitig auch zu sagen, wenn es nicht klappt, ja, klappt nicht. Dann klappt es nicht. Und nicht auszurasten. #00:13:11-1#

PETER: Du hast vorhin gesagt, du hast gelernt, dich nicht mehr in den Mittelpunkt zu stellen. #00:13:16-3#

ANKE: Ja. #00:13:17-0#

PETER: Wie machst du das? #00:13:19-1#

ANKE: Ich finde, das passiert auch irgendwie ganz automatisch. Also wenn, das sind ja schon so ganz kleine, ja, was heißt kleine Sachen, so wann möchte ich was tun? Das interessiert meine Kinder nicht. Ich gehe auf das Klo, wenn mein Kind mir die Zeit lässt, auf das Klo zu gehen. Also gerade, wenn man jetzt, ich habe totale Traglinge immer.

Das heißt, ich habe die immer im Tragetuch und am Körper. Da überlegt sich schon, wann man sich dieser Aufgabe stellt, damit auf das Klo zu gehen. Ja, und auch größere Sachen. Ich habe/ Früher habe ich immer gedacht, wenn jemand gesagt hat: Wenn man mich vor die Wahl stellen würde, ob mein Kind sein Leben lässt oder ich, würde sofort ich freiwillig dahin scheiden. Und ich habe immer gedacht: Oh Gott, wie pathetisch. Meine Güte. Aber es ist exakt so.

Ich bin in meinem Leben nicht mehr das Wichtigste. Das Wichtigste sind meine Kinder. Und die Vorstellung, die zu verlieren, ist so angsteinflößend und so überwältigend riesig. Ich würde auch sofort, sofort würde ich sagen: Nein, lasse meine Kinder in Ruhe, nimm mich. Ohne mit der Wimper zu zucken. Und das finde ich enorm. Wir leben in einer Gesellschaft, wo sich jeder so wichtig findet und sein eigenes Leben und sein Geld und seinen Besitz und wenn man ein Kind hat, dann ist das alles, ist alles nichts mehr wert, wenn das Kind nicht glücklich ist. #00:14:47-3#

PETER: Ja, das kann ich bestätigen. Auch als Vater. Wie macht ihr das bei euch mit der Rollenaufteilung? Du hast, du bist Zuhause, dein Mann arbeitet, wie geht es euch damit? Und was sagt das Umfeld dazu? #00:15:06-1#

ANKE: Also ja, wir haben im Prinzip die ganz altmodische, klassische Rollenverteilung für uns gewählt. Wir haben das auch ganz bewusst entschieden. Wir haben überlegt, wie wollen wir, dass unsere Kinder groß werden. Und haben gesagt, uns beiden ist es wichtig, dass immer eine Bezugsperson da ist.

Natürlich nicht bis sie 18 sind, aber so die ersten Jahre. Und da haben wir ganz, also ganz pragmatisch gesagt: Mein Mann verdient mehr, also bleibe ich Zuhause. Ja, und für mich war die Umstellung erst einmal ganz ordentlich und an dieser Nummer: Ich verdiene kein Geld, knacke ich auch immer noch, ehrlich gesagt. Also ich glaube, das ist wieder in unserer Gesellschaft, ist es einfach kaum weg zu kriegen. Wir sind so leistungsorientiert und das, was du tust, das, was du wert bist, ist im Prinzip abhängig davon, was sich auf deinem Konto befindet und Mutterschaft oder Elternschaft, wenn du das Vollzeit machst, die hat keinen finanziellen Wert.

