Katja Grach: Ich war oder bin ein Workaholic [023]

Katja Grach

Das Buch zum Podcast

Was ist das Unerwartete das ein Kind mit sich bringt?

  • Wollen Sie wissen, was andere Eltern im Alltag mit Kindern erleben?
  • Wollen Sie wissen, was die grössten Herausforderungen für Eltern sind?
  • Wollen Sie konkrete Hinweise direkt von den Eltern?

Sollen wir Zeit miteinander verbringen oder lieber putzen? Das sind dann Dinge, auf die wir nicht vorbereitet waren.

 

Katja erzählt im Interview:

  • Plötzlich entscheidest du wirklich für einen anderen Menschen und das kann dir niemand abnehmen.
  • Ich habe mir gedacht, als absoluter Workaholic, ich gehe sofort wieder arbeiten.
  • Als unser Sohn in die Krippe gegangen ist, war auf einmal dieser Organisationsaufwand und dieses Es-darf-nichts-dazwischen-kommen, druck da.
  • Ich bin dann ein halbes Jahr gependelt und habe mir dann einen anderen Job gesucht. Und meine Jobs danach an Kinderbetreuungssituationen angepasst.
  • Die Zeit als Paar ist immer mehr verschwunden.
  • Und irgendwann ist man nur mit dem Kind beschäftigt und Fragen tauchen auf:
    Soll man sich einen Babysitter holen?
    Wie viel Geld ist man bereit auszugeben, um gemeinsam ins Kino zu gehen?

 

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Shownotes:

krachbumm.com  – Lifestyle, Sex & Elternschaft ist ein Blog über Sexualität in allen Facetten – ob zwischen den Eltern oder wie mensch mit den Kindern am besten drüber redet, Verhütung, Prävention sexualisierter Gewalt oder auch die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität der Kinder. Es geht um Unbesprochenes, Vergessenes, Ignoriertes und überhaupt die blinden Flecken des Erwachsenenlebens mit und ohne Kind. Manchmal unterhaltsamer, manchmal auch nur aufwühlend.
Zu den Links:

www.krachbumm.com
www.umstandslos.com
www.liebenslust.at/blog

http://www.safe-programm.de/
http://kleinerdrei.org/2017/04/kleinercast-folge-16-lets-talk-about-sex-im-gespraech-mit-der-sexualpaedagogin-katja-grach/


Katjas Lesetipps:


Ich lese lieber:

Transkript:

PETER: Mein heutiger Interviewgast bei Eltern Podcast ist Katja aus dem wunderschönen Graz in Österreich. Hallo, Katja. #0:00:09-4#

KATJA: Hallo. #0:00:11-7#

PETER: Liebe Katja, erzähl uns doch erst einmal, wer du bist, was du machst und wie viele Kinder du hast. #0:00:16-6#

KATJA: Also ich bin eigentlich Sexualpädagogin, komme aus der Erwachsenenbildung. Also die Vermittlung von Bildung ist ein ganz wichtiges berufliches Thema von mir, und ich schreibe auch einen Blog im Internet, der sich nennt: Krach.com – Lifestyle, Sex und Elternschaft – wo ich eben genau diese Themen versuche zu vermitteln. Und ich bin Mutter eines dreieinhalbjährigen Sohnes. #0:00:47-2#

PETER: Ich finde es nur spannend, weil ich habe dich eben über deinen Blog gefunden und den finde ich wirklich sehr, sehr interessant, vor allem auch, weil das Thema Sexualität oft, sage ich jetzt einmal, ein Tabu-Thema ist für unsere Gesellschaft (lacht). Und ich finde, du machst das auf eine sehr, sehr erfrischende Art und Weise. #0:01:04-6#

KATJA: Danke sehr (lacht). #0:01:07-0#

PETER: Und ich kann es wirklich jedem empfehlen, diesen Blog anzuschauen. Was mich interessieren würde, ist, was hat sich durch deine Kinder in deinem Leben verändert? #0:01:17-0#

KATJA: Also der erste große Brocken war so dieses Gefühl von Verantwortung, also man hat ja vor Kindern immer wieder schon einmal das Gefühl, dass man für bestimmte Dinge her Verantwortung übernimmt, ob das jetzt im beruflichen Kontext ist oder für ein Haustier oder was auch immer, aber diese so Lebensentscheidungen zu treffen für so einen kleinen Menschen, also geht es jetzt um ja, impfen, nicht impfen, das ist ja also ein ganz ein großes Elternthema, aber auch sonstige ärztliche Behandlungen. Also du entscheidest ja wirklich für einen anderen Menschen und das kann dir niemand abnehmen. Da habe ich schon ein bisschen eine Ehrfurcht bekommen (lacht), also, was das bedeutet. #0:01:59-8#

PETER: Ja und war das speziell in diesen Entscheidungsfragen eben Impfen oder hast du das auch an anderen Dingen gemerkt? #0:02:05-4#

 

KATJA: Ja, auch. Auch, weil, ich weiß nicht, wie hoch lasse ich das Kind fiebern (lacht), wann gebe ich welche Medikamente? Solche Sachen, aber auch einen Kinderkrippenplatz oder Kindergartenplatz zu suchen, weil natürlich, wenn andere Personen das eigene Kind betreuen, die ja sehr, sehr viele Stunden mit dem verbringen und das Kind eben auch mitprägen. Und das entscheide ich natürlich auch mit. Was wünsche ich mir für ein Umfeld für mein Kind und eben, was wünsche ich mir und was möchte ich auch nicht haben? #0:02:45-5#

PETER: Genau. Da bekommt die Verantwortung eine ganz neue Dimension, das stimmt, ja (lacht). Wie war das im Bereich Arbeitsleben? Also was hat sich da für dich verändert? #0:02:56-4#

KATJA: Ich war ja ganz naiv. Also ich habe mir gedacht, ich gehe ja gar nicht in Elternzeit. Also in Österreich gibt es ja die Möglichkeit, bis zu drei Jahre zu Hause zu bleiben gegen Karenzgeld, und meine eigene Mutter war nur im Mutterschutz diese paar Wochen vor und nach der Geburt und die war nie wirklich in Karenz. Hat natürlich schon gearbeitet, aber nicht so viel, und das ist irgendwie mit Kinderbetreuung gut ausgegangen. Ich habe mir gedacht, als absoluter Workaholic, ich gehe sofort wieder arbeiten und Teilzeit und ich brauche das. Und dann war ich sehr froh, dass ich aufgrund meines Kaiserschnitts ein paar Wochen länger zu Hause bleiben durfte und diese Entscheidung hinausschieben konnte, und habe dann gemerkt so, puh, das wird nicht so funktionieren, anstatt Teilzeit doch lieber nur geringfügig.

Und selbst das war mir eigentlich zu viel, vor allem ich musste pendeln. Also ich hatte einen Arbeitsweg von ein bisschen mehr als einer Stunde zu bewältigen in eine Richtung und mein damaliger Partner und ich haben uns ausgemacht gehabt, wir machen halbe-halbe, das erste halbe Jahr bin ich zu Hause bei unserem Sohn und dann ist er zu Hause. Und dieser Wiedereinstieg war dann schon schwierig, weil das war so irgendwie von Null auf 100 wieder, hat mir zwar gefallen, aber ich habe dann auch gemerkt, als unser Sohn in die Krippe gegangen ist dann, das ist unpackbar, also dieser Organisationsaufwand und dieses Es-darf-nichts-dazwischen-kommen, es darf auch kein Unfall passieren auf dieser Strecke zwischen Kinderkrippe und Arbeitsstelle, weil, wenn ich zu spät komme, dann geht sich alles nicht mehr aus und ich bin im Endeffekt um fünf Uhr Nachmittag so was von erschöpft, obwohl ich nicht viele Stunden gearbeitet habe, und es war unerträglich.

Also ich bin dann ein halbes Jahr gependelt und dann habe ich mir einen anderen Job gesucht. Und eigentlich meine Jobs danach angepasst an Kinderbetreuungssituationen und vor allem, was für mich gut funktioniert, um eine halbwegs ausgeglichene Mutter zu sein (lacht). #0:05:09-4#

PETER: (Lacht) Ja, okay. Genauso die Zeit für sich praktisch, die man auch braucht, um sich zu erholen. #0:05:16-2#

KATJA: Ja. Oder überhaupt einfach nicht so komplett geschlaucht dann zu sein von diesem ganzen Spießrutenlauf. Also ich habe das Gefühl, man hat so viele Wege, und das ist so wenig Zeit und möchte dann auch ansprechbar sein für sein Kind und wirklich Zeit mit ihm verbringen und nicht einfach genervt sein, wenn man eben so müde ist von anderen Dingen. #0:05:35-7#