Und das finde ich, ist ganz schwer, dann umzustellen. Also für mich zu sagen, das ist unser Geld, was mein Mann verdient. Das ist ganz schwer. Das ist immer noch, dass ich sage, es ist in erster Linie seines und wir haben aber ein Haushaltskonto und da kommt das Geld darauf, was ich so verbrauche für alles. Aber ja, trotzdem höre ich mich, auch nach dreieinhalb Jahren, immer einmal wieder sagen. Ich würde auch gerne einmal wieder Geld verdienen. Das kriegt man, glaube ich, irgendwie nicht heraus. Ja, und Umfeld. Ganz unterschiedlich. Also ich glaube, so das Grundverständnis für: Es bleibt ein Elternteil komplett Zuhause fehlt fast. Was früher völlig normal gewesen ist, ist heute skurril, du bist komisch so ein bisschen. Dann wird so ein bisschen die Nase gerümpft, wenn du auf dem Spielplatz stehst mit deiner Zweieinhalbjährigen morgens, weil die eben nicht in die Kita geht oder noch nicht in die Kita geht und du mit dem Kind Zuhause bist und dann wirst du schon angeguckt.

Ist das nicht total langweilig? Und warum machst du das? Willst du nicht wieder arbeiten? Fühlst du dich nicht unerfüllt und so? Also das sind schon Gespräche, die man dann führt auf dem Kinderspielplatz. #00:17:28-0#

PETER: Das glaube ich, ja. Also es gibt da wirklich viele verschiedene Ansichten oder weil man sich fast rechtfertigen muss, dass man Zuhause bleibt oder dass man sich dann auch rechtfertigen muss, wenn man arbeiten geht. Also das ist wirklich/ #00:17:41-0#

ANKE: Das ist es. Ich habe das Gefühl, man muss sich als Mutter und als Vater sicher auch, eigentlich die ganze Zeit rechtfertigen. Es ist völlig egal, welche Entscheidung für unser Leben und das unserer Kinder wir treffen, wir müssen uns auf jeden Fall rechtfertigen dafür. Und das finde ich, ehrlich gesagt, wirklich schade. #00:17:59-5#

PETER: Das stimmt. Weil eben es gibt nicht die Familie. #00:18:03-6#

ANKE: Genau, ja. #00:18:04-1#

PETER: Und die gab es noch nie. #00:18:06-0#

ANKE: Nein, nein. Das ist es, ja. #00:18:07-8#

PETER: Auch wenn man in die Geschichte guckt, aber eben, es gab noch diese klassische Familie, die man sich vorstellt so. Es gibt immer ein individuelles Modell, wie sich Mann und Frau einrichten mit den Kindern. #00:18:20-0#

ANKE: Genau. Und es gibt immer diejenigen, die dann auf dich zeigen mit dem Finger und sagen: Du machst das falsch. #00:18:27-1#

PETER: Genau. Was macht ihr, wenn ihr verschiedene Ansichten habt in Erziehungsfragen? #00:18:34-8#

ANKE: Also so lapidar würde ich sagen, wir diskutieren solange, bis ich Recht habe. Dann machen wir weiter. Grundsätzlich ist es ja, ist es tatsächlich da auch so aufgeteilt, dass ich schon vorgebe, zumindest grob, in welche Richtung wir da gehen. Alleine, weil ich einfach die meiste Zeit mit den Kindern verbringe und am ehesten einschätzen kann, wo die gerade sind in der Entwicklung. Ich habe den engsten Bezug, auch zum, ja, zum pädagogischen Part. Dadurch, dass ich mich ausschließlich in dieser Welt im Moment bewege.

Und mein Mann ist ja, der ist 40, 45, manchmal mehr, Stunden gar nicht da. Steht nicht den ganzen Tag auf dem Spielplatz, sieht auch die Probleme nicht immer. Und trifft deshalb, also wenn er eine Entscheidung trifft für eine Erziehungsrichtung, nicht immer den dauerhaft praktikablen Weg. Das heißt, er sieht ja nur ein Zeitfenster. Also wenn wir sonntags in einem Familiencafé sind zum Beispiel und sich die total trotzende Tochter da auf den Boden schmeißt und brüllt und er dann sofort sagt: So, jetzt gehen wir. Wir müssen konsequent sein. Anke, du bist nicht konsequent genug, wir müssen das durchziehen, wir müssen sofort gehen, wenn die so etwas macht oder jemanden haut oder was kaputt macht. Oder sonst etwas.