PETER: Du hast gesagt, ihr habt so ein Modell gehabt, fifty-fifty, das heißt, das erste halbe Jahr warst du daheim und das zweite halbe Jahr war dein Partner. Und jetzt hast du erzählt, als du dann wieder berufstätig warst, das war so recht anspruchsvoll. Wie war das aber, als du daheim warst? #0:05:54-9#

KATJA: Wir hatten ausgemacht, dass die Person, die die Kinderbetreuung übernimmt, nicht automatisch die Hausarbeit übernimmt. Also die haben wir uns trotzdem geteilt, also war es jetzt, unter Anführungszeichen, nur die Kinderbetreuung. Das hat sowieso ganz gut gepasst, aber der Schock für mich war der, dass einfach, weil ich einer der Ersten war aus meinem Freundes- und Familienkreis, die ein Kind bekommen hat, niemand Zeit hatte für mich am Vormittag (lacht), weil alle in der Arbeit waren. Und wenn ich dann ein Kaffeetrinken-Date ausgemacht habe mit jemandem und das kurzfristig abgesagt wurde, dann war ich wild verzweifelt, weil mein Sozialkontakt für diese Woche ist einfach flöten gegangen (lacht).

Es war auch geprägt von einer gewissen Einsamkeit und wo einfach ein Austausch mit anderen erwachsenen Personen gefehlt hat, das habe ich schwierig gefunden. Und dass auch jemand die gleichen Sorgen und Nöte kennt wie man selber in der Situation. Es sind dann danach alle schwanger geworden, aber das hat ein bisschen gedauert (lacht). #0:07:09-0#

PETER: Aha, okay. Was hat sich für dich in der Beziehung zu deinem Partner verändert durch das Kind? #0:07:15-7#

KATJA: Das ist eine schwierige Frage, wir sind ja mittlerweile getrennt (lacht). Ich würde das jetzt nicht auf das Kind zurückführen, auch wenn die Trennungsrate innerhalb vom ersten Lebensjahr relativ hoch ist bei vielen Paaren. Bei uns hat es andere Gründe gehabt, aber das, was das Schwierige war, ist, dass auf einmal aus einer Zweierbeziehung eine Dreierbeziehung geworden ist und darauf waren wir nicht vorbereitet.

Und diese Zeit als Paar, die ist eben auch immer mehr verschwunden, und dass man sich die bewusst einteilen muss, war uns nicht so klar, und mit Schlafensgehenzeiten und Mittagsschlaf, der dann auch einmal wegfällt, und irgendwann ist man dann nur mehr mit dem Kind beschäftigt, und soll man sich jetzt einen Babysitter holen, wie viel Geld ist man bereit auszugeben, um gemeinsam ins Kino zu gehen und dann noch jemanden zu zahlen? Also das ist dann immer so, hm, sollen wir Zeit miteinander verbringen oder sollen wir lieber sparen? Sollen wir Zeit miteinander verbringen oder lieber putzen? (lacht) Das sind dann Dinge, auf die wir nicht vorbereitet waren. Das verändert sich sehr stark, ja. Damit haben wir nicht gerechnet. #0:08:37-1#

PETER: Okay. Und was war für dich jetzt so als Mama die größte Herausforderung? #0:08:43-0#

KATJA: Meinem eigenen Anspruch gerecht zu werden und diese / also ich habe ja vorher Geschlechterforschung studiert und mir waren ja diese ganzen Klischees und Stereotypen durchaus bewusst, aber mit der Mutterrolle ist dann noch einmal ein riesiger Brocken dazugekommen und so viele Zuschreibungen und so viele Erwartungen aus so vielen unterschiedlichen Richtungen und da irgendwie so seine eigene Linie zu finden, zu der man dann auch steht und sich nicht verunsichern zu lassen, das war für mich das Schwierigste. #0:09:23-4#

PETER: Und wie hast du das letztendlich gemacht? Also es ist ja so, es gibt ja so schwierige Situationen, aber dann sucht man nach Lösungen oder man löst sie dann einfach für sich und wie hast du das gemacht? #0:09:33-8#

KATJA: Ich habe mich nur mehr mit Menschen gleicher Meinung umgeben (lacht). Nein und leben und leben lassen. Also ich finde es dann auch schwierig, dass man selber nicht anfängt, beim anderen herumzumeckern, dass man quasi dann meint, man selber macht es am richtigsten und die anderen machen das nicht so richtig.

Nein, aber ich habe es sehr hilfreich gefunden, dass es irrsinnig viele Blogs im Internet gibt zum Thema Elternschaft, unterschiedliche Blogs, und ich habe mir einfach die rausgesucht, wo ich das Gefühl habe, da ticken die Eltern ähnlich, und die / Wie heißt sie denn, jetzt weiß ich nicht ihren Namen, von „Geborgen Wachsen“? Mir fällt ihr Vorname nicht ein. Sie spricht öfter einmal so von einer Elterncommunity, weil eben so dieses Zusammenleben in Großfamilien ein bisschen abhandengekommen ist und wo wirklich sich sowieso alle einmischen auch bei der Erziehung, aber diese Elterncommunity im Internet, die füllt diesen Platz aus und da habe ich mich auch sehr gut aufgehoben gefühlt.

Immer wieder einmal zu sehen, was passiert bei denen, was gibt es für Tipps für diese und jene Situationen und wie hält man auch diese Fragen aus von Personen anderer Generationen, die ständig hinterfragen, ist das jetzt gescheit, im Familienbett zu schlafen, oder wie lange kann man zusehen, dass das Kind noch immer eine Windel trägt oder nicht? Und das ist sehr rückenstärkend für mich einfach auch. #0:11:05-0#

PETER: Ist ein guter Hinweis, finde ich, sich da wirklich zu vernetzen oder sich auch die Infos zu holen. Du hast vorhin aber noch etwas erwähnt, wo ich gerne nachhaken würde, und zwar, die eigenen Ansprüche, die man hat. Wie bist du damit umgegangen? Oder wie bist du die Ansprüche losgeworden so? (lacht) #0:11:26-3#

KATJA: Ich bin sie noch nicht ganz losgeworden, aber der Jesper Juul sagt, glaube ich immer, Eltern sind eben auch Menschen und keine Schaufensterpuppen. Und insofern gibt es natürlich Tage, an denen ich trotzdem sehr genervt bin und eine sehr kurze Zündschnur habe, und ich denke mir, das darf auch sein. Also Eltern müssen nicht immer gut gelaunt sein, sondern die haben eben jedes Spektrum von Gefühlen wie Kinder auch und ich versuche das eben meinem Sohn auch zu erklären und mich auch zu entschuldigen, wenn ich mich elternunadäquat verhalte (lacht). So gehe ich damit um, aber es darf auch sein, weil. wir sind eben Menschen, wir sind nicht perfekt. Geht eben nicht. #0:12:13-7#

PETER: Mhm (bejahend), das stimmt. Du hast vorhin erzählt über eure Rollenaufteilung, das sei so, zuerst warst du ein halbes Jahr daheim, dann dein Partner, wie hat das Umfeld darauf reagiert? #0:12:25-0#

KATJA: Teilweise irritiert, teilweise haben sie von uns sowieso nichts anderes erwartet. Man muss allerdings dazu sagen, dass das eben / okay, zu Hause oder in der Arbeit, das ist eine Rahmenbedingung, das sagt aber noch nichts über die Aufteilung von Haushalt und so weiter tatsächlich aus (lacht), weil, auch wenn wir vorher geglaubt haben, wir sind total gleichberechtigt in der Beziehung, haben sich trotzdem total traditionelle Rollenmuster eingeschlichen, sobald das Kind geboren war (lacht), an denen wir auch geknabbert haben.

Aber was eben überraschend oder, überraschend ist es sowieso nicht, aber was eben teilweise nervig war, dieses, sobald mein Partner zu Hause war: Ja, und wie großartig, dass der das macht und so weiter und sofort. Und im Endeffekt erwarte ich mir eben auch von einem Elternteil, dass es die Verantwortung für das Kind übernimmt. Und es ist eher jetzt so, wo unser Sohn also einmal bei ihm wohnt und einmal bei mir wohnt, wo wir das aufgeteilt haben, dass er halt nie danach gefragt wird, wo das Kind ist oder wie es jetzt betreut ist, aber ich ständig diese Fragen bekomme, egal, ob ich auf einem Berggipfel bin oder bei einem Begräbnis: Ja, und wo ist jetzt das Kind (lacht)? #0:13:48-7#

PETER: Ja, das ist wirklich sehr spannend, weil das ist noch sehr verhaftet in unserer Gesellschaft (lacht), das Kind-und-Mutter-muss-zusammen-sein. #0:13:57-3#

KATJA: Ja, 24 Stunden am besten (lacht). #0:14:00-9#

PETER: Genau. Wie habt ihr das eigentlich gemacht bei unterschiedlichen Erziehungsansichten? Oder wie macht ihr das heute noch? #0:14:09-6#

KATJA: Puh (lacht). Ich weiß nicht, ob ich so viele unterschiedliche Erziehungsansichten zulasse, muss ich ganz ehrlich sagen (lacht). Nein, grundsätzlich ticken wir sowieso ähnlich und ich bin eben schon diejenige, die sich jetzt da mehr auch mit Ratgeberliteratur und so weiter, oder mit Blogs eben eingelesen hat, und ich eben dann Argumente dafür bringe, warum und wieso wir dieses und jenes so machen sollten.