Im Grunde ist das natürlich richtig. Wenn das Kind etwas macht, womit gar nicht leben kann, muss man konsequent sein, aber er macht das nicht jeden Tag. Wenn ich jedes Mal nach Hause gehen würde, wenn meine Tochter irgendwie Mist baut, etwas zerschmeißt, die Wurstfachverkäuferin beleidigt, mich tritt, mich beißt, ein anderes Kind mit einem Stock angreift oder sonst etwas, dann wäre ich nur Zuhause. #00:20:36-7#

PETER: Genau, das finde ich jetzt genau spannend, die Situation, die du beschreibst. Was macht ihr dann? Also dein Mann reagiert auf eine Situation, wie er auch reagiert. Und du sagst, wenn ich das jeden Tag so machen müsste, könnte ich, glaube ich, mit meinen Kindern nicht so gut überleben. Und wie löst ihr das jetzt, die Situation? #00:20:55-6#

ANKE: Wir reden darüber. Also ganz einfach. Wir setzen uns an den Tisch, dann total übermüdet, wir machen, wenn es wirklich so hart ist, dass man es nicht zwischendurch lösen kann, sondern wir wirklich an einen Punkt kommen, wo wir sagen, okay, wir haben ganz konträre Meinungen, dann machen wir ein Erziehungsgespräch-Date, wenn die Kinder schlafen und treffen uns dann noch einmal im Wohnzimmer, sitzen dann da, ganz übermüdet und diskutieren das aus.

Und jeder erzählt, wie er zu seiner Meinung kommt und warum er glaubt, das ist richtig und dann, ja, versuchen wir, offen damit umzugehen, was passiert. Ich habe/ Da muss ich wirklich sagen, ich habe wirklich sehr gut geheiratet, mein Mann ist in der Lage, tatsächlich ruhig sich die Argumente von jemandem anderen anzuhören und von seiner Sichtweise einen Schritt zurück zu machen, um sie aus einer anderen Perspektive zu sehen. Finde ich mehr als bewundernswert.

Ich kann das, ehrlich gesagt, nicht immer. Ich bin da schon dann doch etwas verbohrt manchmal. Er kann das und das spielt uns natürlich total in die Hände, weil das hilft uns enorm, weil er wirklich selbst, wenn wir streiten, dann irgendwann umschaltet und sagt: Okay, passe auf, erkläre mir noch einmal genau, wie du das jetzt siehst und was das für dich bedeuten würde und ich versuche, dich zu verstehen und dann funktioniert das meistens auch. Also es ist irre. Da habe ich einfach Glück gehabt. Ich glaube, wenn man das nicht hat, wird es schwierig. #00:22:28-8#

PETER: Genau. Aber was mich trotzdem noch interessieren würde. In der Situation selber, also jetzt wenn ich mir das so vorstelle. Du sagst, wir sind in einem Café, die Tochter macht etwas und dein Mann sagt: So, jetzt müssen wir konsequent sein, und so weiter. Und dann zieht ihr das durch, was er sagt oder fangt ihr dann an zu reden oder wie macht ihr das? #00:22:46-2#

ANKE: Also wir versuchen, also ich versuche dann mitzumachen, weil ich glaube, wenn man den Kindern da Angriffsfläche bietet, die sofort sehen, die Eltern sind sich uneins, dann nutzen die das ganz schnell aus. Das heißt, ich spiele erst einmal mit, aber er sieht dann anhand meines Blickes schon, dass das noch nicht fertig ist.