Und wenn es andere Meinungen gibt, dann diskutieren wir darüber, aber es ist für mich auch absolut in Ordnung, dass, wenn mein Sohn beim Papa ist, dass manche Dinge eben einfach anders laufen, und es ist auch gut so. Also es ist ja auch bei Oma und Opa, gibt es eben manchmal andere Regeln, und ich denke mir, die Menschen sind so unterschiedlich und jeder macht verschiedenes, nur Grund dessen, was mir am allerwichtigsten ist, ist, dass unser Kind die Möglichkeit hat, sich einfach so frei wie möglich zu entfalten und dass es nicht in eine Richtung gedrängt wird, von wegen richtiger Junge, weil jedes Kind mit seinen Eigenschaften und Talenten richtig ist, so wie es ist.

Und da braucht man nicht extra einen Stempel draufdrücken, also das ist eher so unser Thema, unser beider Thema. Und wo wir aber auch immer unsere eigenen Klischees und Vorurteile hinterfragen müssen, wo wir dann auch merken, wo es dann plötzlich nurmehr Spielzeug gibt, das in eine Richtung geht und der Papa dann nur noch Lego baut mit dem Sohn und ich anfange zu basteln, also, ob wir das dann auch wieder einmal aufbrechen, da müssen wir uns dann beide bei der Nase nehmen, aber sonst ist es jetzt nicht so unterschiedlich. #0:16:06-4#

PETER: Ich frage jetzt trotzdem ein bisschen nach (lacht), und zwar, das ist ja, so, wie du das beschrieben hast, klar, du hast deine Ansichten, dein Mann hat seine Ansichten und dann habt ihr so darüber diskutiert und habt euch irgendwie geeinigt, aber ich kann mir vorstellen, dass es trotzdem Situationen gab, wo zum Beispiel ihr zusammen wart, und das mit eurem Sohn, und dein Mann hat etwas gemacht, was du vielleicht nicht so toll gefunden hast. Was habt ihr konkret in der Situation / wie habt ihr das da gelöst? #0:16:35-7#

KATJA: Ich muss sagen, durch die Trennung gibt es so ein Leben davor und danach und ich kann mich an das Davor gar nicht mehr so richtig erinnern (lacht). Aber in unserer Familie waren andere Themen immer viel schwerwiegender in Erziehungsfragen als so diese klassischen Kleinigkeiten, die Süßigkeiten und so betreffen, weil, was man auf meinem Blog eben auch findet, ist, dass mein Expartner eine psychische Erkrankung hat und ich mir sowieso sehr viel mit dem Thema sexualisierte Gewalt beschäftige und Prävention.

Und eigentlich unser beider Fokus immer so darauf war, wie können wir Erziehung gestalten, oder das Begleiten unseres Kindes gestalten, dass das weder Opfer noch Täter wird? Und da war immer so stark unser Fokus auf diese Geschlechter-Themen und weniger auf: Wird jetzt heute noch Zähne geputzt oder nicht?

Ich bin da schon die strengere, aber ich kann es auch aushalten, wenn einmal etwas nicht so gemacht wird, und versuche dann mit meinem Expartner, oder damals mein Partner, das eben dann zu klären. Nicht vor dem Kind, weil das finde ich auch nicht gescheit, wenn man sich so gegenseitig dann ein bisschen in die Schranken weist, weil die Kinder ja auch merken, wie man die Eltern gegeneinander ausspielen kann. Aber nein, mir fällt gar nichts mehr ein und eben, es kommt mir schon so lange her vor (lacht). So wie das Leben vor dem Kind, an das kann ich mich auch kaum noch erinnern (lacht). #0:18:15-1#

PETER: (Lacht) Okay. Was mich noch interessieren würde, welche Fähigkeiten oder Stärken hast du entwickelt oder neu entdeckt durch das Mama-Sein? #0:18:25-9#

KATJA: Viel mehr Aufmerksamkeit für kleine Dinge. Also was ja Kinder so haben, da finden sie einmal ein Schneckenhäuschen und da ist eine Ameise und ein Käfer und so weiter, und ich gehe jetzt auch schon mit diesem Blick durch die Welt und sammle ständig Schneckenhäuser (lacht), und habe mir wirklich / also ich bin eben so eine, die sehr aktiv ist und sehr viel in kurzer Zeit weiterbringt, wenn sie möchte, und mein Sohn hat da sehr viel Tempo rausgenommen und ich habe wieder so gelernt mir wirklich Zeit zu nehmen, mich einzulassen auf Momente, und dass es absolut in Ordnung ist, wenn der Weg vom Kindergarten nach Hause eine Stunde dauert, auch wenn er in zehn Minuten zu bewältigen wäre, und dass wir einfach gemeinsam die Welt entdecken.

Das hat für mich einen großen Gewinn, weil es mich auch ein bisschen runterbringt von meinem persönlichen Stress-Level. Und dann habe ich mich beruflich eben auch immer wieder damit beschäftigt gehabt, wie man komplexes Wissen möglichst einfach jemandem erklärt, der nichts mit dem Thema zu tun hat, und das ist auch etwas, wo ich gerade merke mit meinem Sohn, puh, wie erkläre ich ihm die Welt? Gerade ist das Thema Tod irrsinnig spannend, auf unterschiedlichsten Ebenen, und ich finde das total schwierig und herausfordernd, zu erklären, wie es denn mit dem Kämpfen ist und den Rittern, und dann gibt es aber Nachrichten über Krieg und dann möchte ich irgendwie nicht, dass er Panzer spielt und dann stirbt eine nahestehende Person und das hängt alles irgendwie zusammen.

Und wo ist so der Grat zwischen Überforderung und was kann man einfach so stehen lassen? Und da merke ich, dass ich mich einfach ständig weiterentwickle und eben dazulerne, dass man möglichst große Dinge ganz einfach erklärt. #0:20:24-0#

PETER: Und hast du da einen Tipp, wie man das macht, weil das finde ich schon eine Herausforderung (lacht). #0:20:28-5#

KATJA: Also bei uns war es, genau, das wollte ich sowieso sagen, jetzt ist es mir wieder eingefallen, eben auch wegen dem Thema psychische Erkrankungen und so. Es gibt ein paar Bücher, die sehr hilfreich sind. Das eine heißt: Was ist bloß mit Mama los. Und da kommt darin vor, dass in den Köpfen von Menschen, denen es eben nicht gut geht, weil sie Depressionen oder Borderliner oder was auch immer sind, wilde Tiere wohnen, und die sind manchmal so laut, dass man gar nicht richtig denken kann.

Und in diesen Phasen, wo eben quasi ein Elternteil weniger ansprechbar war, haben wir das auch versucht zu erklären und das hat wunderbar funktioniert. Und unser Sohn hat dann auch selber gesagt, ja, er hat auch ein kleines Monster in seinem Kopf, aber das ist immer fröhlich (lacht). #0:21:18-6#

PETER: Wie heißt das Buch noch einmal? #0:21:22-0#

KATJA: Was ist bloß mit Mama los? 0:21:24-0#

PETER: Ah, okay. #0:21:24-7#

KATJA: Und auch ein Buch, das wir total hilfreich gefunden haben, das heißt Mondpapas. Das habe ich auf dem Blog von „Mama arbeitet“ gefunden, da geht es um abwesende Väter und dass die eben so aussehen wie und Sachen tun wie ganz normale Papas, aber die sind eben auch abwesend, weil sie so in ihre Arbeit verstrickt sind oder weil sie eine andere Familie haben oder weil sie eben krank sind und deswegen eben nicht gut denken und fühlen können.

Und deswegen sind sie eben so sporadisch nur anwesend und man weiß nie genau, wann sie wieder kommen. Und da hat es eben Phasen gegeben, wo wir das Buch sehr gut verwenden konnten. Jetzt momentan haben wir sowieso keinen Mondpapa, aber das war auch wahnsinnig gut für ihn zu nehmen, und das ist für ein dreijähriges Kind super aufbereitet. Und ich bin ein großer Fan davon, Kindern wirklich alles zu erklären, gerade so diese Gefühlslagen von Eltern, weil sie neigen im Kleinkindalter extrem dazu, dass sie alles auf sich beziehen und meinen, sie wären schuld daran.