Das kann aber meine Tochter nicht sehen. Die versteht das dann noch nicht, wenn wir dann einmal eben tuscheln oder ich ihm einen Blick zuwerfe, der sagt: Das gibt ein Gespräch, ja, aber erst einmal, glaube ich, muss man nach vorne eine Front bilden, weil man kann sich das, wenn man keine Kinder hat, eigentlich wahrscheinlich gar nicht vorstellen, aber auch Zweijährige sind wie kleine Spürhunde, die deine Angriffsflächen erwittern und dann zubeißen, sobald du nicht hinguckst. Also wenn du einen Fehler machst, wenn du einmal eine falsche Entscheidung triffst, dann bauen die darauf, dann hast du verloren. #00:23:45-9#

PETER: Das stimmt und ich muss sagen, ich sehe das als völlig gesund an bei den Kindern. #00:23:50-7#

ANKE: Das ist beruhigend. Ja, ja. #00:23:52-1#

PETER: Weil das ist ihr Job, das Beste für sich zu suchen, ja. Und wenn sich eine Gelegenheit bietet, würden wir wahrscheinlich genauso machen. #00:24:01-2#

ANKE: Ja, wir sind ja nicht mehr so frei. Also Kinder machen ja einfach, wie du schon sagst, das ist ja ihr Job. Sie gucken, was ist der beste Weg für sie, wie bekommen sie, was sie wollen. Das machen wir ja gar nicht mehr. Wir sind ja so gezwungen in Regeln und haben immer Engelchen und Teufelchen auf der Schulter sitzen und können diese Entscheidung so gar nicht mehr treffen. Aber da sollte man sich eigentlich von den Kindern etwas abschneiden. #00:24:25-9#

PETER: Das finde ich auch. Was sollten werdende Eltern deiner Meinung nach unbedingt wissen? #00:24:33-4#

ANKE: Ja, ich glaube, sie sollten, schwierig, also auf der einen Seite, glaube ich, dass es wichtig wäre, einigermaßen realistisch daran zu gehen und wirklich zu sagen, okay, es wird sich ganz, ganz viel ändern in unserem Leben. Wir werden ein großes Stückweit die Kontrolle verlieren, über das, was uns vielleicht wichtig ist, was uns aktuell ausmacht. Aber es ist in Ordnung. Also man sollte keine Angst davor haben, wenn man sich für ein Kind entscheidet, dann entscheidet man sich dafür, einen neuen Lebensabschnitt zu starten und der bringt Veränderungen mit sich.

Genauso wie, wenn man in die Schule kommt oder in das Berufsleben einsteigt, da verändert man sich selber. Das Umfeld verändert sich. Die Art der Gespräche, die man führt, verändert sich und so ist es mit einem Kind auch. Nur dass man bei einem Kind emotional unfassbar miteinbezogen ist, was bei anderen Sachen vielleicht nicht so der Fall ist.

Gleichzeitig finde ich es aber immer total toll, wenn werdende Eltern so ganz naiv sind, also da bin ich, ja, ich finde beide Wege ganz toll und richtig und vielleicht kann man es auch kombinieren, ja, wenn ich sehe, eine Freundin von mir ist jetzt schwanger und sie richtet mit Liebe das Babyzimmer ein und stellt da ein Bettchen hinein und sagt:

Ach und das Baby wird dann in diesem Bettchen schlafen und ich stehe daneben und denke: Nein. Das wird es nicht. Aber ich sage nichts. Ich sage dann nichts, weil, ja, zu viel Angst, zu viel Realität sofort, ist auch irgendwie kontraproduktiv und man weiß es ja nicht. Man weiß ja nicht. Es gibt ja wirklich diese Paare, die ein Durchschlafbaby bekommen, was im separaten Zimmer schläft und nicht den ganzen Tag herumgetragen wird. #00:26:29-9#

PETER: Ja, das gibt es wirklich, ja. Das stimmt. #00:26:32-8#

ANKE: Ja, das stimmt. #00:26:32-9#

PETER: Was mich noch interessieren würde, du erzählst immer, es waren so große Veränderungen in deinem Leben. Privat wie beruflich und wenn sich so etwas anbahnt, dann versucht der Mensch sich neu zu orientieren oder sich auch Hilfe zu holen oder Rat zu holen. Gibt es oder gab es ein Buch oder ein Hörbuch oder etwas, wo dir in dieser Zeit geholfen hat bei dieser Orientierung? #00:26:56-1#