Und deswegen finde ich es wichtig, auch auszulagern und zu sagen, okay, da gibt es ein wildes Tier im Kopf (lacht), das ist dafür zuständig, dass es jetzt Mama oder Papa so geht, aber es ist nicht deine Schuld. Und wir müssen eben irgendwas machen, damit das wilde Tier jetzt schläft, und deswegen muss jetzt Mama oder Papa eben zum Arzt gehen oder eben einmal ein bisschen Sport machen gehen oder sich eben mit Freunden treffen und dann schläft das Wildtier auch. Und es ist total gut verständlich und nachvollziehbar. #0:23:09-5#

PETER: Super. Das finde ich einen sehr guten Hinweis oder guten Tipp diese zwei Bücher. Finde ich wirklich interessant, werde ich verlinken auf jeden Fall, in den Shownotes. Was mich noch interessieren würde, ist, normalerweise wird man recht gut darauf vorbereitet auf die Geburt und auf alles, was da so passiert, aber doch gibt es dann Dinge, die nach der Geburt passieren mit dem Alter, im Alltag mit dem Kind, die man so nicht erwartet hätte. Was war das bei dir? #0:23:44-3#

KATJA: Mit dem Kind weniger, aber bei der Geburt, was mir auch ganz ein großes Anliegen ist, ich habe es auf dem Blog noch nicht so drauf. Und zwar, also ich bin auch Safe-Mentorin, ich weiß nicht, ob dir das etwas sagt. Es gibt so eine sichere Ausbildung für Eltern, von Karl Heinz Brisch ist dieses Programm, und da geht es darum, Eltern darin zu unterstützen, dass sie eine sichere Bindung zu ihren Kindern aufbauen.

Also das ist so ein Programm, das schon mit schwangeren oder werdenden Eltern beginnt und ich habe diese Ausbildung auch gemacht und da ist eben auch so etwas, was mitschwingt, ob es Traumatisierungen gibt von den Eltern, die möglicherweise mit der Geburt des Kindes plötzlich wieder aktuell werden könnten, weil Kinder wunderbare Trigger sind.

Und gerade so frühkindliche Traumatisierungen auch gerne wieder einmal aufpoppen lassen, und Frauen die sexualisierte Gewalt erfahren haben, wissen oft nicht, dass das Geburtserlebnis an sich ganz viele alte Wunden aufreißen kann und werden auch nicht darauf vorbereitet. Und oft sind die Rahmenbedingungen gerade in Krankenhäusern jetzt nicht ideal, weil man sich einfach nicht in so einem sicheren Rahmen fühlt und Geburt ist sowieso Kontrollverlust und Naturgewalt auch oft ein bisschen.

Und so ein Geburtserlebnis kann dann plötzlich weit, weit über postpartale Depressionen hinausgehen und man hat so das Gefühl, man kann jetzt überhaupt nicht für das Kind in der Art und Weise da sein. Oder man fühlt sich einfach / es brechen ganz viele Dinge auf, die eben dann auch am guten Elternsein ein bisschen hindern, weil man so sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Und da gibt es nur relativ wenig dazu, außer ein Buch, von dem ich jetzt gerade überlege, wie das heißt. Es ist von der Tanja Sahib, ich glaube, es heißt: Es ist noch nicht vorbei. Und dreht sich um traumatische Geburtserlebnisse.

Das würde ich auf jeden Fall werdenden Eltern empfehlen und das Safe-Buch von Karl Heinz Brisch, weil man eben nie weiß, was macht das Erlebnis mit einem und auch, ich glaube, obwohl viele, viele Männer sich mutig in den Kreißsaal stürzen, wird trotzdem, glaube ich, wenig als Paar darüber gesprochen, wie jetzt die Geburt erlebt worden ist und wie viel Angst und Überforderung da auch ist auf beiden Seiten. #0:26:16-5#

PETER: Genau, ich erlebe das auch oft so, dass es heute wie Usus ist, dass man bei der Geburt dabei ist und dass man sich fast nicht traut, als Mann zu sagen, nein, das ich eben Angst davor habe oder ich mache mir Sorgen oder für mich ist das nichts. Und dann gibt es da recht spannende Erlebnisse, die Männer so berichten manchmal. #0:26:37-3#

KATJA: Ja, und auch, also ich denke mir, also ich habe mich aller Körperflüssigkeiten entledigt vor meiner Geburt (lacht) und ich glaube nicht, dass es so angenehm war für meinen Partner damals eben, mir diese Schüssel zu halten, während ich mich übergebe und einfach nichts tun kann und er auch nichts tun kann, aber man ist dann so beschäftigt mit: das Kind ist da, juchhu und Hauptsache gesund, dass man ganz vergisst dabei, wie war denn das Erleben jetzt überhaupt für beide? Haben wir das so verdaut und ich glaube aber, dass das irrsinnig zusammenschweißen kann, wenn man da ehrlich darüber spricht. #0:27:12-7#

PETER: Ja, das finde ich ein ganz, ganz wichtiges Thema. Du hast am Anfang erzählt, dass du einen Blog schreibst, wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass du angefangen hast einen Blog zu schreiben? #0:27:21-9#

KATJA: Ich habe 2009, 2010 eine Weltreise gemacht und den per Blog begleitet. Und weil ich immer schon gerne geschrieben habe und dann irgendwie von einem halben Jahr schreiben so begeistert war, habe ich nicht mehr aufhören können, habe dann angefangen Geschlechterforschung noch neben der Arbeit zu studieren, habe das auch mit einem neuen Blog begleitet, der dann so hier ist wie, gut, dann werde ich einmal Feministin (lacht).

Und in dieser Zeit habe ich viele andere Blogs kennengelernt und gemerkt, es gibt gerade, was Geschlechterforschung betrifft, so eine Elfenbeinturm-Diskussion und dann gibt es auch noch die Mama-Blogs, also die habe ich dann eben entdeckt, wie ich schwanger war, aber es gibt irgendwie nichts so dazwischen, oder für mich eben weniger, was irgendwie so ein verbindendes Glied wäre.

Und habe lange darüber gebrütet, wie denn das aussehen könnte. Und zu dieser Zeit sind eben die Autorinnen von Umstandslos, das ist ein feministisches Müttermagazin, ein Online-Magazin, auf mich zugekommen und haben gefragt, ob ich mitmachen möchte, und habe natürlich gesagt, ja, und da schreibe ich auch immer wieder einmal Gastbeiträge und habe dann das noch weiter gesponnen, weil das hat natürlich auch wieder eine bestimmte Zielgruppe, weil ich wollte nicht Feminismus draufkleben, weil das sehr viel Abwehr dann gleich einmal hervorruft, und habe mich dann auch immer mehr weitergebildet in Richtung Sexualpädagogik und Trauma-Prävention und Gewalt-Prävention und dann ist irgendwie daraus Krachbumm entstanden.

Und da mein Nachname, ist ja Krach, aber mit „G“ geschrieben, und den schreibt jeder falsch (lacht), und dann habe ich gedacht, okay, Krachbumm, das passt, das passt ein bisschen zu meiner Persönlichkeit und jetzt, wenn man so Tabus aufbrechen möchte, passt das auch ganz gut, ich stelle das jetzt einfach einmal online. Und habe dann einfach angefangen, die Themen, die mich studientechnisch beschäftigt haben, in den Weiterbildungen, aufzudröseln, also ich habe ja auch etwas über die Erfindung der Mutterschaft und des natürlichen Stillens und so drauf, aber genauso eben diese Gewalt-Präventionsgeschichten, aber auch Sexualität.

Das war mir wichtig, mit Themen zu kommen, die sonst nirgends verhandelt werden, und jetzt war ich das letzte Jahr sowieso ein bisschen faul unter Anführungszeichen, aber da waren einfach privat so viele Veränderungen, dass die Zeit dafür gefehlt hat, mir zu überlegen, womit ich wieder online gehe. Deswegen bin ich froh, dass du mich gefragt hast für dieses Interview. #0:30:02-8#

PETER: (Lacht) Okay. Ja, ich bin auf deinem Blog hängen geblieben, weil er eben anders ist wie andere Blogs (lacht). Und das hat mich sehr beeindruckt, und vor allem, weil du über diese Themen sprichst, die nicht so populär sind oder über die man nicht so spricht, und du machst es auf eine sehr, sehr angenehme Art und Weise. #0:30:23-8#

KATJA: Danke (lacht). #0:30:25-0#

PETER: Bitte. Ja, wir haben 30 Minuten fast vorbei. Ich möchte mich auf jeden Fall bei dir bedanken, dass du uns Einblick gewährt hast in dein Leben als Mama, in deinen Alltag, und wünsche dir alles, alles Gute für deinen Blog und für deinen Job und für dein Leben. #0:30:48-4#

KATJA: Danke sehr. #0:30:51-8#

PETER: Ja, tschau. #0:30:51-9#

KATJA: Tschau, auf Wiedersehen. #0:30:53-8#

 

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