ANKE: Also ich habe vor allem ja Schwierigkeiten gehabt mit dem Thema schlafen und da habe ich tatsächlich viel gelesen. Ich habe aber, ich habe in erster Linie im Internet gelesen, weil man nachts, wenn man im Dunkeln mit einem nicht schlafenden, weinenden Baby sitzt, eher auf dem Handy ein bisschen lesen kann als in einem Buch. Und habe dann viel so Hebammen-Blog heißt das, glaube ich, habe ich gelesen. Das müsste ich noch einmal nachgucken und dir den Link schicken. Also für mich ging es wirklich darum, darüber zu lesen, dass es in Ordnung ist, wenn ein Kind nicht schläft.

Dass es normal ist, dass man alle halbe Stunde geweckt wird und dass das Kind weint und dass das Kind nicht einmal im Babybay schlafen möchte, sondern nur an der Mama oder auf der Mama und dass das in Ordnung ist. Weil das in der Natur des Babys liegt. Das ist sein Instinkt, der sagt, ich möchte bei der Mama liegen.

Und so etwas musste ich lesen. Also ich habe tatsächlich ziemlich gezielt einfach geguckt, was mir hilft. Was mir hilft, weil ändern konnte ich ja an der Situation nichts und dann sucht man sich Sachen, die einen darin bestärken, dass es richtig ist, was gerade passiert. #00:28:15-7#

PETER: Ja, da wäre ich über diesen Link zu diesem Hebammen-Blog wäre ich froh, wenn wir den in die Notizen verlinken können. Was mich auch noch interessiert, wegen deinem Blog, den du schreibst. Über was schreibst du eigentlich? Also ist es nur so deine Alltagserfahrungen oder wo ist der Schwerpunkt? #00:28:32-4#

ANKE: Also ich glaube, den Schwerpunkt lege ich in erster Linie darauf, dass ich über Alltagssituationen allgemein im Mutti-Dasein schreibe und darüber Witze mache. Weil ich/ Es ist nicht einfach. Also ich glaube, Mama sein ist tatsächlich ein harter Job oder Papa sein, je nachdem, wer die meiste Zeit mit den Kindern verbringt. Und was einem so gar nicht hilft, ist wenn man es zu ernst nimmt und das finde ich, also gerade in Deutschland, finde ich, sieht man das ganz oft, dass es alles so wahnsinnig ernst genommen wird.

Jedes Thema wird bis in das kleinste Detail durchdiskutiert und es ist sofort ein Riesenproblem, wenn das Kind mit sechs Monaten noch keine feste Nahrung zu sich nimmt, weil das aber jetzt gerade angesagt ist, dem Kind Stückchen und keinen Brei zu geben.

Und es ist alles so schwer, man kann überhaupt nicht offen erzählen. Man kann nicht sagen, boah, ich habe jetzt seit, bestimmt drei Wochen nicht einmal zwei Stunden durchgeschlafen. Ich habe hier Katzenfutter in die Spülmaschine gekippt, weil ich dachte, es wäre das Waschmittel und ich drehe total durch. Ich habe mich nur noch gestritten mit meinem Mann, wie Sex funktioniert, weiß ich schon gar nicht mehr. Das wird alles gar nicht gesagt, weil das einfach zu ernst ist.

Es ist immer sofort, ist die Beziehung in Gefahr und du kriegst deinen Haushalt nicht gemacht und dein Kind verlottert da irgendwie, weil du es nicht schaffst. Und ich finde, das ist nicht so. Ich finde, man muss das sagen können. Man muss wirklich ganz ehrlich sagen können, ich kriege es hier an dieser Stelle, kriege ich es einfach nicht gebacken. Ich schaffe es nicht, die perfekte Mutter zu sein.

Ich kann da aber darüber lachen. Ich kann darüber lachen, weil es geht tatsächlich ja allen so. Niemand schafft alles. Niemand kann alles richtig machen. Wir reden nur nicht darüber. Wenn wir das aber tun würden, dann könnten wir gemeinsam in der Runde sitzen und völlig gelöst darüber lachen. Und das versuche ich. Ich versuche, diese ganzen Streitpunkte aufzunehmen, ob das jetzt diese unendliche Tragediskussion. Welches Tragesystem? Welches ist richtig? Wie schrecklich ist es für das Kind, den Kinderwagen zu benutzen? Finde ich total, finde ich wirklich lächerlich.

Ich finde, da muss man darüber lachen. Soll doch jeder machen wie er mag. Das Kind sagt schon, was es braucht. Ja, und das ist bei ganz vielen. Also ich habe ganz viele Themen wirklich so ausgewählt: Schlafen, Essen, ja, dieses Tragen, aber auch Situationen, wenn das Kind in die Trotzphase, also spätestens da hat ja jedes Elternpaar das Gefühl, völlig zu versagen. Und auf ganzer Linie alles falsch zu machen, weil das nun einmal passiert. Die Kinder schmeißen sich tatsächlich, also auch von studierten Eltern die Kinder, schmeißen sich an der Kasse auf den oben, brüllen, bewerfen dich mit Schokoriegeln, treten Omas gegen das Schienbein, ja, weiß ich nicht, packen fremde Hunde am Schwanz und brüllen einfach.

Das passiert allen und also es hilft nicht, wegzugucken oder Kommentare abzugeben, wie es denn besser zu handlen wäre. Einfach einmal zur Mutter hingehen, die Hand auf die Schulter legen und sagen: Ja, ich weiß. Ich weiß, es ist furchtbar. #00:31:48-3#

PETER: Alles wird gut. #00:31:48-4#

ANKE: Alles wird gut. Also und das mache ich. Genauso habe ich aber auch meine Fehlgeburt letztes Jahr kommuniziert und aufgeschrieben, weil es für mich wichtig gewesen ist, darüber zu sprechen und weil das genauso ein Tabuthema ist, wenn wir verlieren. Da redet auch keiner darüber und da sind wir, gerade wir Frauen dann genauso alleine damit, wie mit diesem Gefühl, wenn wir ein trotzendes Kind am Arm hinter uns herziehen und denken, die ganze Stadt guckt uns an. Wir sind aber nicht alleine. Mit keinem dieser Themen. #00:32:25-2#

PETER: Anke, ich möchte dieses Plädoyer auf die Leichtigkeit des Elterndaseins als schönen Schlusspunkt, weil du hast jetzt wirklich mit Inbrunst, ja, finde ich wirklich sehr schön, das kommt mit wirklich viel Emotionen, viel Kraft, dass es wirklich darum geht, eben nicht die Dinge so ernst zu nehmen, sondern eben wirklich mehr Leichtigkeit und so ein bisschen ab und zu die Mundwinkel hochziehen und sagen: Ja, es ist so wie es ist. #00:32:55-8#

ANKE: Genau. #00:32:56-4#

PETER: Genau. Das würde ich gerne so als Schlusspunkt nehmen. Ich möchte mich bei dir bedanken für deine Zeit und auch für die Einblicke in dein Mamadasein oder in euer Elterndasein. Ich würde gerne eben diesen Hebammen-Blog von dir verlinken und deinen Blog werde ich auch verlinken in den Notizen. Und wünsche dir noch viel Spaß mit deinen zwei Babies, mit dem frischen Baby, das seit sechs Wochen, was wir im Hintergrund auch immer wieder gehört haben. Ist auch schon dabei. Und ja, ich wünsche dir noch eine gute Zeit. #00:33:31-3#

ANKE: Vielen Dank, wünsche ich dir auch. Viel Erfolg mit deinem Podcast. #00:33:35-1#

PETER: Danke.

#00:33:36-3#